Die Glocken der Heimat.
Von Geno Ohlischläger.
„ Teufelskasten" hatte der alte Pelzjäger Novvy Imindfunkapparal genannt, den ihm Phil Allison Autler den ■|ne[)ro([)t hatte. Phil Allison war der Bote eines Einsamkeit und der Welt. Alle zwei Monate -wische» Bu Mieter alle drei Monate kam er den Alten tm SomM ' öic ^gx ab und brachte ihm das Wenige besuchen, ön8 Butler brauchte. aus den « jenen Einzelgängernaturen, die sich nur , wenn sie allein aus sich selbst angewiesen sind, wohlf»»"", ^et in ber Stadt gestorben und hatte ihm Run war N <cjnen Radioapparat hinterlassen. Allison essemW Erbschaft" mit. Zuerst war Butler sehr nciß- brachte ih' Aasten. Aber nach Allisons Abschced begann naulsch M ,.l rat ,u spielen und lauschte bald Abcud für "’fSlii wie ein Kind aus die ferne Welt.
â AIS schönste Sendung empfand er eine Uebcrtragnng am . . «abend: Da erklang ecnc Sinfonie von Glocken aller Weihnach -’ öe§ Landes, und dein alten Trapper mürbe Altmitte, als barunter auch die Glocken der Kirche ^J^cimatftabt Cleveland erklangen.
Son an einem Julitag Butler wieder auffudjte, L Alte ihm gar nicht. Er handelte kaum um seine E und das war ein schlechtes Zeichen; denn Butler feilschte tun jeden Dollar, als gelte es, seine eigene Haut zu ver-
au
Wadnnitfna legte sich Butler hin. DaS War noch fühlte sich nicht wohl. Seit den, Frühjahr
er cö schon „in den Knochen".
mcDor ich sterbe, möcht' ich noch mal die Glocken von xieve'land hören!" sagte er, als Allison sich am andern Tag ""âch mal!" antwortete Allison kopfschüttelnd. „Warum niM' iioch oft? Weihnachten werden sie wieder lauten, und überS Jahr auch wieder." Allison tat, als merke er nicht, daß Mlcr'sehr gealtert war.
„So gewiß ich eine Nase für das Wild habe, so /gewiß Mich den, der mich jepi jagen wird!" lachte Butler. „Es L guch an der ^cit, und maß mich am meisten schreckt: ich M so etwas wie Sehnsucht nach den Städten und den Mcu- *Wi Doß ist der Beweis, das; ein .Wilder' >vie ich am Ende jh Mn, das mit den Glocken müßte bald sein. Diese Woche â Mison. Meinst Du, das; sie es täten, wenn Du Hin- Mibst und sic in meinem Namen recht bittest?"
Drei Tage darauf rief der Ansager zwischen den Scn- tuM» eine Botschaft an Robby Butler in den Äether hinein: der Rundfunk werde am Sonniagiiacht um ein Uhr nach dem offiziellen Programm eine Sonderübertragung ans Cleveland machen, um einen alten Sohn der Stadt zu ehren und zu
erfreuen.
Autler hörte die Botschaft und freute sich mir ein Kind. Die Kräfte seines Körpers fdjmanben dahin. Butler hatte sein Leben so gelebt, wie er eS sich gewünscht hatte, und darum kam eS ihn nicht schiver an, Abschied zu nehmen. Er wäre wohl schon in diesen Tagen hinübergeschlafen, hätte ihn die Lwarlung der Sendirng nicht ausrechterhalten.
Am Sonntag kam eine grobe Ruhe über ihn. Er „feierte" ihn, so gut das in seinen Verhältnissen ging: er zog seinen anten Rock an und rauchte seinen besten Tabak. Obwohl ihm da» Schreiben Mühe machte, fehle er einen „Letzten Willen" auf und gab auch einige werwollc Kenntnisse über günstige sfagdgclegeuheiten, die er jetzt nicht mehr auönutzen konnte, zu Papier.
Den Abend verbrachte er an seinem Lautsprecher.
Hub endlich war es ein Uhr geworden, und die Heimat sandte ihm ihren Gruß.
