Zeit im Bild.
Verheerende Folgen des Hochwassers in Frankreich. Die Hochwassergefahr in Frankreich ist immer noch nicht geringer geworden. Alle Flüsse führen Hochwasser, und sogar einige Stadtteile von Paris sind schon von den Wassern der Seine überflutet und bedroht. Teilweise ruht auch der Eisenbahnverkehr, wie aus unserem Bilde ersichtlich ist. Hier steht die Bahnhofsanlage von Poitiers an der Strecke Bordeaux— Tours vollkommest unter Wasser, so daß ein Zugverkehr unmöglich ist. (Scherl Bilderdienst/M.)
Morgen mutz ich fort von hier ..
Branntwein-Schwarzbrennerei mit Hindernissen.
Marburg, 8. Ian. Der jugendliche Willi Mann aus Neustadt bei Kirchhain hatte sich zum Preise von 1200 Mk. ein Motorrad angeschafft, dessen Bezahlung ihm schwere Sorgen verursachte. Wie ein rettender Engel erschien ihm daher ein Vorschlag des etwa gleichaltrigen, im väterlichen Betrieb beschäftigten Franz Breidenbach, der ihm erzählte, daß durch Einrichtung einer Branntwein-Schwarzbrennerei gute Verdienste zu erwarten seien. Franz Breidenbach, der aus einem Dorfe bei Fulda stammt, wußte, daß der Einwohner Lorenz Kreß in Unterleuchtersbach bei Fulda eine seit 1928 stillgelegte Brennereianlage gelegentlich veräußern wollte. Breidenbach und Mann begaben sich nun mit einem Kraftwagen dorthin; man kaufte die Brennereianlage zum Preise von 220 Mark und nahm sie sofort mit nach Neustadt. Da der Verkäufer der Anlage befürchten mußte, daß die Zollbehörde eines Tages nach der bei ihrer Stillegung versiegelten Brennereianlage forschen würde, ließ er sich von Breidenbach' eine gefälschte Bescheinigung mit dem Inhalt ausstellen, daß angeblich die Anlage zum Preise von 50 Mark zur Verschrottung an einen Kupferschmied in Frankfurt/Main verkauft worden sei. Nach Ankunft in Neustadt verbrachte man die Brennereianlage zunächst in der väterlichen Scheune und baute sie dann in nächtlicher Arbeit — die Eltern des Mann sollten von der Sache nichts erfahren — im Keller eines abseits oom Wohnhause befindlichen Wirtschaftsgebäudes auf. Jetzt konnte mit der Herstellung des Branntweins begonnen werden. Die beiden in der Branntweinbrennerei gänzlich unerfahrenen jungen Leute mischten nach der vom früheren Besitzer der Anlage gegebenen Anleitung die Maische und heizten den Kessel an. Erwartungsvoll standen sie bei dem Kessel, aus dem immer dichtere Dampfwolken zischten, so daß sie es schließlich mit der Angst zu tun bekamen. Um das starke Ausströmen des Dampfes zu verhindern und dadurch vielleicht den Herstellungsprozeß des Branntweins zu beschleunigen, verstopften sie ein Ventil des Kessels, was natürlich zur Folge hatte, daß dieser mit einem furchtbaren Krach auseinanderflog. Glücklicherweise kamen die beiden ohne Verletzungen davon. Sie ließen sich auch keineswegs durch den Mißerfolg entmutigen, denn Willi mußt unter allen Umständen Geld zur Bezahlung des Motorrades beschaffen und mit Gelingen der Branntweinherstellung winkten ja die guten Einnahmen. Der geplatzte Kessel wurde durch einen neuen ersetzt, und nun konnte der zweite Brennereiversuch beginnen. Dem Franz Breiden-
Schweres Verkehrsunglück im Kreise Fulda.
1 Toter, 1 Schwerverletzter.
Fulda, 8. Jan. Auf der Straße von Motten nach Büchenberg geriet ein Kraftwagen in den Straßengraben, wobei sich das Fahrzeug überschlug. Die beiden Insassen wurden 20 Meter weit auf die Straße geschleudert. Der Kraftwagenbesitzer, Kalkbrennereibesitzer Helfrich aus Büchenberg, war sofort tot. Der Wagenführer erlitt schwere Knochenbrüche und innere Verletzungen.
Eine vorbildliche soziale Tat.
