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Luloaer Anzeiger

«m^^.^^».r^^. Anzeigenpreis.

g&Sfc * Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

& n^ Zulda- und Haunetal Zulöaer Kreisblatt

Friedrich Ehren- Z V

St guisa Könâ 42, J^l^^ Schristleitung und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernfprecher Nr. 2989

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breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei Kon­kurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. D.A." IX. 35. 910. Zur Zeit ist Preis- liste Nummer 3 gültig. Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

K 236 - 12. Jahrgang

Fulda, Mittwoch, 9. Oktober 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Kleinkrieg in Abessinien.

Oessinischer Umgehungsversuch. ^Schwieriger Vormarsch an der Südfront.

Nach den ersten schnellen Vorstößen der italienischen vruvven an den abessinischen Grenzen scheint jetzt all- âin eine Stockung eingetreten zu sein. Die Abessinier s nach dem Befehl des Negus allen Angriffen aus- «Ma und setzen den italienischen Truppen lediglich Lim Kleinkrieg Widerstand entgegen, wo sie selbst ^ durch Tankangrisse oder Bombenflugzeuge gesähr- M sind.

In abessinischen militärischen Kreisen mißt man dem hrmarsch der Italiener im Norden, wo sie Ms die Linie Adua Adrigat Aksu m be- jtilschen, die Hauptbedeutung zu.

An der Nordsront setzt nunmehr der abessinische Widerstand mit besonderer Schärfe ein.

Äei verschiedene abessinische Heeresgruppen sind hier aus der rechten Flanke der italienischen Trup­pen aus Eritrea zum Gegenstoß angesetzt. Die erste wird mRas Seyoum befehligt, dessen Vorhut auch in die ersten Kampfhandlungen mit den Italienern aus der Linie AduaAdrigatAksum verwickelt worden ist. Die zweite abessinische Heeressäule unter Dedschasmatsch Spellt soll sich in eritreisches Gebiet vorgeschoben haben, wo sie angeblich

die rückwärtigen Verbindungen der Italiener bedroht.

Eine dritte Heeresgruppe von 85 000 Mann geht unter dem Oberbefehl des Ras Kassa in Richtung auf den Sctitfluß vor, der sich an der abessinischen Grenze befindet.

Von amtlicher abessinischer Seite wird weiter mit­geteilt: Meldungen von der Nordfront besagen, daß

Maffcnüberläuse eingeborener Eritrcatruppen nach Abessinien

begonnen haben. Im Gebiet von M a k a l e gingen 5b Eritrea-Askaris unter Führung ihres Vorgesetzten zu den Abessiniern über und brachten Kanonen und Maschinengewehre mit. Ein ähnlicher Übertritt folgte bei Agame, wo 200 eingeborene italienische Wen mit Maschinengewehren übertraten.

D . âcjsimscher Gegenstoß nach Italienisch-Eritrea?

Presseberichten haben die abessinischen einen Vorstoß nach Italienisch-Eritrea dort die Stadt Addi Kaie. 45 Kilometer SenüT^v ^^reas, eingenommen unid die eingeborene bet tJNg gegen die Italiener ausgewiegelt. Im Rücken uS®1 soll bereits ein Aufstand der Eingeborenen ibn eh mn ^"- Ferner sollen 4000 Abessinier einen Uih£6nto1:N nach Adrigat gemacht haben, um den euern m den Rücken zu fallen. (Schevl M.)

Atempause der Italiener.

eine ^gend um Adua scheinen die Italiener sich leit, Muse zu gönnen. Inzwischen werden umfang- A'rack hängen für die italienische Front heran- neue NU nn, ^Wet auch damit, daß die Abesiinrer mutirh £ beranholen werden, um dem weiteren Vor­zieht ein .Kliener zu begegnen. Nach Adua hinein fön von Truppen, Geschützen, Tanks Mum- Wrieben s Tragtieren. Auch Rindvieh wird an- M die Truppen Frischfleisch erhalten. Adua itö 61 eueBasisf ü r dieweiterenVor- ^iiicrc , $ Sude N. Tausende von Arbeitssoldaten platz I'ven Winkel des Tals und richten einen Flüg­ge Flieger her.

An Wasserlose Zone im Süden.

M bie innern in der Provinz Ogaden haben Nen auf die Kleinkriegtaktik verlegt. Sie Ne bet Ul,. Wnse ohne große eigene Verluste bte Ver­engen diener, auf das Plateau von Harrar vorzu- Auch hier ziehen sich die Abessinier kleine lisâu^' beunruhigen den Gegner aber stet.

