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Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage: „Der A
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ÄiX' 1x«^».^ ZulSa- und Haunetal ♦ Iulöaer Krersbla« bach/H. ^Hauptschllstleiter Friedrich Ehren. z v
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Nr. 301 — 12. Jahrgang
Fulda, Freitag, 27. Dezember 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Schweres Eisenbahn-Unglück in Thüringen.
32 Tote, zahlreiche Verletzte.
Erfurt, 27. Dezember 1935.
Am 24.Dezember um 19,08 Uhr ist in der Nähe des MnOofë Erobtzeringen der D-Zug 44 dem Ms einem Uedertzstungsgleis nnfahrenden Moenaug 825 aus der Saalebrücke in die ginnte gefahren. Es sind 31 Zote und viele Schwer- und LeichlverleUe zu LeMsen.
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Wie zu dem furchtbaren Unglück mitgeteilt wird, hatte der Lokomotivführer des D 44 das auf halt stehende Vor- und hauptsignai überfahren. Vom Personenzug 825 wurden sieben Wagen zertrümmert. Durch den Unfall wurden nach bisherigen Feststellungen 31 Personen getötet, 10 schwer verletzt, 7 mit-elschwer und 10 leichter verletzt.
Durch den Krach des Zusammenstoßes aufmerksam gemacht. eilten aus dem benachbarten Unterneuensulza Einwohner, SA, SS, Sanitätskolonnen, Feuerwehr. Gendarmerie, Polizei und Aerzte zur Unglücksstelle und begannen Tote und Verletzte zu bergen. Aus Bad Sulza trafen nach kurzer Zeit Mannschaften der Luftnachrichtenschule
2. Ausbildungskompagnie unter Führung von Leutnant Klaß ein und beteiligten sich an den Arbeiten. Die Schwerverletzten wurden sofort nach Jena und Apolda in die Universitätsklinik und das Krankenhaus übergeführt.
Reichsstatthalter Fritz Sauckel, Ministerpräsident Marschier und der Präsident der Reichsbahndirektion Erfurt, Lamertz, die nach kurzer Zeit an der Unfallstelle mit Landrat Hoffmann-Weimar und Oberbürgermeister Ueberhör-Naumburg eintra^n, gaben â ..M.Mldigen Anordnungen zur Ausräumung und Bergung. Die Absperrung übernahmen SA, SS, Polizei und Gendarmerie unter Leitung des SS-Oberführers Staatsrat Pflomm und Oberregierungsrat Gommlich-Weimar.
Auf Anordnung des Reichsstatthalters Sauckel wurde sofort der Katastrophenhiifswagen des Reichsarbeitsdienstes Weimar alarmiert. Er traf gegen 20,30 Uhr schon ein, und im Lichte seiner Scheinwerfer arbeiteten alle Beteiligten fieberhaft, um die Schäden zu beheben. Generalarbeitsführer Schmückle leitete selbst diese Arbeiten. Von der Reichsbahndirektion wurden vier Hilfszüge aus Erfurt, Weimar, Weißenfels und Halle an die Unfallstelle entsandt zur Ausräumung der Gleise. Der Zugverkehr wurde von Kösen über Camburg nach Großheringen und von Kösen über Göschwitz—Weimar umgeleitet.
An den A ufrä um un gsar beiten hatten außer den Aufräumungsmauuschasten der Reichsbahndirektioneu Erfurt und Halle hervorragenden Anteil die SA, SS, Reichsarbeitsdienst, die Polizei, Feuerwehr und Sanitâts- kolonnen.
Auf Wunsch von Reichsstatthalter Sauckel und Ministerpräsident Marschier wurde in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch durch das Generalkommando IV, das sofort alles daransetzte, tatkräftige Hilfe zu leisten, Teile der Pionier-Bataillone 14 und 44 Riesa alarmiert und zur Unfallstelle transportiert. Inzwischen waren auf denselben Wunsch hin durch Vermittlung des Kreisleiters von Naumburg, Oberbürgermeister Ueberhör, Mannschaften des Artillerie-Regiments 14 unter Oberst Brandt an der Unfallstelle eingetroffen und leisteten dort wertvolle Hilfe.
