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M sänke« hin für Deutschlands Glm;"...

Der heldische Spsergang der deutschen Zagend in den Kümpfen um Laugemarü

am 11. November 1914

Mit Blut getränkt habt ihr die fremde Erde,

Geheiligt ist die Saat, die ihr gesät.

Das Leben gabt ihr hin, doch einst ersteht

Aus eurer Opfersaat ein neues Werde!

Ihr Toten mahnt! Wir hören euer Rufen!

Es dringt wie Sturmgeläut an unser

Ohr.

Stumm schreiten wir, ein nacht- umbrauster Chor,

Der Freiheit zu, auf lichten Tempels Stufen.

Heinrich Gutberlet

Ueber keinen Opfern des Weltkrieges keuchtet die Tat heiligsten Sterbens so er­greifend und so ehrfürchtig auf wie über dem unvergleichlichen heldischen Opfergang der jungen deutschen Regimenter in den Kämpfen um Langemarck. Das Wort der nordöstlich von Ypern gelegenen, kleinen flandrischen Ortschaft ist durch dieses Wunder freudigsten, heroischen Sterbens junger deutscher Menschen zum unver­gänglichen Symbol in der Geschichte Unse­res Volkes geworden, zum strahlenden Symbol für alle Zeiten.

Das Wort Tannen­berg ist einmalig, ge­kennzeichnet durch die ungeheure Wucht des Geschehens und durch die gewaltige sieghafte Kraft jener Kriegsope­ration, das Wort Ver­dun durchzittert wie die Posaune des jüngsten Gerichtes, weil das Grauen jener Kämpfe sich nie wird vergessen , lassen, das Wort Lan- gemrck aber brennt ewig wie eine Fackel, weil hier, mit dem Deutschlandlied auf den Lippen, die Blüte unse­rer Nation sterben ging, weil diese Frühvoll­endeten, die hier ihr Leben Hingaben, zu- aleich mit dem Ruhm das Wort unsterblich gemacht haben: Deutsch­land kann in Ewigkeit nicht untergehen, weil es diese Jugend,weil es diese Menschen W hat.

Bevor noch die deut­sche Jugend bei dem kleinen flandrischen Dorf das Wunder hei- ngsten Opferns voll­brachte, mar Lange-

in der Geschichte des Feldzuges be- «its zu einer Bedeutung gelangt. Schon gleich nach Kriegsausbruch tauchte der Käme Langemarck zum ersten Male im Heeresbericht auf, allerdings in einem für uns ungünstigen Sinne, denn damals haben wir dort in drei verschiedenen Kämpfen nicht weniger Menschenleben hmgeben müssen. Eine Reihe von Mo­naten später, im April des darauffolgen­den Jahres, gelang es den Deutschen, und S«ar durch das neue Kampfverfahren der «asanwendung das Gas wurdeabge- dla>en" und hatte nur eine betäubende, nho keine tödliche Wirkung. den Eng- andern ihre Stellungen bei Langemarck reltrg zu machen. Ohne besondere An­strengungen konnten die Deutschen die Stellungen bei Langemarck beziehen, wo- ; dlne große Anzahl von Gefangenen 'n unsere Hände fiel. Auch die Gegen­dersuche, die der Feind in der Folgezeit nternahm, konnten an der Besitznahme N'chts mehr ändern. Beinahe volle zwei ^hde, bis in den September 1916 hinein, die Grabenstücke der flandrischen ^nndschaft, die ihre schnurgeraden Pappel- stratzen schier bis in die Unendlichkeit für das XXVI. Reservekorps, das U?"^°rps", Heimat und tägliches Er- ^e Därte wuchsen handbreit, über- stapste man durch dicken, klebrigen denn der grauverhangene flandrische HMMel hat es in sich. Das Wasser quatschte den Langschäften, die Uniformen waren ^Dreck und Speck nicht wieder zu er- nen. Ging man in Stellung oder kam aus der Stellung, dann führte der 0 E vorbei an den großen, weiten bes Schweigens, die eine kurze * 'ipanne vordem die vielen Tausende

von Toten des Ringens um Langemarck erbarmend aufgenommen hatten....

