Hein und der Hai
Eine Eismeer-Begebenheit, erzählt
Bor Kanlnstaia Semlja, am Ausgange des Weißen Meeres setzten wir zum ersten Male das Netz aus. Wir schleppten vier geschlagene Stunden und hievten dann. Das Ergebnis war wider Erwarten mager - zehn Korb Steinbeißer, wenige Schollen und allerhand Gemmel, den wir über Bord wer en mußten. Ein zweites Mal, setzten wir nicht aus. Wir dampf en weiter, einige vierzig Meilen unter Land, Nord zu West aerade- wegs auf die Landmarken der Insel Kolguiew zu Lic Lanö' marken Kolgujews lollten wir auf dieser Reise' nie leben
Nach,- Mette eine steife teils auf,' di-stch «en M-mü mm Sturm verstärkte. Wir rollten hart und nahmen tüchtig Wasser übvr. Unseren Messungen nach waren wir längst über unseren Fangplatzen,, aber wir konnten angesichts der tobenden Wasser kern Netz aussttzen. Wir mußten uns treiben lassen fast ziellos, so, wie wir den schlechten Wettern am besten auswictzen Wir trieben mit gedrosselten Maschinen um' eine ausgesetzte Leuchtboje herum. Tausende Möwen folgten girrend unserem Kielwasser, und mit diesen Möwen begann unsere schwere Reit an die wir heute nur mit Grausen denken können '
Während des Treibens hockten wir vorn im Logis und vertrieben uns die Zeit des Untätigseins mit allerhand Allotria Wir spielten Karten, wir knobelten, sangen, lachten und dösten Langeweile packte uns, und darum nur konnte es geschehen daß einer von uns, Hein Kleven der Netzmacher, etwas tat, was ein rechter Jammat nie und nimmermehr tun durfte: Hein Kleven sing muhelos ein. erschöpfte Möwe und brachte sie'ins Logis Das Tier flatterte aufgeregt zwischen den Kojewänden, es stieß überall hart an, es girrte und schrie, daß es uns durch Mark und Bein ging. Wir wußten von der alten Sage, die berichtet. Saß die Möwen die Se len verstorbener Matrosen bergen, und wir bettelten und drohten Hein Kleven, das Tier schnellstens wieder freizulassen. Hein Kleven lachte uns aus. Wir seien abergläubische Dummkopfe, sagte er. Nicht im geringsten denke er daran, die Möwe freizulassen. Einen Verschlag werde er bauen und sie darin mit heimnehmen zur Freude seiner Kinder. Wir fürchteten Hein Klevens Kräfte; ia, wenn wir gewußt hätten, was dieser blödsinnige Möwenfang für Folgen nach sich zog, dann wären wir trotzdem auf ihn gestürzt. Die Möwe hätten wir schleunigst freigelassen. So aber waren wir allesamt feig und obmdrein kurzsichtig. Ach ...
Hein Kleven baute wirklich einen Verschlag. Die Möwe sperrte er darin ein und brachte ihn ins Kabelgatt, das zu betreten uns verboten war.
Die Zeit schlich träge übers Meer. Die Helligkeit nahm zusehends ab.^die eintönige Polarnacht brach an. Wir dampften drei volle Tage inmitten einer kalten Nebelbank; die Wasser ringsum kochten und brodelten aber sie waren unfassbar fern. Der Nebel fraß alles: das Schiff, das Meer, den sonst sternenklaren Himmel.
