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Nr. 237 12. Jahrgang

Fuldaer Anzeiger

Donnerstag, 10. Oktober 1935

Stadt und Land

Wetterausfichten für morgen;

Wetterbericht des Reichswetterdienstes, Ausgabeort Frankfurt am Main.

Bei Luftzufuhr aus Süd bis West ziemlich mild, jedoch recht unbeständig und weitere Regenfälle.

Auf zur Tat!

Brocken-Sammlung.

^m Rahmen des Winterhilfswerks ist auch in diesem ^hxe eine Sammlung von Kleidungsstücken vorgesehen. Diese erstreckt sich auf gebr. Kleider aller Art» Stoffe, Schuh­werk, Bettgeftelle, Kinderwagen usw.

Obgleich die Bestände an Altkleidern durch die ver­schiedenen Sammlungen ziemlich klein geworden sind, hoffen wir doch, daß die Bevölkerung Fuldas auch hier wahre Nächstenliebe zeigt. Wir bitten jedoch, zu sehr abgenutzte, unbrauchbare Stücke den Sammlerinnnen nicht abzugeben.

Die Sammlung selbst erfolgt am

Dienstag, den 15. und Mittwoch, den 16. Oktober 1935.

Die Sammler und die Wagen der Wehrmacht treffen sich am Dienstag, den 15. und Mittwoch, den 16. Oktober 1935, vormittags 8 Uhr auf dem Heinrich-von-Bibra-Platz.

Beauftragte des WHW. und der konfessionellen Wohl- fahrtsverbände werden in Verbindung mit der Wehrmacht die Sammlung durchführen.

Wir bitten, die Gaben bereitzuhalten und nur den mit amtlichen Ausweisen versehenen Sammlerinnen aus­händigen zu wollen.

Heil Hitler!

Arbeitsausschuh des Winterhilfswerks 1935-36 der Stadt Fulda.

Achtung! Spenden für das WHW.

Geldspenden für das Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1935-36 im Gau Kurhessen sind einzuzahlen auf das Konto Nr. 12 41 bei der Commerz- und Privat­bank in Kassel. Um jedoch allen Volksgenossen die Zahlung der Spenden nach Möglichkeit zu erleichtern, hat die Gaüführung des WHW. mit sämtlichen Banken und Sparkassen ein Abkommen getroffen, daß die WHW.- Tpenden auch bei allen anderen Banken und Sparkassen im Gaugebiet eingezahlt werden können.

Es wird gebeten, bei sämtlichen Spenden den Namen anzugeben, damit der Spender ordnungsgemäh in die Spenderkartei eingetragen werden kann.

Wie in alten Tagen . . .

Fuldas Infanterie marschiert

Umzug vom Barackenlager in die neue Kaserne

Wieder einmal hatte gestern unsere Stadt ein festliches Kleid angelegt, wieder einmal gab es einen besonderen An­laß, an den Masten die Banner des neuen Deutschlands aufzuziehen. Das Fuldaer Bataillon des Infanterie Regi­ments Kassel zog um! Der Weg vom Waldschlötzchen bis zur Petersberger Straße ist nicht weit, der Weg aber von dem alten Barackenlager der Infanterie am Waldschlötz- chen bis zu dem neuen Kasernenkomplex an der Petersber­gerstraße stellt für die Earnisonstadt Fulda einen bedeu­tenden Abschnitt in der baulichen Entwicklung und für die gesamte Bevölkerung einen Freudentag dar.

Wie in alten Tagen.

Ein Bild, wie aus ganz alten Tagen, bot vor allem der Teil unserer Stadt, durch den unter klingendem Spiel die Infanterie marschierte. Hundert Langschäftige knallten wie einer aus das Pflaster, straff ausgerichtet marschierte deutsche Jugend im grauen Rock, und aus den Fenstern winkten die Mädchen und warfen zum festlichen Anlaß viele bunte Blumen unter ihre Solbaten. Mit einem Sträuß­chen am Rock, so zogen die Soldaten, wem mag da nicht der gute, alte Marsch eingefallen sein: Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren, öffnen die Mädchen . . .!