Die Pioniere, die Oberst Sachs, der Kommandeur der Pioniere IV, führte, trafen mit Pontongeräten am Mittwoch gegen 14 Uhr ein und begannen sofort mit Bergungsarbeiten. Bis 17 Uhr waren von ihnen sechs Tote geborgen; die Arbeiten werden auch in der Nacht fortgesetzt.
Inzwischen war um 15,30 Uhr ein Hauptgleis wieder fahrbar, während das andere vier Stunden später wieder frei war.
Von den Toten sind elf namentlich festgestellt. Sie sind würdig aufgebahrt. Die NSDAP hat dafür gesorgt,_ daß Tannengrün und Blumen ihre letzte Lagerstätte schmücken.
Um 3 Uhr nachts traf der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, Dorpmüller, an der Unfallstelle em und besichtigte die Aufräumungsarbeiten. Im ^aufe des Mitt- wochvormittags besuchte er die Verletzten in der Jenaer Universitätsklinik, die von den Dienststellen der NSDAP ebenfalls aufgesucht worden waren.
Sm Laufe des Mittwochnachmittags erschienen Rerchs- siatthalter Fritz Sauckel und Ministerpräsident Marschier erneut in Großheringen und überzeugten sich von dem Fortgang der Arbeiten. Gauamtsleiter Thomas-Weimar ließ sofort durch den zuständigen Kreisamtsleiter der N^V Ermittlungen anstelle« und stellte 10000 Mark zur Linderung der ersten Not zur Verfügung.
Das Beileid des Führers
Der Führer hat an R-ich-statthalt-r Sauckel das fol. âende Telegramm gesandt:
„Tief erschüttert durch die Nachricht von dem lchweren Eisenbahnunglück bei Großheringen am Weihnachtsabend, bitte ich Sie, den Hinterbliebenen der Todesopfer meine
herzlichste Anteilnahme und den Verletzten meine aufrichtigen Wünsche zu ihrer Genesung zu übermitteln."
Am llnglütfsort
(Von unserem nach Großheringen entsandten sck-Redaktionsmitglied.)
_ yeiliger Abend I Langsam senkt sich das Dunkel über Stadt und Land. Freudigen Herzens erwarten Kinder und Erwachsene das Fest der Weihnacht. Ungezählte Eisenbahnzüge durchqueren das Land, bringen ihre kostbare Last, festfrohe Menschen, ihrer Heimat entgegen.
In diese Vorfreude schlägt wie ein Blitz aus heiterem Himmel die Nachricht von dem furchtbaren Eisenbahnunglück bei Großheringen.
Das deutsche Volk trauert um mehr als dreißig Menschen, die das unerbittliche Schicksal herausgerissen hat aus ihrem Wirkungskreis, aus ihren Hoffnungen. Deutschland trauert mit den Angehörigen der Opfer dieses 94. Dezember 1935.
Etwa 800 Meter östlich der Ausfahrt des Bahnhofs Großheringen in Richtung Naumburg überschreitet die Eisenbahnlinie Berlin—Basel die Saale auf einer steinernen Brücke. 50 Meter hiervon entfernt befindet sich die Weiche für den Ausweichverkehr zur Ueberholung der Züge. Fast hatte der Personenzug 825, der Großheringen in Richtung Naumburg um 18,24 Uhr verlassen sollte, aber mit einiger Verspätung abgefahren war, die Weiche schon passiert: acht Wagen mußten sie noch durchfahren... In diesem Augenblick geschah das Unglück. Der D-Zug 44, der Weißenfels um 18,15 Uhr verlassen soll, aber auch eine kleine Verspätung hatte, raste dem Personenzug direkt in die Flanke. Die, Lokomotive de» D-Zuges bahne sich genau in die Mitte des Personenzuges, und darauf ist es wohl zurückzuführen, daß dieser Zusammenstoß so furchtbare Folgen hatte. .
