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graue Tiefe fieler, u^ dem Hânsl war, "als fiele mit dem lastenden Rucksack auch all das heimlich arge Tun ins Wesen­lose, dessen Zeuge der alte Rucksack gewesen. Er aber wanderte immer werter, rmmer hoher, daß der breite Felsrücken des Koll, die Zacken de^, Wahmann wie kleine Sandgebilde spielender Kinder unter ihm schienen.Wie ist das doch alles uit ernmal )o klein geworden!" wunderte er sich.Da schaut )er Königsee aus, als hätt' einer im Wirtshaus ein Viertel Wein auf den Tsich verschüttet..." Und dann fühlte er neben ich irgeird ein Wefen, noch konnte er es nicht unterscheiden irotz des Scheines aus all den gewaltigen Lichtern, aber jemand ergriff und drückte seine Hand, und mit einmal wußte er' Das vor seine Frau, die Christel. Da überkam ihn unendliches Wohlsein, als laße er am Herd, daheim unter sicherem. Dach

Kameraden.

Weihnachtliche Geschichte von C h r. B r o e h l - D e l h a e 5.

Immer wenn die Tage so kurz waren wie jetzt, wenn die Stürme nm das feste Haus des Heidebauern brausten, wenn die harte Arbett ein wenig ruhte, dann mußte Mutter Hagenoth ihrem Mann bie Feldpostbriefe wieder herausgeben, die sie liebe­voll, gleich ihren Brautbriefen, in einer Truhe aufbewahrte. Ja, diese Briefe waren in gewisser Hinsicht noch kostbarer als die Brautbrrefe, denn jene zeugten vom wissenden Glück des Da-Seins, wahrend die Feldpost mit jedem Mal in einer kurzen und oft fast unleserlichen Schrift der Harrenden daheim den Gatten neu schenkte. Das ganze Jahr gehörten die Briese Mutter Hagenoth allein; aber in den kurzen Tagen vor Weih­nachten verlangte ihr Mann danach, und er breitete sie aus auf dem schweren, großen Eichentisch, sorgfältig nach Jahr- und Tagesdaten, und versetzte sich zurück in eine Zeit, die so groß und heldenhaft gewesen war, daß man heute seine eigene Leistung von damals nicht mehr verstand.

Weißt Du noch, Mutter", jagte der Bauer leise und nahm ein Schreiben hoch,das hier ist aus Rußland. Es war auch Winter. 1915. Du sahst deiner ersten, schweren Stunde ent­gegen. Jürne sollte geboren werden--und ich lag in Ruß­land, halberfroren, und mußte immerzu an Dich denken und stellte mir Deine Angst vor ich war ja so weit... Wenn ich in diesen Tagen Tölle,nicht gehabt hätte! Wir waren zusam­men beim Artillerie-Meßtrupp. Der hat mich immer wieder aufgeheitert, Tee gekocht und so. Tas war ein Kerl. Daß ich von dem nie wieder was gehört habe!"

futter Hsgenoth faltete die Hände und stellte ihm Tee auf Den Tisch, Tee aus allerhand heilkräftigen Kräutern; den ganzen Sommer und Herbst hatte sie davon für den Winter gesammelt. Hagenoth tat behaglich einen kräftigen Schluck.

Ich habe ja mal", erinnerte Frau Hagenoth und rührte in ihrer Teetasse,in meiner Hausfrauenzeitschrift fragen lassen für Dich, nach Josef Theober Tölle aus Halle, und daß er seinem alten Kriegskameraden Hagenoth schreiben soll. Es' hat sich bloß niemand gemeldet."

Ja", sagte Hagenoth und legte auch diesen Brief aus der Hand,da hat man nun ein ganzes Schicksal in treuer Kamerad­schaft miteinander erlebt, und nachher, wenn der Krieg aus ist, hört keiner mehr was vom andern... Traurig ist das."

Vor dem Hause wurden Schritte laut. Jemand stampfte den Schnee von den Stiefeln. Mutter Hagenoth tat einen Blick auf die Uhr:Sechse! Das ist der Postbote."

