Nr. 5 — 13. Jahrgang
Fuldaer Anzeiger
Dienstag, 7. Januar 1936
Stadl lind Land
W etter ausfichten für morgen;
Wetterbericht des Reichswetterdienstes, Ausgabeort Frankfurt am Main.
Zeitweilig aufheiternd, doch noch immer unbeständig und zu einzelnen Niederschlägen neigend, wieder etwas kälter.
Totale Mondfinsternis.
Zum ersten Male wieder seit 4^4 Jahren.
Am 8. Januar findet in den späten Nachmittagsstunden seit langer Zeit wieder eine totale Mondfinsternis statt. Die letzte war am 26. September 1931. Diese Verfinsterung wird bei schönem Wetter in Mitteleuropa sichtbar sein. Sobald unser Trabant in den Kernschatten der Erde tritt — das beginnt um 17 Uhr 28,1 Minuten MEZ. —, fängt seine Verfinsterung an. Der Anfang der Totalität erfolgt um 18 Uhr 57,8 Minuten und das Ende um 19 Uhr 21,2 Minuten. Der Austritt des Mondes aus dem Kernschatten findet statt um 20 Uhr 50,7 Minuten MEZ. Die totale Finsternis währt also gegen eine halbe Stunde. Eine Mondfinsternis ist an allen Orten der Erde sichtbar, an denen der Mond überhaupt zu sehen ist, das ist auf einer ganzen Erdhälfte. Die Mondfinsternis beginnt am linken, östlichen Mondrande mit einer leichten Verschleierung, die von dem Halbschatten der Erde herrührt. Später erfolgt der Eintritt in den Kernschatten, der sich langsam über die Mondfläche schiebt und sie bei einer totalen Verfinsterung schließlich ganz bedeckt. Interessant ist zu beobachten, wie der dunkle Schatten die einzelnen Ringgebirge des Mondes einhüllt. Nach längerer Zeit taucht am östlichen Rande der erste helle Punkt auf, der Schatten wandert zum Westrand weiter, bis er schließlich Den ganzen Mond freigibt. Der Mond wird bei einer totalen Verfinsterung nie so von dem Kernschatten der Erde verdunkelt, daß er vollständig unseren Blicken entschwindet, sondern er bleibt stets sichtbar und zeigt dabei verschiedene Färbungen. Diese Erscheinungen werden durch Lichtbrechungen in unserer Atmosphäre verursacht. Solche Ablenkungen der Lichtstrahlen rufen auch die Rotfärbung der am Horizonte stehenden Sonne hervor. Mondfinsternisse können nur bei Vollmond, und Sonnenfinsternisse nur bei Neumond eintreten. Sonne, Mond und Erde müssen bei diesen Ereignissen ungefähr in einer geraden Linie stehen. In achtzehn Jahren wird der Mond neunundzwanzigmal verfinstert. Die nächste totale Mondfinsternis tritt erst am 7. November 1938 ein, dann folgen totale Verfinsterungen, die ebenfalls bei u n s sichtbar sind, und zwar: am 3. März 1942, am 19. Dezember 1945, am 8. Dezember 1946, am 7. April 1949, am 2. Avril 1950 und so weiter.
Evang. Feierstunde am Petersberg.
Zu einer besinnlichen weihnachtlichen Feierstunde hatten sich die evangelischen Eemeindeglteder in der Petersberger Turnhalle eingefunden. Mit viel Mühe und Sorgsamkeit hatten Reichsbahnobersekretär Aderhold und seine Frau die Feier vorbereitet. Noch einmal klang Weihnachtsfreude in Wort und Ton auf und liest die Herzen in einem Akkord aufklingen. Pfarrer Otto deutete noch einmal Sinn der Weihnacht und zeigte ihre gestaltende Kraft für das Leben des Einzelnen, wie des ganzen Volkes. Am Schluß der Feierstunde konnte jedes Kind eine Weihnachtsgabe, von freundlichen Gebern dankenswerter Weise gespendet, unter dem brennenden Weihnachtsbaum in Empfang nehmen.
Zeder Mieter muh wissen . . .
Mieter — Luftschutz — Schutzraum!
1) Jeder muß wissen, wer sein Luftschutzhauswart ist.
2) Jeder Mieter muß den Anordnungen, die der Luftschutzhauswart im Interesse der Abwehrbereitschaft des Hauses trifft, Folge leisten.
3) Jeder Mieter muß seinen Dachboden entrümpeln und dafür Sorge tragen, daß derselbe entrümpelt bleibt.
4) Jeder Mieter muß wissen, welche Maßnahmen bei Verdunkelung der Stadt in seiner Wohnung durchzuführen sind.
