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Das grotze Heimweh

Weihnachten ist heut wirklich Weih­nachten. ', denkt Wilfried, während er den Park von Sevilla durchschlendert und sieht sich, aus seinen Gedanken erwachend, ringsum. Gewiß, auch hier im sonnen­gesegneten Andalusien, im Süden Spa­niens geht die Natur bis zu einem ge­wissen Grade in Winterschlaf. Die be­drängende Fülle von Blumen ist verduftet. Die mächtig aufragenden Eukalypten und Platanen stehen ohne Laub da. Aber doch blühen unter der täglich neu sich ergießen­den Sonnenfülle die Rabatten der Mo­natsrosen unentwegt weiter, und von den mannshohen Tabakstauden leuchten die weißen Blüten gleich Trompeten herüber. Und doch sehnt man sich heute nicht mehr denn je in die deutsche Heimat, und ersteht nicht vor seinem geistigen Auge die glitzernde Pracht eines tiefoerschneiten deutschen Waldes?

Auf einen Zuruf hebt er den Kopf. Hallo, Pepe, sein spanischer Freund, eilt mit einer bei ihm ungewohnten Eile auf ihn zu. Tadellos sitzend wieder der Anzug, von vollendeter Eleganz wieder das leichte Schuhwerk, den hellgrauen Filzhut mit einem feschen Sitz etwas schief auf die dunkle Fülle von Haaren geklemmt, wie immer, ist er einer der zahllosen Bon­vivants, wie sie hier in der Stadt des Fi­garo zu hunderten herumflanieren.Was trewst du denn heute hier im Park?"

Ich denke an zu Hause. Ich habe Heim­weh. In Deutschland ist heute Weihnach­ten!", entwaffnete Wilfried die Frage, als sei es heute undenkbar, im Park zu spa­zieren.

Aber bei uns hier in Spanien ist doch auch Weihnachten!", lacht Pepe, schiebt den Arm ohne weiteres unter den des Freun­des und zieht ihn auf dem kürzesten Wege ins nahe Stadtzentrum, denn er hat den Park nur als Wegabschneider benutzt. Heute platzt doch jeder in Spanien vor Neugierde, wohin der Haupttreffer der Weihnachtslotterie fällt! Stelle dir vor siebzehn Millionen Peseten auf das Haupt- los! Voriges Jahr gewannen es ganz arme Leute in Madrid, die das Los zum Teil als Fünfzigstel unter sich be­teiligt. Gepäckträger, Kutscher, kleine Näh­mädchen. Das war eine Mitfreude im ganzen Land. Jeder sucht seit Wochen, wenigstens einen Losteil zur Weihnachts­lotterie zu bekommen. Wer doch auch Glück hätte, damit man nicht mehr zu arbeiten braucht!"

Das schon zu gewöhnlichen Tagen leb­hafte südländische Leben in den meist engen gewundenen Straßen, die schon die Schritte eines Trajan, eines Iulius Eäsar, eines Ehristolph Columbus gehört, ist heute bis zur Siedehitze gesteigert. Alle drängen dem Häuschen der staatlichen Lot­terieausgabe zu. Immer wieder versuchen Männer mit einer seltsamen Last sich durch das Gewühl Hindurchzuzwängen: auf einer Holztrage schwankt stets ein Korb in rie­senhaften Dimensionen, aus dem die köst­lichsten Leckerbissen herausgucken: Cham­pagner oder andere Weinflaschen, Li­köre,. Würste in glitzernd rotes oder blaues Stanniol eingehüllt, ganze Schinken, Ter­rinen mit Gänselebern und köstliches Obst. Der Spanier liebt alles Bombastische, Rie­senhafte, und so auch diese Körbe, die man sich heute gegenseitig in Bekannten- und Freundeskreisen zur.. Geschenk macht, denn nach der mitternächtlichen Weihnachtsmesse in der Kathedrale wird in den Häusern tüchtig poluliert und gegessen, allen voran der traditionelle getrüffelte Truthahn. In den Auslagen der Konditoreien prangen Torten in gleich umfangreichen Dimen­sionen mit phantastischem Bildwerk in Zuckerguß, das der Konditorphantasie alle Ehre macht.

