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Eine Vorschau auf die Aussichten und Hoffnungen der Haupitettnehmer-SiacUen.

Von den 57 dem Internationalen Olympischen Komi­tee angeschlossenen Staaten kommen 49 in Deutschland zum Olympia 1936 zusammen, um sich in dem friedlichen Wettkampf um die Siegesehren zu messen. Das ist eine Zahl, wie sie bei den bisherigen Olympischen Spielen noch niemals erreicht worden ist. 49 Nationen entsenden die Besten ihrer Jugend; aber bei einer ersten Durchsicht der Aussichten der einzelnen Völker mutz man beachten, datz ja längst nicht alle der Beteiligten so große Sportnationen sind, um Anspruch auf einen der ersten Plätze erheben zu können. Wenn wir hier die Aussichten der Völker be­trachten, so wie sie sich nach Äußerungen von Fachleuten

Eulace Peacock, der amerikanische Negersprinter, der schnellste Läufer der Welt. (Schirner.)

darstellen, dann müssen wir uns auf die ganz großen Sportnationen beschränken. Das sind neben Deutschland noch Amerika, Japan, Finnland, England und Schweden. Dazu kommt noch für den Wintersport Norwegen. Italien kann zur Zeit wegen der bestehenden Unklarheiten nicht berücksichtigt werden.

Eine finnische Sauna, die im Olympischen Dorf eigens für die Finnen geschaffen wurde. (Scherl.)

Amerika, das fand der Sieger.

Amerika, genauer gesagt: die bereinigten Staaten von Amerika, sind das Land der Olympiasieger. Die Gründe für das ausgezeichnete Abschneiden der Aan- kees liegen durchaus nicht in einer von Jahrviert zu Jahr- viert gesteiger­ten planmäßi­gen Olympia­vorbereitung. Die Mann­schaften, die USA. zu den Olympischen Spielen ent­sendet, setzen sich zum größ­ten Teil aus Studenten zu­sammen. Nun muß man aber wissen, daß neben dem Be­rufssport die Pflege der Lei­besübungen in Amerika fast ausschließlich von den Hoch­schulen getra­gen wird. Jede Universität setzt ihren Ehr­geiz darein, die besten Leu­te im Sport herauszubrin­gen. Dabei denkt man vielleicht am wenigsten an die Olympi­schen Spiele, sondern eben immer nur

daran, wie man für die eigene Universität die besten Kräfte ins Feld stellen kann. Was später kommt, inter­essiert wenig. Man ist optimistisch genug, zu erwarten, oaß aus dem großen Kräfteüberschuß dieses riesigen Landes immer wieder neue Talente kommen. Der tägliche Umgang mit dem Sport, das unablässige, harte Training und was nicht zu vergessen ist die fehlenden Sorgen um das eigene materielle Wohl bringen dann diese unver­bildeten, siegessicheren Sportler hervor, die es als eine Selbstverständlichkeit ansehen, daß ihr Land wieder nach der Zahl der Siege an der Spitze der Nationen marschiert.

Das Kieme Finnland ganz groß!

Den denkbar größten Gegensatz zu den Amerikanern bilden die F inne n. Dieses kleine Polk Europas hat in den letzten Jahrzehnten einen kometengleichen Anstieg in sportlicher Hinsicht gehabt. Das leuchtende Beispiel dafür ist das Laufwunder Nurmi. Die Finnen sind das Volk der Langstreckenläufer, wenigstens nach den bisher von ihnen gezeigten Leistungen. Sie beherrschen die leichtathle­tischen LausstreckLn von 1500 Meter an aufwärts bis âum

Marathonlauf. 1936 werden sie aber auch aus anderen Gebieten glänzen. Ihr Weltrekordmann Matti Järvinen scheint den Sieg im Speerwerfen gepachtet zu haben, dazu kommen jetzt neue Leute im Hochsprung, im Hammer­werfen und Kugelstoßen und auf manch anderem Gebiet. Finnlands bevorzugte Übungen sind die Dauerleistungen oder solche Übungen, deren vollendete Ausführung langes, konzentriertes Training erfordern. Die Zähigkeit in der Übungsarbeit und das ganz auf die Eigenarten dieses Volkes zugeschnittene System der allgemeinen körperlichen Ertüchtigung (man denke an das finnische Dampfbad, die Sauna!) haben dieses zahlenmäßig kleine Volk zu einer der größten Sportnationen der Welt gemacht, die auch beim Olympia 1936 ein ernstes Wort mitzureden haben wird.

