Lindberghs Flucht vor den Menschen.
Der amerikanische Fliegerheld in England. Sein Wunsch: Ruhe in völliger Zurückgezogenheit.
Lindbergh ist vor den Kindesentführern aus der Heimat geflohen. Lindbergh ist auf dem Wege nach England. Wo wird Lindbergh sich künftig aufhalten? So rauschte es in den letzten Tagen durch den amerikanischen und englischen Blätterwald. Jetzt ist der amerikanische Fliegerheld mit seiner Frau und seinem dreijährigen Söhnchen in Liverpool an Land gegangen und nahm dort in einem Hotel vorerst einmal Wohnung. Es heißt, daß Lindbergh von den Einwanderungsbehörden zunächst Auf- cnthaltsbewillignng für ein halbes Jahr bekommen hat.
Durch seinen Londoner Bankvertreter hat Lindbergh der Presse und der Bevölkerung seinen Dank für die freundschaftliche Begrüßung und für die Achtung, die man seinem W u n s ch nach v ö l l i g e r Z ii r ü cf gezoge n- heit entgegengebracht habe, ausgesprochen. Gleichzeitig zerstreut Lindberghs Vertreter die Gerüchte über angebliche Geschäfte in Verbindung mit dem geplanten Trans- o^eanflugverkehr. Der englische Rundfunk Hai wiederholt de Bevölkerung ersucht, jede Belästigung der Familie Lindbergh zu vermeiden und ihr die Ruhe privater Bürger zu gewähren, die ihr in Amerika versagt geblieben sei. Auch die englische Presse beschäftigt sich jetzt nicht mehr mit Lindbergh, da sich herausgestellt haben soll, daß die Reise Lindberghs tatsächlich erfolgt ist, um den Verbrechern, die sein zweites Söhnchen zu entführen drohten, zu entgehen.
Wkagos „danditenkönig" verhaftet.
Das Haupt von 100 Banditen. — Tas Schicksal seiner fünf Brüder.
Der CHikagoer Kriminalpolizei ist ein guter Fang gelungen. Nach über zweijähriger Suche hat sie den „B a n d i t e n k ö n i g" Tommy T u o h y festneh- men können, auf dessen Konto sensationelle Menschenentführungen, Erpressungen und Einbrüche kommen. Seine gut bewaffnete Bande wird auf über 100 Mitglieder geschätzt.
Bei etwa 30 Menschenentführungen hatte die Bande über 400 000 Dollar verdient. Bei einem einzigen Trcforcinbruch war ihnen die Summe von 105 000 Dollar in die Hände gefallen.
Halb England unter Wasser.
Die Folgen eines Dauerregens und der Schneeschmelze. — Überschwemmte Eisenbahnlinien und Zufahrtstra'gen. — Gemüseknappheit in London.
Dauerregen und Schnee schmelze haben fast halb England unter Wasier gesetzt. Weite Flächen sind überschwemmt. Dörfer sind vom Wasier eingeschlossen. Das Themsetal ist in einen meilenbreiten See verwandelt.
Der Eisenbahnverkehr ist schwer bedroht die Hauptstrecke der Westeisenbahngesellschaft wurde durck den Einsturz einer Brücke gesperrt. Der gerade fällige Schnellzug konnte noch im letzten Augenblick abgestoppt werden. In der Nähe von Birmingham ereignete sich infolge der Überflutungen ein E r d ft u r z, durch den die nach dem Norden führende Haupteifenbahnlinie gesperrt wurde.
Die Themse steigt stündlich weiter und bedroht die Londoner Bororte, wo die Keller der Häuser bereits unter Wasier stehen.
Die berühmte „Schulstadt" Eton ist völlig vom Wasser umgeben. Ein Teil der königlichen Parks von Windsor steht unter Wasser.
In London macht sich eine Knappheit an frischem Gemüse bemerkbar, da ein großer Teil der Zufuhrstraßen unpassierbar geworden ist. Die Transportlastwagen waren zum Schluß nicht mehr in der Lage, ihre Fahrt durch das „Themsemeer" fortzufetzen. Durch den Schaden, der auf den Feldern erwachsen ist, befürchtet man ein erhebliches Ansteigen der Preise für frische Lebensmittel.
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London, 3. Januar.
