600 000 Abessinier greifen die italienische Nordfront an. Italienische Bomber über Dessie. — Vergebliche^Zagd auf ein abessinisches Flugzeug
Auf dem abessinischen Kriegsschauplatz verstärken sich ote Kampfhandlungen an der Nordfront. Auf italienischer und auf abessinischer Seite gab es Tote und Verwundete. Die italienischen Flieger entfalteten regere Tätigkeit itnb haben zahlreiche Bomben über abessinische Ortschaften abgeworfen. Neun Flugzeuge bombardierten Dessie, wo sich der abessinische Kaiser befindet.
Der Kaiser befand sich in größter Lebensgefahr.
Im Verlauf der von den Italienern durchgeführten drei Bombenangriffe aus die Stadt wurde auch der Palast des Kronprinzen, in dem der Kaiser Quartier bezogen hatte, schwer getroffen und geriet in Brand. Obwohl ein Teil des Gebäudes bei dem Bombardement zerstört wurde, gelang cs dem Kaiser und dem Kronprinzen, sich in Sicherheit zu bringen. Beide blieben unverletzt. Es heißt, daß bei dem Fliegerangriff etwa zehn Personen getötet und 80 verwundet worden sein sollen. Der Kaiser und der Kronprinz begaben sich in das Hospital, wo sie die Verletzten besuchten, unter denen sich auch der belgische Zensor, Leutnant Lefrepont, befindet. Gerüchtweise verlautet, daß bei der Abwehr des Fliegerangriffs e i n italienisches Flugzeug abgeschossen worden sein soll. Im Nordwesten sind
zum erstenmal italienische Flieger mit einem abessinischen Flugzeug zusammcngctroffcn.
Ein abessinisches Flugzeug, das von Addis Abeba Heilmittel und Telegramme zum Gouverneur von Wolkait bringen sollte, wurde von italienischen Fliegern gesichtet, : . , die Stabt Dabai, etwa 50 Kilometer von Gon- . überflog. Die Italiener machten sich sofort an die . olgung des feindlichen Flugzeuges, dem es aber ge- noch rechtzeitig zu landen. Die italienischen Flug- v' ge umkreisten nun den Landeplatz und warfen eine große Zahl von Bomben ab, ohne jedoch das Flugzeug
i beschädigen. In der Nähe des Setitflusses warfen lienische Bomber etwa 700 Bomben ab, ohne nennens- rten Schaden anzurichten.
Wie die englische Zeitung „New Chronicle" berichtet, hat der Negus nach langen telephonischen Besprechungen mit den abessinischen Unterführern
den Generalangriff im Norden anbefohlen.
Das Ziel des Angriffs ist die Vertreibung der Italiener von abessinischem Boden. Der Negus hat die Absicht, noch vor Einsetzen der neuen Regenperiode den Feind aus
Der englische Außenminister in Paris.
Aussprache Hoare—Laval. — Um die Friedensbedingungen für Italien und Abessinien
Der englische Außenminister Sir Samuel Hoare benutzt seinen längeren Urlaub, den er aus Gesundheitsrücksichten genommen hat, zu einem kurzen Besuch in Paris. Zusammen mit seinem Staatssekretär, Van - s i t t a r t, wird er sich von dem englischen Botschafter in Paris, Sir George Clerk, und dem Leiter der Abessinienabteilung, Peterson, über die Friedensbemühungen des französischen Ministerpräsidenten Laval unterrichten lassen. Sir Samuel Hoare wird auch mit Laval eine Aussprache haben.
Die englische Presse warnt davor, zu große Hoffnungen an den Besuch Hoares in Paris zu knüpfen. Sie weist darauf hin, daß, wenn auch die Pariser Besprechungen zwischen Peterson und dem abessinischen Referenten des Pariser Auswärtigen Amtes ein immerhin günstiges Ergebnis erzielt hätten, doch noch sehr viele Punkte zu klären seien, da die englische Regierung viel fester um- rissene Vorschläge zu machen beabsichtige als Laval. So heißt es u. a.: Hoare werde darauf bestehen, daß
der etwaige Gebietsaustausch zwischen Italien und Abessinien
endgültig sein müsse, so daß es keinen nachträglichen Streu aus Souveränitätsreckuen geben dürfe, daß Weiter- Italien kein Mandai über irgendeinen Teil abessinischen Gebietes erhalten solle und daß die Ernennung von Beamten im Rahmen irgendeines Völkerbundsplanes nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Negus erfolgen dürfe
Ministerpräsident Laval bat in den Wandelgängen der Pariser Kammer den Sinn und die Bedeutung feiner Begegnung mit dem englischen Außenminister Sir Samuel Hoare selbst wie folgt bestimmt: Es handelt sich nicht um eine eigentliche Verhandlung, ba ja Italien dazu nicht aufgefordert worden ist. Wir werden lediglich die M ö g l i ch k e i 1 e n einer friedlichen Regelung des italienisch-abefsinischen Streites erforschen entsprechend dem Auftraa. her uns in Genf erteilt worden ist.
