Papa Tommes und Ria Riti.
Eine Artistengeschichte von Walter Siemes.
Mu der ihm seit Monaten eigenen, nahezu ängstlichen Spannung durchblickte er, ehe er noch Hut und Mantel abgelegt hatte, stehend die emgelaufenen Postsachen, und der Ausdruck von Kummer und Mißmut in seinem Gesicht vertiefte sich. Als er sich zur Garderobe umwenden wollte, sah er den von Emmi, der Sekretärin, hingelegten Zettel: „Ria Riti im Londoner Hof anrufen."
Die Nachricht, er habe das große Los gewonnen, hatte seine Verwandlung nicht vollkommener machen können. Die Fairen im Gesicht machten einem fast feierlichen Frohsinn Platz, die großen blauen Augen bekamen ein jungenhaftes Leuchten, seinen Hut wirbelte er aus vier Meter Entfernung an den Kleiderhaken. Klatsch, da hing er.
Es fiel ihm schwer sich zu beruhigen, trällernd und pfeifend tänzelte er ein paarmal im Zimmer aus und ab, öffnete dann, immer noch im Mantel, eine Lade des Schreibtisches und holte ein kleines Mäppchen hervor...
Manches hatte Papa Tommes, der Varieteagent, Mittler zwischen Künstlern und Bühnen, schon durchgemacht in seinem Leben, das jetzt sich den fünfzig näherte, vieles an Not und Leid, vieles auch an Freude und stolzer Genugtuung, wenn er Wankenden halte helfen oder gar einem jungen Menschen den Weg hatte ebnen können zu Ruhm und Anerkennung. Vieles war in ihm, das er nie vergaß und das dennoch verdunkelt blieb vom Schatten der Erinnerung und stets wachen Gedanken an die kleine Ria
Da hielt er nun wieder ihr erstes Bild in den leise zitternden Händen: Nia in Leipzig als schelmische Puppenfee, in einem federleicht duftigen Kleidchen, in den großen dunklen Augen noch das Staunen des Kindes. Wenige Monate vorher erst war vom Kindhaften nichts zu gewahren gewesen, als Pava Tommes sie in der Tanzgruppe eines Hamburger Tingeltangels gesehen, sie herausgefischt und in eine harte Schule gegeben hatte. Und in Leipzig war, vor den Augen des begeisterten Tommes, ihrem ersten Auftreten der entscheidende Erfolg beschieden gewesen die Ebnung ihres großen Weges.
Mit träumerischem, seligem Lächeln nahm er Karte um Karte aus dem kleinen Mäppchen: Karten aus Berlin, Dresden Frankfurt, Düsseldorf, aus Amsterdam, aus Brüssel und aus Paris, und auf der Rückseite einer jeden war in steilen, zierlichen Buchstaben zu lesen: Dem Papa Tommes herzliche Grüße von seiner dankbaren Ria.
Ja, sie war dankbar gewesen, die Kleine, und nie hatte sie es^ versäumt, bei ihrem Betreuer auf einen Sprung hereinzu- wirbeln, wenn der Weg sie in die Nähe geführt hatte. Nun aber war er )eit langem ohne Nachricht gewesen, und nur daß sie in Frankreich ga,tiere, hatte er von Kollegen gehört. „Es gibt doch keine Dankbarkeit in der Welt", meinte er da manchmal, und als lewe leine Seele unter der bösen Unvollkommenheit des Menschengeschlechts, zogen Gram und Bitternis bei ihm ein
Aber nun war sie da, die kleine Ria! Was saß er noch und äderte. Nach Hause, sich umziehen, ein Lied gepfiffen, einen Blumenstrauß her und hin zu ihr! Den Hut schief auf dem . "^ltf in den Kampf, Torero!" auf den gespitzten Lippen, scgob er babon, und Emmi schüttelte mit nachsichtigem Lächeln den blondumwallten Bubikopf hinter ihm her.
Als er auf dem Wege von der Wohnung ins Hotel noch etnmal am Büro ausstieg, um einige Anweisungen zu geben, empfing ihn schon die Sekretärin: „Frau Ria hat noch einmal angerufen, Sie möchten sich beeilen, ihr Mann müsse am Abend wieder in Parrs sein, und um Mittag ginge der Zug!" m Da welkte fahle Blässe jäh das Gesicht des asten Tommes. Beide Hande ausgestützt auf den Schreibtisch, ließ er sich noch einmal wiederholen, was angerufen worden war, ehe er mit müder Gebärde abwinkte: „Ist gut. Sie können gehen."
