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Der Acker der Behelmten / ^STSU

Schwäbischen, am Rande des Schwarzwaldes, hauste um die Mitte des Jahrhunderts einer der kleinen Eerne- wie es damals unzählige in deut-

Gensheim war unumschränkter Herr- einem Bereich, der etwa zwanzig ^meinden umfaßte; war Zolleinnehmer, Raubritter und oberster Gerichtsherr in -iner Person.

Sein Richteramt nahm von all seinen Beschäftigungen am wenigsten Zeit in An oruch Er übte rasche Justiz und machte kurzen Prozeß. Aus den meisten Verge- hen, große oder kleine, stand die Todes- ^Einmal schleppte die Soldschar des Gau- arafen eine junge, schmucke Bauernmagd terbei Sie hatte ihre Kühe auf die Mnae Hinausgetrieben, die der Edle von Eensheim kürzlich dem Rodecker in rie- fiaer Fehde abgenommen und zu seinem Eigentum erklärt hatte. Einer der Lands­knechte klagte sie ferner an, einen herbei­eilenden Bauernburschen aufgehetzt zu ha­ben sie zu befreien. Der Bursche habe einen Kameraden niedergeschlagen, sei ih­nen aber leider entwischt.

.Der Unhold hatte mich gepackt und wollte mir Gewalt antun!" verteidigte sich

die Magd.

Und aus solcher Ursach erschlägt der Mordbube meinen Knecht?" fragte der Graf zornentbrannt. Die Magd ver­stummte vor seinem finster flackernden Blick.Hab ich nit verboten, dort zu wei­den?" setzte der Herr das Verhör fort. Die Magd, barfüßig und helläugig wie ein Kind, trat unerschrocken einen Schritt näher auf ihn zu.Die Weide gehörte nicht dem Rodecker, sondern uns!" erklärte sie freimütig,Sie kann daher auch nit in Euer Eigentum übergehen, gestrenger Herr, denn Ihr lagt ja nit mit den Bau-

ein tn

Du bist fürwitzig, Dirn", grollte der Nichter.Seit wannen hat der Bauer Eigentum? Ihr habt das Land nur zum Lehen vom jeweiligen Herrn."

Unser Lehnsbrief ist untadelig."

Nit von mir gezeichnet und bestätigt!" brauste der Gebieter auf.

Lähmendes Schweigen entstand für einige Sekunden. Der Ritter kaute wü­tend an seinem Knebelbart. Verwünscht, - sollte er der Bauernmagd nachgeben? Er schwankte kurz, überwand aber den Anfall von Schwäche und Milde. Nein, sein Ansehen erforderte unnachgiebige Strenge.Die Dirn soll hangen", knurrte « böse,hat ihr Leben durch Diebstahl md Widersetzlichkeit, insonderheit aber Aufreizung zum Mord, verwirkt. Meister Hans, an die Arbeit!"

Der Henker trat vor, ein junger kräfti­ger Mann mit kühner Hakennase in dem braunen, düsteren Gesicht, das jedoch noch nich schreckvoll von seinem grausen Beruf gekennzeichnet war. Aber zu aller Ver- wunderung packte sein furchtbarer Arm nicht gleich zu wie sonst, sondern er wandte hch mit einer Begehr frei und keck an den

»Nach altem Recht und Brauch, Herr, ist eine Verurteilte ihrer Strafe le- wenn der Henker sie zum Eheweib

2ch fordere von Euch die Magd zum Ehebund!"

Richter blickte erstaunt auf. Sein finsteres Gesicht erhellte sich langsam und

einem breiten Grinsen. Mit resem Ausgang der unerquicklichen Sache war er sehr zufrieden.

