Wirtschaft und Kriegsgeschrei Italiens Kricgsvorbcrcitungcn und ihre Kosten. — Zahlung in Gold, Sirebit ist rar. — Auswirkungen aus die
Weltwirtschaft.
Seit Monaten hallt die Welt wieder von Kriegsgesprächen und Kriegsgeschrei. Bis in die fernsten Winkel der Erde ist die Frage getragen worden: Krieg zwischen Italien und Abessinien . . .? Noch ist sie nicht endgültig entschieden. Noch streiten sich die Parteien um etwaige Mittel, den Streit beizulegen; aber man zweifelt an ihrer Wirksamkeit. Wie der Fall auch ausgehen mag, die Welt ist in diesen Monaten des Kriegsgerüchtes weit über Italien und Abessinien hinaus in einen Wirbel von Unruhe hineingezogen worden.
Am unruhigsten wurde selbstverständlich Italien, das die schwere Aufgabe übernahm, riesige Truppen- mengen mit all ihrem Bedarf an Kampfmaterial und Lebensrnitteln ins ferne Land zu transportieren. Über diesen kostspieligen Transport hinaus, der allein durch die Durchschiffung "durch den Suezkanal — die Suezkanal A.-G. war bisher die einzige Nutznießerin des Konflikts zwischen Italien und Abessinien — stattliche Summen erfordert, heißt es für das Inland, all die Vorbereitungen zu treffen, die erforderlich sind, um dort für den Fall eines Kriegswinters die Rohstoffreserven für die Aufrechterhaltung der Betriebe beranzuschaffen. Nicht zu reden von den Nahrungsmitteln für die Zurückgebliebenen. Als schwerster Mangel hat sich in diesen Monaten die u n - genügende Selb st Versorgung Italiens auf allen wichtigen Gebieten herausgestellt. Weder in bei Ernährung noch in der Industrie kann Italien auf der Austausch mit dem Auslande verzichten. An Getreid« muß es nach dem heutigen Stand der Landwirtschaft jährlich 20 Prozent, an Fleisch 15 Prozent aus dem Ausland einführen, um den Eigenbedarf zu decken. Bedeutend größer sind die Rohstoffeinfuhren für die Industrie, do Italien ein fast völlig rohstoffarmes Land ist. Um seiner Textilbedarf zu decken, muß es 80 Prozent Wolle und 99 Prozent Baumwolle im Ausland kaufen. Seiner Kohlenbedarf deckt es mit 95 Prozent, seinen Mineralölbedarf mit 99 Prozent im Ausland. Kupfer ist so gut tob gar nicht im eigenen Land vorhanden, nur 47 Prozent des Metallbedarfs werden im Mutterland erzeugt.
Diese Zahlen sprechen eine beredte Sprache, sie gewähren einen schüchternen Einblick in die u n g e h e u r e r Anforderungen, die in diesem Augenblick an der italienischen Staatssäckel gestellt werden. Allzu reich gefüllt ist er ohnehin nicht. Besondere Notmaßnahmen mußten längst in Kraft gesetzt werden, um dem Finanzbedarf einigermaßen gerecht zu werden. Die starr« Golddeckung wurde auf unbestimmte Zeit aufgehoben. Di« letzten Goldreserven werden angegriffen. Nach angeblich vorheriger Verständigung mit Frankreich hat sich Rom neuerdings entschlossen, seine Bestände an französischer Staatsrenten in Höhe von etwa einer Milliarde Lire ab- zustoßen und dafür Gold einzulösen. Denn ohne Gold kanr Italien heute weder seine Rüstungsaufträge noch seiner sonstigen Heeresbedarf in der Welt beschaffen. Gold uni Barzahlung verlangen vor allem die großen Wirtschafts' staaten der Welt, bei denen Italien ohnehin tief in bei Kreide sitzt. Von Krediten wollen sie nichts wissen; denr die internationale Hochfinanz ist selbst wohlhabenderer Staaten gegenüber seit Jahr und Tag wenig kreditbereit Lange Zahlungsziele lehnt die Industrie der Welt ab. Si« ist im Zweifel über den Ausgang des großen Abenteuers, Das Beispiel der englischen Grubenbesitzer, die sich unter dem Schutz des Staates geweigert haben, Kohle nach Italien zu liefern, solange die alten Schulden nicht bezahlt sind, ist bekannt. Ebenso bekannt ist der Fall der Londoner Metallfirmen, die unter Hinweis auf die ausstehenden Zahlungen Italiens ihre Lieferungen einstweilen zurückgestellt haben. Selbst das goldreiche Amerika hat in der Frage der amerikanischen Rohbaumwoll-Lieferungen den englischer Standpunkt eingenommen, der besagt: Erst Schulder abdecken, dann weilerliefern.
