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Nr. 152 12. Jahrgang

Fuldaer Anzeiger

Mittwoch, 3. Juli 1935

Stadt und Land

W etter a ussichfen für morgen;

Wetterbericht des Reichswetterdienstes, Ausgabeort Frankfurt am Main.

Meist aufgeheitcrt und neue Wärmezunah mc.

Jungarbeiters Dienst:

Eine Woche Hammerschlag

Schwere Arbeit ohne Murren.

Ssmmerabend.

In goldenem Schein verglüht der Sommertag. Klar und Heil wie Kristall rundet sich der hohe Himmelsdom über den Dächern. Das Auge blickt jetzt in weite, weite Fernen, die nicht mehr das Flimmern der Hitze ver­schleiern. Alle Linien der Giebel, der Türme, der Bäume und Berge sind scharf und deutlich geworden, in den nach Westen gerichteten Fenstern aber brennt der Widerschein der Sonne wie flüssiges Metall und immer noch tönt aus den kühleren Lüften der Schwalben munterer Ruf.

Es ist, als atme die Erde freier und leichter am Abend, wenn sie erlöst ist von des Tages unerhört heißer, brütender Last. Der Baum rauscht im leisen Windhauch ein frohes Abendlied. Auch wir Menschen fühlen, daß ein Bann von uns weicht. Im Sommerabend werden wir lebendig und munter und dehnen unsere Spaziergänge bis zur niedersinkenden Nacht, unsere angeregten Gedanken aber bis zur Ewigkeit aus, die im Sternenmantel über uns leuchtet und flimmert, heute wie in allen je ver­gangenen Zeiten . . .

Es sind keine belanglosen Träumereien, keine un­erfüllten Wünsche im Sommerabend. Es ist nur das Glück darin enthalten, das jede Kreatur empfindet, wenn eine Schönheit vollkommen wird, es ist nur Beschaulichkeit und zufriedenes Sein, das uns unwillkürlich froh macht.

Ein Volkslied, wenn der Sommertag sich neigt, ge- sungen unter der Dorflinde, halb schwermütig und halb lustig: so geht der Tag zur Ruhe und hinterläßt nur die eine gute Meinung, daß es schön wäre, wenn alle, alle Tage unseres Lebens so harmonisch verklängen . . .

Bekämpfung von Wald- und Heidebränden.

In einem Erlaß des Reichs- und preußischen Ministers des Innern wird erneut darum ersucht, alles zu vermeiden, was zu Wald- und Heidebränden führen könnte. Es enipfiehlt sich, gemeinsam mit den örtlichen Feuerwehren einen Streifendienst einzurichten, durch den der Ausflügler- und Wand erder- k e h r in Wald- und Heidegebieten überwacht wird. Zuwiderhandlungen gegen die Schutzvorschristen sind mit st reng st enStrafenzu ahnden.

Neues Kirchenvorstandsmitglied.

An Stelle des Ende April verstorbenen Kirchenvor- standsmitgliedes der evangelischen Gemeinde A. Scholz ist der Tischler W. Clobus, Eeorgstraße, gewählt worden. Seine Einführung erfolgt im Hauptgottesdienst am nächsten Sonntag.

Ueberwachung des Ausflugs- und Wanderverkehrs.

Der Reichs- und preußische Innenminister hat alle Poli­zeibehörden angewiesen, mit allen geeigneten Mitteln dar­auf hinzuwirken, daß Wald- und Heidebrände vermieden werden. Der Minister empfiehlt, im Benehmen mit den örtlichen Feuerwehren einen Streifendienst einzurichten, durch den Ausflügler- und Wanderverkehr in Wald- und Heidegebieten überwacht wird. Zuwiderhandlungen gegen die Schutzvorschriften sollen mit strengsten Strafen geahn­det werden.

Die Heidelbeeren sind da!