Schotten, 8. Jan. Die Gemeindeverwaltung des Kreis- ortes Nieder-Seemen hatte vor einiger Zeit auf Anregung des Ortsbauernführers und Ortsgruppenleiters der Partei das der Gemeinde gehörende Land den Ortsbürgern zur eigenen Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt. Der Ortsbauernführer hat nunmehr das ihm zufallende Land einer kinderreichen Familie zukommen lassen. Diesem schönen Beispiel sozialer Gesinnung folgten der Bürgermeister des Ortes und eine Reihe Bauern. Diese Tat, die sich in aller Stille vollzog, beweist erneut, daß der Typ des geizigen Großbauern der liberalistischen Zeit immer seltener wird.
Die Mutter des berühmten Heimatdichters Hetz gestorben.
Eine Hochzeit in Hüttenberg. — Jahrhundertealtes bäuerliches Brauchtum.
In Leihgestern, Kreis Gießen, ist eine Frau zur letzten Ruhe getragen worden, die sich große Verdienste um die Erhaltung alten Hüttenberger Brauchtums erworben hat: die Trachtennäherin und Brautaufbinderin Katharine Heß, die Mutter des bekannten Heimatdichters Georg Heß. Seit ihrem 17. Lebensjahr verfertigte die als 78jährige Gestorbene Trachten nach den von den Altvordern ererbten Vorbildern. Vor allem die Pflege der
Bild rechts: Das modernste Autowerk der Welt einge- weiht. In der alten Autostadt Brandenburg wurde von den Opelwerken eine gewaltige Fabrikanlage geschaffen, die neben der Personenwagen-Fabrikation in Rüsselsheim a. M. die gesamte Lastwagen-Herstellung von Opel bewältigt. 13 Maschinenstraßen befinden sich in der dortigen 178 : 130 Meter großen Fabrikhalle, die mit einem Transportband von 5 Kilometer Länge durchzogen ist. Das jetzige Fabrikgebäude würde für eine Tagesproduktion von 150 Last
bach war aber bei der Kesselexplosion scheinbar doch der Schreck in die Glieder gefahren. Als man mit dem zweiten Brennversuch beginnen wollte, hatte er mit Kreide auf dem Kessel die Aufschrift „Morgen muß ich fort von hier ..." angebracht und sich in Richtung Heimat verduftet. An seiner Stelle war nunmehr sein im gleichen Ort wohnhafter Bruder Hermann bei dem zweiten Vrennversuch behilflich. Dieser Versuch hatte den gleichen Erfolg wie der erste, nämlich daß der Kessel wiederum unter mächtigem Getöse auseinanderflog. Vorerst unterbrachen die jungen Leute ihren Traum von den Riesengewinnen und vergruben die Brennereianlage in der Erde, um sie vor dem Entdecktwerden zu schützen. Die ganze Angelegenheit kam aber doch ans Tageslicht, als den Zollbeamten gelegentlich von Fahndungen nach Schwarzbrennereien im Fuldaer Land die gefälschte Bescheinigung des Kreß in die Hände fiel. Der darauf verzeichnete angebliche Frankfurter Kupferschmied ließ sich beim besten Willen nicht ermitteln, da er eben nicht vorhanden war.
Die weiteren Ermittlungen führten dahin, daß jetzt insgesamt sechs junge Leute — davon fünf aus der Fuldaer Gegend — die an der verunglückten Schnapsbrennerei beteiligt waren, wegen Vergehens gegen das Alkohol-Mono- polgefetz, Beihilfe dazu oder Urkundenfälschung vor der Großen Marburger Strafkammer unter Anklage standen. Während die zum Teil in der Voruntersuchung inhaftiert gewesenen Angeklagten ziemlich gelogen hatten, waren sie heute im wesentlichen geständig. Der Angeklagte Kreß war der Ansicht, daß es sich bei der gefälschtenBescheinigung nicht um eine Urkundenfälschung, sondern um eine „schriftliche Lüge" handele. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft war der Ansicht, daß man es hier mehr mit jugendlichem Leichtsinn als mit einem Verbrechen zu tun habe. Wenn auch die Schnapsherstellungsversuche mißlangen, so sei bereits die Herstellung der Maische strafbar.
Nach längerer Beratung erkannte das Gericht für Willi Mann anstelle von zwei Monaten Gefängnis auf 600 Mark Geldstrafe, für Franz Breidenbach auf fünf Monate Gefängnis 300 Mark Geldstrafe, Herm. Breidenbach anstelle von einem Monat Gefängnis 450 Mark Geldstrafe, Lorenz Kreß sechs Monate Gefängnis 300 Mark Geldstrafe, Karl Hohmann drei Monate Gefängnis 300 Mark Geldstrafe, Josef Hohmann anstelle von drei Wochen Gefängnis 100 Mark Geldstrafe. Die in Neustadt beschlagnahmten Vren- nereigeräte werden durch das Gericht eingezogen.
