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Blut.

Erzählung von Erich Weber.

Einmal blieb der Jokl Christian aus Kleinarün wahrend des Ackerns plötzlich stehen, ließ das Leitsell aus den Händen fallen, gab habet auch den Pflug frei und lauschte, gleich emem, der aus langem, tiefem Schlafe erwacht, nach dem nahen Walde hinüber, aus dem die hellen Rufe einer Drossel schallten. Der Christian blieb noch eine Weile unschlüssig. Er sah den Pferden nach, die leichteren Schrittes den umgekipplen Pflug hinter sich herschleiften, und schien zu überlegen, ob er tljnen nicht nachgehen und die unterbrochene Arbeit wieder aufnehmen solle. Dann aber wandte er sich, überließ das Ge­spann dem eigenen Willen und stapfte dem Walde zu, so hastig, als würde ihm doh dort gerufen.

An diesem Tage geschah es, daß die Rosse des Jokl- Bauern zum ersten Male allein vom Felde heimkehrten, denn ihnen war die Zeit lang geworden. Die Kleingrüner wun­derten sich, als die Tiere herrenlos durch das Dorf trotteten, und manche schimpften auch, weil der hüpfende Pflug die Straße aufriß. Das junge Weib des Christian aber erblaßte unter einer bösen Ahnung, als das Gespann in den Hof ein­bog. Die Angst der Bäuerin verlor sich auch nicht, als der Christian wenig später selber heim kam und ihr in der hohlen Hand eine kaum flügge gewordene Drossel hinhielt.Die is' deine, Anna", sagte er und sah an ihr vorbei, während er sprach. Sie schaute ihm verständnislos in das Gesicht. Dafür läßt einer doch net Pferde und Arbeit im Stiche", meinte sie gedrückt.

Lang und schmal stand der Mann vor ihr. Er hatte den Kopf mit den pechschwarzen, krausen Haaren in den Nacken geworfen, seine Augen funkelten, und quer über der dunkel­braunen Stirne stand eine tiefe Falte.Was weißt denn du", gab er kurz zur Antwort und lief dann aus der Stube. Später holte er einen Käfig vom Boden, gab die Drossel hinein und hängte den Bauer in einer leeren Kammer auf.

Seitdem fuhr der Christian nicht mehr auf seine Felder, ohne daß er Sprenkel, Netze und Leimruten mit hinausnahm, und bald war in seinem Haufe schier kein Plätzchen mehr vorhanden für all' die Zeisige, Rotkehlchen, Finken, Stieglitze und Meisen, die er heimbrachte. Dafür arbeitete er aber auch von Tag zu Tag weniger, ließ allmählich Aecker und Wiesen verkommen, und immer öfter verloren die allein gelassenen Pferde die Geduld und liefen nach Hause, wie es thuen paßte. Die im Dorfe sagten dann:Der Christian hat wieder fein' Ppg'l" und spotteten noch mehr, bis sie schließltch merkten, wie blaß und vergrämt Die ehemals so lebensfrohe Anna umherging und wie vergeblich sie sich dem hereinbrechenden Unglück entgegenstemmte. Da bedauerten sie das junge Weib, zumal sich die Äeltesten unter ihnen erinnerten und kund taten: Unter den Jokls sind schon ein paar solche gewesen, und nun der Christian der Letzte ist, wird er wohl auch der Schlimmste sein.

