Einzelbild herunterladen
 
  

Nr. 4

13. Jahrgang

Fuldaer Anzeiger

Monrag, 6. Januar 1936

Modi und Land

Merke: Der Mensch, gegen den du grob wirst, verachtet dich in tiefster Seele! Kannst du dasselbe nicht ruhig und streng sagen?

Abschied vom Weihnachtsbaum.

Die Kerzen sind heruntergebrannt, die alten Lieder um den Baum sind verklungen, der grüne Schmuck beginnt immer heftiger zu nadeln. Und die regnenden Nadeln sind wie Tränen über die Vergänglichkeit, die das Schicksal alles Festlich-Schönen ist. Die Hausfrau hat aus begreif­lichen Gründen die Plünderung des Baumes angeordnet. Die zarten Glaskugeln werden fein säuberlich in die Kar­tons verpackt, zusammen mit den Flitterketten und Licht­baltern. Für die Kinder gibt es noch einen allerletzten Nachgeschmack der entschwundenen Festtage: die Fondant­ringe und Schokoladenherzen werden mit lautem Hallo aus den Zweigen geholt soweit noch welche da sind. Die Kartons nnd der Baumständer wandern wieder auf den Boden, in die hinterste Ecke, für ein langes Jahr voll Hoffnungen und Sorgen.

Kahlgerupft steht der Baum auf dem Hof. Ein paar Lamettafäden erinnern noch an seine einstige Pracht. Der Wind zaust die dürren Äste. Morgen werden wir den Baum zerhacken nnd in den Ofen der Waschküche stecken. Die Jungen schlagen mit den Zweigen eine laute Schlacht, daß die letzten Nadeln umherfliegen. Das ist das Ende einer kurzen und glänzenden Laufbahn . . . Morgen wird die Flamme die verdorrten Zweige knisternd verzehren...

Eine selbstverständliche Pflicht.

Behandlung aufgefundener Luftballone mit Wissenschaft^ lichen Apparaten.

Zur Sicherung der Luftfahrt und zu wissenschaftlichen Zwecken werden von verschiedenen meteorologischen Insti­tuten im deutschen Reich mittels Ballonen und Drachen Instrumente aufgelassen, die die Temperatur und andere Wetterelemente selbsttätig aufzeichnen. Die Finder solcher Ballone oder Drachen mit Registrierinstrumenten werden ersucht, die an denselben befindlichen Anweisungen genau zu befolgen, ^n diesen Anweisungen ist stets die Draht­anschrift oder der Fernruf des in Frage kommenden In­stituts enthalten. Dem Finder werden die Unkosten für die Benachrichtigung erstattet. Bei richtiger Behandlung der Instrumente, die genau angegeben wird, erhält der Finder außerdem eine Belohnung. Die Ballone, Drachen, sowie die mitgeführten Apparate sind Staatseigentum. Böswil­lige Beschädigung oder Entwendung wird strafrechtlich verfolgt.

Arbeitsschule der DAF.

Die Weihnachtsferien sind vorüber. Am Dienstâg, den 7. Januar beginnt der Unterricht für folgende Lehrgänge:

15.00 Uhr Maschinenschreiben, Lindenstr. 20.

16.30 Uhr Maschinenschreiben, Lindenstr. 20.

17.15 Uhr Schweißlehrgang I. Frankfurter Str.

19 30 Uhr Elektriker-Fortgeschr. Ueberlandwerk.

19.00 Uhr Maschinenschreiben, Lindenstr. 20.

19.00 Uhr Schriftschreiben für Drucker, Heinrichstr.

20.30 Uhr Uebungssirma Portz ig, Lindenstr.

20.30 Uhr Uebungssirma Decke, Lindenstr.

20.30 Uhr Rechnen I, Heinrichstr. 43.

20.30 Uhr Englisch-Ans., Heinrichstr. 43.

2030 Uhr Plakatschrift f. Fortgeschrittene, Heinrichstr. 43.

20.30 Uhr Steno. Fortgeschrittene f. männl., Gymnasium.

Wir bitten aue Teilnehmer, pünktlich zum Unterricht zu erscheinen.

Aus dem Vogelsberg, 5. Jan. (E uet oberhessisch Wo ar".) Der oberbessische Heimatdichter Georg Heß in Leihgestern spricht in seinen Heimatdichtungen von einer guet oberhessisch Woar", wenn er das kernige, wurzel- echte oberhesfis-ne Bauerntum meint. Eine solchguet oberhessisch Woar" ist Wilhelm Rapp 1. in Feldkrücken (Kreis Schotten). der vor einigen Tagen seinen 75. Ge­burtstag beging und an diesem Tage auf eine Nachkom­menschaft von 8 Kindern, 36 Enkeln und 1 Urenkel blik- ken konnte. Der alte Mann fährt noch heute jeden Tag nach dem Nachbardorf Rebgeshain, wo er in einer Holz­schneiderei beschäftigt ist.