Hüttenberger Trachten, die zu den schönsten und reichsten der oberhessischen Bauerntrachten gehören, lag ihr besonders am Herzen.
Im Hüttenberger Land vermochte sich selbst in den vergangenen Jahrzehnten, da eine verbildete Welt das urwüchsige, kernige deutsche Bauerntum verpönte, die Tracht auch im Alltagsleben zu erhalten. Ein unvergeßliches Erlebnis ist eine Bauernhochzeit in Tracht. Gemessenen Schrittes geht der Brautzug durch die Dorfstraßen zur Kirche, voran der Bräutigam im schwarzen Gehrock und der „Hochzeiterschleife", neben ihm die Braut in der schier un= beschreiblick schönen Brauttracht. Sie rauscht von Samt und Seide; wundervolle Stickereien zieren die Sürze, glitzernd leuchten bei jedem Schritt die reizenden, mit bunten Perlen besetzten Schllrzenbänder auf. Das Wundervollste und Wertvollste aber an dieser Bauerntracht ist der schwere, kostbare Kopfputz, die Hüttenberger „Brautkringel". Das ist ein einziges Leuchten und Flimmern, bunte Blumen aus Perlen, Flitter und Spitzen türmen sich zu einer hohen Kopfhaube, von der breit über den Rücken reich bestickte Bänder herabwallen. Die Frauen des Brautgefolges haben auch alle ihre schönen Trachten an. Wenn sie so stolz erhobenen Hauptes durch die Gassen mit den alten Fachwerkshäusern schreiten, so ist das gleichsam ein bild-. lich dargestelltes Epos deutschen Bauerntums.
Wieder 1,1 Millionen für Arbeitsbeschaffung durch die DBS.
Die Deutsche Bau- und Siedlungsgemeinschaft in Darmstadt (DBS.) hat das neue Jahr zur verstärkten Arbeitsbeschaffung sofort mit einer neuen Baugeldzuteilung in /Höhe von 1 144 000 Rm. zur Erstellung und Entschuldung von 115 Eigenheimen begonnen. Die Gesamtsumme der Darlehensverleihungen der DBS. steigt' damit auf über 67 Millionen Rm. zur Erstellung oder Entschuldung von rund 6 000 Eigenheimen. Außer der neuen Vau-Darlehens- ausschüttung liegen bei der DBS. zu Beginn der neuen Bausatsan noch weitere 4% Millionen Rm. zym Abruf bereit. • - > J
wagen bei einer Belegschaft von 2500 Mann ausreichen. Reichsverkehrsminister von Eltz-Rübenach eröffnete jetzt in Gegenwart des Führers der Deutschen Kraftfahrt, Korpsführer Hühnlein, dieses modernste Autowerk der Welt. Wir sehen auf unserem Bilde von links: Den Betriebsführer der gesamten Opelwerke, Fischer, Reichsverkehrsminister von Eltz-Rübenach und Korpsführer Hühnlein vor dem ersten fertigen Wagen des neuen Werkes. (Scherl Bilderdienst :— M.)
Der Mädchenmord in Elgendorf.
Das Geständnis des Täters. — Er läutet bei der Beerdigung seines Opfers die Kirchenglocken.