Sie behielten recht. Der Christian ging den schiefen Weg weiter. Nur im Walde war er ruhig und glücklich, konnte stundenlang einem Waldsänger folgen, der gleich einem bun­ten Traume vor ihm herflatterte, und sich kindlich freuen, wenn er ihn endlich gefangen hatte. Auf seinem Hofe in­dessen war er bald nur noch ein Gast.Ich kann dein lang­weiliges Getue nicht leiden", schrie er die mahnende Frau an, lief fort und verbrachte die Nächte in Schenken und Wirts­häusern. Dort stellte er alles auf den Kopf, gleich einem, in den zehn Teufel hineingefahren sind, und konnte doch wieder auch stundenlang sitzen, ohne ein Wort zu sprechen, ganz in fid) versunken, als horche er auf Stimmen, die außer ihm kein Mensch vernahm. Die Bauern lachten längst nicht mehr, aber oft kam ihnen das Grausen, wenn sie sahen, wie der einst so sparsame Christian jetzt in einer Nacht vertat, was tn einem > whre nicht zu verdienen war. Er wurde bekannt in den Dörfern des ganzen Umkreises, und wenn er auf irgend einem 2.anzsaale ein Mädchen nur ansah, war es sein, obschon alle wußten, daß er daheim ein Weib hatte. Wem die Silber- gulden locker sitzen, den lieben aber auch die Musikanten. Dem Christian zogen sie oft in Scharen nach. Sie nannten ihn ihren Meister, und tatsächlich war es so, daß er keine Fiedel itrtch, ohne daß sie plötzlich klang, als trüge sie tm hölzernen

Seibe eine lebende Seele. Um Noten kümmerte sich der Eyrr- stian dabei niemals. Seine Weisen waren so unbekannt, als habe er sie vom Winde ^getragen bekommen oder aus den Wäldern mitgebracht. Dafür hörte der Tanz des öfteren eine iSeile auf, wenn er musizierte. Tie Burschen standen betreten ixnb schweigend umher, während die Mädchen seufzten und glänzende Äugen bekamen. Bis der Christian dann unter wildem Lachen feine weißen Zähne zeigte, etnen rasenden Salopp anschlug und der ganze Saal ein brodelnder Hexen­kessel wurde. Nachher floß :as Ererbter n. Backen. dre Bur- ichen tranken am Gesimse jeden Schnaps umsonst, und mitten unter den erhitzten, lachenden und kreischenden Frauen­zimmern und Mannsbildern tobte der Christian und war der Tollste von allen. Es geschah wohl, daß er zu solcher Stunde Nützlich aus dem Kreise der Kumpane verschwand und beim zu seinem Weibe lief. Er kniete dann vor der stillen Frau, drückte den Kopf in ihren Schoß, klagte sich an, weinte gar und versprach Besserung. Und die Bäuerin fühlte seine Not und schenkte ihm Mitleid und Verzeihung; denn obgleich sie furchtbar litt, ahnte sie doch auch, daß er schuldlos war und alles kam, wie es kommen mußte, kraft eines unerbittlichen Gesetzes.

Wenige Jahre später gehörte dem Christian keine Schindel mehr auf dem Dache seines Hauses. Damals hielt sich eine Figeunerbande in den Wäldern der Kleingrüner Gegend auf. Da spannte der Jokl Bauer eines Tages das letzte Pferd vor den Wagen, lud das letzte Schwein auf, nahm Abschied von seiner Frau und fuhr davon, um das Tier in der Stadt zu verkaufen.

Wiedergekommen ist er nicht. Er blieb seitdem ver­schollen,, so, als habe ihn die Erde verschluckt. Sein Weib klagte nicht. Sie brachte die Angelegenheiten des Joklhofes in Ordnung, wobei ihr die Kleingrüner nach Kräften halfen. AIs ein Käufer gefunden war, zog sie gleichfalls aus der Gegend fort.

Der Besitzwechsel brachte es mit sich, daß feit langer Zeit auch wieder einmal in der Kirchenchronik des Dorsis nach­geschlagen wurde. Da sah man, daß der Joklhof runde drei­hundert Jahre in den Händen der Familie geblieben war. Der erste Besitzer aber ist einer namens Kalman Jokai gewesen, und er kam während des Dreißigjährigen Krieges nach Böh­men, damals, als Wallenstein den Ungarnfürsten Bethlen zum Frieden gezwungen hatte. Die Kleingrüner, die davon hörten, wunderten sich nicht mehr über das Schicksal des Hofes und des Christian.

