Der verlorene Ton.
Heitere Skizze von Johann Otto Bringezu.
Die kleine, lustige Geschichte, die hier erzählt wird, spielte rum Ende des vergangenen Jahrhunderts in einem deutschen Radeort ab, dessen Name damals einen hellen und lauten Klang Wie Nicht, daß er ihn heute verloren hätte; aber zu jener gcil verstand man unter diesem „Klang" weniger das sanfte Geplätscher der heilbringenden Quellen oder das milde Rauschen her reinen Luft in den Waldern, sondern eher das heimliche Klingen der heimlichen Kronen, das für die Ohren der Ein- heintWn unter den schlichten Filzhüten oder feierlichen Zylindern der Könige und anderer Fürsten zu hören war, wenn sie ans der Kurpromenade lustwandelten.
In jenen Jahren war es — warum, wußte niemand recht ru sagen — bei dem dortigen Männergesangverein Brauch geworden, den neu ankommenden Gästen, sofern sie ein Land oder auch nur ein Ländchen regierten, am zweiten Morgen nach ihrer Ankunft ein Ständchen zu bringen. So hatte man'sich auch nach der Ankunft Eduards VII. von England im Garten des Hotels eingefunden. Im Hinblick auf die besonders zackenreiche Krone des Gastes vielleicht mit noch etwas höher gewölbten Hemdbrüsten und noch etwas glänzender gebürsteten Zylindern als sonst. Jedenfalls machte es so den Eindruck bei dem jüngsten Mitgliede des Vereins, einem Fleischermeister Georg M., der nichi nur über ein blühendes Geschäft, eine blühende Gesundheit und über die blühende Aussicht auf eine baldige Verlobung mit Henriette, der einzigen Tochter des Chefkochs und Hoftraiteurs im Hotel, verfügte, sondern auch über den blühendsten Tenor, der je dem Verein angehört hatte. Dennoch hatte er es heute nicht etwa darauf abgesehen, dem Könige von England Eindruck zu machen. Es muß sogar gesagt werden, daß er im letzten Grund« ihn nur als Mittel zum Zweck ansah. Denn nachdem er, wie er glaubte, mit seinem Tenor nicht nur dem Ohr des Königs und nicht allein dem Herzen seiner Henriette, sondern auch dem Stolz des Chefkochs geschmeichelt hätte, wollte er bet dreiem gleich nach dem Ständchen um die Hand seiner Tochter anhalten.
Man war bereit, das letzte Räuspern verklang; mit Vergnügen sah der Chor die Fenster des Hotels rings besetzt, und auch hinter den Gardinen des königlichen Schlafzimmers glaubte ein besonders scharfsichtiger Bariton die Umrisse des königlichen Gastes zu erkennen. Mit Vergnügen erblickte auch Georg, der Tenor, seine Henriette neben ihrem Vater am Küchenfenster, den zierlichen Kopf leicht gegen die Schulter hin geneigt, im dessen der Vater voll Erwartung seinen Napoleonsbart zwirbelte. Man war bereit, aber es geschah nichts. Denn noch fehlte bei Dirigent, und als er, wegen seiner Körperfülle ein wenig atemlos, vor seine Sänger trat und mit gewohntem Griff aus seiner Westentasche die Stimmgabel ziehen wollte, da geschah auch jetzt noch nichts, oder vielmehr, es konnte nichts geschehen, weil — die Hand leer zurückkam! Die Stimmgabel war fort und die Stimmpfeife auch.
Aber zugleich mit dem Schrecken kam ihm der rettende Gedanke: „Der Schorsch soll den Ton holen. Schorsch, lauf' wa-' du kannst, und hol' den Ton aus dem Musiksaal, wo der Flügel steht. Aber eil' dich, eil' dich, der König wartet schon!" Das letzte „eil' dich" traf nur noch die langen Gehrockschöße des verliebten Meisters, der, von der Wichtigkeit seines Amtes überzeugt, wie ein Junge davongeschossen war, dem der Flurschütz« aus den Hacken ist — sehr zum Erstaunen des Hoftraiteurs. Er lief über Treppen und durch Gänge, kreuzte den Speisesaal und ließ im Lesezimmer die Zeitungen flatternd auffahren, als er an ihnen vorüberflog in datz Musikzimmer hinein.