Die Ueberschwemmungen im Süden Englands nahmen im Laufe des Donnerstags beunruhigende Ausmaße an. Die Themse, die schon seit Tagen Hochwasser führt, steigt beständig weiter, und die Wetterberichte vom Atlantischen Ozean kündigen neue Regenfälle an. Im unteren und mittleren Themsetal stehen weite Siedlungsgebiete unter Wasser: der Verkehr wird notdürftig mit Flößen
Wenn bis zu Drei Königen kein Winter ist.
Allerlei Legenden um den Dreikönigstag — Das Ende der zwölf Rauhnächte — Ein Lostag für den Winzer.
Am Ende der heiligen „Zwölften" oder der Rauhnächte, die vom alten ins neue Jahr überleiten, steht der 6. Januar. In der Frühzeit des Christentums wurde dieser Tag als Geburtsfest des Jesuskindes gefeiert, in der griechischen Kirche als Fest der Wasserweihe zur Erinnerung an die Taufe Jesu im Jordan, in der römischen Kirche als Gedenkfest der Erscheinung Christi, wovon es den Namen Epiphania erhalten hat, und im Mittelalter bezeichnete man den 6. Januar oft als das „große Neu- jahr", an dem, wie es Hieß, die Tageslänge um einen Hahnenschritt zunimmt. Später hat die dem Evangelium Matthäi entnommene Erzählung von den Weisen aus dem Morgenlande diesem Fest einen neuen Sinn gegeben: es ist zum Missionsfest der Kirche geworden, für das die Anbetung der Heiligen Drei Könige von symbolischer Bedeutung ist. Die Namen dieser Heiligen, Kaspar, Balthasar und Melchior, werden schon im 7. Jahrhundert vom anglikanischen Geschichtsschreiber Beda erwähnt; ihre Gebeine ruhen im Kölner Dom, und die Bezeichnung „das heilige Köln" stammt aus der Zeit, in der diese Reliquien als Geschenk des Kaisers Friedrich Barbarossa von seinem Kanzler, Erzbischof Reinald von Dassel, aus Mailand nach Köln übergeführt worden sind.
Um die Gestalten der Heiligen Drei Könige rankt sich ein Kranz farbenprächtiger, volkstümlicher Legenden, und wie viele andere christliche Feste, so wurzelt auch das Brauchtum am Dreikönigstage noch im Heidentum. Man begegnet den Weisen aus dem Morgenlande schon in der Überlieferung der persischen Lichtreligion, und die Geschenke, die sie dem Christkind mitbrachten, Gold, Weihrauch und Myrrhen, sind uralte Sonnensymbole — vor allem aber ist es das altgermanische Winterfest um die Jahreswende, dessen Nachklänge in den völkischen und christlichen Bräuchen am Dreikönigstage mitschwingen. Am letzten Abend der zwölf Rauhnächte, in der Heimlichkeit
In der Bande spielten auch die fünf Brüder des Verhafteten eine führende Rolle. Sie alle hat schon das Geschick erreicht. Drei wurden bei Kämpfen zwischen verfeindeten Banditen getötet, ein vierter sitzt wegen eines Menschenraubes eine Zuchthausstrafe von 9 9 Jahren ab und wird die Freiheit nie mehr Wiedersehen und ein fünfter gilt als verschollen, ix h. er dürfte auch in der Unterwelt einen gewaltsamen Tod gefunden haben.
Lindberghs Ankunft in Liverpool.
Oberst Lindbergh geht von Bord des Schiffes, das ihn nach England brachte. Er trägt sein Söhnchen auf dem Arm. (Scherl Bilderdienst.)
und Kähnen aufrecht erhalten. Einige-. Dörfer sind von der Außenwelt a b g e s ch n i t t e n. In der Umgegend von Orford ist weit und breit nur Wasser zu sehen. Besonders schwer in Mitleidenschaft gezogen ist die Grafschaft Kent, die Obstkammer Englands, wo viele Gärten überschwemmt sind.
Erdruischkästrsphen in Ks^âeich.
Eine Folge des Dauerregens.