Guten Abend!" Landbriefträger Helke öffnete die Tür und reichte einen Brief durch die Türöffnung.Will nich 'reinkom­men, laß Euch sonst den ganzen Schnee da. 's is'n Brief von Jürne! Guten Abend!"

Guten Abend!" gab Mutter Hagenoth zurück. Sie war aufgesprungen und hatte dem alten Boten das Schreiben fast entrissen.Von Jürne!" Und während HaAmotch den Umschlag aufritzte, stand sie bebend neben ihm, gleich ihm sofort den In­halt des Schreibens zu erfahren.

--geht mir glänzend im Arbeitsdienst. Viele und schwere Arbeit, aber gutes Essen. Und dank Mutter noch besse­res", hier schaute Hagenoth lachend überseit, wo sein Weib erglüht war, weil sie wieder ein Stück vom Schinken abgesandt hatte. Aber nun gibt es bald Urlaub. Weihnachtsurlaub. Ich muß doch diesmal wieder die Tanne aus unserem Wald holen. Viele hier beneiden mich darum, daß ich das kann. Kaum einer hat Ackerland, viel weniger noch Wald. Die meisten sind aus der Stadt. Ich habe mich hier mit einem angefreundet. Kanalarbeiter aus^ Sachsen. Lange arbeitslos. Armer Kerl. Wir verstehen uns herrlich. Sein Vater war auch in Rußland. 1915 und so. Aber da waren ja viele. Du wirst ihn sicher nicht kennen. Dabei möchte er so gern etwas von seinem Vater er­fahren, der gefallen ist, als der Junge ein Jahr alt war... Er hat kein Zuhause mehr. Ich denke, es ist Euch recht, wenn ich ihn über Weihnachten mitbringe--

Mutter Hagenoth hielt einen Schürzenzipfel in der Hand. Hagenoth sah es nicht gern, wenn sie weinte. Sie hatte ein so weiches Herz.Sicher kann er mitkommen; er kann die Kam­mer haben, wo jetzt die Aepfel liegen. Die Aepfel kann ich auch in den Keller legen. Nicht? Der arme Junge. Es hätte unserem Jürne auch so gehen können, daß sein Vater fiel, als er ein Fahr alt war. Und noch früher--"

Am Samstag vor Weihnachten, um vier Uhr, fuhr Bauer Hagenoth mit den Braunen ab. Es ging durch den Wald, und der Bauer spähte mit kundigem Auge nach einem brauchbaren Tannenbaum. Morgen würden die beiden Jungen losgehen und sich einen ansehen, und Montag konnten sie den Baum schlagen. Die Jungen! Die konnten jetzt Kameraden sein im Arbeitsdienst und bei der Reichswehr und Marine wie die Alten im Heer und im Kriege. Kameraden! Daß man es immer im Winter so spürte, wie schön es damals gewesen war, trotz aller Not und Gefahr. Im Sommer freilich waren die Tage Don früh bis spät voller Arbeit, und zum Nachdenken blieb Denig Zeit. - .

Hagenoth hatte sich so sehr in seine Erinnerungen eingespon- nen, daß er den Braunen allzu langsame Gangart gestattete und erst beim Bahnhof anlangte, als der Zug schon eingelaufen war. Wie ein Junger turnte er mit einem Sprung vom Wagen. Da kamen schon zwei große, schlanke Gestalten um das kleine Ge- oauDe verum. Braungraue Uniform, Speharlmutze, uno [ebei trug einen Kotser.

Vater mit den Braunen! Das ist aber eine Ueberrafchunc komm per, Theo, da lernst Du gleich das Familienoberhaupi kennen. Varep! Und das ist mein Freund. Theo Tölle auS Halle. So. nun gevi Euch mal die Hand!"

Aber Hagenoib streifte Die Hand nicht aus. Er war ein wenig weiß geworden im Gesicht. Seine Augen schimmerten je leltiam.

Nun, Vater?" fragte Jürne ein wenig befremdet,was ist dir denn?"

^öür bethen Sie?" tagte Öagenolh. ohne zu antworten, mit einer heiseren Stimme.Unb Ihr Vater hieß Joieph Theodor Tölle? Und war in Rußland eine Zeitlang beim ArnHer-e-Meßirupp 103?" Die Zahl Uhri° er beinahe. leine Blicke bohrten sich in das blasse Jungmännergesichl, das ihn anstarrie. _ ,.