Rund um die Petersberger Straße und am Kleegarten boten die Straßen dem Bataillon einen besonders herz­lichen Willkomm. Weit über die Straße gespannt, waren am Kleegarten die Worte zu lesen: Freiheit und Friede, Arbeit und Ehr verbürgt uns das tapfere deutsche Heer! Worte, die eine beredte Sprache sprechen von der Liebe der Bevölkerung zu ihren Soldaten.

Die neue Kaserne.

Der große Komplex der neuen Kaserne besteht aus 6 Wohnblocks, in denen die Kompagnien, die Schützenkom­pagnien, die Maschinengewehrkompagnien und der Stab untergebracht sind. Auf der anderen Seite des Kasernen­hofs liegen der Stall, das Reithaus, die Waffenmeisterei, der Fahrzeugschuppen und andere kleinere Gebäude. Alles ist zweckentsprechend nach den neuesten Grundsätzen der Hygiene und Sauberkeit gebaut. Freundliche Räume, in denen die Soldaten wohnen, Wasch- und Duschräume nach den modernsten Grundsätzen gebaut, alles strahlt Helle und bietet den Soldaten nicht nur Unterkunft, sondern darüber hinaus ein Zuhause.

Die feierliche Uebernahme.

Zu Beginn der Feierlichkeiten bei der Uebernahme er­griff als erster Redner Reg.-Baumeister Dr. Schweitzer vom Heeresbauamt Kassel das Wort. Er wies auf die Schwierigkeiten bei dem Bau der Kaserne, der teilweise noch vor der Wiederherstellung der Wehrhoheit in Deutsch­land durchgeführt werden mußte, hin und beendigte seine Ausführungen mit den an den Kommandeur des Regi­ments gerichteten Worten:Herr Oberstleutnant, ich darf Ihnen im Ramen des Heeresbauamts Kassel den Schlüssel zu der neuen Kaserne überreichen und Ihnen auch persön­lich die herzlichsten Wünsche des Heeresbauamts über­bringen.

Nach der Uebergabe des Schlüsiels begrüßte dann der Kommandeur des Bataillons, Oberstleutnant von B o t h m a r , die erschienenen Gäste, die Vertreter der Partei, Stadt und Behörden und insbesondere den Vertre­ter der Wehrmacht, Divisionskommandeur General Lüdke. Er dankte Dr. Schweitzer für seine Worte und Wünsche und stattete seinen besonderen Dank gegenüber der Stadt Fulda an Oberbürgermeister Dr. Danzebrink dafür ab, daß die Stadt den Grund und Boden zur Verfügung gestellt hat. Zu Beginn unserer neuen Arbeit in dieser neuen Kaserne, so führte Oberstleutnant von Bothmar weiter aus, wollen wir heute hier zum ersten Male unsere alte Reichs­kriegsflagge hissen.

Die Mannschaften präsentierten das Gewehr, und unter den Klängen des Präsentiermarsches stieg zum ersten Male die alte Kriegsflagge am Mast auf.

Oberstleutnant von Rothmar schloß dann seine Aus­führungen mit dem Treuegelöbnis:Wir wollen an dem heutigen für unser Bataillon bedeutungsvollen Tag erneut Treue geloben unserem Führer, Treue bis in den Tod, zum Heile unseres Volkes und Vaterlandes."

Mit einem Sieg Heil auf den Führer und den Liedern der Deutschen fanden die Feierlichkeiten, denen sich eine zwanglose Führung anschloß, ihren Abschluß.

Wir Fuldaer aber sind stolz, daß wir in den Mauern unserer Stadt eine der modernsten Kasernen des neuen Deutschlands besitzen. Wir werden in diesen Stolz hinein­legen die ganze große Liebe zu unseren Soldaten und uns immer bewußt sein der inneren Verbundenheit mit unse­rer Wehrmacht, die zu einem kleinen Teil jetzt diese neue Kaserne bezogen hat.

Äetne Preistreiberei für Wurst.

Preise vom März dürfen nicht überschritten werden.

