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Margits Wandlung.

Kurzgeschichte von Gaby Pera.

Margit und Theo waren Freunde. Sie hatten sich auf

Wochenendausflug kennen gelernt, Margit, die kleine âke Brünette mit den lustigen Vogelaugen, und Theo, der grobe blau-blonde Junge mit den schlaksigen Bewegungen einer gingen Dogge. Auch so gutmütig und treu war er. Margit Lite ihn gern.

* Aber sie behandelte ihn eigentlich nicht danach. Sie kom- mandierle immer an ihm herum. Das Kommandieren war jo

Art Berufskrankheit. Margit leitete in einem großen Ge­schäftshaus eine Abteilung. Sie war jünger als die meisten. Da mußte sie schon den Nacken stcifhalten, damit alles klappte.

Theo hätte sich Maccsit gern anders gewünscht. Ein bissel Micher, mädchenhafter, vielleicht auch mütterlich...

Heute war es nicht anders als sonst. Margits spitze Zunge qjng wie am Schnürchen. Theo wurde still.Na, Theochen,, eiiwcschnappt?" fragte Margit mit einem mutwilligen Lächeln.

Du nimmst mich nicht ernst", sagte Theo.

Margit lachte.Junge, was soll man an dir schon ernst nehmen? Deine siebenundzwanzig Jahre etwa? Imponieren mir nicht. In zwei Jahren bin ich selber so weit. Und sonst _ deine Arbeit? Erfinder! Ich versteh' ja nichts davon. Aber Erfinder ist für mich so was Aehnliches wie Sterngucker. Sehr nett und unterhaltsam. Man weiß aber nie, ob was Gescheites dabei herauskomnit."

Nein, das weiß man nie", sagte Theo leise.Aber man hofft es und glaubt an den Erfolg. Wie könnte man sonst jahre­lang arbeiten an etwas, das man gar nicht kennt. Dessen Vor­handensein man auch nicht beweisen kann. Das man nur fühlt oder ahnt zwischen den Dingen, den sichtbaren und beweisbaren."

Margit war stumm. Endlich einmal. Da redete Theo weiter: Du weißt doch, ich bin einem neuen, oder vielmehr noch un= entdeckten gasförmigen Körper auf der Spur. Einem Edelgas. Wenn mir das glückt! Mädel, dann..."

Was dann?"

Dann sind wir Millionäre!'

Wer wir?" Das klang schnippisch.

Ich und meine Frau", sagte Theo vergnügt,meine zu- künftige!"

Ah so." Pause.Luftschlösser alles."

Gar nicht Luftschlösser! Komm doch mal in mein Labora­torium Sonntags. Ich zeig dir, was ich bis jetzt geschafft hab'."

Ich versteh's doch nicht."

Doch. Ich erklär dir's schon."

Margit hatte keine Lust. Sie wollte lieber hinausfahren an ihrem freien Sonntag, in den Wald.

Du hast eben gar kein wirkliches Interesse für mich", jagte Theo traurig. Margit sah ein, sie mußte das Opfer bringen: Also gut, am Sonntag um zehn!" Aber sie dachte: Schade um den schonen Sonntagvormittag!

Nun, es war nicht schade. Denn es regnete Bindfäden. Diesmal machte der Regen Margit vergnügt. Sogar ein paar Blumen hatte Margit mit, die sollten das langweilige Labor etwas beleben. Lustig trällernd klingelte sie.

Theo öffnete und Margit machte den Mund auf... Sagen konnte sie diesmal nichts. Da war ein großer Raum, in dem die Luft flimmerte von ichwarzen Rußflocken, und vor ihr stand eine Art Schornsteinfeger. Das war anscheinend Theo, âde, Gesicht, Haare und der ganze Mensch im weißgewesenen âbeitskittel rußbedeckt. Und es roch scharf. Margit stand starr Mr Schreck. Theo wollte sie an der Hand nehmen, doch er zog die schmutzigen Finger wieder zurück.Verzeih, Margit, aber ich kann dir nicht mal einen Stuhl anbieten. Alles ist schwarz. Ne kleine Explosion war vorhin. Aber du siehst ja, :ch lebe noch. Das ist doch wichtig, nicht?" scherzte er, damit Margit aus ihrer Starre erwache.Komm, wir gehen rüber zu meinem Kolleg e ii Rösch, du mußt dick setzen. Komm. Kindchen!"

§M- Dein Weihnachtspaket, Volksgenosse, zeugt von Deinem Opferwillen.

Margit tastete sich hinter ihm an der Wand entlang. Schritt für Schritt. Scheußlich, warum bloß die Knie so weich waren...

