Weihnachten 1935.
Von A r t u r Brausewetter.
Stille Nacht — heilige Nacht! Die Sterne leuchten. Die Lüfte schwingen. Die Engel singen ihr „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!" Das Volk, das im Finstern wohnet, sieht ein großes Licht. Das Licht scheinet in die Finsternis. Christ, der Retter, ist da. Fest des Lichtes und der Freude! Heiliges, herrliches Weihnachlsfest!
Und die Idee des Weihnachtsfestes?
Was den Menschen über alle anderen Geschöpfe emporhebt, ihm Adel und Große verleiht, ist sein Suchen, ist die nie schweigende, immer wache, immer pochende Sehnsucht seiner Seele..
Wonach?-
In der Erscheinungen Fluch: das Bleibende, über allem vergänglichen das Ewige zu suchen. Gleichviel, ob ihm ein Anden wird, in diesem Suchen liegt die Tiefe des menschlichen Deins.
So. geht diirch die Religion und Philosophie aller Völker dieses Suchen. So empfinden die Einsamen, die Unbefriedigten und Traurigen, wo sie auch leben, den Zug dieser Sehnsucht.
So, brennt er durch den Schrei der tiefsten Not: „Ach daß Du Deinen Himmel zerrissest und führest herab!"
Ein göttliches Antlitz entschleiert sich, sicht mit dem Auge der großen Liebe auf die ängstlich harrende Kreatur. Weihnachten das Fest der erfüllten Sehnsucht.
Aber mit der Sehnsucht allein ist es nicht getan. Damit sie fruchtbar wird und Großes schafft, muß sie sich in sich befestigen und vertiefen, über sich selbst herauswachsen, muß sie Glaube werden.
Was gibt einem Volke den Mut und die Kraft, auszuharren, auch wenn die bösen Geschicke, die schweren Stunden kommen and nicht weichen wollen? Wenn es in die Irre geht, wenn das Große unterliegt, wenn das Arme und Kleinliche die Oberhand gewinnt?
Der Glaube, daß auch diese Nacht vergehen und der Tag anbrechen, daß über dem verlorenen und verdunkelten Tage der Morgenstern leuchtender als je emporsteigen wird.
Und nun i st die Nacht vergangen, und der Tag ist angebrochen. Das eben ist die religiöse wie die nationale Bedeutung des Weihnachtsfestes: es weist von der Sehnsucht auf die Erfüllung, weist auf den großen Erfüller und Retter der Zeit, welcher der Weltgeschichte völlig neue Bahnen wies, der Menschheit ein neues Herz einsetzte. Denn er entfachte in ihr anstatt der sinnlichen Freude des antiken Menschen den Sinn und das Verlangen für höhere Werte, erhob, über alles Zeitgebundene hinaus, ihren Blick zu den Gefilden des Ewigen.
Damit schafft er aus der großen Sehnsucht den starken Glauben. Den festen, unverbrüchlichen Glauben an die Vater- liebe Gottes, der für uns sein Bestes hingibt, der uns führt durch Kampf und Nacht zu Sieg und Licht. Den Glauben -zugleich, den unsere Volk nothat: an die Größe und Heiligkeit der Sache, der bis in den Tod zu dienen heute jeden deutschen Mannes, jeder deutschen Frau Pflicht und Freude ist. „Wahrlich, ich sage dir", ruft Ernst Moritz Arndt seinem Volke zu, „auf, ermanne dich! Fasse dir eine deutsche und männliche Zuversicht! Und sieh über das Kleinliche hinweg, und du wirst Großes gewinnen."
Das Wesen und die Kraft dieses Glaubens aber ist: daß er tätig ist in der Liebe.