Allerdings ja Joseph Theodor Rußland. Er fiel 1917 vor Weihnachten" ..... Da nahm Hagenoth seine Mütze ab. er nahm Ne iah ab um hielt sie Teterlid) n 'inen groben, verarbe.teien Bauernhanden.

Wir waren Kameraden", tagte er.mehr noch freunde. Seit zwanzig Jahren ^rche ich mal wieder was von chm zu er«

vie einst vor 'Sem 'fUmmernben Christbaum, und 'die TyristÄ laß neben ihm und die Kinder--wie einst. Ein Lächeln !roch ihm über das faltige Geiergesicht...

Am Morgen nach dem Weihnachtsfest stapfte der rote Franz auf einem Patrouillengang über die Alm am Winter- 5erg. Mit dem Glas suchte er die Hänge ab. An der großen Wettertanne schien wahrhaftig ein Mensch zu sitzen. Er hob äch deutlich vom Neuschnee ab. Eilig, mit geladenem Gewehr, stieg der Franz dem Baume zu. Halb verschneit guckte ein kleines Holzbild des heiligen Hubertus aus der weißen Decke, im Stamm aber lehnte regungslos derBartgeier".

Er schien dem kleinen Heiligen zuzulächeln, wie einem ilten Freunde, der ihm das schönste Weihnachtsfest bereitet.

fahren. Jeb Hab's schon in die Zeitung gesetzt; niemals hat sich einer gemeldet "

Meine Mutter hat nicht mel länger gelebt", entgegnen Tölle leise.Was ich weiß, erfuhr ich aus den Briefen, die er ihr aus dem Felde getanbr hat--"

JSr sah so aus. wie Sie ach. was: wie Du!"

Er h:U: vlöblich inn- und sah auf seinen Sohn und von diesem wieder zu Tölle hinüber.Ich habe ihn ja nun oer« ioren", suhr er mit gedampfter Stimme fort.er war mein bester Kamerad. Aber nun seid Ihr da, die Söhne! lind bei Zufall oder ist es eine Bestimmung v rührt auch Euch zusammen. Unb do kann ick nun nur noch tagen: Du aehörs 'etzt mit zu uns. Theodors Sohn und Jürnes Freund. Ihr hab' es setzt in der Hand, was uns versagt war. Jungens. Seit Kameraden!"

Unb Damit schlug er ihnen beiden kräftig auf die Schul tern und brummte mächtig und strebte ihnen voraus, den wartenden Wagen zu. Er schimpfte immer mit Muttern wenn sie ilennte

Komm!. Jungens! Daheim ist schon Weihnachksstimmuna Unb Mutier roartet Gespannt, was j i e fürn Gesicht macht wenn doch noch ein Tölle kommt."

Deutsche Weihnacht in der Jugendherberge.

Den Vätern Tank! Sie haben fest gegründet Die traute Herberg in der wilden Zeit, Unb heute wird das erste Licht entzündet: Sinnbild der Zukunft und Vergangenheit.

Ein starker Stamm, darüber oft schon brausend Wind, Wetter, Blitz und Schwert gefahren ist, Ein Stamm, der durch der Jahre dreimaltausend Aufwuchs vom alten Gott zum jungen Christ.

Unb jedes Jahr durchbrechen seine Kerzen Die kalte dunkle Nacht im Winterflaum, Und immer wieder wachsen neue Herzen 2ln unseres Volkes immergrünem Baum.

Wie Wachs noch biegsam ist des Kindes Leben, Ein zartes Licht, das sich im Sturm verliert; Ihr Väter habt uns eine Heimstatt geben, Daß jeder groß -^- am großen Baume wird,

Daß jeber aufrecht steht aus eigner Erde

In Treu und Glauben, Liebeskkaft und Mut, Und daß die Welt noch einmal lichter werde Vom jungen kerngesunden deutschen Blut!

Aus vielen Steinen füget ihr Die Mauer Und nehmet so am Werk Der Zukunft teil. Die Jugend grüßt die gütigen Erbauer. Mit frohem Heil!