Drüben bei Rösch, während Theo sich wusch und einen anderen Kittel anzog, saß Margit auf dem Schemel wie ein kleines Mädchen. Die Hände zitterten ihr, und immerzu schlucken mußte sie. Das klang so nach hinuntergeschluckten Tränen.

Theo redete auf sie ein.Reg dich doch nicht auf, Kind! Weißt du, das ist nicht so schlimm. Das sind wir gewöhnt, wir Erfinder. Nicht wahr, Rösch?"

Margit hörte gar nicht zu.Also so einer ist das!" dachte sie immerfort.So einer! Der dumme Junge mit den Wau- Wau-Bewegungen. So lebt der hier... Den Tod immer ganz nahe neben sich!" Es lief ihr eine Gänsehaut über den Rücken. Und ihr Herz bangte...

Das war der Tag von Margits Wandlung. Ihrem guten Jungen Theo wurde sie ein staunend bewunderndes und lieben! verehrendes Mädchen. Und das stand ihr sehr gut.

Graf August von pèaien.

Zum 100. Todestag des Dichters am 5. Dezermber.

Hundert Jahre sind es her, daß in der paradiesischen Umgebung von Syrakus ein deutscher Dichter in noch jungen Jahren starb- dem Freundeshand die großen Worte:Princeps poetarum germanicorum" (Ein Fürst unter den deutschen Dichtern") auf den Grabstein gesetzt hat. Der Dichter, der dort unter sizilianischen Zypressen ruht, ist Graf August von Platen, und die Inschrift stammt von einem italienischen Freunde. Ein Deutscher wäre bei aller Verehrung, die Platen vereinzelt auch in Deutschland fand, mit diesem großen Titel wohl weniger freigebig ge­wesen.

Die Meinungen über Platen und seine Dichtkunst sind zu seinen Lebzeiten wie nach seinem Tode sehr weit aus­einandergegangen. Während ihn einige wenige als einen großen Genius und einen unserer größten Meister der Dichtkunst verehrten, begegnete er bei den anderen kühler Ablehnung, ja sogar scharfem Spott, den Platen aller­dings in seiner Selbstüberschätzung geradezu heraus- gefordert hatte. Grillparzer fand Platens Gedichte inhalt­lich trocken und dürr, der in seinem Urteil sehr strenge Hebbel ging sogar noch weiter, und eine regelrechte Litera­turfehde hatte Platen mit Jmmermann, dem kraftvollen Gestalter desOberhof" auszufechten. Goethe, der die ersten Arbeiten des jungen Platen als die eines vielver­sprechenden Anfängers freundlick beurteilte, hat später sein Urteil in die treffenden Worte gefaßt :Er besitzt manche glänzenden Eigenschaften, allein ihm fehlt die Liebe" wo­bei er die Liebe ganz allgemein aufgefaßt wissen wollte im Sinne des Korintherbriefes:Und redete er mit Menschen- und mit Engelszungen und hätte der Liebe nicht ...."

Goethe hat des Wesens Kern getroffen. Platen war als Mensch eine so unglückliche und zwiespältige Natur, daß er nicht imstande war, die positiven Seiten des Lebens zu erkennen. Seine selbstquälerische Ver­anlagung und seine krankhafte Neigung, aus Freundschaft Leidenschaft werden zu lassen, haben frühzeitig seine Seele mit Bitterkeit erfüllt, die sein Leben vergällte und seiner Kunst die Vollendung vorenthielt, die bei seinen glänzen­den Anlagen und dem Zug zum Erhabenen und Idealen wohl zu erwarten gewesen wäre. So kam es bei iljm zwar zu einer glänzenden Formbeherrschung, der leider der In­halt nicht immer entsprach. Zum großen Teil ging auch seine Formbeherrschung so eigene und abseitige Wege, daß Platens Dichtungen bis auf einige ausgezeichnete B a l - laden nicht den Weg zum Herzen des deutschen Volkes haben finden können.

Was uns Platen entfremdet, ist mit wenigen Worten dies: seine Kunst strebte von Deutschland fort, suchte seine Vorbilder nicht in den Kunstwerken der deuischen Sprache, sondern in denen fremder, unserem Wesen und unserer Rasse sogar sehr fremder Völker. Goethe hatte mit seinem Westöstlichen Diwan" das literarische Interesse für den Orient geweckt. Platen und der ihn in orientalische Sprachen und Dichtkunst einführende Rückert gingen die damit beschrittene Bahn weiter, indem sie ihren eigenen Dichtungen Form und Versmaße der orienta­lischen Dichtkunst gaben. Die so entstandenen Ghaselen, Oden, Eklogen und H y m - nen Platens waren zwar sehr kunstvolle Gebilde, die eine bewunderungswürdige Formgewandtheit voraus­setzten: aber nicht selten stört doch den einfach und natürlich empfindenden Menschen der Zwang, Der hier der deutschen Sprache angetan wird.

