„Hallo - SOS-Dienst, bitte!"
Kleine Reportage von H. R. Eckert.
Uederall in der Well gibt es Neuerungen. Immer wieder konsirmeren findige Köpfe ileine, manchmal nur belanglos erscheinende „Pfiffe", die sich aber hinterher als einträgliche Geschäfte erweisen.
Eine Fahrt in der Kopenhagener Straßenbahn... Im Raucherwagen hat ein dicker Mann Platz genommen, rechts und links sitzt je ein handfester Begleiter. Sie reden auf den Mann in der Mitte ein, machen Witze, lachen laut auf, lassen sich von dem Dicken Zigarren verehren, aber dann plötzlich entdecken ihre scharfen Augen die richtige Haltestelle — sie springen auf, packen den Dicken von beiden Seiten, ziehen ihn aus der Straßenbahn und verschwinden mit ihm um die nächste Ecke. Man sieht: der Mann in der Mine will sich wehren, „macht ein großes Palaver", wie es bei Karl May heißt, aber die beiden handfesten Männer lassen sich nicht beirren — fünf Minuten später verschwinden sie mit dem Ueberwältigien in einem Hausflur...
Nachdenklich wandert man weiter. Eine Verhaftung? Unter Zigarrenausteilen und Witzemachen? Das ist nicht gut denkbar. Aber was wollten die beiden dann von dem Mann, den sie davonführten? Merkwürdig auch, daß niemand im Publikum sonderlich auf die Szene achtete — schließlich ist eine Verhaftung doch keine alltägliche Angelegenheit.
„Freut mich, daß Sie uns besuchen!" sagte am Abend zu mir der Chef des SOS-Büros Kopenhagen, als ich mich bei ihm mit der Einführungskarte eines ihm bekannten Redakteurs meldete. „Was Sie heute mittag beobachtet haben, war tatsächlich unser SOS-Dienst bei der Arbeit. Wissen Sie noch, um welche Uhr das war? 12,30? Hier haben wir das Auftragsbuch: von 12 bis 13 transportierten zwei unserer Angestellten den stellvertretenden Direktor X. X. in seine Wohnung am Fälled- parken. Macht fünf Kronen!"
„Für fünf Kronen bringen Sie hilfsbedürftige Leute nach Hause?"
„Gewiß", meinte der Chef und bot mir eine englische Zigarette an, „aber das Wörtchen .hilfsbedürftig' bedarf einer gewissen Erläuterung. Wir bringen nämlich Leute nach Hause, die erstens ein Auto besitzen und zweitens, nun, sagen wir einmal einen kleinen über den Durst getrunken haben."
„Ah! Wie interessant! Und wie müssen sich die Leute verhalten, um Ihre Unterstützung zu bekommen?"
„Sie brauchen nur den Telephonhörer abzuheben und bei der Zentrale zu verlangen :SOS-Autodienst!" antwortete mir der Leiter. „Fünf Minuten später sind wir da und holen den Hilfsbedürftigen' ab."
„Wie sind Sie eigentlich auf diesen Gedanken verfallen?" fragte ich in meinem journalistischen Drang nach neuem Wissen.
„Durch die beispiellos st r e n g e A u r o g e ; e tz g e b u n g in Dänemark", erklärte mir der Chef. „Sehen Sie" mal, es kommt doch öfter vor, daß man bei Geburtstagsfeiern, Familienfesten, Kegelabenden und dergleichen ein bißchen zu tief ins Glas guckt. Hat man nun ein eigenes Auto, dann entsteht die Frage, wie man nach Hanse kommt."
„Umgekehrt!" wandte ich ein. „Wenn man kein Auto hat, entsteht die Frage, wie man nach Hause kommt."
„Ja, vielleicht vom Standpunkt anderer Länder", er widerte der Chef lächelnd, „aber nicht in Kopenhagen. Bei uns darf ein Betrunkener, ja sogar ein leicht Angesäuselter, unter keinen Umständen feinen Wagen fahren! In anderen Staaten roirb er bestraft, wenn er in seiner Trunkenheit Schaden anrichtet. Das ist in Dänemark nicht nötig. Er darf von vornherein nicht fahren, ja, es ist schon strafbar, wenn er sich auch nur versuchsweise überhaupt an das Steuerrad setzt! In diesem Augenblick ist er bereits dem Gesetz verfallen."