Auf dem heutigen Wochenmarkte wurden die von jung und alt so beliebten Heidelbeeren erstmalig in großen Men­gen zum Kauf angeboten. Die so nahrhaften Beeren sind in diesem Jahre sehr gut geraten. Leider ist der Preis augenblicklich noch etwas zu hoch.

Reisebericht von einer

Fahrt in den Spessart des Rhön- klubs, Fulda.

Spessart, edler Forst, du bist

Der Wälder Preis zu jeder Frist.

Wie weit umher in Land und Gauen

Auch forschend rings die Augen schauen,

Mit deinen Buchen, deinen Eichen

Läßt sich kein andrer Wald vergleichen.

Spessart ! Das Wort weckt in vielen Menschen die Vorstellung hoher Berge, tiefer Kluften, alles mit einem undurchdringlichen Urwald überzogen, in dem Räuber und schlechtes Volk Hausen, denen man ja aus dem Wege gehen muß. Und wie anders sieht es doch in Wirklichkeit aus. Gibt es denn lieblichere Täler von solchem Ausmaße, herr­lichere Hochwälder, die sich jederzeit getrost mit denen in Thüringen und im Harz messen können. Wo findet man noch solche Buchen, und vor allem Eichen, wie im Spessart? Wildreich und geheimnisvoll.

Das immer wahre Volkslied besingt auch dieses Land: Wir woll'n zur schönen Sommerszeit

Ins Land der Franken fahren ....

und mit diesem Liede auf den Lippen begab sich am Peter und Paulstag die motorisierte Wanderabteilung des Rhön­klub, Zweigvereins Fulda, mit zwei Privatwagen und dem allbekannten rotenRhönadler" voll besetzt auf die zwei­tägige Fahrt.

Jin Fluge gings durchs Tal der Bliebe und Kinzig nach

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Mittwoch, 3. Juli: Union-Theater: Ich heirate meine Frau. Europa-Lichtspiele: Leise flehen meine Lieder. Neues-Theater: Die Welt ohne Maske.

Donnerstag, 4. Juli:

Union-Theater: Ich heirate meine Frau. Europa-Lichtspiele: Leise flehen meine Lieder. Neues-Theater: Licht im Dunkeln.

Nein, nicht nur eine Woche hindurch ein ganzes Jahr ist es Tag für Tag das gleiche: frühmorgens raus, waschen, Anziehen, hastiges Frühstück. Und dann sind sie bis zum Abend eingespannt in ihre Arbeit. Hier ist es das Hammer­dröhnen der Fabrik, beim anderen das Rädersurren der Schreinerei, der dritte steht hinterm Kaufmannstisch. Sie sind sechzehn oder siebzehn Jahre alt. Bor zwei, drei Jah­ren, als sie aus der Schule kamen, hörte für sie die Kindheit auf sie waren Jungarbeiter geworden. Jetzt kennen sie nur noch die tägliche schwere Arbeit. Am Abend, wenn sie nach Hause kommen, ist für keinen von ihnen der Tag zu En­de. Jetzt beginnt für den einen der HI. Dienst, der andere geht in die zusätzliche Berufsschulung. Der Reichsberufswett­kampf hat ihnen gezeigt, wie schwer ihre Aufgabe ist, hat ihnen aber auch klargemacht, wie stolz es ist, so große Ver­antwortung zu tragen.

Sie haben nicht viel Freizeit gehabt im letzten Jahr. Die Arbeit ist schwer. Aber keiner murrt. Selten gesteht es sich einer von selbst ein, daß er einmal gründlich ausspannen müßte. Sie sind ja alle noch rechte Jungen. Ihre Kame­raden, mit denen sie auf der Volksschule zusammensaßen und die jetzt in der HI. neben ihnen marschieren, gehen auf die höhere Schule und haben im Jahr bald 10 Wochen Ferien, sitzen auch in hellen Räumen und haben täglich nach ihrer Arbeit noch genügend Freizeit, um die staubige Bücher­luft draußen gründlich wegznbaden. Sie selbst stehen da­

Sonntagsrückfahrkarten zum Neichskriegertag.