Wegen ihrer Fremdheit fanden die Ghaselen Platens nur wenig Anklang, ebenso wie die stellenweise sehr schönenSonette ans Venedig" oder die Eklogen und Idyllen. Eine andere Art von Dichtungen ist es, Vie seinen Namen bis heute unsterblich gemacht hat, seine Balladen und Romanzen. Noch heute gehörenDas Grab im Busento",Der Pilgrim von St Just",Der Tod des Carus",Wittekind" und viele andere von ihnen zu den schönsten und klangvollsten Gedichten dieser Art in deutscher Sprache.

Was bringt der Rundfunk?

Frankfurt: Donnerstag, 5. Dezember

6.00: Choral, Morgenspruch, Gymnastik. 6.30: Saarbrücken: Frühkonzert. In der Pause 7.00: Nachr. 8.00: Wan er­stand. 8.15: Stuttgart: Gymnastik. 8.30: Sendepause. 11.30: Meldg. 11.45: Sozialdienst. .

12.00: München: Mittagsronzert. Dazw. 13.00: Seit Nachr. 14.00: Zeit, Nachr., Wetter. 14.10: Vom Deutschlandsen­der: Allerlei zwischen zwei und drei. 15.00: Wirtsâafts- bericht, Zeit, Wirtschaftsmeldg. 15.15: Kinderfunk.

16.00: Konzert. 17.00: Königsberg: Nachmittagskonzert.

18.30: Launiger Leitfaden für Sprachfreunde. 18.40: Deutsche Gespräche: Künstler und Kunstwerk. 18.od: Meldungen.

19.00: Wiesbaden: Unterhaltungskonzert. Die musikalische Rhapsodie. 19.50: Tagesspiegel. 20.00: Zeit, Nachrichten. 20.10: Köln: Mozart-Zyklus. Italienische Reisen. 21.00: Stuttgart: Ans Ende der Welt. Hörspiel von Olaf Saile nach dem RomanDie große Fahrt." Von H. F. Blunck. 22.00: Zeit. Nachr. 22.15: Nachr., Wetter, Sport. 22.20: Trier: Mandolinen spielt auf. 23.00: Berlin: Musik zum Tagesausklang. 24.00: Nachtkonzert.

Deutschlandsender: Donnerstag, 5. Dezember

6.00: Guten Morgen, lieber Hörer! Glockenspiel, Tages­spruch, Choral, Wetter. 6.10: Berlin: Gymnastik. 6.30: Fröhl. Morgenmusik. Dazw. 7.00: Nachr. 8.30: Sende­pause. 9.00: Sperrzeit. 9.40: Kindergymnastik. 10.00: Sendepause. 10.15: Volksliedsingen. 10.55: Sendepause.

11.05: Anna Christofs: Waidbau und Waidbereitung. 11.15: Seewetterbericht. 11.30: Der Bauer spricht. Der Bauer hört: anschl.: Wetter.

12.00: Breslau: Musik zum Mittag. Dazw. 12.55: Zeit­zeichen. 13.00: Glückwünsche. 13.45: Nachr. 14.00: Al­lerlei von zwei bis drei. 15.00: Wetter, Börse, Pro­grammhinweise 15.15: Die Frau im Beruf. 15.50: Kurt Berendt spricht über das offizielle Rundfunkschrifttum.

16.00: Musik am Nachmittag. In der Pause: 16.50: 311 Stufen! Wir besuchen die Turmuhr des Berlinsr Rathauses. 18.00: Weltwanderung eines Dichters. Hör­folge aus dem Nachlaß und dem Werk Willy Seidels. 18.35: Bücher für HI und BDM 18.50: Zehn Minuten aktueller Sport.

19-00: Breslau: Wie's einmal war . . 19.45: Deutschtand­

echo. 20.00: Kernspruch: anschl.: Wetter, Kurznachrichten. 20.10: Schubert Beethoven Liszt. Ein Orchester­konzert. 21.00: Hamburg: Unb abends wird getanzt! 22.00: Wetter. Nachr., Svort Anschl.: Deutschlandecho. 22.30: Celeste Chop spielt 22.45: Seewetterbericht.

