Zul-aer Anzeiger
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Nr. 7 — 13, Jahrgang
Fulda, Donnerstag, 9. Januar 1936
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Hochspannung im Mittelmeer
Die ägyptisch-libysche Grenze durch Stacheldraht gesperrt
Die Zuspitzung des englisch-italienischen Verhältnisses kommt am deutlichsten an der ägyptisch-libyschen Grenze zum Ausdruck. Dort stoßen die Interessen beider Staaten am schärfsten aufeinander. Englische und italienische Streitkräfte sind beiderseits der Grenze aufmarschiert und stehen Gewehr bei Fuß.
Die 320 Kilometer lange Grenze ist durch ein riesiges Stacheldrahtnetz gesperrt, das von den Küsten des Mitlel-
meeres bis tief in die Wüste Sahara hineingeht, nicht Maschinengewehrnester der Italiener und englisch-ägyptischen Truppen sind, sorgen
elektrisch geladene Drahtsperren
Wo der
dafür, daß kein Mensch über die Grenze lebendig hinweg- kommt. Dieses Drahtverhau ist fünf Meter breit und über zwei Meter hoch. Jeden Morgen und jeden Abend fliegen englische und italienische Aufklärungsflieger die Grenze entlang, wobei sie sich einander Grüße zuwinken. Im übrigen werden von Blockhäusern aus die Bewegungen auf der anderen Seite des Drahtverhaus mit schärfster Aufmerksamkeit beobachtet. An einer Stelle der Grenze aber hat sich eine Art nachbarlichen Verkehrs entwickelt. Dort ist der einzige Brunnen der Gegend auf ägyptischer Seite. Jeden Donnerstag öffnet sich eine Pforte des Drahtverhaus, um italienischen Soldaten Einlaß zu gewähren, die unter strengster Bewachung ägyptischer Soldaten ihren Wochenvorrat an Wasser schöpfen.
Die Spannung in der Südostecke des Mittelmeeres hat in den letzten Tagen bedeutend an Schärfe zugenommen.
In Benghasi und Marsa Tobruk laufen dauernd Transportschiffe aus Italien ein, die große Mengen Kriegsmaterial und besonders viele Flugzeuge an Land bringen. dienangekommene italienische Infanterie ersetzt in den Küstenorten die eritreischen Askaris, die in die Wüste an die ägyptische Grenze geschickt werden, da sie das dortige Klima besser ertragen können als die weißen Truppen.
Englische und französische Kriegsschiffe auf der Wacht.
Über die Zusammenarbeit der englischen und französischen Flotte im Mittelmeer soll nach Londoner Zeitungsmeldungen jetzt ein endgültiges Abkommen getroffen sein. Daneben soll eine Vereinbarung getroffen worden sein, wonach englische Flugzeuge die Stelle im Nordosten Frankreichs einnehmen sollen für den Fall, daß der Großteil der französischen Luftwaffe im Mittelmeer und an der italienischen Grenze zusammengezvgen werden müßte. In London weist man weiter darauf hin, daß die neuesten französischen Flottenbewegungen als unmittelbare Folge dieses Abkommens anzusehen seien.
Das Erste Geschwader der französischen Flotte ist von Toulon aus zu Manövern vor Korsika und an der Provenccküfte ausgelaufen, während das Zweite Geschwader demnächst Brest verlassen wird zu einer Kreuzfahrtlängs der Küste von Marokko.
Wie die englische Admiralität mitteilt, werden gewisse Einheiten der Heimatflotte, nämlich die Schiffe „Nelson", „Rodney", „Furious", „Cairo" und die 21. Zerstörer- flottille, in Übereinstimmung mit dem alljährlichen Brauch etwa Mitte Januar eine F r ü h j a h r s k r e u z - s a h r t antreten. Obwohl über das Ziel der Frühjahrskreuzfahrt noch nichts Näheres bekannt ist, wird in London angenommen, daß der nächste Bestimmungsort voraussichtlich Gibraltar sein wird. Gleichzeitig werden die jetzt in Gibraltar befindlichen Einheiten der Heimatflotte, nämlich die Schiffe „Hood", „Ramillies", „Orion" und „Neptun", nach England zurückkehren.
Die beiden erstgenannten Kriegsschiffe „Nelson" nnd „Rodney" gelten in England als die m ä ch t i g st e n Schlachtschiffe der Welt. Die „Nelson" hat eine Wasserverdrängung von 33 500 und die „Rodney" von 33 900 Tonnen. Die „Nelson" führt die Flagge des Admirals Bakehouse, des Oberbefehlshabers der englischen Heimatflotte.
Etwa 92 Einheiten der britischen und französischen Flotte dampfen also gleichzeitig in das Mittelmeer.