Ein Anschlag, ein Summen hinter geschlossenen Lippen — und flugs mit langen Beinen wieder zurück, durch das Lesezimmer, den Speisesaal, über Treppen, durch Gänge, an goldgerahmten Spiegeln und künstlichen Palmen vorbei, deren Wedel unwillig hinter ihm dreinraschelten: Eil' dich, eil' dich, sie warten schon. Da ging plötzlich vor ihm eine Tür auf, und der Herr Hostraiteur, inskünftiger Schwiegerpapa, trat ihm in den Weg. â, wohin denn so schnell, Schorsch? Was hat's denn gegeben? ârum fangt ihr denn nicht an?" Und dabei hielt er den Kaufenden so beharrlich am Rockaufschlag fest, daß ein Entschlüpfen nicht möglich war.
Dem braven Meister trieb die Verlegenheit den Schweiß auf die Stirne. „Hmmm", summte er zwischen den krampfhafi aeiailosienen Livven. mckte die Ackikeln und mühte kick dabei
Wien geht der Hgchzeitsmrsch
Roman von Bert Bertel.
Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
37 (Nachdruck verboten.)
CtTfté schon erfahren hatte, welch ein Aufstand in wem Lande sich ausbreitete? Unerbittlich aus dem Süden von Cochera seinen Weg nahm und gegen das tostspielige Waldprojekt Sturm lief.
Oh . . . Walter hatte es klug bedacht! Denen in Monario mußte etwas Neues geboten werden. Maria mußte vom Vertrage wegkommen. So zog er denn mit ^mem in Wien geschätzten Ingenieur die ganze Küste entlang, um den großen Ausweg zu suchen. Monario wollte einen Seehafen haben, aber die Küste war glatt und buchtlos. In der Nähe von Cochera hatten die velden plötzlich den gleichen Einfall, als sie die dortige èiustenlandschaft von oben her sahen. Der gar nicht so breite Kalkfirst brauchte nur durchstochen zu iberden, und mne Bucht, eine riesenhafte geschützte Bucht war fertig, fertig ohne allzu große Opfer. Fertig ohne dynastische Kompromisse mit dem im Grunde unbeliebten Gmnn- vener, dessen Bestechnngsmanöver erst bei dem nun folgenden Kampf der Meinungen unversehens offenbar wurden.
Ä erinnerte sich, welch schwierige Wochen hinter . Der Süden Monarios stand aus seiner Seite, "^ Norden leistete man den Widerstand der @tfer= auch den Widerstand, der im letzten Solde des omundener Herzogs stand.
hatte nicht an gefährlichen Augenblicken gefehlt. Inzwischen hatte sich fast das ganze Land zu dem Merings auch sehr verblüffenden Projekt von
ii
â. Grafen Ingenieure hatten klare Zahlen auf» lassen,' klare Vergleiche waren ins Gefecht Mengen. Da half nichts. Graf Lieben war in kürze- Zeit der Mann des Tages, der Mann von Monario. Walter lächelte: Niemand in diesem nun unter Blüten- "Men stehenden Lande wußte etwas von seinem Liebes- man mit Maria. Vielleicht war es noch gut so. —
spähte gedankenvoll in die Weite. Am Horizont M das Meer fast grün aus. Ein langsamer Abend heran. Als Walter sich umwandte, sah er den K-igenleur schon tief unten.
