Der Negus an der Front.
Ein Doppelgänger in Begleitung des Kaisers. — Ausländische Berichterstattung unter Zensur,
Kaiser Haile Selassie wird jetzt nach englischen Meldungen die Truppen an der Nord- und Südfront besuchen. Gerüchte von einem Attentatsversuch aus den Negus werden von den amtlichen abessinischen Stellen als böswillige Phantasie gestaltet. Wenn der Negus an die Front geht, so werde er, so berichten englische Blätter, von einem Doppelgänger begleitet werden, der die Aufgabe hat, mit seiner Kleidung und Aufmachung den Eindruck zu erwecken, als sei er der Kaiser. Diese Maßnahme hält man für notwendig, um den Kaiser nicht der Aufmerksamkeit der italienischen Flieger auszusetzen.
P r e s s e b e r i ch t e r st a t t e r n ist die Reise an die Front nur unter gewissen Bedingungen genehmigt worden. Von Addis Abeba bis Dessie, dem Hauptquartier des abessinischen Kronprinzen, müssen die ausländischen Berichterstatter unter dem Schutz der kaiserlichen Wache reisen. 9IHe Briefe und Telegramme müssen vorher der Zensur vorgelegt werden.
Nach dem neuesten italienischen Heeresbericht aus Abessinien dringen die Truppen auf allen Fronten weiter vor. Das gilt sowohl von der Front im Danakilgebiet, wie von den Fronten im Norden und Süden. Italienische Eingeborenenpatrouillen sollen bereits in Makalle einge
Englisch-italienische Entspannung.
Um die Herstellung des Gleichgewichts im Mittelmeer. — Kabinettssitzung in London.
Der neuen Unterredung zwischen dem italienische» Staatschef Mussolini und dem englischen Botschafter in Rom Sir Eric Drummond wird in politischen Kreisen von London, Rom und Paris größte Bedeutung beigelegt. Wenn es heißt, daß in dieser einstündigen Unterredung nur über die Lage im Mittelmeer gesprochen worden ist, so ist man doch überzeugt, daß auch die Beilegung des italienisch ° abesf l naschen Streites nicht unberührt geblieben ist.
Die Unterredung Mussolini— Drummond ist die vierte in den letzten sechs Wochen. Es heißt, daß der Duce seiner Enttäuschung darüber Ausdruck gegeben habe, daß die Zurückziehung einer italienischen Division in Libyen nicht mit einer entsprechenden englischen Maßnahme beantwortet worden sei. Drummond, so heißt es, habe demgegenüber daraus hingewiesen, daß Italien immer noch das Dreifache der englischen Truppenmacht in Ägypten in Libyen versammelt habe, und
daß England so lange nicht an eine Verringerung seiner Mittelmeerkräftc denken könne, nicht weitere 30 000 Italiener aus Libyen zurückgezogen seien und die antienglische Propaganda in Italien eingestellt werde.
Über die Unterredung berichtete der englische Botschafter telephonisch nach London. Daraufhin berief der britische Ministerpräsident Baldwin das Kabinett zri einer Sondersitzung zusammen, an der neben allen abkömmlichen Kabinettsmitglicdcrn auch die G e n e r a l st a b s - chefs der drei Waffen teilnabmen. In dieser Sitzung wurde die Unterredung in Rom besprochen. Während ein Teil der Minister Mussolinis Forderungen mit einem glatten Nein beantwortet wissen will, sollen sich andere dafür ausgesprochen haben, wenigstens ein vaar Schiffe aus dem Mittelmeer zurückzuziehen.
Nach englischer Darstellung hängt die Entscheidung des britischen Kabinetts von den
Verhandlungen, die gegenwärtig in London mit französischen Marinesachverständigen geführt werden, ab. Erst wenn die französische Flotten Hilfe i m Mittelmeer im einzelnen festgelegt sei, könne überhaupt an eine Verminderung der englischen Seestreit- kräfte gedacht werden.
Die englische Presse verspürt zum erstenmal seit langem nach der letzten Unterredung in Rom einen „Hauch von Optimismus". Auch in Paris sprich! man von einer Entspannung der italienisch-englischen Beziehungen und von einem weiteren Schritt auf dem Wege zu einer Lösung. Dabei wird allerdings betont, daß es sich weniger um die Beilegung des italienisch-abessinischen Krieges handle, als vielmehr um die neue Herstellung des Gleichgewichts im Mittelmeer. In den Pariser politischen Kreisen, die Laval feindlich gegenüberstehen, stellt man die
Abrechnung mit den Voykotthetzern.
Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees über die Olympischen Spiele in Berlin.
Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Graf Baillet-Latour, der zur Zeit in Berlin weilt und vom Führer und Reichskanzler empfangen wurde, äußerte sich vor in- und ausländischen Presse Vertretern über einige Fragen, die die Olympischen Spiele 1936 in Berlin betreffen
Graf Baillet-Latour betonte, daß das Olympische Komitee die Überzeugung gewonnen habe, daß in Deutschland alles geschehen sei, um die Innehaltung der Olympischen Regeln zu gewährleisten. Das Olympische Komitee, das- völlig nnabhängia sei, würde noch heute die Spiele von Berlin wegnehmen, wenn es nicht diese feste Überzeugung besäße.
Der Präsident kam auch auf die starke Boykott- bewegung in gewissen Ländern gegen die Abhaltung der Spiele in Berlin zu sprechen. Er unterstrich, daß es sich hier um einen rein politischen Feld ; ug handele, der nichts mit Sport zu tun habe. Die Boykottbewegung werde auch nicht von irgendwelchen sportlichen Organisationen unterstützt. Sollten etwa gewisse Vereinigungen versuchen, die Spiele zu stören, so werde das Olympische Komitee mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln eingreisen.
Exzellenz Lewald, der Präsident des Organisa- tionskömitees für die Olympischen Spiele, fügte hinzu, daß er es sehr bedauere, daß die großen Mittel, die für den politischen Boykottfeldzug aufgebracht wurden, nicht dazu verwendet worden seien, um damit eine möglichst glänzende sportliche Vertretung Amerikas für die Berliner Spiele sicherzustellen. Immerhin habe die ganze Welt die Überzeugung gewonnen, daß die Olympischen Spiele 1936 in Berlin einen glänzenden Verlauf nehmen werden. Sogar ein so kleines Land wie die Schweiz werde mit 250 aktiven Sportlern antreten. Das sei noch niemals geschehen in der Geschichte der Olympischen Spiele.
irossen sein und die Stadt von abessinischen Truppen geräumt gefunden haben. Nach abessinischer Darstellung sind sie wieder aus der Stadt vertrieben worden.
An der Nordfront arbeiten Spezialtruppen fieberhaft an dem Bau der N a ch s ch u b st r a ß e n , während an der Front die Flieger lebhafte Aufklärungsflüge unternehmen. Zur Verstärkung der italienischen Bombengeschwader sind 10 0 neue Flugzeuge von Neapel uach Afrika unterwegs. Außerdem sind mehrere Dampfer mit neuen Truppen aus italienischen Häfen ausgelaufen.
Nach in Addis Abeba eingetroffenen Meldungen von der Südfront haben die Italiener abessinische Stellungen am Flußufer des Webi Schebeli angegriffen und nach schweren Kümpfen genommen. Die Abessinier leisteten heldischen Widerstand. Ein abessinischer Offizier hat mit einem Maschinengewehr die italienische Angriffskolonne längere Zeit in Schach gehalten. 400 Feinde seien seinem Feuer zum Opfer gefallen. Ferner wird ohne nähere Ortsangabe gemeldet, daß zwei italienische Flugzeuge von den Abessiniern abgeschossen und ihre gesamte Besatzung getötet worden seien.
englisch-italeniiche Auseinandersetzung so dar, als sei darin eine Ausschaltung Frankreichs zu erblicken, da man in London unzufrieden sei mit dem allzu langen Zögern Lavals in der Canktions- und Flolrenuuterftützungsfrage.
Strengste Durchführung des italienischen Boykotts.
In dem italienischen Abwehrkampf gegen die Sühne- maßnahmen, der jetzt mit aller Strenge begonnen hat, sind von den zuständigen Organen und Verbänden zwecks Senkung des Verbrauchs ausländischer Erzeugnisse weitere Maßnahmen erlassen worden. Danach wird die Bestimmung, daß alle Hotels, Restaurants usw. am Dienstag nur ein Fleisch- oder ein Fischgericht verabreichen können, auf alle Tage der Woche ausgedehnt Mitgebrachte Wurst- oder Fleischportionen gelten als Fleischgericht. Außerdem sind alle Betriebe dieser Art aufgefordert worden, den Verbrauch ausländischer Spezialitäten und Erzeugnisse sofort und scharf einzuschränken. Liköre, Weine und Lebensmittel ausländischer Herkunft sollen nicht mehr neu bestellt und die vorhandenen Vorräte möglichst nur an Ausländer verkauft merben.
