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M-aer Anzeiger

Ö£^ - Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Sf^^ Iulöa- und Haunetal Zulöaer Kreisblatt

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Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei Kon­kurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. D.A." VII. 35. 910. - Zur Zeit ist Preis- liste Nummer 3 gültig. Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

^. 229 - 12. Jahrgang

Fulda, Dienstag, 1. Oktober 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Wahlbetrug und Knüppel regierten.

Ne Qual des Wartens - Verschwundene Stimmzettel - Frauen wurden mißhandelt

Tcr Lerlauf der Memelwahlen hat eindeutig bewtejen, ... ^s litauische Wahlsystem von vornherein aus eine Kürcchtuna der Memeldeutschen zugeschnitten war. Trotz Loch kurz vor der Wahl den Signatarmächten ge- «teae» Versprechungen, kann von einer unparteiischen, âunasqemäßen Durchführung nicht die Rede sein. Der Wppel regierte und der offenkundige Wahlbetrug. Das Mcift allein schon die Tatsache, daß in den von der litau- Staatsdrulkerei hergestellten Wahlzettelblocks vielfach n^wßer Teil der deutschen Kandidaten herausgelassen W Außerdem wurde durch die Hinzunahme des Mon- I y' Wahltag weiteren Fälschungen Tür und Tor Aet.

M Montag früh wurde die Wahl fortgesetzt, und man mußte feststellen, daß trotz der unendlichen Qual des Kartens am Sonntag, trotz der Anstrengungen der weiten Wege kein deutscher Wähler, der seine Stimme noch nicht abgegeben hatte, fehlte. Alte Frauen, die schon am Sonn­tag vom Vormittag bis zum Abend vor ihrem Wahllokal gewartet hatten, waren pünktlich um sieben Uhr früh zur Stelle. Nur in ganz wenigen Wahlbezirken war es möglich gewesen, die Wahl noch am Sonntag zu Ende zu führen. Hier zeigte sich auch schon der Nachteil der Wahlver­längerung.

Das Bündel der Wahlumschlüge von Süderspitze» das am Sonntagabend von Landesdircktor Anysas cnt- gegengenommen worden war, war am Montagsrüb nicht mehr aufzufinden.

In zwei kleinen Wahlbezirken an der Kurischen Neh­rung ist h n n d e r t p r o z e u t i g gewählt worden. In den meisten anderen aber würden bis zum Abbruch am Sonntag nicht einmal 50. v. H. erreicht. Man muß dabei noch einmal vergegenwärtigen, wie langwierig per Wahlakt war: Zu wählen waren im ganzen 29 Ab- WdW. Aus dem Sümmzctteiblon, der alle 187 Kan- I tonten sämtlicher Wablvorschlage in alphabetischer I Abenfolge enthielt, mußte der Wähler sich seine 29 San» âten heraDsuchM, herausreißen, abzählen, in den Um» MS stecken und dann am Wahltisch abgeben. Dabei Mm gleichzeitig zwei Ausweise, nämlich ein Paß I ""^ der Wahlausmeis, vorzuzeigen. Vielfach machte das i WMeißen der Zettel viel Schwierigkeiten. Sie mußten mit der Schere herausgeschnitten werden.

Sil ber Me, elvorstadt Schmelz z. B. hatten infolge Ws ausgeklügelt langweiligen Verfahrens bis zum ^'nutagnachmittag erst 80 von insgesamt 2200 Vollberechtigten abstimmen können. Ähnlich war es überall in den anderen Wahlbezirken.

, Ein besonders trauriges Kapitel stellen die Uber- , hsc der litauischen Polizisten und Soldaten dar. M i ß- : :."dlungen von Frauen waren an der Tages- i Kranke, die mit Tragbahren zum Wahllokal ge» t ließ inan oft überhaupt nicht vor. In s ^â)ule in Schmelz trieben sieben litauische Schützen -wtenben Wählermassen mit Kolbenhieben aus- I . ^6* wurden mehrere Frauen ernstlich ver- i ^"Nlichr skandalöse Zwischenfälle haben sich an m äderen Orten zugetragen. j.? ^öntag wurden mehrere junge Leute, die man /W eingesperrt hatte, aus der Haft entlassen.

Oi, n?wu nur deshalb in Hast genommen worden, I 1lc «MUjilfe beim Heranschaffen von kranken

M . N'w gebrechlichen Personen geleistet hatten.

für das Wahlchaos ist ein Vorfall in Jug- I tip torl hatten Bauern die Wahlurne zer- I IteiâfnmJJJ IInö die Wahlzettel zerstreut. Die Wahl- ! 8« 1011 üeschloß, die Wahl für ungültig Mu!,. '" 1 e n und Neuwahlenauf den 6. Oktober ' Es wurde weiterhin beschlossen, den unb in 'kW1 dw Orte Jugnaten und Wietzen zu teilen "'testens 85 Wahlzellen aufzustellen.