Zu fünfundsiebzig Prozent bestanden die vier neuen Reservekorps, das XII., XXin., XXVI. und XXVII., die zusammen mit Soldatenbeständen des Generals von Be- seler zur 4. Armee (unter Führung des Generalobersten Herzog Albrecht von Württemberg) zusammengestellt worden waren, aus Kriegsfreiwilligen, die sich gleich nach Kriegsausbruch dem Vaterlande zur Verfügung gestellt hatten und die be­reits nach einer Ausbildung von nur we­nigen Wochen ins Feld kamen. Ebenso handelte es sich bei der Mehrzahl ihrer Führer um Freiwillige, die, als die Kriegsgefahr sich entlud, als verabschie­dete Berufssoldaten oder als ältere Re­serveoffiziere sofort wieder zu den Fahnen eilten. Kaum irgendwo und irgendwann hat sich der seelische Kontakt zwischen den einfachen Soldaten und den Soldatenfüh­rern rascher, inniger und herzlicher voll­zogen als hrer in der Gemeinschaft dieser Freiwilligen, die vom ersten Kriegstage an mit flammenden Herzen zur Tat stan­den. Zum großen Teile aus Schülern und Studenten bestehend, konnten diese Kom­pagnien, allein schon ihrer knappen Ausbildung wegen, höheren Ansprüchen

länder

Zeichnungen: C. W. Kießlich (M)

über alles!

Deutschland, Deutschland

an Kriegstüchtigkeit nicht genügen. ^hre plötzliche Auslieferung an die harten Stra­pazen des flandrischen Schlachtfeldes stellte sie naturgemäß vor die außergewohnnch- sten körperlichen Aufgaben, aber in ihrer herrlichen Gesinnung, in dieser Herligen Treue in dieser glühenden Begeisterung für Deutschland und in dieser .restlosen Einsatzbereitschaft bleiben sie unübertrof­fen. Dutzendfach erlebte man den t^tu, daß Schüler und Lehrer in den gleichen Reihen standen, daß in den Kompagnien manchmal gar ganze Schulklasten lamt ih­ren Lehrern untergebracht waren.

Infolge der Erstarrung zum «chutzen- qrabenkrieg, die für die Weltkriegsopera­tionen so typisch wurde, war der 4. Armee eine bestimmte Mission zugefallen. Da die Erstarrung auf weite Ausläufer der Front hin, bis zur belgisch-französischen Grenze übergegriffen hatte, lallten die Korps der neuen Armee der bewegliche Flügel der deutschen Front werden Die Struktur der bevorstehenden Operatlons- pläne lief darauf hinaus, dass die Neierve- korps das englischeSöldnerheer über­rennen sollten. Nachdem der Vormarfch über die Yser erreicht war, sollte der wich­tige Stütz- und Sammelpunkt der Englän­der Ypern, angegriffen und der Angrif dann weiter nach Calais vorgetragen wer­den. Inzwischen hatte General ^rench der bis dahin über die deutschen Absichten im Unklaren geblieben war und auch über tue Zusammenziehung der neuen deutschen Ar­mee nichts hatte in Erfahrung bringen können, einen neuen Angrinsplan zurecht- qeleqt. Täglich und stündlich war mit dem Angriff zu rechnen. Da, knapp bevor noch Frenchs Befehl ergangen war, sickerten die strategischen Absichten der neuen deutschen

Armee durch. Erheblich in der Ueber- macht, stellten sich Belgier und Engländer, durch französische Truppenbestände ergänzt, dem Anmarsch entgegen. Von Erfolg zu Erfolg schreitend, arbeiteten die deutschen Soldaten sich bis an die Hauptstellung des Gegners heran. Dann mit Beginn der dritten Oktoberwoche entwickelte sich dieses fürchterliche, verbissene, verlustreiche Rin­gen um Langemarck

Der Gegner hatte aufgeboten, was in Menschenkraft lag. Da gab es kein Haus, keinen Zaun, der nicht zur Verteidigung hergerichtet war. Von allen Dächern, aus allen Scheunen, hinter jedem Schober knallten seine Scharfschützen, jeder Zaun, jedes Dach sprühte Verderben.

Von Stunde zu Stunde wird das Feuer wilder, verdichtet sich das Knattern und Bellen der Maschinengewehre, flitzen und spritzen die Kugeln. Ueberall prasselt es wie Hagelschauer. Menschenleiber schichten sich. Viele haben rasch ausgelitten, manche andere bewegen sich noch und werfen sich vor Schmerzen und Qualen hin und her. Zahlreiche Offiziere sind unter den Gefal­lenen. Pulverdampf überzieht wie dicke Wolken die Felder. Da und dort ver­sprengte Gruppen, die keine Führung mehr haben. Und von neuem prasselt der

Hagelschauer, noch viel lebhafter, viel toller als vordem schießt die Artillerie.

So geht es schier zwei Wochen lang, nur die Finsternis bringt hin und wiedereine kurze Unterbrechung. Und jeder Tag kostet neue schwere Opfer. Da, mit Mo­natsablauf läßt das Armee-Oberkom­mando vorläufig weiteren Operationen Einhalt tun. Auch das Beseler'sche Re­servekorps hat empfindliche Einbußen hin­nehmen müssen. Immerhin war hier der Abstand zwischen Menschenopfern und er­reichtem Erfolg nicht gar so groß.