Minister Eden verteidigt Englands Außenpolitik.
Die außenpolitische Aussprache im Unterhaus wurde vom Völkerbundsminister Eden abgeschlossen. Er erklärte,
die britische Regierung betrachte die Ernennung des
jetzigen Memeldirektoriums als gutes Vorzeichen und hoffe, daß alle Parteien in einem Geist der Versöhnlichkeit an die Fragen herangehen würden, die gelöst werden müßten, bevor die Lage im Memelgebiet als be- 'digend betrachtet werden könne.
Hinsichtlich des italienisch-abessinischen rieges wiederholte Eden die Versicherung, daß über ins Außenpolitik zwischen seinen Kollegen pud ihm volle Einstimmigkeit bestehe. Zur Frage der -^ühnemaßnahmen erklärte der Minister, sie bedeuteten für alle beteiligten Länder wirtschaftliche Berufte und für einige sogar Verluste sehr ernster Art. Bei den Sühnemaßnahmen müsse man daran denken, daß der Völkerbund keinen allumfassenden Charakter habe. Deshalb seien zunächst Maßnahmen ergriffen worden, die ohne Mithilfe der Außenseiter unter den Völkerbundsmächten durchgeführt werden konnten. Erst nach Auferlegung dieser Sühnemaßnahme sei die Auferlegung von Maßnahmen in Frage gekommen, bei denen die Mitarbeit der Außenseiter unerläßlich sei. Hierzu gehöre
die Llfrage.
Der Widerstand eines ober zweier Länder würde genügen, um sie unwirksam zu machen. Beiläufig bemerkte Eden, es verstehe sich keineswegs von selbst, daß die in
seinem Lande zu vertreiben. Infolge des kaiserlichen Befehls haben sich etwa 600 000 Mann abessinischer Kern- und Hilfstruppen auf den Marsch nach Makalle begeben.
*
Adeffivi'cher Bratest beim Böiterbuiid
Gegen die Bombardierung offener Städte und Lazarette.
Genf, 7. Dezember.
Beim Generalsekretär des Völkerbundes ist folgendes Telegramm des Kaisers von Abessinien vom 6. Dezember eingegangen:
„Seit Beginn der Feindseligkeiten ist uns klar gewesen, daß die italienische Regierung die Taktik anwendet, unser Volk nicht durch ihre eigenen Truppen, sondern einzig durch die Verwendung mechanischer Mittel und durch eingeborene Truppen aus den italienischen Kolonien zu vernichten. Sie kann sich wohl für berechtigt halten, uns zu bombardieren, wenn wir ausziehen, um die Leiden unserer Soldaten zu teilen und um unseren Boden zu verteidigen. Aber das Bombardieren offener Städte wie Dabat und Gondar und zahlreicher Dörfer mit friedlicher Bauernbevölkerung und ohne Truppen und Verteidigungsmittel sowie das Töten von Frauen und Kindern und das Bombardieren von Lazaretten des Roten Kreuzes sind unbestreitbar Verletzungen des internationalen Rechtes. Die Beschießung eines Lazaretts ist beute in Dessie erfolgt und von vier Aerzten, den Doktoren Dassius, Lob, Schuppler und Bellot, und von den Berichterstattern von Associated Preß, „Times", Reuter, „Chicago Tribune" und „Daily Erpreß" festgestelit worden. Wir haben selbst den Tod einer Frau und zweier Kinder festgestellt. Das amerikanische Lazarett in Dessie, das mit Genehmigung die Abzeichen des Roten Kreuzes trägt, ist stark beschädigt worden. Obwohl Italien niemals seine gegenüber Abessinien übernommenen Verpflichtungen eingehalten hat, glauben wir, Sie bitten zu sollen, den Mitgliedstaaten diese neuen Verletzungen der internationalen Gesetze und Gebräuche durch Italien mitteilen zu wollen."
Nach englischen Blättermeldungen aus Addis Abeba siud bei dem Bombenabwurf über Dessie 32 Personen getötet und 100 verletzt worden.
dem jetzigen Streit unternommenen Schritte bei jedem künftigen Streit Anwendung finden würden. Zur
Rttstungssrage
sagte Eden, der beste Rüstungsstand würde der niedrigste Stand sein. Aber in der heutigen Welt — die aus gerüsteten und in einigen Fällen aus sehr schnell aufrüsten- den Ländern bestehe — könne England seine Rolle in einem Stiftern kollektiver Sicherheit nur spielen, wenn es mindestens ebenso stark sei wie andere Mächte, die ähnliche Verantwortlichkeiten hätten.