Die Stille der Küstenlandschaft wurde fühlbar. Wt< i""6e noch und der große Zauberstab würde hier alles Moen und Rührigkeit verwandeln.
g,,fuder kamen, Bilder gingen. Walter faß siynenk M^wem flachen Kalkhöcker und hörte von weitem
künftigen Schwiegervaters mit mehr Energie £ KEchkett zu lockern. Hmmm" - und es klang, wie wenn Me?, geschlossenen Fenster den Ausweg sucht. ^™«L' ^E Augen nahmen in demselben Maße den geängstigten Fisches an, wie die des Kuebel- saunier wurden. „Ei, ei, Schorsch, hat dir awÄ â- ist dir W -tw°- es wieder, jetzt aber wie das Sausen S Ä Bienenschwarms und „Hmmm" — und dabei schüttelte Meister Georg Kopf unb Schultern — und „Hmmm" — Dabei drehte er dem Herrn Hoftraiteur in ganz respektwidriger den Aermel um das Handgelenk so fest zusammen, daß der mit einem Schmerzenslaut den Rock fahren lassen mußte. Und „Hmmm , — ]o brauste er davon und — geradenwegs in die venriett^enë hinein, die den einseitigen Dialog ihres Vaters geyort hatte und sehen wollte, was es mit diesem Selbstgespräch Ware. Und ehe der unglückliche Meister noch üeit zu neuen „Hmmm" und neuem Kopf- und Schulterschütteln ihm ein leises: „Eil' dich, Liebster", ins Ohr und ^m ewen Elchen resoluten Kuß auf die festgeschlossenen
Standhaftigkeit dem redseligen Koch gegenüber. Lippen stand er da und suchte und probierte, aber
^ ârs mit dem „Hmmm", aus mit dem sorglich genuteten pon; vergeblich war die Eile gewesen, vergeblich die Standhaftigkeit dem redseligen Koch gegenüber. Mit offenen Lippen stand er da und suchte und probierte, aber Ton und Kuß waren nicht mehr voneinander zu trennen, weder auf seinen
"uf Henriettes Lippen, die sich vor Erstaunen nun ebenfalls nicht schließen wollten.
Was dann geschah? Eine breitbrüstige, schwarzberockte Ge- stalt Iprang neni jagte, die Treppen und Gänge, das Speise-,
, Muslkztmmer entlang, hämmerte einen Schlag au den Flügel und flog — ein riesiger, lautsummender, schwarzer Käfer denselben Weg zurück. Vorüber an dem erbosten Vater und der verdutzten Tochter, diesmal ohne ein Hindernis zu finden, dem Dirigenten fast in die beschwörend erhobenen Hände Hinern. Aber nun doch mit dem Ton, dem glücklich wiedergefundenen ...
Als das Ständchen beendet war, kam ein Küchenjunge und brachte dem Meister ein Kärtchen. Darin stand, daß ein'könia- licher Hoftraiteur es sich nicht antun könne, einem Manne seine ~ocqter zur Frau zu geben, der offenbar am frühen Morgen schon nicht mehr auf Nüchternheit sähe.
Dennoch wurde auch hier nichts so heiß gegessen, wie es gekocht war. Vom Küchenjungen erfuhr der Kellner, vom Kellner der Oberkellner, vom Oberkellner der Leibdiener und vom Leibdiener der König die Geschichte von dem verlorenen Ton. Und weil ihm das Ständchen gefallen hatte, die Küche des Kochs ihm gefiel und die junge frische Henriette, die mit verweinten Augen umherging, am meisten von allen dreien, wurde bald darauf dem Fleischermeister anheimgestellt, sich mit den nötigen Lieferungen um den Titel eines Königlich Englischen Hoflieferanten zu bewerben.
Er hat es sich nicht zweimal sagen lassen, und an dem Tage, an dem er das Diplom bekam und über seinem Geschäfte das goldprunkende Wappen mit dem Löwen und dem Einhorn anbringen ließ — an diesem Tage ging am Morgen die kleine Henriette wieder mit verweinten Augen umher; aber es waren Freudentränen, die jeder Braut wohlanstehen und die noch heller glänzten als die Perlenkette, die ihr als Geschenk des „englischen Herrn" vom köniallck englischen Hofmarschallamt übersandt worden war.