Endlich, am vierten Tage zerriß der Nebel, der Sturm hatte sich gelegt, und die darauffolgende Dünung erwies sich als erträglich. Bei klirrendem Frost warfen wir das Backbordnetz über die Reling. Drei Stunden später holten wir ein. Gespannt lugten wir nach dem Netzsteert. „Heiliger Neptun!" stotterten wir, „een groter Hol!" Der Fangplatz war richtig gewählt: zumindest achtzig Korb guten Fisch brachte uns der erste Hol! Wir zürnen die Leinen und holten den Netzbeutel über. Hau-ruck, hau-ruck! Wild schlugen die Fische im engen Beutel, der langsam über die Reling schwebte. Schon wetzten wir die Schlachtmesser, schon stellten wir die Lederkörbe bereit — da fluchten wir auf. Der Beutel zerriß wie Zunder, und der ganze Fang sackte vor unseren Augen zurück ins Meer. Hein Kleven zuckte zusammen, er fühlte seine Schuld. Wir spien vor ihm aus, und keiner ging ihm zur Hand, als er das Netz, das an spitzen Grundsteinen zerrissen war, flieste. Ganz allein hockte er an Deck, schwer führten seine klammen Finger die Flicknadel.
Wir setzten das neue Steuerbordnetz aus, schleppten die not- wentiiae Kell und holten bann ein. Die Dunkelbeit nahm derart
DW?- Selbstlos soll unser Dienst am Vaterland sein! Denkt daran, wenn die Hitlerjugend vom 19. bis 22. Dezember »hren Opfergang geht.
von Herbert Reinhold.
zu, daß wir trotz unserer starken Lampen keine zwei Meter weit sehen konnten. Vorsichtig nahmen wir den Beutel — oh, war er voll! — über die Reling nach den Schotten. Der Verschluß wurde niedergerissen, wir warteten auf das gewohnte Poltern... Wir glaubten unseren Augen nicht zu trauen. Narrte uns wer? Doer? Klack, klack und bum, das war nicht das lustige Poltern der silbernen Fischleiber, das war...
Kurz und gut: wir hatten insgesamt drei grüne Schneehasen, einige Krebse, zwei winzige Schellfische und einen ausgewachsenen Grundhai in den Schotten. Ein Hai im Netz war hier oben keine Seltenheit, aber zumeist fingen wir diese gefährlichen Fischfresser mit vielen anderen Seetieren. Uns wurde unheimlich zumute. Ein Hai im Netz! Ein Hai allein! Seine kleinen Augen strahlten Tücke und Bosheit, mit der mächtigen Schwanzflosse schlug er wild, und es schien uns, als lachte er uns allesamt aus. Wir hätten ihn in Stücke zerschnitten, so erbost waren wir. Aber wir waren erfahrene Hochseefänger, die wußten, was sich schickte. Wir unterdrückten unseren Grimm und ließen Hein Kleven, der von jeher dieses Amt übernahm, an seine Arbeit gehen. Hein näherte sich dem Vieh; gewandt schlang er eine Seilschlinge um die Schwanzflossen, wir ließen die Wintsch laufen, daß der Hai — wohl gute zwanzig Zentner mochte er haben — hochgehievt wurde. Hein stieß ihn über die Reling und machte sich eben daran, mit einem einzigen Schnitt die Steertflosse vom Rumpf zu trennen — so töteten wir unseren Feind, der Rumpf klatschte gewöhnlich ins Wasser, wo er blutend versackte —, als sich plötzlich die Seilschlinge lockerte und der Hai lautlos in die Tiefe fiel. Heins Messer, das tief in der Schwanzflosse steckte, verschwand mit.
Armer Hein Kleven! Uns tat der Jung mit einem Male leid. Hein zerfiel unter seiner Schuld. Die Möve ließ er frei, aber es war schon zu spät...
Unser Käppen war keinesfalls abergläubisch, aber auch ihn überkam das Gruseln, als wir beim nächsten Netzhieven den Hai abermals einholten. Hein Klevens Messer steckte dem Vieh noch bis zum Heft in der Schwanzflosse Wieder schien es uns, als lache uns der Hai aus, und wieder traten wir zurück. Hein 'even an die Arbeit zu lassen. Hein sträubte sich, aber er tat, wenn auch widerwillig, seine Pflicht. Wieder band er die Seil- schlinge fest — dabei bekam er eins mit der Seitenflosse weg, daß es ihm die Haut vom Oberschenkel riß —, wieder lärmte die Wintsch, und — wieder löste sich die Schlinge...
