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Zul-aer /lnzeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage: Der u r &Ä& Ä Tageblatt für Rhön und Vogelsberg walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried- A r < T

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rich Ehrenklau, Fulda, 1.

-druck: Friedrich Ehrenklau, Lu««.,.» dach-H Hauptschriftleiter Friedrich Ehren, klau, Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989. Lerantw, für den Inhalt: Bernd Heim. Fulda.

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Nr. 291 12. Jahrgang

Fulda, Freitag, 13. Dezember 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Sanktionskampf in Genf.

Die Gegnerschaft gegen den Friedensplan regt sich. Laval und Eden in der Zwickmühle. Hoffnung auf Mussolini.

Nach den Vorgefechten in Paris und London über den englisch-französischen Friedensplan zur Beendigung des Krieges in Abessinien, ist nun die Hauptschlacht im Gange. Sie wird im Völkerbund in Genf ansgetragen, und von der Entscheidung wird vielleicht viel mehr ab­hängen, als nur das Schicksal Italiens und Abessiniens. Der Plan hat auch in London sehr viel Unruhe und Par- tcicnstrcit hervorgcrufen, und in Paris ist man auch nicht mit ganzem Herzen für Lavals Haltung eingetreten. Jetzt in Genf melden sich die kleinen Staaten, denen an diesem Beispiel klar wird, das? Machtfragen von den Grosr- staaten untereinander ausgehandelt werden, nur daß der Völkerbund ihnen lediglich Kulisse ist.

Politik wird oft im O-Zug gemacht. So saßen denn von Paris aus die französischen und englischen Sachver­ständigen für Abessinien zusammen im gleichen Zuge nach Genf. In der Völkerbundsstadt traf der französische Ministerpräsident Laval den britischen Völkerbunds- minister Eden. Und während noch die ganzen anderen DUerbundsvertreter nacheinander in Gens eintrafen, saßen die beiden Minister bereits bei ernsten

Verhandlungen mit den Mitgliedern des sogenannten Fünserausschusses,

dem spanischen Delegierten M a d a r i a g a , dem türki­schen und dem polnischen Vertreter zusammen. Dabei wurde die Frage erörtert, wie man die Pariser Verein­barungen zuni Gegenstand von Verhandlungen des Völkerbundes machen könne, ohne daß man zu diesem Zweck erst offiziell den Völkerbundsrat einberufe und da­mit einer starken Gegnerschaft in Genf die Möglichkeit zu öffentlichen Äußerungen gegen die Pariser Vorschläge gibt. Die Vertreter der Türkei und Polens sprachen sich gegen die Einberufung dieses Fünferausschusses aus und vertraten die Auffassung, daß

ohne Antwort von Mussolini und vom Negus offi­

zielle Verhandlungen überhaupt nicht möglich seien, und daß nach Eintreffen einer solchen Antwort zu­nächst die o f f i z i e l l e E i n b e r u f u n g des Völker­bundsrates und die Beauftragung eines neue n Ausschusses notwendig seien.

Damit ist der besonders von Paris betriebene Versuch, die Vorschläge unter der Hand und ohne viel Aufhebens zum Gegenstand von Verhandlungen des Völkerbundsrates und seines Ausschusses zu machen, ge­scheitert. Man muß jetzt, wenn man überhaupt in Genf sich nicht aus Kulissenverhandlungen beschränken will, wahrscheinlich die Einberufung des Völkcrbundsrates vornehmen, aus deren Tagesordnung man in ganz offi­zieller Form die Behandlung des italienisch-abessinischen Krieges setzen müßte. Sollte es der Opposition gelingen, eine öffentliche Aussprache in der Sanktionskonferenz oder im Pölkerbundsrat über das Verhalten Englands und Frankreichs herbeizuführen, so wird doch niemand den Mut haben, die Gefahr eines europäischen Krieges da­durch auf sich zu nehmen, daß er die Verhandlungen in ihrem jetzigen Stadium stört. Erschwerend hat die in Genf eingetroffene Nachricht gewirkt, daß

der Negus die Pariser Vorschläge völlig abgelehnt hat, was er in einer Unterredung mit dem Vertreter des halbamtlichen Pariser Nachrichtenbüros Havas zum Aus­druck gebracht hat Zunächst aber versucht man die ab­lehnende Haltung Abessiniens möglichst zu übersehen. Man erwartet, daß Mussolini nicht so ohne weiteres den Pariser Plan verwirft. Allerdings erwartet man, daß der Duce versuchen wird, weitere Vorteile für Italien herauszuholen.