„Donnerwetter — eine drakonische Gesetzgebung!"
"Ja, gesalzen und gepfeffert", gab mir der Chef zu, „uuyer- oem dürfen Sie nicht außer acht lasten, daß wir auf den Polizeiwachen eine strenge .Spritprobe' haben, die von Aerzten vorgenommen wird. Sie kennen das ja: über einen geraden Strich laufen, aus der Zeitung vorlesen usw. Wehe dem, der nicht ganz nüchtern ist!"
„Aha — und wer also ohne Strafe nach Hause kommen will, ruft den SOS-Dienst an ..."
. „Richtig!" stimmte der Chef bei. „Am Vormittag bringen wir unsere , Kunden' mit der Strassenbahn nach Hause, da ist es
mit dem Alkohol meist noch nicht so ichlimm. Aber nachmittags und besonders abends und in der Nacht transportieren wir grundsätzlich nur in eigenen Taxen, die stets mit zwei kräftigen Männern besetzt sind."
„Immer gleich zwei?"
„Natürlich — die Männer müssen den „Kunden' nämlich bis in sein Zimmer bringen und ihm auf Wunsch auch in das Bett helfen, erst dann haben sie ihre Pflicht getan und können gehen. Seinen Wagen heben wir über Nacht auf, das kostet dann zusammen acht Kronen.'
* „Großartig!" rief ich aus." „Demnach müssen Sie doch auch bei den Behörden sehr beliebt sein, weil Ihr SOS-Dienst die Straffälligkeit herabsct-en hilft."
„Sind wir auch", gab der Chef vergnügt lächelnd zurück. „Wir stehen mit der Polizei auf denkbar bestem Fuße — gar nicht zu reden von den Autofahrern, die geradezu begeistert vom SOS-Dienst sind! Trotzdem kann es natürlich vorkommen, daß mich wir ungewolli mit der Polizei in Konflikt kommen. Kürzlich ist z. B. einer meiner Helfer beinahe unter dem dringenden Verdacht der Beihilfe zum Einbrucki verhaftet worden."
„Wie war denn das möglich?"
„Sehr einfach", erläuterte de: Chef, „der Mann war besonders pflichtgetreu, und als er sah, daß sein .Kunde' keine Schlüssel bei sich hatte, entdeckte er ein offenes Fenster im ersten Stock, in dem nach seiner Angab der .Kunde' wohnte. Er schleppte eine Feuerleiter ans dem Hof herbei und brachte den Angesäuselten schließlich glücklich auf diesem Wege in das be- treffende Zimmer, lieber eine Stunde patte er dazu gebraucht. In Wirklichkeit wohnte der .Kunde' eine Treppe höher und war erst vor wenigen Stunden eingezogen. Als ihn daher am nächsten Morgen die Büroreinmachefrau im Sessel des verkehrten Zimmers schnarchen hörte, schlug sie sofort Lärm und holte einen Schutzmann. Na, eine halbe Stunde später war der Fall ja geklärt — aber in diese Lage kann man kommen.. wenn man SOS- Chausseur ist---"
Die Versuchung.
Skizze von Frank F. Braun.
„Es ist keiner ganz gerade gewachsen", sagte Konsul Brodersen, „und das Leben kennt Versuchungen mancherlei Art. Wenn wir älter werden und gefestigt sind von Erfahrungen mehr als von guten Lehren, wundern wir uns in einer stillen Stunde der Erinnerung, daß einer von uns das damals gewesen sein soll, wir selbst womöglich es fertig gebracht haben sollen, dies oder jenes zu tun.
Ich habe einmal ganz klein angefangen — so klein, daß ich nur einen über den andern Tag richtig zu Mittag essen konnte. 18 Jahre war ich alt. Das soll keine Entschuldigung fein — es soll nur erklären.
Meine Lehrstelle befand sich in einem unserer besuchtesten Kurorte. Einmal, an einem Vormittag, war ich von meinem Meister zur Bank geschickt worden, eine bestimmte Summe auf unser Konto einzuzahlen. Ich erledigte das." Der Konsul lächelte seine Zuhörer an. „O — Sie dachten, die Versuchung sei an mich herangetreten, mit dem Betrag durchzubrennen? Nein, so einfach wurde es mir nicht gemacht. Die Schlinge war besser gelegt.