Was soll ich sagen? Beim nächsten Hol — natürlich hatten wir wiederum nur den Hai im Netz _ erging es uns nicht anders, obwohl wir Hein Kleven, der zu nichts mehr zu gebrauchen war, die Arbeit abnahmen. Wir verloren drei Messer und ein neues Tau. Die Wintsch hatte sich aus irgend einem Grunde verheddert, und das Tau riß auf geheimnisvolle Weise. Der Hai entkam.
Wir änderten sofort unsere Position, denn daß es fo nicht weitergehen konnte, lag auf der Hand. Kolgujew ließen wir dwars liegen. Wir dampften aus die Karastraße zu, wo unser Käppen gute Fangplätze wußte.
Wir hätten während des Dampfens Zeit genug gehabt, uns um Hein Kleven, der fiebernd in seiner Koje lag — Salzwasser war in feine Wunde gekommen, nun eiterte der Oberschenkel bösartig —, zu kümmern. Aber wir ließen ihn, der doch unser Kamerad war, hilflos liegen. Ja, eine Schuld reiht sich an die andere... Hein war für uns ein Gezeichneter.
Vor der Karastraße trafen wir auf das erste Treibeis. Die See war glatt wie Oel, blau und weiß geisterten die Eisschollen. Vor uns dehnte sich niedrig die unendliche Tundra der Insel Nowaja Semlja. Angesichts der Landmarken warfen wir das geflickte Backbordnetz aus ...
„Fluch über uns!" jammerten wir zwei Stunden später. Es hatte plötzlich einen harten Ruck gegeben, der ganze Eimer zitterte eine Weile nach, daß wir glaubten, wir seien aufgelaufen. Wir waren nicht ausgelaufen, aber unser Netz mitsamt den Scherbrettern zum Teufel. Einfach weggerissen ... Welch eine Schande! Ohnmächtig schrien wir uns unsere Wut aus den Leibern. Drei Tage nur noch konnten wir uns über den Fangplätzen halten. Unser Kohlenvorrat wurde knapp.
Unser Käppen war der einzige, der die Ruhe behielt. Klar gab er seine Befehle. Noch einmal sollten wir das Steuerbordnetz auswerten. noch einmal...
Hein Kleven stand dabei, als wir hievten. Es war kurz nach Mitternacht. Wir zurrten, was die Kräfte hergaben. Der Beutel schoß hoch. Wir zitterten um einen guten Hol
Es war vergebens. Diese Reise war uns verdorben. Das Satansvieh von Hai — wir erkannten ihn an der verwundeten Schwanzflosse — war uns gefolgt und zum vierten Male ins Netz gegangen. Brüllend stürzten wir uns über den rauhhäutigen Kerl, .^ein Kleven war uns voran. In blinder Wut stach er auf das Tier ein. Riesige Stücke schnitt er aus dem bald toten Fisch. Die Stücke ichleppte er zur Reling und warf sie über Bord.
Wir beruhigten uns bald. Wir rissen die Augen auf und beobachtetet. Hein Kleven, der wie ein Irrer wütete. Jetzt warf er den letzten Rest des Hais, die mächtige Schwanzflosse, über die Reling. Hein strengte sich dabei tüchtig an, mit den Füßen kletterte er im Eifer auf die untere Querstange der Reling. Und es gelang ihm... aber der Schwung riß den Tobenden mit. Ein wilder Schrei — und ehe wir es hindern konnten, stürzte Hein Kleven über Bord.
Was bringt der Rundfunk?
Reichssender Frankfurt.
