Zulöaer Anzeiger
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,„. 224 - 12- Jahrgang
Fulda, Mittwoch, 25. September 1935
Mittwoch, 25. September 1935
Der Abessinienstreit vor dem englischen Kabinett / Minister anwesend
Die englische Regierung hatte am Drenstag entscheidende Beratungen, bei denen nach dem Scheitern der Genfer Vermittlungsverhandlungen diekünstigen Schritte festgelegt wurden, die Großbritannien ân habe, wenn in Genf nicht noch in zwölfter Stunde eine Lösung erreicht werde und Mussolini mit -cu Feindseligkeiten in Abessinien beginnen sollte. Außer Ken waren sämtliche 21 Minister anwesend. Ein end- Miger Beschluß wurde allerdings noch nicht gefaßt. Es verlautete nach der Sitzung, daß die englische Regierung noch weitere Nachrichten aus Paris, Rom und Genf abwarten wolle.
Wie aus L o n d o n berichtet wird, sei jetzt auch der Teil der M i n i st e r , der sich bisher noch immer für weitere Kompromißversuche eingesetzt habe, entschlossen, der von der Regierung eingeschlagenen Politik des energischen Handelns seine volle Zustimmung zu erteilen. In einem Leitartikel weist das englische Blatt „Daily Telegraph" nach, daß Mussolinis Forderungen völlig unannehmbar seien. „Daily H e r a l d" färbest die sofortige Anwendung von Sanktionen, während „Daily Expreß" bedauert, daß diese Maßnahmen nicht geschlossen durchgeführt werden können, da zahlreiche andere Staaten sich nicht daran beteiligen würden. Im allgemeinen wird die Lage als sehr ernst angesehen.
Zur Vorbereitung der Londoner Kabinettssitzung hatten wichtige Besprechungen in der Downingstreet statt- gesunden. So empfing Ministerpräsident Baldwin die Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses, worauf eine Besprechung mit den Chefs der außenpolitischen und militärischen Stellen statt« M an der neben Sir Robert Bansittart, dem Chef des Foreign Office, des englischen Auswärtigen Amts, auch die Stabschefs der drei Waffen Mahmen, die einen Bericht über die außenpolitischen w militärischen Vorbereitungen Großbritanniens ab- MN. über den Besuch des englischen Botschafters S i r Eric Drummond bei Mussolini berichtet die Wüsche Presse, daß er eine persönliche Botschaft des mtgchen Außenministers überbracht habe. Sir Eric ^rummond habe dem Duce versichert, daß die britische Politik in keiner Weise ilalienfein blick sei.
Regenzeit beendet
W rechnet mit dem italienischen Vormarsch
Anfang Oktober.
I .. ^ch den letzten an das französische Auswärtige Amt I .Wen Nachrichten von der französischen G e - I Ntschaft in Addis Abeba aus Massaua und r ?""il, glaubt man in amtlichen französischen Kreisen, " e r r t a l i e n i s ch e V o r m a r s ch in den allerersten
I beringen beginnen werde.
I i daß die Abessinier
Man nimmt in
»uv uie noetunrer in den Grenzprovinzen ^'derstand leisten werden, und daß die diplo- Aktion, da bis zum ersten Zusammenstoß also Seit vergehen werde, noch etwa vierzehn Tage Kunte ^ ^em italienischen Vormarsch weitergehen
w/!^n Meldungen ist seit zwei Tagen in nehmend fctn Regen mehr gefallen, so daß man an- kann, daß die Regenzeit beendet ist.