, Nach englischen Meldungen aus Konstantinopel haben die Türken ebenfalls Vorkehrungen gegen die italienischen Maßnahmen im Dodekanes'getroffen. Zur Be- festtgung dieser Inselgruppe hätten die Italiener mehrere Millionen Pfund verausgabt. Besonders die Insel Leros habe sich in eine See- und Luftsestung verwandelt, deren Besuch Ausländern strikt verboten sei. Der Hafen ist durch ein Unterseebootnetz gesichert worden. Nach weiteren Meldungen sollen
englische Kriegsschiffe jetzt dauernd in griechischen Gewässern kreuzen. So sind vier Zerstörer im Piräus eingetroffen, während drei andere im Golf von Ägina eingetroffen sind.
französische Marineministerihm soll nach einer ^teidung ans Beirut in Übereinstimmung. mit England beschlossen haben, Tripolis an der syrischen Küste zum gemeinsamenKlvttèn stutz punkt zu bestimmen.
Abessinischer Protest gegen Verwendung von Stickstoffgasen.
Der abessinische Gesandte in Paris hat eine neue Note an das Völkerbundssekretariat gesandt, in der erklärt wird, daß die italienischen Militärbehörden ihre „Politik der Terrorisierung" fortsetzten, indem sie auf dem nördlichen Abschnitt des Kriegsschauplatzes Giftgase gegen die abessinischen Truppen verwendeten. Es handele sich offenbar um die unerbittliche Durchführung der „planmäßigen Ausrottung des abessinischen Volkes", die die italienische Presse wiederholt verkündet habe. Aus diesem Grunde wiederhole die abessinische Regierung ihre Bitte, daß der Völkerbund eine Untersuchung über die neuen und wiederholten Verletzungen des Kriegsrechts und der internationalen Abkommen vornehme.
An den Fronten ist die Gesechtstütigkeit durch den anhaltenden Regen behindert. Im Norden melden die Italiener lebhafte Fliegertäligreit. Der Heeresbericht erwähnt, daß am Achanguisee die abessinischen Soldaten, sobald italienische Flieger nahten, auf der Erde große weiße Tücher mit dem Noten Kreuz ausgebreitet hätten, um sich um sie herum zu gruppieren. — Im Süden haben Wolkenbrüche das ganze Land in eine Schlammwüste verwandelt; militärische Operationen sind unmöglich.
_ In Addis Abeba wird zugegeben, daß die dreiköpfige Besatzung eines bei Dagabur kürzlich notgelandeten italienischen Bombers umgekommen ist. Zwei Flieger seien beim Niedergehen durch abessinische Gewehrschüsse tödlich getroffen worden, der dritte, der zu entfliehen suchte, fei eingeholt und dann standrechtlich erschossen worden.
Mit dem Zuge, mit dem der neue politische Berater des Negus, der Amerikaner Dr. Spencer, in Addis Abeba eingetroffen ist, ist auch die Einrichtung eines neuen norwegischen Feldlazaretts angekommen.
Hegen vermag abessinischen Vormarsch nicht anszuhalten?
Nach in Addis Abeba verbreiteten Gerüchten sollen sich sowohl an der Nordfront als auch an der Süd- front große Gefechte entwickeln.
Im Norden sollen die Truppen Ras Kassas und Ras S e y o u m s die plötzlich aufgetretene Regenzeit dazu benutzt haben, um mit starken Kräften ihren bereits früher begonnenen Vormarsch auf Aksum fortzusetzen.
Die Italiener sollen sich erbittert aus Blockhäusern und MG-Nestern verteidigen.
Neue kommunistische Gewalttaten
Schwere Unruhen beim Generalstreik in Buenos Aires.
Immer neue Schreckenstaten werden von kommunistischen Hetzern in aller Welt verübt. Wo immer Unzufriedenheit sich zeigt, entfachen übelste Elemente große Aufstände. So wâr in Buenos Aires zur Unterstützung des dort seit zwei Monaten schon andauernden Bergarbciterstreiks ein 2 4 st ü n d i g e r Generalstreik ausgerufen worden, bei dem es unter der Führung dunkelster Existenzen verschiedentlich zu Schießereien kam, bei denen, soweit bisher bekannt geworden ist, drei P o l i z e i b c a m t e und z w e i Z i v i l i st e n g e t ö t e t sowie zahlreiche Personen verwundet wurden.