Infolge der andauernden Regenfälle der letzten Tage und der durch den starken Auto- und Lastkraftwagenverkehr verursachten Erschütterungen ereignete sich auf der Landstraße zwischen Versailles und Le Pecq ein Erdrutsch, wobei zwei Personen verschüttet wurden, die nur als Leichen geborgen werden konnten. Ein weiterer gewaltiger Erdrutsch ereignete sich in Südfrankreich, auf der Straße zwischen R o s a n s und E y g u i a n s in den französischen Alpen. Dort wurde die Straße auf einer Strecke von 500 Meter völlig verschüttet. Obwohl die Katastrophe in einer ziemlich öden Gegend erfolgte, sind die Schäden sehr beträchtlich. Durch die Gewalt der Erdmassen wurde eine Mühle völlig z e r st ö r t. Eine Brücke wurde von der Erdlawine verschlungen und das Bett eines Flusses um mehrere hundert Meter verschoben. Mehrere Gebirgsdörfer sind durch den Erdrutsch von der Außenwelt abgeschnitten. Die Erdmassen, die durch die unaufhörlichen Regengüsse der letzten Tage in Bewegung gesetzt worden sind, werden auf eine Million Kubikmeter geschätzt.
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des sterbenden Tageslichts, nahen sich den Menschen noch einmal die Geister der Finsternis. Als übelabwehrender Segen werden die Anfangsbuchstaben der drei Heiligen, C, B und M, mit Kreide über die Haustür gemalt, oder die Burschen verkleiden sich als Geister und suchen die Unholde durch Lärm zu vertreiben. Auch das Verbrennen der Frau Holle in Gestalt einer Strohpuppe ist ein Überbleibsel der heidnischen Sonnwendfeier. In einigen Gegenden wird der 6. Januar „Perchtag" genannt, zur Erinnerung an Perchta, die Göttin der Fruchtbarkeit; denn in dieser Nacht nahen sich den Menschen auch die guten Geister der Fruchtbarkeit, deren Anrufung in dem vegetationskultifchen Element der Volksbräuche zum Ausdruck gelangt. Man achtet darauf, daß die Knaben, die als Heilige Drei Könige oder als Sternsinger von Haus zu Haus ziehen, ihren Weg über Wiesen und Acker nehmen, um den kommenden Erntefegen zu vermehren.
Neben feiner kirchlichen Bedeutung hat der Dreikönigstag auch den Charakter eines Volksfestes angenommen, weil am 6. Januar früher der Karneval begann. In der Zeit der Rauhnächte, während der Zwölften, war es im alten Rom verboten, Erbsen und Bohnen zu essen, die als Fruchtbarkeitssymbole galten; jetzt aber wird vielerorts in Deutschland und auch in anderen Ländern am 6. Januar das Bohnenfest gefeiert, das in England am Hof der Königin Elisabeth mit großem Prunk begangen wurde. Ein großer Kuchen, in den eine Bohne eingebacken war, gelangte unter den Gästen zur Verteilung, und wer in seinem Stück die Bohne fand, galt als König des Festes. Er durfte sich eine Königin, einen Hofstaat und einen Hofnarretz wählen und mußte seines hohen Amtes mit Witz und Mugheit walten.
Wenn bis zu Drei Königen kein Winter ist, so kommt keiner, heißt es in Südwestdentschland, und in der Mark sagt man: die Heiligen Drei Könige kommen zu Wasser oder gehen zu Wasser. Denn dieser Tag steht im Rufe eines Wetterwechsels; es ist ein Lostag, und wenn der Winzer abends durch den Rauchfaug drei Sterne am Himmel erblickt, so weiß er, daß ein gutes Weinjahr be- vorstebt.
Die Ursache der Klugzeugkaiastrophe bei Alexandria.
Der Pilot hielt sich viereinhalb Stunden schwimmend über Wasser und wurde gerettet.
Der Absturz des englischen Verkehrsflugzeugs „City of Chartum", das auf dem Fluge von Kreta nach Alexandria kurz vor dem Ziel ins Meer gestürzt ist, hat in der englischen Öffentlichkeit große Beunruhigung ausgelöst. Von den zwölf Todesopfern konnten erst wenige aus dem Innern der gesunkenen Maschine geborgen werden. Der Pilot wurde lebend aus dem Wasser gefischt. Er hat sich viereinhalb Stunden schwimmend über Wasser gehalten.
Da die Ursache des Unglücks noch nicht einwandfrei festgestcllt werden konnte, ergehen sich die englischen Blätter in Rätselraten. Einige wollen wissen, daß die Benzinzufuhr plötzlich ausgesetzt habe, so daß alle drei Motoren zugleich stehengeblieben seien. Nach anderen Berichten soll der Höhenmesser nicht gearbeitet haben. Im Augenblick des Aufschlagens der Maschine auf das Wasser habe er eine Höhe von 75 Meter angegeben.