Was Wunder, daß Italien unter diesen Umständer überall da Bestellungen aufgibt, wo es zu einigermaßen annehmbaren Preisen Waren bekommt. Das Bild der Liefer st aaten hat heute eine völlige Verschiebung erfahren, und diese Tatsache dürfte auch ir den kommenden Monaten, gleichgültig, ob der Krieg Tatsache wird oder nicht, im internationalen Wirtschaftsleben von allergrößter Bedeutung sein. Ganz Europa ist mit italienischen Aufträgen überzogen worden. In Ungarn kauft Italien Pferde, in Polen Uniformen, in der Türkei Kohlen, in Südflawien Mais, Getreide und Holz, in Japan angeblich sogar Stiefel, in der Tschechoslowakei Flaschen für Bier und Mineralwasser, in Ost- und Südafrika Obstmarmeladen ifhb Gefrierfleisch, in Rumänien Erdöl. Wie stark die Rückwirkungen dieser Käufe auch auf andere Länder sind, beweist die Tatsache, daß beispielsweise Spanien dank dem starken italienischen Eigenbedarf an Zitronen seine in den letzten Jahren stark verminderte Zitronenausfuhr wieder hat steigern können, beweist in größeren Zahlen die Tatsache, daß die USA., die in den
Einsatz der größten Schlachtschiffe.
Drei der Schlachtschiffe, die England in diesen Tagen un Mittelmeer zusammengezogen hat. Vorn das größte Kriegsschiff der Welt, das 42 100 Tonnen große Schlacht- schiff „Hood". (Weltbild.)
letzten Jahren in ihren Erdöllieferungen aus Westeuropa so gut wie verdräugt worden waren, heute wieder als Lieferant auftreten, denn Rumänien ist vollauf mit Erdöllieferungen nach Italien versorgt. Der rumänischen Ausfuhr steigerung an Erdö l um 61,7 Prozent lagen feste Lieferungsverpflichtungen Italien gegenüber zugrunde. Das völlig ungenügenbe Vorhandensein eigener Rohstoffe, besonders an Erdöl, das sich jetzt für Italien so bitter bemerkbar macht, ist Anlaß zu einer großzügigen Suche nach eigenen Erdölvorkommen im Lande gewesen. Viag sein, daß die Suche neue Quellen erschließt.
Abessinien will die Genser Vorschläge annehmey Unter gewissen einschränkenden Bedingungen.
Die Vorschläge des Fünferausschusses werden in Addis Abeba weiter eingehend geprüft. Im großen und ganzen betrachtet man sie als annehmbar. Allerdings steht die Regierung auf dem Standpunkt, daß sie gemäß ihren früheren Zusagen über wirtschaftliche Zugeständnisse, die allen Ländern gleiche Rechte einräumen, nicht in der Lage sein wird, Italien Sonderzugeständnisse einzuräumen, da diese unter Umständen Streitigkeiten mit den anderen interessierten Großmächten bringen könnten. Im übrigen hat der Kaiser die Schaffung einer besonderen Polizei, die für die Sicherheit der in Abessinien lebenden Europäer sorgen soll, bereits vorbereitet. Was die Kontrolle des Sklavenschmuggels an den Grenzen anbelangt, so ist man hier der Ansicht, daß dies die Aufgabe der anliegenden Länder sei, durch die der Schmuggel erfolge.
In der Frage der Aufnahme ausländischer Berater in die abessinische Regierung ist man nach wie vor zu Zugeständnissen bereit. Der Völkerbund solle seine Kandidaten — Europäer oder Amerikaner — Vorschlägen, der Kaiser behalte sich jedoch seine Einwilligung vor.
Man betrachtet diese Formulierung als eine bedingte Annahme der Vorschläge des Fünferausschusses. Allerdings dürften damit die Wünsche Italiens keineswegs erfüllt werden. Der Fünferausschuß müßte
„Mmisierte LeiteiMlift" in SmjetriW
Die Unterdrückung der fremdstämmigen Nationalitäten. — Anklage vor dem Völkerbund.
Die Vertreter der fremdstämmigen Nationalitäten in den Grenzgebieten Sowjetruhlands Aserbeidschan, Georgien, Turkestan und Ukraine haben dem Präsidenten der Völker-- bundsversammlung eine Denkschrift überreicht, in der dagegen protestiert wird, daß trotz der Aufnahme Sowjet- rußlands in den Völkerbund die moskowrtische Unter-- drllckungspolitik in diesen Gebieten hemmungslos fortgesetzt werde.