5) Jeder Mieter muß wissen, daß und wie er Lebensmittel vor Kampfstoffen sichern kann.
6) Jeder Mieter muß den Bau und die Einrichtung eines Schutzraumes als eine Lebensnotwendigkeil für seine Angehörigen und sich selbst betrachten.
7) Jeder Mieter muß den Wunsch haben, daß regelmäßige Luftschutzübungen stattfinden, damit im Ernstfall jeder weiß, was er zu tun und zu lassen hat.
8) Jeder Mieter handelt im eigensten Interesse, wenn er die verantwortungsvolle Arbeit des Luftschutzhauswartes tatkräftig unterstützt.
Vorwärts in der Arbeit für Volk und Vaterland.
Tagung der NS.-Frauenschasts-Führerinnen.
Am 5. 1. 1936 hatte die Gaufrauenschaftsleiterin die Kreisfrauenschaftsleiterinnen zusammengerufen, um bei Beginn des neuen Jahres einen Ueberblick über die geleistete Arbeit im vergangenen Jahr zu geben. Sie stellte die Arbeit des neuen Jahres unter die Worte unseres Führers: „Im Glauben an Deutschland werden wir das Schicksal meistern." Der Gauleiter und seine Frau nahmen an dieser Besprechung teil. Der Gauleiter schloß sich dem Bericht der Eaufrauenschaftsleiterin, der ein starkes „Vor-
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Dienstag, 7. Januar:
Union-Theater: Mazurka.
Europa-Lichtspiele: Der Student von Prag. Neues Theater: Der Außenseiter.
Mittwoch, 8. Januar:
Union-Theater: Mazurka
Europa-Lichtspiele: Der Student von Prag. Neues Theater: Der Außenseiter.
Ein Schellenbaum für den Kreismusikzug.
Aeutzeres Zeichen der inneren Verbundenheit.
Beamten an die politischen Leiter.
Ein Weihnachtsgeschenk der Fuldaer
Heute, im nationalsozialistischen Deutschland, ist der Beamte wieder erster Diener des Volkes und leistungsmäßig ebenso wie weltanschaulich ausgerichtet auf den Führer. Das deutsche Verufsbeamtentum ist wieder und mit Recht an jene lebenswichtige Stelle im Staat gerückt, die ihm zukommt. Wenn aus diesem Beamtentum heraus der Reichsbund der deutschen Beamten geschaffen wurde, dann konnte diese Zusammenfassung aller deutschen Beamten im Dritten Reich nur eine Standesorganisation darstellen, welche der 100prozentigen Bodenständigkeit des Beamtentums sichtbaren Ausdruck verleiht. In ihr zu- sammengoschlossen sind alle Beamte, welche bereit sind, zu ihrem Teil mitzuarbeiten am Wiederaufbau des Vaterlandes.
Der Reichsbund der Deutschen Beamten e. V., Kreis Fulda, hatte seine Mitglieder am gestrigen Montag in den Stadtsaal eingeladen zu einem Kameradschaftsabend, der seine besondere Bedeutung dadurch erhielt, daß ein von dem Reichsbund aus Mitteln und Spenden der Beamten erworbener Schellenbaum für den Kreismusikzug aus diesem Anlaß überreicht werden sollte. Im voll besetzten Stadtsaal hatten sich neben den Fuldaer Beamten und Beamtinnen als Ehrengäste u. a. Gauleiterstellvertreter Landrat Dr. Burkhardt, Kreisleiter Ehser und Gauamtsleiter des Amtes für Beamte Pg. Knoth aus Kassel eingefunden. Der Kreismusikzug der NSDAP, umrahmte den Abend durch ein sauber ausgearbeitetes Programm von Märschen und Kampfliedern.
wärts" in der Arbeit für Volk und Vaterland zeigte, mit warmen Worten an. Er würdigte die unermüdliche Arbeit der NS.-Frauenschaft und rief zu weiterem Kampfe für die Idee Adolf Hitlers und für die Ertüchtigung des Volkes auf. Mit einem Siegheil auf den Führer schloß das Zusammensein der Führerinnen der NS.-Frauenschaft.
Jugend im Berufskampf.
Die Wettkampftage beim Relchsberufswettkampf.
