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t. 262 12. Jahrgang

Fuldaer Anzeiger

Freitag, 8. November 1935

Stadl und Land

J VetferaussicMen für morgen:

^^Micht des Reichswetterdienstes, Ausgabeort Frankfurt

M Min.

Bei Luftzufuhr aus West wechselnd bewölktes zu Niederschlägen neigendes Wetter.

J$ hab' einen Kameraden.. J

Wenn heute irgendwo das Lied vom guten Kame-0 ruocn erklingt, dann denken wir stets auch an die Männer, die im Kampf der Bewegung für ihre Größe und ihren Bestand ihr Bestes, ihr Herzblut, hingegeben heben.

Wo immer dieses Lied erklingen mag, immer eilen unsere Gedanken zurück in jenes schwere Ringen der Millionen deutscher Männer im Weltkrieg, aber wir denken auch au jene für unsere innere Prüfung und Reife­werdung so heilige Zeit des Kampfes um Deutschland.

Dann treten sie einzeln, Mann für Mann, wieder Fleisch und Blut geworden, vor nns hin, jene Kämpfer um Deutschlands Ehre und Freiheit. Sie sind wie stumme Mahner, die sich melden, wenn ihr Lied als neuer Sieg- friedsruf ertönt.

So melden sich die toten Kämpfer immer wieder, in stillen Stunden der Erinnerung und bestimmt, wenn am 9. November 1935, zwölf Jahre genau nach jenen Ver­räterschüssen an der Feldherrnhalle in München das Lied vom guten Kameraden erklingt.

Für uns sind die Treuesten der Treuen nicht tot. Sie weilen auch noch heute unter uns und marschieren mitten unter uns auf der endlosen Straße, für Deutschlands Wohl und Wehe, für des Vaterlandes Größe und Zu- kunft. Sie werden nicht vergessen, und für uns dars es nicht heißen: Ich hatt' einen Kameraden, sondern wir sagen für immer: Ich hab' einen Kameraden . . .

Sie haben eine Saat gesät, die nach fünfzehn Jahren herrlich aufgegangen ist, weil sich immer wieder deutsche Männer in den Reihen der Bewegung fanden, die diese Saat zu verteidigen bereit waren. Aus dieser Saat ist ein Deutschland auferstanden, wie sie und wir es erträumt haben, ein Vaterland der Einigkeit, Freiheit und Stärke

Ab nach München ...

Hessen-Sonderzug zu den Münchener Feierlichkeiten.

Allen wird der Riesenbetrieb an dem Fuldaer Bahnhof vor und nach dem Parteitag in Nürnberg noch in bester Er­innerung sein. Gestern im Laufe des Abends und der Nacht herrschte wieder einmal Hochbetrieb auf dem Bahnhof. Aus dem ganzen Norden des Reiches rollten in kurzen Abständen Eonderziige nach München durch., welche die Abordnungen der verschiedenen Gruppen zu den Feierlichkeiten be­orderten.

Die Abordnungen der Fuldaer SA., der politischen Lei­ter, der ES., des NSKK., der HI., des Jungvolks und des WM. sowie Abordnungen der Gruppen 223 und 224 des Reichsarbeitsdienstes hatten sich abends in großem Marsch­anzug mit geschultertem Tornister im Evangelischen Ge­meindehaus versammelt, um hier die Vertreter der Bri­gaden aus Frankfurt und Nauheim zu erwarten. Gegen 12 Uhr waren die gesamten Fuldaer Teilnehmer für den Conderzug der Gruppe Hessen marschmäßig angetreten und marschierten unter Vorantritt des Musikzuges der SA. mit sch 150 Standarten und Fahnen durch das nächtliche Fulda zum Bahnhof.

Der Sonderzug aus Richtung Kassel, in den die Bri- gaden 48 Marburg und 47 Kassel sowie die Abordnungen der Kasseler Formationen bereits in Kassel eingestiegen waren, fuhr um 0.40 Uhr in den Fuldaer Bahnhof ein. Nach wenigen Minuten waren die 200 Teilnehmer in Fulda äu den Kameraden gestoßen, und pünktlich um 0.45 Uhr Mg der Hessen-Sonderzug mit den alten, verdienten Kämpfern der Bewegung auf die Reise nach München. Der Zug lief heute früh um 8 Uhr in München ein und wird am Sonntag früh auf der Rückfahrt wieder in Fulda Eintreffen, wo die Fahnenabordnungen in feierlicher Weise ^geholt werden.

^um 9. November

Fahnen heraus!