Als ich am Schalter meine Empfangsbescheinigung erhalten hatte, verließ eine Engländerin oder Amerikanerin den Raum. Sie griff lässig ihre Handtasche auf, übersah, daß das Schloß aufgesprungen, und übersah auch, daß ein ansehnliches Päckchen Banknoten ihrer Tasche entfallen war. Die Scheine lagen neben mir auf dem Tisch. Neben meiner Aktenmappe, in die ich gerade die Bankquittung legen wollte!
Die Schalterbeamten harten zu tun. Sie achteten nicht auf mich. Mein Herz tat ein paar raschere Schläge — plötzlich wurde mir heiß. Der Gedanke war da: Hier liegt viel Geld; die Frau vermißt es noch nicht; nachher wird sie nicht wissen, wo sie es verloren hat. Nimm es! Sie ist reich. Sie wird es als einen ärgerlichen Zwischenfall verschmerzen.
Ich sah mich um. Bis auf einen einzigen Mann war ich allein im Schalterraum. Der Mann schien auf etwas zu
Zum Zubrläum der Deutschen Lufthansa.
Vom 6. Januar ab wird von der Reichspost diese hübsche Sonderbriefmarke der Deutschen Lufthansa, die in diesem Jahr auf ein zehnjähriges Bestehen zurückblicken kann, in beschränkter ^ahl herausgegeben. Der Münchener Maler Karl Diebitsch hat den Entwurf der Jubiläumsmarke geschaffen. (Scherl Bilderdienst — M.)
warten. Er saß an der Wand in einem Sessel; bis jetzt hatte er den Kopf gesenkt. In diesem Augenblick hob er das Gesicht und sah mich an. Nie werde ich diesen Blick vergessen. Das Blut schoß mir zu Kopf. Eine heiße Scham überlief mich. Ich packte das Geld, als sei es glühend, und reichte es dem nächsten Schalterbeamten hinein: Die Dame eben hat es liegen lassen!
Dann lief ich mit einem scheuen Seitenblick auf den stummen Warner hinaus."
Der Konsul machte eine Atempause. Er bemerkte die ein wenig enttäuschten Mienen seiner Zuhörer.
„Die Geschichte geht weiter", fuhr er fort. ,Zch war auf dem Punkt, den Vorfall zu vergessen —, da begegnete mir eines Mittags auf dem Markt der Mann. Ich erkannte ihn sofort, hatte ihn aber zu spät, zu überraschend bemerkt, als daß ich in eine Nebenstraße hätte ausweichen können. Er sah mich an. Ich errötete, ärgerte mich und tat das am wenigsten Angebrachte in meiner Verlegenheit: Ich grüßte ihn tief.
Der Mann dankte nicht, er sah mich an, und ich bemerkte deutlich den Zug der Verachtung um seine Lippen. Also wußte er genau, wie es damals in der Bank um mich gestanden hatte; er sah einen verhinderten Dieb in mir, einen Menschen, der einen lohnenden Fund zu unterschlagen imstande ist.
Ich schämte mich. Ein paar Nächte lag ich schlaflos. Dann kam eine Art Trotz in mir auf. Ich wollte dem Fremden und aller Welt zeigen, daß ich ein anständiger Kerl war. Ich baute mir den Trost zurecht, daß wir für unsere Gedanken nichts können. Erst die Tat ist schuld.
Wie ein Besessener begann ich zu arbeiten, zu lernen. Und ich hatte Erfolg. Glück kam dazu. Ich erreichte mein Ziel."
Der Konsul zündete sich seine ausgebrannte Zigarre noch einmal an. „Denken Sic sich meine Erschütterung", schloß er, „als ich geraume Zeit später erfuhr, daß der Mann von der Bank — mein Warner, um dessen Achtung ich gekämpft hatte — niemals in der Lage gewesen war, mich zu sehen. Es handelte sich um einen erblindeten Menschen, der aus der Bank seine Pension in Empfang genommen hatte."
Ein hübsches Geschenk für jeden Sammler sind die Wohlfahrtsbriefmarken mit den Trachten deutscher Volksstämme.
