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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 300 12. Jahrgang

Fulda, Dienstag, 24. Dezember 1935

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Englands Rückkehr

zum Völkerbundsgedanken

Ernennung Edens zum Außenminister bedeutet Kurswechsel in englischen Außenpolitik.

der

Die Ernennung Anthony Edens zum englischen Außenminister wird eine Änderung der englischen Anßenpolitik nach sich ziehen. In der eng­lischen Öffentlichkeit sieht man in ihr das deutlichste Kenn­zeichen für die Rückkehr der britischen Außenpolitik zum Völkcrbundsgcdanken.

Die Ernennung Edens bedeute, wie in London er­klärt wird, wenn nicht ein Programm, so doch wenigstens einen Programmpunkt, der sicherlich in Rom gut ver­standen werde. In unterrichteten Kreisen legt man Ge­wicht auf die Feststellung, daß Eden der britische Diplomat sei, der die wenigsten B i n b n n g e n an alte Gedankengänge und Kriegsüberlieferungen der eng­lischen Diplomatie besitze. Sein Hauptbcstreben werde nach Ansicht unterrichteter Persönlichkeiten, die mit Eden Jahre hindurch in engen persönlichen Beziehungen ge­standen haben, daraus hingerichtet sein, den Völkerbund zu reformieren.

In der englischen Presse findet die Ernen­nung einstimmige Billigung. Der Eindruck in Genf werde vorzüglich sein, während Rom darin eine feindselige Handlung sehen werde, was aber von allen Blättern mit bemerkenswertem Gleichmut ausgenommen wird. Allge­mein wird im übrigen mit besonderer Anerkennung her- vorgehoben, daß

Eden mit 38 Jahren der jüngste Außenminister Großbritanniens seit den letzten drei Menschenaltern sei, übereinstimmend gilt . 'EVdn in England als der Wann, der von den amtierenden Kabinettsmitgliedern am wenigsten durch den letzten Friedensplan belastet sei. Übereinstimmend weist die Presse weiter darauf hin, daß Edens bisheriger parlamentarischer Sekretär, Lord Cränborne, an Edens Seite bleiben und hauptsächlich jetzt die Aufgaben des eingesparten Völkerbundsministers ausüben werde.

Wie die englische ZeitungDaily Herald" mit­teilt,

werde Eden zunächst die «»geknüpften Verhandlungen mit den anderen Mächten Über die mUüürifdjc Unter­stützung Englands im Bereiche des Mittclmeeres auf das äußerste beschleunigen.

Die bisherigen Antworten der Türkei unb der Kleinen Entente sowie Griechenlands seien befriedigend, so daß Großbritannien gegen jedenAusbruch von Tollwut" seitens Italiens geschützt sei. Das Blatt glaubt zu wissen, daß die französische Flotte auf Veranlassung des Marineministers P i é t r i nach Westafrika geschickt worden sei, um jederzeit schnell im Mittelmeer erscheinen zu können. Das Blatt glaubt weiter erfahren zu haben, daß Eden jetzt mit mehr Erfolg die Inkraftsetzung der Ol- sperre gegen Italien betreiben iverbc.

Der diplomatische Korrespondent desD ailu Telegraph", der durch seine persönliche Freundschaft mit Eden über die Maßnahmen des neuen Außen­ministers gut unterrichtet sein dürfte, teilt ferner mit, daß Eden vor allem

die englisch-ägyptischen Beziehungen aus politischem, militärischem und wirtschaftlichem Gebiete regeln werde, um so zu einer möglichst engen Zusammenarbeit zwischen London und Kairo zu kommen. Diese Zusammen­arbeit erscheine dringender denn je durch die letzten Nach­richten über die i t a l i e n i f ch en Vorbereitungen inLibyen. Der Korrespondent bestätigt seine Meldung über die Entsendung einer weiteren mechanisierten italie­nischen Division an die ägyptische Grenze, und zwar werde es sich um die Südtiroler beziehungsweise Trientiner Di­vision handeln. Diese Tatsache hätte in London Anlaß zu ernsten Betrachtungen gegeben

Die Anfrage bei den Mittelmeerstaaten.