Christus trägt die Liebe Gottes, die bis dahin nur mit der Sehnsucht der Liebe geahnt und gesucht wird, in ihrer Größe and Wirklichkeit in die Welt hinein. Seine Geburt wird der Wendepunkt der Zeiten und der Brennpunkt allen Lichtes. Sie macht dem Dunkel der Vergangenheit ein Ende, durchflutet zugleich verheißungsvoll die Zukunft. Der Sehnsucht der Seele setzt sie das Ziel: sich selbst erleben und Gott in sich. Sie leiht dem suchenden Menschen das schönste Glück, die höchste Würde: Die Gotteskindschaft. Ueber bk Schranken der Nationen, den Hader der Konfessionen baut sie die einigende Brücke. Und indem sie uns die Gefilde der uns allen gemeinsamen Heimat öffnet, führt sie uns zu dem versöhnenden Ausgleich, der nur der Liebe möglich ist. Das Alte vergeht. Siehe, es wird alles neu. Nennt einmal Milton Scipio den Höhepunkt Roms, so kann man Jesus Christus einen Höhepunkt der Weltgeschichte nennen, die eine neue Zeitrechnung und eine neue Epoche mit ihm beginnt.
Während für die heidnische Weltanschauung der Mensch das Maß aller Dinge war, ist es für die christliche die Liebe Gottes, geoffenbart in Christus. Das Größte, was in der ganzen Weltgeschichte je geschehen, schenkt uns Weihnachten: die Üiebes- offenbarung Gottes zum Heile der Welt.
Mit Worten kann man das selige Geheimnis der Weih- nachtsbolschaft nicht aussprechen oder gar beschreiben. Da tst alles so zart und tief, so einfach und so wunderbar zugleich, daß man es mit dem nüchternen Verstände nicht erfassen, sondern allein mit der dürstenden Seele in sich aufnehmen kann. Das Letzte und Größte bleibt immer unbeschreiblich und unerklärlich. Das ist das Wesen und die Tiefe der Liebe. Man kann sie nicht begreifen, nicht erlernen, man kann sie nur fühlen, erfahren, erleben. Erst wem die Liebe zu einem sein ganzes Sein erfassendes und umwälzendes Erlebnis wird, der weiß, was Liebe ist.
Aber dazu muß man Lebenserfahrungen gemacht haben, muß durch leere Täler und dunkle Gründe einsam gewandert, an sich und der Welt irre geworden sein. Dann erst weiß man, was es heißt: Durch die Liebe erlöst werden, ihre befreiende Kraft an sich erfahren. Wer Weihnachten keinen Hauch dieser erlösenden Liebe in sich spürt, der mag ein äußerliches Weihnachtsfest für sich begehen, — von dem tief beseligenden Geheimnis, von der neue Kraft und neues Leben spendenden Macht des Weihnachtsfestes ist er weit entfernt.
Lcebesofsenvarung Gottes zum Heile der Welt! Kein anderer Gedanke, keine andere Tat erhoben das Christentum über alle Religionen der Welt, machten es zu einer Kulturmacht ersten Ranges. Insbesondere eroberten sie das Germanentum. Denn die bis in den Tod sich hingebende Liebe war eine Idee von Kraft und Größe für ein Volk, in dem alles auf Treue und Glauben angelegt ist.
Solche Liebe ruft zur Gegenliebe. Deshalb ist Weihnachten das Fest, in dem kein Raum ist zu Hader und Streit, zu Haß und Neid, wo der Mensch es zwingender und beseligter denn je empfindet, daß er nicht mitzuhassen, sondern mitzulieben da ist. .. ''Wissen ist nichts", sagt der Weise. „Wissen ist eitel. Gnade alles!" Wir wollen uns der Gnade beugen, wollen diese Weihnachtsliebe mit der Seele der Sehnsucht suchen, mit den Handen des Glaubens ergreifen, mit dem Herzen der Liebe er- leben, wollen durch sie erwärmt, erleuchtet, durchglüht werden zu neuem Lieben und Glauben, zu neuem Hoffen und Wagen, wollen in ihrer Kraft auch Uebel tragen, Leiden überwinden. Bis wir durch sie adlerstark werden und zu neuem Leben genesen in ihren: Sonnenschein.
Dann werden wir in gelöstem und befreitem Herzen Weihnachten feiern, werden frohen Mutes einstimmen in die altherrliche Weihnachtsweise:
O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!
GrdMet der hssgenidei Bögel !