Plötzlich entlädt sich die allgemeine Spannung unter einem Aufschrei. Droben ist auf einem beleuchteten Transparent die Nummer aufgestiegen, die soeben als der Haupttreffer aus Madrid, der Haupt­stadt, gemeldet wird. Zugleich erfährt man, daß das Los fast ganz droben im Norden, in Bilbao, gespielt wird Ist also Fortuna an Sevilla vorbeigegangen? Aber man tröstet sich rasch und strömt in die zahl­reichen offenen Kaffeehäuser, um sein In­teresse dem Stierkampf zuzuwenden der in einigen Tagen als Wohltätigkeitsveranstal- tung stattfinden soll. .

D a s soll Weihnachtsstimmung sein?", denkt Wilfried und löst sich aus dem Kreis, um nach Hause zu gehen, in der stillen Hoffnung, daß der jetzt fällige Brief­träger einen Brief aus dem Elternhause bringt.--

In der schmucken Vorstadt mit Garten und kleinen Villen späht er an einer Straßenecke, die nicht weit von seiner Woh­nung liegt. Von welcher Seite wird der Briefträger kommen? Beim Hin- und

von Erica Srupe-Lörcher

Herpendeln stützt er plötzlich mit einer jun­gen Dame zusammen, die bochbepackt mit unzähligen Schachteln und Paketen, gerade um die Ecke eilt Als er ihr das Entfallene zurückgibt, erkennt er sie.

Ah, Fräulein Dettmann ich habe die Freude, heute am Weihnachtsabend wenig­stens einer Landsmännin begegnen zu dür­fen? Wohin |o eilig?"

Zur Weihnachtsfeier in unserer deut­schen Schule. Aus meinem Kindergarten sagen einige Zöglinge Gedichte auf. Die Eltern der Kinder kommen zur Feier!"

Es ist selbstverständlich, daß er ihr einen Teil der Pakete abnimmt und sie des Weges begleitet. Beglückt erzählt sie von der Mission der deutschen Schule hier im Ausland Wird bei Kindern, deren beide Eltern Deutsche sind, durch die Schule das Deutschtum gefestigt und vertieft inmitten der fremden Umwelt, so hat die Schule bei demjenigen Kindern eine ganz große Auf­gabe, in denen ein deutscher Vater eine Spanierin heiratete. Gehen solche Kin­der erfahrungsgemäß fast nicht immer in der spanischen Mentalität auf?

Und nun vereinigt heute eine richtige deutsche Weihnachtsfeier als Krönung aller Arbeit während des Jahres in die­sen Zielen Eltern und Kinder und Lehrer zu diesem heimatlichen Brauch.Kommen Sie doch mit!", bittet sie, als er ihr an einem der schmucken Grundstücke mit weiß- getünschtem zweistöckigem Hause und Gar­ten die Pakete zurückreichen und sich ver­abschieden will.Wenn Sie auch nicht zur Schule direkt mitgehören, so gehören doch auch Sie mit zur ganzen großen Familie der deutschen Heimat, die heute umschlos­sen sein soll! Ich bin seit zwei Jahren in Spanien und weiß: das große Heimweh stürzt sich nie stärker über einen, als ge­rade am Weihnachtsabend im Ausland!"

Gerade will er ihr mit Dankesworten folgen, als der Briefträger ihm mit süd­ländischer Lebhaftigkeit winkend, nacheilt. Hier, ein Brief aus Deutschland für den Herrn, und sogar ein Pfundpäckchen, auch aus Deutschland.Beides von den El­tern!", denkt Wilfried erfreut, und nun noch ein Brief aus Sevilla irgendwie ge­schäftlicher Art, den er rasch ungelesen einsteckt, denn fetzt nimmt ihn das Weih­nachtsfest der deutschen Schule ganz in Be­schlag, an dessen Ausschmückung er mit Fräulein Dettmann eben die letzte Hand mitanlegen darf.

Wie, ein richtiger Tannenbaum?", fragt er überrascht im Schulsaal stehen bleibend, es gibt doch keine Tannenbäum« hier in Andalusien!".

