^ 280 — 12. Jahrgang
Fuldaer Anzeiger
Samstag, 30. November 1935
Stadt und Land
^Mierausfiditen M morgen:
Mterbericht des Reichswetterdienstes, Ausgabeort Frankfurt am Main.
Bei Luftzufuhr aus West ziemlich miHes, aber auch unbeständiges Wetter mit einzelnen Niederschlägen.
Am Wochenende:
Gedanken unterm Adventskranz.
Nachlese zur Fuldaer Verdunkelungs-Übung. Künstliches Licht einst und jetzt. Vorweihnachtliche Stimmung.
Abschieds-Kammerkonzert von Musikmeister Rohde
Am Montag, den 2. Dezember, verabschiedet sich Musikmeister Rohde mit einem großen Kammerkonzert von seinen Fuldaer Freunden. Dieses letzte Konzert des beliebten Dirigenten wird einen besonders festlichen Rahmen haben, der äußerlich schon durch den stimmungsvoll geschmückten Stadtsaal mit seiner Umgruppierung zum Ausdruck gebracht wird.
Der erste Teil des Konzertabends ist auf Barock- Musik eingestellt und bringt als Auftakt eine graziöse Serenade in D-dur" von Mozart mit dem entzückendsten Menuett, das dieser gottbegnadete Meister komponiert hat. Anschließend daran kommt Händel zu Wort, dessen „Harfenkonzert" uns von der Solistin des Abends, Frau Paula Lange, Frankfurt a. M., auf ihrer Meisterharfe wiedergeben wird. Frau P. Lange ist als ausgezeichnete Harfenistin noch vom ersten Kammerkonzert her in bester Erinnerung. Außer dem „Harfenkonzert" wird sie noch einige andere Solo-Darbietungen auf ihrer Harfe geben, die allgemein gefallen werden. Die interessanteste Darbietung im zweiten Teil der Vortragsfolge ist unstreitig Haydns „Abschiedssinfonie", deren Wiedergabe Musikmeister Rohdes „b e s o n d e r e r A b s ch i e d s g r u g" vor seinem Scheiden ist.
Es interessiert die Hörer sicher, zu erfahren, wie Haydn zu dem eigenartigen Namen „Abschiedssinfonie" für diese Komposition kam. Sie entstand 1772. Damals war Haydn noch Kapellmeister beim Fürsten Esterhazy in Ungarn. Jeden Sommer verlebte der Fürst in feinem einsam in der Pußta gelegenen Schloß Esterhazy und hatte natürlich auch seine Kapelle dort. In jenem Sommer kam der Fürst auf die Idee, noch zwei Monate länger als sonst in Esterhazy zu bleiben. Darüber war große Bestürzung bei den Musikern, die sich schon sehr gefreut hatten, bald wieder nach Hause zu kommen. Haydn sollte Rat schaffen und dem Fürsten eine Bittschrift überreichen, die ihnen doch noch den ersehnten Urlaub verschaffen sollte. Haydns „Bittschrift" nun war diese „Abschiedssinfonie", in welcher ein Instrument nach dem andern verstummt und ein Musiker nach dem andern seine Noten nimmt und den Saal verläßt. Als dem Fürsten diese Komposition als „Ueberraschung" dargeboten wurde und nach Haydns Anweisung jeder Musiker nach Beendigung seiner Partie lautlos verschwand, hatte der Fürst den Sinn dieser Pantomime sehr gut verstanden. Erfreut über Haydns originelle Idee bewilligte er lächelnd die Abreise der Musiker und stellte ihnen für den nächsten Ug die fürstlichen Wagen und Pferde zur Verfügung. —
Es bedarf wohl keines besondern Hinweises, daß das Abschied s ko nz e r t Musikmeister Rohdes jedem Hörer rch einmal einen hohen künstlerischen Genuß bieten wird, âsere selbstverständliche Pflicht aber ist es nun, dem scheidenden Dirigenten unsere Dankbarkeit zu bezeigen und ihn bei diesem seinem letzten Konzert durch ein „vollkommen ausoerkauftes Haus" zu erfreuen. Das wäre die beste Anerkennung für alle Arbeit, die Musikmeister Rohde in den 2% Jahren feines Hierseins auf kulturellem Gebiete und im Dienste der Kunst geleistet hat. —
Handwerker und Beamte sammeln am 1. Dezember.