Weihnacht einer Mutter.
Skizze von Thor E o o t e.
„Dann wünsche ich auch eine recht gute Weihnacht, der Frau Professor!"
„Danke, Frau Gruber! Und ich Ihnen auch!" Eine sehr schmale, welke Hand umschließt für Augenblicke die derbe, breite Arbeitshand einer Putzfrau. Die beiden blickten sich für diese kurze Dauer in die Augen: Arbeiterfrau und Gelehrtenfrau. Ihr Leben läuft in verschiedenen Bahnen, und doch ist da etwas Gemeinsames, Bindendes — ein Wissen des einen um das Schicksal des anderen.
„Soll ich nicht doch noch hier bleiben?" kommt es zögernd. „Sie sind doch..
„Nein, nein, lassen Sie nur, Frau Gruber! Sie wissen ja, — ich werde es mir schon gemütlich machen. Kohlen sind ja heraufgebracht, und der Ofen brennt gut."
„Na, denn auf Wiedersehen, Frau Professor! Morgen komm' ich dann ..."
„Ja, ja, — schon recht! Und feiern Sie recht froh...", sie stockt einen Atemzug lang, „...mit den Kindern!"
Dann klappt die Tür zu.--
Die alte Frau steht einen Augenblick lauschend. Die Schritte der anderen tappen auf der Treppe.
Und jetzt ist sie allein. Nun will sie ihr Weihnachten feiern, so feiern, wie sie es alle, alle vielen Jahre getan hat, — seit jenem Weihnachten, an dem ihr Junge zum letzten Mal hier gewesen.
Sie dreht den Schlüssel im Schloß, und es ist ihr, als ob sie mit dieser einen Bewegung die Außenwelt ganz ausgeschaltet hätte.
Dann geht sie mit kurzen, etwas hastigen Schritten ins Wohnzimmer.
Wie etwas altbekanntes Liebes umfängt sie die wohnliche Wärme des Raumes. Es ist, als ob die Zeit, die Luft und alles Leben — ja, ihr Leben in diesem Raume eingeschlossen wären.
Sie geht zum runden Tisch, bleibt unschlüssig stehen, und ihre Augen wandern prüfend im Zimmer umher. Ist alles auch, wie es seir soll, wie es damals war?
Ihre Finger ziehen in Gedanken die gehäkelte Decke gerade, rücken an der alten Kristallschale, auf der Aepfel und Lebkuchen liegen.
„So ist es recht!" spricht sie vor sich hin. „So war es immer, — und je^t will ich den Baum schmücken."
Sie geht mit kleinen Schritten zum alten Mahagonisekretär. Das Schloß schnappt auf. Dann holt sie aus einem braunen Pappkasten den alten Weihnachtsflitter. Mit zitternden Händen, auf denen die Adern blau schimmern, hängt sie die bunten Glaskugeln an. Wieviel Erinnerungen an diesem glitzernden Weihnachtsschmuck doch hängen! Wieviel unausgesprochene Liebe unt wieviel Seligkeit in den Augen gewesen ist, die einmal sich ir diesem bunten Glas gespiegelt haben!
Licht um Licht steckt sie in die verbogenen Kerzenhalter, bunte, kleine Lichter. „Bunt müssen Kerzen am Weihnachts-
Der Bartgeier.
Weihnachtliche Erzählung von E. v. d. E a b e l e n tz.
Sie hatten ihn den Bartgeier genannt, weil er eine Nase hatte, krumm und scharf wie ein Geierschnabel, am Kinn überm langen sehnigen Hals einen struppigen Graubart, der den Moosflechten an der Wettertanne glich, und den Buckel hatte ihm das Holzschleppen mählich gekrümmt. Also, schön war der Grundnerhansl nicht, aber auch sonst ein unguter Bursche. Freilich, das Leben hatte ihm keine Blumen, nur rauhes Gestein auf den Pfad gesät. Das Bäumesägen und Holzspalten und heimliche Wildanpirschen zwangen dem Grundnerhansl auch das Auge mehr dem düstren Waldgrunö und schroffen Felswänden zu als gegen Den blauen Himmel hinauf.
