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Zulöaer Anzeiger
|ä:‘ä^ f Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg OsÖ^Äs Zulöa- unö haunetal.Zulöaer Kreisblatt bawH Hauptschriftleiter Friedrich Ehren-
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Nr. 165 — 12. Jahrgang
Fulda, Donnerstag, 18. Juli 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
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Frankreich vor schwersten innerpolitischen Kämpfen
Das Sparprogramm veröffentlicht. — Schärster Widerstand der Parteien.
Die diktatorischen Sparmaßnahmen der französischen Regierung, die in 28 Notverordnungen zusammengefaßt worden sind, sind vom Ministerrat verabschiedet worden.
Die Einsparungen sollen 10 959 Millionen Franken betragen. Diese verteilen sich wie folgt: 7063 Millionen Einsparungen im Staatshaushalt, 195 Millionen bei der Amortisationskasse, 1385 Millionen im Haushalt der Gemeindeverbände und 2316 Millionen bei den Eisenbahnen. Die Sparverordnungen sehen vor allem eine Kürzung sämtlicher Ausgaben des Staates, der Gemeindeverbände, der Kolonien, der konzessionierten Gesellschaften und der öffentlichen Dienste um 10 v. H. vor. Die Kürzung bezieht sich jedoch nicht auf die Arbeitslosenunterstützung und auf die Wohlfahrtsausgaben.
Die Beamten und A n g e st e l l t e n gell ä l t e r unter 8000 Franken werden um 3 v. H. gekürzt, von 8000 bis 10 000 Franken um 5 v. H. und die Gehälter über 10 000 Franken um 10 v. H. Um die Ge- samtheit der Bürger an den Opfern zum Wohle des Staates zu beteiligen, sind mehrere Verordnungen dazu bestimmt, die allgemeine Einkommensteuer für Einkommen über.80 000 Franken um 50 v. H. zu erhöhen sowie die Steuern für mobile Werte von 17 auf 24 v. H. Weiter ist eine Kürzung der Gewinne der Kriegslieferanten um 25 v. H. vorgesehen.
Eine Reihe weiterer Verordnungen ist dazu bestimmt, die auferlegten Opfer durch eine allgemeine Senkung der Lebenshaltungskosten und durch verschiedene wirtschaftliche Maßnahmen auszugleichen. So ist z. B. eine allgemeine Senkung der Tarife für Elektrizität und Gas um 5 v. H. vorgesehen. /
Eine Erklärung Lavals.
Ministerpräsident Laval fügte der Bekanntgabe der Notverordnungen einige Erläuterungen bei. Er erklärte, daß er sich der ihm verliehenen Vollmachten bedient habe, um in wirkungsvoller Form die Herstellung des Budgetgleichgewichts zu sichern. Die Gesamtheit der durch ö« jetzt erlassenen Notverordnungen ergriffenen Maßnahmen werde dazu bienen,
eine Währungsabwertung zu verhüten, die verhängnisvoll sein würde. Die Regierung benenne nicht das gewaltige Opfer, das sie von der Gesamtheit des französischen Volkes fordert, aber sie sei von der Wirksamkeit der von ihr verordneten Maßnabmen überzeugt. Das Gesamtwerk der Notverordnungen werde das Erbe und die Freiheit der Ration sichern.
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die Rückwirkung dieser Maßnahmen, die einen so einschneidenden Charakter tragen, wie man sie in Frankreich seit den Zeiten der Frankenstabilisierung 1926 nicht erlebt hat, läßt sich nur sagen, daß erheb- l i ch e W i d e r st a n d s v e r s u ch e aus verschiedenen Richtungen einsetzen werden. Schon jetzt nimmt der oberste Gewerk sch a ftsvorsta n d scharf gegen die Notverordnungen Stellung und spricht sich gegen eine Deflationspolitik ans, die nur eine Verschärfung der Krise und eine Vermehrung der Arbeitslosigkeit zur Folge haben könne.
Die Kommunisten und die Sozialisten halten die Stunde für gekommen, die Massen gegen die Regierung mobil zu machen.
„Die Negierung Laval ist gegen die Nation", schreibt der sozialistische „P o p u l a i r e", und verurteilt aufs schärfste die Deflationsmaßnahmen der Regierung. Er glaubt außerdem fefffteslen zu können, daß das Kapital nicht genügend zu den Opfern herangezogen werde. Die kommunistische „H n m a n i t é" ruft: „Nieder mit den Elendsverordnungen! Die Reichen werden vielleicht auf ein Vergnügen mehr verzichten müssen, die Armen aber auf ein Stück Brot."
Der V e r b a n d d e r F r o n t k ä m p f e r hat sich mit per Haltung gegenüber den Gesetzesverordnungen beschäftigt. Die Frontkämpfer haben den Ministerpräsidenten rn den letzten Tagen wissen lassen, daß sie selbst zu gewissen Opfern bereit seien, daß sie aber keine Abstriche an den Bezügen der Kriegsopfer dulden würden.
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Lavals Sparmaßnahmen Straßenlundgebunaen verboten.
Paris, 18. Juli.