Frankfurt: Samstag, 14. Dezember
6.00: Choral, Morgeuspruch, Gymnastik. 6.30: Gleiwip: Fröhlich klingt's zur Morgenstunde. — In der Pause 7.00: Zeit, Nachr. 8.00: Wasserstand, Zeit, Wetter. 8.15: Stuttgart: Gymnastik. 8.45: Bauernfunk. 9.00: Nur Frankfurt: Nachr. 9.15: Nur Kassel: Kleines Konzert. 10.00: Nur Freiburg: Nachr. 10.15: Hamburg: Schulfunk: Widukind, der Sachsenherzog. Hörspiel. 10.45: Sendepause. 11.00: Nur Frankfurt: Werbekonzert 11.35: Meldungen. 11.45: Sozialdienst.
12.00: Karlsruhe: Bunces Wochenende. — Dazw.: 13.00: Zeit, Nachr 14.00: Zeit, Nachr., Wetter. 14.10: Vom Deutschlandsender: Allerlei zwischen zwei und drei. 15.00: Wirtschaftsbericht. Zeit, Wirtschaftsmeldungen 15.15: Bad Kreuznach: HJ.-Funk.
16.00: München: Zwei Stunden Münchener Gemütlichkeit. 18.00: Vor Philippsburg der Franzmann lag . . . Die schlichte Tat eines Schwarzwälder Rekruten. 18.20: Stegreifsendung. 18.30: Das Mikrophon unterwegs. 18.40: Wochenschau. 18.55: Meldungen.
19.00: Gießen: Unterhaltungskonzert. 19.55: Ruf der Jugend. 20.00: Zeit, Nachrichten 20.10: Vom Deutschlandsender: Guten Abend, lieber Hörer. Eine fröhliche Geburtstagsfeier. 22.00: Zeit, Nachrichten. 22.10: Nachr., Sport, Wetter 22.15: Dein Buch unterm Weihnachts- baum. Biographien und gefchichtliche Romane. 22.30: Gr. Unterhaltungskonzert. 24.00: Stuttgart: Nachtkonzert.
Deutfchlandsender.
Deutschlanvsendcr: Sonnabcnv, 14. Dezember
6.00: Guten Morgen, lieber Hörer! Glockenspiel, Tagesspruch, Choral, Wetter 6.10: Berlin: Gymnastik. 6.30: Fröhl. Morgenmufik. Dazw 7.00: Nachr 8.30: Sendepause. 9.00: Sperrzeit. 9.40: Kleine Turnstunde für die Hausfrau. 10.00: Sendepause 10.15: Gegen Hunger und Kälte! Funkberichte von der Herstellung der Winterhilfsplaketten. Otufn.) 10.45: Fröhl. Kindergarten. 11.15: Seewetterbericht. 11.30: W. Specht: Naturwissenschaft!. Kriminalistik. 11.40: W Laube: Vom Wildling zur Kulturpflanze: anschließend: Wetter
1 2.00: Saarbrücken: Musik zum Mittag Dazw. 12.55: Zeitzeichen 13.00: Glückwünsche. 13.45: Nachr 14.00: Allerlei von zwei bis drei 15.00: Wetter, Börse. Programmbin- weise. 15.15: Dchulsorgen des Jungmädels. 15.30: H. Ruban: Wirtschaftswochenschau 15.45: Eigen Heim — eigen Land
16.00: München: Zwei Stunden Münchener Gemütlichkeit. 18.00: Volkstänze — Volkslieder. 18.40: Sportwochenschau.
19.00: Von der Donau bis zur Wolga. Barnabas o. Geczy spielt — 19.45: Was sagt Ihr dazu? Gespräche ans unserer Zeit. 20.00: Kernspruch: anschl.: Wetter u. Kurznachrichten. 20.10: Guten Abend, lieber Hörer! Eine 'röhliche Geburtstagsfeier 22.00: Wetter, Nachr., Sport. lnfd)l.: Deutschlandecho 22.30: Eine kleine Nachtmusik.
22.45: Seewetterbericht 23.00: Barnabas v. Geczy und 'Adalbert Lutter spielen zum Tanz!
WNLLLk-skLurLreuur^ vvkcu.veLt^a oskar /mister, werdau
14) (Nachdruck verboten.)
So, alles andere konnte er Yente abend erledigen.