Kranfahrer unterm Tannenbaum.

Weihnachtsfeier und Kum radstyaftsab nd der Motornaffel H/M. 46 des -tskk.

Während in früheren Jahren die einzelnen Motor­stürme des NSKK. ihre Weihnachtsfeiern getrennt ab­hielten, fand diesmal die Feier erstmalig geschlossen für die gesamte Staffel statt, dem großen Gedanken der Gemein­schaft dadurch bewußt Rechnung tragend. Schon lange vor Beginn der Veranstaltung war der große Stadtsaal dicht gefüllt. Weiß gedeckte Tische, mit Tannenreisig und Kerzen geschmückt, das frische Grün zahlreicher Blattpflanzen, zwei riesige Tannenbäume und ein großer Gabentisch für Be­scherung sowie lockende Gewinne für die Verlosung geben dem Ganzen ein weihnachtliches Gepräge. Von der Bühne grüßte in leuchtenden Lettern ein prachtvolles Transparent des NSKK., kein Wunder, daß sich in einem derart aus­gestattetem Raume recht bald eine wirkliche Feierstimmung einstellte. Zwei exakt vorgetragene LiederVolk an's Ge­wehr" undO Deutschland hoch in Ehren", gesungen von Angehörigen des Sturmes 12/M 46 leiteten über zu der Begrüßungsansprache des Staffelführers Böhm.

Sein Gruß galt dem Kreisleiter E h s e r sowie den NSKK.-Kameraden aus Eisenach, ferner der zahlreich erschienenen Angehörigen der einzelnen Stürme, unter denen auch die Stürme aus Gersfeld und Bad Salzschlirf vertreten waren. Wenn heute, nach rund zwei Jahren, so führte Staffelführer Böhm in seiner Ansprache aus, dis NSKK. -Staffel wieder in die Oeffentlichkeit trete, so war in dieser Zeit starke Arbeit zu leisten, um zu erreichen, daß das jüngste Glied der Bewegung neben den schon früher bestandenen SA.- und SS.-Stllrmen als gleichwertig anzu- sehen sei. Der Kampfgeist des NSKK. sei gut, der alte SA.-Geist herrsche heute auch hier. Als wichtigste Aufgabe der Motorstürme bezeichnet der Redner die Mitarbeit an der Motorisierung Deutschlands. Weiterhin sei es vor­nehmste Pflicht der Angehörigen des NSKK.. als vorbild­liche Fahrer aufzutreten, sowie sich die notwendigen Kennt­nisse anzueignen, um Motorfahrern unterwegs in allen Lagen Hilfe zu leisten. In stiller, zäher Arbeit wurde an diesen Zielen gewirkt. Wie der alte Fritz einmal seinen Offizieren zum Jahreswechsel gratulierte, mit dem Hin­weis,daß da, wo Lücken sind, dieselben zu bessern seien", so überbringe er als Staffelführer seinen Männern eben­falls diesen Wunsch für das nächste Jahr, mit der Auffor­derung, danach zu handeln. Mit einem dreifachenSieg- Heil" auf den Führer schloß der Redner seine von hohem Ernst getragenen Ausführungen. Horst-Wessel- und Deutsch­land-Lied schlossen die Rede ab.

Nun folgte in flotter Abwicklung ein gut aufgebautes Programm, das im ersten Teile alle Erschienenen nochmals das Weihnachtsfest ins Gedächtnis rief. Konzertmeister a. D. Lorenz, Oberscharführer Dr. Schneider und Rotten­führer Maser brachten eine Corellische Sonate vollendet zu Gehör; Oberscharführer Küper sprach ausdrucksvoll ein GedichtWeihnachten im Weltkrieg", dem sich der gemein­same Gesang des alten WeihnachtsliedesStille Nacht" anschloß. Mit starkem Beifall begrüßt und für ihre wirk­lich anerkennenswerten Leistungen ebenso beifällig be­dankt, waren die Vorführungen des Jungvolks. Als wei­teres Zeichen der Anerkennung hatten die NSKK.-Männer eine Bescherung für diese jüngsten Volksgenossen eingerich­tet, die an Reichhaltigkeit nichts zu wünschen übrig ließ, wie die strahlenden Augen der Jungen bewiesen. Vier allerliebste Tänzerinnen zeigten einen graziösen Reigen,

Am 8. Januar ist Mondfinsternis.