Schon begründeten mancherlei Anzeichen die Möglichkeit einer günstigen Wende, schon sah es aus, als seien die Belgier mürber geworden Da kam jählings ein Rückschlag, auf den niemand gefaßt war. Der Gegner hatte sich plötzlich die Meeres­fluten zum Bundesgenossen gemacht und in der Gegend von'Nieuport die Deiche zerstört. Unaufhörlich rauschten die Was­ser durch die Durchstichstellen heran. Dieser Art von Kriegstechnik konnte leider auch die zäheste Hingabe, auch der kühnste Ein­satz nicht standhalten. Es blieb nur noch die Wahl des Rückzuges

Vom Armee-Oberkommando wurde für den 3. November ein abermaliger Angriff anberaumt. Zugleich kamen bei Lange­marck neue Kämpfe in Gang. Eine Woche später, am 11. November, meldete das Große Hauptquartier:Westlich von Lan­gemarck drangen junge Regimenter un­ter dem GesangDeutschland, Deutschland über alles" gegen die erste Linie der feind­lichen Stellungen vor und nahmen sie". Auch wenige Wochen zuvor hatten die jungen Regimenter das Deutschlandlied ge­sungen, als es zum Angriff vorging.

Es sind kaum jemals, bei solcher Ein­fachheit der Sprache, ergreifendere Worte in einem Heeresbericht geschrieben wor­den, Worte, die ein Vermächtnis sind, so lange ein deutscher Mensch über die Erde geht, Worte aber auch, die verpflichten. Solch Sterben wird ewiger Dank, solch Sterben kettet bis in die fernste Zukunft die Herzen an die Tat und verpflichtet zum

Nacherleben.

Man müßte die Worte jenes Heeres­berichtes in jedes Lesebuch schreiben, so­wie man einen schönen Eeleitspruch hin­einschreibt, damit unsere Kinder schon von früh an lernen, was ganze Liebe für das Vaterland ist, ganze Liebe, die sich von einer früher als Tugendgeübten" Vater­landsliebe himmelweit unterscheidet. Man müßte überall, wo in Deutschland junge Menschen zusammenkommen, diese Worte der Obersten Heeresleitung mit goldenen Lettern an die Wände heften, damit das heilige Licht der Treue und des deutschen Glaubens, das die jungen Kämpfer von Langemarck vorangetragen haben, immer­dar leuchte, damit das Lied von der glü­henden Begeisterung der jungen Schar, die jauchzend in den Tod ging, niemals ausklinge. Die Herzen, die bei Lange­marck verblutet sind, waren nicht Herzen, die schwelen, es waren Herzen, die wie Feuer lodern, Herzen, die nur ein Denken und ein Trachten kannten: Deutschland!

Viele Kommentare sind später in der Kriegsliteratur zum Thema her , ersten Flandernschlacht aufgetaucht. Zweifelsfrei ist eines: dasSöldnerheer" der Eng­verfügte über vortreffliches Men­schenmaterial, über Kräfte, die vielfach auch eine längere Ausbil­dungszeit durchgemacht hatten und für den Krieg gründlich vor­bereitet waren. Auch was die

Den

Frage der Bewaffnung angeht, waren die Engländer den deut­schen Korps voraus. Hinzu kommt noch ein anderer, für die Eng­länder sehr günstiger Umstand: die Chancen einer systematischen Abwehr lagen durchweg auf ihrer Seite. So beschränkte sich der Ge­winn für die vierte Armee im großen und ganzen auf, die Tat­sachen: daß die englischen An­griffsabsichten, noch bevor sie sich auswirken konnten, zunichte ge­macht wurden und daß bis an die Küste der Nordsee hin dke^ Be­festigung der deutschen Front - durchgeführt werden konnte.

1 Ueber alle Fragen hinaus, die * heute nach längerem zeitlichen Abstand von den damaligen Er- eignissen aufgeworfen werden önnten, bleibt die wichtigste und größte diese eine: sind die jungen Streiter von Langemarck umsonst gestorben?

Toten des 11. November 1914 die Toten des 9. November 1923

folgen

und den Männern, die vor der Münchener Feldherrnhalle fielen, folgten ein Horst Wesiel, ein Eduard Felsen, ein Heinrich Hessinger ein Herbert Norkus, ein Ger­hard Liebsch, ein Hans Hoffmann, ein Walter Wagnitz, ein Peter Büddig, ein Otto Reinke, ein Heinz Malchert, ein Paul Langner, ein Erich Garthe und all die vielen anderen braunen Märtyrer des

neuen deutschen Reiches.

Dieser Geist ist heiligster Geist von Langemarck Nre hat Deutschlands Jugend, nie haben Deutschlands Männer mit reiner Seele dieses große, herrliche Vermächtnis von Langemarck verwahrt.

Nein, die jungen Regimenter in Flan­dern sind nicht umsonst gestorben!

Horst Thielau