Sir Samuel Haares Möe im Anisrhaus
im Rahmen der außenpolitischen Aussprache hat in der gesamten englischen Presse Zustimmung gefunden. Man unterstreicht die Erklärung, daß Großbritannien mit Frankreich zusammen noch einmal einen ernstgemeinten Versuch unternehmen werde, um den abessinischen Krieg zu einem friedlichen Abschluß zu bringen. Der englische Außenminister betonte jedoch gleichzeitig, daß der englische Standpunkt sich in keiner Weise geändert habe und daß England nach wie vor für die Inkraftsetzung der Olsperre einireten werde, falls die Fmedensbcmühungen erfolglos blieben.
W Dein Weihnachtspaket, Volksgenosse, darf am Heiligen Abend auf dem Tisch bedürftiger Deutscher nicht fehlen.
Brunnenvergifter
Marxistische Verunglimpfungen am Pranger.
Deutscher Schritt in Kopenhagen.
Auf Grund einer Karikatur in dem Kopenhagener Regierungsblatt „Social-Demokraten", die eine grobe Verunglimpfung des deutschen Staatsoberhauptes darstellt und eines Artikels des sozialdemokratischen Frak- lionsführers im Folketing, Hartwig Frisch, ist die deutsche Gesandtschaft in Kopenhagen bei dem dänischen Außenministerium vorstellig geworden-
Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des „Social-Demokraten" wurde die Regierung im Folketing, dem dänischen Parlament, von den Fraktionsführern der Bauernlinken und der Konservativen Volkspartei um eine Erklärung gebeten, welche Maßnahmen sie zu unternehmen gedenke, um in Zukunft derartige Verunglimpfungen eines ausländischen Staatsoberhauptes zu unterbinden. Ministerpräsident S t a u n i n g stellte, wie bereits bei früheren Gelegenheiten, fest, daß die Presse Verpflichtungen und Verantwortung habe. Die Presse solle sich nicht mit Beleidigungen auf die politischen Führer anderer Länder stürzen oder sich in die innenpolitischen Verhältnisse anderer Länder einmischen. Außenminister Dr. Münch gab seinem Bedauern über die beleidigenden Äußerungen in der Presse gegenüber einem fremden Lande Ausdruck und forderte die Presse auf, sich im Interesse eines guten Einvernehmens zwischen Dänemark und anderen Ländern in Zukunft beleidigender Ausdrücke und herausfordernder Äußerungen über fremde Staaten, Völker und Staatsoberhäupter zu enthalten; dies gelte in gleichem Maße für Zeichnungen und Bilder.
VertrauensrundgeLung Nr Laval
Paris, 7. Dezember.
Nach Wiederaufnahme der Kammer sitz ung tâ der Kammerpräsident mit, daß die radikalsozialistischen Abgeordneten Elbel und Potut folgende Entschij. ß u n g eingebracht hätten: „Die Kammer billigt die klärung der Regierung und geht zur Tagesordnung über" Ministerpräsident Laval erklärte, daß er diese Entschließung annehme und ihr die Bedeutung einer Vertrauens- iuudqebung beimcsse; folglich werde er die Vertrauensfrage für die Annahme dieser Entschließung stellen. H
Nachdem sodann die Vertreter der einzelnen Gruppen ihre Haltung bei der Abstimmung dargelegt hatten, wies Ministerpräsident Laval in einer kurzen Erklärung darauf hin, daß die Mehrheit, die die Regierung bei den letzten beiden Abstimmungen erzielt habe, ihr Ansehen gestärkt . und dem Gold a b fluß ein Ende gese! t habe. Für die am Sonnabend bevorstehenden außenpolitischen Verhandlungen benötige er einen neuen Vertrauensbeweis.
Die Kammer sprach hierauf mit 351 gegen 219 Stimmen der Regierung Laval das Vertrauen aus.
*
Französische Kammer vertagt.
Verabschiedung der drei Regierungs-Entwürfe. — Drei Abstimmungen gegen die Regierung.
Paris, 7. Dez. (Funkmeldung.) Zn einer Nacht
sitzung, die vom Freitag 22 Uhr bis Sonnabend früh um
3% Uhr MEZ. dauerte, hat die Kammer die drei Gesetzentwürfe über die Verschärfung des Waffenverbotes, die Auflösung verbotener Kampsbünde und privater Milizen sowie die Ahndung der Aufreizung zum politischen Mord in der Presse durch die Strafgerichte verabschiedet und sich darauf auf nächsten Dienstag vertagt, um alsdann in die Haushaltsberatungen einzutreten.
