In Sorgen tapfer... ~
Einer unserer tiefsten deutschen Dichter, Gustav Frenssen, hat einmal eine Weih- Nachtsgeschichte geschrieben, die mit den Worten endet: „In Sorgen tapfer“. In der Erfüllung dieser Forderung sieht er die rechte echte Weihnachtsfreude, und er ruft uns zu: Ihr alle, die Ihr Sorge und Leid habt, die Ihr Euch quält und plagt, Ihr die Ihr durch Unglück und Leidenstage geht, bleibt tapfer!" Wenn Ihr die Prüfungszeit, die Gott Euch auferlegt, so verwendet, daß sie nicht verbittert, sondern vertieft, wird auch Euch das Adoentslicht angezündet und aus dem kleinen Flämmchen wächst das zweite, dritte und vierte Licht. Bis dann in der Heiligen Nacht ein Mensch vor seinem Schöpfer steht, der eins mit ihm geworden ist: bereit sich seinen Forderungen zu beugen. Und in seinem Herzen wird ein strahlendes Feuer auflodern, dessen lebensspendende Wärme so geawltig ist, daß sie Kraft gibt für ein neues fruchtbares Jahr. Darum, sollen wir tapfer bleiben!
Bummel über den Weihnachlsmarkt
Durch die Reihen zieht vorweihnachtlicher Duft Buden und Stände locken zum Verweilen Man bewundert die Auslagen und wünscht sich all die Herrlichkeiten, um mit ihnen seine Lieben zu erfreuen. Volkskunst-Schnitzereien geblasenes Glas, heimischer Schmuck, Krawatten, Kisien, Zigarren- und Zigarettenetuis, Notizblocks, Terminkalender, Halstücher, Pantoffeln, Lampen und Bücher, sie alle stehen aufmarschiert und werben um die Gunst, auf dem Weihnachtstisch zu prangen. Die schönsten Spielsachen verführen zum Kauf! Und für Kusine Grete, für Elschen und Hertha gibt es Ketten und Armbänder, Frisierjäckchen, praktische und unpraktische Dinge, Services und Kisien, Servietten, herrliches Leinen und Tausenderlei, zu dem sie sich ganz bestimmt freuen werden. Doch dann sammt der brave Verstand und paßt auf, daß wir unsern Geldbeutelinhalt nicht überschreiten. Die vorsichtige Frau hat daher einen Zettel in der Tasche, der lange fertig ist, bevor sie den Weihnachtsmarkt betritt. Sorgfältig vermerkt steht hinter jedem Namen das Geschenk und der Preis, den sie im Höchstfall dafür anlegen kann. „Wirklich, nur so sollte man eintaufen" Das Herumsuchen, jo reizvoll es im Augenblick sein kann, verführt zu Unüberlegtheiten, die man vitter bereut, wenn man nach geschlagener Schlacht in der kleinen Konditorei sitzt, es sich bei Kaffee und Kuchen wohl sein läßt und nochmal in Gedanken das Gekaufte prüft.
Etwas vom Schenken
Wir bringen eine Reihenfolge praktischer Geschenk-Beratung, durch die wir unsern Lesern die Verantwortung für den Kauf erleichtern wollen.
Die Schriftleitung.
Porzellan und Elas. Bei der Anschaffung eines Eß-Services soll man sich immer von dem Gedanken leiten lasten, daß es ergänzbar sein muß. Nichts wirkt so ungepflegt in einem Haushalt, wie Eßgeschirr mit zerstoßenen oder gar zerbrochenen und angeschlagenen Gegenständen. Man wird daher zweckmäßig eine Preisgestaltung heraussuchen, aus der großen Fülle des Angebotes, die dem Beschenkten einen Nachkauf ohne Schwierigkeiten ermöglicht, und die trotzdem das Höchste an Geschmack bietet. Gerade das Porzellan ist ein Gebiet, dessen kultursteigernde Wirkung in vielen Familien immer noch unterschätzt wird.
Das Kaffee-Service muß den gleichen Ansprüchen gerecht werden, nur ist bei ihm Wert darauf zu legen, daß die Kannen und Milchtöpfe nicht tröpfeln und daß die Tassen möglichst fest auf der Untertaste stehen, also auf Schmuck-Füßchen verzichten! Die Tasten sollen auch nicht zu klein sein und das Muster nicht zu bunt! Man denke immer daran, daß man diese Gegenstände jahrzehntelang täglich sehen muß!