Handwerker und Beamte sammeln am 1. Dezember gemeinsam für das Winterhilfswerk. Hier ist wieder eine Gelegenheit, bei der das Handwerk seine Tatkraft, seine Fähigkeit zu geschlossenem Einsatz und seine Volks- und Staatsgesinnung zeigen kann.
Das Handwerk führt die Straßensammlungen in Berufstracht durch. Gesammelt wird in Gruppen zu drei Mann; es sammeln z. B.: zusammen ein Handwerksmeister, ein Beamter und ein Handwerksgeselle oder Lehrling.
. Alle übrigen Handwerker, die nicht für die Straßen- sammlung eingesetzt werden, veranstalten zusammen mit den Beamten Propagandamärsche durch die Straßen ihres Ortes. Für Betriebssichrer und Gefolgschaften ist die Teil- nahme an den Propagandamärschen unbedingte Pflicht. Unter Vorantritt der Fahnen marschieren die einzelnen Innungen und innerhalb der Innungen die Angehörigen des Handwerks im Zeichen des Dreiklangs' d. h. in den einzelnen Reihen marschiert ein Meister neben dem Gesellen oder Lehrling. Die Züge enden in einer Kundgebung, bei der der Hoheitstrüger der Partei oder der Beauftragte ees Mnter-Hilfswerkes das Wort ergreift.
Unter Leitung der Reichsbetriebsgemeinschaft Handwerk werden handwerklche Musikkapellen und Sprechchöre eingesetzt und handwerklich Tänze und Spiele vorgeführt werden. . Reichshandwerksmmeister und Reichsbetriebsgemein- ichaftsleiter Schmidt hat folgenden Aufruf an das Handwerk erlassen:
Deutsches Handwerk an die Front!
Am 1. Dezember 1935 tritt das deutsche Handwerk gemeinsam mit den Beamten als Sammler für das Winter- hllfswerk 1935/36 an. Den Feldzug gegen Hunger und Ualte und für Eroberung des deutschen Volkes führt Adolf Hitler.
Handwerker, du bist des Führers Soldat, wenn du in vorderster Front mitkämpfst. An deinem Sammeltag für oas WHW. wirft du deine Volksverbundenheit zeigen und »eweisen, daß du bereit bist zum
Sozialismus der Tat.
Meister, Gesellen und Lehrlinge: Alles für den Führer Md Deutschland!
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„ . Samstag, 30. November:
^uwn-Theater: Vergiß mein nicht.
^uropa-Lichtfprcle: Ein Teufelskerl. âues Theater: Ehestreit.
Aurgerverein: Tanzabend der Kapelle „Aha".
^unstlerheim: Ausstellung des Bundes Fuldaer Künstler, geöffnet von 14 bis 19 Uhr.
Sonntag, 1. Dezember:
«on-Theater: Vergiß-mein nicht.
Ur°pa-Lichtspiele: Ein Teufelskerl.
oj Theater: Ehestreit. ...
"unstlerheim: Ausstellung des Bundes Fuldaer Kunstler, geöffnet von 14 bis 19 Uhr.
"Mbtmal: Großer Bunter Abend.
Dre ältesten Fuldaer können sich nicht erinnern, Fulda jemals so verdunkelt gesehen zu haben, wie am letzten Dienstag. Verdunkelung — bei Behörden sonst nicht beliebt — roar diesmal behördlich angeordnet, und alle verdunkelten förmlich mit Begeisterung. ‘ Die Stichproben ergaben, daß im Sinne der Uebung die Verdunkelung nur äußerlich war. Hier und da hatte man sich in der verdunkelnden Wirkung der Vorhänge usw. getäuscht. Man hat aber daraus gelernt, und bei der nächsten Uebung wird überhaupt nichts mehr von Fulda zu sehen sein. Es hat sich bei dieser Gelegenheit auch so recht gezeigt, mit welcher Lichtfülle wir allabendlich umgeben sind. Die jungen Fuldaer kennen das nicht anders, sie nehmen diese Lichtflut als Selbstverständlichkeit hin, wie Kino, Auto und taufend andere Dinge, die noch vor wenigen Jahrzehnten im allgemeinen kaum bekannt waren. Nehmen wir nur einmal flüchtig die häusliche Beleuchtung vor — in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts kamen die Petroleumlampen auf, sie