Ministerpräsident und Außenminister Laval verlas am Mittwochabend im Rundfunk eine kurze Erklärung. Er wies darauf hin, daß die Regierung schwerwiegende Entschlüsse gefaßt habe, weil sie unvermeidlich für das Wohl des Landes gewesen seien. Unter Bezugnahme auf den Fehlbetrag im Staatshaushalt, im Haushalt der Eisenbahnen und auf die Finanzlage der Gemeinden, die vielfach noch schlechter sei als die des Staates, sowie auf das Steiaen der öffentlichen Schuld innerhalb
von fünf Jahren von 260 auf 340 Milliarden Franken als Auswirkung der bisher betriebenen ständigen Anleihe- politik erklärte der Ministerpräsident: Wenn sich die Regierung ihrer Pflicht entzogen hätte, hätte sie Frankreich dem Zusammenbruch entgegengeführt. Wir verlangen von allen Franzosen (mit Ausnahme der Unterstützung beziehenden Minderbemittelten, der Arbeitslosen und Alterspensionsempfänger) schwere Opfer. Durch diese Opfer wird aber der Haushaltsausgleich verwirklicht. Die Zahl und die Wichtigkeit der Verordnungen beweise, daß die Regierung entschlossen sei, die völlige wirtschaftliche Gesundung durchzuführen. Ruhige und kaltblütige Haltung der Bevölkerung würde ihr die weitere Erledigung der gestellten Aufgaben erleichtern. Die Festigkeit der französischen Währung, die Sicherheit der Finanzen Frankreichs und die Aufrechterhaltung der Ordnung im Innern würden ihm, Laval, das Ansehen verleihen, das er brauche, um im Namen Frankreichs bei den internationalen Verhandlungen sprechen zu können. Künitiobin werde er Hand lungssreiheit haben.
Die Regierung hat im Ministerrat beschlossen, nach dem Nationalfeiertag jede Kundgebung auf der Straße zu verbieten, um in Ruhe die Aktion zur Verteidigung des Franken und zur Wiedergesundung der Wirtschaft weiter zu verfolgen.
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Die französische Presse unter dem Eindruck der Sparverordnungen.
Paris, 18. Juli. (Funkmeldung.) 24 Stunden nach der Veröffentlichung der 28 Einsparungsgesetze ist die Presse in
9er Ahm on der Gruft Heinrichs les Löwen.
Ministerpräsident Klagges gab einen Überblick über die Grabstätte des Niedersachsenherzogs
Ganz überraschend traf der Führer und Reichskanzler in Begleitung von Reichsminister K e r r l, Reichslciter Bormann, Reichspressechef Dr. Diel r i ch , Obergruppenführer Brückn er und des bayerischen Staatsministers Wagner in Braunschweig ein. Als die Anwesenheit des Führers in Braunschweig bekannt wurde, legte die ganze Stadt Flaggenschmuck an Polizei, SA. und SS. Hatten große Mühe, die begeisterten Braunschweiger Volksgenossen an den Absperrungen zurückzuhalten. Besonders vor dem Börsenhotel, wo der Führer Wohnung genommen hatte, erschollen immer wieder die Rufe der begeisterten Braunschweiger: „Wir wollen den Führer sehen". Als der Führer und Reichskanzler das Hotel verließ, brausten immerwährende Heilrufe auf, die ihn auf der Fahrt zum Burgplatz ständig begleiteten.
Auf dem Burgplatz schritt der Führer mit seiner Begleitung die Front der E h r e n a b o r d n u n g d e r S S.- Führerschule Braunschweig ab und begab sich dann in den Dom, wo im Mittelschiff
die Gruft des großen Niedersachsenherzogs Heinrichs des Löwen frcigelegt
worden ist. In tiefer Ergriffenheit weilte der Führer einige Minuten an der Gruft.
Ministerpräsident Klagges- Braunschweig gab nach Worten des Willkommens einen Überblick über die Freilegungsarbeiten und ihre Gründe. Der Sachsen- und Bavernherzog Heinrich der Löwe wird immer mehr, so führte er u. a. aus, als ein Vorläufer einer wahren deutschen Nationalpolitik anerkannt. Sein Grab im Dom zu Braunschweig beginnt ein Wallfahrtsort für ganz ■ Deutschland zu werden. Daher war es unwürdig und unerträglich, daß über den Zustand der Grufi unter dem Grabmal keine genaue Auskunft gegeben werden konnte. Unter Leitung maßgebender Sachverständiger seien dann die Ausgrabungen vorgenommen worden. Sie hätten gezeigt, in welch pietätloser Weise mit der Gruft in den vergangenen Jahrhunderten verfahren worden sei.
Der aufgefundene guterhaltene Steinsarg konnte einwandfrei als der des großen Nicdersachsenherzogs identifiziert werden.
Sein Inhalt war unberührt. Von den Überresten der Gebeine seiner Gemahlin, der Herzogin Mathilde, konnte nur ein Ledermantel und einige Asche gefunden werden. Ein dritter kleiner Sarg enthielt die Gebeine des ältesten Kindes Heinrichs des Löwen.