Weihnacht vor der Stadt.

Skizze von Gertrud Aulich.

Draußen am Rand-e der Stadt, wo die schiefen zerfallenden Häuser unregelmäßig in den engen Gassen stehen, auch da wird heut Wrihuacht gefeiert. Frauen mit großen vorgèbun- denen Schürzen scheuern und putzen, das schmutzige Wasser regiert sich in die Rinnsteine, wo es sich mit einer dünnen Eishaut überzieht. An den kleinen Fenstern leuchten saubere Vorhänge, und im weiten Umkreis verbreitet sich der Geruch oon Gebackenem und Gesottenem.

Eine von den holprigen schlechtbeleuchteten Straßen, rigentlich nur ein schmaler, uugepflastèrter Weg, führt in die Felder hinaus, die weiß eingeschneit in ihrer großen Stille Daliegen. Die dunklen Punkte darauf sind Raben, ihr rostiges Geschrei erfüllt die Luft. Die Dunkelheit ist bereits herein- zebrochen, die Glocken einer entfernten Kirche läuten den Heiligabend ein. Es schneit, nasser, schwerer Schnee, der sich mit dem Schmutz der Straße zu einem zähen Schlamm verbindet und das Gehen erschwert. Bon unten her bewegt sich ein ratterndes Gèfährt die Gasse herauf, die ungeölten Räder quarren. Es ist ein kleiner Handwagen, hoch mit Säcken beladen, ein schmächtiger Junge in einer grünen Joppe, vhne Mantel undTNütze, zieht ihn bergan. Er schnauft vor Anstrengung, sein ouschiger Kopf bedeckt sich mit Schnee, und seine Hände frieren langsam blau. Von Zeit zu Zeit hält er in, lüpft ein wenig die zerfetzte Decke, mit der alles zugedcckt ist, und greift prüfend darunter. Alles da! beruhigt er sich selbst, atmet tief auf und spornt sich mit Hüh und Hott wie rinen Gaul an.

Das letzte Haus, ein schmaler einstöckiger Bau, liegt mit seiner Vorderfront ganz im Dunkeln. Dort ist der Junge mit seiner Mutter und fünf Geschwistern zu Haus, sein Vater starb an der Schwindsucht. Die Mutter, eine verkümmerte scheue Frau, lebt mit der ganzen Familie von der kleinen Unterftüauna. welcke die Stadt an die Armen zahlt. Sie alle haben eine unvorstellbare Bedürfnislosigkeit und ein starkes Gottvertrauen, es wohnt in diesem Volke eine unverwüstliche Kraft, die allen Schicksalsschlägen trotzt. Der Knabe mit dem Handwagen ist der Aelteste, mit seinen zwölf Jahren eine Art Oberhaupt der Familie, dann kommen die neunjährige Sophie und der siebenjährige Hans, schließlich dieZwillinge" und das Kleinkind.

Der Knabe poltert mit seinem Wagen durchs Tor und in den Hof, ein Fenster öffnet sich, und die weinerliche Stimme seiner Mutter fragt:Bist du das, Paul, hast du die Kohlen bekommen?"Ja, Mutter", schreit der Junge vom Stall her,fünf Zentner, ich werde sie gleich abladen ... aber mach vas Fenster zu, wirst dich erkälten... du, einen Baum habe ich auch, fein!"

Er zerrt die Decke herab und hebt eine kleine Fichte her­unter, die er behutsam an die Wand lehnt. Dann kommen ein vaar in Papier gewickelte Dinae dran, um betrachtet und

untersucht zu werden, schließlich ladt er hie Kohlen ab und verschließt den Staß. Die Mutter kommt heraus und nimmt die Päckchen au sich, er selbst klemmt stolz das Bäumchen unter den Arm.Nein", staunt sie und lobt ihren Sohn,was bist du für ein Bursche! Bringst einen ganzen Laden an­geschleppt."Was machen die Kinder?" fragt er im Ton der Erwachsenen.Sie dürfen vorher nichts sehen, am liebsten, du sperrst sie in der Kammer ein. Hah, da sind sie schon, die Neugierigen. Wollt ihr wohl verschwinden! Sophie, jag sie fort!"