„ Als sei er plötzlich erschöpft, so ließ er sich schwer in den Kessel fallen und saß dann lange, das Gesicht in den Händen vergraben, die Augen ins Ungefähre gerichtet, mit gramvollen und zwiespältigen Gedanken. War denn nicht alles in Ordnung: daß nun, da der große Rausch zu verwehen begann, da die Tage der Besinnung häufiger wurden, da aus der Knospe die Blüte geworden, einer kam und sie wegnahm? Es ist gut so, alter Lammes, es ist gut. Vielleicht, daß sein Kopf schon einzusehen
begann, was das irrende, dumme, kindliche, alte Herz noch mcyt wahrhaben wollte, jenes Herz, über das der Verstand die Kontrolle verloren hatte.
„Rufen Sie", rief er ins Nebenzimmer, „in einer Viertelstunde den Londoner Hof an und sagen Sie, daß ich habe verreisen müssen!"
Nun nicht mehr lächelnd, sondern mitleidsvolles Staunen im Gesicht, blickte Emmi hinter dem Davontappenden her und sah ihn müde in den wartenden Wagen steigen.
Der Sternhimmel im Januar.
Beobachtungszeil bei Monatsbeginn etwa 22 Uhr.
Norden: Der Große Wagen zeigt mit der Deichsel nach unten, links von ihm der Polarstern im Kleinen Bären. In der Milchstraße die Kassiopeia. Am Horizont der Schwan und rechts davon die hellsten Sterne des Drachen.
O st e n : Großer Löwe mit dem hellen Regulus. Im Ostsüdosten die Wasserschlange, über ihrem Kopf der schwachleuchtende Krebs.
Süden: Im Meridian, links und rechts davon, sind die schönsten Wintersternbilder versammelt: Hoch am Himmel Fuhrmann mit Kapella, darunter links und rechts, am Rande der Milchstraße, Zwillinge mit Kastor und Pollux und der Stier mit Aldebaran. Im Meridian, südlich der Milchstraße, Orion mit Beteigeuze (oben) und Rigel (rechts unten). Beteigeuze bildet mit den hellen Fixsternen Sirius (links unterhalb vom Orion) und Prokvon (unter den Zwillingen) die Spitzen eines gleichseitigen Sterndreiecks.
Westen: Nordwestlich vom Fuhrmann Perseus, nach Westen hin Andromeda und Pegasus. Etwa im Südwesten der langgestreckte Walfisch.
Planeten: Merkur taucht am 7. in der Abenddämmerung auf, am 21. kann man ihn 25 Minuten sehen, Ende Januar wird er unsichtbar. V e n u s geht bei Mo- natsbegin» um 4.35 llhr- aus, am Ende Januar erst 5.40 Uhr. Man sieht sie bis zum Verschwinden in der Morgendämmerung. M a r s , im Steinbock laufend, ist am südwestlichen Abendhimmel sichtbar, anfangs etwas über 2 Stunden, zum Schluß noch 50 Minuten. Jupiter glängt am Morgenhimmel bis zum Verschwinden in der Morgendämmerung. Anfangs geht er um 6, am Ende des Monats schon um 4.35 Uhr auf. Er steht im Bilde des Schlangenträgers. Saturn, im Wassermann, sann am südwestlichen Abendhimmel beobachtet werden. Anfang Januar geht er um 21. schließlich um 19.20 Uhr unter.
U'ionb : Am 1. und 31. Erstes Viertel, am 8. Voll- und von 17 30 bis 20.51 Uhr totale Mondfinster- nls, am 16. Letztes Viertel, am 24. Neumond.
Sonne: Tritt am 21. in das Zeichen des Wassermanns oder durchläuft den 300. Grad ihrer scheinbaren An ganae für dre Berliner Gegend im Januar Untergänge in der Zeit von etwa ib ms 16 48 Uhr. Der Horizontabstand der Sonne ocr= großen uch gut Mittagszeit um rund 11 Sonnen breiten.
Bären greifen einen Kraftwagen an.