Der Führer erteilte auf die Bitte des Ministerpräsidenten Klagges hin der braunschweigischen Staats- regierung den Auftrag, die Grabstätte Heinrichs d5s Löwen wiederherzurichten.
Der Führer gab persönliche Anweisungen für die Ausgestaltung der Grabstätte
der Beurteilung zurückhaltender als am ersten Tage, wo man noch den Mut der Regierung bewunderte. Daß diese Notwendigkeit fortbesteht, wird nicht geleugnet, aber eine nähere Betrachtung der Verordnungen hat doch gezeigt, daß die vom französischen Volk verlangten Opfer härter sind als erwartet wurde. Vor allem ist man besorgt, ob den Kürzungen der Gehälter ein Ausgleich gegenübersteht.
Die kommunistische Presse ist sich einig in der Verurteilung der Regierung. Obwohl die Regierung jede öffentliche Kundgebung verboten hat, heben die Blatte: der äußersten Linke in dicken Ueberschriften den Beschluß der Beamtenverbände und der Eisenbahner hervor, am Freitagabend öffentlich auf dem Opernplatz zu demonstrieren. Es scheint, als ob sich ein außerordentlicher starker Widerstand gegen die Regierung bilde. Unmittelbare politische Folgen dürften kaum zu erwarten sein.
In parlamentarischen Kreisen ist die Stimmung gedrückt. Man glaubt jedoch nicht, daß die Fiaanzkommission noch vor Mitte September Zusammentritt, um die Maßnahmen der Regierung einer kritischen Nachprüfung zu unterziehen. Selbst das rechtsstehende „Echo de Paris" gibt zu, daß die geforderten Opfer von außerordentlicher Härte sind, doch würden sie fast keinem Franzosen erspart. Die Verordnungen ständen unter dem Zeichen der Gleichheit und der Notwendigkeit. Würden die Maßnahmen scheitern, was allerdings unwahrscheinlich sei, so stände Frankreich morgen vor dem Bankrott, vor der Inflation und vor einer politischen Krise, in der die soziale Ordnung zusammenbrechen würde. Das „Journal" meint, die Verordnungen bedeuteten den kühnsten Versuch, der je zu einer wirtschaftlichen Sanierung gemacht worden sei. Der offiziöse „Petit Parisien" erklärt, Laval führe seine Operation mit unvergleichlicher Methode, Hartnäckigkeit und Sicherheit durch. Der 16. Juli sei ein entscheidender Tag für die Verteidigung der französischen Währung und für die wirtschaftliche Wied-erbel-rbung des Landes.
und stellte gleichzeitig die erforderlichen Mittel in Aussicht.
Anschließend besichtigte der Führer zusammen mit den Mitgliedern der braunschweigischen Staatsregierung und seiner Begleitung den alten Dom und die Burg D a n k w â r d e r o d e, wo Heinrich der Löwe gelebt und gewirkt hat.
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In dem altehrwürdigen Dom St. Blasii zu Braunschweig, den der Welfenherzog Heinrich der Löwe im Jahre 1173 als seine Grabkirche selbst zu bauen angefangen hatte, liegt er an der Seite seiner Gemahlin Mathilde begraben. In der Grnft wurde 1250 dem toten Herzogspaar das bekannte Grabmal aus feinstem Schaummuscheltalkstein errichtet, das eines der reichsten Werke der niedersächsischen Bildhauerkunst ist und im Mittelpunkt des Domes steht. Eine große Über- s ch w e m m u n g der einst den Dom umfließenden Oker hat im Jahre 1606 große Verheerungen in der Gruft der Welfenherzöge, deren Särge im Laufe der Jahrhunderte in langen Reihen in der Gruft aufgebahrt worden sind, angerichtet. 1707 ließ Herzog Anton Ulrich die Spuren der Überschwemmung wegräumen und die Gebeine in einem großen Eichensarg vereinen; er wurde in einem Steinkatafalk vor dem Hochaltar beigesetzt.
In der Gruft Heinrichs des Löwen fand man damals drei Särge. Als man 1814 die Gruft abermals öffnete, war aber nur einer dieser drei Särge vorhanden. Seit jener Zeit ruht ein Dunkel über dem Verbleib der Särge des Herzogs und seiner Gemahlin. Die Gruft war vermauert, und unter dem Hochaltar waren nur die Särge der letzten Welfenherzöge ausgestellt.
Auf Veranlassung des braunschweigischen Staatsministeriums sind in den letzten Wochen eingehende wissenschaftliche Forschungen und Grabungen angestelli worden, und die Gruft des alten Niedersachsenherzogs wurde wieder geöffnet.
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Der Führer auf dem Kyffhäuser
Halle, 18. Juli.
Von Braunschweig kommend, besuchte der Führer am Mittwochnachmittag den Kyffhäuser. Auf seiner Fahrt durch den Harz wurde er überall, wo er von der Bevölkerung erkannt wurde, begeistert begrüßt.
Abbau der Danziger Devisenvorschriften. Mit Rücksicht auf die günstige Entwickelung der Währungslage in Dantzig hat sich die Möglichkeit ergeben, wesentliche Teile der von vornherein nur für eine Ueberganoszeit erlassenen Devisenvorschriften aufzuheben.