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Zul-aer MZeiger

Erscheint jeden Werktag. WochenLeilage: ^et Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Lei Lieferungsbehinderung durchHöhere Ge­malt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried- rich Ehren klau, Fulda, Königstraße 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- vach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren­klau, Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989. Verantw. für den Inhalt: Bernd Heim, Fulda.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »ZulSaer Kreisblatt

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Nr. 4 13. Jahrgang

Fulda, Montag, 6. Januar 1936

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Amerika

Neutralität.

Roosevelt an das amerikanische Parlament und Volk.

Amerika steht unter dem Eindruck der dem Bundes­kongreß in Washington vorgelegten Vorlage, durch die das am 29. Februar ablaufende Neutratttätsgcsetz durch eine unbefristete Neutralitätsgesetzgebung ersetzt werden soll.

Präsident Roosevelt hat der Erörterung über die Neutralitätsvorlage eine Botschaft über die politische Lage folgen lassen, in der er einen dringenden Appell an Parla­ment und Wähler richtet, den Präsidenten angesichts der immer stärker werdenden Opposition und der Rückschläge, die seine Gesetze im Bundesgericht erfahren, zu unter­stützen. Der Präsident unterstreicht Amerikas Friedens­liebe und Amerikas Bemühungen um wahre Neutralität. Ten» stellt er die übrige Welt gegenüber. In Europa und Asien hätten manche Herrscher nicht nach Frieden gestrebt, sondern sie seien aggressiv und störten die Ruhe der Nationen, die den Frieden auf Erden wünschen.Müßig ist es", so fährt Roosevelt fort,zu behaupten, daß die Völker nicht so kriegerisch und imperialistisch seien wie diese ihre Herrscher. Nationen, die eine Ausdehnung ihrer Ge­biete oder die Wiedergutmachung des ihnen in früheren Kriegen zugefügten Unrechts suchen oder Märkte für ihren Außenhandel erstreben, zeigen leider nicht die Geduld, die erforderlich ist, um vernünftige und legitime Ziele durch friedliche Verhandlungen oder durch einen Appell an die besseren Instinkte der Weltgerechtigkeit zu erreichen. Voller Ungeduld kehren sie zum alten Glauben an das Gesetz des Schwertes oder zu der phantastischen Ausfassung zurück, daß sie und nur sie allein auserwählt seien, eine Mission zu erfüllen, daß all die anderen eineinhalb Milliarden Menschen von ihnen lernen müßten und würden und sich ihnen unterwerfen müßten.

Wir haben die Periode der Dollardiplomatie beendet und verfolgen eine zweifache Neutralitätspolitik, und zwar:

I. durch ein Verbot der Ausfuhr von Waffen und Munition an Kriegführende,

2. durch eine Verhinderung der Benutzung unserer Erzeugnisse durch Kriegführende über den normalen Friedensbedarf hinaus zur Erleichterung ihrer Kriegführung.

. Ich bin mir klar", so betonte Roosevelt weiter,daß meine mit voller Überlegung gewählten Worte bei den Nationen mißliebig sein werden, die diese Worte als auf W gemünzt betrachten. Bei den anderen friedliebenden Völkern aber werden sie einen beifälligen Widerhall her­vorrufen.

A m e r i k a s P o l i t i k ist klar und folgerichtig. Wir erstreben die Begrenzung der Rüstungen, die friedliche Losung von Streitigkeiten zwischen allen Nationen. Wir hoffen, daß wir nicht an der Schwelle eines neuen Welt­krieges stehen, aber falls wir der Tatsache ins Gesicht sehen mußten, so wird Amerika bemüht sein, durch eine geordnete Neutralität und durch eine ange­messene Landesverteidigung sich vor der Verwicklung in einen neuen Krieg zu bewahren."