' n. auch Überfälle aus dem Hinterhalt. Es soll ihnen gelungen Nu ein italienisches Beobachtuuss-

flugzeug bei Gerlogubi zum Landen zu zwingen. Die Zu- verjtcht und der Kampfesmut der abessinischen Truppen sind durch die Ankunft und die Austeilung von 2 M i l - lionen Schuß Munition wesentlich gehoben. Daß dieser Munitionstransport trotz der sehr schlechten Ver­bindungen von Norden durchkam, bezeichnen die Abessinier a s Beweis für die Wirksamkeit des Kleinkrieges im Ge- biet von Agami, wo die Italiener am weiteren Vor­dringen von Nordosten im Danakilgebiet zunächst ge­hindert würden. Der italienische Befehlshaber der Stoß­truppen in Südogaden berichtet, daß die Italiener bei ihrem Vordringen große Schwierigkeiten haben werden, wenn sie beim Anmarsch südlich von Djidjiga bie dort befindliche Wasserlose Kone erreicken

Einer unbestätigten Meldung aus Addis Abeba zu­folge sollen die Abessinier Adua von drei Seiten u m s ch! o s se n haben und in die Stadt ein­gedrungen sein.

*

Abessinien weist den italienischen Gesandten aus.

Addis Abeba wirft ihm Wortbruch und Spionage vor.

Der abessinische Außenminister H a w a r i a t hat dem Generalsekretär des Völkerbundes ein Telearamm über-

Die Sanktionsfrage.

Sonderaussprache Eden Laval. Protest Italiens.

Die Genfer Völkervunpsmaschinerie hat mit ihrem Beschluß vom Montag einen Teil der ihr gestellten Auf­gaben hinter sich gebracht. Der Dreizehneraus­schuß, der zur Klärung des italienisch-abeffinischen Kon­flikts und zum Versuch einer Schlichtung eingesetzt war, und der S e ch s e r a u s s ch u ß, der den Ablauf der Dinge seit dem ersten Flintenschuß zu überprüfen hatte, haben ihre Berichte abgeschlossen. Der Völkerbundsrat hat den Bericht, der die V e r a n t w o r t u n g I t a l i e n s a n dem Krieg in Ostafrika feststellt, angenommen. Aus Italien müssen jetzt gemäß der Völkerbundssatzung die Bestimmungen des Artikels 16 in Kraft treten, der bestimmt, daß ein Angreifer, der zum Kriege gegen ein Mitglied schreitet, praktisch damit alle Völkerbunds- Mitglieder angreift. Um einem solchen sogenannten Kol- lektivangriss zu begegnen, sind Sanktionen wirtschaft­licher oder militärischer Art vorgesehen. Die Form der Sühnemaßnahmen und ihr Ingangsetzen sind bisher noch nicht erprobt worden. Darüber hat Genf ^t?t zu ent­scheiden.

«In Tas der Verhandlungen.

Der Dienstag wurde nun in Genf mit der Vor- bereitung der Vollversammlung des Völkerbundes und der Erörterung der Sanktionsfrage ausgesullt. Außerdem gehörte der Tag denjenigen, die noch immer an eine Ver­ständigung glauben. Die Engländer haben in der Sanktionsfrage die Führung übernommen.

Die Franzosen üben einen Druck aus die Engländer aus.

Wenn sie sich schon nicht aus der Sanktionsfront heraus­halten können, dann wollen sie einen Preis für ihre Z u st i in in u n g. Hier bekommt die Frage größte Be­deutung. Frankreich hat eine Note an England auf den Fall ghqestellt, daß ein Mitgliedstaat des Völkerbundes, ohne die Versöhnungsaktion abzuwarten, zum Krieg schreitet, oder ein Nichtmitgliedstaat einen nlchtprovlzlerten Angriff ans einen Mitgliedstaat unternimmt. Deshalb Bezug­nahme ans Artikel 17 der Völkerbundssatzung in der französischen Note, in dem von Staaten die Rede ist, bte nickt Mitglieder des Völkerbundes sind unb bte sich unter gewissen Bedingungen den den Bundesmitglredern ob­liegenden Verpflichtungen zu unterwerfen haben.

^er englische Völkcrbundsminister Eden und der französische Ministerpräsident Laval hatten sich am Dienstag in den kleinen Ort Pont de Moronin Savoyen zurückgezogen, um sich ungestört aus­zusprechen.

Natürlich wird mit dieser Unterredung auch wieder das Gerücht verbunden, daß die vielleicht vorhandene Ver­handlungsbereitschaft Italiens erörtert werde Dabei spielt wohl auch eine Äußerung des Italic Sen BlattesG a z e t t a d e P o p o l o" eine Rolle in der es heißt, Italien gebe allen, bie guten Wtllens verstehen, daß es, nachdem es die italienische Niederlage von Adua im Jahr 1896 gesühnt hat, heute leickter mit Italien zu verhandeln sei als gestern, weil nacf) der Lösung der delikatesten Frage der Ehre und des Prestiges die nur eine Austragung mit den Waffen zu- ließ über die anderen Probleme immer Verhand- l u n g s m ö q l i ck k e i 1 e n b e st a n d e n haben.