Zm Laufe der Nachtsitzung, in Der Zustizminister Berard die Regierung vertrat, wurde die Regierung bei drei Einzelabstimmungen bereits wieder in die Minderheit versetzt, allerdings ohne Folgen für das Kabinett, da die Vertrauensfrage nicht gestellt war.
Fünf Mönche wegen Sevifenverbrechm verurteilt.
Nach dreitägiger Verhandlung sprach das Sondergericht Berlin das Urteil gegen fünf Mönche vom Orden der Barmherzigen Brüder in Trier, die wegen Volksverrats und Devisenverbrechens sowie wegen Begünstigung angeklagt waren. Es wurden verurteilt der Generalschaffner des Ordens, Ferdinand Hoffmann, wegen Verrats der deutschen Volkswirtschaft sowie wegen fortgesetzten Devisenvergehens in mehreren Füllen zu einer Gesamtstrafe ron, fünf Iabren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und insgesamt 141 000 Mark Geldstrafe, der Generalobere des Ordens A u g u ft W o l f f wegen fortgesetzten gemeinschaftlichen Devisenvergehens in mehreren Fällen zu insgesamt zwei Jabren sechs Monaten Gefängnis und 15M Mark Geldstrafe, die beiden Laienbrüder Joseph Meiser und Johann Sauer wegen Begünstigung zu je vier Monaten Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft verbüßt sind, und der Klostervorsteher Michael Thiel wegen Anstiftung zur Begünstigung zu sechs Monaten Gefängnis. Ferner wurden die Angeklagten Hoffmann und Wolff als Gesamtschuldner zu einem Wertersatz von 100 000 Mark Geldstrafe verurteilt. Diesen beiden Angeklagten wird die Untersuchungshaft, in der sie sich feit dem 28. Mai dieses Jahres befinden, voll auf die Strafe angerechnet, yur die Geldstrafen, den Wertersatz und die Kosten hastet die „Erwerbs- und Wirischaftsvercinigung der Barmherzigen Brüder" in Trier. , m _
Die Haupt 1 at, um die es in diesem Verfahren ging, war der Verrat der deutschen Volkswirtschaft, oe durch den Angeklagten Hoffmann begangen ist. Er Y entgegen den gesetzlichen Vorschriften des Volksverratsgesetzes es vorsätzlich unterlassen, dw â landskonten der Ordensgenossenschaft bei den zustanolg Stellen anzumelden. Durch seine Tat ist die bett W Volkswirtschaft um ungefähr 300 000 Mark g schädigt worden.
Entschiedene Zurückweisung französischer Lügentzetze.
Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt:
Das „Echo de Paris" veröffentlicht in feiner 6 tagsausgabe einen Bericht über Deutschlands e>tei . zur Abrüstungsfrage, der entsprechend der Haltung i 1 ' Blattes eine Reihe neuer, übelsterLüge n n richten enthält. So wird behauptet, daß der franz i i Botschafter am 21. November dem Führer den Ei • einer deutsch-französischen Erklärung unterbreitet ) • Es wird weiter behauptet, daß der Führer vor e Tagen einen französischen Großindustriellen ^pk und ihm bestimmte Mitteilungen gemacht have. - Behauptungen sind falsch und bte m knüpften Kombinationen völlig abwegig. Weoe> i . französisches Angebot überreicht worden, noch meldete Empfang ftattgefunben. , . •_ b;e in
Auch diese Meldungen gehören, ebenjo w den letzten Tagen von der Auslandspresse "der' i , Lage in Deutschland verbreiteten T a r t a i n § en - richten, an denen kein Wort wahr ist, zu der Fische hetze, die offensichtlich dazu bestimmt ob J u pe- Atmosphäre Europas immer wieder aufs n unruhigen und zu vergiften.
Vor dem Prager Strafgericht hatte sich s- sam bekannte E m i g r a n t e n h e tz e r E i t -.^tz f e r wegen Vergehens gegen das Radwtetegi f ^„^en zu verantworten. Straffer hatte gemeinsam m arz - Helfershelfern gleicher Geistesrichtung einen i „ge» sender betrieben, mit dem er G r e u e l m e ^steril der Deutschland von unüberbietbare Z^nds- losigkeit in die Welt sendete. Dafür fand bei PMtt lose Hetzer nunmehr seinen Lohn, indem - c n g e n Strafgericht ihn zu fünf Monaten । Arrests ohne Bewäbrunasirift verurteilte-