Das Brot, das man als Holzhacker aß, war karg, aber der alte Hansl gehörte nicht zu den Narren, und da er um die Wände des Göll herum jeden Holzhauersteig und jeden Wildwechsel kannte, besser fast als die von der grünen Zunft oder vom Zoll, und weil ihm obendrein dicht über der Grenze im Scüzburgischen ein Schwager saß, der ein Lädchen mit Eßwaren hielt und daneben sonderliche Freude an Wildbraten zeigte, so hatte sich's nach Ansicht des „Bartgeier" ganz natürlich gemacht, daß er nachts auf Schleichwegen ab und zu ein Stück Wild oder eine Ware hinüberschmuggelte.
Droben, über dem bayerischen Staatswald, ragt eine in Wind und Wetter, Sonne und Schnee ergraute steinalte Tanne. Ihre Wurzeln winden sich weithin, umklammern einen mächtigen, moosgrünen Felsblock. So gleichen sie großen, grauen Schlangen. Der Stamm ist rauh und rissig und seine Rinde vom Blitz abgespellt, von der Sonne versengt. Unter den beiden stärksten Wurzeln gähnt ein Spalt auf im Felsboden, groß genug, daß ein kauernder Mensch gerade noch Platz darin fände. In dies Loch barg der Grundnerhansl den zerlegten Stutzen und das etwa erwischte Wild, auch hin und wieder noch etwas andere Ware, dann verschloß er es stets wieder mit einem großen Rindenstück und etwas Moos und war gewiß, daß der Schwager oder ein andrer Bote die Beute in der nächsten Nacht holte.
Das Steigen da hinauf war aber nicht ohne Gefahr, Hansl wußte wohl, daß der schlaue Fuchs, der rote Franz vom Forstamt, ihn im Verdacht hatte, und öfter war der „Bartgeier" nahe daran gewesen, mehr als nur eine Feder zu lassen. Immer aber lief die Geschichte bisher noch glücklich ab, dan! dem heiligen Hubertus, den er sich als Schutzheiligen erwählt; obgleich der mit den heimlichen Wegen droben an der Grenze kaum ganz einverstanden sein konnte. Doch um seiner Gegenwart und seiner Hilfe stets sicher zu sein, pflegte der Hansl ein kleines Holzbild des Heiligen, vom Schnitzer in Berchtesgaden gefertigt, im Rucksack mit sich zu führen, und den heiligen Hubertus schien das Zusammengepacktwerden mit einem Stück Wildpret oder einigen Päckchen Tabak nicht zu stören ...
Seit einiger Zeit nun wurde dem „Bartgeier" das Steigen mit dem gepackten Rucksack mächtig sauer. Er hatte die Siebzig erreicht, und im vergangenen Jahr zum letzten Mal im Winterwald beim Holzschlagen geholfen. Aber zu seiner Wettertanne vergaß er den Gang nicht. Die Jagdlust war ihm vom Herrgott gegeben, und das Wild stand seiner Meinung nach nur in des Herrgotts Stall, nicht in dem des Forstmeisters.
Es war grad am Weihnachtsabend, als der „Bartgeier" wieder einmal in der ersten Dämmerung durch den Wald emporstieg. Am Weihnachtstag pflegten ja die Grenzwächter und Förster daheim zu bleiben, da konnte man schon etwas wagen. Und das Weihnachtsfest? Je nun, einen Lichterbaum hatte der Grundnerhansl schon lang nicht mehr gesehn, so lang, seit ihm die Frau gestorben und die Kinder sich draußen einen eigenen Horst gebaut. Seinem Schutzheiligen freilich, dessen hölzernes Abbild er auch heute wieder im Rucksack trug, hatte er's gesagt, daß er im Leben gern nochmal einen Lichterbaum sehen möcht'. Diesmal freilich war's verpaßt. Wenn ihn das Bündel auch plagte, die Ware war dem Schwager versprochen und sollte in der Höhle unterm Baum versteckt werden. Und ein ehrlicher Mann hielt sein Wort.