Ungeachtet der Zusage verschiedener Delegierter bei der Aufnahme der Sowjetunion in den Völkerbund sei nichts geschehen, um auf Moskau einen mäßigen Einfluß auszuüben. Der Terror, die Religionsverfolgungen und die Zwangsarbeit bestanden in vollem Umfange weiter. Als neue Tatsache von größter Bedeutung sei die Massenabschiebung der Bevölkerung aus den Grenzgebieten und ihre Ersetzung durch russische Bauern zu verzeichnen. In der Ukraine habe man nicht nur einen Grenzstreifen von 50, sondern von 150 bis 200 Kilometern als Verteidigungszone erklärt und die dortige bodenständige Bevölkerung nach Nordrußland abgeschoben. Die Reform der Kollektivwirtschaft sei nur zum Schein erfolgt. Die Bauern seien nach wie vor einer leicht modernisierten Leibeigenschaft unterworfen und seien ständig von Hungersnot bedroht. Die Aufhebung der Lebensmittelkarten habe nur eine Erhöhung der Preise und damit eine noch schlechtere Versorgung der Volksmassen zur Folge gehabt. Der Kampf gegen die Kulaken werde in unmenschlicher Form weitergeführt; besonders in den Grenzgebieten der Union.
Was die sowjetrussifche Außenpolitik betreffe, so habe der letzte Kongreß der Komintern gezeigt, daß sich seit der Aufnahme der Sowjetunion in den Völkerbund der destruktive Geist Moskaus nicht geändert habe; hinter der pazifistischen Maske Litwinoffs stehe der feste Wille der Sowjets, die Weltrevolution in Gang zu bringen.
Memeibesprechungen in Genf.
Man einigte sich angeblich auf „diplomatische Behandlung".
Das halbamtliche englische Nachrichtenbüro Reuter meldet aus Genf, daß der englische Völkerbundsminister Eden und der französische Ministerpräsident Laval Donnerstag eine lange Besprechung mit den Vertretern Litauens und Lettlands, L o z o r a i t i s und Münters, über die Frage der Zukunft von Memel hatten. Es verlaute, die vier Staatsmänner seien übereingekommen, die Frage auf diplomatischem Wege und nicht von dem Völkerbundsrat oder der Völkerbundsversammlung zu verhandeln.
Lasa! «matz»! Litauen
Paris, 21. September.
- Wie das „Petit Journal" wissen will, hat Ministerpräsident Laval in der Unterredung, die er vor seiner Abreise aus Genf mit dem litauischen Außenminister und dem lettischen Vertreter beim Völkerbund gehabt hat, noch einmal ausdrücklich betont, daß das Memelstatut von der litauischen Regierung strikt befolgt werden müsse und daß auch die Wahlen in größter Ruhe vonstatten gehen müßten, um jeden Zwischenfall zu vermeiden, der Folgen für Osteuropa nach sich ziehen könnte. Ueber diesen Punkt habe Laval nacheinander mit Eden, Beck und Aloisi gesprochen.
Verhaftung wegen Rassenschändung.
Frankfurt a. M., 20. Sept. Wegen Rassenschändung wurden der Jude K. sowie eine Frau W. in Frankfurt a. M. festgenommen.
Erfolgreicher judenfreier Viehmarkt.
Rennerod (Westerwald), 20. Sept. In Rennerod wurde zum ersten Mal ein judenfreier Markt durchgeführt der ungewöhnlich stark beschickt war. Auch der Handel war sehr flott. Ein Beweis, daß es auch ohne Juden geht.
Für den Augenblick gehört die italienische^EMm«-^^ zu den größten Wirtschaftssorgen des italt^W Staates. uenWn
Daß eine derartig starke Warenbewegung aucb m.t übrigen Märkten, über den Kreis der Beteiligten ^n fühlbar wird, liegt auf der Hand. So haben seit die Versicherungssätze sowohl wie die Tarifsätze fnr°"^ ten im internationalen Verkehr vieler Länder erheblich angezogen, Weizenpreise stiegen, Kavitalâ setzte ein. In einen Wirbel von Unruhe geriet i»».'“1
also versuchen, einen neuen Weg der Verständigung w finden.
9er Argus an die Weltpreise.