Der Regierungspräsident erläßt folgende Bekanntmachung:

Um die Wurstsorten, die für die Volksernährung von be­sserer Bedeutung sind, vor Preistreiberei zu schützen, W die 'Reichsregierung verordnet, daß die Preise für solche Wurstwaren die Preise nicht überschreiten dürfen, die End- März 1935 ortsüblich waren. Die Bestimmung dieser preisgeschützten Wurstsorten liegt den Preisüberwachungs­stellen ob. Demzufolge hat der Regierungspräsident in Kassel als Preisllberwachungsstelle unter Berücksichtigung der verbreitesten Nachfrage bestimmt, daß im Regierungs­bezirk Kassel folgende Wurstsorten jener Preisbindungs­vorschrift zu unterwerfen sind: 1. Bratwurst, 2. Leberwurst, 3. Schwartenmagen, 4. Preßkopf, 5. Sülze, 6. Kochwurst Weischwurst) und 7. Knoblauchwurst oder Bauernwurst oder sog. Dürre Runde. Der Verordnung unterliegen alle Verkaufsstellen, in denen die vorbezeichneten Wurstsorten

feilgehalten werden, also auch Kolonialwaren-, Feinkost­handlungen usw.

Darüber hinaus besteht für die Fleischer und die Ver­kaufsstellen von Fleischwarenfabriken die gesetzliche Ver­pflichtung, diese Wurstsorten insoweit zu führen, als sie sie bisher geführt haben.

Die maßgebenden ortsüblichen Preise von Ende März 1935 werden in den nächsten Tagen in allen Kreisen des Regierungsbezirks von den Landräten und sonstigen Kreis­polizeileitern bekanntgegeben werden.

Die Ortspolizeibehörden sind angewiesen worden, die Beachtung vorerwähnter Regelung ihrer wirtschaftlichen und politischen Bedeutung entsprechend streng zu über­wachen und insbesondere darauf zu halten, daß in den Preisklassen jener Wurstsorten keine Verschiebung und in den Sortenbezeichnungen keine Abweichungen eintreten.

gez. von Monbart.

Lotse an Bord".

Werbevorstellung der NS.-Kulturgemeinde.

Wenn die NS.-Kulturgemeinde als Trägerin des kul- w i Redens auch in Fulda in den letzten Wochen ihre Reibung durch die Presse und an die gesamte Fuldaer Be­völkerung gelangen ließ, so war dies nicht etwa ein Appell un eine bestimmte Schicht sogenannter gebildeter Men- ^sidern ein Weckruf an das gesamte schaffende Fulda.

-^as Theater von heute ist Allgemeingut geworden, das onen und dürfen wir nie vergessen! Es gehört dem Ar- eiler der Faust ebenso wie dem Arbeiter der Stirn und «über hinaus jedem Volksgenossen, der sich in der Mit- oeu am neuen Deutschland das Recht auf einen wohl- Feierabend geschaffen hat. Das Theater von

P nicht mehr. wie in vergangenen Zeiten der hin r v einer gesellschaftlichen ' Veranstaltung schlecht- n eine Einrichtung des neuen Deutschlands, Tritts vie Werke deutscher Künstler dem ganzen Volk zur breitet ^ Unterhaltung und zur geistigen Anregung unter­ist Veranstalter aller Theaterabende in Fulda aber ü n m i" K ult u rg e in e i nd e, die mit dem Frankfurter für La m ater und der Deutschen Musikbühne, Berlin, L Vorstellungen des kommenden Winters in'Fulda eines itlerifche Basis geschaffen hat, die den Rahmen bot ^ustadttheaters zu sprengen vermag. Jedermann rer auf diesem Wege an dem Kulturleben unse- Pslilbt x- Vilzunehmen, jedermann hat aber auch die ' "le NS.-Kulturgemeinde in ihrer Arbeit zu unter-

Uni Donnerstag, 10. Oktober: TuroplnvUter.: Alles weg'n dem Hund. Aeueq r^Wptele: Schatten der Unterwelt.

Theater: Alte Kameraden.

Union -r,.» . Freitag, 11. Oktober: Europa.«-^: Königswalzer. Neues ni,Äiuele: Ist Lucie ein Mädel? Deuter: Alles weg'n dem Hund.

stützen. Ein Abonnement sollte deshalb für jeden Fuldaer, der sich nicht aus der Gemeinschaft ausschließen will, eine Selbstverständlichkeit sein.