In diesem Zusammenhang wollte der Berichterstatter des PariserMatiu" wissen, daß der britische Außenminister Hoare vielleicht mit Mussolini zusammentrifft.

Wachsende Abneigung in England.

Die Regierung ist bedenklich. - Verstärkte Opposition im Unterhaus.

Aus London verlautet, daß sieben Parlamentsmit­glieder aus den drei hinter der Regierung Baldwin- Hoare stehenden Parteien einen Antrag eingebracht haben, in dem das Haus aufgefordert wird, seine Zu- h i m in u n g z u einem Vertrag zu versagen, derunsere internationalen Verpflichtungen dem Völker- dund gegenüber ignoriert, indem er dem Angreiferstaal uoch seinem unprovozierten Angriff größere Konzessionen ^gesteht, als er durch Friedensverhandlungen erhalten hätte". Cb dieser Antrag zur Vertrauensfrage erhoben

steht noch nicht fest. Sicher ist nur, daß es

noch vor Weihnachten eine sehr stürmische Aus­sprache im englischen Unterhaus

geben wird. Die Presse der äußersten Rechten, z. B. »Morning Post", wie die Blätter der Opposition, stellen A seltener Übereinstimmung fest, daß die große Mehrheit des Hauses d e n F r i e d e n s p l a n und die jetzige Hal- ung der britischen Regierung aufdasschärssteab- e h n e.

Die britische Regierung befindet sich in äußerst bBwwrigVr Lage, summt ifte Fortführung der Sanktionen

gegen Italien unter diesen Umständen unmöglich ge­worden sei. Außerdem müsse man sich jetzt Sorge machen um das Ergehen der britischen Flotte im Mittel m eer. So sei der Regierung jede Handlungs­freiheit genommen. Zwischen den Zeilen der Presse kommt deutlich zum Ausdruck, daß die Regierung jetzt alles weitere dem Völkerbund überlassen werde, und daß Eden den wenig beneidenswerten Auftrag erhalten habe, nundas Veste aus der Situation zu machen" und gegebenenfalls den Friedensplan durch die kleineren Völkerbundsmächte zu Fall zu bringen. Die britische Regierung hält die Schwierigkeiten, eine wirksame Ol- sperre zustandezubringen, für unüberwindlich. Die Regie- rung sei nicht überzeugt, so erklärt z. B.Morning Post" in fettem Druck, daß Frankreich im Falle eines Angriffes auf britische Schiffe im Mittelmeer wirksamen Bzistgnd leisten würde.

Die Beraluuüea in 6cn|

Die Einschaltung des Völkerbundsrates.

Genf, 13. Dezember. Das wesentliche Ergebnis des Donnerstag ist neben der als selbstverständlich hingenom­menen Verschiebung der Oelsperre die Einschaltung des Völkerbundsrates an Stelle des Fünser-Ausschusses in den englisch-französischen Vermiktlungsschpitt. Das war das Ziel Edens, der sich in seinen Donnerstag-Besprechungen mit den Vertretern Schwedens, Dänemarks, Belgiens und anderer kleinerer Länder bemühte, den Eindruck zu zer­streuen, als ob der Völkerbund vor vollendete Tatsachen gestellt werden sollte.

Ueber die weiteren Verhandlung iaussjchten wird in englischen Kreisen erklärt, eine Einstellung des Verfahrens vor dem Völkerbund wäre nur denkbar, wenn beide ftrei3 tenden Parteien den englisch-französischen Vorschlägen zu­stimmten. Wenn das nicht der Fall sei, so habe der Rat zu entscheiden, ob gegebenenfalls ein neuer Versuch unter­nommen werden solle. Die englisch-französische Forme! werde den Ratsmitgliedern in den nächsten Tagen, und zwar so bald man die Gewißheit habe, daß sie dem Negus zugegangen sei, mitgeteilt werden.