Weber-rechtsschutz durch verlao oskar leister, werdau

6) (Nachdruck verboten.)

Dalli hat Herrn Matzke abgewiesen."

Frau von Berkow sagte es und es klang wie eine leise Entschuldigung. Aber sie erlebte eine Ueberrafchung.

Edellinde zuckte nur die Schultern und ging ins Haus. Und Aline meinte:Offen gesagt, ich freue mich dar­über. Der Mann ist widerlich--und seine Tante hm!"

Die Majorin ergriff die Hand ihrer Tochter.

Ich habe auch so gedacht. Dieser Mann und unsere kleine Dani!"

Da räusperte sich jemand hinter ihnen. Frau Forst- ineifterâ rundliche Fülle schob sich heran. Die Dame war zweifellos maßlos erregt. Ihr Gesicht glühte be- ängstigend. . .

Mir scheint, man hat mich von allen Seiten vergessen! Aber ich möchte doch dringend um Altfklärung bitten." Die Majorin blickte ratlos drein. Da sagte Aline kurz Und sachlich:

Gnädige Frau, es ist gewiß keine schöne Rolle, die vie nun in dieser Sache spielen: Unsere Kleine hat ein- gesehen, daß sie sich doch nicht zur Stiefmutter eignet.'

Ich hätte die junge Dame für klüger gehalten! Ein armes Mädchen ist immer an der Seite eines ehren­werten Mannes am besten aufgehoben. Nun, jeder ist seines Glückes Schmied. Ick habe es gut mit Ihnen Een gemeint. Aber Sie werden es verstehen, nach dieser Blamage möchte ich lieber nicht mehr hierherkommen, "eben Sie wohl, liebe Frau von Berkow."

Die Dame reichte der Majorin nicht einmal mehr ine band und den Gruß Alines überhörte sie ganz.

, Frau von Berkow blickte ihr traurig nach. Es war ihr schwer ums Herz. Nun würden sie wohl ganz vergessen werden.

Die Tochter legte den Arm um die Mutter.

,Gräme dich nicht, Mama. Dani ist noch so jung, mel- wlcht findet sich etwas anderes für sie. Und jetzt sind mir a noch alle beisammen. Es war doch immer sehr gemüt- 'ch bei uns trotz aller Armut. Und den heutigen Sonn- wollen wir einfach vergessen."

Müde lehnte Frau von Berkow den Kopf an die Schalter der Tochter.

. »Du hast recht, Aline. Man sollte es sich nicht so schwer machen."

"Bestimmt nicht, Mama!"

^e gingen ins Haus. T

Daniela saß still im Wohnzimmer am Fenster. Edel- Mde hatte sich auf stell Balkon gesetzt und las. Die

Mutter trat zu ihrer Jüngsten, strich ihr leise über dcks Haar unb sagte gütig:

Denke gar nicht mehr an das alles, Dani. Du bist ja noch so jung, und ich war gewiß nicht klug, als ich dir die schweren Pflichten einer Stiefmutter aufbürden wollte. Deine Schwestern denken in diesem Falle ebenso wie ich."

Mütterchen!"

Ein einziger, erlösender Aufschrei war es.

Und Frau von Berkow lächelte und setzte sich zu Daniela.

Wollen wir eine Partie Dame spielen? Oder möchtest du lieber noch ein bißchen in den Schloßgarten gehen? Ich würde dich begleiten. Vielleicht kommt auch Aline mit."

Mütterchen, wenn es dir recht ist, dann setzen wir uns auf den Balkon. Wir haben dort ja auch Licht und Sonne. Und können unsere Partie spielen."

Das ist mir recht, Dani. Bereite also alles vor. Nimm auch für Aline einen Stuhl mit."

So saßen stenn die Damen Berkow auf ihrem Balkon, wie so manchen Tag. Und die Episode von vorhin schien vergessen.

Und doch hatten alle ein seltsam bedrückendes Gefühl, das sie sonst nicht kannten. Die Mutter fühlte es am deutlichsteu.

Ein nahendes Unheil, das feine schweren Schatten schon jetzt auf dieses Beisammensein warf.---

Der Klatsch war dal

In zwei Formen!

Herr Erich Matzke hatte die jüngste Tochter der Majorin von Berkow heiraten wollen!

So eine Versorgung hatte sich geboten!