Roosevelt erörterte dann die innerpolitische Lage der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Dabei rechnete er mit Hoover ab, der ihn letzthin so scharf angegriffen hatte. Roosevelt zählte dann alle seine innenpolitischen Leistungen auf finanziellem, wirtschaftlichem und sozialem Gebiet auf und fragte, ob man aus alle diese Erfolge verzichten wollte

Die amerikanische Öffentlichkeit hatte die Rede Roosevelts vor dem Kongreß mit Spannung er­wartet. Die Presse der Opposition findet für die Botschaft Worte schärfster Ablehnung. Das führende Oppositions- blattHerold Tribun e" erklärt, die Ironie der Bot­schaft bestehe Darin, daß sie zwar für Frieden im Ausland eintreie, gleichzeitig aber den Haß im eigenen Lande schüre. Roosevelt zeichne eine fremdartige Welt, wenn er erkläre, daß neunzig Prozent der Menschheit zufrieden und friedfertig seien, während die schrecklichen anderen zehn Prozent vomZwillingsgeist der Autokratie und Angriffslust" beherrscht seien und ausschließlich für allen Unfrieden in der Welt und das Nichtzustandekommen der Abrüstung verantwortlich gemacht werden sollen. In Mel­dungen aus Washington, die vonheftigen Angriffen" auf andere Nationen sprechen, klingt an, daß diese An­griffe unnötig gewesen seien. Vielfach wird unter- strichen, daß die mächtige Gruppe der Jsolierungspolitiker des Kongresses nunmehr fester denn je entschlossen sei, Roosevelt die Hände zu binden und ihn außerstande zu setzen, sich noch weiter der Völkerbundspolitik zu nähern. Es wird weiter betont, Amerika habe genug im eigenen Hanse anszukehren, bevor es der übrigen Welt Lektionen erteilen könne.

*

Das Echo.

In England hat die Warnung Präsident Roose­velts vor der Bedrohung des Weltfriedens tiefen Eindruck gemacht. 3m allgemeinen wird die Botschaft Roosevelts als ein Anzeichen dafür ansgelegt, daß die Vereinigten Staaten stärker als je gegen den militärischen Aus- oehuungsdrang anderer Mächte Stellung nehmen. Die

hebt hervor, daß die Olsperre gegen Italien von Amerika damit ausgesprochen sei, denn cs bestehe kein

Zweifel, daß der Kongreß die beiden Neutralitätserklä­rungen annehmen werde.

Die französischen Blätter erörtern die Fol­gen, die die Annahme des Neutralitätsgesetzes durch den amerikanischen Kongreß für die europäische Politik haben würde. Der nationalistischeAmi du Peuple" erklärt die neue amerikanische Politik für egoistisch. Die Amerikaner suchten weiter nichts als jeder gefährlichen Verpflichtung ans dem Wege zu gehen. DieJourns Industrielle" weist auf die Gefährlichkeit der Genfer Paktpolitik für die Zukunft hin, wenn die Vereinigten Staaten neutral bleiben würden.

In amtlichen italienischen Kreisen wird zu dem neuen Neutralitätsgesetz erklärt, man hätte nicht mehr erwarten können. Aus der allgemeinen Stimmung geht hervor, daß man schon zufrieden ist, feststellen zu können, daß Amerika sich offenbar nicht auf die Sanktions­politik des Völkerbundes einlassen wolle.

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Giftgas und Flammenwerfer.

Verstärkter Einsatz der italienischen Kampfwaffen.

Aus den Verlautbarungen der italie­nischen Presse, ist, wie die englischen Blätter an- nchmen, zu schließen, daß noch vor Beginn der Regenzeit die italienische Kriegführung einen verschärften Einsatz der italienischen Kämpfwaffen vornehmen will und Gift­gas und Flammenwerfer in den Kampf einfetzen wird. Weiter heißt es, daß Marschall Badoglio, der italienische Oberkommandierende in Ostafrika, Ver­stärkungen angesordert habe, da für viele Truppenteile nach monatelangen^Aushaltei» unter schwierigsten klima­tischen Verhältnissen eine Ablösung vom Front­dienst nötig sei.