^" Reichsminister des Innern gibt folgendes bekannt: , Aus Anlaß der Ueberführung der Helden des 9. Novem- 1923 in die Feldherrnhalle und Ehrentempel in - suchen flaggen die staatlichen und kommunalen Verwal- "8en, Anstalten und Betriebe, die sonstigen Körperschaf- ^u, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts und i'^isentlichen Schulen im ganzen Reich am 9. November, -""inchen außerdem am 8. November, und zwar Vollmast.

Bevölkerung wird gebeten, in gleicher Weise zu ^8gen.

WoU? MwM/ «SÄftW?

yni Freitag, 8. November:

-Yeater: Der grüne Domino.

Unia« Samstag, 9. November:

Kreuzritter.

News Anspiele-: Liebesleute.

-r-neater: Der grüne Domino.

Einer von Vielen.

Gedanken eines

Stolz sind wir auf Aehre und Spaten, Unser Zeichen.

Kargem Boden ringen neue Nahrung wir ab. Wir roden die Wälder und dämmen die Flüsse. Wir bauen die Straßen

Und machen urbar die Sümpfe.

Unsere Tage sind hart,

Unser Leben ist Schlichtheit und Treue. Männer wollen wir werden.

Die in eiserner Zucht

Uneigennützig dienen dem Volke.

Es war das erstemal, daß er einen Spaten trug. Man sah es ihtn auch an Mißmutig marschierte er in der Kolonne zum Arbeitsplatz. Es wollte ihm nicht in den Kopf, daß er, der doch für einen geistigen Beruf geschaffen war, durch Handarbeit seine Verbundenheit mit seinem Volke bekunden sollte. Auf seinem Platze würde er seinem Volke besser dienen, ihm mehr nützen können. Warum also Arbeiten verrichten, die feiner Vorbildung gar nicht entsprachen? Sie kamen zur Arbeitsstätte. Es galt, unbe­stellbares Land nutzbar zu machen. Er stach mit dem Spaten in den harten Grund. Die Glieder schmerzten. Konnte er auch nicht einsehen, warum ihm solche Arbeit zugemutet wurde, so wollte er doch seine Pflicht tun. Das lag ihm im Blute.

Eine Stunde hatte er sich abgemüht. Dann betrachtete er sein Werk, einen ganzen Quadratmeter hatte er ge­schafft. Er sah nach seinen Arbeitskameraden. 100 Mann waren es. Sein Blick ging ins Weite. Endlos streckte sich das unfruchtbare Land. Er rechnete. 100 Mann schafften in der Stunde 100 Quadratmeter, an einem Tage so und

Zahlen, die anspornen.

Am 10. November ist Eintopf-Sonntag! Unsere Kur­hessen haben den Sinn und die symbolhafte Bedeutung die­ses Tages erkannt. Sie wissen, daß es nicht allein darauf ankommt, an diesem Tage von dem Ueberfluß eine Gabe zu geben, sondern, daß man wirklich Eintopf essen und ein wirkliches Opfer auf sich nehmen muß, wenn der Eintopf- Sonntag sein Ziel erreichen und dem WHW. die Munition für seinen großen Kampf gegen Hunger und Kälte zur Verfügung stellen soll.

Das beweisen die Ergebnisse des ersten Eintopf-Sonn­tages im Gau Kurhessen im Oktober. Gegenüber dem ersten Eintopf-Sonntag des WHW. 1934-35 erbrachte dieser Ein­topf-Sonntag ein Mehraufkommen von fast 12 Prozent. An dieser Steigerung waren alle Kreise gleichmäßig be­teiligt. Am besten schnitten dabei ab die Kreise Eschwege mit 21,20 Prozent, Hofgeismar mit 21,08 Prozent, Mar­burg mit 20,30 Prozent, Fulda mit 15,50 Prozent, Melsungen mit 14,50 Prozent, Wolfhagen mit 14,30 Proz., Kassel-Land mit 12,90 Prozent, Eder mit 10,20 Prozent und Rotenburg mit 10 Prozent Mehraufkommen gegenüber dem ersten Eintopf-Sonntag im Vorjahre.

Das sind Zablen, die besser als alles andere für die Opfer- und Einsatzbereitschaft der Kurhessen sprechen. Wir wollen hoffen, daß sie alle kurhessischen Volksgenossen an­spornen, auch am nächsten Eintopf-Sonntag, den 10. November, ihre Pflicht zu erfüllen und ihr Opfer zu brin­gen für die Armen und Hilfsbedürftigen im Kampf gegen Hunger und Kälte.