Nah und Fern.
Naubüberfall in der Silvesternacht. In der Nacht zu Neujahr drang morgens gegen 3 Uhr in das Schlafzimmer der Inhaberin der Weinstuben und Spirituosenhandlung von Fräulein Behrens in N e u b r a n d e n b u r g ein Einbrecher, der sich mit einer schwarzen Maske unkenntlich gemacht hatte, ein und zwang mit dem Revolver die Inhaberin sowie eine noch im Zimmer schlafende ältere Dame. den Kopf unter der Bettdecke zu halten. Indessen ließ sich der Dieb genau angeben, wo das Geld lag. Dann verschwand er mit einer Beute von etwa 1000 Mark.
Fuhrwerk vom D-Zug überfahren. — Schrankenwärter und Pferde tot. Am Donnerstag überfuhr vor dem Bahnhof Bismark (Provinz Sachsen) der Zug „D 83" ein Pferdefuhrwerk, das infolge Nichtschließens her Schranke vor den herankommenden Zug geriet. Der Gespannführer konnte noch rechtzeitig abspringen. Der Bahnwärter aber, der die Pferde anzuhalten versuchte, wurde mit den Tieren vom Zuge überfahren und getötet.
Fünfzehnjährige schießen ans fahrenden D-Zug. Auf den D-Zug Salzburg—Agram wurde am Neujahrstag zwischen St. Johann und Schwarzach im Lande Salz - bürg ein Schuß abgegeben. Die Kugel traf den am Fenster stehenden Koch des Speisewagens, Lukas Obbanac aus Agram. Der Schwerverletzte starb kurz nach der Einlieferung ins Kranken. 'au . J'-.arzach. Als Täter wurden zwei fünfzehnjährige Jungen festgestellt, die mit einem entwendeten Militärgewehr auf den vorüberfahrenden Zug geschossen hatten.
Kirchengewölbe während der Messe eingestürzt. In dem Orte F e l s o - Z s o l c a (Ungarn) brach während der Messe das Gewölbe der Kirche ein. Die versemmelten Gläubigen stürzten panikartig zum Ausgang. Durch herabfallende Manerteile wurden vier Personen schwer verletzt.
Der sowjctrussische Eisbrecher „Krassin" am Nordkap gestrandet. Nach einem Bericht, der dem Norwegischen Telegrammbüro aus Hammerfest (Nord-Norwegen) zuging, ist der sowjetrussische Eisbrecher „Krassin" an der norwegischen Küste bei Maasoe unweit des Nordkaps gestrandet. Der Eisbrecher hat die ihm von der Norwegischen Nettungsgesellschaft angebotene Hilfe abgelehnt.
Explosion in einem chemisch-pharmazeutischen Lager. In der Neujahrsnacht ging in Padua ein Lager von chemisch-pharmazeutischen Erzeugnissen durch Entweichen von ätherischen Stoffen aus einem Behälter in die Luft. Der Besitzer des Lagers, der in der darüberliegenden Wohnung mit mehreren Freunden Silvester feierte, eilte mit seinen Gästen an die Unglücksstelle. Beim Offnen der Tür zum Lager schlug ihm eine Stichflamme entgegen. Seine sechs Begleiter, darunter auch die Hausangestellte, erlitten schwere Gasvergiftungen. Die Hausangestellte ist später an den Folgen der Vergiftung im Krankenhaus gestorben.
Deutsche Note-Kreuz-Medaille für vier Träger der Nanga-Parbat-Expedition. Aus Darjeeling (Indien) wird berichtet: Der deutsche Vizekonsul Richter überreichte den vier indischen Trägern, die an der Nanga-Parbat-Ex- pedition im Jahre 1934 teilgenommen haben, in Anerkennung ihrer ausgezeichneten Dienste die Deutsche Rote- Kreuz-Medaille.
Lichtgruß an das Olympiajahr.
Mit einem großartigen mitternächtlichen Feuerwerk begrüßte München in der Silvesternacht das Jahr der Olympischen Spiele. In den Maximilians-Anlagen flammte ein riesiges Transparent auf, bei dem die fünf olympischen Ringe in ihren Farben erstrahlten und die Schrift „München grüßt das Olympiajahr!" zu lesen war. (Scherl Bilderdienst — MZ