,, ag9 - 12. Jahrgang
Fuldaer Anzeiger
Samstag, 16. November 1935
Stadt und Land Am Wochenende
Mterbericht des Reichswetterdienstes, Ausgabeort Frankfurt Main.
Meist aufgeheitert, trocken, Temperaturen der Jahreszeit entsprechend.
Eine Bitte an alle!
Mit Beginn der kalten Jahreszeit tritt die Hitlerjugend ,inb mit ihr Jungvolk, BDM. und Jungmädel mit einer maßen Bitte an die Oeffentlichkeit. Es gilt, Heime aus- zu machen, in denen im Winter Dienst abgehalten arbeit kann. Wir wissen, daß dies schwer ist und bitten deshalb alle Parteigenossen und Volksgenossen, die Hitlerjugend bei dieser Aktion nach besten Kräften zu unterstützen, xie Hitlerjugend weiß selbst mit den einfachsten Räumen uoch etwas anzufangen und vermag sie sich dann zu ge-
Da es vielfach leerstehende Räume gibt, die sich bei gutem Willen für die Benutzung unserer Jugend entbehren lassen, richten wir an alle die Bitte:
Helsen Sie der Hitlerjugend bei der Heimbeschaf- sung, weisen Sie die Führer bei dahingehenden Bitten nicht ab, denn Sie helfen damit ja auch Ihren eigenen Kindern.
Es werden deshalb auch alle Bürgermeister und Behörden, sowie alle Hoheitsträger der Partei gebeten, die Hitler-Jugend bei der Heimbeschaffungsaktion zu unterstützen, um so recht bald greifbare Erfolge zu erzielen.
Heil Hitler!
Der Landrat und Gauleiter-Stellvertreter: Dr. Burkhardt.
Der Kreisleiter: E h s e r.
Berufung der Gemeinderäte.
Am Sonntag, den 17. 11. 35, nachmittags 3 Uhr, erfolgt im Beisein des Gauleiter-Stellvertreters. Landrat Pg. Dr. Burkhardt, des Eauamtsleiters für Kommunalpolitik Pg. Prof. Dr. Schulz, des Kreisamtsleiters für Kommunalpolitik Pg. Wittmann die Berufung der Eemeinderäte. Diese Berufung erfolgt erstmalg auf Grund der neuen deutschen Gemeindeordnung, nach Ablauf des vorgesehenen Probe- jch« durch den Beauftragten der NSDAP. Kreisleiter P^Ehser.
Zu der feierlichen Berufung kommen auch sämtliche '-Bürgermeister und ein Großteil der Beigeordneten. Die 6 sskitt wird umrahmt durch Darbietungen des Musikzuges D Kreisleitung.
Außerdem findet am Sonntag im Weißen Saal der f Orangerie eine Ausstellung des Amtes für Kommunalpolitik statt.
Winterhilfswerk.
Montag, den 18. November werden die restlichen Kartof- Mn verausgabt. Die Gutscheininhaber der Buchstaben A bis K werden vormittags von 8—12 Uhr, L bis Z von Uhr in der Reithalle beliefert. Gutscheine sind mit- Zubringen.
Der Apotheken-Nachtdienst
versieht vom 16. bis 19. November die Schwanen-Apotheke, Marktstraße, und vom 20. bis 23. November die Löwen- Apotheke, Adolf-Hitler-Platz und die Hirsch-Apotheke, Leip-
„Die endlose Strahe".
An Fronterlebnis von S. Graff und C. E. Hintze.
Wochenlang schon hat die elfte Kompagnie unter schwerem Trommelfeuer im Graben und im Unterstand gelegen, wochenlang schon haben die Soldaten bis an den Leib in Schlamm und Dreck gesteckt. Nun endlich soll die Ablösung kommen, und der Unterstand soll für eine kurze Spanne omt mit Ruhequartieren in Lille vertauscht werden.
Quartier — das bedeutet, wieder einmal ohne ständige »uegergefahr schlafen, wieder einmal warmes Essen ohne "-olsoße. Lille — das bedeutet für ein verdrecktes Front- den Himmel auf Erden.
. Aber die aufgepeitschten Nerven lassen selbst diesen lMharten Männern nicht die so dringend nötige Ruhe. den langen, unendlich langen Jahren an der Front sind -Mißtrauisch geworden gegenüber dem Glück. In ihrem
12 km Hinter der Front, einer zerschossenen spukt in ihren Gedanken und Träumen die Front Vor ihrem geistigen Auge erstehen immer wieder und Unterstand, und unablässig richtet stch ihr Blick * umkämpfte Niemandsland; vor ihrem geistigen Ohr t' br trommeln die Explosionen und Einschläge der Erana- , " .bas.alte Lied. Im Quartier wie an der Front be- , die Männer nur ein Geist, nur ein Wille: Durch- i Durchkommen darf der,Feind nicht! Bei -.bei der elften Kompagnie, nicht!
