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Oeskalb feilst 9u Opfer bringen!

Viermal rosa Gchweinelen-e."

Abenteuer des Lufthansa-FlugbootsTornado" auf dem

Ozean. Die rettende Küche des Zeppelins.

1936 ist das Jubiläumsjahr der Deutschen Lufthansa, die seit zehn Jahren besteht und in diesem Zeitabschnitt mit sprichwörtlicher Pünktlichkeit und Sicherheit dem deutschen Luftverkehr gedient hat. Ein besonderes Glanz­stück sind die Transatlantikslüge, die bisher alle plan­mäßig und pünktlich durchgeführt wurden. Ein einziges Mal nur gab es einen Zwischenfall, der darum erwähnt sei, weil er zeigte, mit welcher Eraktheit der Sicherungs­dienst arbeitet.

In der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli startete vom MotorschiffS ch w a b e n l a n d", das damals bei der Insel Fernando Noronha stationiert war, der Dornier- WalT o r n a d o" zum Fluge nach Bathurst. Bereits in den ersten Morgenstunden meldete das Flugboot, daß der Kühler des Hinteren Motors leck geworden sei. Auf diesen Funkspruch hin nahm dieSchwabenland" sofort Kurs in Richtung auf denTornado", der jedoch seinen F l u a mit einem Motor fortsetzte. Erst um 6.28 Uhr sah sich Flugzeugführer Blume genötigt, zu einer Außen­landung anzusetzen, die glatt durchgeführt wurde. Nach­dem dies funkentelegravhisch dem vor Bathurst liegenden zweiten FlugstützpunktWestfalen", der sich bereits auf den ersten Funkspruch hin zur Hilfeleistung vorbereitet hatte, mitgeteilt worden war, setzte sich dieser in Marsch, während wischen dem gewasserten Flugboot und dem Dam ser st ä n d i g F u u k v e r b i r oung bestand.

Da sich das LuftschiffGraf Zeppelin" gerade auf einer seiner planmäßigen Fahrten nach Süd­amerika befand, nahm es ebenfalls Kurs aus das Flug­boot. DerTornado"-Besatzung, die sich auf ihrem Flug­boot in völliger Sicherheit besand, fehlte es an nichts, nur waren die Lebensmittel infolge des unbeabsichtigten Auf­enthalts knapp geworden und der Hunger meldete s i ch bei den Besatzungsmitgliedern. Aber wozu hat man eine FT.-Anlage und wozu besitzt der Zeppelin eine so aus­gezeichnete Küche?! Also gab derTornado" folgenden Funkspruch an das Luftschiff:

Erbitten von der vorzüglichen Zeppküche viermal rosa Schweinelende mit blonden Bratkartoffeln und Pfifferlingen, außerdem vier Flaschen Bier, vier Flaschen Mineralwasser und Kaffee mit Sahne. Vorschlägen Übergabe im Korb mit Richtungsflagge und Greifseil."

Die frische Seeluft des Atlantik hatte den Männern auf dem treibenden Flugboot anscheinend ordentlichen Hunger verschafft. Die Zeppküche trat in Aktion, und, als das Luftschiff auf 9° N 22° W den Tornado" erreichte, senkte sich der Futterkorb mit dem bestellten Menü aus den Lüften. Sogar eine beson­dere Speisekarte hatte der rührige Steward an­gefertigt, auf deren Rückseite folgendes zu lesen war:

An Bord, 1. Juli 1935

Herzliche Grüße den .Tornadoern!

Da wir annehmen, daß Ihr doch keinen Pfropfenzieher habt, senden wir Euch eine Pulle Sekt.

Die Zigaretten haben die Passagiere gestiftet. Vorsicht, wegen dem Benzin!

Die .Westfalen' holt Euch in Kürze ab.

Heil Hitler!

von Schiller."

Das Abendessen aus den Lüften hat sicherlich gut ge­schmeckt. Das Luftschiff wartete noch, bis dieWestfalen" am Horizont erschien. Bald darauf war die Post über­nommen, die sofort mit einem Ersatzflugboot zum Weiter­flug nach Europa gestartet wurde, und derTornado" auf dieWestfalen" geheißt. Damit hatte dieser Zwischen­fall seinen glücklichen Abschluß gefunden, und es bleibt nur zu erwähnen, daß der durch die Außenlandung verursachte Zeitverlust auf dem restlichen Strecken­abschnitt fast völlig wieder eingeholt werden konnte, also auch die Sendungen keine nennenswerte Ver­zögerung erlitten.

Steuern nach der Rufnummer.