URHEBER-RECHTSSCHUTZ DURCH VERLAG OSKAR MEISTER, WERDAU
30)
(Nachdruck verboten.)
„Melden Sie mich bitte dem Herrn, der die Untersuchung in der Mordsache des angeschuldigten Fräuleins Daniela von Berkow führt."
Der Beamte blickte ein Weilchen zu Boden. Er hatte den Herrn Untersuchungsrichter jetzt auf keinen Fall stören sollen. Aber der Herr trat so bestimmt auf. Man konnte ihn doch nicht abweisen und in einer Sache, wie diejenige des Fräulein von Berkow, mutzte schließlich jeder gehört werden, der irgendwelche Angaben machen sonnte.
„Bitte, hier meine Karte."
Hastig entnahm Kellberg seiner Brieftasche eine Visitenkarte und schrieb auf die Rückseite:
"bittet um freundlichen Empfang. Hat etwas sehr Wichtiges in der Sache von Berkow auszusagen."
„So, bitte."
Da wagte sich der Beamte ins Zimmer seines Vorgesetzten. Und gleich darauf wurde auch schon die Tür geöffnet.
„Der Herr Untersuchungsrichter läßt bitten," meldete der Beamte.
Kellberg trat über die Schwelle, sah sich einem schlanken Herrn mit goldener Brille gegenüber. Neben ihm stand noch ein anderer Herr mit buschigen, weißen Augenbrauen und weißem Kopf- und Barthaar.
„Bitte, Herr Baron, wollen Sie Platz nehmen," lud der Untersuchungsrichter ein.
Axel von Kellberg dankte und erzählte dann ohne Umschweife alles was er wußte. Blieb in allem bei der genauen Wahrheit, ohne des Freundes kleines Geheimnis preiszugeben.
„Ich schließe nun," beendete er seinen Bericht, „daß der rothaarige Mann ans der hiesigen Stadt war und mich auch von hier aus kennt, obgleich ich wenig Verkehr gehabt habe. Den Ring liefere ich also pflichtgemäß yrermlt ab. Ich habe dreitausend Mark dafür bezahlt, wer ist die Quittung. Der Juwelier, den ich seit langem kenne, ist durchaus ehrlich und vergeht beinahe vor Angst, daß sein Geschäftsruf unter der dunklen Sache leiden könnte. Wenn man also ein bißchen Rücksicht nehmen möchte. — Das märe alles, was ich zu sagen batre."
Die Herren standen aus, traten auf Baron Kellberg zu und schüttelten ihm die Hand.
„Wir danken Ihnen vielmals, Herr Baron!" sagte der Untersuchungsrichter. „Sie haben der Behörde einen unschätzbaren Dienst geleistet. Und — vermutlich dem armen Fräulein von Berkow auch. Leider ist Frau von Berkow infolge der Aufregung an einem Herzschlag verschieden." Kellberg zuckte zusammen.
Die feine, mütterliche stille Frau tot, die er so hoch verehrt hatte? Mein Gott, was doch vierundzwanzig Stunden alles zerstören konnten!
Wenn man jetzt wenigstens so schnell als möglich den Mörder fände, damit Daniela wieder frei wäre!
In seine trüben Gedanken hinein klang die Stimme des Untersuchungsrichters:
„Herr Baron, dieser rothaarige Bucklige beschäftigt uns schon seit langem. Der Bank hier wurden seit Monaten Gelder entwendet. Der Direktor hatte ursprünglich seinen Kassierer im Verdacht. Der ist lange Zeit auf Schritt und Tritt beobachtet worden, aber seine einfache, bescheidene Lebensweise ließ keinerlei Schlüsse zu. Und auch seine Frau und seine zwei Söhne sind bescheidene, ehrenhafte Menschen. Man hat nie herausgebracht, wer der Täter sein könnte. Vor Wochen nun erhielten wir von einem Kollegen, der die deutschen Rennplätze beobachtet, die Nachricht, daß ein kleiner dicker Herr, rothaarig, der linke Fuß etwas lahmend, die rechte Schulter ausgewachsen, auf verschiedenen Rennplätzen sehr hoch wette, stets anwesend sei und dann regelmäßig eine Fahrkarte nach Br . . . verlange.
