Einzelbild herunterladen
 

Mi 12. Jahrgang

M. - ____________________

Fuldaer Anzeiger

Dienstag, 19. November 1935

Stadt und Land

MerausfiM?^ für morgen:

^iterkinwechselhaftes Wetter mit vereinzelten MSerschlägen, Temperaturen wenig geändert.

Zum Bußiage.

j Mose 41, 9.Ich gedenke heute an meine Sünde!" Jahrtausenden steht ein Mann in Ägypten vor Köniae. Und eben dort kommt ihm seine Sünde Bewußtsein seine Schuld, um derer willen ihn q-barao nicht ins Gefängnis geworfen hatte und andere Unrecht, das er erneut damit begangen, daß ^" ^ Versprechen vergessen hatte, für den armen, un- !L,LCn Mitgefangenen cinzutreten, der ihm seinen "gedeutet und Gutes verheißen hatte, das auch in ging. An seinem Könige und an seinem Msten hatte" er sich vergangen. Beides fällt ihm jetzt (LL ans die Seele.

" Bußtag halten wir heute. Wir stehen auch vor Herrn: vor dem König aller Könige und Herrn Vetren. Er schaut uns ins Herz und blickt in die «biwnen, vor Menschen vielleicht verhüllten Tiefen Seele Wir sind ihm Verantwortung schuldig jede Tat, jedes Wort und jeden Gedanken. Wir A-'olcichen uns und unser Tun mit seinem Wesen und 7W Wir kennen ihn durch Christus als den ganz kroßen und ganz Heiligen und gedenken unserer Sünde, ^ wir seiner so oft vergaßen und sein Wort und Gebot HL;itet haben. Ihm müßten wir gleichen, denn er w aus nach seinem Bilde; aber wir sind allesamt ab- ^vichèn und untüchtig geworden. Da ist nicht, der w- tue, auch nicht einer. Und wie steht es mit unserer ^e zu den Brüdern und zu den Unseren, die Gott uns in dm Weg gestellt? Oft haben wir ihnen Liebe gelobt, xr Mann der Frau, die Frau dem Mann, die Kinder x-ii Eltern, die Eltern den Kindern; und hat es nicht oft daran gefehlt, daß wir unser Versprechen auch ein= Mi hätten durch die Tat? Wie haben wir uns selbst io (ich! Und wieviel fehlt, daß wir den Nächsten liebten nie uns selbst? Wie steht es mit Wahrhaftigkeit und Uche, mit selbstlosem Dienen und wahrem Opfersinn? Wir gedenken heute unserer Sünde. Es ist gut, daß ein Ug ist, der uns besonders daran mahnt. Wohl uns, wenn wir ihn recht zur Selbstbesinnung nutzen und mit der Gemeinde zusammen unter Gottes Wort und in der Beicht- und Abendmahlsstunde. Der Herr Christus zeigt uni Vorbild und Gnade.

Nenn wir an unsere Sünde denken und unserer Mild vor Gott und Menschen uns bewußt werden, ton schauen wir nach einem aus, der uns die Schuld nimmt: denn wir allein vermögen uns aris eigener Kraft nicht davon zu befreien.Mit unserer Macht ist nichts getan", das ist Luthers Erfahrung, der gewiß kein Mâchling war, der mit ernstestem Willen gerungen daml, sich vor Gott gerecht zu machen; sein Gewissen hat ihn immer wieder verklagt, bis er Christus, den : Heiland, fand und die Wahrheit seines Wortes erkannte ICbne mich könnt ihr nichts hin!" Aber durch i h n I haben wir die Gewißheit der Vergebung unserer Schuld t durch den Kreuzestod Christi, indem er die Strafe aus sich Mm, die wir verdient hätten, und uns das Unter- > MS der Liebe Gottes gab, der seines eigenen Sohnes laicht verschonte um unsertwillen und uns zugute; und ftn danach, von Gott erweckt, nun bei uns ist alle Tage, i ht gedenken wir unserer Sünde und freuen uns be« Amt und dankerfüllt der großen Gnade Gottes in ' christus.

Hausfrauen und Handwerker beide rufen wir!