Bange Tage durchlebte kürzlich ein Geschäftsmann in Sydney. Er hatte nur einen kleinen Betrieb, und sein Ein­kommen blieb nicht unerheblich unter 5000 Mark im Jahre. Man kann sich daher sein Entsetzen vorstellen, als kürzlich auf seinem Schreibtisch der fällige Steuerbescheid lag, in dem der Bedauernswerte mit mehr als 60 000 Mark 'jährlichen Einkommens veranlag: war. Natürlich kam es alsbald zu einem lebhaften Briefwechsel mit dem Finanzamt, das zunächst auf seinen Anspruch bestand und schon mit Zwangsmaßnahmen drohte, dann aber schließlich doch klein beigeben mußte. Die Untersuchung ergab nämlich, daß dem Beamten, der den frag­lichen Steuerbescheid ausgestellt hatte, ein kleines Versehen unterlaufen war. Statt das richtige bescheidene Einkommen des Kaufmanns einzutragen, war er an dessen Fernsprech­nummer geraten und hatte diese hingeschrieben. Und da die australische Großstadt weit über 100 000 Fernsprechteilnehmer aufweist und der Geschäftsmann seinen Anschluß noch nicht lange hatte, kann man sich denken, daß dabei ein recht hoher Betrag herauskam.

Aus aller Welt.

Die schweren Hochwasserschäden in Frankreich.

In Frankreich hat sich jetzt das Wetter glück­licherweise etwas gebessert und der Regen nachgelassen. Trotzdem kommen aus den vom H o ch lo asser heim­gesuchten Gegenden immer neue Meldungen über weitere schwere Schäden. Im Gegensatz znr Rhone, Saone nnd Seine, die sich bereits zu senken beginnen, ist die Loire weiter gestiegen, so daß sie eine H ö h e v o n 9,2 5 M e t e r erreicht hat.

Wenn der Fluß weiter steigt, steht eine Katastrophe größten Ausmaßes für Nantes und seine Umgebung bevor.

Schon wird die Zufuhr von Vieh sehr schwierig, und da auch der S ch l a ch t h o f bereits überschwemmt ist, wird die Ernährung von Nantes bedroht. In der Stadt, deren tiefer gelegene Teile völlig überschwemmt und von den Bewohnern geräumt sind, mußten mehrere Fabriken und Elektrizitätswerke still- gelegt werden. Ein großer D a m m , der in der Nähe von Nantes etwa dreitausend Hektar bereits bestellten Landes vor dem Hochwasser schützen soll, ist in großer Ge­fahr, von den Fluten gesprengt zu werden. Wie weiter gemeldet wird, stürzte im Überschwemmungsgebiet von Cahors (Südfrankreich- ein Wohnhaus ein. Personen kamen nicht zn Schaden. In Apt brach eine alte Kapelle zusammen. Auch in A n g o u l 6 m c stürzte ein Wohn­haus zusammen. Ein Ehepaar, das darin wohnte, konnte mit großer Mühe aus den Trümmern geborgen werden.

Ein ungeheurer Erdrutsch

in den südfranzösischen Grenzprovinzen Sterne und Hochalpen hat das ganze Prëauxtal verwüstet. Von den Berghängen am Carabespaß hatte sich infolge des Dauerregens eine auf mehrere Millionen Kubikmeter ge­schätzte Masse von Erde und Schlamm losgelöst und sich über ein Gebiet von 800 Meter Breite und 1% Kilometer Länge ergossen. Hunderte von Buchen und Tannen wurden entwurzelt und mitgerissen. Bei Gap (Hochalpen) verschütteten große Erdmassen die Straße zwischen Serres und La Valdrome in einer Länge non 100 Meter.

Starker Erdstotz

Wien, 9. Januar. Ein starker Erdstoß wurde am Mitt­woch um 18 Uhr in Graz und in einigen an der jugo­slawischen Grenze gelegenen Orten wahrgenommen. Nach­richten aus Jugoslawien besagen, daß dort die Erschütte­rung besonders in Marburg und Laibach stark spürbar war.

Londviler h^ vnierem vor dem Zusammenbruch?

Japanische Abordnung lehnt die gemachten Vorschläge ab.

Die japanische Flotttenabordnung hat, wie aus London gemeldet wird. aufderLondoner Floltenkonfer'enz die Erörterung der von Eng­land, Frankreich und Italien Vorgelegen Vorschläge für eine gegenseitige Bekanntgabe der Flottenbaupläne ab» gelehnt. Der Vertreter Englands, der Erste Lord der Admiralität, Sir Bolton Eyres -Monsell, nahm von der japanischen Ablehnung amtlich Kenntnis, worauf die Konferenz sich aufFreitagver tagte. Die japanische Weigerung hat die Gefahr eines baldigen Zusammen- bruchsderKonferenz verschärft.

