Zul-aer Anzeiger
MLDEL G Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Nowtionâruck: Friedrich Ehrenklaü, Lauter- Zulüa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt
2s Hauptschriftleiter Friedrich' Ehren-
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Nr. 176 — 12. Jahrgang
Fulda, Mittwoch, 31. Juli 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Großes Aktionsprogramm der Newyorker Boykotthetzer
Massenkundgebungen zur Befreiung der kommunistischen Aufwiegler. Neue Kundgebungen gegen deutsche Schiffe.
Aus einer Versammlung der „A n t i n a z i - F e d e - mit a u in New Nork, die von 150 Vertretern der der Organisation angeschlossenen 278 verschiedenen antideutschen Verbände besucht war, wurde ein großes Programm für die Durchführung des Boykotts gegen deutsche Waren und Schisse beschlossen.
Das einstimmig angenommene Aktionsprogramm entölt folgende Punkte: Aufstellung von
Boykottposten vor deutschen Geschäften
oder Firmen, die deutsche Waren führen; eine Massenkundgebung vor dem Verwaltungsgebäude der „United Aales Steamship Company", um dadurch die sofortige Freilassung des angeblich wegen kommunistischer Umtriebe in Hamburg verhafteten Matrosen Simpson vom Dampfer „Manhattan" zu veranlassen; eine große Massenkundgebung mit anschließendem Propaganda- marsch durch die Straßen New Dorks. am 15. August;
weitere Kundgebungen gegen deutsche Schiffe;
Protest an den Polizeipräsidenten Valentine gegen die von der New-Uorker Polizei bei dem „Bremen"-Zwischen- sall gegen die kommunistischen Demonstranten an- Wandte „Nazi-Taktik" und Forderung nach sofortiger Freilassung aller verhafteten kommunistischen Demonstranten sowie
Bestrafung der Polizcibeamten, die sich bei der Wiederherstellung der Ruhe im Hafen besonders hervorgetan haben.
Im New-Yorker Stadtteil Brooklyn fand außerdem noch eine jüdische P r o t e st v e r s a m m l u n g gegen die in Deutschland gegen das Judentum getroffenen Maßnahmen statt. Die Versammlung sandte eine Entschließung an das amerikanische Olympische Komitee, in der die sofortige Zurückziehung der amerikanischen Meldungen für die Olympischen Spiele in Berlin ge- kordert wird
Alterbundsrat berät Abessinienkonflikt.
tatyntyinp Edens und Lamls in Paris.
Gelingt es, Italien zur Mäßigung zu veranlassen?
Bor dem Forum des V ö l k e r b u n d s r a t s in fast nun der Streit zwischen Italien und Abessinien grollt werden, aber es fragt sich, ob es den Be Wagen Englands und Frankreichs gelingen wird, âlien zur Mäßigung zu veranlassen. Auf die t e l e - Ionische Bitte der französischen Regie- ist per englische Minister für Völkerbunds- "»gelegenheiten, Eden, statt mit dem Zuge im F l u g - TM nach Paris geflogen, um nach Be- ^echungen mit dem französischen Ministerpräsidenten and Außenminister Laval gemeinsam in der Nacht von Eis nach der Völkerbundsstadt zu fahren.
I 4-er französische Ministerpräsident Laval hat vorher "' französischen Ministerrat Bericht über die diplo- Mychen Besprechungen im Abessinienkonflikt gegeben. ^ französische Presse meint, daß man trotz aen guten Willens die Lage als höchst verworren, ver- J k und heikel bezeichnen müsse. Laval wolle anschei- dem VRkerbnndsrat Vorschlägen, Italien und Eilinien aufzufordern, ihre Verhandlungen lediglich zur »p^lung des Zwischenfalls von llal-Ual wiederaufzu- h und nur im Falle des Scheiterns die Prüfung lieh Gesarsttfrage nach dem 25. August in Aussicht zu nnen. Man werde also im Grunde genommen
wieder einmal versuchen, Zeit zu gewinnen.
°ch dürfe man sich nicht allzu große Illusionen machen.
.^ Blatt „E ch o de Paris" schreibt, in Genf wie" ^er französische Außenminister zur Mäßigung bio e« 9 l i f d) e n Kreisen nimmt man an, daß ?e Aussicht für eine friedliche Beilegung des l i ». iu I t a l i e n s w i r t s ch a f t l i ch e n S ch w i e- gesehen werde. Frankreich fühle sich selbst !m ^nbe, Italien finanzielle Unterstützung zu geben, ^iinb • Genfer Kulissengesprächen werde gerade dieser
^ vielleicht entscheidende Rolle spielen. Der obtinmr^ der englischen Presse ist jedoch nicht so Meint Die Londoner Zeitung „Daily Herald" be, béi Völkerbundsratssitzung gleiche einem Tribunal,
Schiedsrichter Völkerbund zugleich der Angeklagte
Auch Vernon Barthlet kommt im my Ghronicle" zu der Ansicht, daß die Verhandlungen n^rn völligen Fiasko enden könnten.