Mit einem blauen Auge kamen kürzlich noch die Insassen eines Kraftwagens davon, der die Straße von Bedikessir nach Brgha in Anatolien entlangfuhr. Die schöne Landschaft hatte dazu verleitet, nur ein langsames Tempo einzuschlagen, und man fuhr gemächlich dahin, als die Reisegesellschaft plötzlich in unerwarteter Weise aus ihrer Ruhe aufgeschreckt wurde. Ein Rudel von zehn Bären hatte sich der Straße genähert und schickte sich an, den Kraftwagen anzufallen. Dessen Fahrer war begreiflicherweise zunächst erschreckt von dem Anblick der großen Raubtiere und hätte um ein Haar seinen Wagen in einen tiefen Graben gesteuert. Er riß sich jedoch noch im letzten Augenblick zusammen, gab Vollgas und raste davon. Dabei wurden drei der Bären von dem Wagen gefaßt und mitaeriffen, zwei von ihnen gerieten unter die Räder und wurden schwer verletz:. Aus die übrigen Angreifer machte das Schicksal ihrer Artgenossen einen solchen Eindruck, daß sie schleunigst die Flucht ergriffen, so daß die Insassen des Kraftwagens unversehrt ihre Fabri fortsctzen konnten.
Was bringt der Rundfunk?
Frankfurt: Samstag, 4. Januar
6.00: Choral, Morgenspruch, Gymnastik. 6.30: Breslau: Fröhlich klingt's zur Morgenstunde. - In der Pause 7.00: Nachr 8.00: Zeit, Wasserstand, Wetter- und Schneebericht. 8.15: Stuttgart: Gymnastik. 8.45: BDM.-Svort. 9.00: Sendepause 9.45: Nur Kassel. Musik am Morgen. 10.30: Nur Frankfurt: Nachr 10.45: Sendepause. 11.30: Meldungen. 11.45: Sozialdienst
12.00: Stuttgart: Buntes Wochenende. — Dazw.: 13.00: Zeit, Nachr., Schneebericht 14.00: Zeit, Nachr., Wetter. 14.10: Vom Deutschlandsender: Allerlei zwischen Zwei und Drei 15.00: Wirtschaftsbericht. 15.15: HJ.-Funk; Zeitgenossen, die uns Spaß machen.
16.00: Köln: Der frohe Samstagnachmittag. 18.00: Marti Malterer von Friburg mit seinem krusen Bart. 18.20; Breslau: Winterhilfswerk 1935-36. Herstellung der Fri- dericus-Plakette in der ältesten preußischen Kunstgießerei. 18.30: Das Mikrophon unterwegs. 18.40:. Wochenschau. 18.55: Meldungen.
19.00: Worms: Unterhaltungskonzert. 19.55: Ruf der Jugend. 20.00: Zeit, Nachrichten. 20.10: Wiesbaden: Zwei bunte Stunden. 22.00: Zeit, Nachrichten. 22.15: Wetter, Nachrichten, Sport, Schneebericht. 22.30: Leipzig: Und morgen ist Sonntag! Ein frohes Wochenende. 24.00: Stuttgart: Es spielt die Kapelle Willi Wende.
DeutschlansscnSer: Sonnabend, 4. Januar
6.00: Guten Morgen, lieber Hörer! Glockenspiel, Tagesspruch, Choral, Wetter 6.10: Berlin: Gymnastik. 6.30: Fröhliche Morgenmusik. Dazw. 7.00; Nachr. 8.30: Sendepause 9.00: Sperrzeit. 9.40: Kleine Turnstunde s. d. Hausfrau 10.00: Sendepause. 10.45: Fröhl. Kindergarten 11 15: Seewetterbericht. 11.30: Neue Wege d. Lichttechnik 11.40: Der Bauer spricht. — Der Bauer hört. Anschl.: Wetter.
12.00: Saarbrücken: Musik zum Mittag. Dazw. 12.55: Zeit- Leichen 13.00: Glückwünsche. 13.45: Nachr 14.00: Allerlei von zwei bis drei. 15.00: Wetter, Börse. Programm- tz inw eise 15.15: Allerlei Spiele für Kinder. 15.30: H. Ruban: Wirtschaftswochenschau 15.45: Von deutscher Arbeit
16.00: Köln: Der frohe Samstagnachmittag. 18.00: Volkstänze — Volkslieder. 18.40: Svortwochenschau. Was war - was wird?
19.00: Frankfurt: Unterhaltungskonzert. 19.45: Was sagt Ihr dazu? Gespräche aus unserer Zeit. 20.00: Kernspruch: anschl.: Wetter u. Kurznachrichten. 20.10: Wir bitten zum Tanz! 22 00: Wetter, Nachr.. Sport Anschl.: Deutsch- landech.o 22.30: Lieder für Baß. 22.45: Seewetterbericht. 23.00: Robert Gaden spielt zum Tanz!