Porzellan in der Kunst. Edles Porzel- lan dient sehr häufig als Material für kleine Kunstwerke. Wir haben Leuchter, Fruchtschalen, Lampen, Aufsätze, Teller, Aschenbecher und sonst noch vielerlei, was aus ihm hergestellt wird.
Auch das Glas-Service soll so gewählt werden, daß man es ergänzen kann. Auf Verschnörkelungen verzichte man Leitender Grundsatz für den Kauf muß sein, aus welchen Gläsern trinkt man die jeweilige Flüssigkeit am besten? Rotwein gehört in hauchdünne, breitauslaufende bauchige
Gläser, Sekt im Spitzglas ist ein über- Holter Begriff, man genießt ihn am besten aus der modernen, halbschlanken, sich nach oben verbreiternden Form. Liköre und Kognak schmecken am edelsten aus weiten Schalen; Rhein-, Pfalz- und Moselwein trinkt man aus der üblichen Form, Bier kann man aus dem richtigen Bierglas trinken, es soll nur nicht zu dick sein! Das Wasierglas hat ebenfalls seine Form als die allein richtige beibehalten, Mineral- Wassergläser sind wesentlich kleiner, sonst genau wie das Wasserglas.
Steingut-Service können wunderhübsch sein. Die Besonderheit des Materials er- laubt Buntheiten und Farbtönungen, auf die man sonst verzichten muß, die aber durchaus geeignet sind, einen einfachen Tisch immer freundlich und heiter zu ge- stalten. Entschließt man sich zu einer Stein- gut-Anschaffung, so muß man darauf Obacht geben, daß es hartgebrannt ist, sonst würde die Freude nicht allzulange dauern.
Elas-Service für Tee, Obst usw., erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit.
Feuerfestes Elas hat sich im Haushalt als äußerst praktisch erwiesen und kann als Geschenk warm empfohlen werden.
Ein paar Geschenke für den Hausherrn
Ein hübsches, stets willkommenes Weihnachtsgeschenk ist ein Morgenrock aus römisch gestreiftem Flanell,
ein Gutschein vom Schneider für eine Anzahlung für einen neuen Anzug oder für den Smoking, der schon seit einigen Wintern jedes Jahr bestimmt neu ange- schafft werden sollte.
Die Perle für das Frackhemd. Sie muß nicht unbedingt echt sein, eine gute Nachahmung tut es auch,
eine schwarz-seidene Brieftasche für den Gesellschaftsanzug, evtl, mit einem kleinen Monogramm in einer Ecke, oder
falls der Hausherr irgendeine Zeitschrift hält, die Hefte als Jahresausgave gebunden.
Was noch alles erledigt werden muß
Die große Wäsche muß besorgt werden, damit kurz vor dem Fest durch sie keine Ungemütlichkeit oder Hetzerei entsteht. Baumschmuck und Lichte kaufen; bekanntlich sind diese Artikel am Heiligen Abend oft nicht mehr zu haben.
Der Tannenbaum wird geholt, Einladungen werden verschickt, Briefe geschrieben. Pakete, die nach außerhalb gehen, werden zur Post befördert. Die Provtantierung für die Feiertage wird besorgt, soweit es sich um unverderbliche Lebensmittel handelt. Das
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Das Kasakkleid beherrscht die Mode des Nachmittags in den kommenden Monaten. Man hält es kaum für möglich, wieviel Phantasie man auf diesem Gebiet entfalten kann. Entscheidend für die Vorliebe, die man diesem Anzug entgegenbringt, ist wohl der Umstand, daß das her- vorsehenoe Stückchen Rock eine harmonische Wirkung zu den meist schwarzen Wintermänteln erreicht.
Außerdem lasten sich nicht mehr ganz moderne Kleider zum Kasak umwandeln. Röcke werden aus noch älteren Kleidern gearbeitet, da man nur sehr wenig Stoff braucht, wenn er an einen Futterrock angesetzt wird. Plistees Pelz, Rüschen, auch Brokateffekte und Stickereien wetteifern miteinander, ihn ins beste Licht zu setzen.
Ehe der Frühling kommt, macht sich in der Hutmode noch ein Aufschwung bemerkbar, der nur für winterliche Beleuchtung geeignet ist und mit den ersten Sonnenstrahlen verschwinden wird: der abstehende Schleier, unglaublich kleidsam ist dieses durchsichtige Nichts, das um den Hutrand herumgelegt wird und das Gesicht einrahmt.
Wer jetzt schon an die Frühjahrsgarderobe denken muß, beherzige die Nachricht, daß Jacken und Jackenkleider bevorzugter sein werden als Mantel.
