Vauernaufruhr in Litauen.
Blutige Zusammenstötze. — Mit Tanks gegen meuternde Polizei und Truppen
Die Bauern unruhen in Litauen, die, vor längerer Zeit schon einmal blutig unterdrückt, jetzt wieder anfgclcbt sind, nehmen scheinbar s e h r e r n st e F o r m e n an. Meldungen aus litauischen Grenzorten besagen, daß es im Gebiet um Litauens Hauptstadt Kowno und im Süden des Landes zu b l u t i g e n Z u s a m m e n st ö ß e n gekommen ist. Gegen die Bauern ist Militär eingesetzt worden. Die Zusammenstöße haben bereits mehrere Todesopfer gefordert.
In einigen Bezirken weigerten s i ch aber Militär und Polizei, gegen die Bauern vorzu- gehen und auf sie zu schießen. Als daraufhin mehrere Offiziere verhaftet wurden, meuterten einige Truppenteile. Von Kowno aus sind gegen die Meuterer Polizei und Truppen eingesetzt worden, die von Tanks unterstützt werden.
Die Bauern sind größtenteils mit Gewehren ausgerüstet. Zur Unterstützung der Streiks fordern sie dazu auf, die Molkereien an der Belieferung der Städte mit Milch zu hindern.
Die Polizei ist in Kraftivagen auf das Land geschafft worden, um die Bauernunruhen zu unterdrücken. Verschiedentlich wurden Verhaftungen vorgenommen, woraus die Bauern die Verhafteten wieder befreiten. In den Unruhegebieten werden auffallend viel Brände festgestellt, die man als Vergeltungsmaßnahmen der streikenden Bauern gegen Streikbrecher ansieht.
Greuchustiz in litauischen Gefängnissen.
Beschwerdeführende Gefangene werden beseitigt. — Ein
Memelländer an der Zcllcndecke erhängt.
Über die unglaublichen Zustände in litauischen Gefängnissen ist schon viel geschrieben worden. Daß Deutsche dorr gefoltert und gequält werden, haben mehrere Fälle bereits erwiesen. Die Gefängnisse unterstehen der Aufsicht eines Inspektors Garbaliauskas, an den alle Beschwerden über die Mißstände in den Gefängnissen gelangen. Erhält Garbaliauskas so eine Beschwerde, dann besucht er den betreffenden Gefängnisleiter, läßt sich von ihm bewirten und bespricht mit ihm freundschaftlichst die Beschwerde. Meist fällt dann die Beschwerde unter den Tisch.
Wie weit die Zusammenarbeit des Garbaliauskas mit den Gefängnisvorstehern geht, beweist
Die Zeit der Reden vorbei?
Ein Ratausschutz ohne Italien. — Ausarbeitung von „Empfehlungen".
Das Genfer Stimmungsbarometer, das in den letzten Tagen zwischen Optimismus und Pessimismus hin und her gependelt ist, hat wieder einmal nach der pessimistischen Seite ausgeschlagen. Glaubte man noch am Wochenbeginn an die Möglichkeit von positiven Verhandlungen, so beweist die erhöhte militärische Tätigkeit auf allen Seiten, daß auch diese Hoffnung dahingeschwunden ist.
In G e n s trat am Donnerstag der V ö l k e r b u n d s- r a t zu einer geheimen und im Anschluß zu einer öffentlichen Sitzung zusammen. Der italienische Vertreter blieb der Sitzung fern. In der geheimen Sitzung wurde der Beschluß gefaßt, einen aus allen Ratsmitgliedern, außer Italien, zusammengesetzten Ausschuß zur weiteren Behandlung des italienisch-abessinischen Streites einzusetzen, gleichzeitig jedoch den Fünferausschuß weiterbestehen zu lasten, damit die Schlichtungsbemühungen gemäß Artikel 15 der Völkerbundssatzung fortgesetzt werden können.
In der öffentlichen Sitzung des Völkerbundsrats schlug der Ratspräsideni Madariaga die Abfassung eines Berichts mit Empfehlungen zur Beilegung des italienifch-abessinifchen Streites gemäß Artikel 15, Paragraph 4, der Völkerbundssatzung vor. Dieser Vorschlag wurde einstimmig gebilligt. Dieser Bericht soll von dem großen Ausschuß abgefaßt werden. Ferner wurde das Weiterbestehen des Fünferausschusses bestätigt. Die Ratstagung wird ferner nicht geschlossen, sondern es ist vorgesehen, daß der Rat jederzeit zur Prüfung des Berichts im Falle der Dringlichkeit sofort zusammentreten kann.
