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^. 265 12. Jahrgang

Fuldaer Anzeiger

Dienstag, 12. November 1935

Stadt und Land

^erausßchfen für morgen;

^chëricht des Reichswetterdienstes, Ausgabeort Frankfurt

Veränderliche Bewölkung und vereinzelte Nieder­schläge, bei lebhaften südwestlichen Winden etwas frischer. ________________

Anzeigen kurbeln an!

Eine Mahnung an den Einzelhandel.

Tie Notwendigkeit einer noch stärkeren Ausnutzung der Mhandenen Werbemöglichkeiten durch den Einzelhandel ivird in einer bemerkenswerten Untersuchung begründet, die Baumert imHandelsstand" anstellt.

Er führt im besonderen aus, daßauch die Mittel der Aussenwerbung jeder Einzelhändler für seine Zwecke über­prüfen und stärker heranziehen sollte. Neben Kino- und weMrsreflame könnten vor allem die Zeitungs- anzeigen stärker als bisher benutzt werden. Frühere Mißstände im Anzeigengebiet seien durch die Bestimmungen des Werberats beseitigt, so daß sich auch der Einzelhändler heute mit größter Sicherheit der Inseratenwerbung be­dienen könne.

Namentlich zur Kundenwerbung für Sonder­angebote komme sie in Betracht.

Nicht umsonst hätten die Großbetriebe des Einzelhandels großen Wert auf die Zeitungsanzeige gelegt. Die Lebensmittelanzeigen großer Warenhäuser hätten früher vielfach die Bedeutung eines Kurszettels für Lebensmittel gehabt. Diese Werbewirksamkeit des Inserats werde im Einzelhandel zum Teil noch nicht voll erkannt."

Fulda opferte.

Eintopsergebnis für November ohne Gaststätten 2815,20 M.

im vorigen Jahr 2791,97 M.

Treffen der alten kurhessischen Gardisten.

3m zentral gelegenen Bebra treffen sich die Angehörigen des ehemaligen Füsilierregiments von Gersdorff (Kürhess.) Nr. 80 und die Angehörigen ihrer Kriegsregimenter (RJR. 80, LFR. 80, RJR. 223, RJR. 253, JR. 186, JR. 353, ZR. 365) aus den Kreisen Hersfeld, Rotenburg, Hünfeld und Fuld a am Sonntag, den 17. Nov., nachmittags 2 Uhr imFrankfurter Hof" (Hotel Rehs). Im Mittelpunkt der Veranstaltung wird ein Lichtbildervortrag von Oberstu- dimdirektor Dr. Manns über den Anteil des Regiments 80 an der Schlacht an der Maas am 28. August 1914 stehen. Auch über die Ruhmestaten der Kriegsregimenter wird ge­stochen werden. Der Verbandsoorsitzende der 80er, Lan­destaurat Anthes, Wiesbaden, wird zugegen sein.

Es steht zu hoffen, daß alle Kameraden der erwähnten Kreise, die aus dem Regiment 80, dem alten kurhesf. Garde- Wment, hervorgegangen sind und ihm nahe stehen, mit Äm Frauen sich zu diesem kameradschaftlichen Treffen einstellen werden.

Kraft durch Freude!

Bunter Abend, ausgeführt von einheimischen Kräften.

EinenBunten Abend" mit einheimischen Kräften? Fa, gibt es denn so etwas, wird sich mancher fragen. Ja­wohl, so etwas gibt es! Und zwar am kommenden Sams­tag abend im Stadtsaal; da soll das Wort, daß der Prophet im eigenen Vaterlande nichts gilt, Lügen gestraft werden.

Mitwirkende, aus allen Bevölkerungskreisen werden ms Unterhaltung, künstlerische Darbietungen, Gesang, -anz, Spiel, theatralische Aufführungen und noch manches andere bringen. Jan Nils zeichnet für die Spielleitung verantwortlich, damit ist die Gewähr gegeben, daß das Pro­gramm eine hochwertige Note erhält. Musikzugführer Karl B e l l st e d t übernimmt die musikalische Leitung, und als Ansager fungiert S e p p e l Günther. Karten un Vorverkauf sind schon von heute ab bei den Betriebs- lvarten der NSG.Kraft durch Freude" zu haben.

Vach - Mozart - Beethoven.

1. Sinfoniekonzert der NS.-Kulturgemeinde.

v Sueses erste Sinfoniekonzert heute abend ist ein wür- 'gvr Auftakt für unser diesjähriges öffentliches Musik- und durchaus geeignet, das Interesse der weitesten zu wecken. Seine gediegene Vortragsfolge ist kein ^nsationsprogramm, verbürgt aber mit dem TrioBach- ozart-Beethoven" hochwertige Leistungen.