Den hat Halt das Blut gezogen", sagten sie, und sie brachten es vor wie eine Entschuldigung; denn dafür hatten sie Verständ­nis, weil sie wußten, daß Blut stärker bindet als sonst etwas in der Welt.

Das neue Hüter!.

Von Theaterdirektor a. D. Richard Erdmann.

In der bayerischen Stadt Günzburg a. D., die im Besitze eines hübschen Stadttheaiers ist, hatte ich einen Hausstatisten, eine wahre Prachtausgabe. Sein größter Stolz war eine ober­bayerische Kluft. Alles hatte er eigen. Von der hirschledernen Hose bis zumJanker" fehlte ihm nichts. Nur ein Hut mit Gamsbart, der mangelte ihm noch.

Eines Tages, als ich ein oberbayerisches Volksstück gab, kam nun mein Statist freudestrahlend zu mir und rief:Herr Direk­tor, i hob ihn! An echten, büldsaubercn schaug'n Sie 'n an, der Hut, der spülll heil obend mit!"

Die Abendvorstellung war im besten Gange. Der erste Liebhaber stellte einen Wilderer dar, der auf frischer Tat ertappt und gestellt wird und sich mit einem Gewehrstutzen zu verteidigen hat. Der Statist nahm die Rolle eines Forstgehilsen, der zwar nichts zu reden hat, aber im dramatischen Augenblick auftreten muß, um den Wilderer zu verhaften. Bei diesem Versuch wird der Beamte vom Uebeltäter erschossen und hat tot umzufallen...

Es geschah auch richtig so. Der Wilderer schießt, der Statist fällt um. Aber, o Schreck! Des Statisten neues Hütl mit

dem schönen Gamsbart, sein ganzer Stolz, rollt im gleich Augen- vomLeichnam" weg und bleibt, da die Bühne Gefälle hat, erst an oer Fußrampe liegen.

Taé war schließlich sein Verbrechen. Schlimmer aber war der Umstand, daß jeden Augenblick der Vorhang fallen mußte, und zwar geradewegs auf den kostbaren Hut. Das war zuviel für den Statisten, das konnte er auch als Toter nicht mitan;ehen!

Zu meinem unbeschreiblichen Entsetzen stand er auf, tappte nach vorne, holte sein Prachthütle, setzte es auf, ging wieder auf leinen von der Regie angeordneten Platz zurück, fiel abermals um und war tot bis zum Aktschluß...

So kam es, daß dieser Akt, der sonst Tränen der Rührung hervorrief, Tränen der Heiterkeit erzeugte. Was mein Regisseur damals unter vier Augen mit dem Statisten ausmachte, weiß ich nicht. Ich hörte nur ein schreckliches Stimmengedröhn und fünf Minuten später sah ich den Statisten den Musentempel in razendem Schritte verlassen!

Was bringt der Rundfunk?

Reichssender Frankfurt.

Frankfurt: Freitag, 10. Januar

Choral, Morgensvruch. Gymnastik. 6.30: Königsberg: Frubkonzert In der Pause 7.00: Nachr. 8.00: Zeit, Wanerstand, Wetter- und Schneebericht. 8.10: Stuttgart: Gymnastik 8.30: Sendepause. 9.30: Nur Freiburg: Aller­lei ;ur Unterhaltung 10.15: Berlin: Schulfunk: Appell ^"Berchsbermswettkampf 10.45: Hausfrau hör zu! 11.00: Nur Freiburg: Nachr 11.15: Meldungen 11.30: , Bauernfunk. 11.45: Sozialdienst.