Limburg, 7. Jan. Am 31. Dezember v. I. war in Elgendorf bei Montabaur die ledige 32jährige Johanna Herbst unter Umständen in ihrer elterlichen Scheune aufgefunden worden, die zunächst auf Selbstmord durch Erhängen schließen ließen. Polizeiliche Ermittlungen bestätigten jedoch den Verdacht, daß das unglückliche Mädchen das Opfer eines Verbrechens geworden war. Als Täter wurde der Nachbarssohn, der am 9. November 1901 geborene Paul Klein, ermittelt und festgenommen. Er hat ein umfassendes Geständnis abgelegt und ist nach Erlaß eines Haftbefehls durch das Amtsgericht in Montabaur in das Zentvalgefüng- nis in Freiendiez eingeliefert worden. Da die Herbst am Nachmittag des 30. Dezember wieder einmal mit ihm Streit gehabt habe, habe er ihr gesagt, der ewige Zank habe doch keinen Zweck, sie wollten sich versöhnen. Die Herbst solle nachts um 12 Uhr an die Scheune des elterlichen Hofes, kommen und einen Strick mitbringen, sie wollten dMn etwas machen. Die Herbst folgte auch aus noch nicht völlig geklärten Beweggründen dieser merkwürdigen Einladung und traf sich um Mitternacht vor der Scheune mit Klein. Tatsächlich hatte sie auch einen Kälberstrick-bei sich und ging, in die Scheune, gefolgt von Klein. Dieser hatte noch eine starke Schnur mitgebracht und fesselte zunächst die Arme der Herbst mit dieser Schnur in Höhe der Ellenbogengelenke auf den Rücken, angeblich um ihr etwas zu zeigen. Da die Herbst sich natürlich wehren wollte, warf ihr Klein die Schlinge des Kälberstricks von hinten über den Hals und erwiirgte sie. Dann entfernte Klein die Fesselschnur von den Armen und verließ die Scheune. Als er am andern Morgen von dem angeblichen Selbstmord hörte, machte er sich in keiner Weise verdächtig und besuchte noch abends eine Tanzmusik. Der Täter, der für seinen Vater das Läuten der Kirchenglocken besorgte, hat es noch fertiggebracht, bei der Beerdigung seines Opfers am 3. Januar die Kirchenglocken selbst zu läuten, allerdings will es ihm dabei „eigentümlich" zu Mute gewesen sein. Ob die Schilderung der Beweggründe und des Verlaufs der Tat, wie sie Klein bei seiner ersten Vernehmung gegeben hat, zutrifft oder nicht, wird der Verlauf des weiteren Verfahrens ergeben.
Büdingen, 8. Jan. (Von einem stürzenden Baum erschlage n.) Die etwa 40 Jahre alte Frau des Weißbinders Wilhelm Nazarenus aus dem Kreisort Düdelsheim hatte ihrem Mann, der während des Winters in einer Holzhauerkolonne arbeitete, Essen in den Wald gebracht. Als sie wieder nach Hause ging, stürzte ein in der Schwebe hängender Baum, den die Frau nicht bemerkt hatte, gerade in dem Augenblick herunter, als sie darunter durchgehen wollte. Sie wurde durch einen Ast so schwer am Kopf getroffen, daß der Tod auf der Stelle eintrat.
Gießen, 8. Jan. (Von der Hessischen Landes- Universität.) Der planmäßige außerordentliche Professor für Mathematik an der Universität Gießen Dr. Geppert ist zum ordentlichen Professor ernannt worden.
Gießen, 8. Jan. (Das älteste Mitglied des V H C. 8 9 I a h r e a l t.) Der Rechnungsrat i. R. Ludwig Jochim in Gießen, in Schotten geboren und etwa 40 Jahre lang als Geometer im Kreise Schotten tätig, kann am Freitag, 10. Januar, seinen 89. Geburtstag begehen. Der alte Herr ist das älteste Mitglied des Vogelsberger Höhen-Clubs und der einzige VHCer, der bei der Gründung des ersten Vereins des VHC. am 21. Juni 1881 in Schotten dabei war, ja erst die Anregung zu diesem Zusammenschluß der Heimatfreunde gab und die Wege für diese Vereinigung mit ebnen half.
Gießen, 8. an. (Ein unangenehmer Schwiege r s o h n.) Das Gießener Schöffengericht verurteilte den Albrecht Lachmann aus Muschenheim wegen unglaublicher Mißhandlungen seines 75 Jahre alten Schwiegervaters zu fünf Monaten Gefängnis. Der Angeklagte hatte den Hof seiner Schwiegereltern bekommen und den alten Schwiegervater in sein Haus ausgenommen, dann aber den alten Mann vernachlässigt, mißhandelt und einmal sogar mit einem Sjück Wasserleitungsrohr derart gegen ein Bein geschlagen,'daß er nach Gießen in die Klinik gebracht werden mußte.
Adenau, 7. Jan. (Ein Rind mit s e ch s V e i n e n und 1 4 Klauen.) Gegenwärtig wird in den Eifelorten eine seltene Tierabnormität zur Schau gestellt. Es handelt sich um ein zwei Jahre altes Rind, das über sechs Beine verfügt. Zwei Beine sind an der entgegengesetzten Stelle der Vorderbeine aus dem Rücken Herausgewächsen und haben je drei Klauen. Das Tier ist sonst normal entwickelt. Die Schau wird noch ergänzt durch eine Ziege mit doppeltem Gehörn, die sonst ebenfalls einen normalen Körperbau auftveist. .