wurden gespeist mit sogenanntem „Solaröl"; die Handhabung der Lampen war sehr umständlich, nicht selten gab es Explosionen und Feuersbrünste, die auf das Konto der unvollkommenen Lampen zurückzuführen waren — und doch war diese Petroleumlampe schon ein gewaltiger Fortschritt der teueren, umständlichen Kerzenbeleuchtung gegenüber. Auf dem Lande hielt man lange am Kienspan fest. Die ländliche Winterruhe war zum großen Teil eine Folge des Lichtmangels im Winter. — Ein Gaswerk gab es in Fulda schon vor 1870 — die Gasflammen brannten offen, der Glühstrumpf war noch nicht erfunden, die Straßenbeleuchtung war spärlich. In den Außenvierteln der Stadt befanden fich noch in den neunziger Jahren Laternen, die mit Petroleum gespeist wurden; die letzte dieser Art stand am Zieherserweg— auch quer gespannt, in der Straßenmitte hängend, spendete beim alten Schlachthaus und in der Lengsfeldergasse diese Petroleumfunzeln ihr Licht —■ und man war immerhin dankbar dafür, oenn in dieser Gegend sagten sich Fuchs und Hase „Gute Nacht" — niemand ging gerne in später Abendstunde durch diese ^dunklen Viertel. Es war eine Sensation, als dann eines Abends in den Schaufenstern des Elektrotechnikers Schneider, am Butter- markt, die ersten elektrischen Birnen glühten. Es waren die ersten Kohlenfaden-Lampen in Fulda, aber Gas 'behauptete sich nach wie vor und wurde nicht sehr lange vor dem Kriege durch die vervollkommnete elektrische Beleuchtung völlig verdrängt. Und schließlich wird niemand diese „gute alte Zeit", in der das abendliche „Dämmerstündchen" noch Mode war, zurückwünschen. Auch unsere Zeit hat ihre Romantik und ihre Märchen, bunter und vielgestaltiger, als es fich die Vorfahren träumen ließen. Der „Fliegende Koffer" ist Wirklichkeit geworden — die „Siebenmeilen-
Ein Nachmittag im städtischen Kinderhort.
Jetzt noch um die Kurve beim Konvikt und dann sind sie da von allen Seiten: Buben und Mädchen, mit und ohne Schulranzen, große und kleine. An Weiterfahren ist nun nicht mehr zu denken. Die Siegerin sitzt schon auf meinem Rad und ich bewege mich inmitten des Knäuels in Richtung Hort. Jeder Tag ist so. Und wenn Gretel kommt, geht es ihr genau so.
Zuerst nun an die Schulaufgaben! Nebenan muß Gretel den Ansturm auf den Schrank dämpfen; die angefangenen Weihnachtsarbeiten der Mädel sind hier verstaut. Dies Jahr sind wir besonders stolz auf all die Decken, Sofakissen, Kaffeewärmer und UeberhandtUcher, weil wir sie nämlich selbst auf Nessel aufgezeichnet und zugeschnitten haben. Und unsere Mädels sticheln mit Feuereifer die Bleistiftstriche entlang. Gretel könnte sechs Hände gebrauchen. Mariechen kann nicht weiter an ihrem bunten Häckelsofa- kissen, Anni möchte gern wissen, ob der hell- und dunkelgelbe Garnknäuel denselben „Ton" haben. Ida weiß gar nicht, ob an dem blauen Häkelstreifen, der einstmals zu einem Schal werden sollte, ein Stäbcben oder eine Luftmasche kommt. „Eine nach der andern" sagt Gretel. Wir müssen oft über den Arbeitseifer staunen. Aber schließlich ist's doch auch für daheim. Eine Tischdecke für die Mutter, oder ein Ueberhandtuch, sie hat sich schon immer eines gewünscht. Das ist Tradition im Hort: Jedes Jahr dürfen die Kinder ein Weihnachtsgeschenk für die Eltern arbeiten, Material dazu stellt der Hort. Kurz vor WeihnacMen gibt es dann eine Ausstellung, die Eltern und Schulkameraden und Freundinnen begucken und bestaunen die Arbeiten und ein Hortkind ist stolzer als das andere auf seine Sachen!