?zu r t eröffnet den Reigen des Abends und beglückt M I^uer köstlichen Ouvertüre zurZ a u b e r f l ö t e".

u m Mozart" ist Bekenntnis zur deutschen Un^ fehlt im neuen Deutschland in keinem Konzert- Ebenso steht MozartsZauberflöte" im Tip I^chrnter auf dem Spielplan jedes deutschen Theaters, s. âarchenmusik dieser Zauberoper kann man nicht be- e n man muß sie hören undlieben, sie bar "/^b Schöne, ihre Seligkeit in sich selbst. Unsag- vorUk»' ^^ und melodiös schwebt sie an unserem Ohr Cie schmeichelt sich mit ihrer Süße in unser Herz. Otam», ^uch die etwas strenge Linie, die das im Pro- gJ. <?n Zweiter Stelle stehendeViolinkonzert von J. 6. Ba ch als Gepräge hat.

Union-Tb Dienstag, 12. November.

?^ spanische Tänzerin. Neue« ^Mplele: Liebesleute.

Der grüne Domino.

Uhr: Stadt. Konzert, mlln: Kunstausstellung.

Mittwoch, 13. November:

Die spanische Tänzerin, ip'ele: Liebesleute. ^unstl»^!,"^v: Der grüne Domino. Meim: Kunstausstellung.

10 wichtige Regeln

für die Durchführung der Verdunkelung des Wohnhauses.

1) Für Wohnungen sind die Maßnahmen beieinge­schränkter Beleuchtung" undVerdunkelung" die gleichen.

2) Während der Verdunkelung sollen die benutzten Räume beleuchtet bleiben.

3) Für die Räume, in denen Licht benötigt wird, sind die Fenster so abzudichten, daß kein Lichtschein nach außen dringen kann. Erleichtert wird dies durch Abblenden der Lichtquellen selbst.

4) In nicht lichtdicht abgeblendeten Räumen muß die Möglichkeit genommen sein, diese zu beleuchten.

5) In Treppenhäusern mit abgeblendeten Fenstern muß, wenn keine Lichtschleuße vorhanden ist, die Treppen­beleuchtung ausgeschaltet sein. Ersatz durch eine ent­sprechende Notbeleuchtung ist vorzusehen. Blaue Lampen eignen sich hierfür gut.

Der Not zum Trutz dem Volk zum Schutz.

Die Technische Nothilfe weihte ihr Heim.

Unter Anteilnahme weiter Volksschichten weihte die Technische Nothilfe Sonntag vormittag ihr auf dem Wege der Selbsthilfe errichtetes Heim am Breiterweg. Der Ortsführer Feldmann konnte eine stattliche Schar von Ehrengästen begrüßen. Auch der Pioniersturm war zur Stelle in treuer Verbundenheit mit derTeno". Ebenfalls das Handwerk war zahlreich vertreten, das von jeher ein warm-herziger Freund der Technischen Nothilfe war. Einer großen Menge von Gästen, Freunden und Förderern der Technischen Nothilfe konnte der Ortsführer den Will­kommengruß entbieten. Er verband mit diesem Willkomm gleichzeitig den Dank an alle, die mitgeholfen haben das Werk auszuführen. Besonderen Dank sagte er der Werk­schar der Fuldaer Aktiendruckerei die mit 2 prachtvollen Chören die Feier umrahmte und der Feuerwehrkapelle, die den musikalischen Teil übernommen hatte.

Besonderen Dank aber gebührte den Förderern der TN. An der Spitze der Senior der Fuldaer Nothelferschaft, Bau­meister und Stadtältester Josef Fritz, der das 2 500 qm. große Grundstück der TN. zur Verfügung stellte. Von ca. 80 Fuldaer Handwerksmeistern und Gewerbetreibenden so­wie Handelsgeschäften wurden der Nothelferschaft die not­wendigen Materialien usw. zur Verfügung gestellt. So hat die Glaserinnung Fulda durch eine Schenkungsurkunde die 4 großen Fenster des Heimes fix und fertig eingesetzt. Der Namen könnten viele genannt werden. Die Verbun­denheit zwischen Teno und Bürgerschaft konnte nicht schöner zum Ausdruck kommen als in der gemeinsamen Arbeit am Sonntag eingeweihten Werk.

Der Stellvertreter des Landesführers der Landesgruppe Hessen-Westmark der TN., Dipl.-Ing. Plaßmann,

Jugend hat das Wort.