1 Mittagskonzert Dazw.: 13.00: Zeit, Nachrichten, Schneebericht 14.00: Zett, Nachr., Wetter.

l4.l0: Vom Deutschlandsender: Allerlei zwischen Zwei und Drei 15.00: Wirtschaftsbericht 15.15: Aus dem Buche der Landschaft

16.00: Kammermusik von Handel. Einlage: Händels Leben nacy Berichten seiner Zeit. 17.30: Stammbaum oder Ah­nentafel? Zwiegespräch. 17.45: Schlechtes Wetter schlech­te Laune!

18.00: Leipzig: Unterhaltungskonzert. 19.45: Tagesspiegel. 19 55: Meldungen. 20.00: Zeit, Nachrichten. 20.10: Um lerhaltungskonzert. 20.45: Die Treue. Funkballade von âael. , Musik: H Steinkopf. 21.30: Kammermusik. ^-.00: Zeit, Nachrichten 22.15: Nachr., Wetter, Schnee- und Lportberichte. 22.20: Sportschau der Woche. 22 45: Stuttgart: Unterhaltungskonzert. 24.00: Stuttgart: Die Gärtnerin aus Liebe. Komische Over von Mozart. (Aufn.).

Deutschlandsender.

Deutschlanoscnver: Freitag, 10. Januar

6.00; EUten Morgen, lieber Hörer Glockenspiel, Tagesspruch, Choral, Wetter 6 10: Berlin: Gymnastik 6.30: Fröhliche Morgenmusik Dazw 7.00: Nachr 8 30: Sendepause 9.00: 9.40: Heinrich E Kromer: Der Konstanzer Narr 10.00: Sendepause 10.15: Berlin: Habt Ihr Euch schon zum Reichsberufswettkampf gemeldet? 10 45: Svielturnen rm Kindergarten 11 15: Seewetterbericht 11 30; Isolde Reoall: Altes Brauchtum um das Brot 11 40: A. Hey: Das Grünland zwischen Herbst und Frübiahr. Anschl: Wetter

^^00: Köln: Musik zum Mittag Dazw. 12.55: Zeitzeichen 1a.00: Glückwünsche 13.45: Nachr. 14.00: Allerlei von Zsibi bis drei 15.00: Wetter, Börse. Programmhinweise 15.1a: Kinderliedersingen 15.45: M"de! am Werk Un ser Jahrbuch

1C00 Musik am Nachmittag. Emanue Namboür spielt. oer Pause 16.50: Schnurren aus Herlishoken, von Rich Knies 18.00: Emmy Braun spielt die Händel- Baricuionen von Brahinè 18.30: E Seiffert: Wie schützen wir unsere Kinder vor der Tuberkulose 18.45: Suortfunf.

19.00: Leipzig: Musik zum Feierabend 19.45: Deutschland­echo. 19.55: Sammeln! Kamerad d Weltkriegs, Kamerad im Kampf der Bewegung Wir rufen dich! 20.00: Kern- . vnschl.: Wetter. Kurznachrichten 20.10: Der Thron tm Nebel. Eine Funkballade 21.00: Wir bitten zum Tanz! Robert Gaden spielt. 22.00: Wetter, Nachrichten, Sport rlnschl.: Deutschlandecho 22.30: Eine kleine Nachtmusik 22.45: Seewetterbericht 23 00- Köln' Tanzmusik

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Vornan von

URHEBERRECHTESCH UTZ DURCH VERLAG OSKAR MEISTER,WERDAU

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(Nachdruck verboten.)

Aver oer Vater, der ihm im heutigen Briefe die Heirat nvch einmal nahelegte, hatte ganz recht. Und Anne­marie war wirklich ein gesunder, frischer Mensch. Daß ihre Mutter durch falsche Erziehung viel Schuld am Charakter Annemaries trug, wußte er ja längst. Und allzuviel würde er nicht daheim sein. Vielleicht aber machten sie ihm das Heim angenehmer, als er heute glauben mochte. Und das Wort Liebe hatte er ja so­wieso aus seinem Leben schon gestrichen, seit ihm der 0:^8 ^n Kellbergs Hand bewiesen, wie wandelbar die klonen, kleinen Dani war. Also dürfte es M 5 am besten sein, er schloß eine Vernunftehe. er denn Annemarie eigentlich zum Vor- ein Sportgirl war? Nun, wenn sie erst ^Z'au und Mutter war, würde sie dies alles schon auf- mtr irr vernünftigem Ausmaß betreiben.