Die L^ettkampftage für die verschiedenen Wettkampf- gruppen beim Reichsberufswetttamvf sind nunmehr endgültig festgelegt:
Am Sonntag, 2. Februar: Appell aller Wettkampfteilnehmer. Montaa 3. Februar: Wettkampfgruppen: Eisen und Metall (Industrie), Handel. Mittwoch, 5. Februar: Wettkampfgruppen : Friseure, Eisen und Metall (Feinmetall), Verkehr und öffentliche Betriebe, Bau, Haus- gehilfen. Freitag, 7. Februar: Wettkampfgruppen: Eisen und Metall (Handwerk), Leder, alle Mädel von Eisen- und Metallgruppen. Sonntag, 9. Februar: Wettkampfgruppen: Gesundheit, Bergbau. Dienstag, 11. Februar: Wettkampfgruppen: Nährstand, Bekleidung, Holz, Chemie, Stein und Erde, Gaststätten. Donnerstag, 13. Februar: Wettkampfgruppen : Nahrung und Genuß, Druck, Papier, Freie Berufe (einschließlich Kindergärtnerinnen). Sonnabend, 15. Februar: Wettkampfgruppe: Textil.
Mit Ausnahme der Wettkampfgruppe Eisen und Metall kämpfen die Mädels aller Wettkampfgruppen an den allgemein festgesetzten Wettkampftagen.
Bauer herhören!
Schwernelteferungs-Verträge.
Die Reichsstelle für Tiere und tierische Erzeugnisse beabsichtigt durch Vermittlung des Handels und der Viehverwertungsgenossenschaft mit Bauern und Landwirten Verträge zur Mästung von Schweinen abzuschließen.
Der Bauer verpflichtet sich, ab 1. Juni 1936 eine vertraglich vereinbarte Zahl von Schweinen zur Ablieferung bereitzuhalten, und zwar in einem Gewicht von über 120 kg.
Die Reichsstelle für Tiere und tierische Erzeugnisse verpflichtet sich durch diesen Vertrag zu einer Lieferung von
14 Zentner Roggen,
1 Zentner Mais und
14 Zentner Fischmehl je Schwein.
Der Preis des Roagen liegt 30 Pig. unter dem Monatsfestpreis. Das Fischmehl kann auf Grund eines Bezugscheines bezogen werden, der bei Abschluß des Vertrages ausgestellt wird, zu den Qualitäten, die von der Hauptvereinigung der deutschen Fischwirtschaft festgesetzt sind. Die Lieferung des Getreides erfolgt baldmöglichst nach Abschluß des Vertrages in handelsüblicher Veschaffenhett. Der für das Getreide zu zahlende Betrag wird bis zur Lieferung der Schweine gestundet und von dem Verkauferlös in Abzug gebracht.
Ein Abschluß derartiger Verträge wird durch den Handel oder durch die zuständige Kreisviehverwertungsgenossen- schaft durchgeführt. Von dort aus können alle näheren Bedingungen erfahren werden. Es ist zu begrüßen, wenn recht viele Bauern und Landwirte von diesem günstigen Angebot Gebrauch machen und gleichzeitig mithelfen, in der fleischknappen Zeit des Sommers schlachtreife Schweine aus den Markt zu bringen.
Der gefährliche Tintenstift.
Die Gefahr der Tintenstifte wird noch immer unterschätzt. Verletzungen, die man sich mit einem Tintenstift zuzieht, sollten umgehend ärztlicher Behandlung zugeftihrt werden. Im Auge muß man sofort durch reichliche Spülung mit lauem Wasser so viel als möglich von dem abgebrochenen oder steckengebliebenen Stift entfernen. Aber glerch muß auch der Arzt verständigt werden. Auch in der Haut oder gar bei tieferem Eindringen durch die Haut hindurch ist gründliche Beseitigung schnellstens angezeigt, damit kein Absterben des Gewebes erfolgt. Das rechtzeitige Eingreifen des Arztes wird oft dadurch erschwert, daß zunächst kaum Schmerzen entstehen. Erst nach einigen Tagen kommt es zu mäßigen örtlichen, dagegen schweren allgemeinen Störungen wie Elendsein, Kopfschmerzen, Fieber oder Schüttelfrost Es ist eine schlechte Gewohnheit, Tintenstifte ohne schützende Kappe zu lassen, besonders wenn man sie in der Tasche trägt. —
Nach einer Begrüßung durch den Kreisamtsleiter des Amtes für Beamte Pg. Kramer sprach der Gauamtsleiter des Amtes für Beamte Pg. Knoth, Kassel, zu seinen Berufskollegen und -Kolleginnen von der heutigen Volksorganisation der deutschen Beamten, die in richtig erkannter Zielsetzung zum Bindeglied und Garanten für die Einheit von Volk und Staat geworden sei. Anschließend wurde der wunderschön ausgearbeitete Schellenbaum von Pg. Kramer an Kreisleiter Pg. Ehser übergeben. Pg. Ehser sprach den Dank im Namen des Kreismusikzuges und sämtlicher politischen Leiter Fuldas aus und bezeichnete den Schellenbaum als eist Symbol der Bewegung, das in freudigen und schweren Stunden mit den Fahnen zusammen in Fulda der Bewegung voranschreiten werde. Im Namen des Kreismusikzugführers übernahm dann Kreismusikzugführer Bel- lenstedt den Schellenbaum unter anerkennenden und anspornenden Worten seines Kreisleiters für den Kreis- musikzug.