S ?^ ein Holzpflock!" lachte "Besinn dich nit lang! Ist besser, mit dem Henker ins Ehe- 8chn als an den Galgen! Hurtig, JA. Spute dich, Dirn, und setz 'ne hoch- Miene auf!"

er faßte sie täppisch bei der V'.,,»Eeh, Maidele", sagte er leise, ^istnur der erste Schreck. Du ge- ner« iS dran. Henker sind auch Män- K gequält klang's:Glaub's, ich auch ein, Mensch!"

a wirklich, Magd Maria überwand veib i^"en und wurde das brave Ehe- 3 £ Meisters Hans, der im Beruf roheit »,^^r von schauriger Eefühls- war 'a-^.^ause aber ein braver Gatte an ^ lEe seine Frau und betete sie nur 'bm ein Heiligtum, dem er nahen durfte.

e ^utte einen ähnlich herben M Ä Sinter sich wi- sie. Bor -°», in StS,','n9i Bau-rniursch log vnr ?n Kirchweih, besinnungs- Der £ J ^W. seinen Nebenbuhler, der ntte Hm das Leben, da er ter ^I "ng, als Söldner und Hen- bitteruna D nachkam. Trotz und Ver- erniedrigt ^n 8U diesem Entschluß

Nun wohnten Hans und Maria in der Schwarzen Herberge", einer früheren, verrufenen Schenke, die außerhalb des Bannkreises ehrlicher menschlicher Behau­sungen an einem steilen Felshang lag.

Des Gaugrafen Fehde mit dem Rodek- ker nahm keine Ende. Aber dem Gens­heimer ging es um mehr als um die bloße Freude an Mord und Plünderung, woran gemeinhin die Ritter ihr Genüge fanden. Graf Arnold war ehrgeizig, wollte Macht und Gewicht bekommen, um im Rat der Großen mitsprechen zu können. Er plante zunächst, die Grafschaft Rodeck mit Gewalt an sich zu bringen. In den Kriegskünsten begabt, sah er bald die Vorteile der be­sonderen Lage des Dorfes Schwarzach, das vor kurzem noch zur Grafschaft Rodeck gehörte.

Arnold hatte im Sinn, den Gegner mit seiner ganzen Streitmacht durch die Schlucht ins Tal der Schwarzach zu locken und ihm hier die Entscheidungsschlacht zu liefern. Im Hintergrund ganz versteckt lag der Ort, der überaus günstig wie zum Hin­terhalt geschaffen war, aus dem er dann mit seinen Söldnern vorbrechen konnte. Aber dieses Vorhaben bedingte, daß die Einwohnerschaft verschwand, denn die Leute hingen noch an dem Rodecker und würden den Gensheimer und seinen Man­nen in entscheidender Stunde an den an­dern verraten.

Der Eaugraf begab sich aufs Rathaus und lud den Schultheißen und die Ee- meindemitglieder zur Sitzung.Ich brauche euren Wiesengrund und das Gelände", er­öffnete er ihnen,und kündige euch hiermit eure Lehen. Siedelt euch anderwo an!"

Das war leichter gesagt als getan. Und die Bauern waren auch keinesfalls ge­sinnt, zu weichen. Sie rüsteten sich zur Ver­teidigung und machten aus dem Felsen­nest über ihrem Ort eine Festung.

Mit unmäßigem Grimm berannte der (Saugraf die Festung. Vergeblich.

In diesen Tagen kam Meister Hans keine Stunde nach Hause. Graf Arnold ließ ihn nicht von seiner Seite. Der Henker war zugleich sein vertrautester Kriegs­berater. Aber eines Abends erschien Marias Mann doch in der Schwarzen Herberge.Wir müssen das Haus

Der Wunderbrief

Nach der Vorstellung desDon Juan" war eine kleine Gesellschaft von Schau­spielern und Sängern im Wirtschaftsraum des Hotels Marquardt zusammengekom­men, um den Abend im geselligen Kreise abzuschließen. Richard Wagner, der im seben Hotel wohnte, hatte sich widerwillig und in düsterster Stimmung einladen lassen. Wortkarg und teilnamslos saß er unter den lustigen Leuten. Der Stuttgarter Ka­pellmeister Eckert, der Dirigent der Oper, brachte einen Trinkspruch auf denEhren­gast" aus.Richard Wagners Genius soll leben! Und derTristan" auf den Stutt­garter Brettern auch; gelt, Meister?"

Der Gefeierte lehnte erschrocken ab. Nein, o nein!" sagte er. Aber die An­wesenden faßten seine abwehrende Geste als nicht ernst gemeinte Bescheidenheit auf und ließen die Gläser klingen.