âs waren Dr. Hofers Erwägungen an jenem Nach- Mittag, aG er un Hotel in Genf saß und den Brief seines Vaters in den Händen hielt. Er teilte dann dem Vater Mit, daß er tn zirka drei Monaten daheim zu sein hoffe.

dann werde er sich doch vielleicht mit Annemarie t erheiraten. Aber der Vater möge noch nichts mit den Damen besprechen. Und Axel Kellberg solle vorläufig seine Adresse nicht erhalten.

zurück ^ abgesandt war, lehnte Dr. Hofer sich D^ Band, das ihn jahrelang mit dem frohherzigen war zerschnitten für alle .hatte keinen Zweck mehr, eine Freundschaft fürdj^ we"" man sich vor jeder Begegnung

Fürchtete!

Jawohl!

freimin? $Ä' der draußen im Schützengraben 7o viele nt hS Patrouillen übernommen hatte, die fast aus- fi h S verloren gelten mußten, der fürchtete ? noch einmal im Leben begegnen zu müssen. 9ftäh/ir^ sehr geliebt! Dieses junge, feine, zarte er Warum hatte er Daniela nicht gesagt, wer nicM^Fi^^n hatten ihre Angehörigen seine Werbung acS Dann wäre sie auch nicht Kellbergs

Nein!"

Ganz laut hatte Gerd es vor sich hin gesagt.

Wenn bei seiner Heirat Berechnung eine Rolle spielen sollte, dann konnte er auch Annemarie heiraten. Man wollte ihn von Anfang an, weil er reich war- sie und ihre Mutter. Dann brauchte er Daniela nicht, wenn sie kein Jota besser war als Annemarie. Wenn auch sie nur den Reichtum schätzte.

Blanche Annemarie Daniela!

Sie waren einander gleich. Da war es auch neben­sächlich, welche von ihnen er mit diesem elenden Mammon beglückte. Ganz gleichgültig war das. Aber der Vater hatte recht. Die Hofers brauchten nicht aus­zusterben, weil einer von ihnen zweimal in der Liebe Schiffbruch gelitten. Man brauchte nur die Liebe aus seinem Leben zu streichen und man war glücklicher und zufriedener, weil man keine Ideale mehr hatte, die einem das Herz beschwerten.

Ein hartes, fast grausames Lächeln grub sieb nm Dr. Hofers Mund.

Blanche!

Die wußte schon heute, daß sie den falschen Weg ge­gangen war. Ob sich die beiden andern auch so ver­rechnen würden wie die schöne Blanche, die ihre Vor­gängerin in seinem Leben gewesen war?

Vier Jahre waren vergangen. Vier lange Jahre! Und es waren bittere Jahre gewesen. Dr. Hofer hatte schwer kämpfen müssen, die Werke zu halten. Aber er hatte sie gehalten und das machte ihn doch auch wieder froh und stolz. Es war sehr gut so, daß er viel Arbeit hatte. Denn seine Ehe war eine Hölle geworden.

Hingebend, weich, zärtlich hatte Annemarie damals neben ihm vor dem Altar gestanden. Und er hatte wirk­lich geglaubt, es sei alles gut. Dann begaben sie sich auf die Hochzeitsreise. Diese Wochen brachten ruhige, schöne Stunden. Und Annemarie war bestimmt glück­lich. Gerd sah cs an ihren leuchtenden Augen. Und er erfüllte ihr jeden Wunsch. Freute sich, wenn sie sich freute.