Die Stube ist geräumig und sauber und von einer hoch­hängenden Lampe erhellt. Die Kinder tragen frisch gewaschene Kleider, und die graue Katze Hai ein rotes.Schlcifcheu be­kommen. Im Ofen sprüht und knistert es, verschiedene Töpfe dampfen am Herd. Sophie jagt Hans und die Zwillinge in die Kammer zum Kleinkind unb schärst ihnen im strengen Tone ein, sich ja recht still zu verhaltenbis das Christkind kommt". Dann sitzt Paul am Tisch und bekommt Kaffee ein­geschenkt, macht es sich bequem und schaut zu, wie Mutter und Schwester die vielen Päckchen auswickeln. Schmunzelnd hört er ihre Ausrufe der Ueberraschung.

Ah, da sind Kerzen, rote und blaue und grüne... nein und Kugeln, oh, die sind aber hübsch! Und die Mutter zuckt plötzlich mit der Hand zurück und erschrickt fast: Was? Das ist ja... nein, das ist doch nicht etwa ein Karpfen, du meine Güte, und so groß!Ja, schlacht ihn gleich und brat ihn fein!" sagt Paul wichtig.Oder laß, bringst es doch nicht zu­wege, ich schlachte ihn selbst."

Dann putzt Sophie die kleine Fichte, auf dem Tisch wirkt das Bäumchen hübsch und stattlich. Die Mutter kocht und brät; Paul heizt den Ofen und berichtet über sein Tagwerk, ganz wie ehemals sein Vater.Obersteigers lassen grüßen", sagt er,und nächsten Monat soll ich mir wieder Kohlen holen... Nein, da hat er mich doch betrogen, dieser Gauner, hier sind ja zwei Aeste abgebrochen. Dreh den Baum um, Sophie! Die ganze Woche habe ich in der Kälte Christbäume verkauft... na, aber eine Mark mußte er doch herausrücken, dafür habe ich den Zwillingen die Püppchen gekauft, fein, was?"

Und ich, bekomme ich gar nichts?" fragt Sophie.

Wart ab, wirst es erleben", sagt Paul, und zur Mutter: Ist das Essen bald fertig? Gib etwas mehr Zucker an die Mohnsemmeln, spar nicht so!"

Mutter und Tochter fragen nicht viel. Sie haben sich daran gewöhnt, daß dergroße Bruder" soviel wie möglich zum Unterhalt beiträgt. Gleich nach der Schule macht er sich an die Arbeit. Bei Obersteigers hackt er das Winterholz klein, und sommers hütet er die Ziegen: dafür gibt es Kohlen. Für die Frau seines Lehrers besorgt er allerlei Gänge, sie hat da­für seiner Mutter eine herrlich warme Jacke gestrickt, die heut auf den Weihnachtstisch kommt. Am Abend kehrt er seinen Wirtsleuten den Hof und erspart so einen kleinen Teil Miete. Heut stand er den ganzen Vormittag auf dem Markt und ver­kaufte für Papenroth Fische, schrie und lockte die Kunden an und fror an Nase und Fingern. Aber er wurde mit einem herrlich großen auf der Seite schwimmenden Fische belohnt.

Und dann ist der große Augenblick da. Ein Glöckchen klingelt. Der Baum brennt, und die Kinder werden herein­gerufen. Sie nähern sich etwas scheu, aber dann stürzen sie zum Tisch und beginnen in den Herrlichkeiten zu wühlen. Der große Bruder scheucht sie fort. Erst wird gesungen, befiehlt er. Und er stimmt mit heller Stimme an: Stille Nacht, heilige Nacht...

