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Von H. T.
M es ein bloßer Zufall, daß das Genie, der Mensch der Geschichte macht, so häufig aus der schlichtesten Welt kommt? Ein paar wenige Beispiele aus dem Bereich der Wissenschaft: Watt war der Sohn eines Schiffszimmermanns, E. Stephenson war Kohlenarbeiter, Frauenhofer entstammte einer armen Glaserfamilie, Franklins Vater war Seifensieder. Auch Kepler, Herschel, Lalileo, Cuvier und Sprengel kamen aus sehr armem Hause.
Riesenhaft hob sie das Leben über ihre Zeitgenossen hinaus, den Bäumen gleich, die die anderen viele Fuß hoch überholen und mit weiter Krone ihre Nachbarschaft überschatten. Probleme, die oft lange außerhalb der Fassungskraft menschlicher Gedanken lagen, brachten sie wie durch eine glückhafte Eingebung zur Lösung, sie, armer Leute Kinder, denen an der Wiege dieses große Erleben ihres Lebens sicherlich nicht gesungen war. Menschen mit dem ganz k? men Anfang wie Millionen andere, Hera »gemachten aus einer geradezu nichstsagt.. den W weit, ein Keim, unscheinbar wie Sa/ be andere, Menschen mit dem allerengff । Kreis von Kindheit u Jugend.
Man ist den pti\ m Geheimnissen dieser ; sey "Mten / ichgegangen und hat dabei fast so viele ( cklärungen gefunden wie aus der Suche nach den Langlebigkeits- rezepten Hundertjähriger. Um wieviele Deutungen man sich auch bemüht, alle münden in der tiefen sittlichen Kraft dieser Seltenheitsmenschen, in einer Kraft, die Treue gibt im Kleinen wie im Großen. Treue aber gibt Vertrauen und Verantwortungsgefühl, aus dem Verantwortungsgefühl wieder wächst der klare Entschluß, der „das Höchste kühnlich wagt", der nicht früher ruht, bis das Ziel sein eigen ist.
Napoleon erzählt: „Als bei Montebello die Schlacht im Gange war, gab ich Kellermann den Befehl, die achthundert Pferde zu nehmen und den Angriff zu wagen. Kellermann gelang es denn auch, damit die ungarischen Grenadiere,, die sechstausend Köpfe zählten, dicht vor den Augen der österreichischen Kavallerie zu zersprengen. Da sich diese Kavallerie in einer Entfernung von nur einer halben Meile befand, benötigte sie zur Erreichung des Schauplatzes nur fünfzehn Minuten. Es war nicht das erste Mal, daß ich wie hier die Beobachtung machte, daß die entscheidende Wendung der Schlacht oft von der so unscheinbaren Spanne einer Viertelstunde abhängt."
Es ist nicht so, daß der Große die Fülle hat, weil ein blindes Glück sie ihm zuwarf. Vollendung bedarf der Tat, die Tat aber baut sich auf richtig erkanntem Ziel, auf gewissenhaftem Erwägen und auf einer klugen Auswertung günstiger Umstände auf.
Das ist tausendmal mehr als trockene Geschicklichkeit. Mit dem Entschluß allein ist es nicht getan, der Entschluß muß ein starkes Selbsterlebnis werden, durchlebt in ganzer Liebe zur Tat, durchlebt in einem freudigen, unbedingten Glauben an das Können. Nur so wird die Tat, im Sinne eines Weltgeschehens, zur Tat, von der alle sprechen, zur Tat, die die Türen aus Schloß und Angeln hebt. Das Genie ist mit dem Herzen mitten darinnen im Entschluß, seine Tat ist formgewordenes, tiefes inneres Erleben. So scheiden sich albernes Pathos und geläutertes Wollen wie Wasier und Feuer.