Zu ähnlichen Maßnahmen gegen die Sanktionsländer fordert auch die Verbandszeitung der Ärzte auf unter der Losung: „Für Italiener italienische Heilmittel, italienische Apparate, italienische Kräftigungsmittel." Dabei wird ohne nähere Angabe über die Herkunft mitgeteilt, daß der italienische Bezug ausländischer H e i l m i t t e l in den letzten Jahren ganz erheblich gestiegen ist.
Auch der eingeschränkte Eisenbahnverkehr ist in Kraft getreten. In den Häusern und Büros wird an elektrischem Licht gespart. Es ist ein neuer Petroleumpreis eingesührt worden, der doppelt so hoch ist wie im September. Über die D e v i s e n a u s f u h r wird strengste Kontrolle durchgeführt. Alle Einschreibebriefe werden in Anwesenheit des Absenders vor der Annahme geöffnet. Ausländische Besucher können ihr Geld nicht mehr bei den Hotels, sondern nur noch bei den Banken wechseln.
Aus verschiedenen Städten Italiens wird gemeldet, daß alle englischen Filme und Theaterstücke vom Spielplan ab gesetzt wurden. Ein großes Modehaus in Rom, das seine Modellkleider bisher mit französischen Namen zu benennen pflegte, hat sich der Zeit an- gepaßt und nennt jetzt seine Kleider Asmara, Takasse, Harrar und Schebeli, alles erdkundliche Begrifse, die aus den täglichen Frontberichten von Ostafrika stammen. Einiges Erstaunen erregte es jedoch, daß das wärmste pelzverbrämte Wollkleid austzerechnet nach der abessinischen Wüstenlandschaft Godiam benannt wurde.
toeitseermimw o durch die Reichsaustalt
Berlin, 7. November.
Das Reichsgesetzbla^t vom 6. November enthält ein Gesetz über Arbeitsvernkittlung, Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung, das das Datum des 5, November trägt. Das Gesetz umfaßt fünf Paragraphen und tritt am 1. Dezember 1935 in Kraft.
Die wesentlichen Bestimmungen des Gesetzes sind, daß die Arbeitsvermittlung, Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung nur noch von der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung betrieben werden darf, daß ferner der Reichsarbeitsminister gewerbsmäßige Arbeitsvermittlung für einzelne Berufe zulassen kann. Der Reichsarbeitsminister trifft die erforderlichen Anordnungen zur Regelung des Ueberganges und kann die Befugnis hierzu dem Präsidenten der Reichsanstalt übertragen.
Das Rote Kreuz zum Winterhilfswerk.
Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes erläßt einen Aufruf, in dem es u. a. heißt:
Der Führer und Reichskanzler hat am 9. Oktober das Winterhilfswerk des deutschen Volkes mit einer Ansprache eröffnet, die jeden Deutschen, der die Ehre dieses Namens verdient, ergriffen hat. Als Präsident des Deutschen Roten Kreuzes gebe ich für die Männer und Frauen, die zum Dienst im Zeichen des Roten Kreuzes zusammengeschlossen sind, die feierliche Erklärung ab, daß sie sich alle ohneAusnahme dafür einsetzen werden, den Erfolg des Winterhilfswerks zu verbürgen und selber gewillt sind, Opfer für den Gedanken der nationalen Solidarität zu leisten, die wirkliche Opfer sind.
W~ Das Eintopfgericht führt Dich zu Millionen bedürftiger Volksgenossen zurück. Opfere am 10. November nach Kräften.
SeemarmsLod
Bremerhaven, 7. November.
Der Fischdampfer „Wirrsten" der hanseatische» M seefischerei A.--G., Bremerhaven, der am 10. Oktober Fang in die Nordsee ausgelaufen war, ist nicht gekehrt. Der Dampfer wurde zuletzt am 19. Oktober in-» Deutschen Bucht gesichtet. Es muß leider mit BestimnM angenommen werden, daß das Schiff eir^ Opfer bei maligen Stürme geworden ist. Die Mopsige fand den Tod in den Fluten. ' 1
Neuer Gangstermord in Amerika.