Der Streit um die Tanne / »°n §-,««-!--

Die Pforte zum Klosterhof und zu den schönen Klosterruinen der Sehenswür­digkeit eines kleinen Klosterortes im Schwarzwald bildet das alte Torhäus- chen mit eingebautem Durchlaß. Dahinter, am Eingang zum Garten, steht eine herr­liche schlanke, wohl 15 Meter hohe Tanne. Der Wipfel der Tanne über dem Häuschen rundet das romantische Bild wunderschön ab. Wie ein alter Holzschnitt sieht das kleine schnurrige Haus mit der darüber herausguckenden Tanne aus; für die Frem­den ein Punkt von besonderem Reiz und ein Idyll.

Nicht so für Frau Düring, deren Haus dem Torhäuschen benachbart ist und kaum anderthalb Meter vom Eartenzaun und somit von der Tanne entfernt steht. Ihr war, wenn man so sagen darf, die Tanne seit langem ein Dorn im Auge, und sie bemühte sich unablässig, den Besitzer zur Abholzung des Baumes zu bewegen.Alle zwei, drei Jahre", klagte sie wiederholt, habe ich Dachreparaturen, die in die Hunderte von Mark gehen. Die Tanne wirft kiloweise ihre Nadeln und dürren Zweige auf mein Dach; dadurch verfaulen Dachschindeln, Blechrinnen und Holztäfe­lung. Und keiner ersetzt mir den Schaden."

Ihre beweglichen Klagen rührten aber nicht das Herz des Torhäuschenbesitzers, des Herrn Major von Pfeilstück.

Mache Se, was Se wolle", erklärte der Major eines Tages mit militärischer Kürze und schwäbischer Derbheit.Mei Tanne bleibt da schtehe, wo se scho gestände hat, wie i no gar net auf der Welt war."

Nach dieser bündigen Absage stürmte die wutentbrannte Frau schnurstracks zum nächsten besten Rechtsanwalt und beschwor ihn, ihr gutes Recht üpr dem Kadi zu er- kämpfen.

Hiermit waren die Feindseligkeiten er­öffnet, und sie nahmen einen munteren Verlauf. Monatelang tobte ein erbitterter Kampf um das Dasein der friedlichen Tanne, die nichts davon ahnte, mit welcher Hartnäckigkeit man ihr an ihr bescheidenes

Nein. Es gibt in Spanien ja auch kei­nen richtigen Wald. Nur droben in den Pyrinäen. Diese Art Tanne ist schon vor Wochen von den Pyrinäen mit einem deut­schen Frachtdampfer herbestellt worden!", meint Fräulein Dettmann und hängt mit flinker Hand die letzten Flitter und Sterne an, die sie aus dèr Heimat ha* kommen lassen. Und bei den obersten Zweigen hilft er ihr und nun kommt die richtige Weihnachtsstimmung auch über ihn in­mitten all dieser Vorbereitungen.

Ganz andächtig, wie einst als kleiner Schuljunge, nimmt er an der Feier teil. Fast lauter Gesichter und Gestalten steht er um sich, die ihm sympatisch sind, weil es Landsleute sind. Er hört die alten trau­ten Weihnachslieder singen und einzelne Kinder sagen, vortrefflich geschult, deutsche Gedichte auf. Und plötzlich weiß er, wie völlig er innerlich ein Deutscher geblieben ist, trotzdem er hier sein Brot findet, und das fremde Volk stets freundlich und höf­lich gegen ihn war. Aber fehlt nicht den Spaniern in ihrem Lexikon das so bedeut­same WortGemütlichkeit", das sich von dem BegriffGemüt" herleitet? Wie leer, wie oberflächlich, wie nichtssagend ist für sein deutsches Empfinden alles, was er vorher unter Führung eines Freundes als Weihnachtsstimmung" sah!--.