$a5 deutsche Handwerk hat sich wieder aus seine Kräfte Tonnen und zurückgefunden zu einer Wirtschaftsgesinnung, MM allein auf die Dauer seinen Bestand sichern kann. "°! noch hat er sich sein Recht nicht in dem Maße zurück- Wtn können, wie es notwendig ist. Die Hausfrau, die «hauptsächlichste Auftraggeberin angesehen werden muß, il noch uicht ganz gewonnen. Die Handwerksveranstaltung ; deutschen Frauenwerks, Abteilung Volkswirtschaft «wirtschaft, am Dienstag, den 26. November, sollen

Hausfrau und Handwerker, zusammenführen und ein ^neduirdnis schließen lassen. Unsere Handwerker sollen

Gelegenheit bekommen, ihren Abnehmerinnen die . echligten Wünsche zu sagen, von deren Erfüllung oft für /Meinen Handwerksmann soviel abhängt. Die Haus- Myrerseits wird gleichermaßen zu Wort kommen.

deutsche Handwerk hat über die Befriedigung der glichen Bedürfnisse (Bäcker, Fleischer usw.), die hohe, Kulturausgabe, artgemäße, handwerkliche Ee- 'u uud Kunstgegenstände zu schaffen, die von Geschlecht sich forterben und Zeugnis ablegen von dem ^.M^khchen Können. Auf diese Weise kann das deutsche mit dazu beitragen, den deutschen Menschen viel r hu verknüpfen mit der Vergangenheit seines Volkes. Atta ^""e" unseres Kreises, wir erwarten euch voll- J ? Zu der von uns angesetzten Veranstaltung am Diens- M 261 November 1935, abends 8 Uhr im Stadtsaal, em vollkommenes Bild vermitteln wird über die U!\ ^es deutschen Handwerks im deutschen Wirt- unb Volksleben. Die Hausfrau von heute bemüht "kennen, welche Auswirkung ihr Tun als verant- Da,^.Lerterin zur Folge hat. Sie fragt nach dem G mner Forderung, die die nationalsozialistrsche an sie stellt

in»° " b e v e r a n st a l t un g des Deutschen ßai.^uwerks, Abteilung Volkswirtschaft- °kwß'?"^^chaft, am Dienstag, den 26. N o - r-'..a bends 8 Uhr im Stadtsaal wird jeher hi'C^^oiiin, aber auch jedem Volksgenossen vor Augen Men der Einzelne durch sein Handeln dazu 6ei= geben ""v, dem deutschen Handwerk Arbeit und Brot zu

WMJ /Giftl«^ <$%Wift'?

ünj Dienstag, 19. November:

Sator Lady Windermeres Fächer.

Weites MMpiele: Helden von heute. -i-deater: Der ewige Traum.

Union.» Mittwoch, 20. November:

Lady Windermeres Fächer.

Bleues »/^^plele: Helden von heute. -ryeater: Der ewige Traum.

Wir blenden ab!

Kleine Aussprache zu einem wichtigen Ereignis.

Es gibt Leute, wir alle kennen welche und erachten ste sonst oft nicht als die Schlechtesten denen ihre höchst­persönliche Bequemlichkeit über alles geht, besonders wenn es sich um den geheiligten Bezirk ihrer mehr oder weniger schon ausgestatteten vier Wände dreht. Sie haben sich da ein ungeschriebenes, aber desto strenger gehandhabtes Gesetz zurechtgelegt, gegen das aufzubegehren selbst dem besten Freund als unverzeihliche Sünde angerechnet würde.

Vn diese Idylle hinter wohlverwahrten Flurtüren und mullverhangenen Fenstern greift nun eine ansonsten sehr geschätzte hohe Obrigkeit mit rauher Hand und kommandiert:

1. Du sollst nicht einfach um 17.30 Uhr in allen Zimmern das Licht ausschalten . . .

2. Du sollst Deine Fenster verdunkeln . . .

3. Du sollst die Treppenhausfenster . . .

4. Du sollst . . .

5.10. Du sollst.

2a, du liebe Zeit, wo bleibt denn meine Bequemlichkeit? Wo soll das hinführen, wenn mir einer dreinreden will, was ich in meinen vier Wänden zu machen habe.

