Nr. 293 — 12. Jahrgang
Fuldaer Anzeiger
Montag, 16. Dezember 1935
Stadt und Land
Wertet äusßditen für morgen -
Wetterbericht des Reichswetterdienstes, Ausgabeort Frankfurt am Main.
Veränderliches, doch überwiegend bewölktes Wetter mit Nlederschlagsneigung, nachts Frost.
Silberner Sonntag.
Käufer heraus ... so lautete der Schlachtruf für den gestrigen Sonntag, Käufer heraus ... so rief es aus den zahlreichen Anzeigen der Fuldaer Geschäftswelt den Kauflustigen entgegen. Und dieser Ruf ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Wenn man die Bilanz unter den gestrigen silbernen Sonntag zieht, so muß man feststellen, ' daß bei Geschäftsöffnung die Läden mit Käufern ebenso überfüllt waren, wie die Schaufenster mit den verschiedensten Auslagen und daß mit Einsetzen der Dunkelheit die Fülle in den Läden noch immer zunahm, während die Auslagen in den Fenstern um diese Stunde zu einem großen Teil schon ihren Besitzer gewechselt hatten. Es war ein rechter Kaufsonntag, jeden packte der Weihnachtszauber. Die brennenden Weihnachtsbäume in der Stadt strahlten in alle jene Liebe, die zum rechten Schenken gehört. Und hoffentlich werden die Fuldaer bei ihrem gestrigen Spaziergang durch die Stadt auch jene nicht vergessen haben, denen durch das Winterhilfswerk auch eine kleine freundliche Gabe auf den Weihnachtstisch gelegt werden wird.
Vom Bahnhof strömte am frühen Nachmittag eine kleine Völkerwanderung in die Geschäftsstraßen der Stadt, um gegen Abend mit Rucksäcken, Paketen und Päckchen beladen, wieder abzuwandern: Gäste aus dem Fuldaland, die in Fulda ihren Bedarf an Weihnachtsgeschenken eindeckten. Und wenn man aus ihrer Fracht auf den Umsatz und Geschäftsgang des Tages rückfchließen will, dann wird man annehmen dürfen, datz das Geschäft überall blühte nach dem Motto: Am kupfernen Sonntag wählten wir, am silbernen Sonntag kaufen wir, und am goldenen Sonntag ergänzen wir und erfüllen letzte Wünsche. Und nun kommt noch der „Goldene" und dann . . . und dann . . . morgen, Kinder, wird's was gaben . . . !
Weihnachtsfeier des Staatlichen Gymnasiums.
Eines darf man vorweg feststellen, diese Feier war nicht eine Vorweihnachtsfeier im allgemeinen, sondern sie schuf bei allen Teilnehmern eine rechte echte Weihnachtsstimmung. Und das lag wohl daran, datz alle erwirkenden bei dieser Feier nicht in allererster Linie ihr Können aus irgend einem Gebiete zeigen wollten, sondern mit ganzem Herzen bei der Sache waren. Deutsche Musik war es, die den Hörer in ihren Bann zog, eine deutsche Dichtung war es, die im Mittelpunkt der Veranstaltung stand, dem deutschen Empfinden entsprechend war die Feier aufgezogen und deshalb mutzte sie einen nachhaltigen Eindruck auf die Hörer hinterlassen. Um nur einiges aus der Fülle des Gebotenen zu erwähnen, war die Art und Weise des Vortrages des „Weihnachtsmärchens", von einem unserem besten Krieasdichter Walter Flex geschrieben, in dieser einfachen, schlichten Gestaltung, melodramatisch untermalt, wirklich dazu angetan, die zahlreich erschienenen Besucher in weihevolle Stimmung zu versetzen. Recht fein in jeder Beziehung war die musikalische Umrahmung, gleichviel ob sie als Chorgesang oder als orchestrale Darbietung gebracht wurde. Und allen Beteiligten gebührt dafür der Dank der Zuhörer. Der veranstaltenden Schule aber darf man mit gutem Gewissen nachsagen, datz die Pflege guter deutscher Musik bei ihr eine wirkliche Heimstätte hat. — -r-
Führertagung des Kreiskriegerverbands Fulda.