^’ÄÄt Jäkel mit Engländern deketzt
des Roten Meeres militärisch verriegelt.
die kleineSeptember. Die englische Regierung hat â" ^ Che,-el-Said an der Straße von Bab-el- beseiü »J/v Sudansgang des Roten Meeres, militärisch keim dorl^'^' $•* „Oeuvre" wissen will, ohne gratis* Snââ verständige».
dazu Wochen diplomatischen Kreisen erklärt man Äsei »erfror Fanzöffche Regierung, obgleich ihr diese zuerkannt worden sei, niemals Souve-- stylend gemacht habe und deshalb der 3n Polin,-., stuH. keine besondere Bedeutung beimesse, bie enMscstst« Versen hat man jedoch den Eindruck, daß Wit Frankrpi^dsterung erst nach vorheriger Verständigung den amtlisfv? - ^^ Besetzung vorgenommen hat und es Zanze ©ad. nanzösischen Kreisen peinlich ist, daß die Wut wurdr ^drscheinlich durch eine Indiskretion be-
^® mehr durch HW SuezfMS)
^^ Indien rund um Afrika.
Giner London, 25. September.
"er ""3 aus Batavia zufolge werden die Schiffe das Kap ^ork-Linie von jetzt an ihre Route über S^zianat L9uktt Hoffnung statt wie bisher über den
England habe nach den Völkerbundssatzungen bestimmte Verpflichtungen, die es einzuhalten wünsche. Wie das englische Nachrichtenbüro Reuter meldet, umfaßten die Versicherungen des Botschafters das gesamte Gebiet der britischen Politik. Die Ereignisse steuerten auf Dreimächtebesprechungen über den italienisch-abessinischen Konflikt außerhalb des Völkerbundes zu.
Kein Gegenvorschlag Nnffolinis
an den Völkerbundsrat.
Auch der italienische Ministerrat war am Dienstag zusammengetreten, um die internationale Lage zu erörtern. Der Ministerrat hat sich aber bald auf Sonnabend vertagt. Die Sitzung galt zum größten Teil laufenden Regierungsgeschäften. Doch hat Mussolini auch eine neue Erklärung zum italienisch-abessinischen Streitfall abgegeben, über die die amtliche Mitteilung besagt: Mussolini erstattete einen Bericht über die Entwicklung der politischen Lage von Sonnabend bis heute, wobei er feststellte, daß Italien in Genf keine Gegenvorschläge unterbreitet hat, sondern lediglich mündlich die Motive auseinandersetzen ließ, aus denen die Vorschläge des Fünferausschusses unannehmbar waren.
Wie der Berichterstatter der englischen Zeitung „Daily Mail" seinem Blatte aus Addis Abeba meldet, hat der
Kaiser Haile Selassie die Mobilmachungsorder unterzeichnet.
In dem Mobilmachungsbefehl werden alle waffenfähigen Männer Abessiniens aufgesvrdert, sich bei ihren Stammeshäuptlingen zu versammeln.
Das französische Nachrichtenbüro H a v a s läßt sich aus Addis Abeba melden, daß man in dortigen amtlichen Kreisen die italienischen Gegenvorschläge für unannehmbar halte. Die abessinische Regierung weigere sich, Gebietsteile abzutreten, die eine Verbindung zwischen Jtalienisch-Somaliland und Eritrea ermöglichen. Sie weigere sich ferner, einer Abrüstung der abessinischen Streitkräfte zuzustimmen.
freiwillige für AbeWien
Auch ein ägyptischer Prinz dabei
Addis Abeba, 25. September.
Kaiser Halle Selassie nahm am Dienstag die Huldigung von 500 Männern aus dem Mmen entgegen, die erklärten, im Kriegsfall für Abessinien kämpfen zu wollen.
Nach einer Meldung aus Alexandrien hat der ägyptische Prinz Ismail Daoud dem abessinischen Kaiser seine Dienste angeboten. Der Negus hat das Angebot angenommen. Der Prinz wird mit Zustimmung des ägyptischen Königshauses am 1 Oktober von Port Said nach Dschibuti reisen. Ismail Daoud ist ein Ururenkel Mohammed Ali des Großen, des Begründers der gegenwärtigen ägyptischen Dynastie.
Nachmusterung in Italien
Schwarzhemden reguläres Militär.