Sowjetfeindliche Aufstände in Oststbirien?

Großes Aufsehen erregten in Tokio Nachrichten aus H s i n k i n g , der Hauptstadt von Mandschukuo, über zahl­reiche sowjetfeindliche Verschwörungen in Ostsibirien. In etwa 200 Fällen sollen Bomben­anschläge aus Eisenbahnen und militärische Anlagen verübt worden sein. Auch wird berichtet, daß es im Baikalgebiet zu Erhebungen der Bauern gekom­men sei. In Nerchinsk, Chabarowsk, Wladiwostok sollen ebenfalls Aufstände und schwere Zusammenstöße erfolgt sein, bei denen insgesamt im letzten Jahre über 300 Tote zu verzeichnen gewesen seien. Mehrere hundert Personen seien verhaftet und durch Giftgas hingerichtet worden.

Erfolgreicher Protest deutscher Mütter. Litauischer Schulleiter muß litauischen Sprachunterricht im Memelgebiet abbrechen.

In dem memelländischen Orte Kibarty kam es zu einer bemerkenswerten Kundgebung deutscher Eltern. Der litauische Schuldirektor hatte kürz­lich angeordnet, daß an den dortigen Volksschulen der Religionsunterricht in allen Klassen in litauischer Sprache abzuhalten sei. Nachdem alle Beschwerden nutz­los geblieben waren, versammelten sich während einer Religionsstunde die Mütter der Kinder vor der Schule, um ihren Protest zum Ausdruck zu bringen.

Nachdem dem Schulleiter erklärt worden war, daß die Kinder geschlossen aus der Schule zurückgezogen würden, sah sich dieser veranlaßt, den Religionsunterricht in litauischer Sprache abzu brechen. Er er­klärte den empörten Müttern, daß er noch einmal mit seiner vorgesetzten Behörde sich in Verbindung setzen wolle.

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Vom Kownoer Appellationshof wurde der achtzehnjährige Schüler des Memeler Luisen- Gymnasiums, Heinrich Gasze, zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Er soll Aufrufe, in denen eine Be­leidigung des litauischen Volkes erblickt wurde, angeklebt haben.

Keine neuen Reisebüros.

Um zu verhindern, daß aus Anlaß des O l y m p i a neue Reisebüros errichtet werden, für die bei der großen Zahl der bereits bestehenden Reisebüros kein Be­dürfnis besteht, hat der Reichswirtschaftsminister die Neuerrichtung von Reisebüros bis zum 3 0. September 1936 verboten.

Seine Frau und vier Kinder ermordet.

Am Mittwochvormittag tötete ein Einwohner vonHal, einer in der Nähe von Brüssel gelegenen Ort­schaft, durch Revolverschüsse seine Frau und seine vier Kinder. In dem Augenblick, in dem der Mörder von Polizeibeamten festgenommen werden sollte, flüchtete er auf das Dach und bedrohte von dort ans die vor dem Hause stehende Menge mit der Waffe. Die Polizei mußte das Haus abricgeln und konnte nur mit Mühe des Mörders sich bemächtigen.

Starke Temperaturgegensätze auf Skandinavien

Während es in S ü d s k a n d i n a v i e u wieder warm geworden ist, herrscht in Nordskandinavien eine bittere Kälte. Aus Nattavaara in Schwedisch-Lapp­land werden 49 Grad Kälte gemeldet. In Stock­holm und G o t e n b u r g hält sich das Thermometer zur gleichen Zeit in der Nähe des Gefrierpunktes.

Kraftomnibus in Marokko abgestürzt.

Nach einer Meldung aus Casablanca ist bei Marakkesch ein Kraftwagen in einen Abgrund gestürzt. AchtEingeborene wurden getötet und weitere 17 mehr oder weniger schwer verletzt.

Fünf Kinder von einer einstürzenden Mauer begraben.

JnVedo beiLeon (Spanien) ist eine Mauer, die infolge der Regenfälle der letzten Zeit unterspült worden war, eingestürzt. Sie hat fünf Kinderunterihren Trümmern begraben. Drei Kinder waren sofort tot. Die übrigen zwei wurden schwer verletzt.

Schweres Eisenbahnunglück in der Nähe von Wilna.