Was bringt der Rundfunk?
Frankfurt: Samstag, 23. November
6.00: Choral. Gymnastik. 6.30: Breslau: Fröhlich klingt! zur Morgenstunde. In der Pause 7.00: Nachr. 8.00 Wasserstand, Zeit, Wetter. 8.15: Stuttgart: Gymnastik 8.45: Sendepause. 9.00: Nur Frankfurt: Nachr. 9.15 Nur Kassel: Musik am Morgen. 10.15: Vom Deutsch landsender: Schulfunk: Der Hofer ruft auf! Ein Höv spiel. 10.45: Nur Freiburg: Nachr. 11.00: Werbekon zert. 11.35: Meldunaen. 11.45: Sozialdienst.
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Plötzlich sah er kleine Steine an sich vorüberrieseln Jäh wandte er sich um und begegnete dem schillernden Blick eines langen hageren Mannes, der gebückt schien sich aber nun langsam aufrichtete und seltsam groß wirkte.
„Abendspaziergang?" fragte der Fremde, etwaZ ironisch das Wort zerkauend.
„Mein Ingenieur und ich waren noch —" Walte: schwieg unvermittelt. Was ging das dem Unbekannter
an! _ „
Der stellte seinen spitzen Fuß auf den Felsen und schier zu lächeln. „Ja, ja, große Sachen, Herr Graf, :q weiß . . ."
Walter sah ihn wortlos an. Der Mann gefiel ihn nicht. Ringsum war es totenstill. Nur die Laute auè der See. Äber die fernen Glocken läuteten nicht mehr
„Sie kennen also meinen Plan?" fragte Walter ruhig
„Daß ihn heute jeder in Monario kennt, macht Ihrer Plan gefährlich —" kam es langsam zurück.
„Gefährlich?!" Walter lachte. „Ich denke, Monarir wird Dank dafür haben."
„Aber der Herzog von Gmunden nicht," lautete eine dürre, spröd gegebene Antwort. Der Unbekannte krock etwas in sich zusammen.
Walter starrte ans den Umhang des Fremden. Welch« Bewegungen verbarg er?
„Was habe ich mit dem Herzog von Gmunden?"
„Der Herzog rvird Sie fürstlich entlohnen, wenn Sik Ihren Plan fallen lassen!"
Graf Lieben richtete sich hochauf. Hinter ihm iw Abenddämmer der steile Abfall zur See. „Ich lasse mi^ nicht entlohnen! Berichten Sie das Ihrem Herzog. Iw übrigen ist mein Plan längst nicht mehr der meinige sondern die Oeffentlichkeit des Landes hat ihn bereits angenommen, verarbeitet, wirbt für ihn. Und wenn ich wirklich die Seele des neuen Hafenplanes bin —"
Walter konnte nicht aussprechen. Er sah plötzlich di< Gestalt des unheimlichen Langen wie eine Lanze quer, liegen.
Sein Mantel schien aufgerissen.
Eines der langen südländischen Messer rammte jäh> Ungs vorwärts.
Zllckte. —
Hatte Walter diese tolle Handlung vorausgesehen? Er bog mit einer jähen Hüftwenüung auf seinem ge- fährlichen Platz zur Seite, spürte an seinem Rock einer reißenden 81 ms und spannte sich unter einem grell neben ihm, unter ihm aufgesperrten Schrei.
Was war geschehen?
Er wußte es, ohne sich nmznwenden: Der Fremde war von der Wucht seines eigenen Stoßes nach vorn gerissen worden, hatte im Abgleiten sich nicht halten könne« und war über die Klivve aekivvt.
20 Jahre zurück.
22. November:
Sieg bei Ktesiphon.