Das leichtsinnige Geschöpf hatte sich aber mit einem stockfremden Menschen getroffen und sich auf diese Weise die einzige Chance verdorben! Die Frau Bürgermeister hatte es am Montag bei der Frau Apotheker erzählt. Und nun machte dieses Gerücht im Städtchen die Ritnde. Alle jungen Mädcheir hatten glitzernde Augen. Sie gönnten es der schönen Daniela. Obendrein verboten die Mütter ihren Töchtern, mit diesem Mädchen noch zu verkehren. Frau Major Berkow wurde nirgends mehr hingebeten. Es traf sie und doch auch wieder nicht. Sie hatte den stillen Frieden ihrer Häuslichkeit immer viel mehr geliebt als solche Zusammenkünfte.

Dennoch!

Danis Ruf wurde zerpflückt!

Das tat der Mutter weh! Unendlich weh! Aber was sollte sic beginnen? Gegen böse Zungen ist man macht­los. Und wie Dani ihr alles dargestcllt hatte, war doch wirklich kein Grund vorhanden, ihr zu zürnen. Sie war dem Herrn doch sogar davongelaufen, trotzdem die schützende Gartenmauer dazwischen gewesen war. Ganz einwandfrei hatte sie sich benommen. Freilich, damals auf der Blumenwiese--Daniela hätte sich eben doch nicht mit dem Fremden unterhalten sollen. Nun, das war aber auch noch lange nicht so schlimm, daß man sie nun deshalb verachten müßte.

Die Majorin schritt zwischen den blühenden Hecken

dahin. Und sie trug sich mit dem Gedanken, doch lieber wieder nach Berlin znrückzukehren.

Freilich! Edellinde!

Sie liebte den Assessor. Ans vielen Anzeichen wußte das jetzt die Mutter. Unb um ihretwillen muffte man wohl noch ein Weilchen hierbleiben. Und schließlich hatte man hier die feinen Handarbeiten erhalten, die zwar fchlecht bezahlt wurden, aber doch einen netten Zuschuß abgabeu.

Sinnend ging die alte Dame weiter. Sie wollte an diesem Sommermorgen nicht an all das Unangenehme denken, das hinter ihr lag. Sie wollte sich an Gottes herrlicher Natur erfreuen, die er für alle Menschen immer wieder aufs neue schuf.

Wie die Blumen in den Gärten blühten! Ob sie sich noch einen kleinen Umweg gestattete, ehe sie ihre Arbeit ablieferte? Dort, die Villa, die zu den Hofer-Werken gehörte, die sollte einen märchenhaften Garten haben. Ob sie sich den nicht auch einmal ansah?

Ein unbeschreiblicher Duft kam von den verschiedenen Gärten herüber. Und der Birkenwald dort drüben stand im hellsten Grün!

Fran von Berkow schritt auf den großen Garten zu, der die Villa Hofer umgrenzte.

Wie ein kleines Märchenschloß lag die Villa inmitten dieses wundervollen Gartens. Hochauf schoß ein Spring­brunnen und die weiße Figur hob lächelnd einen Kelch empor. Rosen! Wohin man sah, Rosen! Die alte Dame am Zaune blickte bewundernd in diese Pracht. Und es war, als übe dieser alte, schöne Garten eine geheim­nisvolle Macht auf sie aus. Aber sie mußte nun wohl endlich weiter gehen. Der alte Gärtner, der dort drüben arbeitete, hatte schon einige Male mißtrauisch zu ihr herübergeblickt.

Im Geschäft sagte ihr Herr Freudenberg, daß er in letzter Zeit nicht mehr zufrieden gewesen sei mit ihren Arbeiten. Er habe jüngere Kräfte. Sie solle sich also nicht mehr zu ihm bemühen.

Dnukelrot vor Scham und Erregung nahm die Majorin ihr Geld in Empfang. Dann verließ sie schnell das Geschäft. Sie konnte die Tränen nicht mehr zurück- halten, als sie sah, daß alle drei großen Schaufenster Arbeiten ihrer fleißigen Finger aufwiesen. Und sie wußte auch, daß sie nie liederlich gearbeitet hatte. Es war also nur eine Maßnahme, die ein Feind gegen sie eingeleitet hatte.

Hkrr Matzke? Aber er kannte doch wahrscheinlich den Geschäftsinhaber gar nicht. Wie sollte er also das getan haben?

Langsam ging die Majorin nach Hause. Und immer mehr quälte sie die Frage: Was nun?

Diesen schmalen Nebenverdienst konnte ihre Familie ülcht entbehren. Wo aber sollte sie sich neue Arbeit be- schaffen?

(Fortsetzung folgt.)

W Ein Weihnachtspaket trägt unerwartete Festfreude in eine deutsche Familie. Denke baran, Volksgenosse;