Eben noch in beiden Zügen frohes Erwarten, jetzt lähmendes Entsetzen. Noch hat man das Ausmaß des Unglücks gar nicht recht begriffen, aber ein Blick auf die Stätte des Unglücks läßt erkennen, daß sich in diesem Augenblick einer der schwer sten Unfälle ereignete, von dem Deutschland je heimgesucht wurde.
Ane Statte der Zerstörung
Mehrere Wagen haben sich ineinandergeschoben. Die Oberbauten sind von den Fahrgestellen gerissen, die zu einer unförmigen Masse von eisernen Schienen, Stangen und Rohren, vermischt mit dem Holz der Verkleidung, zusammengedrückt wurden. Auf dem Bahndamm liegen Koffer, Taschen, Bekleidungsstücke der Reisenden usw. wahllos verstreut. Ein Wagenoberteil wurde von dem Gewirr der eisernen Fahrgestelle in die höhe gehoben und legte sich quer über die Vorspannmaschine des D-Zuges! Ein anderer Wagen des Personenzuges legte sich seitwärts über die Brücke und schwebte zur Hälfte über dem Wasser. Die Türen wurden aus den Angeln gehoben, und die Insassen stürzten in die Saale. Während von den Insassen des D-Zuges vermutlich keiner Verletzungen erlitten hat, ist die Zahl der Opfer beim Personenzua furchtbar.
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Hilse ist sofort zur Stelle
Mit unglaublicher Schnelligkeit hatte sich die Kunve von dem Unglück verbreitet. In Unterneuensulza hatte man das furchtbare Krachen des Zusammenstoßes gehört, und von hier eilten sofort SA, SS, Sanitätsiolonnen, Feuerwehr, Gendarmerie, Polizei und Aerzte zur Unglücksstelle und begannen mit den Bergungsarbeiten. In ganz kurzer Zeit trafen vier Hilfszüge der Reichsbahn ein. Wehrmachtsangehörige her benachbarten Garnisonen, Arbeitsdienst, SA und SS, Polizei und Sanitäter eilten zum Unfallort. Besondere Anerkennung verdienen aber die Männer der Feuerwehr von Bad Sulza und die Sanitätskolonnen von Bad Sulza und Bad Kösen, die überraschend schnell zur Stelle waren und mit vielen freiwilligen Helfern ans Werk gingen. Ihrem energischen Eingreifen ist es zu danken, wenn noch eine Anzahl Personen mehr gerettet werden konnte. Unglaubliche Anstrengungen nahmen die Helfer auf sich. Im Licht der Scheinwerfer des Katastrophenwagens des Arbeitsdienstes setzten sie sich mit selbstloser Hingabe für die Rettung ihrer Volksgenosjen ein. Die Artillerie Naumburg hatte drei Feldkücheu gesandt, die warme Getränke verabreichten. Aerzte und Sanitätspersonal waren in ausreichender Zahl zur Stelle. Entweder wurden Notverbände angelegt, oder Krankenwagen sorgten sofort für die Ueber- führung in die Krankenhäuser von Jena, Naumburg und Apolda.
Reichsstatthalter Sauckel benachrichtigte sofort nach der Besichtigung der Unfallstelle den Führer und Reichskanzler von den Ereignissen dieses, das ganze Land in tiefste Sorge versetzenden Unglücks.
Wie das Unglück geschah
Noch stehen wir alle unter dem erschütternden Eindruck dieses entsetzlichen Unglücks. Die Frage nach dem Schuldigen — wenn es überhaupt einen gibt — wird erst später beantwortet werden können, wenn die Fachleute ihre Untersuchungen abgeschlossen haben.
Vermutlich hat der Lokomotivführer der Vorspannmaschine des D-Zuges sowohl das Hauptsignal wie auch das 1000 Meter vor diesem stehende Haltsignal überfahren. Der Führer der zum D-Zug gehörenden Maschine hat das Haltsignal erkannt und sofort mit allen Mitteln — also Gegendampf, Bremsen und Sandstreuen — versucht, den mit 90 Stundenkilometer fahrenden Zug zum halten zu bringen. Das gelang ihm aber nicht; er konnte lediglich das Tempo des D-Zuges auf 25 bis 30 Stundenkilometer herunterdrücken, der dann in den Personenzug hineinraste.