Erregt stand Wagner von seinem Stuhl auf. Es wäre ihm nicht möglich gewesen, auch nur eine Minute länger zu bleiben. Entschuldigen Sie mich", bat er mit un­sicherer, nur den Nächsitzenden verständlicher Stimme:Ich fühle mich unpäßlich." Sein Abschied war so unvermittelt, daß ihm die Frauen und Männer verdutzt nachschauten.

Die Flucht Wagners vor der fröhlichen Tafelrunde ging durch einen langen schwach­beleuchteten Korridor. Sein Blick fiel in einen mannshohen Spiegel; wie gebannt blickte er hinein.He, bist du's noch?" fragte er das Spiegelbild.Noch existierst du von meinen Gnaden. Aber bald wird auch dein geborgtes Dasein mit meinem verlöschen Ja, ausgelöscht sein wie ein Meteor, das glänzend und vielversprechend aussteigt und plötzlich wieder ins Nichts versinkt. Haha! Und ich hatte geglaubt, der Menschheit eine Lampe am Himmel anzuzllnden, die für immer und ewig, in Sturm und Not und Graus leuchten würde!"

Vor dem hypnotisierenden Auge im Spiegel schloß er die Lider und mühte sich um innere Sammlung und Entspannung. Der Einsame merkte nicht, daß ein Kellner vom anderen Ende des Korridors gekom­men und zögernd hinter ihm stehen ge­blieben war.Herr Kapellmeister", räusperte der Mann sich nach einer Minute verlegenen Schweigens.Ein Herr Weiß­heimer wartet auf ihrem Zimmer.'

Mißmutig stieg Wagner in den dritten Stock hinauf, wo er sein einfaches Zimmer

räumen", sagte er heiser.Die Schwarze Herberge soll Stützpunkt im Kampf wer­den. Die unseren wollen die Aufrüher im Rücken anfallen. Wir nützen den geheimen Pfad hinter dem Haus."

Maria starrte ihn an.Die Unseren?" fragte sie beklommen. Dann, im jähen Be­greifen, schrie sie heraus:Die Unseren, Mann?" Und wir sollen dazu unsere Hand reichen? Zu so schmählichem Handstreich?"

In den Augen des Mannes trat jener Zug barbarischer Härte und tierischer Grausamkeit, der ihm nur als Henker eigen war, und den Maria bisher nicht an ihm gekannt hatte.Ich kämpfe für meinen Herrn und sein Recht", stieß er hervor. Speichel stand ihm vor Erregung zwischen den Lippen.

In dieser Nacht zwang ihr Blut ihr ge­bieterisch zu den Ihren. Heimlich verließ sie Mann und Haus und stieg hinauf zur Felsenfestung.Sie planen einen Angriff auf Euch aus dem Hinterhalt", verriet sie den bedrängten Bauern. Marias Vater weinte und ihre Geschwister umarmten sie gerührt.Du kehrst ehrlich als Retterin unserer Bruderschaft zu uns zurück. Wir wollen vergesien, was war. Ganz gehörst du wieder uns."

Aber Maria wünschte, vom Leben erlöst zu werden.

Die Insassen der Festung verteidigten sich jetzt nach beiden Seiten. Die auf dem geheimen Pfad vordringenden Angreifer wurden ihrerseits überfallen und gänzlich aufgerieben. Die Bauern stürzten sich in rasender Wut auf die Ueberraschten und schlugen sie mit Dreschpflegeln und Keulen tot. Auf dem weiten Feld lagen die Rei­sigen. Den meisten waren die hohen Helme in die Schädel gehauen, so daß Kopf und Helm eine unförmige Masse bildeten, und nicht mehr voneinander getrennt werden konnten. So wurden sie, wie sie lagen, in den Acker verscharrt. Unter den Toten fand man Meister Hans, Maria sterbend in seiner Nähe. Sie bat, bei ihm in den Acker begraben zu werden.

Des Gaugrafen kühne Pläne waren zer­stört. Hader und Zwietracht in den Jahr­hunderten zerstörten auch seine Burg.

Aber derAcker der Behelmten" lebt und hat seinen Namen noch heute. Fried­lich geht der Pflug des Landmanns dar­über hin.