URHEBER-RECHTSSCHUTZ DURCH VERLAG OSKAR MEI STER, WERDAU
29) (Nachdruck verboten.)
Er nahm eine Droschke uni) fuhr zum Geschäft des Juweliers. Traf den Mann in einer fürchterlichen Aufregung. Halb weinend versicherte er ihm, wie unschuldig er an dieser ganzen entsetzlichen Sache sei. Und er beruhigte sich erst, als Kellberg freundlich sagte:
„Ich kenne Sie doch schon seit langem/ Herr Hansen. Und überhaupt Ihr guter Name! Was soll Ihnen denn passieren? Sie finb eben einem ganz raffinierten Verbrecher auf den Leim gegangen, denn die Ausweise, die der Mann Ihnen vorgelegt hat, waren natürlich gefälscht."
„Selbstverständlich wird alles gefälscht gewesen sein! Bedenken Sie doch nur die Scherereien, die ich nun habe."
„Ja, damit müssen Sie schließlich immer mal rechnen. Ich bin auch mitten aus meiner Arbeit herausgerissen worden. Das läßt sich nicht ändern. Man muß dieser jungen Dame unbedingt helfen. Die ist bestimmt unschuldig. Gut, daß ich der Käufer des Ringes bin. So werden unnötige Weiterungen vermieden. Also, lieber Herr Hansen: Wie sah der Mann nun aus, der Ihnen den Ning verkaufte?"
„Es war ein kleiner, ein bißchen untersetzter Herr mit roten Haaren,' der linke Fuß lahmte und die rechte Schulter war ein bißchen ausgewachsen."
Der Baron stand in wortloser Verblüffung.
Der Rothaarige!
Der ihm unangenehm aufgefallen war, als er zu dem Juwelier ging.
Dieser Mann hatte ihn erschrocken angesehen, kein Zweifel, er war sogar zusammengezuckt. Also kannte der Mann ihn. Woher? Von Br. her wohl. Der Mann wußte vermutlich, daß er sich dort längere Zeit in der Villa Hofer aufgehalten hatte.
Der Rothaarige war der Mörder!
Stand zumindestens im engsten Zusammenhang mit der ganzen Sache!
Diese Entdeckung war wertvoll!
.„Ich reise noch heute nach Vr. Sie brauchen also nichts zu unternehmen. Ich kläre die Sache soweit auf, daß Sie mir, als ich den Ring kaufen wollte, sofort sagten^, von wem Sie den Ring. erstanden haben. Ferner.
oay taj heute hier war und Sie über alles orientiert sind. Also, Gott befohlen, Herr Hansen. Und wir wollen hoffen, daß dem wahren Schuldigen recht bald sein Schicksal ereilt!"
Mit einem festen Händedruck schied Axel von Kellberg
Der Juwelier war sichtlich erleichtert, daß er nun nicht als Hehler in Frage kommen würde. Er hatte immer auf den guten Ruf seines Geschäfts gehalten. Als er heute früh von der Mordgeschichte erfahren, war es ihm heiß und kalt über den Körper gelaufen. Nun war ja soweit alles in Ordnuna. daß Baron Kellberg die Sache in die Hand nehmen würde. Aber eine schreckliche Geschichte blieb es natürlich auf alle Fälle.
Seufzend ging der Juwelier in sein kleines Büro zurück.
Kellberg aber ließ sich zu der Villa Hofer fahren. Gerd würde er nicht mehr antreffen, denn der hatte ja nach der Schweiz reisen wollen. Aber vielleicht konnte er wenigstens seine Adresse erfahren.
Gerd Hofer mußte sofort zurückkommem Er mußte doch dem Mädchen, das er liebte, beistehen. Und wenn man ihn möglicherweise gleichfalls verdächtigte, dann war es auch besser, er stellte sich von selber.
Kellberg ließ sich bei dem alten Herrn Hofer melden. Der war sehr erfreut über den Besuch und empfing ihn sofort.
„Herr Hofer, ich muß unbedingt Gerds Adresse haben," sagte Axel nach der Begrüßung.