Am 8. Januar wird sich wieder einmal unser Erdtrabant verfinstern. Um 18.28 Uhr wird der Mond in den Erd­schatten eintreten, um dann nach seinem vollkommenen Verschwinden von 18.58 bis 19.21 Uhr um 19.51 Uhr wieder ganz in seinem matten Licht zu erstrahlen. Wir zeigen hier die verschiedenen Phasen einer Mondfinsternis des vergangenen Sabres. (Scherl Bilderdienst M.)

anmutig und gewandt entledigten sie sich der gar nicht so leichten Aufgabe. Kraft und Körperschönheit vermittelten die gestellten Marmorgruppen einiger NSKK.-Männer. Eine^ reichhaltige Verlosung beendete den offiziellen Tei! der Feier, dem sich das von der Jugend stark ersehnte Tänzchen anschloß, zu der die NS.-Kreiskapelle unter Leitung ihres Dirigenten, Musikzugführers Bellstedt, fleißig aufspielte. -r.

*

Weihnachtsfeier der Feuerwehr.

Nachdem am Samstag nachmittag im Roten Saale des Stadtsaales ^erstmalig eine Weihnachtsfeier für die Kinder der Feuerwehrkameraden beim brennenden Weih­nachtsbaum stattgefunden hatte, wobei 80 Kinder mit einem Weihnachtsgeschenk erfreut wurden, fand am Samstag abend im Großen Saale des Stadtsaales die traditionelle Weihnachtsfeier für die Kameraden der Wehr statt. Wie in früheren Jahren erfreute sich die Feier eines überaus zahlreichen Besuches der Einwohnerschaft und des Militärs. Der stellvertretende Kreisfeuerwehrführer, Hauptbrand- meister Jos. Ruppel, begrüßte besonders den Chef der frei­willigen Feuerwehr, Oberbürgermeister Dr. Tanzebrink, Hauptmann Geist als Vertreter des Standortskommandos und viele andere Ehrengäste. Der Redner gelobte, daß die Fuldaer Wehr auch fernerhin getreu ihrer DeviseGott zur Ehr und dem Nächsten zur Wehr" im Ernstfälle voll und ganz ihre Schuldigkeit tun werden. Im weiteren Ver­lause des Abends hielt der Oberbürgermeister eine An­sprache, in der er betonte, daß das Weihnachtsfest seit einer sehr langen Dauer von Jahren auch zu einem Weihnachts- sest der großen Feuerwehrfamilie Fuldas geworden, zu dem sich alljährlich nicht nur die alten im Ruhestande be­findlichen Kameraden mit ihren Angehörigen, sondern auch die jüngeren Kameraden fast restlos beim brennenden Weihnachtsbaum im Stadtsaal einfinden.

Nachdem der Chef der Feuerwehr der in der Wehr herrschenden stramenen Disziplin und der großen Einsatz­bereitschaft anerkennende Worte gewidmet hatte, verlieh er im Auftrage der Regierung an die Kameraden: Anton Ruppel, Franz Jos. Schneider und Rud. Gärtner die Aus­zeichnung für 25jährige treue Tätigkeit in der Fuldaer Feuerwehr. Den musikalischen Teil des Abends bestritt in hervorragender Weise der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr unter der Stabführung seines Dirigenten Völler, Tanz hielt jung und alt noch lange vereint.

*

Die Vereinigung ehemal. Kavalleristen von Fulda und Umg.

hielt am gestrigen Sonntag abend ihre diesjährige Weih­nachtsfeier im Saale des katholischen Gesellenhauses ab. Kameradschaftsführer Möller hieß die überaus zahlreich Erschienenen herzlich willkommen. Er gedachte in seiner Ansprache der im Weltkriege und in der Heimat verstor­benen Kameraden und schloß seine Worte mit einem drei­fachen Sieg-Heil auf den Führer und Obersten Heerführer der Wehrmacht. Ein tiefgründiger Vorspruch und einige Gedichtvorträge vervollständigten die Festfolge. Den musi­kalischen Teil bestritt in mustergültiger Weise die Kapelle Onken. Ein Tanz beschloß die Weihnachtsfeier.

Heimatliche Betrachtung.

Schöne Rhön,

Landschaft aus Feuer gestaltet.

Es liegt ein eigener Zauber über der Rhön, dem Ge­birge im Herzen unseres Gaues, das durch des Feuers Ge­walt seine besondere Prägung erhielt. Man ahnt das Besondere des Berglandes schon, wenn man mit der Bahn an ihm vorüber fährt und vom Fenster des Zuges aus einen Blick auf die dunklen Bergkegel und langgestreckten Höhen- rücken wirft. Aber das Letzte und Höchste, die Seele der Rhön, drängt sich nicht unmittelbar auf, sie will in.bedacht­samem Wandern mit sinnenden Augen und empfänglichem Herzen erfaßt sein. Kommst du von Fulda im Westen oder von Meiningen im Osten, von Vacha im Norden oder von Bad Kissingen im Süden und steigst empor zum Zentral­punkte des Gebirges, der 950 m hohen Wasserkuppe, dann lernst du alle die eigenartigen, herblieblichen Reize der Rhön in ihren riesigen Hochflächen vom Heidelstein bis zum Ellenbogen, in ihren stillträumerlschen Kutten oder Seen bei Bernshausen, in ihren düsteren Mooren bei Wüsten-

Montag, 6. Januar: Union-Theater: Mazurka.