/ Skizze aus Richard Wagners

/ schlimmsten Tagen.

hatte. Das gute Hundegeficht Weißheimers blickte ihm traurig-ernst entgegen.Du kehrst zur rechten Stunde, o Wanderer, hier ein!" rief Wagner mit grimmigem Humor.

Ich habe jetzt ein Plätzchen auf der Schwäbischen Alb ausfindig gemacht, Meister", sagte Weißheimer fast demütig, ein Freund von mir, trer wie Gold und verschwiegen. Sie werden sich dort wohl fühlen und arbeiten können. Morgen früh kanns losgehen! Ich habe schon einen Wagen nach Untertürkheim bestellt. Die Bahnfahrt lehnten Sie ja ab, um die Meute Ihrer Gläubiger nicht aufzuscheuchen."

Gerührt trat Wagner auf den Getreuen zu.Euter Kerl!" sagte er weich.Aber Sie hätten sich nicht bemühen sollen! Mit einem Toten eine Fahrt nach der rauhen Alb anzutreten, das ist doch wohl etwas possierlich. Den Leichenwagen hätten Sie bestellen sollen. An solcher Fahrt wird mich kein Gläubiger hindern."

Meister!" sagte Wendelin Weißheimer bestürzt,wie sprechen Sie! Ist eine Sünd, so zu reden. Lassen Sie die Verbitterung nicht Herr über sich werden!"

Ich wiederhole Ihnen", fuhr Wagner zornig auf,seit zwei Stunden bin ich tot, endgültig und für immer gestorben. Das bringt niemand wieder zum Leben, was die letzten Tage in mir gemordet haben. Das geht über menschliche Kräfte. Und nun hören Sie: auch der allerletzte Lebens­und Hoffnungsfunke wurde heute abend in mir erstickt. Jetzt ist alles aus."

Was ist geschehen?" fragte Weißheimer in ängstlicher Spannung.

Der Meister ging mit großen erregten Schritten im Zimmer auf und ab. Und alles, was die Vergangenheit an Leid und Qual, an Kämpfen und Enttäuschungen ihm zugefügt, und was Menschentücke ihm angetan hatte, kam in dieser Stunde als wilde Anklage zur Entladung. In seiner flammenden Rede vergaß er den Besucher mehr und mehr, und er sprach zuletzt fast nur noch zu sich selber.Auf den Barri­kaden bin ich gestanden, ich, ein königlicher Künstler und Mensch gegen königliche De­spoten. Verjagt wurde ich und verbannt. Dann ging ich, im Ausland den mir ge­bührenden Platz zu erobern. Mit Schimpf und Schande warf man mich aus dem Tempel der Kunst hinaus, den die Lümmel

in Paris durch ihren wüsten Skandal ent­weihten. Unstet irrte ich in Deutschland von einem Ort zum andern, gehetzt wie ein wildes Tier, verfolgt immer und über­all von Gläubigern und andern Unmen­schen. Gegen ein Heer von Feinden, Nei­dern und Mißgünstlingen, Beckmessern und Hanslicken, hatte ich unablässig zu kämpfen. Und trotz alledem habe ich unsterbliche Werke gedichtet und komponiert. Kannst du das begreifen, he?! Ja, und dann kam ich nach Wien, und der Hexentanz brach wieder los; ich erstickte fast im Schlamm und Lüge und Verleumdung und in der Bedrängnis betrügerischer Gläubiger; und das Geziefer hatte eher keine Ruhe, als bis ich bei Nacht und Nebel entflohen war, justament wie vor Jahrzehnten aus Riga. Die Hatz ging weiter, zuerst in die Schweiz, wo mir Wesendonk, der Freund, die Her­berge verweigerte. Und dann griff ich nach dem Strohhalm vor dem Ertrinken. Letzte Hoffnung: Stuttgart, wo Eckert meinen Tristan aufführen sollte."

Ganz erschöpft beugte Wagner sich über den zusammengeduckten Weißheimer, besten Blick bang in dem lodernden, fast irren Blick des maßlos erregten Mannes hing. Die Stimme Wagners wurde heiser, klanglos vor verhaltener Qual und schlug vom Lauten ins Unnatürlich-Leise um: Da heute abend bei der Aufführung des ,Don Juan' traf mich wie ein Keulen­schlag die Erkenntnis, daß weder das Theater, noch die Sänger, noch das Or­chester und sein Dirigent den Anforderungen einer Tristanaufführung gewachsen sind."