Bei den Aufgabenkindern ist ein toller Lärm. Da mutz man bremsen! Was ist denn nur los? Alex hat sein Rechenbuch vergessen und Walter hat dasselbe, will aber den Alex nicht hineinseben lassen, „Weil der sonst auch immer so stech ist!" Ich sage vorerst nur „Ruhe", und sehe Erichs Tafel nach, die er mir mit einem befriedigten „fertig" entgegenhält. Er wartet mein Nachsehen gar nicht ab, sondern holt fi* seinen Sä gebogen und sichert sich am Tisch der großen Buben einen Platz. Er sägt leidenschaftlich gern aus. Jeden abend fraat er mich, ob er das Swlüstelbrett- chen, an dem er gerade sägt, mit nach Hause nehmen darf. In seinem Stolz möckte er es am liebsten schon jetzt seinem Vater zeigen. Während ich noch die Tafeln der beiden Erftschnitzer Heini und Helmut mit den vielen „Heil Hitler" nachsehe, mischen sich auch die "roßen Buben" in den Rechenbuchstreit. Auf einmal sagt Alois: „ . . ., und das ist überhaupt nicht kameradschaftlich!" Alfons hält einen Augenblick im Sägen inne: „. . . , und wenn du's jebt net bald hinlegst, triefte heut abend die Hucke voll!" Noch ein drohender Blick nach Walter, der in der linken Hand tramnffrnft das Rechenbu^ r ’4t und trotzig seine Dingwörter schreibt, und Alfons sagt weiter, W>ons und Alois sind Pimpfe, wie alle unsere größeren Jungen und die Kleinen haben ordentlich Respekt vor ihnen. Es ist also kein Wunder, daß Alex nach 5 Minuten friedlich die Zahlen aus Walters Rechenbuch abschreiben kann.
Co, nun kann Erwin sein Lesestück von „hei ni und le ne in en ten hau sen" auch ganz ordentlich lesen, jetzt sind wir mit unseren Aufgaben fertig, — Das Aussägen ist auch schon in vollem Kanae. Und unsere Jungens verstehen's! Bis auf Theo und die vier anderen Kleinen, die jetzt noch ziemlich „zackige" Wurstbrettchen aussägen, liefern bie andern schon recht exakte Sachen. Der Willi ist jetzt schon am
Stiefel" sind durch die modernen Verkehrsmittel längst überholt, nur gewisse Meckerer trauern der guten alten Zeit nach und verschließen sich einer lebendigen Gegenwart. — Inzwischen ist es Winter geworden im Fuldaer Land, die Berge grüßen weißverzuckert ins Fuldatal, nordische Zugvögel halten Rast an den Ufern der vereinsamten Fulda, und sachte breitet sich die vorweihnachtliche Stimmung über Stadt und Land. Das barocke Fulda kommt in seiner Geschlossenheit wieder richtig zur Geltung — manche Einzelheit, die sich im Sommer hinter den Baumriesen versteckt, zeigt sich dem Kenner und Liebhaber, der Augen dafür hat. Tie Anlagen sind gepflegt und auch an diesen Vorwinter- tagen belebt. Die Frauenberg-Anlagen, auf der Westseite, sind seither etwas stiefmütterlich behandelt worden, aber auch hier wird in absehbarer Zeit Ordnung geschafft. — Die Geschäftshäuser im Stadtinnern zeigen sich jetzt von ihrer schönsten Seite — ist doch die Zeit der tausend Weih- nachtswllnsche gekommen. Weihnachtlich haben sich die Schaufenster herausgeputzt — das Praktische und Nützliche wird in den Vordergrund gestellt, aber wer es sich leisten kann, sollte auch etwas mehr tun. Da werben die Fuldaer Künstler beispielsweise: warum sollte nicht auch einmal ein schönes Bild oder eine Zeichung von bleibendem Wert angeschafft werden? Warum hängt immer noch der Bauer und auch der Städter den schrecklichen Oeldruck-Kitsch in protzigem Goldrahmen in seine Stube? Weil immer noch Kräfte am Werk sind, die am Kitsch Geld verdienen, und weil sich immer noch die richtige Erkenntnis diesen Dingen gegenüber nicht voll durchgesetzt hat. Es ist schon bester geworden, es wird z. B. nicht mehr geschehen, daß wertvoller Bauernhausrat verschleudert wird. Wer die Kleinarbeit kennt, die die in Mlltterschulungs-Kursen und in aufklärenden Vorträgen heute auf dem Lande geleistet wird, dem ist nicht bange um die Zukunft der Volks-Kultur. Und wenn sich dennoch manches nicht ausrotten läßt an Ungeschmack und Unkultur, so ist dies nur eine Frage der Zeit, es muß mehr als ein „toter Punkt" überwunden werden. Wir zünden morgen die erste Kerze im Adventskranz an in dem Bewußtsein, daß sich die Weihnachtszeit nicht mehr in einer betriebsamen Geschäftigkeit erschöpft — wir wissen heute, daß unseren Festen Sinn und Inhalt zurückgegeben ist. War es nicht so, daß vor drei bis vier Jahren Adventskranz, Christbaum und Weihnachtslichter in erster Linie den jüdischen Warenhäusern als Lockvögel dienten? Wurden die christlichen Symbole nicht in jeder Weise mißbraucht, um Geschäfte zu machen? Diesem Unfug wurde mit Nachdruck entgegengetreten — die christlichen Symbole sind heute geschützt und geehrt. Das sollte nie vergessen werden, wenn irgendjemand, aus seiner Macht-Position verdrängt, von Heiden und Elaubensfeinden zu raunen wagt. A.M.