Butler lag da und lauschte atemlos. Jetzt hoben die Glocken an zu läuten. Sicher klingen die Glocken von Cleveland nicht anders als andere Glocken. Aber für Butler sangen sie eine eigene Melodie.
Biele Erinnerungen lebten in ihm aus, als der To« der Mieden ihn umrauschte. Er sah sich als Kind beim ersten Kirchgang an der Hand des Paters. Er sah sich als Bengel Fensterscheiben einwerfen. Er sah sich zum Begräbnis der hinter dein Sarg gehen. Er sah im Bereich dieser
Die Mauer im Osten
Ostmark-Roman von H. Wernberg.
14 (Nachdruck verboten.) tote sind fort.
Stanislaus ist allein. Er hat vergessen, daß es ihn be- “Wüt hat, was Cora zuletzt gesagt hat. Gott, Frauen men Launen.
^r geht durch sein einsames Märchenschloh im Gefühl ^« großen Sehnsucht und eines fernen Glückes, das traum- schön ist.
si^o^^m Bilde seiner deutschen Großmutter bleibt er 9 ® *e blonde Frau ... Madonna in Gnaden ... malen', denkt er sich und geht weiter und nach einem Platz, an dem das Bild hängen würde.
sonn’ ?ler‘ ^" .diesem Fenster beleuchtet, das der 21bcnb» sie »in gekehrt ist. Wenn sie untergeht, die Sonne, wird en Heiligenschein um die weiße Stirne zeichnen.
Au. 'N 1 ^"b wird, ist er auf dem Weg zum Haidhof, dem /, ", Weite schimmert ein Licht. Es kommt aus ber Erde diink" Spe'^immer, das ihm der schönste Raum
^ür«0«?^ Fräulein", sagt er und faßt ihre Hand. Cebn!»^ - mir nicht, daß ich so einbreche in der Nacht, «eynwcht treibt mich her."
es meimvmV^ ^)eu ihre Hand aus der seinen. „Ich will ,» ?"Kruder sagen. Er wird gleich kommen."
Bett, ^v f^-^ü^ Martha Kopfweh vor und geht zu Ausdruck'" â)önes Gesicht hat einen schwer enttäuschten schuldigen erltenmal fällt es Philipp auf. „Sie müssen ent- sie angestreum ^ Ie^ten Tage leidend. Die Pflege hat Stanislaus ^h°! wenig geschlafen."
lange Maprn S.„roe^ in diesem Augenblick, daß er nicht bas Kind ha T •’ ^^ Kranke braucht eine Pflegerin, und machen c™, '^ n4^ anstrengen. Er wird das alles »Nein^^n He sich verkühlt?"
•mit vermeiden r 6 '""^ aufgeregt. Aufregungen sollte ich »U"d gebt Kdjt ?-
i?den Tag um tnon ^"uowiki. Wir Gutsbesitzer kämpfen s'ch. Außerdem "^^^istenz. Das bringt Aufregungen mit ^uzige $enf h .' ■ iw habe Sorgen um Martha. Sie ist der werden, Wenn';/'1 .'cil auf der Welt habe. Was soll mit ihr ,. ^°n"2. ^« mehr bin?"
t gerieben! *“^ ^"^ Blut in die Wangen. Jetzt °“ Re nur so ur ' • e5 'st ja unsicher, ob sie ihn liebt, «st. oder ... Er sagt rasch: „Diese Sorge
Glocken den ganzen Bereich keines, jungen vecens wieoer, etjt ihn das Jägerblut und schmerzliche Entiäuschungen in die Wildnis trieben.
Als Allison, diesmal schon nach einer Woche und in Begleitung eines Arztes, wiederkam, war es zu spät: Butler schlief den ewigen Schlaf: aber auf feinen Zügen lag das Lächeln des Friedens, den ihm die Glocken der Heimat beschert hatten.
Die verhängnisvolle Depesche.