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Weihnachten 1935 hat viele unserer Volksgenossen in tiefste Trauer versetzt. Manche frohe Hoffnung auf ein schönes Weihnachtsfest wurde durch ein unerbittliches Schicksal jäh zerstört. Viel blühendes Leben ward ausgelöscht und mancher Zukunftstraum zunichte gemacht. Das ganze deutsche Volk trauert mit den Hinterbliebenen der Opfer des 24. Dezember und wird ihnen die Anteilnahme mit der Tat beweisen.
Ganz besonders mutz aber hervorgehoben werden, daß alle am Rettungswerk Beteiligten Anerkennung und Dank verdienen. Es hat sich gezeigt, daß sich nationalsozialistischer Geist und nation alsozialistische Kameradschaft ohne Rücksicht auf Stand, und Person bewährt haben.
Der Dank des Führers an die Rettungsmannschaften.
Der Reichsstatthalter hat im Namen des Führers und in seinem eigenen allen Rettungsmannschaften und Helfern, die sich sofort nach dem Unglück in der Weihnachtsnacht in aufopferndster Weise zur Verfügung gestellt haben, seine Anerkennung zum Ausdruck gebracht, so der Polizei und Gendarmerie, den Feuerwehrleuten, Eisenbahnbeamten und -angestellten, den Beamten der zuständigen Behörden, Sanitätsmannschaften, SA-Männern, SS-Männern und Arbeitsdienst und vor allem den Offizieren und Soldaten der Wehrmacht aus Naumburg, Bad Sulza und Riesa.
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Der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, Dorpmüller, hat den Präsidenten der Reichsbahndirektion Erfurt beauftragt, alle Sofortmaßnahme st zu ergreifen, die in der Lage sind, die Not der Verletzten und die Sorge der Hinterbliebenen der Toten wirtschaftlich und seelisch zu lindern.
Die Liste der Toten
Nach einer Mitteilung der Reichsbahndirektion Erfurt oat sich die Zahl der dem furchtbaren Eisenbahnunglück bei Großheringen zum Opfer gefallenen Volksgenossen auf 32 erhöht. Von diesen konnten 28 inzwischen namentlich fest- gestellt werden, während die Personalien von vier Toten noch unbekannt sind. Zwei Personen werden noch vermißt.
Die N a m e n der Töten sind nach einer Liste der Reichsbahndirektion folgende:
Oberschaffner Gustav herziger, Weißenfels;
Paul Bischof, Langensalza;
Max Stürtz, Ilmenau;
Harry Rosenburg. Niederröblingen;
Hartwin Klotz, Bad Sulza;
Walter Präßler, Bad Sulza;
Lackierer Otto Schmidt, Hauptwerkstatt Frankfurt;
Heinrich Müller, Apolda;
Helmut Schmidt, Erfurt;
Johann Sauter, Bad Sulza;
Ernst Siebold, Apfelstedt:
Berta Nebelung, Nordhausen ;
Minna Nötzold, Laucha (Unstrut);
Edgar M auer, Gleicherwiesen ;
Lotte Mauer, Gleicherwiesen;
Erich Bruckhaus, Weimar;
Rudolf Wirth, Stiebitz bei Bautzen;
Irmgard Hebel, Erfurt;
Hermann Matz, Breslau;.
Willi Witter, Mühlhausen (Thür.):
Frieda Cramer, Erfurt;
Ilse S a l i g e r, Dölau bei Halle;
Richard Hotze, Oldisleben;
Johann Schmalz, Großwelsbach;
Werner heft, Schulpforta;
Kurt Geißler, Weimar;
Ernst Pause, Dosdorf bei Arnstadt;
Frau Geelhaar Erfurt.