In der Sitzung hatte Madariaga, nachdem der abessinische Vertreter am Ratslisch Platz genommen hatte, ausgeführt, er könne nicht glauben, daß der Weg der Schlichtung endgültig verschlossen sei. Der englische Minister Eden, als Vertreter Englands, bedauerte, daß noch keine Lösung der Krise gefunden sei. E" fügte hinzu, daß die Regierungen während der Abfassung des Berichts Gelegenheit haben würden, zu erwägen, ob man noch etwas anderes tun könne, um den Frieden zu wahren, und wie dies geschehen könne.
Das sei eine Verpflichtung, die die Ratsmächte als Mitglieder des Völkerbundes nicht vergessen dürften. Der französische Außenminister Laval erklärte, daß er die Erklärung Edens voll unterstütze. Der Rat werde seine Aufgabe nach Geist undBuchstaben der Völkerbundssatzung erfüllen. Litwinow führte hierauf aus, daß die Entschließung des Völkerbundes d i e Phase der Reden und der Erklärungen beende. Der dänische Außenminister Munch dankte im Namen der im Fünferausschuß vertretenen Länder dem Nat für seine Bemühungen.
In französischen Kreisen wird der Genfer Beschluß, einen neuen Ausschuß einzusetzen, dahin ausgelegt, daß ein Zeitgewinn erzielt werden soll, der den Diplomaten eine letzte Gelegenheit gibt, durch Verhandlungen eine Versöhnung herbeizuführen.
Die englische P r e f s e ist der Ansicht, daß der Völkerbund in Anwendung des Artikels 15 der Völkerbundssatzung nunmehr „Empfehlungen" an Italien richten werde. Im Falle eines nochmaligen Neins werde Italien sich dann selbst offen als Angreifer bezeichnen.
Aus Malta wird gemeldet, daß der Bau gassicherer Räume jetzt zu Ende geführt worden sei. In Nairobi sind fünf Bombenflugzeuge gelandet, die dort an der Grenze Patrouillendienst leisten sollen. Die Regierung von Kenia hat ferner die Polizei und die Militärposten in den östlichen Bezirken verstärkt. — Eine englische Zeitung meldet, daß in der italienischen Kolonie Libyen lebhafte militärische Tätigkeit im Gange sei. Libyen sei ein einziges großes Truppenlager. Eine beträchtliche Luft streitmacht sei versammelt und in Tobruk seien viele italienische Kriegsschiffe versammelt.
der Fall des Vorstehers in Bajohren, der 6000 Lit unterschlagen hatte und davon dem Inspektor
Garbaliauskas 3000 Lit abgeben mutzte.
Garbaliauskas steht weiter in engster Zusammenarbeit mit dem jetzigen Leiter des Kownoer Gefängnisses, Schalkauskas. Dieser kam vor zehn Jahren aus Rußland und war anfangs vollkommen mittellos. Im Laufe der Jahre hat er es aber zu beträchtlichem Wohlstand gebrach:. Durch Zusammenarbeit mit dem Gefängnisvorsteher und dem jüdischen Buchhalter Cenas verschaffte er sich entsprechende Nebeneinnahmen. So hat das litauische Ministerium einen Betrag für warme Wäsche und Kleidung für den Winter ausgesetzt. Das Geld für Wäsche und Kleidung wanderte restlos in die Taschen der Beamten. Von dem Geld, das zur Beschaffung von Brennmaterialien bestimmt ist, wird mindestens ein Drittel unterschlagen.
Großes Ärgernis erregt auch das Verhalten des jüdischen Arztes Bacharin. Er bevorzugt in erster Reihe seine Glaubensgenossen. Deutschen und Litauern verweigert er oft grundlos Arzneimittel und Operationen.
Die Leichen der verstorbenen Gefangenen liegen oft lange ohne Aufsicht. Wagt es ein Sträfling, sich zu beschweren, so wird dafür gesorgt, daß er das Gefängnis nicht lebend verläßt. Der Gefängnisvorsteher läßt solche Sträflinge durch von ihm bestochene Gefangene solange schlagen, bis der Beschwerdeführer stirbt oder Selbstmord verübt. So ist es dem Memelländer Saurin in Marienpol ergangen. Er hatte fünf Jahre Zuchthaus erhalten, wovon er den größten Teil bereits abgesessen hatte. Als er es wagte, sich bei dem litauischen Staatsanwalt zu beschweren, wurde das Gesuch nicht weitergereicht, und die Gefängnisverwaltung verlangte Rücknahme der Beschwerde. Als er das nicht tat, erhielt er immer wieder schwere Kerkerhaft, wobei man ihm Ketten anlegte und ihn in dunkle, feuchte Kellerräume sperrte.
Er bekam kaum etwas zu essen und wurde durch Halbirre Verbrecher fürchterlich mißhandelt.