Ww6 MtkWV «Sh^w?
„ Sonnabend, 16. November:
6uinn=^.coter: Nur ein Komödiant.
«cue £Wd Leise kommt das Glück zu Dir. Theater: Douaumont.
Kiinn .20-30 Uhr: Bunter Abend.
Kunstausstellung.
'Nch-von-Bibra-Platz: Märchenstadt Liliput.
Hn- Sonntag, 17. November:
Nur ein Komödiant.
Neue- â'Äpiele: Leise kommt das Gliick zu Dir.
Douaumont.
Heinrm h^"n Kunstausstellung.
m-von-Vibra-Platz: Märchenstadt Liliput.
ÄamDf gegen Schund und Bitsch
Fuldaer Handwerk im Spiegel der Zeit.
Das Fuldaer Heimatmuseum hat zwar seine Pforten für das Winterhalbjahr geschlossen, das bedeutet jedoch keineswegs einen Winterschlaf für die städtische Museumsverwaltung, zudem ist die Frage der Heimatmuseen heute aktueller denn je. Der Besuch hat sich in den letzten Jahren sehr gehoben. Nicht nur die „Freeme" lassen sich diese interessante Schau nicht entgehen, auch der Fuldaer gewinnt mehr Geschmack an diesen Dingen der Heimat, es fehlt nur an der regelmäßigen Müseumsführung.
Der alte Fuldaer Weber M» Gutberlet hat sich durch Neukonstruktion eines Handwebstuhls sehr verdient gemacht um die anschauliche Ausgestaltung der Weberstube, in der die alte Technik der Handweberei gezeigt wird. Unverkennbar ist der Zug in allen Heimatmuseen, die alten Geräte der Vorfahren und alles, woraus die Heimatkultur einer entschwundenen Zeit spricht, nicht wahllos aufzustapeln und an einander zu reihen, sondern jedem Ding sinnfällig seinen Platz zu geben und die ganze damalige Umwelt zu gestalten. Die Wissenschaftler hatten mit Recht eine Vorliebe für das alte System des Aneinanderreihens und Registrierens — volkstümlicher und lebendiger ist die neue Richtung der Museumsgestaltung. Vielleicht läßt es sich im Laufe der Jahre ermöglichen, alte ausgestorbene Fuldaer Handwerke in ihren Werkstuben so zu rekonstruieren, wie sie einst waren. Auch noch blühende Handwerke könnten im Wandel der Zeit dargestellt werden.
Welche Wandlung hat beispielsweise allein das Frise u r g e w e r b e in den letzten 40 Jahren erlebt! Aus der kleinen, dunklen Stube mit Petroleumbeleuchtung und transportablen Wasserbehälter — die unvermeidliche „Kopfwalze " nicht zu vergessen — ist ein spiegelnder „Salon" geworden, der von Sauberkeit und Helligkeit nur so blitzt. Dann die alten verschwundenen Fuldaer „K a u f - mannsläden!" Das war Spitzwegromantik in Reinkultur. Der Fuldaer denkt dabei zuerst an das „Oele- lädche" — es befand sich in einem alten Bau, eingangs der Pfandhausstraße und nährte allein durch den Verkauf von Essig, Oel und Schnaps seinen Mann. Es war zur Zeit als der „Spezialist" noch etwas galt und sich ausschließlich auf seine zwei bis drei Spezialitäten beschränkte und diese unübertrefflich pflegte. Es kam die Zeit, da jeder „alles" feil hielt — und schließlich hatte keiner mehr etwas übrig von seinem vielfältigen Kram. Es sollte ein Fortschritt sein, war aber, wie man zu spät einsah, ein Rückschritt, ein Fehler in volkswirtschaftlicher Hinsicht. Gewiß wird es auch nie wieder dahin kommen, daß sich jeder auf einige Spezialitäten beschränkt — dem stehen wieder andere volkswirtschaftliche Bedenken entgegen, aber soviel kann gesagt werden, daß der „Fachmann", der „Spezialist", der sich bis heute durch die Nöte der Zeit hindurchgeschlagen und sein Fach vertreten hat als Könner bestimmt besseren Zeiten entgegen geht. Die gute Facharbeit wird gefördert, mehr als jemals. Der Kampf gegen Unkultur und Kitsch kommt nicht zuletzt dem Fachmann zugute. Niemals kann ein gutes Werkstück, das mit Hingabe angefertigt ist als Kitsch gewertet werden; selbst wenn es den strengen Ansprüchen der Kunst nicht entsprechen sollte, ist es werkgerecht und damit echt im besten Sinne.