Hofer schloß die Geschäftsbriefe in seinen Schreibtisch und ging dann nach der Fabrik hinüber. —
Am andern Tage war es strahlend schon, als Ernst auf der Waldwiese wartete. Und Dani kam! Kam ihm entgegengefütrat, laut aufweinend.
Ganz fest nahm er sie in feilte Arme, strich beruhigend über ihr schönes Haar, das er so liebte. Dann küßten sie sich. Und im Herzen des Mannes, dem eine Frau einst so weh getan, stieg es heiß und dankbar auf. Seine ganze Liebe und Zärtlichkeit verströmte er über das schone junge Geschöpf. „ . *, , .
Der schützende Wald nahm sie auf. Es duftete und reiste ringsum. Allerlei Getier huschte über den schmalen Weg, auf dem sie jetzt dahinschritten. Kein Menfch
war in der Nähe. . . . „ . .
„Gegen halb zwei Uhr muß tch daheim sein, Jagte Dani und schmiegte den Kopf an die Schulter des Geliebten. Ihre schonen Augen blickten ernst in die des Mannes.
„Wirst du nach deiner Rückkehr zu Mama kommen?
„Gewiß, wenn du es dann noch willst, Dani.
Sie lächelte zu ihm auf. v
„Du sprichst so seltsam. Ich liebe dich doch und warte auf dich, Ernst."
„Dani!" ..... „ .
Er blieb stehen, hob sie zu sich empor, küßte sie lange und heiß.
„Dani, kleine Dani, ich komme bestimmt!"
„ Die Waldesstille war verwirreud. Das Mädchen strebte plötzlich von dem Manne fort, desten Herz wie rasend schlug.
Ich muß - ich will lieber gehen, Ernst.'
„M es ist wohl besser. Hier, nimm bitte diesen Nmg, Dani. Trage ihn immer und denke an mich. Und sage deiner lieben Mutter, daß ich bald kommen werde, weil rch. selbst das "größte Interesse daran habe, meiner einen Dani möglichst bald ein Heim und meinen tarnen zu geben." , . .. „
»Ernst, wie gut du bistl Ich habe ja me an dir ge' zweifelt, es war nur, weil die Schwestern so hart denken.
Aber ich will schon an deiner Seite stehen, wenn Wtama erst weiß, daß du es ehrlich mit mir meinst. Und sie stellt sich meinem Glück nicht 'm den Weg, das weiß ich ja."
„Dann ist alles gut, Dani. Ich werde in einigen Wochen zurückkommen. Dann erbitte ich die Zustim- mung deiner Mutter. Du hast mein heiliges Wort. Es ist auch besser, wenn wir uns jetzt nicht treffen. Erst mutz alles klar sein und du stehst mir viel zu hoch, als daß ich gegen den Willen deiner Angehörigen handeln möchte. Leb wohl, kleine Dani, und vergiß midi mcht."
Daniela hatte große Tränen in den Augen. Sie blickte auf den kostbaren Ring, den ihr Verlobter ihr angesteckt hatte.
„Halt ihn in Ehren, Dani, es ist der Lieblingsring meiner Mutter."
„Ja, Ernst, ja! Sooft ich den Ring allsehen werde, denke ich an dich. Jede Stunde werde ich an dich denken. Können wir uns schreiben?"
„Wenn deine Mutter es erlaubt, Dani, ich wagte nicht, den Vorschlag von mir ans zu machen. Selbstverständlich bin ich nun sehr glücklich darüber, daß du selbst es willst. Ich schreibe dir also, Dani. Und du schreibst mir postlagernd. Hier, meine Lageradresse."
Er händigte ihr ein Kärtchen ein.
Das Mädchen steckte das Kärtchen zu sich. Ohne Miß- trauen, völlig im Bann ihrer großen Liebe.
„Leb wohl, Dani!"
Noch einmal küßten sie sich, dann ging Daniela schnell den schmalen Weg zurück, lief leichtfüßig über die Wiese und hatte bald drüben die Landstraße erreicht.