Die Mutter, die kleine, blasse, magere Frau, steht ein wenig abseits, singt leise mit und betrachtet gerührt ihren * Jungen. Alle ihre Kinder sind gut und wohlgeraten. Aber er, er ist wie ein kleiner Held, ein Vater für seine Familie. Die Frau steht und schaut, sein schwarzer buschiger Kopf hebt sich gegen das flackernde Licht der Kerzen ab ... und Plötzlich fühlt sie Tränen in den Augen. Und noch ehe das Lied zu Ende ist, breitet sie die Arme aus, und voll Stolz und Freude zieht sie ihn an sich, drückt ihn fest gegen ihre Brust, streicht über fein dichtes wirres Haar. Und er hält ganz still. In diesem Augenblick ist er nicht der tüchtige Kerl und gleichsam das Oberhaupt seiner Familie, letzt ist er nichts als ein Kind, das sich bei der Mutter geborgen weiß und darüber unendlich glücklich ist.

Und dann drängen die andern heran, sie alle wollen be­merkt und geliebkost sein, und die Mutter umschlingt sie alle und ist gut mit ihnen, und sie selbst, sie ist dabei am glücklichsten!

Ein kleines niedriges Haus am Rande der Stadt, viel Kummer, viel Not und Sorge, aber auch viel Liebe unb Glück. Und eine ungeheure zähe Kraft im Aushalten und Erdulden Und heute besonders viel Liebe und Glück. Heute ist auch hier ein Baum, geschmückt und erleuchtet, und es stehen Kin­der um ihn mit srohen Herzen.

Heiligabend auf See.

Skizze von Hugo Bittrich.

Torpedoboot S 141 von der XX. Halbflottille stampft bei $£^ rx^nfcl G)OilQnö öiitd) die (lu^6Mü^ItL ^66. 33 it [tc^cn jeit gestern wieder auf Vorposten gegen den Russen. Mu bösem Pfeifen fliegt Der Nordsturm über die Wogen und hämmert an die Bordwand, daß die Spanien ächzen uub stöhnen.

~ lot ini warraftig noch an Land jetten. Bi diissem Seegang kannst jo tutelig warru. Helt sick wat hüt mit de frisch- freuliche Seefohrt. Dal is doch ...!"

Ramm... ein Brecher taucht den Matrosen in Gischt und rauschende -see. Er läßt ihn mit krummem Rücken geduldig über sich ergehen und preßt den Körper fester gegen das Brücken- klew. Langsam fließt das eiskalte Wasser vom Deck ab Da wischt der Mann den Spritzer aus dem triefenden Gesicht, holt lies Atem und spuckt kräftig nach Lee aus.

Man immer lustig sosivider. Windstärke ölbcn hebbt wi ja woll jchon. Ball sitt wi op Grundeis!"

Mit weichen Knien folgt der Kamerad den wilden, bockigen Bewegungen des Bootes und staut mich dabei wütend an, als habe ich bie ganze fluchwürdige Schuld an dem Sauwetter hier draußeu in der Ostsee, heute, am Heiligabend 1915.

_ Ich lnge über die Backbordnock nach vorn. Schnee unb Hagelkörner peitschen mein Gesicht. In klaffende Täler versinkt der Bug des Bootes, hoch springt der Gischt in die Luft, mit heftigem Ruck schießt das Vorschiff wieder aus der See, um gleich darauf krachend auf das weißflockende Wasser zu schlagen Riepge Ellipsen schreiben die mumelnden Mastspitzen in den grauen Himmel.

. Wir schütteln uns wie nasse Hunde und beißen die Zähne zujammen. Von Frost und Anstrengung sind die Beine fast ge­fühllos. In den Stiefeln patscht die Nässe, und das am Halse emdringende Salzwasser jagt mir kalte Schauer über den Leib.

Die Dunkelheit dämmert unmerklich herein. Mir fällt ein Abend ein, zu Hause, Heiligabend. Die Eltern sind zurück aus der Kirche. Weit ist die Tür geöffnet. Verlegen schauen wir blinzelnd in den hellen Lichtstrom des festlichen Baumes. Warm und wohlig strahlt er uns an.

Ach ja, Wärme. Nur ein klein wenig Wärme jetzt.

Weg da... los ... weg!" Ich merbe' rauh in die Wirklich­keit zurückgerissen. Der Bootsmaat schreit und winkt nach achtern. Wir werfen schnell einen Blick dahin. Und da durch­zuckt uns ein würgender Schrecken. Mittschiffs am Torpedorohr hängt jiin Matrose.