Wer hat nicht schon in den letzten Tagen bei den nicht abreißenden Gesprächen über die kommende Berdunke- lungsübung auf der Straße, im Büro, im Kaffeekränz- chen derartige Fragen von bärtigen und zarten Lippen gehört^ Du sollte man zur Antwort immer einige Licht­bilder zur Hand haben, wie sie zahllos aus der Zeit des großen Krieges vorhanden sind: Ein großes Haus, d. h. es war einmal groß, denn eine Fliegerbombe hat es vom Dach bis zum Erdboden durchschlagen, und die kümmerlichen Reste seines Inneren erbarmungslos den Blicken frei­gelegt.

Seht, davor gilt es sich zu schützen, so gut es eben geht! Und weil wir diesen Teil der Abwehr lernen müssen, soll uns ein Ernstfall nicht unvorbereitet überraschen, machen wir alle mit. Sehen wir die Sache so, dann werden wir gar nicht kommandiert, dann müssen wir geradezu danach verlangen, daß jemand da ist, der mit uns übt.

Also studieren wir die zehn Gebote gründlich und prägen uns ein, was uns davon im besonderen angeht! Also suchen wir diealten Bestände" durch nach Material für die Abblendung der Fenster und machen mal mög­lichst bald eine kleine Generalprobe! Vater steigt höchst­persönlich auf die Leiter und zwickt das Tuch oder das

Ein großer Tag der evangelischen Gemeinde Fulda

war die feierliche Einweihung der Lutherkirche am letzten Sonntag, über die wir gestern eingehend berichteten. Unsere Bilder halten einige bedeutungsvolle Augenblicke der Feier­stunde fest:

Bild oben: die Geistlichkeit vor der Kirche.

Bild rechts: die Schlüsselübergabe durch Landesbischos

Pfarrer Veerhof-Kassel an Pfarrer Otto. (Aufnahmen

Brandenstein.)

Abende der Landesbibliothek.

Die nächste Veranstaltung findet wegen des Toten­sonntages nicht, wie vorgesehen, am 24. November, son­dern am Montag, den 25. November, pünktlich 8 Uhr, statt. Es ist ein Kammermusik-Abend, geboten von Marga Höckner-Bieberstein (Flügel), Lilli Friede- m a n n -Berlin (Violine) und Carl I ü s s e n -Stuttgart (Cello). Alle drei Mitwirkende sind aus früheren Kon­zerten in Fulda als befähigte Künstler bekannt, so daß ein hoher künstlerischer Genuß in Aussicht steht. Da nur soviel Karten ausgegeben werden, als Plätze vorhanden sind, empfiehlt sich baldige Besorgung an den bekannten Stellen. Ueber die Vortragsfolge seien kurz folgende Angaben ge­macht Es sind Trios für Klavier, Geige und Cello: nach dem Trio in G-dur von Haydn, dessen feuriges Rondo besondere Beachtung verdient, folgt Mozarts zweites G-dur Trio, ein überaus anmutiges Werk aus der Zeit seiner drei großen Sinfonien. Beethoven ist vertreten mit dem C-moll Trio (aus Opus 1), wohl dem genialsten des 25jährigen Meisters, den Abschluß bildet das einzige eigentliche Kamermusikwerk von Chopin, das Klaviertrio G-moll (op. 8).

Die Stadtgruppe Fulda der Kleingärtner und Kleinsiedler dielt Montag abend ihren ersten diesjährigen Schulungs­abend in derHarmonie" ab. Der Stadtgruppenführer Schade wies in seiner Begrüßungsansprache darauf hin, daß es Pflicht eines jeden Mitglieds sei, an diesen Schulungs- vortrügen teilzunehmen. Auch muß jeder Kleingärtner und Kleinsiedler bestrebt sein, aus seinem Garten so viel wie möalicb heraus zu holen. Der Gartenbauverein Fulda- Nord habe für das Winterhilfswerk 1935=36 32 Zentner Gemüse gestiftet. Auch der Schulungsleiter, Herr Henne­muth appellierte um vollzähligen Besuch der Schulungs- wträge. Anschließend sprach Gartenbautechniker Lichten- feld-Fulda über Obstbaumpflege. Er gab Aufschluß über die Verwendung von Zwergobst-, Buschobst- und Halbhoch­stämmen, deren fachgemäße Pflanzung, Düngung, Beschnei­dung etc. An diesen sehr lehrreichen Vortrag schloß sich eine Aussprache an.