Am Sonntag vormittag fand in der „Traube" eine Führertagung des Kreiskriegerverbandes Fulda unter Leitung des Kreisführers Richter-Fulda statt. Nicht alle Kameradschaften waren vertreten. Der Kreisführer machte darauf aufmerksam, datz vom 31. Dez. ab die SA. 1 aufgelöst ist. Die Hakenkreuzbinde mit grauem Streifen sowie die SA.-L-Nadel dürfen nicht mehr getragen werden. Die Ausweise der SA.-L-Kameraden müssen dem Krersführer von den einzelnen Kameradschaftsführern bis spätestens 2. Januar eingesandt sein. Die seitherigen SA-L- Kompagnien bleiben auch fernerhin als Berechchafts- kompagnien bestehen. SA.-L-Kameraden bleibt es überlassen, evtl, in die SA.-Referve einzutreten. Die neuen Mitgliedsbücher, denen die neuen Kyffhäuser-Satzungen angefügt sind, gehen den Kameradschaften vom Kreisverband zu. Im Laufe des nächsten Jahres müssen in allen Kameradschaften Schießgruppen gegründet sein. Am o. Januar vormittags 11 Uhr läuft im Umon-Theater der Kulturfilm des Kyffhäuserbundes „ZM gleichen Schritt und Tritt". Am 19. Januar nachmittags 3^ Uhr wird Major a. D. Ritsch im Bürgerverein einen sehr mterestanten Vortrag halten. Nachdem noch Kamerad Milker Fulda dem Kreisführer Richter für seine geleistete Arbeit gedankt hatte, schlotz Kreisfübrer Richter die Tagung mit einem dreifachen Siea Heil auf den Obersten Heerführer.
Kleine Künstler.
Kinder vom städt. Kinderhort der NSV. stellen ihre
Weihnachtsarbeiten aus.
'Gestern, um 10 Uhr vormittags, war Eröffnung der Weihnachtsausstellung der Hortkinder. Wer ^waren die ersten Ve ucher? Natürlich die Künstler und Künstlerinnen selbst. Einige waren mit Recht anwesend, die hatten nämlich abwechselnd die Aufsicht und führten die Erwachsenen durch den Ausstellungsraum. Ein Mar aber, besonders ein
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Montag, 16. Dezember:
Union-Theater: Der Klosterjäger.
Europa-Lichtspiele: Der Schwur des ^rmas Beckiu^.
Neues Theater: Der tolle Bomberg.
Künstlerheim: Kunstausstellung.
Dienstag, 17. Dezember:
Union-Theater: Der Klosterjäger.
Europa-Lichtspiele: Kampf um den Piratenschatz.
Neues Theater: Tod über Schanghai.
Künstlerheim: Kunstausstellung.
Hinein in den Winter!
Winterfahrten mit „Kraft durch Freude!"
Nicht viele unserer Volksgenossen haben des öfteren eine Wanderung durch die majestätische Pracht einer Winter- landschaft unternommen, immer nur wenige waren es, die das zauberische Spiel der Natur genossen und Berg und Tal, Wald und Feld unter der diamantenen Decke des himmlischen Flockensegens liegen sahen, und denen all dies Schöne zum Erlebnis wurde, nachdem sie sich immer wieder sehnten. Das soll anders werden. Die NS.-Ee- meinschaft „Kraft durch Freude" will allen Volksgenossen, egal an welcher Stelle sie im Leben stehen, ob in der Fabrik, im Büro, im Bergwerk oder in der Werkstatt, ein solches Erleben vermitteln. Wirkliches Erleben bringt wirkliche Freude, und nur durch eine Freude, die das Herz erfüllt, erhält man neue Kraft und neuen Mut für den Alltag des Lebens.
Das Programm der „Kraft durch Freude"-Winterfahr- ten ist so vielseitig, datz man getrost behaupten kann, datz allen Wünschen entsprochen wird. Wer Weihnachten und Neujahr im Kreise von „Kraft durch Freude"-Kameraden verleben will, dem bietet sich Gelegenheit an einer Fahrt nach Schmiedefeld in Thüringen, in herrlicher Lage, am Rennsteig, zu beteiligen, sich dort zu erholen wo auch der Sportler gute Wintersportmöglichkeiten findet. Die Reise nimmt ihren Anfang am 25. Dezember in Kassel und endet ebenfalls in Kassel am 4. Januar 1936. Die Teilnehmerkosten betragen 39,50 Mark. Die 2. Winter
Das ist unser Ärteg
Fünf Sammeltage der Jugend.
In diesen Tagen wurde in der Oeffentlichkeit zum ersten Mal darauf hingewiesen, daß sich die Hitlerjugend in der letzten Vorweihnachtswoche, und zwar vom 18. bis 23. Dezember im ganzen Reich einheitlich unter dem gleichen Leitwort in den Dienst des Winterhilfswerkes stellt. Dieser Großeinsatz, der aus der Hitlerjugend heraus gewünscht und angeregt wurde, soll vor Jahresabschluß noch einmal der Welt beweisen, daß es Kampf für das große sozialistische Winterhilfswerk selbst bis in die letzte Woche des Jahres hinein kein Nachlassen gibt. Gleichzeitig soll aber auch bewiesen werden, wie der freudige Einsatz für dieses Werk wirklich von unten herauf getragen wird und gerade die Jüngsten der Nation den Ehrgeiz haben, im Dienst für dieses Werk die Besten, Eifrigsten und Erfolgreichsten zu sein.