Rom. 25. September. Die Beschlüsse des italienischen Ministerrats vom Dienstag betreffen zum größten ACti militärische Verwaltungsgeschäfte, dre mit den Wn- desörderunaen nach Ostafrika zufammenhangen. Die wich- ^ste Maßnahme bestimmt, daß alle Wehrpflichttgender Iabraänae 1901 bis 1914, die bisher aus gesundheitlichen und anderen Gründen nicht eingezogen worden waren, sich einer Nachmusterung unterziehen müssen. Erne wertere einschneidende Maßnahme ist es, daß der Dienst in den nach Ostafrika entsandten Schwarzhemdendwy tonen dem Dienst des regulären Heeres PeichgesteUt wird. Die Mit- alieder der Regierung und des Großen Faschistischen Rates können Reservefliegeroffiziere werden. Zum Bau von bom- bensickeren Unterständen in Messina werden eine Million Nre ausgeworfen. Die Zuschüsse, die Einzelpersonen zum Erwerb von Touristenflugzeugen gewährt werden können in Zukunft auch Vereinen bewilligt werden, die Luftsport betreiben.
MilitiirWe Fragebogen der Loadmer Arbeitsämter
London, 25. September. Die auf den Londoner Arbeitsämtern eingetragenen Personen werden jetzt eingehend nach ihrer militärischen Ausbildung befragt. Sie müssen au» q^ben, ob sie der regulären Armee angehört haben, bei welchem Regiment sie gedient und an welchen Lehrgängen sie teilgenommen haben. Diese Maßnahme dürfte in den Rahmen der Vorsichtsmaßnahmen fallen, die die britische Regierung auf verschiedenen Gebieten der Landesverteidigung bereits getroffen hat.
Der Pumpwahn.
In der „Deutschen Volkswirtschaft" nimmt der Leiter der Kommission für Wirtschaftspolitik der NSDAP., Bernhard Köhler, Stellung gegen das Pumpunwesen, unter dem Handwerker und Einzelhändler schwer zu leiden haben. In seinem Artikel, der Hebung der Zahlungsmoral bezweckt, schreibt der Verfasser unter anderem:
PPD. Es gehört zu den bekannten „unbegreiflichen Narrheiten" des Nationalsozialismus, mit denen er allen „Sachkennern" bewies, daß er wirtschaftlichen Fragen gegenüber im Stande kindlicher Unschuld und Unkenntnis lebte, wenn er sich an die Erkenntnis hielt, daß Wiederaufrichtung der Wirtschaft nur durch Arbeit und daß fehlendes Kapital ebenfalls wieder nur durch Arbeit erreicht werden kann. Für spätere Historiker wird es reizvoll fein, festzustellen, wie sehr die Finanzierungsmethoden eines so strengen und nüchternen Wirtschaststechnikers, wie es Dr. Schacht ist, den propagandistisch ausgesprochenen Forderungen der Nationalsozialisten entsprechen.
Naturgemäß gibt es Leute, die angesichts der Vorfinanzierung unserer neuen Arbeit im neuen Reich greinend wie trübselige Greise unb.feftgetrallt wie angstvoll Ertrinkende an dem Worte „Kreditausweitung" festhalten. Was auf dem Gebiete der Finanzierung deutscher Arbeit durch die Regierung Adolf Hitlers geschehen ist und auch weiterhin geschehen wird, ist grundsätzlich und bis in alle Einzelheiten verschieden von der kapitalistischen Methode der Vergangenheit, auch dann, wenn praktische Erwägungen Maßnahmen angezeigt erscheinen lassen, die denen der Vergangenheit äußerlich ähnlich sind. Der Kerngedanke bleibt immer der, daß das Reich berechtigt ist, aus bestimmt errechenbare künftige Einnahmen Vorschüsse zu nehmen und diese ausgiebig zu verlängern, was etwas völlig anderes ist als die Bitte an das Kapital, die dem Volke lebensnotwendige Arbeit zu genehmigen und zu ermöglichen.