Für Mittwoch ist eine Ratssitzung in Aussicht genom­men. In diesem Zusammenhang wird von englischer Seite

Erdölspevre vorläufig aufgeschoben

Völkerbundsrat soll vorher den englisch-französischen Versöhnungsvorschlag prüfen.

Die Sitzung des A ch t z e h n c r a u s f ch u s s e s der Sanktionskonferenz am Donnerstagnach­mittag, die etwa eine halbe Stunde daucrnte, war ausgc- süllt von Erklärungen Lavals, Edens nnd des polnischen Vertreters K omarnitzki. Sic schloß mit dem Ergebnis, daß die Frage der Erdölsperre gegen Italien bis auf weiteres znrüâge stellt wurde.

Der französische Außenminister Laval machte dem Ausschuß Mitteilung über die in Paris erzielte englisch- französische Einigung. Der englische Minister Eden er­gänzte diese Mitteilungen dahin, daß die beiden West- iiiächte zwar kein Mandat von der Sanktionskonferenz erhalten hätten, daß sie aber nichtsdestoweniger den Ver­such unternommen hätten, die beiden Parteien zu ver­söhnen. Es handele sich nicht um Vorschläge, sondern um Anregungen. Zu ihrer Behandlung sei der Rat z u - st ä n d i g , der bald ein berufen werden sollte. Komar­nitzki erklärte.

die Mitteilungen Edens und Lavals verpflichteten den Ausschuß dazu, nichts zu unternehmen, was der Zuständigkeit der berufenen Völkerbundsorgane vor- greifen könnte

Diese hätten die Bedeutung der neuen Entwicklung und die Gesamtlage zu prüfen. Bis der Pölkerbundsrat in der Lage sei, sich über die englisch französischen Anregungen sachlich auszusprechen, sollte der Achtzehnerausschuß keine Maßnahmen politischer Art treffen Daniil ist die Frage der Erdölsperre bis aus weiteres zurückgestellt Es wird angenommen, daß der Völkerbundsrat sich nicht vor Dienstag, dem l 7. D e z e m b e r , mit dem Vorschlag befassest kann.

Wie aus Genf berichtet wird, legt man bei der eng­lischen Abordnung großen Wert auf die Feststellung, daß niemand einen Abbruch der Sanktionen verlangt habe.

Die Sanktionen gingen unentwegt weiter.

Der Achzehnerausschuß werde aber auch auf der anderen Seite keine Schritte unternehmen und auch nicht einen Beschluß für die Ölfperre fassen, solange die Verhand­lungen noch im Gange seien. Von englischer Seite wurde am Donnerstagabend in einer besonderen Erklärung be­stritten, daß man in Paris die Absicht gehabt habe, irgendetwas gayen den Völkerbund ZU-unternehmen.

auch betont, daß eine Unterbrechung oder Aenderung der Sanktionen von keiner Seite vorgeschlagen worden sei. Ebensowenig komme jedoch eine Verschärf ung m Frage, ehe die Antworten der beiden Parteien vorliegen.

Freie Hand für Eden

London, 13. Dezember. Wie verlautet, hat der in Genf weilende Minister für Völkerbundsangelegenheiten, Eden, von der britischen Regierung völlig freie Hand für bte wichtigen Besprechungen erhalten, die mit den Bemühun­gen um eine Beilegung des Konfliktes zwischen Italien und Abessinien Zusammenhängen. Sein Vorgehen werde sich natürlich im Rahmen der Völkerbundspolittk halten. Diese Bemerkung wird in unterrichteten englischen Kreisen dahin ausgelegt, daß England an dem Gemeinsamkeits­grundsatz sowohl in der Frage der Friedensverhandlungen als auch in der Frage einer etwa notwendig werdenden Ausdehnung der Sühnemaßnahmen festhalten werde.