Schweden und Norwegen.

Die beiden nordischen Nationen, Schweden und Nor­wegen, müssen ebenfalls sehr beachtet werden. Schwe­den hat vor allen Dingen Vorteile in der Leicht­athletik. Wäre die Be­völkerung Schwedens nicht zahlenmäßig zu klein, fo könnte dieses Land leicht an die Spitze aller Sport­nationen treten' Im­merhin ist es auch so ein starker Gegner und in der Lage, manche Olympische Goldme­daille zu erringen.

Die Stärke Nor­wegens liegt vor allen Dingen auf dem Gebiet des Skisports. Die Nordländer sind ja von jeher die größten Könner auf diesem Ge­biet gewesen. Von Na­tur mit den besten Mit­teln für den Winter­sport ausgestattet, ha­ben die Norweger rasch gelernt, auch dieal­pine" Lauftechnik zu beherrschen, und so kann einer der be­rühmtesten alten nor­wegischen Skiläufer mit Recht behaupten, sein Land wäre in der Lage,

sämtliche Skiwettbe- Birger Ruud, werbe der Olympischen der bisher unübertroffene nor- Winterspiele zu gewin- wegische Meisterspringer, nen. Ob es tatsächlich (Wagenborg-Archiv.) so weit kommt? Das kann gleichgültig sein, denn es kommt ja nicht auf den einzelnen Wettbewerb an.

Englands Geheimnis.

Betrachten wir weiter ein­mal das Mutterland des Sports, England. Die Briten haben von jeher bei den Olympischen Spielen einen guten Platz ein­genommen. Das Geheimnis der englischen Erfolge liegt in der Fähigkeit der Briten, stets im richtigen Zeitpunkt in der besten Form zu sein. Wie das gemacht wird, ist nicht zu erklären, viel­leicht könnten es die Engländer selbst nicht sagen. Es mag sich wohl aus der Sporttradition dieses Landes erklären. Es kommen plötzlich unbekannte Leute heraus, die mit unbeirr­barem Siegeswillen und einer ungeahnten Kampfkraft in die Wettbewerbe eingreifen und sicher schwer zu überwinden sind. Englands Mannschaft wird an Kampfstärke und an Zahl sehr stark sein; zu bedauern ist dabei lediglich, daß England nicht an dem Olympischen Fußballturnier teilnehmen wird, weil in dieser Sportart drüben die Berufs­spieler führend sind, während zu den Olympischen Spielen nur reine Amateure kommen dürfen. Es geht ja hier nicht um mate­rielle Preise, sondern um Ehre und Ruhm des Landes, für das der Kämpfer antritt.

Hampson, Englands übcrraschungs- siegcr in Los Angeles über 800 Meter.

(Scherl.)

Japan schreitet vorwärts.

Die Japaner, erst seit 50 Jahren in den Kreis der modernen Kulturvölker eingetreten, haben auf allen Ge­bieten durch Nachahmung und zähen Erfolgswillen riesige Fortschritte gemacht. Sie bedeuteten vor allen Dingen 1932 in Los Angeles die große sportliche Überraschung. Die japanischen Schwimmer werden in Berlin wohl kaum zu überwinden sein, wie ihre Erfolge in den letzten Jahren eindeutig bewiesen haben. Aber man darf auch nicht vergessen, daß in Los Angeles ausgerechnet ein Japaner die Goldmedaille im Reiten gemava daß es ein Japaner war, der im Stabhochsprung nur äußerst knapp

Treibt Leibesübungen!