Ein Telegrainm hat kürzlich einer jungen verliebten Frau den Tod gebracht. Keine Unheilsbotschaft etwa, die ihr Eheglück bedrohte, wildern ein harmloses kleines Telegramm, das sie ihrem Maune schickte und in dem sie ihm ihre bevorstehendc Ankunft mitteilte. Denn Olga Susoff wohnte in Stalingrad, und der zärtlich geliebte Mann studierte in Moskau. Sic depeschierte ihm also am ersten Tage des Monats, das; sie nach »wer Tagen bei ihm sein würde. Er möge sie baun am Bahn- Hof erwarten. Wber als die Frau jur verabredeten Stunde in Moskau eintraf, war von dem Eheliebsten keine Spur zu entdecken. Es kennzeichnet den Nervenzustand im heutigen Nuß- laitb, das; die Enttäuschte vor Schreck ohnmächtig zusammensank. Das Fehlen des Gatten haue genügt, um in der Geängsteten alsbald die schlimmsten Befürchtungen hervorzurufen. Unter dem blutigen Soivjetstern ist bekanntlich auch nicht der Frömmste ■ vielleicht er am wenigsten — seines Lebens sicher. Die ohnmächtige Olga Susoff mürbe zur nächsten Polizeistation gebracht. Als sie zu sich kam, erzählte sie den Beamten ihre kleine Geschichte, dann veriant sie von neuem in Bewußtlosigkeit. In- rwischeu versuchte die Behörde, durch den Fernsprecher Ber- bindung mit dem Manne zu erlangen. Aber das glückte nicht. Am Landtvirtschaftlichen Institut musste man nichts von dem jungen Studenten. Es kann nicht »vundernehinen, das; sich der Zustand der verlassener Frau mehr und mehr verfdflimmcrte. Schließlich brachte man sie in die Psychiatrische Klinik, unb zwar in die Abteilung für Schwerkranke. Man versprach der Frau, ihrem Gauen Bescheid zu geben. Aber es blieb bei einigen schwächlichen und sruchtlosen Telephonanrufen. Niemand be- quemte sich dazu, dem Manne einen Brief zu schreiben. So vergingen die Tage, die Wochen. Unterdessen raste der verziveifelte Gatte zwischen Stalingrad und Moskau hin und her. Er hatte das Telegramm seiner Frau erst sechs Tage nach der Absendung erhalten, und er suchte die Vermißte auf allen Bahnhöfen, die in Frage kommen konnten. Mehr als drei Wochen waren ver- gangen, da half dem b i schöpsien der ",ufall. Zuf off geriet aus Sie Polizeistation, wo Olga zuerst Aufnahme gefunden und mo sie ihre Geschichte erzählt hatte. Endlich kam der Mann auf die richtige Spur. Aber in der Klinik der «Äemütsleidenden, in der Abteilung der Schiverkranken hatte sich der Zustand der Frau inzivischen in der verliängnisvollsten Weise verschlechtert. Trotzdem schlug man die Bitte des besorgten Mannes ab, der um die Hinzuziehung eines Facharztes bat. Die Kliniker mochten das als Beleidigung nuffassen. „Ihrer Frau geht es gut. Ihr fehlt nichts. Sie können sie übermorgen abholen." Aber als sich Susoff zivei Tage später einstellte, um die lang Entbehrte in sein Haus tu bringen, war sie - tot. Sie hatte sich burd) die Schuld der Aerzte eine Lungenentzündung zligezogen, die dem zarten Leben ein schnelles Ende machte.
Der König der blinden Passagiere,
In Indien lebt ein vermögender Franzose namens Laframme, der ein absonderlicher Kauz au sein scheint. Er setzt seinen Ehrgeiz darein, möglichst oft als blinder Passagier auf fremden Schiffen zu reisen, obwohl er selbst Besitzer einer prächtigen Lustjacht und etlicher Motorboote ist. Wird er ge- schitappt, zahlt er anstandslos ein gewisses Bußegeld und läßt sich im nädjftcn Hafen an Land setzen. Nach seinem kürzlich in Kalkutta veröffentlichten Strafregister hat Laframme bereits über G8 000 Seemeilen als blinder Passagier fremder Schiff« zurückgelegt unb ist zahlreiche Male als rückfälliger Sünder gerichtlich bestraft morben. Dennoch gibt er seinen Spleen nicht auf und bezeichnet sich als König der blinden Passagiere. darf Sie nicht belasten. Ich komme so gerne, weil mich ... Ihre Freundschaft beglückt, aber ich komme auch, weil ... mein Herz mich zwingt."