sechsten Brettchen. Und die sechs Brettchen zusammen werden einen lustigen Lampenschirm bilden mit Szenen aus „Rumpelstilzchen". Alfons hat seinen „Hänsel und Gretel"- Lampenschirm schon fertig. Eben ist er an einem Wandbild; der alte Frug mit seinem Windspiel wird ausgesägt. *'ans= chen hat an dem großen Hasen, den er für sein Brüderchen machen will, schon das fünfte Sägeblatt kaputt gemacht. Nun sitzt er da, mit glühenden Backen, sägt ganz vorsichtig, fühlt ab und zu, ob sie schon heiß ist, denn wenn die auch kaputt ist, gibt's ja keine neue mehr! Neben ihm murkst sich Erwin redlich an einem Kalender ab. Der kleine Erich bohrt Löcher in sein Schlüsselbrett und der große Erich sägt „elegant" an seinem „Tischlein deck dich." Ein feines Fensterbildchen wird das werden! Dem Jungen ist aber auch nichts zu schwer oder zu kniffelig. Schon oft beim Aufzeichnen habe ich zu ihm gesagt: „Erich, das ist zu fein, das lassen wir lieber weg, denn es bricht ja doch ab!" Aber das wollte er nie. Und Erich bringt's auch jedesmal sauber hin. Unter seinem Fensterbildchen sägt er sogar die Schrift aus: „Tischlein deck' dich!"
So ein Nachmittag bei uns im Hort geht herum wie der Wind. Besonders jetzt, wo wir noch unser Märchenspiel proben müssen. Eben ist es halb 5, also noch ne gute Stunde bis zum Kakaotrinken. Ich ziehe mit den „Schau- spieelern" hinüber in den Saal. — Es klappt schon ganz gut, unser „Hönig Drosselbart". Aber der erste Adventsonntag ist auch schon bald da und wir wollen uns doch nicht blamieren, wenn unser Saal voll Eltern und Kinder sitzt. Wir wollen schon dafür sorgen, daß ihnen unser Märchen gefällt! —
Die 3 Kakaokannen sind leer. Das heißt, bevor sie nun endgültig so ruhig dastehen dürfen, sind sie von unserm Hausmlltterchen 2mal gefüllt werde; jetzt ist es gleich sechs Uhr. Liselottches Mutter wartet schon draußen. Zum Schluß singen wir: Wenn die bunten Fahnen wehen. — Händedruck, Getrappel auf der Treppe, Becher- und Teller- geklapper, Spülwasser dampft, ein Besen fegt, Tische und Stühle richten sich aus; dann verlöschen 6 Glühbirnen und eein Nachmittag im städtischen Kinderhort ist zu Ende.
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Mitteilungen der NS.-Dienststellen.
Die politischen Leiter und der Kreis-Musikzug
treten am Sonntag vormittag 10.30 Uhr vor der Kreis- Geschäftsstelle im Schloßhof an zu einer Werbe-Veranstaltung für das Winterhilfswerk. Der Kreisleiter.
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VDM.-Ning Fulda!
Am 2. Dezember findet ein Konzertabend der NS.- Kulturgemeinde statt, zu dem Ihr Karten zu 0,30 RM. am Bannbüro, Schloßstr. 1, haben könnt. Dieser Abend ist gleichzeitig der Abschiedsabend des Musikmeisters Rohde.
Die Ringführerin.
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Die nächste Beratungsstunde für Nerven- und Gemütskranke für den Stadt- und Landkreis findet am Donnerstag, 5. Dezember 1935, vormittags von 10—12 Uhr für den Landkreis und nachmittags von 2.30 bis 4 Uhr für den Stadtkreis in Zimmer 23 des Landratsamtes statt. Die Beratung ist unentgeltlich.
Kreis-Wohlfahrtsamt.