(Associated Preß M.)

tun den teln von

Abschluß der Memelwahlen

Aber noch Hunderte warten vor den Wahllokalen.

Memel, 1. Oktober. Die Memelwahl ist in den meisten Bezirken beendet. Die Wahllokale in Memel wurden zwat um 18 Uhr geschlossen, jedoch war die Zahl der noch in den Vorräumen und auf der Straße Wartenden so groß, daß der Vorsitzende der Wahlkreiskommission anordnen mußte, die Vorräume und die Höfe als mit zum Wahllokal gehörig zu betrachten und alle dort befindlichen Personen abzufertigen. In einzelnen Wahllokalen beläuft sich die Zahl der noch Wartenden nach Hunderten, so daß sich die

Blamage vor aller Welt.

Ausländskorrespondenten im Memelland berichten von dem litauischen Wahlskandal.

Da eine ganze Reihe ausländischer Pressevertreter den Wahlgang im Memelland miterlebt hat, ist die Presse des Auslandes voll von Berichten. Es ist bezeichnend, daß selbst die sonst gar nicht deutschfreundlichen Zeitungen zugeben müssen, daß Litauen die Wahl vorsätzlich und durch Schikane erschwert hat. Gleichzeitig muß die Aus­landspresse, soweit sie sich ehrlicher Berichterstattung be- fleißigt, die vorbildliche Disziplin und Geduld der Memel­deutschen anerkennen.

Die englischen Blätter veröffentlichen aus­führliche Berichte. Sie bringen ausnahmslos anschau­liche Darstellungen von dem völligen Versagen der litauischen Behörden bei der Organisation des Wahlgeschäfts und von der dadurch verursachten un­geheuerlichen B er H i r r u n g. In einer Reuter­meldung über den Verlauf der Wahlen heißt es u. a.: Lange nach Anbruch der Dunkelheit belagerten noch protestierende Menschenmassen die 76 Wahllokale im Memeler Bezirk. Sie konnten keinen Zutritt erlangen, weil die vor ihnen befindlichen Leute so lange Zeit für ihre Stimmabgabe brauchten.

Der Gouverneur General Kurkauskas brauchte, wie Reuter, dessen Korrespondent scheinbar mit der Stopp­uhr im Wahllokal stand, weiter berichtet, 10 Minuten, um mit seinen Stimmzetteln fertig zu werden.

Der Reuter - Berichterstatter nahm einen ungültigen Wahlzettelblock mit 187 Namen und riß vorschriftsmäßig 29 der kleinen Zettel ab. Er brauchte für die Auswahl, das Abreißen und das Zusammenlegen der Namenszettel acht Minuten. Beamte eines Wahllokals erklärten, daß mehrere alte Leute je eine Stunde gebraucht hätten. Reuter muß den Zusammenbruch der Wahl­organisation zugeben und gibt die Auffassung der Memel­länder weiter, daß die Wahl eine Komödie war. Daily Erpreß" sagt:Das System der Stimm­abgabe ist von den litauischen Behörden, die ein Rück­zugsgefecht kämpfen, um diese deutsche Stadt unter frem­der Herrschaft zu halten, vorsätzlich kompliziert worden. Der Korrespondent desDaily Telegraph" be­richtet u. a.: In Prökuls wurden

Mitglieder der Vereinigten Deutschen Partei von Litauern mit Schüssen angegriffen, als sie Plakate anklebten. Eine Anzahl Deutsche wurden verletzt.

Die P a r i s e r Presse beschäftigt sich ebenfalls ein» gehend mit den Memelwahlen und stellt im allgemeinen fest, daß die ruhige Stimmung entspannend wirken werde. Der Sonderberichterstatter desJournal" hat den Ein­druck gewonnen, daß der Optimismus der Litauer, die besonders auf die Bauern zählten, übertrieben zu fein scheine; denn die Bauern und Fischer könnten, seit-

Geheime Wahl.

Da bei den Memel­wahlen die Zahl der Wahlzellen in den ein­zelnen Lokalen völlig un­genügend war, mußten die Wähler sich in dieser Weise, die mit Geheim­haltung nichts mehr zu

hat, bemühen, unter 187 Kaudidaten-Zet- ihres Wahlblocks, die ihnen Gewählten Herausrusuchen.

endgültige Wahlbeteiligung hier erst recht spät wird fest­steilen lassen.

Aus dem Memelgebiet gehen die Mitteilungen über die Wahlbeteiligung ebenfalls sehr spärlich ein. Um 20 Uhr lagen erst etwa ein halbes Dutzend Mitteilungen vor. Aus der Kuhrischen Nehrung, also in Orten, wo die Zahl der Wähler nur klein ist, ist die Wahlbeteiligung außerordent­lich stark. Sie beträgt in den einzelnen Wahlbezirken 96 bis 100 v. H. In Nidden haben von 451 Wahlberechtigten 434 Wähler ihr Wahlrecht ausgeübt, in Schwarzort von 257 Wahlberechtigten 251, in Preil von 202 193 und in dem kleinsten Wahlbezirk Süderspitze sämtliche 20 Wahl- brechtigten.