Philipp hebt den Kopf jäh auf. Ein beispielloses Erstaunen ist in seinem Gesicht. „Herr von Janowski ... ach Gott, ich sehe, ich tauge nicht mehr auf diese Welt. Es kommt mir so ... überraschend.. Ich habe es gar nicht bemerkt." Er reicht Stanislaus die Hand hin.
„Ja, vielleicht ist es auch zu früh. Ich weiß nicht, ich habe noch nicht ein Zeichen dafür, daß sie mir ... gut ist. Aber vielleicht, Herr Wedogge, könnten Sie sich entschließen, einmal nach Tomor zu kommen. Dort... ich hätte eher Gelegenheit ... und Tomor ist schön. Ich ... lege es ... ihr zu Füßen ... ich ..." Er spricht nicht weiter. Er sieht Philipp fragend an.
„O ja", sagt Philipp und hat plötzlich die Ahnung von schweren Kämpfen, die ihn erschüttern werden. Er ist kein Deutscher. Er ist ... nein ... sie wird ... Und sagt mit einer flatternden Bewegung seiner wachsbleichen Hand: „Ich sehe immer nur zuerst ... den Menschen. Ich kann mir vorstellen, daß die Erde nicht aufgeteilt ist, in Länder und Nationen. Ich kann mir vorstellen, daß nichts anderes entscheidet, als daß ein Mensch gut oder böse ist, denn das Gute oder Böse waren im Anfang, und auch am Ende wird nichts anderes mehr sein. Herr von Janowski, ich habe Sie als einen guten Menschen kennengelernt, und Sie sind mir ein Freund geworden. Aber die Gegenwart hat die ganze Jugend in ihre politische Entwicklung hineingezogen. Sie hat keine Distanz und wird mitgerissen in dem Wirbel des Geschehens. Eine Grenze, die nur eine gedachte Linie ist, ist zu einer chinesischen Mauer geworden."
Stanislaus senkt den Kopf. Er fragt nur nochmals: „Darf ich Sie und Ihre Fräulein Schwester in den nächsten Tagen einmal abholen? Ich würde Sie in einem bequemen Wagen holen. Ich weih, ich mute Ihnen ein Opfer zu, aber..."
„Es ist kein Opfer, Herr von Janowski, sondern eine Zerstreuung. Nur muß ich wieder etwas besser beisammen sein. Dann kommen wir gern."
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Es ist Anfang Dezember geworden. Schnee, viel Schnee. Füchse ziehen ihre Ruten über ihn hin und zeichnen ihre Fährten, daß sich die Jäger freuen.
Von Konrad Stolpe kommen Kartengrüße. Christine bringt sie jedesmal zum schwarzen Kaffee, denn die Post kommt immer um diese Mittagszeit. „Fräulein Marthache! Schaue Se, e Karte vom jungen Herrn is auch dabei. Sie müsse ihm gleich antworte. Schreibe Se viele Grüße, und er soll bald wiederkomme."
Eine seltsame Derlobungsanzeige.
Eine recht schalkhafte Natur scheint Lady Alice Montagu- Douglas-Scott zu sein, deren Verlobung mit dem dritten Sohn« des englischen Königspaares kürzlich, einem Einfall der künfti- gen Herzogin folgend, auf recht sonderbare Weise bekanutgegeben wurde. Nian darf daraus wohl schließen, daß die junge Dance modernen Auffassungen huldigt. Die erfreuliche Tatsache sollte, Ivie Lady Alice bekannt war, an einem bestimmten Abend durch den Rundfunk bekanutgegeben werden, und ängstlich mar dafür gesorgt, daß nichts zuvor an die Oeffentlichkeit drang. Die junge Braut ließ nun s ' * - ■ - ■
jiiuui UV Vie i^q[enuia)ieu orang. ^te junge t schleunigst eine Sonderleitung nach dem uralten schottischen Schlöße legen, an dem an jenem Tage eine Familien- feier der Scotts stattfinden sollte. Als alles bei dem prunkvollen Festessen versammelt mar, erklang zum Erstaune« der Gäste plötzlich eine unbekannte Stimme aus der Ferne, die den Anwesenden bekanntgab, daß die Tochter des Hauses im Begriff stehe, die Schwiegertochter des Herrschcrpaares zu merben.