Nach einer Meldung derBritish United Preß" ist festgestellt, daß 5 3 Tonnen Giftgas in den letzten Tagen durch den Suezkanal transportiert worden seien, ebenso eine große Anzahl von Flammen­werfern.Daily D i s p a 1 ch" meldet, daß italienische Flieger erneut Flugblätter abgeworfen hätten, in denen angekündigt wird, daß für die angebliche Enthauptung des abgeschossenen italienischen Fliegerstausendfache Rache" geübt werde. An der N o r d f r o n t fing ein italienisches Bombenflugzeug Feuer und stürzte ab.

Meldungen aus Addis Abeba bestätigen, daß die Italiener während der ganzen letzten Woche im Front­abschnitt Makalle dauernd Bomben abwarfen. Am 31. De­zember sind nach Behauptung der Abessinier in diesem Bezirk ausschließlich Gasbomben verwandt worden. Die Zivilbevölkerung habe unter diesen Angriffen ungeheuer zu leiden, während militärisch absolut keine Erfolge er­zielt wurden.

In sechs Tagen mürben überBOOO Gasbomben abgewvrfcn.

Nach den Meldungen vom Kriegsschauplatz scheint General Graziani seinen linken Flügel bei Dolo nur deshalb zu verstärken, um gegen einen Angriff des Ras Desta gesichert zu sein. Sein Ziel bleibt die Er­reichung von Harrar. Italienische Flieger sollen als Vergeltungsmaßnahme für die angebliche Enthauptung eines in abessinische Gefangenschaft geratenen italienischen Fliegeroffiziers ein Bombardement ans die Stadt Harrar durchgeführt haben.

Schwedischer Assistenzarzt

seinen Verletzungen erlegen.

Der Bericht des Chefarztes Dr. Hylander über das Lazarettbombardement.

Das Flugzeug, das nach Nugelli, dem nächsten Ort an der Stätte des italienischen Fliegerbombardements auf das schwedische Rote-Kreuz-Lazarett, aufgestiegell war, ist nach Addis A b e b a zurückgekehrt. Der schwedische Chefarzt Dr. Hyland e r ist als Verwundeter eingebracht worden. Sein Assistent L u n d st r ö m , dem die eine Wange durch einen Querschläger buchstäblich weggerissen worden war, ist sein e n V e r l e tz u n g e n auf dem Wege nach Nugelli erlege n.

Aus den Berichten Dr. Hy landers geht her­vor, daß

das Bombardement der italienischen Flieger in dem Augenblick einsetzte, als er und sein Assistent Lund­ström im Operativnsraum beschäftigt waren.

Nachdem Dr. H y l a n d e r die furchtbaren Wirkun­gen des Luftbombardements geschildert hatte, berichtete er, ein umherfliegendes Felsstück habe ihn an der Seite ge­troffen. Ein schwedischer Lazarettgehilfe habe ihm bei der Flucht in den benachbarten Busch geholfen. Dabei habe sie ein italienisches F l u a r e u a i n n i e d r i a e m

Die Spannung zwischen England und Italien.

Der italienische Senatspräsident über dieMittelmeerfrage.

In der U n i v e r s i t ä t Mailand hielt der Präsi­dent des italienischen Senats, Federzoni, einen Vor­trag über das Mittelmeerproblem. Von einem geschicht­lichen überblick ausgehend, kam er auf das Streben Englands, die Vormachtstellung im Mittelmeer zu er­ringen und zu behalten, zu sprechen. Gegenwärtig, wo England im Mittelmeer weder eine Gefahr von Frank­reich noch von Deutschland oder Rußland zu befürchten habe,

scheine man in England eine freundschaftliche Zu­sammenarbeit mit Italien nicht mehr für notwendig zu halten.