Und der Mann sah ihr nach, ein großes, schönes Glück im Herzen.
Dann schritt er nach einer anderen Richtung wieder der Fabrik zu, wo er in der Kantine rasch ein warmes Mittagessen zu sich nahm. Gegen Abend schickte er ein Telegramm ab. Es ging nach Schloß Kellberg und lautete:
„axel kellberg, komme bitte nach Hannover in meine wvhnung. erwarte dich dort am 16. auguft dr. Hofer."
Von der Post aus schickte Hvser einen Dorfjungen mit einem Brief zu Sommerfeld. Er teilte ihm kurz mit, daß er noch heute nacht verreisen und ihn zuvor noch sprechen müße. Er möge ihn zur üblichen Zeit er- warten.
Der Generaldirektor stand dann auch pünktlich am Gartentor und ließ den Chef ein. Hofer erledigte die Unterschriften und wies dann seinen Generaldirektor an, alle Post nach Hannover zu schicken. Heute hielt er sich nicht lange auf. Er müsse noch packen. Sommerfeld faßte sich ein Herz und fragte:
„Aber nach dieser Reise wird wohl endlich die Komö,
sie ein Ende haben? Sie können doch unmöglich noch länger als einfacher Schreiber arbeiten und in der Bnde bei dieser Frau Miiller wohnen? Mich friert, tveitn ich bloß daran denke."
Ein spöttisches Lächeln spielte um Hofers etwas harten Milud, als er antwortete:
„Das Schlechteste war es noch lange nicht. Ich kann mir vorftcUen, daß ich mich als einfacher Mann unter einfachen Leuten sehr wohl fühlen würde."
„Ja?"
„Gewiß! Aber da ich nun mal der Erbe der Hofer- Werke bin, mutz ich mich der gegebenen Sachlage an» passen. Und nun leben Sie wohl, lieber Sommerfeld. Ach so, noch etwas: mein Freund Kellberg kommt hierher. Er wird oben in meiner Etage wohnen. Machen Sie ihm das Leben tunlichst angenehm. Vor allen Dingen führen Sie ihn bei Dr. Primer ein und verkehren Sie mit ihm im Hause Primer so viel als mög» lich. Im übrigen, ich habe Ihr Wort, strengstes Stillschweigen zu bewahren."
Die Hände der beiden Herren ruhten für Augenblicke ineinander. Dann verließ Dr. Hofer rascher das Haus.
Daheim angekommen, klopfte er trotz der späten Stunde noch bei seiner Wirtin an die Küchentür.
Sie öffnete erstaunt, erkannte ihren Mieter, auf den sie so viel hielt, und lachte breit.
„Ach, der Herr Hofftnann! Nun, was kann es denn noch sein?"
„Frau Müller, ich möchte den nächsten Monat im voraus bezahlen. Ich muß «ämlich noch in dieser Nacht verreisen. Wann ich wiederkomme, weiß ich nicht bestimmt."
Er übergab ihr das Geld für das Zimmer und die kleinen Nebenausgaben für einen Monat. Sie war so erschrocken, datz sie nicht gleich Worte fand. Endlich kluckste sie:
„Kommen Sie denn bestimmt wieder, Herr Hoffmann?"
„Ja, vielleicht auch schon sehr bald. Es kann aber ebensogut ein paar Wochen dauern. Jedenfalls wollte ich nicht, daß Sie dann auf Ihr Geld warten, liebe Frau Müller."
^Ja, Sie sind ja so ein netter, pünktlicher Herr."
„vta, feiner Pflicht mutz man doch nachkommen. Also, oas Zimmer gehört einstweilen weiterhin mir. Auf Wiedersehen, Frau Müller!"
„Auf Wiedersehen!"
(Fortsetzung folgt.)
W’ In der Opferbereitschaft liegt die Stärke unseres Volkes: Darum gebt alle, wenn die Hitlerjugend vom 19. bis 22. Dezember sammelt.