Der deutsche Geschäftsträger in Washington hat übrigens nach dem Eintreffen der ersten Nachrichten über die Kundgebungen in New Vork beim Staatsdepartement nachdrücklich Verwahrung gegen die Verletzung des deutschen Hoheitszeichens eingelegt. Nach dem Eintreffen eines Berichts aus New York hat der deutsche Geschäftsträger den Protest schriftlich wiederholt und eine Bestrafung der Schuldigen verlangt.
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Washington, 31. Juli.
Anterstaatssekretâr Philipps teilte in der Pressekonferenz am Mittwoch mit, daß der deutsche Geschäftsträger, Botschaftsrat Leitner, wegen des Flaggenzwischenfalts auf dem Dampfer „Bremen" schriftlich und formell p r o t e st i e r t habe. Die amtliche Stellungnahme wurde verschoben, bis die Note übersetzt und der Sachverhalt überprüft ist.
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Falschmeldungen über herrische
Bühnen- und Filmkünstler.
Kein Spielverbot gegen Jannings, Gebühr und Angela Salokkcr.
Über Emil Jannings, Otto Gebühr, Angela Salokker und andere deutsche Bühnen- und Filmkünstler und Künstlerinnen werden im Ausland wieder unsinnige Gerüchte verbreitet. Es wird behauptet, daß sie nichtarischer Abstammung seien und deshalb ein Spielverbot gegen sie ergangen sei. Diese Behauptungen sind frei erfunden. Es ist nur eine Schädigung der betreffenden Künstler beabsichtigt. Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß die Verbreitung solcher unwahren Gerüchte strafbar ist.
In unterrichteten Kreisen Roms sei man, wie die e n g l i s ch e Presse aus Rom meldet, optimistisch in der Erwartung, daß die vertraulichen Besprechungen zwischen dem Vertreter Italiens, Aloisi, einerseits und den englisch-französischen Vertretern andererseits einer friedlichen Sitzung innerhalb der Grenzen, die durch die Fortsetzung der Maitagung gezogen seien, den Weg bereiten würde. Inzwischen werde Frankreich durch die finanziellen und wirtschaftlichen Folgen des italienischen Abenteuers immer stärker beunruhigt und schließe sich mehr und mehr der englischen Auffassung auf dem Völkerbundsboden an.
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Die französische Presse über die Unterredung Lavals mit Eden. — Die Haltung in Genf.
Paris, 31. Juli. Uebereinstimmend urteilt die Morgen- presse, daß der Meinungsaustausch, den Laval und Eden am Dienstag in Paris hatten, noch keine Einigung über die in Genf einzuschlagende Taktik gebracht habe, daß aber rein stimmungsmäßig, die Atmosphäre besser geworden sei und die Aussichten für eine Lösung nicht mehr allzupessimistisch beurteilt zu werden brauchten.
Der Petit Parisien schreibt, daß die völlige Angleichung der französischen und der englischen Ansichten noch nickt erzielt, aber im Gange sei. Das Einvernehmen könne übrigens erst in Genf zustande kommen, wo Eden wahrscheinlich des öfteren mit seiner Regierung mündliche Rücksprachen nehmen werde. Nichtsdestoweniger spreche alles dafür, daß die Bemühungen Lavals und Edens in Genf eine Entspannung herbeiführen würden. Das Oeuvre will den Eindruck gewonnen haben, daß England seine Haltung nicht merklich geändert habe. England bleibe dabei, daß man das Gesamtproblem anpacken müsse. Wenn Eden die Anweisung erhalten habe, die Fühlung mit der französischen Abordnung nicht zu verlieren, noch aus der Reihe zu tanzen und sich einer Vertagungsformel anzuschließen, so unter der Bedingung, daß eine solche Formel' nicht ein verschleiertes Eingeständnis der Ohnmacht des Völkerbundes sei.
Echo de Paris schreibt, die lakonische Erklärung Lavals über seine Aussprache mit Eden zeige, daß die Fühlung-,
Die ZührerlMfbllhs im Arbeitsdienst.
Das Reichsarbeitsdienstgesetz vom 26. Juni 1935 wird am I. Oktober 19 35 durch die zu diesem Zeitpunkt erfolgende erstmalige Pflichterfassung der Arbeits- dienstpflichtigen des Jahrganges 1915 praktisch in Kraft treten. Daher bilden die planmäßigen Führer und Amtswalter des Reichsarbeitsdienstes eine Gruppe von Staatsdienern für sich.
Der Platz, den ein Führer im Reichsarbeitsdienst erreicht, ivirb allein durch seine Fähigkeit bestimmt, die mit seinem Aufstieg ständig wachsenden Ausgaben zu meistern. Der Führerersatz vollzieht sich seit geraumer Zeit ausschließlich von unten aus eigenen Reihen. Ausnahmen hiervon können während der Übergangszeit für das int Verwaltungsund Planungsdienst verwendete Personal erfolgen.