über dieengli s ch e A n f ragebcid e n Mitte l in e e r st a a t e n wird ans London gemeldet, Griechenland sei ersucht worden, im Notfall nicht nur Kriegsschiffe zu senden, sondern auch der britischen Flotte die B e Nutzung des Hafens Navarino und des H a f e n s v o n K re t a zu ermögliche^ Der britische Ge­sandte in Athen habe mehrere Besprechungen mit dem griechischen Ministerpräsidenten gehabt. Dieser habe er­klärt, er sei entschlossen, sich genau an die Völkerbundsver­pflichtungen zu halten.

Die Türkei und Jugoslawien seien bereit, ihre Ber sprechungen durch Entsendung von Kriegsschiffen und

Soldaten zu erfüllen.

Die Tschechoslowakei habe zugesagt, sich bereiten halten, ebenso R u m ä n i e n. Die Türkei habe die Frage per entmilitarisierten Zone an den Dardanellen aufge­worfen, aber keine Vorbehalte hinsichtlich ihrer Hilfe­leistung gemacht. Zwischen dem britischen und dem ^anzö fischen A d m i r a l st a b seien bereits Be­sprechungen über französische Hilfe im Mittelmeer und Be­nutzung französischer Flottenstützpunkte durch britische ®tt<W$i^ webest.

Paris spricht von Verschärfung der SanküanspMil.

Die Ernennung des bisherigen Völkerbundsministers Eden zum englischen Außenminister hat in Paris über­rascht, da man mit Sicherheit damit rechnete, daß dieser gerade im Augenblick so verantwortliche Posten Chamber­lain oder Lord Halifax übertragen werden würde. Der Außenpolitiker desI o u r n a l" schreibt, die augenblick­liche Lösung habe eine bestimmte Bedeutung, die man auch in Rom nicht verkennen werde. Man habe französischer- seits bereits darauf hingewiesen, daß die englische Politik nunmehr auf die Wiederaufnahme und weitere Entwick­lung der Sühnematznahmen gerichtet fei. Die Ernennung Edens sei in dieser Richtung bezeichnend. Das Blatt Homme Libre" erklärt:Wir Franzosen werden morgen nicht das weiß finden, was uns bisher schwarz er­schienen ist, weil der Aufstand der Pastoren, Pazifisten und alten Jungfern in England zur Ersetzung Sir Samuel Hoares durch Eden geführt hat. Wenn der Krieg mit Italien englischerseits als eine Art Kolonialfeldzug be­trachtet wird, so ist das noch lange kein Grund, daß Frank­reich ebenso denkt."

Moskau begrüßt Eden

Die Ernennung Edens zum englischen Außenminister wird in Moskau mit lebhafter Genugtuung aufgenom- mem Eden wurde bei seinem Besuch in Wiosfau im Sommer dieses Jahres von der Sowjetregie'^mg über schwenglich gefeiert. In der Person Edens fa* man die Verkörperung des Strebens nach einer engeren Zusam­menarbeit der beiden Mächte. Die sowjetamtliche Tele­graphenagentur erwähnt die Moskauer Verhandlungen und fügt hinzu, Eden habe damals erklärt, daß es zwischen England und Sowjetrustland in keiner grund­legenden Frage der internationalen Politik gegensätzliche Interessen gebe.

MMmWe rotelmm^r^ Die britisch-französt'^ Zusammenarbeit.

London, 24. Dezember. In letzter Zeit haben in Paris Besprechungen zwischen den Stäben der britischen und der französischen Motten- und Keeresste'len in der Frage der gegenseitigen militärischen Unterstützung im Mittelmeer stattgefunden. Diese Besprechungen sind, wir verlautet, befriedend verlauten. Nehnliche Besprechungen werden, einer Londoner Zeitungsmeldung zufolge, voraussichtlich zwischen England und den Mitte-meermächten, die von England um die Zusicherung tätiger Unterstützung im Jfnlle eines italjeni chen Angriffes auf die britischen Streit­kräfte im Mittelmeer gebeten worden sind, stattsinden.

,,Star" glaubt aus der Entsendung der nordfran- zösischen Flotte nach dem Süden auf einen bemerkens­werten Frontwechsel Lavals schließen zu können. Erst vor vier oder acht Wochen sei Laval von London gebeten worden, der britischen Flotte in Gibraltar oder Alexan­drien ein oder zwei französische Kriegsfahrzeuge zuzu­teilen, damit bei einem italienischen Angriff auf die britische Flotte gleichzeitig auch die französische Flotte angegriffen werde. Diesen britischen Vorschlag habe Laval damals abgelehnt.