In einer Pause fühlt er den ungeöff­neten Brief in seiner Brusttasche knitterig. Er öffnet ihn, etwas abseits stehend, und muß zu seiner grenzenlosen Ueber- raschung den Inhalt mehrmals lesen. Eine spanische Vaufirma hat sein Projekt unter allen Bewerbern angekauft. Ihm soll der Auftrag übergeben werden. Deutsches Können und deutsche Gediegenheit hat auch hier den Sieg davongetragen! Ist das nicht unendlich viel beglückender als in der Weihnachtslotterie einem Zufall dan­ken zu müssen? Nun hat er hier festen Boden unter den Füßen bekommen. Er wird immer ein guter Deutscher bleiben. Er sieht in den Saal mit dem brennenden Tannenbaum, in dem sich die Landsleute wie eine große Familie zusammenfinden. Jeder, der im Ausland arbeitet, schafft einem Deutschen in der Heimat einen Ar­beitsplatz. Kann man nicht gerade hier draußen um so heißer an der Heimat hän­gen? Er findet die gleiche Ueberzeugung, als er nun Fräulein Dettmann von seiner freudigen Nachricht erzählt. Ja, sie ver­stehen sich. Und wenn er in einiger Zeit um dieses liebe Wesen wirbt, hofft er keine Absage zu erhalten. Dann wird er nächsten Weihnachten nicht einjam mit seinem großen Heimweh an einer Stra­ßenecke stehen, sondern ein deutsch­durchwehtes Heim hier sein eigen« nennen. ---

Leben wollte. Die Akten schwollen an; der Kreis der Leute, deren Interessen sich mittel- bar oder unmittelbar mit dem Sein oder Nichtsein der Tanne verknüpften, vergrößerte sich. Die am meisten in Mitleidenschaft Gezoge­nen waren die beiden Nachbarskinder, Erna Düring und Martin von Pfeilstück, die sich liebten und bald Verlobung feiern wollten. Daraus wurde also vorläufig nichts. Frau Düring verbot ihrer Tochter streng den Umgang mit Leuten, die siean den Bettel­stab bringen wollten".

Die Entzweiung der beiden Familien und ihrer Sippen griff wie ein fressendes Uebel immer weiter um sich. Und unter den Zusammengehörenden selber gab es Unstimmigkeiten. Frau Düring mußte sich manches von ihrer Tochter sagen lassen und auch Vorwürfe ihrer im Ort lebenden Ge­schwister einstecken.Du wirst noch deine paar Spargroschen mitsamt deinem Haus verprozessieren", prophezeite die Schwester übelwollend.Schließe einen Vergleich."

Da verkündete im kritischen Moment der Rechtsanwalt seiner Mandantin trium­phierend, das Urteil sei in erster Instanz zu ihren Gunsten gesprochen. Major von Pfeilstück müsse die Tanne schlagen lassen.

Der Anwalt des Gegners legte aber so­fort Berufung ein und so kam der Prozeß in die zweite Instanz. Jetzt nahm auch der Forstmeister des Bezirks, der vor langen Jahren einmal in irgendeiner Angelegen­heit Zwistigkeiten mit dem Major gehabt hatte, für Frau Düring Partei. Das Forst- amt befand sich gegenüber von Frau Dürings Haus, also an der anderen Flanke des Torhäuschens.Die Tanne hat ein ganz flaches Erdreich", erklärte der Forst­meister,bei einem Sturm kann sie leicht umgeworfen werden und unter Umständen sogar mit dem Wipfel aufs Forsthaus fallen und Schaden anrichten."

Das Sachverständigengutachten des Forst­meisters tat vor Gericht seine Schuldigkeit; die Lage des Torhäuschenbesitzers ver­schlechterte sich, so daß auch in zweiter In­stanz keine Aussicht für ihn bestand, den

Streit zu gewinnen. Als sich dergestalt die Waage der Gerechtigkeit offensichtlich zu­gunsten der Klägerin geneigt hatte, spielte der Beklagte unerwartet noch zwei starke Trümpfe aus. wodurch der Endsieg der Düring-Partei in letzter Minute sehr m Frage gestellt wurde. Der Anwalt des Majors hatte sich an den behördlichen Hei­matschutz gewandt mit dem Erfolg, daß dieses Amt die Fällung des Baumes der zu einem Heimatschutzdenkmal gehöre, untersagte. Gegen den Beschluß erhob nun wieder der Forstmeister Einspruch, und er drang nach langwierigen Verhandlungen mit seiner Ansicht bei Gericht durch.