Beim „Kitsch" angelangt muß man sich darüber klar sein, das der Kitsch in feiner gefährlichsten Form nicht in den albernen Geschmacklosigkeiten besteht, die jeder halbwegs vernünftige Mensch von vornherein schaudernd ablehnt, die schleichende Form ist die schlimmste. Sie versucht sich in allem und „macht" in allem, sie bemächtigt sich der greifbaren Werte, sie stiehlt Symbole und Ideale. Ein Mensch, der alles, was mit Heimat und Volkstum zusammenhängt vor wenigen Jahren noch lächerlich fand, dem die Bauern dumm und ungebildet erschienen, „macht" heute in Heimat und Volk. Worte und Wendungen, einmal glücklich geprägt, werden zu Tode gehetzt. Woher auf einmal diese Heimatliebe? Die Konjunktur scheint günstig — aber wachsame Volksgenossen erkennen diesen schleichenden Kitsch
Inzwischen aber hat sich vorn an der Front das Schicksal erfüllt. Bei den Neulingen, die man in das Schlamassel geworfen hat, i st der Feind durchgebrochen!
„Alarm!"
Fahr wohl — Lille!
Nicht mit dem Hurra erster Begeisterung — mit dem schweren Tritt soldatischer Pflichterfüllung bis zum letzten zieht die Kompagnie auf der endlosen Straße zurück zur Front.
Soweit die Handlung, das Fronterlebnis. Ein Ausschnitt aus dem verzweifelten Ringen an der Westfront. Ein packendes Bild eines kleinen Menschenhaufens gegenüber einer unerhörten personellen und materiellen Ueber- legenheit. Eine zerschlagene und zerschundene Kompagnie in Stahlgewittern gehärteter Soldaten, die in bewunde- rungswürdiger Disziplin und herrlicher Selbstaufopferung immer wieder auf der trichterdurchwühlten endlosen Straße den Weg vom Quartier in den Graben geht.
Dieses Gesicht des Krieges haben Sigmund Graff und Carl Ernst Hintze in ihrem Werk „Die endlose Straße" schildern wollen. Sie haben bewußt nicht für Schauspieler dankbare Rollen geschrieben, sondern die Kompagnie und den Gemeinschaftsgeist und die Gemeinschaftsarbeit in den Vordergrund gestellt. Der Held ist die Compagnie und mit ihr die Soldaten, deren Heimat wieder die Kompagnie ist. Der Soldat des Weltkrieges, der Tag für Tag im Graben gelegen hat, hat neben den vielen anderen auch hier ein Denkmal gesetzt erhalten. Graff und Hintze haben ihm dieses Denkmal geschaffen, indem sie den großen Weltkrieg in das Erleben einer Kompagnie gepreßt haben.
Die Aufgabe der Spielleitung in Händen von Fritz Richard Werkhäuser liegt darin, ein naturwahres Bild grau in grau zu malen. Paul Schönke hat mit seinen Bühnenbildern bewiesen, daß er den Rahmen für - diese Handlung zu schaffen in der Lage war. Dank seiner szenischen Gestaltung entsteht immer wieder jene Atmosphäre, welcher der Stellungskrieg seinen unverwischbaren Stempel aufgedrückt hat. Höhepunkte waren der Schluß des zweiten Aktes mit dem sentimentalen, aber in dieser Umgebung ergreifenden Soldatenlied „Annemarie", und der schwer wuchtende Abmarsch der Kompagnie am dämmernden Morgen zur Front, mit dem das Stück abschließt.