Der Abend stand ganz unter dem Zeichen nationalsozialistischer Freizeitgestaltung. Fuldas männliche und weibliche Beamte aber haben durch ihre großzügige Stiftung bewiesen, daß sie gewillt sind, den Kontakt zwischen ihrer Berufsorganisation und der NSDAP, mit all ihren Untergliederungen auf das engste zu verknüpfen, um auf ihrem Posten und zu ihrem Teil am Wiederaufbau des Reiches mitzuwirken.
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Neues Theater:
„Der Außenseiter".
Ein nettes Lustspiel, nach bewährten Mustern gekurbelt. Es sind eigentlich zwei „Außenseiter", die trotz ihrer Autzenseitigkeit das ganze Spiel beherrschen. Da ist zunächst der treuherzige Wanderbursche auf der „Walze" — eine Figur, die Heinz Rühmann auf den Leib geschrieben sein könte. Der zweite Außenseiter ist Toni, das Rasse-
Bavaria-Film (M).
Wohin rollst du — Heinz Rühmann? Szene aus dem lustigen Bavaria-Film „Der Außenseiter".
Pferd. Toni versagt beim Rennen, brennt durch, gesellt sich dem fidelen, mundharmonikaspielenden Peter Bang, dem Wanderburschen, zu, wird durch ihn von einem Fußschaden kuriert und kann sich von seinem Freund nicht mehr trennen. Die Beiden erleben zusammen mancherlei Abenteuer, geben in einem Wanderzirkus ein erfolgreiches Gastspiel und gewinnen zum Schluß sogar ein großes Rennen in Hoppegarten. Das Ganze ist eine recht unterhaltsame, harmlose Sache, bei der viel gelacht wird. Das Beiprogramm ist bemerkenswert durch den Wehrmachtfilm, der uns zeigt, daß Deutschland heute nicht mehr wehrlos da- steht. — -u-
Aus Gersfeld.
Platzkonzert in Gersfeld.
Luftkurort Gersfeld, 6. Januar 1936. Aus Anlaß des Reichssammeltages der Kriegsopfer und Frontsoldaten hatte sich der Musikzug des RAD. Gruppe 224 bereitwillig zur Verfügung gestellt und gab auf dem Marktplatz vor dem Rathaus in der Zeit von 15—16 Uhr ein Standkonzert. Die Kapelle spielte schneidige, vaterländische Märsche. Während des Konzerts sammelten Schwerkriegsbeschädigte der NSKOV. für das Winterhilfswerk.
Die Sammlung der hiesigen Frontsoldaten und Kriegerwitwen hatte einen guten Erfolg. Leider standen der Ortsgruppe nur eine geringe Zahl der schönen Plaketten des Preußenkönigs zur Verfügung.
Weihnachtskonzert.
Luftkurort Gersfeld, 6. Jan. 1936. Der Evangelische Singkreis und Posaunenchor unter Leitung von Frau E. Langheinrich, veranstaltete am Sonntagabend in der evgl. Kirche ein Weihnachtskonzert.
Während Frau Langheinrich, als Meisterin auf der Orgel, einige Stücke zu Gehör brachte, stellte der Singkreis, sowie der Posaunenchor sein Können unter Beweis. Erwähnenswert sind auch die Violinsolis, gespielt von Dr. Winterhager. Das Weihnachtskonzert zeigte einen guten Besuch und hätte bestimmt ein noch volleres Haus verdient gehabt.
Wie alljährlich, so wurde auch am Freitag, den 3. d. M., abends im Diakonissenheim für den Singkreis und den Posaunenchor, durch die Leiterin Frau E. Langheinrich, ein fröhlicher Abend veranstaltet. Zu diesem Abend waren sämtliche Mitwirkende am Festspiel, anläßlich des Kirchenbaujubiläums, von Pfarrer Langheinrich eingeladen und der Einladung gerne gefolgt. Bei Kaffee und Kuchen wurde den Erschienenen allerhand Ernstes und Heiteres geboten. Nach einigen gemütlichen Stunden gingen alle befriedigt nach Haufe.