Der heroische Mensch ist ein Jnwendig- keitsmensch und doch geht sein Weg aus sich heraus. Das Genie der Tat arbeitet mit tausendfachem Vertrauen, weil es weiß, daß sein Wollen und sein Können eine Harmonie sind, weil über Entschluß und Vollendung sich wie ein flammender Bogen der unerschütterliche Glaube spannt. Sein Entschluß ist ein tieferlebtes Gespräch mit seinem Herzen und mit seinen Kräften, sein Wollen, Denken und Mühen sind ein tragischer Schrei nach dem Großen und Guten, sein Werken ist Würde und Hoheit, ist heiligstes Sichopfern für höchste Menschheitswerte.
Der Kornett
Als das alte Wasserschloß wie eine Fackel gen Himmel lohte, da saß der junge Axel von Groote am anderen Ufer des Wassers und hielt wie im Traum die Zügel seines Pferdes. Warum hatte der Hauptmann ihn allein am Leben gelassen, ihm den Zügel feines Pferdes zugeworfen und gerufen: „Paß auf!"
In dem Grübeln über das Rätsel dieses Schicksals starb seine Kinderseele. Es blieb ein verstörter Knabe, der am nächsten Morgen willenlos mit den Reitern weiterzog. Sein ruhiges blasses Knabengesicht leuchtete nur auf, wenn er mit seinem Hauptmann sprach. Allen anderen blieb er rremb.
Nachts, wenn das bleiche Licht des Mon-
Dem Gedächtnis Schnvnhorst^
des Schöpfers der allgemeinen Wehrpflicht in Preußens schwerster Zeit
Zur Führung der nationalen Verteidigung braucht die Armee nicht nur Menschen, sondern den Geist der Ueberzeugung für die Notwendigkeit, zu kämpfen und den seelischen Schwung für diese hohe Aufgabe.
v Hindenburg
Wenn das preußische Volk einem Manne zu Dank verpflichtet ist, daß er ihm die Fähigkeiten wieder verschaffte, seine verlorene Freiheit zurückzugewinnen so ist es Gerhard Johann David von Scharnhorst, der nach den schmachvollen Jahren der tiefsten Erniedrigung es mit unerschütterlicher Energie fertig brachte, durch den planvollen Aufbau des Heeres die Wiedergeburt Preußens in die Wege zu leiten.
Als Sohn eines begüterten Landwirtes in Badenau unweit Celle im Hannöverschen am 12. November 1755 geboren, war er vom Vater zum Berufe des Landwirtes bestimmt. Durch die Erzählungen eines invaliden Unteroffiziers im Dorfe, faßte der Knabe eine tiefe Begeisterung zum Soldatenstande, er schwärmte für den Gedanken, dermaleinst als Unteroffizier Vorposten gegen den Feind befehligen zu können. Nach langem Drängen gab der Vater dem Wunsche des Knaben nach.
Seine erste militärische Erziehung genoß Scharnhorst auf der Militärschule Fort Wilhelmstein, das der ehemalige berühmte portugiesische General Graf Wilhelm zu Lippe-Bückeburg im Steinhuder Meer angelegt hatte.
Die Kenntnisse, die sich der junge Soldat durch seine durchdringende Verstandesschärfe und unbeugsame Energie des Willens aneignste, befähigten ihn schon nach wenigen Jahren, nachdem er als Fähnrich in ein hannoversches Regiment eingetreten nicht nur die Unteroffiziere, sondern auch die älteren Offiziere seines Truppenteils zu unterrichten.
Seins Erfindung der Fernrohre mit Mikrometern für den Kriegsgebrauch machte ihn bekannt, feinen schriftstellerischen Ruf erwarb er sich als Artillerieleutnant und erster Lehrer an der Kriegsschule in Hannover durch seine Schriften, im besonderen durch sein Taschenbuch für Offiziere.