In Memel selbst ist der Wahlakt um 20 Uhr erst in einem Wahlbezirk abgeschlossen. Hier ist die Wahlbeteili­gung ebenfalls groß. Von 1972 haben 1844 Wähler ihr Wahlrecht ausgeübt. Darunter befinden sich 125, die nach Auffassung der Einheitsliste zu Unrecht eingetragen sind und gegen deren Wahlrecht die Einheitsliste Einspruch er- Koben hat.

dem Deutschland die Grenzen geschlossen habe, ihre Er­zeugnisse nicht mehr absetzen. Sie seien unzufrieden und würden daher für die Einheitsliste stimmen. Auch die Jugend sei fast vollständig für den nationalsozialisti­schen Gedanken gewonnen.

Die polnische Presse berichtet ausführlich über den Verlauf der Memelwahlen. Ihre Sonderbericht­erstatter stellen übereinstimmend die schlechte Vor­bereitung der Wahl durch die litauischen Behörden fest. Die Wahlbeteiligung sei so groß, daß sie in manchen Orten 100 v. H. erreichte. Allgemein herrsche der Ein­druck, daß die Deutschen die überwältigende Mehrheit er» hielten.

In litauischen Kreisen könne man eine ausgesprochen pessimistische Stimmung sestftellen,

die noch durch Nachrichten über Unruhen in Litauen und eine bevorstehende neue Umbildung desKabi- netts weiter gedrückt werde. Die polnische Presse be­richtet weiter, daß die Verlängerung der Wahlzeit auch den Grund habe, die Zahl der litauischen Stimmen zu vergrößern; während die Deutschen schon am frühen Morgen vor den Wahllokalen anstanden, sei nämlich die Beteiligung der litauischen Wähler sehr träge. Ein polnischer Berichterstatter schildert, wie die Bevölkerung sich immer wieder um die zahlreichen ausländischen Journalisten versammelt habe, um ihnen klarzumachen, daß Memel ein rein deutsches Land sei, und daß diese Wahlordnung ein Skandal ist.

Die Memeltelegramme der schwedischen Presse stellen fest, daß

die Wahlordnungen durch die litauischen Behörden unverantwortlich schlecht organisiert

seien. InSvenska Dagblad" heißt es u. a.: Der W a hl- app ara t war viel zu kompliziert für die Alten, die nicht das Recht hatten, Hilfe zu bekommen. Man sah alte Frauen in den Wahllokalen wählen, während ihre Töchter draußen weinend standen, da sie ihren Müttern nicht helfen konnten.

Memeldeuischer Protest in Genf.

Der Vertreter der memelländischen Bevölkerung, Schulrat Meyer, hat am Montag an die Delega­tionen der Signatarmächte in Genf Telegramme gerichtet, in denen die verantwortlichen Mächte darauf aufmerksam gemacht werden, daß der bisherige Verlaus der Wahlen im Memelgebiet gezeigt hat, daß verschiedene B e st i m - mungen des Wahlgesetzes sich als undurch­führbar erwiesen haben. Die ordnungsgemäße Wahl sei überhaupt durch die Fälschung der von der ein­seitig zusammengesetzten Wahlkommission ausgegebenen Stimmzettelblöcks sowie durch verschiedene Terrormaßnahmen und Schikanen, denen die Wähler durch die litauische Polizei und verschiedene Stimmbezirksvorsitzenden ausgesetzt seien, gefährdet. In den Telegrammen wurde weiter die Sicherstellung der ordnungsgemäßen Wahl verlangt.

Ein Blick in das Gowjetparadies.

Keine Seife, kein Buder und kein Tabak. - Umfangreiche

Unterschlagungen

Einen Blick in das Sowjetparadies gestattet wieder einmal eine Moskauer Regierungsverordnung, die u. a. feststem, daß die Arbeit dieser Konsumgenossenschaften ge­waltige Mängel ausweist. So wurden auf den Listen ver­schiedene Fndustriewaren wie Kleidung, Schuhe, Textilien u. a. aus die kleinsten zum Absatz ungeeigneten Läden gänzlich falsch verteilt, so daß sie dort einfach liegen blieben. Außerdem fehlten in den meisten ländlichen Kaufläden so wichtige Lebensmittel und Bedarfsartikel wie Seife, Salz, Zucker, Tabak, Zündhölzer, Nähgarn usw. Sehr viele Läden der ländlichen Konsumgenossen­schaften seien nur aus dem Papier vorhanden.

Zu allem Übel sei wie amtlich festgestellt wird die Finanzgebarung durch dauernde umfangreiche Unterschlagungen, Raub und unrentables Wirt­schaften vollkommen zerrüttet