In der Nähevon Wilna ereignete sich ein Eisen- oahnunglück. Ein Personenzug der Strecke WilnaWileka entgleiste in voller Fahrt, so daß sechs Wagen umgeworfen und vollkommen zerstört wurden. Nach den bisherigen Berichten rechnet man mit dreiToten und etwa 2 5 Verletzten. Unter den Opfern befindet sich eine Anzahl Soldaten.

Während der Untersuchung ereignete sich ein selt­samer Zwischenfall: Der Vorsitzende der Komis- sion, der Staatsanwalt von Wilna, erlitt einen schweren Herzanfall, so daß er mit den Opfern des Unglücks ms Krankenhaus gebracht werden mußte.

Rah und Fern.

Einen Gänsebraten für einen Kutz. In A u g s b u r g ereignete sich eine ergötzliche Geschichte. Auf dem Stadt­markt bot ein Geflügelhändler, der wegen des flotten Geschäftsganges gutgelaunt war, die letzte Gans gegen einen Kuß feil. Kaum hatte er das Angebot geäußert, so küßte ihn eine tüchtige Hausfrau und zog lachend mit der Gans nach Hause.

Diegöttliche Garbo" schwer erkrankt. Greta Garbo, die sich seit einigen Monaten in Schweden befindet, wird in absehbarer Zeit nicht nach Hollywood zurückkehren können. Wie eine schwedische Zeitung berichtet, ist die schwedische Filmschauspielerin seit sechs Wochen ernstlich erkrankt, befindet sich jedoch jetzt auf dem Weg der Besserung.

In den Dolomiten tödlich abgestürzt. Bei einer Ski­tour im Gebiete des Monte Cristallo in den Dolo­miten stürzte der Produktionsleiter des Neuen Deutschen Lichtspielsyndikats in Berlin, Franz Sagerer, tödlich ab. Sein Begleiter, der Produktionsdirektor des Neuen Deut­schen Lichtspielsyndikats, Dr. Alexander Meier, wurde ver­letzt. Sagerer war infolge eines Schädelbruches auf der Stelle tot. Der Verunglückte, der österreichischer Staats­bürger war, war in Bergsteigerkreisen als ein ausgezeich­neter Felskletterer bekannt.

Warschauer Lotteriegeschäft ausgeraubt. In der Warschauer Vorstadt Praga wurde am hellichten Tage ein sensationeller Raubüberfall auf eine staatliche Lotterie­einnahme verübt, wobei den Räubern 20 000 Zloty Bar­geld in die Hände fielen. Als sich die Kassiererin allein im Geschäft befand, drangen plötzlich drei Banditen im Alter von 20 bis 25 Jahren ein, steckten ihr einen Knebel in den Mund und legten sie an Handen und Füßen in Fesseln. Dann plünderten die Burschen den Kassenschrank aus und verschwanden darauf spurlos.

Eltern, Bruder und Neffen ermordet. Der grausame Mord in der Silvesternacht an der vierköpfigen Landwirts­familie Briedis in einem litauischen Dorfe des Kreises Janischki ist nunmehr aufgeklärt worden. Als Täter wurde der Sohn des ermordeten Ehepaares er­mittelt, der zusammen mit einem Knecht des Nachbarn seinen Vater, seine Mutter, seinen Bruder und seinen Neffen mit der Axt erschlagen und die Leichen bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt hatte.

Geschlossene Luxushotels eingestellte Nildampfer. Geschlossene Luxushotels, verminderter Fremdenbesuch waren 1935 die Kennzeichen der schlechten Wirtschaftslage in den Goldblockländern Schweiz, Holland nnd Frankreich, die bis dahin großenteils vom Fremdenverkehr lebten. Jetzt kommen auch aus Ä g y p t e n Meldungen über den Ausfall der diesjährigen Reisesaison, die im Januar stets die Wohlhabenden aus aller Herren Ländern in ihren großen Bädern sah. Die ägyptischen Luxushotels mußten geschlossen, die Nilschiffahrt eingestellt werden, weil die Nähe des abessinischen Kriegsschauplatzes einen dicken Strich durch die ägyptischen Reisepläne der oberen Zehn­tausend gemacht hat.

Die unzuverlässigen Berliner.

Als der General Wrangel im November 1848 in Berlin enträtselt sollte, um Ruhe und Ordnung wiederherzustellen, drohten die Berliner, sie würden zu der Zeit seines Einzuges seine Frau aufhängen. Beim Einzug der Truppen durch das Hallische Tor wandte Papa Wrangel sich also zu seinem Adjutan­ten um und faßte:Ob sie ihr woll jetzt hängen?" Als er er» suhr, daß sie sie nicht gehängt hatten, sagte er:Ich hab es [a immer gesagt, auf diese Leute ist keeu Verlaß..."