Ein neuer Anfall grenzenloser Ver­zweiflung zermalmte in diesem Augenblick den Unglücklichen.Ich bin am Ende ich kann nicht weiter, ich muß irgendwie aus der Welt verschwinden", schrie er fast tobend auf. Weißheimer wich entsetzt vor diesem Ausbruch zurück und verließ bebend das Zimmer. Unterwegs begegnete ihm der durch Wagners Geschrei alarmierte Kellner.Der Meister hat schwere nervöse Zustände", erklärte der Gute in einiger Verlegenheit.Ich muß ihn morgen ins Sanatorium bringen. Kann ich gleich noch seine Rechnung bezahlen?"

Die ganze Nacht über brannte in Wag­ners Zimmer Licht. Gegen Morgen schrieb er an Peter Cornelius, den edlen Freund, einen Brief mit den Schlußworten:..ein gutes, wahrhaft hilfreiches Wunder muß mir jetzt begegnen, sonst ist's aus...!'

Darauf schlief er zwei Stunden lang unruhig und in schweren Träumen. Das Klopfen des Kellners weckte ihn auf. Der erkundigte sich nach den Wünschen des Gastes und händigte ihm die von Weiß­heimer bezaylte, quittierte Rechnung aus. Hm ja", meinte Wagner,das trifft sich günstig; ich räume im Laufe des Vormit­tags das Zimmer, gelte aber schon für ausgezogen, verstehen Sie?! Lassen Sie ja niemand zu mir herein, und sei es mein« eigene Mutter, hören Sie?!"

Er beschloß bei sich, auch dem erneuten Drängen Weißheimers zu entweichen und aufs Geratewohl von dannen zu ziehen; er wollte keinen Menschen mehr sehen.

Im Begriff, das Hotel zu verlassen und damit das letzte schützende Obdach aufzu­geben, um ins Ungewisse hinauszupilgern, hielt er auf dem untersten Treppenabsatz stutzend inne.Ich sage Ihnen doch, der Herr Wagner hat sein Zimmer schon auf­gegeben; Sie können ihn also nicht mehr sprechen" hörte er eben den Portier sagen, der lebhaft auf zwei Herren einsprach.

Aber da ist er doch!" rief Weißheimer, der in diesem Augenblick des Meisters an­sichtig wurde. Verlegen trat der Portier beiseite.

Weißheimer war vor zwei Minuten dazu gekommen, wie der Portier dem an­dern Herrn, der sich alsbald als des bay­rischen Königs Kabinettsdirektor Pfister- meister vorstellte, hinauskomplimentieren wollte.Wenn ich Sie diesmal nicht ge­funden hätte", sagte Pfistermeister mür­risch,dann hätte mich keine Macht der Welt mehr bewegen können, Sie zu suchen, und ich wäre unverrichteter Dinge zu sei­ner Majestät zurückgekehrt. Kruzitürken!" setzte er bajuwarisch resignierend hinzu, ich kann Ihnen doch nicht bis ans Ende der Welt nachreisen! Von Penzing nach Wien, von Wien nach Mariafeld in der Schweiz hat man mich geschickt und dann wieder hierher. Js dös a Gaudi, als wär's der König selber, den man suchen gehn müßt!"

Er zog umständlich ein Schreiben aus der Tasche. Der Empfänger öffnete es hastig; ein Bild, das den jungen, schönen Bayernkönig zeigte, fiel ihm auf die Hand. Er las mit ungläubigem Staunen die, wie er später bekannte,bis ans Herz meines Lebens dringenden Zeilen."

Es war jener Brief, in welchem Ludwig n. den Meister als Freund und höchst ver­ehrten Künstler nach München berief, ihm so den Weg zu märchenhaftem Aufstieg und zur Erfüllung seiner kühnsten Träume bereitend.

Es war der.Wunderbrief', wie Wagners uneigennützigster Freund und tapferer Kampfgenosse, Hans von Bülow, ihn nannte. E. K.

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