Regelung der Hausschlachtungen.

Da die seit einiger Zeit beobachtete starke Zunahme der Privatschlachtungen den Bestrebungen der Reichsregierung nach einer gleichmäßigen Versorgung der Bevölkerung in Stadt und Land mit Schweinefleisch zuwiderläuft, hat die Hauptvereinigung der Deutschen Viehwirtschaft eine Rege­lung der Hausschlachtungen getroffen.

Danach bedürfen Hausschlachtungen von Schweinen bis auf weiteres der Genehmigung durch den zuständigen Schlachtviehverwertungsverband. Eine Genehmigung ist nicht erforderlich, wenn der, der die Hausschlachtungen vor­nehmen will, das zur Hausschlachtung vorgesehene Schwein mindestens drei Monate selbst gehalten und gefüttert hat oder wenn die Hausschlachtung auf Grund eines Teputal- oder Altenteilvertrages erfolgt.

Die ergangenen Verbote des Absatzes von Fleisch aus landwirtschaftlichen Hausschlachtungen bleiben unberührt. Die Genehmigung soll grundsätzlich erteilt werden, wenn der Antragsteller den Nachweis erbringt, daß er innerhalb der letzten beiden Jahre im gleichen Umfang Hausschlach­tungen vorgenommen hat. Zuwiderhandlungen gegen die Anordnung können mit Ordnungsstrafen bis zu 1000 RM. bestraft werden.

Arbeilsmannes.

so viel, in 300 Tagen 300mal so viel. Er zog ein Papier aus der Tasche. Er mußte schon schriftlich rechnen. Es ergab sich eine gewaltige Zahl. 25 Hektar! Staunend stellte er es fest. Ja, da wird ja in einem Jahr ein gewal­tiges Stück fruchtbares Land geschaffen! Lebensmöglich­keit für vier Bauernfamilien. Seine Augen begannen zu leuchten. Das ist doch eine schöpferische Arbeit! Und er, er war daran beteiligt!

Er stach mit dem Spaten ins Land, freudig, mit Eifer. Seine Gedanken gingen weiter. Wenn mich in ein paar Jahren mein Weg durch diese Gegend führen wird, dann wird hier Getreide wogen, die Lerchen werden darüber singen! Herrgott ist das schön! Und ich habe mitgeschaffen, mitgeholfen, dem deutschen Volke neues Land, neuen Lebensraum zu gewinnen! Mit diesem Spaten! Er be­trachtete ihn. Es kam ihn Achtung an vor diesem Gerät. Achtung vor seiner Arbeit.

Aber kann nicht wieder Krieg kommen, all das ver­nichten? Nein, schrie es in ihm auf. Was ich selbst ge­schaffen, niemand soll es vernichten dürfen. Mit meinem Leben will ich es verteidigen! Heimat! Selbstgeschaffene Heimat! Er sah wieder zu seinen Arbeitskameraden. Sie alle taten das gleiche Werk wie er. Sie alle waren beteiligt an dem selben großen Ziele. Sein Nachbar, der einfache Arbeiter, hatte sogar ein größeres Stück Arbeit geleistet als er. War der nicht noch wertvoller als er? Nein! Wenn mich der Wille beseelt, alle meine Kräfte anzuspannen, dann gebe ich meinem Volke nicht weniger als ein anderer! Wir sind ja schicksalsverbundene Kame­raden. Seine Arbeit ist meine Arbeit, und meine Arbeit ist seine Arbeit. Kameraden, Kameraden sind wir!

Auf dem Heimweg sangen sie Lieder. Er kannte sie kaum. Aber er sang mit, jubelnd, laut, von Heimat und Vaterland und Kameradschaft!

Ziviler Luftschutz ist Volksschutz und Selbstschutz.

Das ganze deutsche Volk will in Frieden leben und arbei­ten. Aber wie alle anderen Völker muß es zugleich für seine Sicherheit gegen etwaige Angriffe ständig vorsorgen. Im Zeitalter hochentwickelter Lustfahrttechnik muß sich das friedliche deutsche Volk mit dem Gedanken vertraut machen, gegebenenfalls Angriffe aus der Luft ertragen zu müssen.

Die Erkenntnis, daß ziviler Luftschutz wesentlich Selbst­schutz bedeutet, daß aber außerdem jeder als Glied der Deut­schen Schicksalsgemeinschaft auch zu größter Hilfsbereitschaft im Dienste der Allgemeinheit verpflichtet ist, ist wesentliche Voraussetzung für den Erfolg des zivilen Luftschutzes.