Erst dann, wenn an den Theaterabenden im Stadtsaal in wahrer Volksgemeinschaft alle schaffenden Volksgenossen zu einem gemeinsamen Erlebnis ge­langen, erst dann, wenn dem einen nicht mehr vorenthal-

Anfang November:

Mann an der Wende"

ten bleibt, was dem anderen zu sehen und zu erleben er­laubt ist, erst dann wird auch in Fulda das Theater das sein, was man VolksthMter nennt und was NS.-Kultur- gemeinde heißt.

Daß die NS.-Kulturgemeinde, durch die Verpflichtung des Frankfurter Künstlertheaters, den hier aufgezeigten Weg gehen will, bewies uns die gestrige Aufführung der Oesau'schen KomödieLotse an Bord", die, um es vorweg zu sagen, ein voller Erfolg war.

Intendant Fritz Richard Werkhäuser als ver­antwortlicher Spielleiter hatte dafür gesorgt, daß jede Rolle ein Typ für sich wurde. Man sah ein vorbildliches Ensemblespiel, das durchweg in jeder einzelnen Szene vor­zügliche, glänzende Regiekunst durchblicken ließ. Das Bühnenbild, die typische norddeutsche Fifcherkllche, von Paul Schönke geschaffen, wirkte in seiner Einfachheit, oder gerade deswegen, vollkommen echt und gab den rech­ten Rahmen für die originelle Handlung ab, über deren Inhalt wir in der Vorbesprechung schon kurz berichteten. Gespielt wurde, wie schon angedeutet, sehr gut. Alle Mit­wirkenden gaben ihr Bestes, so daß das Ganze als eine gute, abgerundete Leistung zu bezeichnen ist.

Tilly Poth, als Schwiegermutter, hatte eine ihrer besten Rollen, forsch, natürlich, schauspielerisch fein be- berrscht, schalkhaft, ohne jegliche Uebertreibung, wozu die Rolle leicht verführen konnte, schuf sie eine Leistung, bei der der wiederholte Beifall auf offener Szene ehrlich verdient war. Edith Heerdegen als Dienstmagd Rieke war

köstlich. In Haltung, Maske und Sprache von nachdrück­licher Komik. Annemarie Sauerwein war ganz die junge Frau, die nicht wirtschaften kann, die vormittags im Bett ihren Roman liest und sich wegen der gepfändeten Möbel und der fehlenden notwendigsten Haushaltsartikel keinerlei Kopfzerbrechen macht. Ihr'Spiel diskret und an­genehm. Einen prägnanten Typ als Matrose bot Eduard Neuhaus. Den Seemann, wie er wirklich ist, herzens­gut, ein bissel leichtsinnig und abergläubisch im höchsten Grade, brachte dieser Künstler mit allen diesen Eigenschaf­ten fein nuanciert zum Ausdruck. Paul Roland als Schwiegervater und Pantoffelheld bester Sorte, der immer maldurchgreifen" will und zuletzt doch Kartoffeln schälen muß, hat auch in dieser Rolle beste Gelegenheit, seine uns bekannte gute Tarstellungskunst wiederum zu beweisen. Hans Heinicke gab dem von ihm dargestellten jungen Seefischer sympathische Züge, er gefiel am besten in den Szenen mit seiner Gegenspielerin Tilly Ploth.

Der Besuch war gut, ließe sich aber noch steigern, wenn alle, die guten Willens sind, sich zum Abschluß eines Abon­nements entschließen würden. Das Publikum ging auf­merksam mit und quittierte mit recht reichlichem Beifall.

Schn.

Mitteilungen der NS.-Dienststellen.

Hitler-Jugend.

Gefolgschaft 6/167 (Bad Salzschlirf).

Am Freitag, den 11. 10. 35, findet in Bad Salzschlirf ein Appell sämtlicher Feldschere der Gefolgschaft 6/167 statt. Antreten 8 Uhr abends vor dem HJ. -Heim.

Der Feldscher des Bannes 167.

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Deutsches Jungvolk!

Durch plötzlichen Tod wurde unser Kamerad Wolf­gang Georg Ackermann aus unserer Mitte gerissen. Wir verlieren in ihm, wenn er auch noch sehr jung war, einen unserer Besten. Für den Stamm Groenhoff ordne ich daher bis zum 1. November Trauer an.

Der Stammführer.