Die Sachverständigen der französischen und englischen Vertretung in Genf nahmen am Dienstaanackmittag die

mittelt, in dem es heißt: Trotz des nicht provozierten Angriffes durch Italien, dessen Opfer Abessinien geworden ist, und trotz des widerrechtlichen Krieges, der ihm ohne eine Kriegserklärung und ohne jede Rechtfertigung auf­gelegt ist, hatte die abessinische Regierung dem italienischen Gesandten und seinen Mitarbeitern erlaubt, in Addis Abeba zu bleiben.

Obwohl die Unannehmlichkeiten sehr groß waren, wollte die abessinische Regierung dem Völkerbund einen neuen Beweis ihres guten Willens, ihrer ernsten Be­mühungen um den Frieden und ihres Geistes der Ver­ständigung geben. Für dieses Zugeständnis war eine einzige Bedingung gestellt worden, der italienische Ge­sandte sollte die Gastfreundschaft, die ihm gewährt wurde, nicht benutzen, um die Funkstelle, die er besitzt, in Betrieb zu halten und um der abessinischen Regierung innere Schwierigkeiten zu machen. Die abessinische Regie­rung kann nur mit tiefem Bedauern feststellen, daß das gegebene Wort nicht gehalten worden ist. Die italienische Gesandtschaft in Addis Abeba ist ein Zentrum der Spionage und ein Platz der Intrigen und Verschwörungen gegen die öffentliche Ordnung in Abessinien geworden. Unter diesen Um­ständen, unter denen die Verteidigung Abessiniens durch die Haltung des italienischen Gesandten wesentlich er­schwert worden ist, hat die abessinische Regierung die Pflicht, den italienischen Gesandten auf» zufordern, mit seinem gesamten Personal unmittel­bar Addis Abeba und das abessinische Staatsgebiet »u verlassen

*

Die abessinische Regierung hat ihren römi­schen Geschäftsträger ersucht, von der italienischen Re­gierung seine Pässe zu fordern.

Verhandlungen über die Sanktionen auf. Am Dienstag lief auch ein

Protest des italienischen Bölkerbundsvertreters,

Baron 9lloifi, bei dem Präsidenten des Rates ein, worin Aloisi sich nochmals dagegen verwahrte, daß der Rat einen Beschluß über die Feststellung des Angreifers gefaßt habe, ohne daß der italienische Vertreter zu einer ausführlichen Stellungnahme Zeit gehabt hätte. Er behalte sich alle weiteren Schritte vor. Die unmittelbare Bedeutung dieses Schreibens ist, daß Aloisi darauf verzichtet, eine neue Ratssitzung zu beantragen, in der er, wie ihm am Montag anheimgestellt wurde, nachträglich seine Bemerkungen hätte Vorbringen können.

England und Frankreich einig.

Von maßgebender englischer Seite wurde Dienstag abend in Genf erklärt, daß der englische Minister Eden die Absicht habe, in der Vollversammlung des Völker­bundes öffentlich in aller Form zu dem Beschluß des Völkerbundsrates, der Italien für schuldig erklärt, Stel­lung zu nehmen und die Notwendigkeit dieses Beschlusses zu begründen. Man habe, so sagen englische Kreise, auf Grund der Unterhaltung, die mehrere Stunden in Pont de Moron zwischen Lava! und Eden stattgefunden hat, Anlaß zu der bestimmten Annahme, daß auch Lava! offen den französischen Standpunkt darlegen werde und daß sich dabei eine Meinungsverschiedenheit zwischen England und Frankreich nicht er­geben werde. Es^werde sich die Einmütigkeit aller Rats- mitglieder und vor allem Englands und Frankreichs in der weiteren Verfolgung der nunmehr notwendigen Maß- nahmen herausstellen.

Amerikanischer Schritt in ^om.

Warnung vor Bombenabwürfen auf amerikanische Gebäude in Addis Abeba.

Der nordamerikanische Staatssekretär Hull teilte mit, daß er bereits am 5. Oktober in Rom Schritte unter II o m m e n habe, um ^Bombenabwürfe aus die amerikanische Gesandtschaft und amerikanische Häuser in Addis Abeba zu verhindern. Das Gesandtschastsdach sowie die Dächer der dortigen Krankenhäuser, Schulen und anderer amerikanischer Gebäude seien mit dem Sternen­banner bedeckt oder mit den Farben der amerikanischen Nationalflagge anacmalt worden. Die amerikanische Re­gierung erwarte, daß man amerikanisches Eigentum

Neues italienisches Protest-Telegramm.

Ee n s, 9. Okt. (Funkmeldung.) Beim Völkerbund ist heute vormittag ein Telegramm der italienischen Regie­rung eingetroffèn, das auf die Mitteilung des abessinischen Vertreters Bezug nimmt, der italienische Gesandte in Addis Abeba sei aufgefordert worden, Abessinien zu v e r l a s s e n. Die italienische Regierung teilt mit, daß sie die für den Beschluß der abessinischen Regierung aufs geführten Gründe auf das entschiedenste zurückweiien und dagegen formellen Protest einreichen müsse.