Was bringt der Rundfunk '
Reichssender Frankfurt.
Arantsurt: Donne,staa. 12 EOtember
0.00: Choral, Moraeuspruch, Morgen inusik. 6.30: Gymnastik. In der Bause 7.00: Nachr. 8.00: Wasserstand, Sendepause. 8.10: Stuttgart: Gymnastik. 8.80: Bad Ems: SrübtouAert. 0.00: Nur Reichssender Laarbrücken: Volksiiittsik. 9.20t Pfälzische Stäbtebilber: Otterberg. 9.40: Lotber Lang singt Arien. 10.00: Sendepause. 10.16: Stuttgart: Volksliedsingen. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche n Haus. 11.00: Werbekonzert. 11.40: Programm, Wirtschaft-meldungen, Wetter
12.00: München: MlttagSkonzert. I 3 00: Zeit, Rackr.; anschl.: Nachrichten aus dem SenbeBc. rt. 13.15: München : Konzert. Hort feg. i. 14.00: Zeit, Nachr., Weiter. 14.10: Mitten im Werktag. Sozial unb Wirtschgstsdienst in bunter Folge 14.55: Zeit, Wirtschau Meldungen. 15.00: Nur Frankfurt: Nachr. der Gaulettung. 15.15: Kinderfunk: Wir bringen ench einen Funlbericht aus dem Völkermttsenm.
16.00; Kleine Koncert 16 30: Unsere Pferde Buchbesprechung 16 45: Offenbarung deuischer Landschaft Tas Spessarterlebnis. 17 00: Bad Wildungen: Na bmiuags- konzerl. 17 55: Nürnberg: Retchssendung Aufmarsch des 'Arbeitsdienstes auf der Zcppelinwiese. Aasn
1 9.80: Kleines Konzert 19 50: Der Tagesspiegel h Reichs. Enders Frankfurt. 20 00: Zeit. Nachr 20 10: Dr. chesterkonzert. «Mozart, Beetbuven, Schubert. 21 15: Zum IRciMVarteitaa in Nürnberg: Retchssendung: Bor beimarsch der politischen AintSwalter am Hauptbabnbof vor dem Führer. 22 00: Zeit. Nachr- 2215: Wetter, Nachr. aus dem Sendebezirk. Sport. 22.20: Kassel: Unterhaltungskonzert. 23 00: Deutschlandsender: Wir bitten zum Tanz. 24 00: Nachtmusik- Ein „Straus," un» sterblicher Melodien. lEigenaufn.»
Deutschlandsender.
De»tschlanhse»«>ee: Donnerstag, 12. September
ROO: Glockenspiel. TageSkpruch, Camal: Ein Hans voll Glorie schonet Wetter. 6.10: Berlin: Gymnastik 6 30: Fröhliche Morgenmustk Dann um 7.00: Nachr 8 20: BreSlau: Mvrgenständchen ür die Hansfrau. 9.00: Sperrzeit. 9 40: Kindergymnastik. 10.00: Senbetmuk. 10.15: Hamburg: Bolksliedsingen 10 55: Lendevouse. 11 .05: Lehrfrau u Lehrling 6 d Arbeit. 11.30: Der Bauer spricht — Der Bauer hört: I Dünge mehr n dünge richtig 2 Wir sammeln die Schilfkvlben: anschl.: Wetter. 12 .00: Musik zum Mittag. Barnabas von Geczy spielt. Dazw 12.55: Zeitzeichen. 13.00: Glückwünsche 13.45: Nachr 14.00: Allerlei • von zwei bi4 drei. 15.00: Welter BUrse. Programm I 5.1 5: Deutsche Dichterinnen der Gegenwart: Ina Seidel 15.40: Johannes Günther lieft aus seinem Schankvieler Roman „Cckboi"
16.00: Unterhaltungsmusik der Novelle Fröhlich. 17.30: Leipzig. Rachmiltogskonzerl. 17 55: Nürnberg: Reichs» senduno: Ansinarsch unb Appell des Arbeitsdienstes 19-30: Schallplatte» 19 4 5: Deutschlandecho 20.00: Kernsprnch: anschl.: Welter. Kurznachr 20.10: Hermann Stange dirigiert die Berliner Bhilhormoniker. 21.15: Nürnberg: ReichSsenduna Vorbeimarsch der politischen AmtSwolier am Hauptbabnbof vor dem Führer. 22.00: Weller. Tages- und Sporlnachr.: anschl.^ Deutsch- landecho 22.80: Eine kleine Nachtmusik. 22.45: See- Wetterbericht ? 00: Wir bitten zu in Tanz!