Das große Festessen, das der K a i s e r v o n Abessinien für die in Abessinien weilenden Vertreter der Weltpresse veranstaltete, nahm in Anwesenheit von 85 Pressevertretern einen glänzenden Verlauf Verlaufe des Abends nahm der Kaiser das Wort m einer Ansprache, in der er nochmals wiederholte, daß er niemals ein Mandat, welcher Form es auch sei, annehmen werde, das die Unabhängigkeit seines
Landes verletzen werde.
Er sagte u. a.: über zweitausend Jahre unserer Freiheit haben unsere Fähigkeit gezeigt, uns ohne Protektorat selbst zu regieren. Als Führer des Kaiserreiches und Beschützer meines Volkes werde ich i m Kriegsfälle selbst das Heer gegen den Feind führen, aber Gott wird zu verhindern wissen, daß unser Streit mit Italien einen blutigen Ausgang nimmt. Wir können Italien keine wirtschaftlichen und Gebietszugeständnisse gewähren, ohne eine Gegenleistung zu erhalten. Als unabhängiger Staat wachen wir über unsere Freiheit.
Großaktion der Warschauer Polizei gegen das Verbrechertum.
240 Personen auf einen Schlag verhaftet.
Die Polizei hat in Warschau eine großangelegte Aktion durchgeführt, die sich gegen die unterirdischen Zusammenhänge von Verbrechertum und Kommunismus richtete und das sensationelle Ergebnis hatte, daß 2.4 0 Personen verhaftet wurden. Unter ihnen befinden sich zahlreiche gefährliche Elemente verbrecherischer und politischer Art, nach denen bereits seit längerer Zeit vergeblich gesucht wurde.
Die an sechs Stellen angesetzte planmäßige Razzia wurde veranlaßt durch einen aufsehenerregenden Überfall auf ein Geschäft in der Vorstadt Rembertow, wo eine größere Summe Geld von Banditen erbeutet wurde.
Im Anschluß daran nahm die Polizei sogleich 42 Personen fest, die irgendwie mit dem überfall in Zusammen hang standen. Sie wurden nach Warschau gebracht. Es zeigte sich dann, daß von dem überfall Fäden au« zur politischen Unterwelt führten, und « nahm die Polizei die Gelegenheit zu großzügigen Streisen wahr. Unter den Verhafteten befinden sich 5 2 Frauen, meist solche, die in den Lokalen der Großstadt im Auftrage von Verbrecherbanden arbeiteten, um Gäste auszubemur Die Polizei hofft auf Grund der Durchsuchungen un Verhaftungen zahlreichen Verbrechen, auch polrtit« Natur, auf die Spur zu kommen.
Kurze Nachrichten. ?
Berlin. Zur vollendeten 1 00. Ozea n fa h rt Luftschiffes „Graf Zeppelin" sandte der O befehlshaber der Kriegsmarine, Admiral Dr. e. Raeder, ein Glückwunschtelegramm Dr. Eckener. .
Potsdam. In Golm bei Potsdam wurde e Erweiterung der R e i ch s f ü h r e r s ch u t Arbeitsdienstes vorgenommen, da die Einfuhru g Arbeitsdienstpflicht eine räumliche Ausdehnung Führerschule notwendig machte. 22 Wohn- baracken und eine Sporthalle wurden für die mc ' ( abteilung hergerichtet und von Staatssekretär eingeweiht.
München. Die Rekofa, Reichsausftellung Nahrungs- und Genußmittel, wurde in dem v / Zender Ausstellungshalle 3 auf der Theresienhohe t linj) wart zahlreicher Vertreter des Reiches, des -sl ; e r 1 i ^ der Stadt durch Ministerpräsident Siebert i âMs- eröffnet. Auf dieser großen deutschen mittelschau sind 300 Ausstellerfirmen vertreten.
Kiew. Wie die sowjetrussische Agentur ^A^aupla? ist Kiew, die. Hauptstadt der Ukraine, der flt, einer polenfeindlichen Kundgeb uv Beden. Dort wird demnächst ein großes Dem» ^o Hl- freiung von der polnischen Besetzung im richtet werden
Verfehlungen gegen die Getreidemark ^ â
Frankfurt a. M., 20. Sept. Bereits L" Ania » un» nats sah sich der Getreidewirtschastsoer^ Nassau veranlaßt, drei Firmen des Getreide ) ^leä rechtigung, Ablieferungsscheine auszustellen, '^fclOT Der Verband gibt soeben bekannt, daß We^
gegen die Marktordnung auch der Firma in Vilbel die Berechtigung entzogen wuwe, jrTnst i Bereinigungen auszustellen. Wer an kauft, macht sich strafbar.