Es ist nicht verwunderlich, daß manchem die Brechung der Zinsknechtschaft nicht schnell genug geht. Die Katastrophentheorie des Marxismus steckt vielen Deutschen noch so tief im Hirn, daß sie beim besten Willen doch immer wieder in die ausgefahrenen Gleise hineingeraten, die die materialistische Wirtschaftsphilosophie und Wirtschaftsplanung jahrzehntelang vorgefahren hat. Daß letzten Endes die Macht des Kapitals nur gebrochen werden kann durch Verringerung der Nachfrage nach ihm und durch Erhöhung des Kapitalangebotes, also durch Zerstörung feiner marktbeherrschenden Stellung, sollte allmählich aus gewissen praktischen Erfahrungen auch denen einleuchten, die gerne einmütig mit den Marxisten von der Aufhebung der Wirtschaftsgesetze faseln.
Daß der Kampf gegen den Kapitalismus und auch der besondere gegen das Leihkapital nichts mit einem Kampf gegen Sparen, Kapitalbildung und mitber Gewinnung höherer Lebenshaltung durch vorgeleistete Arbeit (Kapital) zu tun hat, dürfte allmählich nach einigen Erschütterungen des gesunden Menschenverstandes wieder Gemeingut geworden fein. Daß er aber nicht allein durch staatliche Maßnahmen, wie sich ein Marxist oder ein Kapitalist das denken würde, sondern von jedem einzelnen geführt werden muß, ähnlich wie der Befreiungskampf des deutschen Volkes von jedem einzelnen Kämpfer geführt werden mußte: dies in das Volk hineinzupauken, ist noch immer eine sehr aktuelle Aufgabe der Bewegung. Der Kredit-Aberglaube, der P u m p w a h n , ist noch längst nicht völlig verschwunden. Und die Erkenntnis von der Gefährlichkeit eines Systems, das sich auf dem Pump auf- baut, ist leider noch recht gering.
Es ist selbstverständlich, daß es nicht möglich fein wird, von heute auf morgen die unzähligen unrationellen Gewohnheiten aus dem wirtschaftlichen Alltag zu entfernen. Eines aber ist sicher: Mit einer dauernden Blüte des deutschen Volkslebens kann erst dann gerechnet werden, wenn das Volk sich darauf besinnt, daß nur erworbener, niemalsaber geliehener Reichtum Wohlstand sein kann.
Dies greift naturgemäß in die Lebensverhältnisse des einzelnen auf das tiefste ein. Schulden, die nun einmal gemacht sind, kann man nicht ohne weiteres streichen, so angenehm manchem einem solche „Brechung der Zinsknechtschaft" erscheinen möchte. Sondern man muß zunächst
Entzcheibende Leratnng Eden-Laval?
Genf, 25. September.
Aus den italienischen Bemerkungen zu den Vorschlägen des Fünferausschusses, so erklärt man in englischen Krer- fen, werde die Öffentlichkeit entnehmen, daß es sich in Wirklichkeit nicht um Gegenvorschläge, sondern um rein negative Kritik handele. Aus englischer Seite hält man cs für ausgeschlossen, daß die englische Regierung sich auf diplomatische Verhandlungen außerhalb Genf einlassen
Man ist davon überzeugt, daß nunmehr alsbald der Uebergang in einen neuen Abschnitt des Perfahrens stattfinden werde. Die Einzelheiten dieses zukünftigen Verfahrens sollen heute zwifchen Laval und Eden besprochen werden. Nack Lage der Dinge wird diese Unterredung d,e Grundlage für die Befchlüsfe des Völkerbundsrates bilden. Für den Fall, daß die Anwendung des Artikels 16 sich als notwendig erweisen sollte, will man die Völkerbunds- Versammlung mit der Frage befassen, da, wie man erklärt, der Völkerbundsrat allein die Verantwortung für so schwerwiegende Maßnahmen nicht übernehmen konme.
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