Es fällt schwer aus der auf Gemeinschaftsleistung abgestimmten Aufführung Einzelleistungen hervorzuheben. Da
und brandmarken ihn. Der Kampf gegen Schund und Kitsch muß Volkssache werden, Stadt und Land müssen zusammenstehen und auch dem schleichenden Kitsck. dem gesetzlich nicht beizukommen ist — die Hintertllre versperren.--
Aus einen Fuldaer Gärtchen wurden dieser Tage blühende Veilchen vorgezeigt. Im November immerhin eine Merkwürdigkeit auch die Meldungen über blühende Aepfel- bäume kommen aus verschiedenen Gegenden, somit hat sich
der gefürchtete „Nebelung" wieder einmal besser angelassen, als sein Ruf ist. Die zweite Novemberhälfte führt uns hinaus auf die Friedhöfe; mit der romantischen Verwilderung auf den älteren Fuldaer Kirchhöfen ist aufgeräumt worden. Viele verwahrloste Grabstätten wurden eingeebnet, aber dennoch will einem vor manchem vergessenen Grabe eine tiefe Wehmut beschleichen. Da sind auf dem mittleren Kirchhof Gräber von Fuldaer Persönlichkeiten, die im Leben eine große Rolle gespielt haben, man liest hohe Titel und Aemter auf den Denkmälern, aber keine liebevolle Hand entfernt das Unkraut und ordnet die vergessenen Hügel. Es sind „Kaufgräbe r", oft mit Bibelsprüchen gegiert oder Hinweisen auf solche „Die Liebe höret nimmer auf!" . . . nach dem Zustand des betr. Grabes zu urtei- len, hat die Liebe der Angehörigen bald ein Ende gefunden.
Vergessen verweht, wie das letzte braune Blatt der Sommerlinde. Müde scheint die Sonne und vergoldet den sinkenden Novembertag, fremde gefiederte Wintergäste sitzen in dürren Aesten. Bußtag und Totenfest stehen vor der Tür, sie bringen gleichsam den Abschluß der düsteren Novembermelancholie. Und das Leben geht weiter — ein endloser Güterzug fährt hart am Friedhof vorbei, der Großstadt zu, die Weihnachtsgüter rollen heran, Kisten mit Christbaumschmuck und Thüringer Spielwaren werden just in diesen Tagen zu Tausenden verladen. — In den Straßen der Stadt drängt sich das Leben zusammen, schon hat die Vor
schau auf das Weihnachtsfest begonnen.
A. M.
ist zunächst die Idealfigur des Hauptmanns, der im gleichen Maße Vater und Führer der Kompagnie ist, lebensvoll und unverfälscht von Hugo Firmbach gezeichnet. Einen echten Front-Offizier mit dem unbekümmerten Mut der Jugend gibt Hans Heinicke. Unter den Musketieren als unerschütterlicher, zuverlässiger Frontsoldat Paul Roland. Ein feiger Prahlhans Karl Heinz Peters als Rekrut Großkopf und sein Gegenteil, ein hoffnungsvoll anständiger Soldat, Otto H e y d e n als Rekrut Müller. Mit erlösendem Humor die beiden Drückeberger Otto R e i ch o l d und Carl W e i n l e i n. Den Zahlmeister als Etappenschwein karikierte Alwin Emmert sehr drastisch, einen Fähnrich, der die Nerven verliert, gab Tony Kayser allzu weinerlich. Als waschechter Feldwebel in Maske und Spiel überzeugte Eduard Neuhaus. Die Darstellung als Gemeinschaftsleistung war lebensecht und durchaus überzeugend.
Bleibt bei der schauspielerischen und bildmäßigen Würdigung nur zu überlegen, ob das Stück in dieser Fassung nicht zu lang ist. Wenn man die Dialoge und einzelne Szenen leicht zusammen gestrichen hätte, wäre die Wirkung bestimmt noch erhöht worden. Vor allen Dingen hätte man versuchen müssen, die Pausen in der Handlung bei offener Szene stark zu kürzen.
Das Haus war völlig ausverkauft. Der Ernst der Handlung vermochte auf die Zuschauer überzugreifen und einen Hauch dieses schier übermenschlichen, weltgeschichtlichen Geschehens zu vermitteln. Ein starker Erfolg für die NS.- Kulturgemeinde ebenso wie für das Frankfurter Künstlertheater, der sich hoffentlich nachhaltig auswirken wird.
B.H.
Hl
Mitteilungen der NS.-Dienststellen.
Dienst für die politischen Leiter der Bereitschaft Fulda.
Am Sonntag, den 17.11. 35, treten alle politischen Leiter der Stadt Fulda und Umgebung um 14.30 Uhr im vorderen Schloßhof an zur Teilnahme an der feierlichen Berufung der Bürgermeister, Gemeinderäte und Beigeordneten der Landgemeinden des Kreises Fulda. Bei dringender Verhinderung ist eine vorherige Entschuldigung notwendig.
Je fünf politische Leiter der vier Fuldaer Ortsgruppen treten bereits 13.45 Uhr ihren Dienst im weißen Saal an.
Der Musikzug der Kreisleitung spielt ab 14.15 Uhr im großen Saal des Stadtsaales. Der Kreisleiter.