Ein Fuldaer Iungmädel erlebt München

Ja Rosel, Du hast ja schon den Mantel!". das war das erste, was ich sagen konnte, als ich Rosel traf. Die trug stolz ihren gutgepackten Tornister auf einem funkelnagel­neuen braunen BDM.-Mantel. Wir anderen sollten die unseren erst in München in Empfang nehmen. Wir ande­ren, das waren zunächst wir beiden Jungmädel und das BDM.-Mädel Gertrud aus Großenlüder. Wir drei waren die stolzen 21jährigen aus Fulda-Stadt und Land, die mit viel Freude und mit dicken Affen auf den Gau-Sonderzug Kurhessen warten durften. Aber außer uns waren da noch mehr, die auf dem hellerleuchteten Bahnsteig 1 standen:

Von den beiden Violinkonzerten, die Vach für eine Geige als Solo-Instrument geschrieben hat, ist dieses in E-dur das Daseinsfreudigere und für den Konzertsaal be­liebtere. Von der Liebenswürdigekit und Anmut Mozart- fcher Musik hat Bach nichts an sich. Sein Name wird mit Ehrfurcht, sogar mit einer gewissen heiligen Scheu ge­nannt; man bewundert ihn, aber man versteht ihn nicht. Seine Musik ist nicht populär. Bach ist der Meister der Formbeherrschung; seine Musik hält in jeglichem Empfinden strengbeherrschtes Maß, sie ist vollkom­men ist einfach Vollendung. Sie ist zu rein musikalisch, um v o l k s t L m l i ch zu sein. Deswegen sagt sie dem u n ge­schulten Hörer, der durch Mozartsche Musik in Ent­zücken versetzt wird, nur sehr wenig. Da ihr der sinnliche Reiz der Melodie fehlt, stellt sie auch an den musikgebildeten Zuhörer große Anforderungen. Noch größere Schulung aber verlangt sie von dem Spieler selbst. Bach läßt in seinem Violinkonzert die Sologeige einen Wettstreit führen mit der Gesamtmasse der übrigen Instrumente des Orche­sters. In drei Sätzen kann sie sich diesen gegenüber nach allen Seiten hin âls Meisterin zeigen. Der Solist des Abends, Konzertmeister B r ä h l e r , hat hier die schönste Gelegenheit, sein hohes technisches Können und seine Fertig­keit in gesanghaft edlem Ton und anmutigen Verzierungen zu beweisen.

Beethovens unvergleichlicheE r o i ka" beschließt den Konzertabend. Diese Komposition ist eine Verherr­lichung des menschlichen Heldentums. In der Persönlich­keit Napoleons Bonapartes fand Beethoven eine Ideal­figur für die Verwirklichung seiner Ideen, einen ganz großen Menschen als etwas greifbar Wirkliches in seiner Musik weiterleben zu lassen. SeineEroika" redet eine ganz andere Sprache als die Musik Vachs oder auch Mo­zarts. Restlos kann sie nur von tiefinnerlichen, warmen Menschen verstanden werden, die sich Hineindenken können in den infolge seiner Ertaubung zur völligen Verein­samung geführten Beethoven.

Welch ungeheure Anforderungen Beethoven in seiner Heldensinfonie an Dirigenten und Orchester stellt, möge jeder Zuhörer im Verlaufe des zweiten Konzertteils selbst beobachten.

6) Reklamebeleuchtung ist schon beieingeschränkter Be­leuchtung" zu löschen. Für Gaststätten, Theater und Geschäfte sind Lichtschleußen vorzusehen.

7) Tie Maßnahmen für die Abblendung haben sich auch auf Seiten- und Hinterfronten, Nebengebäuden zu er­strecken. Dachlucken und Kellerfenster sind nicht außer acht zu lassen.

8) Zur Verwendung als Abdichtungsmaterial eignen sich: lichtundurchlässiger Stoff, Decken, Pappe, Wellpappe u. ä. Jalousien allein genügen im allgemeinen nicht.

9) Das benötigte Material muß rechtzeitig beschafft und so gelagert werden, daß es jederzeit zur Hand ist.

10) Die Ueberwachung der Verdunkelungsmaßnahmen liegt zur Unterstützung der Polizeibeamten in den Händen des Luftschutzhauswartes und des Blockwartes, die den Hausbewohnern beratend zur Seite stehen.

Frankfurt a. M. weihte das Haus. Er knüpfte an die Totenfeier in München an und gedachte der auf dem Felde der Arbeit gefallenen Nothelfer und verband damit eine schlichte Gedenkfeier für diese. Einen weit ausholenden Rückblick auf die bisherige Tätigkeit der ^rN. in den 16 Jah­ren ihren Bestehens und eine Würdigung der Einsätze gab dann der Redner. Er weihte das Haus mit dem Wunsche, daß stets echter guter Nothelfergeist in ihm walten möge getreu dem alten Wahlspruch der TN.Der Not zum Trutz dem Volk zu Nutz". Damit übergab er das Heim der Not­helferschaft und der Oeffentlichkeit.