)aum sein, richtig bunt!" hatte ihr Junge imm«-' - „Bunt..." Sie läßt die Hand sinken. „Bunt..." % ^lagt. ruht auf einer blanken Kugel, und irgendwie sehen fien ■ • mal aus der Kugel ein paar blaue Knabenaugen an
Jhre Hand zittert. Eine Kerze fällt zu Boden.' « täusch zerschlägt die lebendig-tote Stille. J
Die alte Frau zuckt leicht zusammen. Mühsam dein m v Kerze auf. Als sie den Baum dann fertig hat, steht sie t ^ Zeit mit gefalteten Händen, aber ihre Gedanken laufen zu den Dingen, die sic jetzt gleich holen will. Detter
Ein weißes, feines Leinentuch kommt auf den schnitzten Mußbaumtisch. Den Kasten mit der KerbschnE den ihr Junge rhr einmal zu Weihnachten geschenkt batS in dem sie all' die vielen, lieben Briefe von ihm und ihrem aufgehoben hat, holt sie sich und stellt ihn vor sich bin' dann nimmt sie die Bilder — die beiden Bilder — v Sekretär und stellt sie neben den Kasten. *
Draußen senkt sich der Tag, und die Nacht kommt aekeinnN- voll und unfaßbar tief. Die alte Frau tritt an das Fensters blickt hinaus in den dunkel werdenden Himmel. Kein StermÄ noch zu sehen. Keine Schneeflocke tanzn Der Wind feg: kalt böse durch kahle Aeste. Es ist so still in dieser abqele ^ Straße. Ein Ersentor knarrt irgendwo. Fern ist ein Hupen
Im Zimmer tickt die alte Uhr, langsam und unaufhaltsam' als tiefe bie Ew:gke:t. Das Feuer knistert im weißen Kachelos Langsam wird das Dunkel schwerer, und langsam wird es Nack ' Leise ziehen die alten Hände die Gardinen zu. Und dann fommt Weihnacht auch zu dieser einsamen Frau...
Zitternd flammt ein Streichholz auf, brennt Licht nach Licht an. Es Duftet nach Aepfeln, Tanne und brennenden Ker-ei
Im Ecksofa mit dem bunten Gobelinbezug sitzt die alte' Frau im schwarzen Seidenkleid. In der Hand hält sie das Bild eines Manne - in altmodischer Kleidung, aber in iljrem Sdioi! liegt ein anderes Bild, das Bild eines jungen Soldaten Den Pelzkragen aufgeschlagen, die weiche Mütze etwas schief gerückt So sah er aus bei seinem letzten Urlaub.
Es ist ein ganz gewöhnliches Bild. Aber ein paar große klare Tropfen sind darauf gefallen und sind wie durchsichiM Sterne auf dem Glas zerspritzt.
Wenn eine Hand unter den Papieren im braunen Kasten silchl, finde: sie ganz obenauf einen Brief liegen, der ein kleines rotes Kreuz trägt und mit ungelenken Buchstaben die Wortet „Zurück! Er starb den Heldentod am 12. 2. 18," —
Kerzen spiegeln sich in bunten Glaskugeln. Zitternd schaukelt Engelshaar von Zweig zu Zweig. Erinnerung um Erinnerung wacht auf. Längst verklungene, vergessene Laine — Worte. Stimmen kommen wieder.
Arme Der Liebe umfassen eine schmale, alte Frau, heben sie... heben sie...
Draußen läuten die Glocken, dröhnen und schwingen, rufen... rufen...
Im Tal und auf den unteren Hängen war Der früh! Schnee schon wieder weggeschmolzen, da konnte niemand seins Spur finden, und weiter heraus, wo die weiße, kalte Me noch über Alm und Hochkar lag, dahin würde heute kein gefährlicher Aufpasser streifen, wenn nicht etwa den HM den roten Franz, der Teufel ritt, daß er den Steig belauerte
Langsam keuchte der „Bartgeier" empor. Oft mußte, et stehen bleiben, nicht nur um zu lauschen, ob irgendwo Schritt! über Geröll klängen, auch um sich an die Brust zu fassen, denn der Rucksack lastete heute merkwürdig schwer, schwerer, als er nach dem Inhalt eigentlich hätte sein dürfen.