Der Rahmen, in dem der Einsatz der Jugend für das WHW. verläuft, zeigt von vornherein den besonderen Charakter dieses Einsatzes an. Mit einem feierlichen Auftakt wird überall am Mittwoch, den 18. Dezember, der Kampf der Jugend für das WHW. beginnen. Alle bei der Sammlung beteiligten Jungen und Mädel werden an diesem Abend zu besonderen Standort-Appellen zusammengerufen, bei denen der Tagesbefehl des Reichsjugendführers zur Winterhilfsaktion der Hitlerjugend verlesen wird und im weiteren Verlauf ein politischer Leiter zu den jungen Sammlern und Sammlerinnen spricht.
Der Einsatz zur eigentlichen Sammlung beginnt am Donnerstag, und zwar sind der 19. und 20. Dezember als Tage der Nachmittags-Sammlungen angesetzt, bei denen die nichtwerktätigen Jungen und Mädel das bereits lange erwartete Weihnachtsabzeichen des WHW., das Holz- re i t e r l e i n aus dem Erzgebirge, verkaufen werden. Der 21. Dezember steht als Staatsjugendtag diesmal ganz im Zeichen des gemeinsamen kameradschaftlichen Einsatzes von Schüler- und Lehrerschaft für die Winterhilfssammlung der Hitlerjugend. An diesem Tage werden um 10 Uhr in den Schulen kurze Feierstunden, die von der Hitlerjugend im Einverständnis mit der Schulleitung ausgestaltet werden, noch einmal die Jungen und Mädel vereinen und so einen packenden Auftakt bilden für diesen dritten Sammeltag, einen Auftakt, der erneut die große und stolze Verpflichtung der Jugend zu äußerstem Einsatz im Dienste dieses Werkes herausstellen soll.
Der 22. Dezember, der letzte Sonntag vor Weihnachten, soll dann den Einsatz aller Kräfte bringen. Unter dem Leitwort: „Das ist unser Krieg . . . !". mit dem der tiefe volksgemeinschaftliche Sinn des Winterhilfswerkes wieder einmal allem Kriegsgeschrei der anderen entgegengehalten werden soll, bringt dieser Sonntag außerdem überall den Einsatz der HJ.-Musik- und Spielmannszüge, der Fanfaren und Trommeln, der Sing- und Sprechgruppen und damit zugleich den Höhepunkt dieser Winter- Hilfssammlung der Jugend.
paar Buben, die lungerten untätig herum, standen möglichst in der Nähe ihrer Kunstwerke. Diese Augen mußte man gesehen haben, wenn solch ein ausgesägter Kalender, ein Schlüsselbrett oder Fensterbildchen, das man doch selbst mit mehr oder weniger Mühe verfertigt hatte, gelobt wurde! Hei, das war ein Spatz! Das waren die Stillvergnügten! So'n paar kleine Wichtigtuer waren jedoch auch dabei. Deren Zeigefinger saß immer locker und zeigebreit, dem Blick des Besuchers doch ja nicht die eigene Arbeit entgehen zu lassen. Aber lassen wir ihnen ihren Stolz. Schließlich war er wirklich berechtigt. Denn was ha Kinderhände geschaffen hatten, ist wirklich bewundernswert: Angefangen beim 1. versäbelten Wurstbrettchen für die Mutter bis hinauf zum braungebeizten Märchenlampenschirm, dem Kalender mit dem alten Fritz, dem kniffeligen Handschuhkasten, der Weihnachtskrippe, und vom kleinen Stramin- Nadelkissen zum wollenen Umgang und Schal bis hinauf zur großen Kaffeedecke. Buben und Mädel haben gezeigt, daß man mit einem bißchen Geduld, Ausdauer und Fleiß viel Freude bereiten kann. Wie haben sich dann auch die zum Bestaunen gekommenen Mütter, Väter. Tanten und Großmütter über ihre Trabanten gefreut! Ja, manche Mutter konnte gar nicht begreifen, daß der Sohn, dieM. Galgenstrick, oder ihr Mädel, dieser Flattergeist, fo etm zustande hat bringen können. Es ist schwer zu sagen, m da froher war: die kleinen Handarbeiter oder die An^ hörigen, die sie mit den Arbeiten beschenken wollen.