Dieser Mann ist der Mörder! Das steht setzt so gut wie fest. Und wenn der Ning durch seine Hände ging, dann hat er ganz absichtlich den Verdacht auf Daniela von Berkow gelenkt, weil er die junge Dame mit seinem krankhaften Haß verfolgte."
„So hätte er den Mord--ich meine, dann wäre Fräulein von Berkow doch indirekt der Anlaß zu dem Mord?"
„Nein! Der Mann brauchte Geld. Er hat sich dieses Geld geholt wie immer. Allerdings konnte auch Fräulein von Berkow sein Opfer werden, denn er ist längere Zeit mit ihr allein in den Bankräumen gewesen, was sie nicht ahnen konnte. AIs sie gegangen war, machte der alte Portier seinen Kontrollgang und überraschte den Dieb. Und da geschah es! Der Mörder durchsuchte dann das Schreibfach Fräulein von Berkows. Nahm den Ring an sich, brach das eine Brillantenauge der Schlange aus und legte es in den Tresor. So hatte es den Anschein, als habe Fräulein von Berkow im Tresor gewühlt und dabei das Schlangenauge verloren. Ich war längst auf dieser Fährte, denn ich weiß, weshalb der Mörder Fräulein Daniela von Berkow gehaßt hat. Was Sie heute aussagten, Herr Baron, war nun das letzte Glied, um einen Verbrecher zu überführen. Dis
Aufklärung über den Ring ist wichtig genug, um Fräu- lein von Berkow von dem Verdacht der Mittäterschaft zu befreien."
Der alte Herr mit den buschigen, weißen Augenbrauen drückte Kellberg sehr herzlich die Hand. Und da wußte Axel, wie sehr sich dieser Mann selber darüber freute, daß Daniela doch unschuldig war.
„Wir müssen Sie bitten, Herr Baron, vorläufig strengstes Stillschweigen zu bewahren"
„Mein Wort! Ich nehme an, daß es Ihnen unangenehm wäre, wenn ich den Wunsch ausspräche, Fräulein von Berkow in ihrer Zelle aufsuchen zu dürfen?"
„Offengestanden, ja! Es wäre immerhin möglich, daß sie schon morgen frei wird. Wir hoffen, den Mörder noch heute abend festuehmen zu können."
Baron Kellberg teilte ihnen mit, daß er im Hotel zum „Goldenen Stern" Wohnung nehmen werde. Da sein Freund zur Zeit verreist sei, wolle er die Gastfreundschaft in der Hofer-Villa nicht ein zweites Mal in Anspruch nehmen.
Er fragte noch, ob es auch besser sei, bei Dr. Primer und seiner Gattin oder der Schwester Danielas, Aline, keinen Besuch zu machen. Die Herren meinten aber, der Besuch könne ruhig stattfinden. Man habe ja sein Wort, über alles unbedingt zu schweigen.
Da verabschiedete sich Kellberg von den Herren und ging. Im „Goldenen Stern" bekam er zwei sehr gute Zimmer angewiesen. Er machte sich frisch und begab sich dann nach dem Efeuhause.
Aline von Berkow war ganz allein. Mit verweintem Gesicht empfing sie ihn. Aber er merkte es ihr doch an, daß sie sich über seinen Besuch freute.
„Ich bin gekommen, um Ihnen zu sagen, daß ich ein treuer Freund Ihrer Fainilie sein will. Es hat nichts damit zu tun, daß sich Ihr Fräulein Schwester ablehnend gegen mich verhielt. Es war sogar sehr gut so. Und nun will ich Sie versichern, wie aufrichtig ich die teure Tote verehrt habe und wie sehr ich ihr plötzliches Hinscheiden bedaure. Trösten Sie sich in Gedanken an Ihre große Mutterliebe. Auch Ihnen wird die Sonne wieder scheinen, wenn die völlige Unschuld Fräulein Danielas sich herausgestellt hat."
„Ja, meine Schwester ist unschuldig! Ein Dämon hetzt sie! Und ich habe ja auch einen Verdacht, aber man darf nichts behaupten, wenn man nichts beweisen kann."
„Hatte denn Ihr Fräulein Schwester einen Feind, auädiaes Fräulein?"
«Fortsetzung folgt.)
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