Vorbedingungen für die Annahme als Führcranwärter sind:
1. Vollendetes 17. Lebensjahr (Einwilligung der Eltern oder des Vormundes).
2. Arische Abstammung.
3. Unbescholtenheitszeugnis (polizeiliches Führungszeugnis und Strafregisterauszug).
4 Verpflichtung zu mindestens zweijähriger Dienstzeit im Arbeitsdienst (Probedienstzeit).
Die Ergreifung der Führerlausbahn im Arbeitsdienst erfordert keinerlei finanzielle Zuschüsse seitens der Eltern usw. Auch der ärmste Volksgenosse kann, sofern er den obigen Bedingungen entspricht, Führer im Arbeitsdienst werden. Sein Aufstieg wird ausschließlich abhängen von seinem Persönlichkeitswert und seinen Leistungen.
Die Meldung als Führeranwärter kann jederzeit bei der für den Wohnbezirk des Betreffenden zuständigen Arbeitsgauleitung erfolgen. Der Führeranwärter hat zunächst sechs Monate als Arbeitsmann in einer Abteilung Außendienst zu leisten. Nach erfolgreichem
Besuch einer Truppführerschule
und einwandfreier Ableistung der aktiven Dienstzeit in der Wehrmacht sowie nach Verpflichtung zum mindestens zehniährigen ununterbrochenen Dienst (einschließlich der Probedienstzeit) im Reichsarbeitsdienst kann die Ernennung zum planmäßigen Truppführer erfolgen.
Nach Erreichung des Dienstgrades eines planmäßigen Truppführers treten Unterschiede in der weiteren Laufbahn ein. Es werden sowohl bei den Führern wie bei den Amtswaltern
untere (eitifache mittlere), mittlere (gehobene mittlere) und höhere Laufbahn unterschieden.
Die Laufbahn des unteren Dienstes endet in der Regel mit der Erreichung des Dienstgrades als Obertruppführer (Reichsarbeitsdienstassistent), bei besonderer Bewährung als Unterfeldmeister. Der mittlere Dienst hat als letzte Stufe den Oberstfeldmeister (Reichsarbeitsdienstamtmann), während der höhere Dienst vom Arbeitsführer (Reichsarbeitsdienstrat) aufwärts rechnet.
Führeranwärter, die das Reifezeugnis einer höheren Schule besitzen, können damit rechnen, nach 1V-—2jähriger Dienstzeit im Arbeitsdienst und einwandfreier Ableistung ihrer aktiven Militärdienstpflicht zum Feld- meister befördert zu werden.
Planmäßige T r u p p s ü h r e r, die nicht im Besitze des Reifezeugnisses einer höheren Schule sind, sich aber nach geistiger Begabung und sonstigem Persönluchkeitswert für den Aufstieg in den mittleren Dienst eignen, können von der Reichsleitung des Arbeitsdienstes zu einer besonderen Prüfung zugelassen und nach Erfolg zu einem Lehrgang auf der Feldmeisterschule einberufen werden, wodurch ihnen der Zutritt zur mittleren und höheren Laufbahn eröffnet ist.
Die Beförderung der Führer erfolgt nach der Dienst altersliste
und nach der Beurteilung durch die Dienstvorgesetzlen und die Leiter der Schulen, deren Besuch für die Führer im Außendienst vor der Ernennung zum Äbleilungsführer und zum Gruppenführer vorgeschrieben ist. Für die im Verwaltungs- und Planungsdienst verwendeten Führer und Amtswalter sind bestimmte Lehrgänge und Prüfungen vorgeschrieben. Das Reichsarbeitsdienstgesetz unterscheidet zwischen den planmäßigen Führern, die für den Außen- und Innendienst verwendbar sein müssen, und den Amtswaltern, die ausschließlich für den Bürodienst bestimmt sind.
nähme keine Entscheidung gebracht habe. Es habe auch nicht anders sein können. Französischerseits sei man dafür, Zeit zugewinnen. Man glaube, daß der Völkerbundsrat sich darauf beschränken sollte, die ital.-abess. Ausgleichskommission wieder in Gang zu setzen, und die grundsätzliche Frage erst nach dem 25. August in Angriff zu nehmen, wenn die Kommission keinen Erfolg haben sollte. In London sei man nicht gegen dieses Verfahren, doch wolle man zugeben, daß die so gewonnene Zeit auch für eine aufrichtige Bemühung um ein Kompromiß über die Kernfrage verwandt werde. Deshalb müsse man Garantien von Italien verlangen, das vielleicht nicht dazu geneigt sei. Wenn die englische Abordnung diese Persicherung nicht erhalte, werde sie auf der grundsätzlichen Aussprache schon in der jetzigen Ratstagung bestehen. Ihre endgültige Haltung werde also davon abhüngen, welche Einstellung sie in Genf vorfinde.
Bayreuth. Am 31. Juli, dem Todestag des großen Komponisten Franz v. Liszt, des Schwiegervaters von Richard Wagner, legte ein Vertreter der Stadt Bayreuth zum ehrenden Angedenken an den großen Künstler, der sich so tatkräftig auch für das Musikschaffen Richard Wagners eingesetzt hat, in der ihm gewidmeten Grabkapelle auf dem Bayreuther Friedhof einen Kranz nieder.