IMInWaliit Cot gegen Lavals an*etwlitif

Paris, 13. Dezember. Eine parlamentarische Anfrage des radikalsozialistischen Abgeordneten Cot, wie weit d.e französische Vermittlung im afrikanischen Streitfall ge­diehen sei, scheint eine größere außenpolitische Aussprache heraufzubeschwören. Abgeordne er Cot erklärte in den Wandelgängen der Kammer, er habe es überhaupt auf die Außenpolitik der Regierung und insbesondere auf die außenpolitischen Handlungen abgesehen, die nach seiner Ansicht das kollektive Sicherheitssystem gefährden könn en, auf dem die Völkerbundssatzungeu aufgebaut seien. Man dürfe nicht dem Angreifer eine Belohnung sichern und das moralische Ansehen Frankreichs in der Welt brechen.

Er werde bei der radikalsozialistischen Fraktion?? hung heute beantragen, daß diese seine parlamentarische An­frage durch eine Entschließung unterstütze. D.e Sozialisten wurden bei Beratung des Haushalts des Außenministe­riums eine Kürzung des Kredits für die französische Eisen­bahn von Dschibuti nach Add's Abeba beant-agen. Wenn seine, C ts, Anfragen btru süssen, daß Lav^l dessen

li ik er ü gr'ärrih ha t , wieder nah P ris znrüctlehrr, so würde er sich darüber sehr freuen. Er laste nicht zu, j Sühnemaßnahmen gegen Abessinien angewandt würden Wenn der Völkerbund seine Aufgaben erfüllen würde, dann werde Italien niema's das erhalten, was Frankreich und England ihm angeboten hätten.

Es handele sich im vorliegenden Fall nicht nur um das internationale Moralgesühl gegenüber Abessinien, sondern auch um die Sicherheit Frankreichs, die auf der Achtung und Ausrechterhaltung der Völkerbund: satzung gegründel sei.Fürchte» wir uns davor", so schloß Cot,daß Abessinien von morgen zu sein?"

Die englische Abordnung ist der Anpcyt, vag, wenn beide Teile, also Italien und Abessinien mit den in Paris ausgearbeiteten Anregungen einverstanden feien, der Nal in kürzester Frist durch Verhandlungen mit Aloisi und einem Vertreter Abessiniens noch vor Weihnachten zu einem vorläufigen Abschluß kommen könne. Sollten beide Teile nicht einverstanden sein, dann werde man sich noch in der Woche vor Weihnachten bemühen, andere Vor­schläge auszuarbeiten. Der Rat habe dann aber völlig freie Entscheidung und sei in keiner Weise an die Pariser Vereinbarungen gebunden.

Ausgestaltung des Gesellenivanderns

8000 Gesellen werden 1936 aus die Walze gehen.

Das Gesellen wandern im deutschen Handwerk wird im kommenden Jahre eine wesentliche Ausgestaltung erfahren. Die bisher mit der Wieder­erweckung dieses alten Brauches gemachten Erfahrungen sind sehr günstig und ermutigen zu weiterer Ausdehnung dieser Einrichtung. Nachdem die Neichsbetriebsgemein- schaft Handwerk in diesem Jahre etwa tausendGe- feilen aus dem Bäcker-, Fleischer- und Konditorgewerbe zugelassen, werden im Jahre 1936 etwa 8000 ® e f e l * l e n auf die Walze gehen.

Wie Reichshandwerksmeister W. G. Schmidt bei einer Veranstaltung im Hause des deutschen Handwerks zu Berlin mitteilte, werden außer den Bäckern, Fleischern und Konditoren im nächsten Frühjahr auch die Mül­ler, Zimmerer, Maler, Dachdecker, Tisch- l^er,^ Schmiede, Stellmacher, Schneider, F r is e u r e, S ch u h m a ch e r u n d B u ch d r u ck e r am Wandern teilnehmen. Die Durchführung liegt nach wie vor bei der Reichsbetriebsgenleinschaft Handwerk und deren Abteilungen Wandern und Austausch. Das Hand­werkswandern wird 1936 im April einsetzen. Die jun­gen Leute werden etwa acht Wochen unterwegs sein, bis sie an ihr Ziel gelangt sind. Eine scharfe Auslese wird bei der Zulassung zum Wandern getroffen. Die Gesellen müssen Mitglied der Deutschen Arbeitsfront sein und ihre Ausbildung mitSehr gut" oderGut" abgeschlossen haben. Außerdem müssen siecharakterlichundpoli- tischeinwandfrei sein.