Scharnhorst’s Grabdenkmal auf dem Invalidenfriedhof in Berlin
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des über dem Lagerfeuer stand, bekamen seine Augen einen Ausdruck wie damals, als seiner Ahnen Schloß verbrannte. Er hörte nicht, wenn man zu ihm sprach. Seine Seele wanderte und sah Dinge, die in der Zukunft lagen. 2m düsteren Rot der Lagerfeuer formten sich flackernde Bilder. Er sah, wie das Roß des Kornetts, der zu den Schweden geschickt war, mit leerem Sattel zurückkam und wie auf der Brücke, die über die Orla führte, die Pappenheimer in Haufen tot übereinanderlagen. Er sah, wie jemand, der ihm ähnlich war, aus den Armen seines Hauptmanns blutüberströmt zu Boden fiel. Darüber standen vor einem alten Gemäuer zwei riesige Kastanien, die mit weißen Blüten besteckt waren, und darunter spiegelte ein klares Wasier. Und seine Seele hörte, wie eine Stimme sprach: „Du bist am stillen Wasier geboren, Axel Groote, Du wirst am stillen Wasier sterben."
Niemals aber erzählte er ein Wort von
v. Scharnhorst
Nachdem er den Rheinfeldzug unter dem General von Hammerstein unter großer Auszeichnung mitgemacht hatte, sowie vom König von England durch Verleihung eines Ehrensäbels ausgezeichnet worden war, trat er auf Empfehlung des Herzogs von Braunschweig im Jahre 1801 in preußische Dienste.
Hier erwarb er sich wiederum um das militärische Unterrichtswesen die größten Verdienste.
In der unglücklichen Schlacht von Auer- städt wurde Scharnhorst als Generalquartiermeister des Herzogs zweimal verwundet. Nach dem Rückzug Blüchers nach Lübeck, den Scharnhorst mitmachte, ging er nach dem Kriegsschauplatz nach Ostpreußen, wo er ruhmvoll bei Eylau kämpfte.
Zwar nicht dem Namen nach als Kriegsminister, so doch der Tat nach war er derjenige, der die Wiedergeburt Preußens ins Werk setzte, indem er mit der Reorganisation des Heeres begann.
Unerbittlich wurden die Offiziere, die an einer der zahlreichen, schmachvollen Kapitulationen während des letzten Krieges beteiligt waren, vor Kriegsgerichte gestellt, und wenn es ihnen nicht gelang, sich genügend zu rechtfertigen, wurden sie kassiert, verschiedene zum Tode verurteilt und das Offizierkorvs zunächst von den unbrauchbaren Elementen, die auf ihre Vorrechte pochten, gesäubert.
Die Umgestaltung der militärischen Oberbehörden wurde in die Wege geleitet. Einheitlichkeit und Schnelligkeit, die Erund- züge einer guten Verwaltung, waren Scharnhorsts erste Sorge, um alle den Krieg vorbereitenden Dispositionen schaffen zu können. Durch die Anordnungen dieses Mannes wurde die Verteidigung des Vaterlandes eine Ehrenpflicht des gesamten waffenfähigen Volkes. Er beseitigte alle entehrenden Strafen, die neue Gesetzgebung gab dem Landvolke Selbstgefühl und Vorstellung von Rechten, die es im alten Rekrutierungssystem fast nicht gekannt hatte. Sein Bemühen war in erster Linie, den Geist des Heeres neu zu beleben und zu heben, es enger mit dem Volk zu verbinden und es seinem großen und wichtigen Berufe, der Verteidigung des schwer bedrängten Vaterlandes, zuzuführen.
Freilich fehlte es nicht an zahlreichen Widersachern, die sich Scharnhorst und seinem großen Werk mit herbem Tadel
dem, was seine Seele gesehen, wenn sie hinüber in das gefährliche Niemandsland schweifte.
Es war im Herbst. Die Pappenheimer ritten weserabwärts und bezogen Winterquartiere in einem ausgestorbenen Dorf, das zu einer verlassenen Abtei gehörte. Nur ein alter Mann wohnte noch dort mit seiner braunen Tochter. Als Axel das erstemal seinen Hauptmann dorthin begleitete, wurde er blaß, denn vor dem alten Gemäuer standen zwei Kastanien, von denen die gelben Blätter hinunterwehten, in einen kleinen grünen Weiher.