Festesten wird aufgestellt, Kleingebäck wird gebacken, und am Tag vor dem Heiligen Abend wird der Christbaum geschmückt. Am 24. Dezember wird morgens der Tisch gedeckt, und das Abendesten weit- möglichst vorbereitet, damit die Mutter ab Mittag frei ist und sich ganz der Weih- nachtsstimmung und ihrer Familie widmen kann.
Modische Kleinigkeiten
Es ist schon ziemlich lange her, daß sich die Mode militärisch gezeigt hat. Aber in diesem Herbst und Winter holt sie es nach, denn die Treffen und Schnüre aus Baumwolle, Wolle, Seide oder Metall finden sich nicht nur als Husarenschnüre auf Blusen, Mänteln und Kleidern, sondern auch auf den Hüten, besonders auf den Glocken aus Samt. Man sieht auch sonderbare, von antiker Kunst inspirierte Ornamente auf Gürteln oder Handtaschen wie goldene Löwen oder Vogelköpfe, die dem alten Aegypten heilig waren. Wahrscheinlich, gibt sich da irgendeine neue Form von altem Aberglauben zu erkennen. Ob die, die einen, mit goldenem Löwen geschmückten Gürtel erstehen, glauben, daß sie damit das Glück erkauft haben?!
Die Handschuhe stimmen immer mehr und mehr mit den Kleidern und Hüten überein, und nicht selten findet man Stickereimotive auf ihnen wieder, die jene schmücken.
Wir wollen schön sein, aber nicht aufgeputzt, keine teuren und lächerlichen Modepuppen. Wir wollen uns ein bißchen Mühe geben, das geht auch ohne viel Geld. Hier das Rezept:
Einmal in der Woche sollte, wenn es möglich zu machen ist, ein warmes Vollbad genommen werden. Es gibt heute auch auf dem Lande fast in jeder Schule ein Brauseoder Wannenbad, das den Anwohnern zur Verfügung steht.
Und dann: laßt Licht, Luft und Sonne so oft wie möglich an euren Körper, dann kann auch die härteste Arbeit uns nichts anhaben, und wir bleiben lange Jahre hindurch gesund, frisch und adrett.
Jede Frau wird wissen, wie sehr der Eindruck ihrer Erscheinung mit gut gepflegtem Haar zusammenhängt. Darum wird sie immer bemüht sein, es sich zu erhalten. Regelmäßige Waschungen die alle 8 bis 14 Tage stattfinden und mit reiner, sodafreier Seifenlauge ausgeführt werden, gründliches Spülen, dem man bei der letzten Eiegung einen Schuß Essig hinzusetzt,
damit auch die kleinsten Teilchen Seife, t'e sich noch im Haar befinden, gelöst werden, sind die Grundlagen einer Haarpflege. Tägliches Kämmen mit einem weitzähni- gen und mit einem engen Kamm undkräj. tiges Bürsten, damit die Kopfhaut frisch durchbluten kann, verschaffen einen schönen weichen Glanz Reißen und Zerren ist immer, zu vermeiden. Kurzes Haar muß alle drei Wochen geschnitten werden, der Nacken wird einmal wöchentlich nachrastert. Wer an Kopfschuppen und Haarausfall lei- det, versuche einmal folgendes Mittel: 30 Gramm Rizinusöl, 8 Gramm Jaboranditinktur, 8 Gramm Chinatinktur, 8 Gramm Nosmarintinktur und reibe bawt täglich einmal die Kopfhaut ein.
Alle 8 Wochen sollte man eine Oelpackung machen. Dazu befeuchtet man die Kopfhaut strichweise mit Oel, setzt hinterher eine weiche Eummikappe darüber, und wäscht erst am nächsten Morgen Haar und Kopfhaut gründlich in der gewohnten Weise aus.
Sehr wichtig ist die Pflege der Füße. Unendlich viele Schmerzen könnten vermieden werden, wenn man sie nicht so stiefmütterlich behandeln würde. Warme Seifenbäder, wenn man mit den Füßen durch Staub gegangen ist, und tägliche kalte Waschungen sind unerläßlich. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß man in Pantoffeln ausruht. Wenn der Körper schwer ist, wird die Belastung für unsern, durch Jahrhunderte entarteten Fuß zu groß, und es entsteht Senkneigung.