Jedes Jahr ist das so, der Hort stellt das Material und jedes Kind darf nach Wunsch etwas für die Eltern arbeiten. Dann gehen die täglichen Schulaufgaben nochmal so schnell von der Hand. Kann man dann doch wenigstens gleich zu seinem Kaffeewärmer oder an den Aussägetisch. Jetzt liegt alles sauber auf den Tischen, fertig zum mit nach Hause nehmen. Die vielbewunderte Ausstellung ist vorüber, aber die Freude bleibt.
sportfahrt findet vom 3. bis 10. Januar 1936 nach Bischofsgrün und Warmensteinach im Fichtelgebirge statt. Für den Nichtsportler ist Gelegenheit zu schönen Wanderungen gegeben, für den Wintersportler ist hier ideales Sportgelände mit Sprungschanze vorhanden. Hier betragen die Teilnehmerkosten 35,0 0 JOI a r f. In der Zeit vom 12. bis 23. Januar des neuen Jahres findet die große Winterfahrt nach Pfronten i m A l l g ü u statt' Gerade der Allgäu ist für die „Kraft durch Freude"- Fahrer des Kreises Fulda einer der beliebtesten und bekanntesten Erholungsorte geworden. Es erübrigt sich daher, noch viel darüber zu sagen. Für diese 12tägige Urlaubsreise, mit Besuch von Würzburg und U 1 m betragen die gesamten Unkosten 59,50 Mark.
Das größte sportliche Ereignis Deutschlands, das mit den Olympischen Winterspielen, in der Zeit vom 6.—16. Februar 1936 seinen Anfang nimmt, hat auch die NSG. „Kraft durch Freude" veranlaßt, einen Urlauberzug in das A, "au, in das Aufnahmegebiet Pfronten, durchzuführen. Von hier aus besteht Gelegenheit zum regelmäßigen Besuch des Sportgeländes in Garmisch-Partenkirchen. Teilnehmerpreis ohne Besuch der Winterspiele 48,50 Mark.
Meldungen für alle vorstehend genannten Veranstaltungen nehmen die Orts- und Betriebswarte, sowie die Kreisdienststelle der NSG. „Kraft durch Freude" Lindenstraße 6, entgegen, wo auch weitere Auskünfte gern gegeben werden.
Wenn dann die festlichen Vorweihnachtstage hindurch die Sammelbüchsen der Pimpfe und Jungmädel, der Hitlerjungen und BDM.-Mädel mahnen, dann werden alle noch freudiger als bisher ihre Opferpflicht für das WHW. erfüllen und zugleich die Gewißheit gewinnen, daß heute eine Jugend diese wichtige Aufgabe trägt, in der der Gedanke der Verpflichtung dem Volke gegenüber und des freiwilligen Einsatzes und Dienstes für die Nation Selbstverständlichkeit geworden ist.
was ihr in Diesem Winter gebt,
Das gebt ihr nicht Oer Regierung,
Oos gebt Ihr Dem Deutschen Volke,
Das heißt: Ihr gebt es euch selbst!
Verbilligter Zucker für Bienenfütterung. Um dem steigenden Bedarf auf dem Honigmarkt gerecht zu werden, bat die Hauptvereinigung der deutschen Zuckerwirtschaft auf Veranlassung des Reichsernährungsministers dem Reichsverband deutscher Kleintierzüchter (Reichsfachgruppe Imker) zur Verbilligung des für die Bienenfütterung benötigten Zuckers einen Betrag in Höhe bis zu 1,5 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Der verbilligte Zucker soll im kommenden Frühjahr als Reiz- und Notfütterung dienen und im nächsten Herbst zur Einwinterung der Bienen verwendet werden.
Versammlungsruhe.
Auf Anordnung des Herrn Reichsministers Dr. Goebbels tritt wegen der bevorstehenden Feiertage eine Versammlungsruhe vom 15. Dezember bis zum 16. Januar 1936 ein.
Die für heute und morgen angesetzten Versammlungen ihr Gläserzell, Kämmerzell, Lüdermünd, Petersberg, Mar- ^/tenhaun, Stöckels und Böckels werden daher auf den - H^Ianuar verlegt. Sofort nach Ablauf der Ver- iummlungsruhe setzt eine stark erhöhte Tätigkeit ein, so daß, wie angekündigt, jedes Dorf im Laufe der Wintermonate ' mindestens eine bis zwei Versammlungen durchführt. Nachdem der Reichsministers in der bevorstehenden Festzeit die politische Tätigkeit eingeschränkt hat, wird erwartet, daß die kommenden Versammlungen und Kundgebungen auch von allen Volksgenossen besucht werden. Näheres wird rechtzeitig in den Tageszeitungen bekannt gegeben. Der Kreisleiter,