Als Saurin eines Tages mit seinen Mitgefangenen auf den Hof geführt werden sollte, stieß ihn ein Wachtmeister in die Zelle zurück. Als die übrigen Mitgefangenen in die Zelle zurückkamen, sahen sie Saurin an der etwa drei Meter hohen Decke hängen, ohne daß unter ihm ein Stuhl oder ein Tisch zu sehen war, von dem aus er sich selbst hätte erhängen können.
Das Verfahren nach Artikel 15.
vor,
Das Verfahren nach Artikel 1 5 sieht daß nach dem Scheitern eines friedlichen Beilegungsversuches der Rat oder die Vollversammlung des Völkerbundes einen Schlutzbericht annimmt. Wird dieser
Bericht einstimmig angenommen, so ist jede Völker- bundsmachi verpflichte^ gegen den Teil, der sich den Genfer Vorschlägen fügt, keinen Krieg zu führen. Gegen den Widerstrebenden sind dagegen alle Mittel anwendbar. Wird der Schlußbericht nicht einstimmig angenommen, so haben alle Ratsmitglieder freie Hand, das zu tun, was sie zur „Aufrechterhaltung von Recht und Gerechtigkeit" für richtig halten.
Ratbericht in spätestens zehn Tagen
Eden und Laval vorübergehend abwesend. — Litwinows Protest.
_ Genf, 27. September. Die Hauptvertreter, insbesondere Eden und Laval, verlassen Genf heute. Sie wollen jedoch Anfang nächster Woche wieder zurückkehren. Man erwartet allgemein, daß der Ratsausschuß in recht kurzer Zeit — man spricht von fünf bis zehn Tagen — seine Empfehlungen ausarbeiten wird.
Die starke Betonung der noch bestehenden SchlichtungK» Möglichkeit in der gestrigen Ratssitzung wird allgemein als ein Zeichen dafür aufgefatzit, daß man Italien in der Form so weit wie möglich entgegenkommen will, jedoch unter der unb e d i ng te n Vo raus setz u ng, daß es auf die Durchführung seiner militärischen Pläne verzichtet. Jedenfalls hahe im Augenblick Mussolini das Wort. Es wird aber für ausgeschlossen angesehen, daß bei etwaigen diplomatischen Verhandlungen die Vorschläge des Fün- ferausschusses eine wesentliche Aenderung erfahren könnten.
In der geheimen Sitzung der Ratsmitglieder, die der öffentlichen vorausging, hat Litwinow schon gegen diese Vorschläge protestiert, da sie eine Beeinträchtigung der Souveränität eines Völkerbundsmitgliedes darstellten, sich aber bereiterklärt, ihnen zuzustimmen, falls sie die Grundlage einer friedlichen Lösung des Konflikts bilden würden. Bei dieser Sachlage erwartet man, daß England und Frankreich, selbst wenn sie von sich aus zu weitergehenden Zugeständnissen bereit sein sollten, auf die Stimmung der übrigen Ratsmitglieder Rücksicht nehmen müßten.
Man ist auf italienischer Seite davon überzeugt, datz man es nur mit England zu tun habe, das mit oder ohne Unterstützung durch den Völkerbund die Festsetzung Italiens in Abessinien verhindern wolle. Es wird bedauert, daß der in den Erklärungen Aloisis angeregte Gedanke eines italienischen Mandats über Abessinien, der allein der tatsächlichen Lage gerecht geworden wäre, nicht aufgegriffen worden sei.
Scharse Ablehnung Stollens
Weitere Truppen für Ostafrika.
Rom, 27. September. Zum Beschluß des Völkerbunds- rates am Donnerstag wird in hiesigen politischen Kreisen aufs stärkste betont, daß er ohne Teilnahme Italiens zustandegekommen ist. Das halbamtliche „Giornale d'Italia" meldet bereits in aller Form den Vorbehalt der italienischen Regierung an. Es erklärt, Italien behalte seine volle Handlungsfreiheit. Es sei nicht möglich, im Rahmen des Völkerbundes die Lösung eines Streites zu finden, der seinem Wesen nach über dessen Grenzen hinausgehe. Was nach dem 4. September, dem Fernbleiben Italiens, gesprochen und Geschehen sei. gehe Italien nichts an. Für
Richtfest rm Olympischen Dorf.
Sn Döberitz bei Berlin fand das Richtfest der . lympischen Dorfes statt, bei dem auch Reichs?;,/? minister Blomberg sprach. — Blick auf das gebäude während der Feier. (Scherl-Bilderdienst *
iEebietssührer Rodatz über bas Zugendherbergswesen.