Ueber die Gefahren der einseitigen Ernährung
Es muß immer wieder vor einseitiger Ernährung gewarnt werden. Man mutz wissen, daß rohe Kost den Darm reizt, leicht Blähungen hervorruft und daher bei der kleinsten Empfindlichkeit oder Entzündung des Darmes vermieden werden soll. Gleichzeitig können die Blähungen, di« übrigens auch bei einseitig vegetarischer Kost auftreten, für Herzkranke gefährlich werden, da sie das Herz hochdrücken und Atemnot befördern.
Salzarme Kost hat bisher wenig positive Schädigungen ergeben, jedoch kann durch allzu großen Salzverlust starkes Schwitzen und Durchfälle verursacht werden.
Das Richtige ist, gemischt zu essen und rechtzeitig aufzuhören. Auch wenn es gar so gut schmeckt, darf es nicht geschehen, daß der Magen drückt und deutlich zu verstehen gibt: jetzt ist es genug.
Weihnachts-Gebäck aus deutschen Gauen
Mecklenburgische Pfeffernüsse. 2 Pfund Sirup, % Pfund Zucker, 1% Pfund Mehl, je ein Teelöffel Zimt und Nelken, beides gestoßen, 25 Gr. in heißem Wasser aufgelöste Pottasche und 10 Gramm Hirichhornsalz, % Pfund Butter, % Pfund Schmalz.
Der Sirup wird heiß gemacht und mit den Zutaten sehr gut verknetet. Man gibt die- ien Teig in eine irdene Schüssel, deckt ihn lose mit einer Serviette zu und läßt ihn acht Tage auf einem warmen Kachelofen stehen. Dann sticht man Formen aus oder setzt kleine Häufchen auf ein Backblech und läßt sie schön braun, oder nicht schwarz backen.
Badische Zimtsternchen. Ein Teig auS 125 Gr. Butter. 200 Gramm Mehl, 50 Gramm Kartoffelmehl. 2 Eßlöffeln Honig, 2 Teelöffeln Zimt, 125 Gramm Zucker und einem Ei wird auf dem mehlbestreuten Backblech ausgewalzt und zu Sternen ausgestochen. Man überzieht sie nach kurzem Trocknen auf einem mit Wachs bestrichenen Blech mit einem Guß von steifem Eiweiß, Puderzucker und einer Messerspitze Zimt und bäckt sie in nicht so heißen Ofen.
Rheinischer Honigkuchen. Zwei Pfund Honig kochen, bis er Blasen wirft. Dann läßt man zwei Pfund Zucker in % Liter Wasser zergehen und schüttet sie zu dem Sirup. Wenn die Mi- schung kühl geworden ist, rührt man zwei Pfund Weizen- und zwei Pfund Roggenmehl darunter. Nun wird er einige Tage an einem kühlen Platz gelagert und leicht zugedeckt. Bor dem Backen verknetet man den Teig mit 15 x gemahlenen Nelken, 20 Gramm gemahlener Ingwer, !4 Pfund fein hacktem Zitronat und einem Pfund zerhauten Haselnüssen. Man rollt die Masse 1 Zentimeter dick aus und sticht beliebige Figuren daraus. Ein Teil des Gebäcks bekommt zur Verschönerung Sternchen aus Mandeln, die vor dem Backen aufgesetzt werden, der andere wird nach dem Backen mit einem dicken Schkoladenguß bestrichen.
Lübecker Marzipankartoffeln. 1 Pfund süße Mandeln werden schnellgebrüht und abgezogen, dann zwei Stunden in kaltes Wasser gelegt sind gut getrocknet. Am andern Tag werden sie ein paarmal durch eine feine Mühle getrieben. Dann knetet man auf einer mit Zucker bestreuten Platte 1 Pfund gesiebten Puderzucker, 4 bis 6 Eßlöffel Rosenwasser und 20 Gramm bittere Mandeln ungefähr eine Stunde lang darunter. Aus dieser Masse werden kleine Kugeln geformt, die in Kakao oder Zimt gewälzt und zum Trocknen weggestellt werden.
Berliner Schokoladenherzen. 500 Gramm Mehl. 500 Gramm geriebene Schokolade, 80 Gramm Butter, eine Messerspitze Vanillezucker, 2 Eier und ein halber Kaffeelöffel Natron werden mit etwas Milch zu einem Teig geknetet, der sich gut aus- rollen läßt. Dann sticht man kleine Herzchen aus, die bei mittelmäßiger Hitze rasch gebacken werden. Dann bestreicht man sie mit einer Zucker- oder Schokoladenglasur. Man kann sie vor dem Back«» auch mit halben Mandeln garnieren.