In Verhinderung des Oberbürgermeisters überbrachte Pol.-Komm. Verend die Grüße der Stadtverwaltung und fand warme und anerkennende Worte für die Tätig­keit der TN. ^jie riesige Kleinarbeit, so sagte er, unter anderem, die an dem vor uns stehenden fertigen Werk ge­leistet wurde, sehen wir nicht. Herzlichen Dank sagte er der Nothelferschaft für die aufopferungsvolle Arbeit, die außer­halb der beruflichen Tätigkeit von den Nothelfern geleistet wurde, auch im Interesse unserer Vaterstadt. Denn die TN. sei im Sicherheits und Hilfsdienst ein nicht zu ent­behrender Faktor. Er, der Leiter unserer Polizei habe sich erst in der vergangenen Woche von der Schlagfertigkeit und Einsatzbereitschaft der Ortsgruppe Fulda der TN. über­zeugen können. Er bat auch weiterhin um diese Mitarbeit.

Nach einem Schlußmarsch brachte der Ortsführer der TN. Fulda ein Siegheil auf den Führer aus, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Ein erster Gang durch das Haus, das mit feinsinnigem Geschmack und den ein­fachsten Mitteln eingerichtet und eine würdige Unterkunft für die TN. darstellt, schloß sich an.

Unser Kreisleiter Ehser, politischer Leiter, SA., Arbeits­dienstmänner mit ihren Fahnen und unser Bann- und Jungbannführer und ein Teil neugieriger Bürger. Ich glaube, so ungeduldig wie von uns Dreien, ist der Zug von niemand sonst erwartet worden. In welchen Wagen wohl der BDM. sitzt? Ob Lisbeth, die Obergaufllhrerin, wohl auch im Zug ist? Na, das sollte ein Leben geben auf der nächtlichen Fahrt! Na, und dann kam er endlich aus dem Nebel angepufft, unser Zug! Da, da winkte Aenne unt> da guckte Waltraut und Lux und Liselotte. Wir rannten nach vorne. Aha, hier war ja auch ein Schild am Fenster: BDM.! Die, die an den Fenster gehängt hatten, öffneten uns die Tür und wir stolperten in ein Abteil. Ja, wirk­lich: stolperten über ausgezogene Schuhe, denn man konnte ja nichts sehen. Den Deckenlampen hatte man ihre Mützen angezogen und die ganze Gesellschaft lag schlafend in Ecken oder langausgestreckt, wenn es der Platz erlaubte, auf den Bänken.' Uns wollte das erst gar nicht recht ge­fallen. So 'ne ausnahmsweise nächtliche Fahrt, die benutzte man doch nicht zum Schlafen. Und Lisbeth war auch nicht da! Die war sogar krank!

Na, Rosel und ich hatten uns das ganz anders gedacht. Was knurrte da Martha in der Ecke:Fahren auch schon seit 10 Uhr von Kassel aus!" Och, das war doch kein Grund zum pennen?!Na, ihr werdet's ja sehen!" meinte Waltraut, gähnte herzhaft und streckte sich auf dem Boden auf ihrer gelben Decke aus. So'n Verein! Rosel und ich saßen uns gegenüber und unterhielten uns halblaut. Na und dann? Ja, wenn jemand wohl mal noch vor Würz­burg in den BDM.-Wagen gekommen wäre, hätte er das­selbe Bild wie in Fulda gehabt: Schlafende Mädels in weißen Blusen auf dem Boden und auf den Bänken. Und oben in den beiden Gepäcknetzen, da lagen zwei, sanft und selig schlafend, die hatten auf der Station Fulda noch nicht da gelegen.

Auf dem Bahnhof München-Süd stiegen wir aus. Das war Hochbetrieb hier! Doch die Kurhessenjugerrd blieb zu­sammen. Voran marschierten die Hitlerjungen, ihnen folg-

Achtung! Spenden für das WHW.

Geldspenden für das WinterhUfswerk des deutschen Volkes 1935=36 im Gau Kurhessen sind einzuzahben aus das Konto Nr. 1241 bei der Commerz- und Privatbank in Kassel. Um jedoch allen Volksgenossen die Zahlung der Spenden nach Möglichkeit zu erleiu-tern, hat die Gaufüh­rung des WHW. mit sämtlichen Banken und Sparkassen ein Abkommen getroffen, daß die WHW.-Spenden auch bei allen anderen Banken und Sparkassen im Gaugebiet ern- gezahlt werden können.

Es wird gebeten, bei sämtlichen Spenden den Namen anzugeben, damit der Spender ordnungsgemäß in die Spenderkartei eingetragen werden kann.