Europa-Lichtspiele: Der Student von Prag. Neues Theater: Der Außenseiter.

Dienstag, 7. Januar:

Union-Theater: Mazurka.

Europa-Lichtspiele: Der Student von Prag. Wettes Theater: Der Außenseiter.

arme Rhöner.

sachsen und Frankenheim, in ihren buntfarbigen, herden­belebten Bergwiesen, Huten und Tristen, in ihren aussichts­reichen Basaltkegeln und langgestreckten Domen, ihn ihren säulenreichen Felsbildungen und wirren Steintrümmer­haufen, in ihren dunklen Buchenforsten und lichtumfluteten Hochflächen kennen.

Die Erdkundler teilen die Rhön in eine südliche, waldgebirgige, in eine mittlere, hohe oder lange, in eine nördliche oder kuppenreiche. Den Zentralherd der vulkani­schen Ausbrüche, die die Basaltmassen auf den Buntsand­stein und Muschelkalk setzten und so einen einzigartigen Rhythmus in die Landschaft brachten, sehen sie im Himmel­dunkberg. Nach allen vier Himmelsrichtungen ziehen forel­lenreiche, klare Gebirgswasser: die Fulda und Ulster, die Sinn und B r e n d. Und sie teilen den Gebirgsstock in vier Züge. Aus dem vulkanischen Charakter der Rhön erklärt sich der Reichtum seiner Mineralquellen, Bad Kissingen und Brückenau, B o ck l e t, Neuhaus und Salzungen verdanken ihnen Ruf und Blüte.

Nicht nur der Geologe wird der Rhön ein Loblied singen, auch der Botaniker wird sie ob ihrer einzig­artigen Flora, besonders auf den Hochmooren, gerne aufsuchen. Der Naturfreund, der Wanderer, wird ihm fol­gen. Wer einmal auf der Höhe des 930 m hohen Kreuz­berges stand und hineinschaute in das gesegnete Franken- land, hinüber nach den Bergen des Thüringer Waldes, des Spessarts und Taunus, oder über alle Kuppen hinweg bis zum hohen Meißner im Norden, wer den umfassenden Rundblick auf dem Eierhauck oder auf der Wasserkappe ge­noß, wem all die Schönheit der Milseburg aufgegangen ist, wer die schwermütige Einsamkeit der hohen Rhön als Glück empfand, der wird der Rhön verfallen sein für immer.

Und die Bewohner der Rhön?

Es sind ehrliche, freundliche, zuvorkommende und red­selige Leute. Aber einem großen Teil von ihnen ist die Not als bitteres Geschenk mit in die Wiege gelegt worden. Es ist dies einesteils die Folge einer falschen, gewinnsüch­tigen Vesiedelungswirtschaft aus früheren Jahrhunderten. Der Boden sollte zu vielen Menschen Brot geben, und weil er es nur im beschränkten Maße konnte, darum pochte der junger mit harter Faust an die Stubentüre des Rhöners. Ein großer Nachteil war es, daß sich drei Staa­ten: Preußen, Bayern und Thüringen in den Besitz der Rhön teilten und daß jeder streng darauf achtete, dem anderen nicht in die Hände zu arbeiten. So kam es, daß eine Reihe von Sackbâhnen ins Herz der Rhön vor­dringt, daß es aber zu keinem Anschluß für eine durch­gehende Linie kam.

Für die Rhön schlug die Schicksalsstunde, als der Natio­nalsozialismus zur Regierung kam. Sie wurde zunächst als Notstandsgebiet erklärt und man schuf einen großangeleg­ten Plan mit weiter Sicht, dessen Endzweck darin besteht, die Rhön aus ihrer Armut zu befreien und ihre Bewohner zu vollwertigen Gliedern der großen deutschen Volksge­meinschaft zu machen.

Heute ist man diesem Endzweck schon um ein erheblich großes Stück näher gekommen. Durch die umfungr âcyen Straßenbauten ebenso wie durch die Einrichtung zahlreicher Arbeitsdienstlager ist der Pfennig auch und gerade in der Rhön wieder ins Rollen gekommen. Wenn alle jene Maßnahmen, die in der Rhön noch der Erfüllung harren, zur Anwendung gekommen sind, dann wird auch die Rhön und ihre Rhöner all jener Segnungen des Dritten Reiches teilhaftig werden, denen wir heute den wirtschaftlichen Aufstieg im Vaterland verdanken.

Bestellungen auf diese Zeitung

werden jederzeit entgegengenommen