__Die Türkei steht an der Seite der Mittelmächte.
hat nach allen Seiten ihre Lebensinteressen zu verteidigen. Rußland will die Meerengen und die Dardanellen, England Palästina und Mesopotamien, Frankreich Syrien. Zunächst muß die Türkei sich allein gegen den Ansturm der Feinde wehren, bis durch die Niederwerfung Serbiens die direkte Verbindung Berlin—Konstantinopel hergestellt ist. Die deutsche Militärmission, die vor dem Kriege das türkische Heer reorganisiert hat, und die Auslandskreuzer „Go eben" und „Breslau" sind zunächst die einzige Hilfe. In Mesopotamien ziehen zwei englische ^Kolonnen unter dem General Townshend den Euphrai und Tigris heraus. Die Türken stellen sich zum Kampf. Ihr Befehlshaber ist der deutsche Feldmarschall von der Goltz. Bei Ktesiphon am Tigris werden am 22. November die Engländer vollständig geschlagen und auf Kut- el-Amara zurückgeworfen. Anfang Dezember wird die Stadt eingeschlossen, und ihre Befestigungen werden von deutschen und türkischen Marinesoldaten von erbeuteten Flußkanonenbooten unter Feuer genommen. Überall helfen deutsche Offiziere und Soldaten ihren Waffenbrüdern
12.00: Stuttgart: Buntes Wochenende. 13.00: Zeit, Nachr 13.15: Stuttgart: Gasparone. Ein Melodienreigen au! Millöckers Operette. 14.00: Zeit, Nachr., Wetter 14.10 Vom Deutschlandsender: Allerlei zwischen Zwei und Drei 15.00; Wirtschaftsbericht, Zeit, Wirtschaftsmeldg 15.15 Feierstunde der Hitlerjugend mit Baldur von Schiracl am Grabe Heinrich des Löwen im Dom zu Braunschweig lWachswiedergabe)
16.00: Breslau: Sonntagsrückfahrkarte bitte . . Alle Höre: fahren mit, nur wer lacht, hält mit uns Schritt. 18.00 Heidelberg als Auferstehungsstätte des deutschen Volksliedes. 18.20: Stegreifsendung. 18.30: Das Mikrophon unterwegs. 18.40: Wochenschau. 18.55: Meldungen.
19.00: Wiesbaden: Unterhaltungskonzert. 19.55: Rus bei Jugend. 20.00: Zeit, Nachrichten. 20.10: Aus dem Mav morsaal im Zoo, Berlin: Festkonzert. Anläßlich des unter der Schirmherrschaft des Herrn Reichsministers Dr. Goebbels stehenden zweiten deutschen Komponistentages. 22.00 Wetter, Nachr., Sport. 22.25: Aus dem Marmorsaal in Zoo, Berlin: Tanz- und Unterhaltungsmusik. 24.00 Fröhlicher Sang und Klang nach Mitternacht.
Dcutschlanvseudcr: Sonnabend, 23. November
6.00: Guten Morgen, lieber Hörer! Glockenspiel, Tagesspruch: Choral: Großer Gott, wir loben dich. Wetter. 6.10: Berlin: Gymnastik. 6.30: Fröhliche Morgenmusik. Dazwischen 7.00: Nachr. 8.30: Sendepause. 9.00: Sperrzeit. 9.40: Kleine Turnstunde für die Hausfrau. 10.00:
Sendepause. 10.15: Der Hofer ruft auf!
Olufn.). 10.45: Fröhlicher Kindergarten.
Wetterbericht. 11.30: P. Zistler: Wie
Ein Hörspiel.
11.15: See- ardeitet der Eine Garten-
Reichswetterdienst? 11.40: W. Walthari: blume wird Volksnahrungsmittel. Anschl.
12.00; Saarbrücken: Musik zum Mittag. Ltg
Wetter.
: Musikdir
Schweitzer, wünsche, bis Drei!
Dazw.: 12.55: Zeitzeichen. 13.00: Glück-
13.45: Nachr. 14.00: Allerlei — von Zwei
15.00: Wetter, Börse, Programm. 15.10:
Kinderbastelstunde. 15.30: H. Ruban: Wirtschaftswochenschau. 15.45: Von deutscher Arbeit.