In einigen Gegenden am Rande der Stadt Buenos Aires übten die Streikenden eine Gewaltherrschaft aus, so daß die Polizei Maschinengewehrposten aufstellte. In anderen Stadtteilen ruhte jeder Verkehr; die Läden wurden teilweise gewaltsam geschlossen, so im Stadtteil Flores u. a. viele jüdische Geschäfte. Zwei Eisenbahn- gesellschaften mußten den Verkehr sehr stark einschränken und streckenweise gänzlich einstellen, da das Personal streikte bzw. an einer Stelle die Schienen aufriß, während an anderen Orten E i s e n b a h n w a g e n in Brand gesteckt wurden. Ein nach Buenos Aires fahrender internationaler Zug mußte auf einer Vorortstation angehalten werden. In den Außenbezirken von Buenos Aires wurden
zahlreiche Omnibusse, einige Straßenbahnwagen sowie viele andere Fahrzeuge, darunter Lastkraftwagen, umgestttrzt und verbrannt.
An einer Stelle wurde auch eine Bombe geworfen. Im Innern der Stadt herrschte dagegen völlige Ruhe bei starker Verkehrsbeschränkung und teilweisem, Geschäfts- schluß. So beurlaubten die meisten Banken ihre Angestellten kurz nach Mittag. Gegend Abend nahm der Verkehr in der Innenstadt wieder zu. Soweit bisher bekannt, wurden 150 bis 200 Personen verhaftet, darunter sogenannte Arbeiterführer mit meist ausländischen östlichen N a m e u.
Der Führer aus der neuen Autobahn Rosenheim—München. Der Führer machte in Begleitung des Generalinspektors für das deutsche-Straßenwesen, Dr. Todt, die erste Fahrt über den nunmehr fertiggestellten Abschnitt Rosenheim- München im Zuge der Reichsautobahn München— Landesgrenze. (Heinrich Hoffmann.)
Weitere Berichte wollen wissen, daß auch die H e e res- gr u p p e d e s R a s D e st a im Süden zum Angriff übergegangen ist. Die Abessinier gehen bei Dolo strahlenförmig in drei verschiedenen Kolonnen vor, und zwar die erste Kolonne auf Jet, die zweite auf Lugh Ferra n d i und die dritte hart an der G r e n z e von Kenia. Ras Desta soll die strahlenförmige Angriffstaktik gewählt haben, um sich vor Überraschungen auf seinen Flügeln zu schützen. Er soll 60 000 Mann zur Verfügung haben.
Nach einer Meldung aus Dessie wurde im Hauptquartier des Negus amtlich bekanntgegeben, daß im Norden das Gebiet von Tembien nunmehr wiedervölligvon den abessinischen Truppen Zurückerobert worden sei. Die Abessinier befänden sich im Vormarsch auf den Abschnitt Makalle. Sie hätten fcstgestellt, daß sich die Italiener, ohne Widerstand zu leisten, zurückgezogen hätten.
Dabei wiederholt die abessinische Regierung in ihrer amtlichen Verlautbarung die Anschuldigung, daß die Italiener auf ihrem Rückzug die Kirchen in Brand stecken.
pulverlager bei Granada in die Luft gesprengt.
Bei Granada (Spanien) haben Kommunisten Nachts ein Pulverlager in die Luft ge- s p r e n g t. In einer Konditorei in Saragossa hat die Polizei ebenfalls Nachts ein großes Waffen- und Munitionslager mit über 100 geladenen schweren Bomben anfgedeckt.
Die internationalen Kirchen fordern Einschreiten gegen den Solschewismus.
Eine Denkschrift an den Völkerbund.
Der Internationale Bund der Kirchen zur Verteidigung gegen den Bolschewismus auf moralischem und religiösem Gebiet veranstaltete an Rotterdam unter der Leitung von Pfarrer Dr. Krop eine stark besuchte Kundgebung gegen die bolschewistischen Kirchenverfolgungen, der auch mehrere diplomatische Vertreter beiwohnten. Die einzelnen Redner legten eingehend die bolschewistische Gefahr für die ganze Welt dar.
Als Ergebnis der Kundgebung wurde eine Denkschrift dem V ö l k e r b u n d s s e k r e t ä r A v e n o l z u g e s a n d t. Darin wird unter Anführung zahlloser Beispiele aus der Presse über den Kampf der Bolsche- wisten gegen die Kirche und unter Darlegung vieler Fälle von NNmenschlichen Folterungen, denen Geistliche unterworfen wurden, die sofortige Beseitigung der von den bolschewistischen Machthabern auf kirchlichem Gebiet geschaffenen Zustände gefordert.
Zungen und Mädel aller Berufe! Zhr alle müßt mitmarschieren! Meldet Euch zur Teilnahme am dritten Neichs- berufswettkampf vom 2.—15. Februar bei Euren zuständigen DAF^Zugendwaltcru! Meldeschluß am 15. Januar!