Makino,

von den stegesgewoyn- ten Amerikanern ge­schlagen wurde. Seit­dem sind vier Jahre vergangen, die bestimmt genutzt wurden. Man kann, abgesehen viel­leicht vom Wintersport, kein Gebiet angeben, auf dem die Japaner nicht Siegesaussichten hätten. Wenigstens, was das Einzelkönnen an­betrifft. In den Mann- schaftsfpielen, wie etwa Hockey und Fußball, sind sie allerdings noch nicht so weit, aber man kann annehmen, daß sie auch hier später einmal zu fürchtende Gegner darstellen werden. Die japanischen Leichtathle­ten sind ebenfalls be­

das 15jährige japanische Schwimm- achtliche Gegner. Be- wundcr, dem man beim Olympia sonders in den Sprung­große Erfolge prophezeit. arten, wie Stabhoch- (Lchirner.) fprung, Weitsprung, Dreisprung und Hoch- sprung, haben sie dank ihrer natürlichen Veranlagung große Vorteile, die schwer von der Technik und größeren Kraft, den Vorteilen anderer Völker, ausgewogen werden können. Japan ist das große Fragezeichen der Olym­pischen Spiele.

Und Deutschland?

~ Deutschland als Gastgeber der XL Olympischen Spiele und als eine der größten Sportnationen der Welt hat natürlich den Ehrgeiz, in dem Konzert der Völker eine erste Geige zu spielen. Dank der vorbildlichen Sportorga­nisation in Deutschland, die durch den Reichssportführer aufgebaut wurde, hat die Olympiaarbeii bei uns in den letzten Jahren einen außerordentlichen Auftrieb bekom­men. Es wäre verfehlt, auf Einzelheiten eingehen zu wollen. Fest steht aber, daß bei uns alles getan worden ist, um die bestmöglichen Erfolge zu erringen. Man darf nicht übersehen, daß der Gedanke der deutschen Leibes­übungen ja nicht so sehr aus die Erzielung von Höchst­

Das Eisstadion in Garmisch-Partenkirchen, in dem beim Winter-Olympia die Eissportkämpfe aus- getragen werden. Tas Stadion ist für das Olympia be- sonders gebaut worden. Es faßt etwa 10 000 Zuschauer. Das Eis ist von den Tcmpcraturverhättnifsen völlig unab­hängig. (Wagenborg-Archiv.)

leistungen einzelner gerichtet ist als auf die Erfassung des ganzer? Volkes durch die Leibesübungen. Aus dieser Breitenarbeit, die immer nur auf lange Sicht gerichtet sein kann, wird dann ganz von selbst ein Stamm von Könnern wachsen, die zu jeder Höchstleistung fähig sind. Eine un­erreichte Höchstleistung ist ja allein schon die Tatsache, daß ein unendlich großer Teil des deutschen Volkes bereits sich der körperlichen Ertüchtigung freiwillig unterzieht, wie sie in den Verbänden des Deutschen Reichsbundes für Leibes­übungen und in der RSG.Kraft durch Freude" gepflegt wird. Bei den Olympischen Spielen liegt die Vertretung unserer Farben bestimmt in den besten Händen, über allen Gedanken über die voraussichtlichen Sieger muß aber immer der Gedanke stehen, daß Olympia ein Fest des Friedens und des Bewährens ist, bei dem immer nur dem Besten der Siegeslorbeer zufallen soll. H o r st B r e e.

^Die Zeit der Bewährung hat begonnen."

Die Pressestelle des Reichssportfübrers gibt zum neuen Jahr folgende Mitteilung heraus:

Für die Zeit des Überganges in den Zustand der Einheit der deutschen Leibesübungen war die Betrauung besonderer Beauftragter für die Umerziehung der Massen der Geführten notwendig. Die Zeit des Übergangs ist beendet und die Zeit der Bewährung hat begonnen. Die Führung der Sportgaue steht. Deshalb hat der Reichssport­führer sämtliche Kreisvertrauensmänner seiner Beauftragten zum 1. Januar 1936 von ihren Pflichten entbunden und ihnen für ihre freudige Mitarbeit gedankt. Gleichzeitig dient diese Maßnahme der Vereinfachung der Verwaltung und der Be­freiung der Vereine von Verwaltnnqslasten, die im Verlauf der Einrichtung des TRL. in den Einzelheiten des Betriebes immer weiter 'fortschreiten wird."