In der Nähe von Monte Cello im StaatRev, York ist ein neuer Gangstermord aufgedeckt worden Ne * Polizei fand dort in einer alten Scheune in einem M ausgehobenen Grabe, das mit Kalk angefüllt war sie Leiche eines Mannes, der als ein gewisser Charles Chick Sherman identifiziert werden konnte. Der Kopf Shermans war vollkommen zerschmettert, offenbar von Axtschlägen. Die bereits stark in Verwesung übergegangene Leiche Mar nur schwer als die des Sherman zu erkennen.
Shermann galt allgemein als Feind des kürzlich erschossenen Großgangsters Dutch-Schultz. Die Polizei bringt daher die Ermordung Shermans mit dem Gangsterkrieg in Verbindung, der der Laufbahn des Dutch- Schultz und drei seiner Anhänger kürzlich ein jähes Ende bereitete.
SiMe KömgsHychzeii in London.
Der Herzog von Gloucester heiratet Lady Alice Scott.
Wieder stand London im Zeichen einer Königshoch zeit. Der dritte Sohn des englischen Königspciaree Henri Herzog von Gloucester-, führte Lad» Alice Scott, die Tochter des Herzogs Montag: Douglas Scott, eines der reichsten Männer Englands, heim. Trotzdem die öffentlichen Feiern und vor allem die Umzüge durch die Straßen wegen dec Todes des Vaters der Braut abgesagt werden mußten, hatten sich Tausende von Menschen, vor allem vor dem Buckinghampalaft und vor dem Grosvenor-iponse, an- gesammelt, von dem die Brant in einer Glaskutsche, slaii- kiert von zwölf berittenen Polizisten, die Fahrt zm Kapelle des Buckingham-Palastes antrat. Begleitet wuru die Braut von ihrem Bruder, der die Braut dem Konust sohn feierlichst übergab. Sie wurde mit begeisterten Zurufen begrüßt, und die 7000 Polizisten, die die Straf absperrten, hatten Mühe, die Menschenmasten zu>> zuhalten. Um l/212 Uhr vollzog der E r z b i sw os Canterbury im Beisein von 120 Mitgliedern königlichen Familie und der Familie der -braul ; Trauung, an die sich ein Frühstück im Palast aniwio»
MH und Fern.
Devisenschieberkurier aus Holland gefasst. Die 3* fahndungsstelle für Berlin und Brandenburg v wiederum einen holländischen Staatsangehörigen," Kaufmann de Vries, der große Beträge von DeuW ' nach Holland verschieben wollte, festgenommen und Richter vorgeführt. De Vries legte das GestmuM - derartige Devisenschiebungen schon des öfteren - ' nommen zu haben.
56 000 Mark, die glücklicherweise ihr Ziel 'M reichten. Eine Dienstfrau des FD-Zuges Berlin ^ dam fand auf der Strecke Löhne—Osnav einem Toilettenraum versteckt einen Betrag vo Mark, der offenbar über die Grenze geschmuggelt sollte. Das Geld wurde beschlagnahmt.
Selbstmord aus Gram über den Tod seines 4 -In U ck c r m ü n d e wurde von Mitbewohner! nung des in der Hindenburgstraße wohnenoe geöffnet, weil man den Mann in den letzten - « Wu mehr gesehen hatte. Man wußte, daß Pe UM ^ längere Zpit krank war. Als man in die ~5 gegeB drang, fand man die Ehefrau tot in "Mw/' ..^ »er- und den Mann erhängt an der Stubentur a - ^j^r mutet, daß sich der Mann ans Gram über i Frau das Leben nahm. >, . ....^^ vo"
Blutige Liebestragödie. Im erklärt Altona erschien ein gewisser Otto Fydr / MfB daß er kurz vorher im Hause Ramkamp - ^rhnW1, Koch erschossen habe. Die Ennittlungcr eit
Polizei ergaben, daß Fydrich, der Liebesverhältnis mit der Frau Koch u u ^zchigndel wegen der sich daraus entwickelnden eng -«, Mittag- setzungen zwischen den beiden gamihen ,e Mhmâ. stunde mit einer Mehrladepistole lN die K Westens b1 gekommen war und Frau Koch dnrcy
Schüsse getötet hatte. Bergen.
Schmugglertragödie in ben Schmuggler wurden bei der per Sieges
reichisch-italienischen Grenze m bei Ji« von c”,f5 Hütte im Gebiet der Oktale r • ch^denlangck' , heftigen Schneesturin überrascht heraW'^'ßp müHungen, aus dem Schneegestoli ^ncn ?u blieben sie erschöpft liegen, wobei es, das - friernngstod erlitten; dem dritten ö • erreichen.