Diese Hilfsbereitschaft hat die Technucye Nothilfe von jeher gezeigt. Auch in den großen Apparat des Sicherheits­und Hilfsdienstes, der unter der Oberleitung der Polizei durchgeführt wird, ist dieTeno" wesentlich mit eingeschaltet.

Auch gestern in den Abendstunden konnte man die Not­helfer bei ihrer Tätigkeit am Rudenberg und Pfandhaus- straße sehen. Die Luftschutzleitung hatte für die In stand­setz ungstrupps, welche von derT.N." gestellt werden, eine Teilübung angesetzt.

Folgende Sachlage lag der Uebung zu Ermrde:

Die T.N. (I. Trupps) wurde 18.30 Uhr in ihrem Unter­kunftsraum benachrichtigt daß am Luckenberg, zwischen Pfandhaus- und Kanalstraße Brisanz-Bomben niederge­gangen seien. Die Wohnhäuser Pfandhausstraße 1 und Luckenberg 3 wurden stark in Mitleidenschaft gezogen und drohten einzustürzen. Die Instandsetzungs-Trupps waren wenige Minuten nach dem Empfang der Meldung zur Stelle. Der Fachführer stellte, fest, daß die Fassade des Hauses Luckenberg 3 stark beschädigt war und ordnete Ab­stützung an. Die Risse im Mauerwerk waren durch schwarze Bänder gekennzeichnet, so daß der Schaden klar zu erken­nen und die Aufgabe wirklichkeitsnah war. In kurzer Zeit war der besondere gefährdete große Torbogen versteift und abgesprießt, ebenso die durch starke Risse gefährdeten oberen Mauerteile. Hier wurden die Fensteröffnungen versteift. Diese Aufgabe wurde gut gelöst. Am Hause Pfandhaus- straße 1. waren durch den Luftdruck die dort stehenden vier Holzpfosten geknickt, so daß der ausgekragte Teil des Hauses gefährdet war. Die Stützen wurden sachgemäß durch neue tragfähige Rundholzstützen ersetzt und so die Gefahr behoben.

Nach Erledigung des Auftrages nahm die Luftscbutz- leitung die Arbeiten ab. Herr Polizei-Kommissar Berend konnte der Nothelferschaft für ihr zielsicheres und fachmän­nisches Eingreifen und für den gezeigten Eifer die Anerken­nung der Luftschutzleitung aussprechen und bat auch weiter­hin zur Erhaltung unserer schönen Darockstadt in den J.-Trupps zu arbeiten, damit bei Aufruf des Luftschutzes diese Trupps aus wirklich eine <Mlfe darstellten.

Bei dieser Gelegenheit darf wohl darauf hingewiesen werden, daß die Technische Nothilfe noch Leute in ihren Reihen braucht. Besonders sind Handwerker aller Art will­kommen. Meldungen deren, die mitarbeiten wollen, sind ent­weder an die Polizeiverwaltung oder die Geschäftsstelle der Teno" Elisabethenstraße 12 zu richten.

Das von der Notbelferschaft der Technischen Noryilfe er­richtete Heim, über das wir s. Zt. auch Bildberichte brach­ten, wird am kommenden Sonntag, den 10. November ein­geweiht werden. Zu der Feier, die um 11 Uhr vormittags stattfindet, ist die gesamte Bürgerschaft Fuldas eingeladen.

Mitteilungen der NS.-Dienststellen.

An alle politischen Leiter! !

Zur Heldengedenkfeier am 9. November treten alle poli­tische Leiter von Fulda am Sonnabend, den 9. um 7.45 Uhr vor der Kreisgeschäftsstelle im Dienstanzug an. Am Sonn­tag morgen treffen die Münchenfahrer in Fulda wieder ein. Nach der Ankunft findet ein Propagandamarsch mit Musik durch die Straßen Fuldas statt. Hierzu treten wieder alle politischen Leiter von Fulda am Sonntag, den 10. morgens 7 Uhr vor der Kreisgeschäftsstelle im Dienftanzug pünktlich an. Ich erwarte, daß die politischen Leiter von Fulda zu den Diensten restlos erscheinen.

Der Kreisleiter.

VDM.-Gruppe 4/167.

Morgen, am Sonnabend, den 9. November, treten wir alle um 19.30 Uhr am Heinrich-oon-Bibra-Platz, Ecke Hein- richstraße, zur Teilnahme an der Feierstunde pünktlich an.

Die Füherin der Gruppe 4/167.