Die Monde reihten sich aneinander. Die Kastanien wurden kahl und bedeckten sich mit Schnee und Reif. Sie bekamen braune Knospen und zartes grünes Laub. Der Hauptmann ging zu dem braunen Mädchen. Das Lager verwilderte im Nichtstun. Da geschah es einstmals, daß die Offiziere im Rausch über die Bänke fielen, bett Tisch mit dem Licht umrisien und ihre
entgegenstellten. Mit grimmig Wort verurteilte selbst
York das neumodische 'ten ^ wie er behauptete, die alte L vernichte, inständig beschL alte Generale tm Verein mit preußischen Edelleuten den dem Adel das alte Vorrechts Befreiung vom Kriegsdienst , retten. Umsonst, Scharnhorst-L führte der Gedanke, das Volk waffenkundig und S mutig zu einem Volkskriege die Unterdrücker zu gestalten " Eine Reihe hervorragend» Zeitgenossen trug dazu bei ? Ingrimm gegen die Franzos Herrschaft zu schüren und den Einn der geknechteten Nation auf Güter zu richten.
Das echte Gold lauterster Bâ eines Goethe tröstete und erb b das Vertrauen zum deutschen Voll Ein Dichter wie Heinrich o Mit entflammte die Herzen durch W Glut patriotischer Begeisteum Ernst Moritz Arndt und S riefen die Jugend auf zum ®ibei- stande gegen die Unterdriicku« der Welt.
. Das große Werk mußte gelinaen ßeiber vergönnte es ein herbes Mw dem großen Manne nicht, die neue M. genröte der kommenden Freiheit erleben. Er starb an den erhaltenen schm, ren Wunden, die er in der Schlacht fei Groß-Görschen erlitten hatte kurze M später in Prag am 28. Juni' 1813, da n sich keine Schonung im Dienste und Wirker für sein geliebtes Vaterland auferlegen wollte.
Mit ihm ging ein Mann dahin mit einer unerschöpflichen Fülle gelegener Kenntnisse, durchdringender Geistesschärfe und unbeugsamen Willens, eine jener klaren und festen Naturen deutschen Blutes, deren innere Gediegenheit bezwingt und seine Umgebung überzeugt.
Wenn wir heute mit Stolz im Herzen unsere wiedererstandene Wehrmacht mit den alten ruhmreichen Fahnen vorüber- ziehen sehen, geschaffen durch die eiserne Willenskraft und.Vaterlandsliebe unseres Führers, steigt vor unserem geistigen Auge die Gestalt des Mannes auf, der einst den Grundstein des preußischen Heeres fest verankerte und ausbaute: Gerhard Johann David von Scharnhorst. G. W. K.
Fotos (8) Löhrieb L
Scharnhorst’s Totenmaske
Kleider Feuer fingen. Sie gossen mit M^ die züngelnden Flammen aus. Der ker aber sah in dem Feuer, wie sem v mann, der ihm das Leben dem Klostertor trat und drei ihn anfielen Da schnallte er fern W um und lief zur Abtei. ssrsiil-
Er wußte, daß heute an ihm '» ^ lung gehen würde, was-damals ^^^ gesagt„Du bist am stillen Ms r g Axel Groote, Du wirst am stillen sterben". , . «»ickse!
Er ging festen Schrittes seinem ° entgegen. Es war selbstverstandl er zwischen die Wegelagerer n Hauptmann sprang, und daß er den auffing, der jenem gegolten. M
Dann lag er am stillen s^
kleiner blasser Knabe, der sein auf sich genommen und seine ! -pi t hM hatte, dessen weit offene! Aug 1 j^elö das Traumland hindurch ’n blickten.