.Ja, so, auf diese Weise, aller Pflichten frei und ledig, ein herrliches, nugezwungenes Leben zu führen, das gefiel ihr. Da wären diese schönen Stunden sicherlich auch gebliebn. Aber als sie erst wieder daheim waren und Gerd sich seiner Arbeit widmen mußte, da saß sie sehr bald mit bösen Augen da, und eines Tages sagte sie ärgerlich:

Bleib doch bei mir. Wir sind doch reich genug, was arbeitest du fortgesetzt? Ich will nicht immer allein sein. Ich halte das nicht aus." Dann hatte sie herzzerbrechenö geweint.

Die ersten Male war er auch bei ihr geblieben, hatte wichtige Konferenzen telephonisch abgesagt. Die Herren waren seit damals sehr verschnupft. Nach einiger Zeit gber Wtßte Dr. Loltzr, daß Annemarie sich alles ank

diese Weise erzwingen wollte. Da wurde er ruyk, sagte ihr in kurzen, knappen Worten, vom Geschäft verstehe sie nichts, aber er müsse sich selbst um alles kümmern. Sie könne doch an solchen Abenden, an denen er ver­hindert sei, ins Theater fahren mit ihrer Mutter. Aber Annemarie wollte nicht. Sie wollte ihn!

Doch er nahm keine Rücksichten mehr. Wenn es sich um geschäftliche Interessen handelte, dann blieb er hart.

Da wurde sie kalt und feindlich gegen ihm Sie wies ihn von sich, wenn er abgehetzt nach Hause kam und selber Entspannung und ein paar liebe Worte brauchte.

Dann kam die schlimme Zeit, in der Annemarie allen möglichen Sport wie verrückt trieb. Bis der alte Haus­arzt Gerd Hofer zu sprechen wünschte und ihm eröffnete, daß Frau Dr. Hofer sich Mritter fühle. Der unsinnige Sportbetrieb habe zu unterbleiben.

Es war ein sonniger Frühlingstag, an dem er diese Botschaft des Arztes vernahm.

Gerd war in das Zimmer seiner Frau gestürzt, hatte sie fest in seine Arme genommen.

Annemarie, nun wollen wir uns wieder liebhaben, uns keine bösen Worte mehr sagen! Ich freue mich doch so! llud ich will dir jeden Wunsch erfüllen. Soll ich dir den Schmuck kaufen, den du so gern haben wolltest? Er ist zwar ein bißchen teuer, aber trotzdem, Annemarie."

Sie sah seine Freude, spürte sie aus jedem Wort und wandte doch trotzig den Kopf ab.

Ich will kein Kind, daß du es weißt! Man wird nur häßlich davon. Und gerade jetzt, wo ich mich bei meinen gesamten Sportfreunden angefagt habe. Gerade jetzt!"

Sie begann zu weinen.

Gerd blickte sie, wie aus einem Traum erwachend, ganz verwundert am Nun erst erkannte er die ganze Hohlheit dieser Fram Er erhob sich und verließ das Zimmer.

Das Unglück wollte es, daß Gerd Hofer gerade in diesen Monaten verreisen mußte. Nach Ungarn. Acht Wochen blieb er fort. Und als er zurückkam, lag Anne­marie schwer krank in der Klinik. Sie war beim Reiten verunglückt.

Mehrere Monate lag sie danieder. Und dann wurde das Kind geboren. Ein schwächlicher kleiner Knabe. Mit gelähmten Gliedern! Aber das Gesicht mit den schönen hellen Augen war so rührend klug vom ersten Tage an.

Dr. Hofer schrie es dem Sanitätsrat ins Gesicht, als er mit ihm allein war:

Warum ließen Sie solch ein Kind leben?"

Als Arzt denke ich wie Sie! Als Mensch gibt es für mich ein strenges Gesetz. Jedes Leben hat das Recht auf Erhaltung! Vielleicht wird man das Kind doch retten können."

(Fortsetzung folgt.)