16.00: Breslau: Svnutagsrückfavrkarle bitte... Alle Hörer fahren mit! Nur wer lacht, hält mit uns Schritt. 18.00: Sportwochenschau. 18.20: Wer ist wer? — Was ist was? 18.30: Spiel und Sport im Schullandheim. 18.45: Willi Stech spielt auf dem Registerslügèl.
19.00: Wiesbaden: Unterhaltungskonzert. 19.45: Was sagt Ihr dazu? Gespräche aus unserer Zeit. 20.00: Kernspruch: anschl.: Wetter und Kurznachr. 20.10: Erinnerungen... Klänge und Gesänge, die man gern hört. 22.00: Wetter-, Tages- und Sportnachr.: anschl.: Deutschlandecho. 22.30: Das Kornett-Quartett der Berliner Staatsoper. 22.45: Seewetterbericht. 23.00: Adalbert Lutter spielt zum Tanz.
Ein Schrei im Raum. Dann nichts mehr. Woher btefei zweite Schrei? In diesem Augenblick gewahrte Walter der blaß in den Abend spähte, den heranstürmenden Ingenieur. Hinter ihm eine ganze Gruppe lärmende, Bauern.
Jetzt war der Ingenieur nahe und atmete aus keuchender Lunge: „Gott sei Dank, Graf, wir fürchteten daZ Schlimmste . . ."
„Haben Sie uns gesehen?" fragte Walter erregt. Der furchtbare Sturz des Fremden wirkte in ihm noch nach
„Gesehen?!" rief der Ingenieur, um den sich di« Bauern inzwischen geschart hatten und mit heftigem Winken den Grafen begrüßten. Jede Bewegung sah von unten wie ein Schattenriß aus, wie ein unheimlicher. „Ihr hattet Glück, Graf! Wir wären zu spät gekommen. Dieser in die See gestürzte Fremde hatt« die Bauern Colchow und Tarte bestochen. Sie sollten Euren Leichnam drunten auf dem Küstengrund sllchen neben. um die Planvaviere und alles Kenntliche au beseitigen, falls die See anständiger gewesen wäre ali Ihr Attentäter. Die Bauern haben mich vor eine: halben Stunde noch warnen können und sind gleich mi! mir heraufgerast, um das Schlimmste zu verhüten. Abel das Schicksal hat ja nun bereits Gericht gespielt —"
Der Ingenieur schrbieg. Stumm starrten die Männel ins Weite. Erste Sterne hoben sich auf goldenem Grund
„Wie hieß der Mann?" fragte Walter nach eine: Weile. Der Bauer Colchow trat vor. „Er stand schot- lange in Diensten des Herzogs. Er trug die Bestechungen an den richtigen Mann. Er stand im Hintergrund deZ anderen Projekts. Er machte die Leute toll mit dem Gedanken: Der richtige und einzige Weg zur Küste ging« durch die Wälder des Herzogs. Er hieß Maratti!"
*
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„Du, die Anny, das ist eine! Hübsch, lacht, kann aber fuchsteufelswild werden. wenn es ihr nicht recht kommt, daß man lustig ist!" Der Pferdehüter spornte seiner Gaul an, daß sein Freund, der dicke Fardas, grimmig nachkommen mußte.
In Wirklichkeit war es so, daß die Zofe Anny während ihrer nun schon mehrmonatlichen Anwesenheit aus den Gütern der Gräfin Schlettow alle Herzen im Umkreis erobert hatte.
Freilich, ihr selbst war es gar nicht immer so herzhaft zumute. Wenn am Abend die Sonne in die Weite der ungarischen Ebene hineinsank, wenn die Pferde in dichten Rudeln zusammenstanden, wenn das eintönige Geräusch der Ziehbrunnen abgelöst wurde vom schwermütigen oder feurigen Gesang der Burschen, dann stahl sich doch mitunter ein Tränlein in ihre klaren, junge« Augen.
(Fortsetzung folgt.)