Volksweihnachten

Am letzten Adventssonn­tag wurden im ganzen Reich in 30 OÜO Volksweih- nachtsseiern 5 200 000 Kin­der von der NSV. be­schert. Dr. Goebbels in­mitten glücklicher Kinder aus einer der Feiern in derReichshauplstadt. Vorn rechts: Helga Goebbels.

(Scherl Bilderdienst.)

Die Süftnepom« Eden;

London, 24. Dezember. Der neu ernannte Außen­minister Eden, der am Dienstag sein neues Amt über­nahm, suchte am Montag Schloß Sandringham auf, wo er vom König in einer formalen Sitzung des Kronrates auf seinem neuen Posten bestätigt wurde. Die Weih­nachtstage wird Eden auf dem Lande zubringen, aber in enger Fühlung mit dem Foreign Office bleiben. In diplomatischen Kreisen wird die Berufung Edens aus den Posten des Außenministers als eine Bestätigung dafür angesehen, daß England wie bisher eine feste und be­ständige Völkerbundspolitik treiben wird. Die in eng­lischen Zeitungsmeldungen aus Rom zum Ausdruck kom­mende italienische Auffassung, Edens Ernennung sei eine unfreundliche Handlung gegenüber Italien, wird in London als eine törichte Ansicht abgetan.

v Auch die Londoner Abendblätter beschäftigen sich aus­giebig mit Edens Ernennung. Der liberaleStar" glaubt, der neue Außenminister werde im Augenblick seine Auf­merksamkeit auf drei Aufgaben richten: Sicherstellung der militärischen Zusammenarbeit mit den Ländern des östlichen Mittelmeeres, engere Zusammenarbeit zwischen England und Klärung der Haltung Frankreichs gegenüber England und dem Völkerbund.

Eine aus Paris kommende Nachricht, wonach England der französischen Regierung versichert haben soll, daß Außenminister Eden die Sühnepolitik gegen Italien nicht bis zum äußersten durchführen werde, wird von Reuter als falsch bezeichnet.

Die Abessinier sechs Kilometer vor Alsum

Die Kämpfe an der 91 orbfront scheinen sich, wie aus Addis Abeba gemeldet wird, in ein­zelne Gefechtshandlungen aufzulösen. Sicherem Ver­nehmen nach sollen die abessinischen Truppen weitere Fortschritte machen und bereits sechs Kilometer « o r A k s u m stehen.

Wie wâr WUti wird, sind die letzten abessini­schen Erfolge nicht zuletzt auf die sehr geschickt angelegten Tanksallen zurückzusühren. Diese sind nach der Art der Löwenfallen angelegt worden. Es sind tiefe Gruben, mit einem dünnen Dach von Erde und Gras bedeckt. Auf einem kleinen Frontabschnitt sind auf diese Weise vier italienische Tanks erbeutet worden. Ihre Besatzungen sind niedergemacht worden. Nach Ab­montierung der Tank-Maschinengewehre wurden die Tanks selbst gesprengt.

Nach dem italienischen Heeresbericht griff eine Kolonne von 5 0 0 0 abessinischen Kriegern die italienischen Linien in der Zone Abbiaddi Tembien, nach Norden marschierend, an. Die italienischen Truppen machten einen heftigen Gegenangriff. Der Feind, vom Terrain begünstigt, versuchte Widerstand zu leisten. Es hnim sehr erbittert gekämpft. Die italieni- scbcn Truppen gingen, von Artillerie uno Fliegern unter­stützt, Mann gegen Mann kämpfend, vor, und der Feind sei schließlich in die Flucht geschlagen worden. Die Kämpfe spielten sich also westlich von Makalle ab.

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Schwere Verluste der Abessinier in den Kämpfen bei Addi Abbi.

Asmara, 25. Dez. (Funkspruch des Kriegsberichterstat­ters des DNB.) Die Verluste der Abessinier in den Kämp­fen bei Addi Äbbi werden von der italienischen Heeres­leitung auf über 600 Tote und 1000 Verletzte geschätzt. Auf italienischer Seite sind fünf Offiziere gefallen. Drei Offi­ziere und 100 Askaris wurden verwundet.

Der italienische Oberstkommandierende hat den Truppen und den Fliegern zu dem Erfolge Glückwünsche ausge­sprochen.