Auf den Völkerbund anspielend, erklärte Federzoni, Englands Politik laufe darauf hinaus, mit den geringsten Risiken den größten Nutzen zu erzielen, dies fei aber für Dritte eine Politik der Erdrosselung, weil sie jeder neuen Kraft den Weg versperre.

Die jetzige gefährliche Krise müsse überwunden werden, und Italien werde sie durch die entschlossene Weiter­führung seines Vorgehens überwinden.

Das neue Italien sei im Mittelmeer eine nicht zu unterdrückende politische Gegebenheit, das Mittelmeer­problem bilde mit dem ostafrikanischen Problem eine Ein­heit und sei für Italien in erster Linie ein Problem zur Sicherstellung seiner Unabhängigkeit.

Flugenochverfolgt und mit Maschinengewehrfeuer überschüttet.

Hylander trat der Auffassung entgegen, daß das Laza­rett nicht als solches gekennzeichnet war, und daß sich abessinische Soldaten dorthin geflüchtet hätten. Das Lager habe sich anderthalb Kilometer von den Trup­pen des Ras Desta entfernt befunden. Nur kranke und ver­wundete Abessinier hätten im Lazarett gelegen.

Neues italienisches Bombardement auf ein Lazarett.

Wenige Tage sind erst verflossen, seit die Nachricht von der Zerstörung des schwedischen Lazaretts bei Dolo durch italienische Fliegerbomben eintraf, und schon wieder wird gemeldet, daß hinter der abessinischen Südfront eine Sanitätsstation vernichtet worden sei. Es handelt sich diesmal um eine englisch-ägyp­tische Ambulanz, die den italienischen Flieger­bomben restlos zum Opfer gefallen ist.

Hierüber wird aus Addis Abeba berichtet: Bei den außerordentlich starken italienischen Bombenangriffen an der Nordfront wurden über der Stadt Amba Aleja südlich Makalle Giftgasbomben abgeworfen. Einige Tote, zahlreiche Verwundete blieben am Platze. Am 2. Januar nachmittags warfen drei italienische Flieger Gift-undBrandbomben über Debnat und Debre Tobor ab. An der Südsront wurde die Stadt Corem bom­bardiert und erneut Dagabur.

Beim ersten Bombardement Dagaburs wurde die ganze ägyptische Ambulanz restlos zerstört, Opfer sind jedoch keine zu verzeichnen. Nach Abwurf der Bomben wurden die Rotkrcuz-Zeltc mit Maschinen­gewehren beschossen. In der bombardierten Ambulanz waren u. a. zwei englische Ärzte tätig. , ,

Die abessinischen Kreise erklären, sie seien über die ständigen Bombardement s von Rot- kreuzstattonen äußerst empört und müßten fragen, was die europäischen Großmächte gegen die Verletzung der heiligen internationalen Einrichtung sagten. Abessinien habe man erst verweigert, in das internationale Rote Kreuz eintreten zu können, weil diese Einrichtung nur zivilisierten Völkern zugänglich sei. Die ständigen Bom­bardements von Rotkreuzstationen durch die Italiener, die nach dritter Wiederholung deutlich die Absicht reiaten, schädigten ungeheuer das eurüLLLLe «tuL^i-

Agyptischer Protest gegen Italien in Genf.

Prinz Omar Toussoun, der Präsident des ägyptischen Roten Kreuzes, hat wegen des i t a l i e - n i f d) c u Fliegerbombardements auf b i e ägyptische Rote-Kreuz-Anlage bei Dagabur ein P r o t e st t e l e g r a m m nach Genf gesandt. Ebenso hat der Patriarch der koptischen Kirche beim Völkerbund dagegen protestiert.

Der Bombenabwurf auf die von einem ägyptischen Arzt geleitete Station hat in Kairo große Empörung hervorgerufen, wenn auch nach den bisherigen Meldungen keine Opfer an Menschenleben zu beklagen sind. Die koptische Gemeinde in Ägypten, die sich mit den abessinischen Kopten eng verbunden fühlt, war an der Ausrüstung der Station stark beteiligt.