AIs er im schützenden Wald längs der kleinen Mitterbergalpe entlang sich durchs Holz wand, rastete er triebet unk warf einen Blick nach dem Himmel. Hundert, tausend deins waren droben am blauen Wundergewölb entzündet und gaben genug Licht, daß man das Ziel erkennen konnte, die mächtig! Wettertanne neben einer Schutthalde. , . . ,
Ihre Aeste, zum Teil ohne Nadeln und knorrig tote oax klammernde Wurzciwerk, reckten sich trotzig in den -at Nachtwind hinauf. Vorsichtig, spähend und horchend der Bartgeier weiter dem Baume zu. Ihn packte Angst, die Gewißheit, der rote Franz sei am Ende heute , unterwegs, und der fackelte nicht lange. Den Rucksack hat ihm einmal durch und durch geschossen.
Nun stand er vor der Tanne. Gebückt jefjtrang e Last von den Schultern, kniete hin und wollte den Am® ' Rucksack in den finstern Spalt schieben. Aber da mertte daß seine Hände zu zittern begannen und das Herz w- zum Halse heraufschlug. Er mußte sich in den Schnee w ! b und den Rücken an den rauhen Stamm lehnen. So w ein wenig ausruhen, ehe er das Mitgebrachte am 9 , Platz versteckte. Ein wenig äusruhen. Wenn nur der r Franz nicht indessen kam und ihn erwischte! Eben tonte zu müde, sich davonzumachen. Unwillkürlich fühlte der „-o geier" nach dem Messer hinten in der Hosentasche.
Es begann langsam zu schneien. Das kümmerte Dasitzenden wenig, das war man von der Wmter gewohnt. Aber da ihm der Wind die Schneesterne in Die 9 trieb, zog er den ausgeblichenen Filz mit der alten I in die Stirn und machte die Augen zu.
Vor ihm stand am Boden der kleine Holzhemge. nur ein bissel, werd dich schon wieder in den warm stecken. Derweil gib fein acht, daß der Hund, de L mich nicht derwischt!" redete ihn der Grundnerhansl a. bog er den Kopf zurück und überließ sich ruhlgem- Ueber ihm klang's in den wilden Aesten der Tanne, Flockensterne tanzten im Bergwind. Mit emmal w ^ Hansl, als schmeichle ferner Glockenton stch hEM , ^ bis zu den felsigen Gipfeln. „Weiß schon —- D .^hen brummte vor sich hin. „Ist heut Chrlstnacht. Akren ie drunten die Lichterbäume an. Nur mir brenn 1 ^M chon keiner mehr. Wer sollt' mir Alten anzünden ..." Pfeife
Schön, dies Rasten. Und gar nicht kalt, â er sie müßte brennen. Der Hansl tastete nach rhr, em t o ^ gab aus dem Rock, doch sie entglitt den steifen ^ing • ^rIIt zu er sich zufrieden. Es war so schwer 8^koe;er - nun das heben, als hinge eine ganze Last daran. Gu, ‘ ^ bie
Schneien schwächer geworden, so konnte er 1 M? fiiiv Aeste der Tanne sehen, und, wunderbar, aus I . Davor selten goldene Lichtersterne. Das war e:n . wunderbarer, mußte man ja die Augen schließen. Aber n ) .z„nml gN Der heilige Hubertus, Herrgott, war der J his W' geworden, der ragte ja mit dem grünen xjag / Grundner in das Geäst und bog einen Zweig herab,! V .h^Men kön«! hansl sich die Lichter auf ihm in der Nah , »umM, ® ? Da wurde es dem plötzlich so sonderbar Schneeb^N schritte er über Wolken hin. Die glichen ru er so MA Der Heilige aber nahm den Rucksack, E.^.„dwobiw ^A getrauen, und ließ ihn Hinunter fallen.