Einmal sagt Philipp ärgerlich zu Martha: „Was mischt sie sich denn in diese Sachen? Das solltest du nicht dulden."
Aber Martha lächelt nur selig und hebt den Blick nicht von der Karte. „Sie meint es nicht bös."
So um 4 Uhr nachmittags kommt Martha, vorsichtig glatt gefrorenen Stellen ausweichend, mit einer gerafften Schürze über den Gutshof zum Haus und sagt unter der Küchentür: „Christine, bitte, gib mir schnell ein Körbchen. Heute sind 28 Eier. Ganz schön für die Jahreszeit, gelt! Das eine ist angeschlagen, das nimm gleich weg."
„Je, was für große Eier!" sagt Christine, „die gelben sind von de Plymouth Rocks."
Martha legt bedächtig die Eier in einen Korb. „Weiht du, warum es heut' so viel sind? Weil ich die ganzen Böden nach Nestern abgesucht habe. Sie verlegen, und das dürfte halt nicht fein. Aber Frau Schramm hat eben feine Ordnung. Ich habe den Hühnerstallschlüssel abgezogen. Da ist er. Ich hänge ihn an die Küchentür. Ich lasse sie ein paar Tage nicht heraus, dann müssen sie im Stall legen und werden ihre Dachbodennester vergessen. Und ich will mich überhaupt um die Hühner kümmern. Von diesem Frühjahr sind welche dabei, weißt du, die weißen Leghorn, kleine, elende Viecher, die überhaupt nicht legen. Die müssen weg. Ich glaube, die vertragen unser Klima nicht. Das sind doch afrikanische Farmhühner, die brauchen viel Sonne. Du, Frau Schramm macht ein furchtbares Gesicht. Aber mir ist's eaal."
„Da hawe Se recht, Fräulein Marthache! Soll se e Gesicht schneide, wenn se Lust hat."
Und ein paar Tage später. Es ist schon elf Uhr abends. Martha legt ihren blonden Kopf zurück in die weißen Kissen und sagt: „Christine, wecke mich morgen um fünf Uhr."
„I, wo werd' ich denn!" sagt Christine und streckt die Hand nach der Kerze aus, sie auszulöschen. „Wo werd' ich denn! Was wolle' Se denn um fünf Uhr früh mache? Fahre Se denn weg?"
„Nein. Ich gehe von morgen ab zu jedem Melken in den Stall."
„Gottche! Marthache! Aber doch net in der Früh'! Da is ja noch stockfinstere Nacht!"
Martha fetzt sich wieder im Bett auf und flicht am Ende ihres blonden Zopfes herum. „Ja, auch in der Frühe. Christine, so geht es nicht weiter! Ich habe mich zu wenig gekümmert, ich sehe es ein. Der arme Philipp! Er hat heute einen Brief bekommen von unserem Milchhändler in Glot- towen. Die Milch wär unverschämt gewässert, und er würde ihn verklagen auf Lebensmittelverfälschung, wenn das noch einmal vorkäme. Seine Kunden hätten ihm die Milch zurückgebracht, und er hätte einen Schaden von 35 Mark, und in drei Taaen müßte er das Geld haben."
(Fortsetzung folgt.)