Papier vor die Fenster, während der längst schon von der Sache begeisterte Sproßauf Posten zieht", d. h. von der Straße oder vom Hof aus die Wirksamkeit der väterlichen Maßnahmen überwacht.

Und wenn der 26. November kommt, dann klappt es wie am Schnürchen. Dann zeigt Fulda mit den Randgemeinden eine mustergültige Luftschutz-Disziplin!

Du sollst...!

10 Gebote zur Fuldaer Verdunkelungsübung am 26. Nov.

1. Du sollst Dir rechtzeitig Material für die Verdunkelung der Fenster beschaffen.

2. Du sollst daran denken, daß auch die Treppenhausfenster verdunkelt werden müssen!

3. Du sollst Dich nicht der Uebung dadurch entziehen, daß Du einfach in allen Zimmern das Licht ausschaltest. Wenigstens ein Zimmer sollst auch Du abblenden!

4. Du sollst vorher prüfen, ob auch wirklich kein Lichtschein irgendwo nach außen fällt!

5. Tv sollst Dich sofort mit dem Führer der Hausgemein­schaft, dem Luftschutzhauswart, in Verbindung setzen! Er oder der Luftschutzblockwart werden Dich beraten.

6. Du sollst während der Zeit von 17.30 bis 18 Uhr Dein Fahrzeug nur mit Schlitzkappen über den abgeblen­deten Scheinwerfern fahren. Von 18 bis 18.15 Uhr scharf rechts heranfahren und halten. Sämtliche Lampen Deines Fahrzeuges sollst Du löschen!

7. Du sollst, wenn Du Geschäftsinhaber bist, daran denken, daß Du Lichtreklamen schon bei dereingeschränkten Beleuchtung" ausschalten und gegebenenfalls am Aus­gang Deines Geschäftslokals Lichtschleusen anlegen mußt!

8. Du sollst daran denken, daß die Verdunkelungsübung eine vorbereitende Maßnahme für Deine eigene Sicher­heit ist.

9. Du sollst den Anordnungen der Polizei sowie den Wei­sungen der eingesetzten Hilfskräfte Folge leisten!

10. Du sollst daran denken, daß Verstöße gegen die Be­kanntmachung des Oberbürgermeisters streng geahndet werden!

Verdunkelung".

Am 26. November soll Fulda mit den anliegenden Ge­meinden in völliger Dunkelheit ersticken. Ja, wozu denn das? Lieber Volksgenosse, das ist eine ernste Maßnahme für ernste Zeiten. Die Form des letzten Krieges ist nach den gemachten Erfahrungen heute nicht mehr denkbar. Nicht daß Infanterie- oder Kavalleriepatrouillen die Grenze erst vorsichtig ertasten, nein, heute stößt hie Faust des Gegners gleich mitten in das Herz des Feindes, sucht seine Lebensadern, Industrie und Verkehr, zu zerreißen und den Abwehrwillen des Volkes zu erschüttern.

Willst Du dem Feind mit deinem Licht als Wegweiser dienen?

Die Heimat wird zum Kriegsgebiet, und von allen Rich­tungen können feindliche Flieger mit ihren leistungsfähigen Maschinen bis über das Fuldaer Land vorstoßen.

Nun, ein Lichtschein kann doch nichts schaden. Du irrst, mein Freund! Hast Du Dich schon einmal auf nächtlicher Wanderung befunden? Weg- und ziellos? Wie freutest Du Dich über ein Licht, das aus einem Dörfchen Dir ent­gegenschimmerte. Es gab Dir Richtung, beflügelte den suchenden Fuß und brachte Dich ans Ziel. So dient auch Dein Licht dem herannahenden Geschwader, das im Schutze der Dunkelheit ein Angriffsziel für seine Bomben sucht, als Richtung. Willst Du das verantworten? Darum muß auch das letzte Licht am Horaser Weg verschwinden, das bei der letzten Verdunkelungs-Uebung den Eindruck der totalen Finsternis verhinderte.

Ach ja, es ist ja nur eine Uebung! Der kluge Mann baut vor; den Brunnen erst zuzudecken, wenn das Kind

Mitteilungen der NS.-Dienststellen.

Stamm Groenhoff, herhören!

Der Dienst am Mittwoch (Buß- und Bettag) fällt aus. Der Führerdienst wird auf Donnerstag, den 21. November, verlegt. Antreten um 19 Uhr am Iungbann.