Dieser Tage fand auf der Jugendburg StaW Tagung aller (Sauführer des JugendherbergM^d« statt. In einer programmatischen Schlußrede sâ b Führer des Jugendherbergsverbandes Gebietsführer Berlin noch einmal die Ergebnisse der Besprechungen sammen und gab damit das Ziel für die Arbeiten im^ schen Jugendherbergswesen im kommenden Jahr an Fragen, so sagte der Gebietsführer, bewegten ihn ^ ders — und diese Erkenntnis habe er besonders in 5 ' berg gewonnen —: 1. die einheitliche Verwaltungs Herbergseltern-Fragen, 3. die Finanzfragen. Nach «« Hinweis, wie tief die Revolution in das Leben der M schen eingegriffen habe und in welch großer Zeit wir A ten, führte Gebietsführer Rodatz u. a. aus, daß Pariei M Staat sich nur behaupten können, wenn Disziplin hmtz' und nur, wer selbst diszpliniert sei, könne anderen Wi sein. Das gelte auch in der Herbergseltern-Frage. oft werde die Hitlerjugend durch einzelne Herbergselten, die das Wesen der neuen Jugend nicht verständen, nicht richtig behandelt. Bei der HJ. sei die Fahrt kein Vergw gen, sondern ein wichtiges Erziehungsmittel. „Ich weâ für die Zukunft anordnen, daß der Streifendienst nicht mehr diejenigen, die in Uniform auf Fahrt gehen, kontio!- liert, sondern die in Zivil. Durch die vielen Kontrollen wurde das Gefühl bei den Hitlerjungen immer stärker, in Zivil zu wandern, damit sie ungeschoren an den Kontrollen vorbeikommen." Die Uniform aber trage wesentlich jn einer disziplinierten und aufrechten Haltung beim Wandern bei. Für die Zukunft müsse jeder einzelne Herbergsvater überprüft werden. ob er für uns tragbar sei. Der bunte sche Typ des Herbergsvaters müsse verschwinden. Die Hei- bergseltern hätten eine erzieherische Aufgabe zu erfüllen. Schlechte Herbergen seien zu schließen, denn sie könnten mch schaden als nützen. Der Reichsverband werde einen Revisor einstellen, der alles aufs schärfste kontrolliere und die richtige Anwendung der Finanzen überwache.
Italien sei es überhaupt noch nicht erwiesen, ob der W Völkerbund eingeschlagene Weg der einzige sei, den» Völkerbundsvertrag vorsehe oder verlange. ,
Man habe bis heute in Genf nur dahin gearbeitet" voraus Italien in die Stellung des anqeblichrn zu bringen, mit der die erhoffte kollektive Aktion in von Sanktionen gegen Italien gererechtfertigt Werben It» Italien solle so von Abessinien, das den Interest:» am» Vorbehalten bleibe, ferngehalten werden. ......
Die letzten Teile der sizilianischen Division« haben sich an Bord des Dampfers „Principcisa " . von Messina aus nach Ostafrika einLeschifft. Sen von Neapel verließen wiederum über 2600 Angey der Division Eran Sasso, davon 450 Mann und -o . ziere, auf dem Dampfer ,,Merano" und 2000 Wan 138 Offiziere auf dem Dampfer „Colombo".
Die Gerüchte über eine allgemeine ^ madjung in Abessinien haben ihren U in stärkeren Truppenbewegungen in den ?â W Es handelt sich um Truppenbewegungen, die vei. ^ anbefohlen worden waren, aber infolge her JMj her nicht durchgeführt werden konnten. ^-' sollte, die allgemeine Mobilmachung angeordnci w ^zB erwartet man in abessinischen Kreisen, oan jc My' Krieger unter den Waffen stehen werden. -l Dänische Fliegerei hat ihre Tätigkeit ausgenom • ^ dem das Gelände für leichte Maschinen W * ist, führt sie verschiedene Übungsflüge aus.
Englische Frontkämpfer in ^^
80 Mitglieder der Ortsgruppe Brig. ' ^ éi British Legion trafen zum Besuch in m handelt sich bei diefem Besuch um den ....ME lichen Gegenbesuch bei der Ortsgruppe ^ner. der Reichsvereinigung ehemaliger Knegsgel A flll ein britischen Gäste wurden herzlich begrüßt. ( Wen’ Ehrenformation zogen die Gäste dann zu l » „ §M halt in ihr Hotel und begaben sich daraus EhreE, Südfriedhof. Zunächst fand auf dem nlil Ar^ Hof eine stille Ehrung der deutschen scr ■ a
niederlegung durch die Gäste und überrei ) ^ M st lischen Legionsfahne an die Ortsgruppe - t^ueraf1 „ Legion statt. Es folgte dann ein kurze her M dem englischen Ehrenfriedhof, wobei der o feierte lischen Frontkämpfer das Gedächtnis der -° Fr-aals ihr Vermächtnis die Verständigung bereitschaft der Frontsoldaten betonte.