„Leider weiß ich diese noch nicht. Mein Sohn ist in einer schweren seelischen Erschütterung abgereist. Er sagte mir, daß er große Fußtouren im Engadin unternehmen wolle. Aber erst fahre er wahrscheinlich nach Genf oder Lausanne. Wir haben dort Geschäftsfreunde."
„Gerd wird schreiben?" fragte Axel gedankenlos, nur um etwas zu sagen.
Eifrig nickte der alte Herr.
„Ja, mein Sohn wird mir bestimmt schreiben. Vorläufig will er wahrscheinlich ungestört sein. Aber, sobald ich seine Adresse habe, erfahren Sie diese sofort."
„Vielen Dank, Herr Hofer. Und bitte, grüßen Sie Gerd und teilen Sie ihm mit, daß ich mich verlobt habe."
,,DaS wird ihn sicherlich sehr freuen! Und ich freue Mich ebenfalls. Sehr freue ich mich! Da besuchen Sie uns wohl auch einmal mit Ihrer jungen Frau Gemahlin?"
„Danke sehr, Herr Hofer, Sie sind sehr liebenswürdig. Vorläufig werde ich noch etwas warten mit meiner Heirat."
„Ich hatte von ganzem Herzen gewünscht, daß mein Sohn--aber nun wird er wohl ganz davon abae- kommen sein. Gerd stellt zu hohe Forderungen, Hat sich
geradezu unirdische Ideale von einer Ehe gemacht uno darf sich nun nicht wundern, wenn er enttäuscht wird. Es bleibt eben doch alles Menschliche unvollkommen." Kellberg dachte, daß der Vater Gerd Hofers sehr klug sei. Aber er wußte nicht, wie weit Gerd seinen Vater in die Geschehnisse der letzten Zeit eingeweiht haben mochte. Und darum war jedes Wort sorgsam abzuwägen.
Ein Weilchen saßen die beiden noch plaudernd beisammen, dann sagte der alte Herr:
„Dürfen wir Sie zum Mittagessen dabehalten, lieber Kellberg?"
„Vielen Dank! Leider geht es nicht. In einer Stunde muß ich schon weiterreisen. Ich werde wohl auch die Damen gar nicht erst begrüßen rönnen?"
„Das trifft sich schlecht. Annemarie hatte etwas Wichtiges auf dem Sportplatz vor und meine Schwägerin ist zu ihrem Friseur gefahren. Die Damen werden es natürlich außerordentlich bedauern, daß sich das so unglücklich geschickt hat. Denn die haben Sie sehr ins Herz geschlossen," fügte er naiv hinzu.
„Es tut mir auch riesig leid, die Damen nicht begrüßen zu können. Darf ich bitten, mich den Damen zu empfehlen?"
„Gewiß. sehr gern werde ich das ausrichten. Wann kommen Sie denn wieder nach Hannover, lieber Baron?"
„Das hängt vom Erfolg meiner Reise ab."
„So, so! Na, jedenfalls werden wir uns immer sehr freuen, Sie hier bei uns begrüßen zu können."
„Dann darf ich mich jetzt verabschieden."
„Auf baldiges Wiedersehen, lieber Baron!"
„Auf Wiedersehen, Herr Hofer!"
Und daun schritt Kellberg schnell wieder den Gartenweg hinunter, wo seine Kraftdroschke noch wartete.
Er fuhr zum Bahnhof. Nachdem er den Chauffeur entlohnt, blieb Axel von Kellberg dann noch ein Weil- cben auf dem Platz sieben und lab den Sonnen fr hinein zu, die lustig auf den Fliesen tanzten und nach denen ein kleiner blondlockiger Knirps sehnsüchtig haschte, bis er von einem hageren, ältlichen Kinderfräulein energisch weitergezogen wurde.
Ganz in Gedanken verloren schritt Baron Kellberg in die Bahnhofshalle hinein.
»Fortsetzung folgt.)
Langenscheidt’s English Monthly Magazine. Unter diesem Titel gibt der bekannte Sprachenverlag Langenscheidt (Berlin-Schöneberg) eine neuartige, überaus interessante und reich bebilderte Monatsschrift zur Pflege und zur Förderung englischer Sprachkenntnisse heraus. Das Unterhaltende tritt bei dieser Zeitschrift in den Vordergrund,' das Lehrhafte wird nicht vernachlässigt. Jedes Hest 50 Pf., vierteljährlich 1,35 RM. Zu beziehen durch den Buch- und Zeitschriftenhandel und durch die Post.