Da erschien an einem Vormittag ein Ab­gesandter des Herrn Majors in der Wohnung der Witwe.Ich soll Ihnen mit« teilen", erklärte er förmlich,daß Herr Major die Grundstücksgren^e jetzt freige- macht haben will, wenn Sie in der Tannen­frage nicht nachgeben."

Das bedeutete für die Witwe einen schweren Schlag. Ihr Gartenhäuschen war seiner Zeit genau an die Markung der an­grenzenden Grundstücke gebaut worden. Um die Forderung des Majors zu er« füllen, mußte sie die Laube einreißen lassen, deren Rückwand wenige Zentimeter des fremden Bodens bedeckte.

In diesen Tagen wurde im Berufungs­verfahren der Klägerin abermals das Recht auf die Tanne zugesprochen. Sie nahm die Urteilsakte offen in die Hand, so wie das Gesangbuch beim sonntäglich«, Spaziergang, und ging damit zum Bruder, der draußen vor dem Ort ein Sägewerk hatte.Ich will dich fragen Christian, ob du mir zum Umlegen der Tanne die Ar­beiter stellen kannst."

Ja, das kann ich wohk", sagte der ein­fache, biedere Mann. Er ließ von der Ar­beit ab und wandte sich seiner Schwester zu.Einen schönen Stamm hat die Tanne, Schwester. Daraus könnte man allerhand machen."

Die Geschwister standen in der Abend­dämmerung vor dem Haus. Es war herbst­lich kühl. Eine Anzahl Burschen und Mädels zogen auf der Landstraße vorbei, mit verschränkten Armen eine Kette bil­dend. Der Anblick des Sägewerkes gab einem der jungen Leute in den Sinn, das LiedDort unten in der Mühle" anzu­stimmen. Die Geschwister vergaßen ihr Ge- spräch und lauschten dem in der Ferne Der» klingenden Lied von dem Tannenbaum, dessen Stamm in der Sägemühle zer­schnitten wird, und von dem der zu­schauende Wanderer sich ans Sterben er« innern läßt:

Du bists, für den wird werden, wenn kurz gewandert du, dies Holz im Schoß der Erden ein Schrein zur langen Ruh!

Die Melodie erlosch sanft und schwer­mütig in der Abenddämmerung:

Vier Bretter sah ich fallen, mir wards ums Herze schwer...

Der Frau war es wunderlich zumute ge« worden; sie wußte nicht, warum.

Ja, ja", sagte der Bruder leise.Vier Bretter . . . daran haben wir beide auch einmal genug . . . Es können auch vier Bretter von der Tanne sein, Hannchen!" Er trat auf die Schwester zu und ergriff in verhaltener Bewegung ihre Hände. Schwesterherz, schaff den häßlichen Streit nicht nur gerichtlich, font _n wirklich aus der Welt, und zwar dadurch, daß du die Tanne nicht umhauen läßt!" bat er ein« dringlich.Laß sie in Frieden leben, wie du selber auch den Rest deines Lebens in Frieden verleben mögest! lieberlaß den endgültigen Entschluß in dieser Frage deinen Kindern, die nach dir im Häuschen wohnen werden!"

Am nächsten Tage meldete der Major sich bei der Witwe.Frau Düring, die Tanne wird also wirklich umgehauen werden?" fragte er heiter und mit einer alles Häß­liche auslöfchenden Ritterlichkeit.Dann können wir ja wieder Freunde sein, gelt?!"

Frau Düring legte froh ihre Hand in die dargebotene Rechte und sagte einfach: Ob die Tanne umgehauen werden soll oder nicht, darüber mögen unsere Kin­der entscheiden. Ich lasse sie stehen. Mir genügt die gerichtliche Bestätigung, daß ich gegebenenfalls im Rechte wäre, den Baum umhauen zu lassen."

So machte der kampferprobte Major die Erfahrung, daß es leichter ist, bärtige denn eigensinnige Feinde zu besiegen. Die Tanne aber steht heute noch zur Freude aller Na­turfreunde und Kurgäste.