Zum 5. Deutschen Reichskriegertag werden auf allen Bahnhöfen im Umkreis von 250 Tarifkilometern gegen Vor­zeigung des Festabzeichens SonntagsrUckfahrkârten nach Kassel mit folgender Geltungsdauer ausgegeben: Hinfahrt vom Freitag, dem 5. Juli, 0 Uhr, bis Sonntag, dem 7. Juli, 24 Uhr; Rückfahrt vom Sonnabend, dem 6. Juli, 12 Uhr, bis Dienstag, dem 9. Juli, 24 Uhr (Ende der Rückfahrt).

Die früher von der Reichsbahndirektion bekanntgegebene Geltungsdauer (6, Juli 0 Uhr bis 10. Juli 24 Uhr) ist un­richtig und auf eine Verwechselung zurllckzuführen.

Die Polizei teilt mit:

Gestern gegen 19 Uhr, ereignete sich in der Hindenburg- straße vor dem Hause Nr. 7 ein Verkehrsunfall. Eine aus­wärtige Radfahrerin befuhr die Hindenburgstraße in Rich­

B a d O r b, wo der erste Aufenthalt durch eine Besichtigung der lieblichen Kuranlagen und einige tiefe Züge salzhalti­ger Luft im Gradierwerk ausgefüllt wurde. Dann brachte die Weiterfahrt die Touristen über Villbach, Wiesen, Jakobstal durch herrliche kühle Buchen- und Nadelholz­wälder nach dem Luftkurort Heigenbrücken, wo nach einer Besichtigung ein reichliches Mittagsmahl der Wan­derer wartete. Neu gestärkt gings über Höhen und durch tiefe Täler nach der Perle des Spessarts M e s p e l b r u n n zum wundervoll gelegenen Wasserschloß mit seinen reichen Sammlungen alter Kultur. Dann fotzt die Fahrt über Neu­dorf, Echterspfahl und Rohrbrunn zur 1000jährigen Eiche, die 7 Mann gerade umspannen konnten, inmitten eines Vuchenbestandes von Kirchturmhöhe. Wie in einem Dome mit hochaufragenden schlanken Säulen wandert man durch diesen Park.

Auf der hohen Warte, der höchsten Erhebung des Spes­sarts finden wir einen Heldenhain für die gefallenen Wan­derbrüder, der in seiner schlichten Schönheit der Anlage und dem herrlichen Rundblick alle Herzen tief ergriff. Eine Minute stillen Gedenkens weihten wir hier unseren gefal­lenen Helden. Weiter gehts über Geyersberg, Schollbrunn, durch das stille Haßlöchtal nach Wertheim, wo die Tauber in den Main mündet, und hier wird die erste Tagesfahrt beendet. Aber trotz des vielen Geschauten ist noch niemand ermüdet und daher wird noch die Burg derer von Löwenstein erstiegen und oben in luftiger Höhe, hoch über dem kleinen Städtchen mit seinen alten Giebelhäuser^ und Fachwerkbauten und den kleinen altertümlichen Lüd- chen mit einem fröhlichen Kameradschaftsabend bei Gesang und Scherz unter Mitwirkung der Hauskapelle in lauer Sommerluft ein froher, sonnendurchglühter Tag beschlossen.

Auch der zweite Tag sah früh um 6 Uhr schon wieder Einzelne hoch oben auf der Burg mit ihren wundervollen Ausblicken oder in den Bädern der Tauber oder im Main. 8.30 Uhr gings wieder auf Fahrt, zunächst nach B t o m - b a ch im Taubertal zur Besichtigung des 1151 gegründeten Klosters, das einen lebendigen Einblick in die Bauweisen der einzelnen Jahrhunderte gibt. Von einer eingehenden Besichtigung der dazugehörigen alten Brauerei wurde Ab­stand genommen, da es zu einem Frühschoppen noch zu früh war und ein weiter Weg noch vor uns lag, der uns nun ins Maintal hinllberführte zur Burg Rothenfels, der größ­ten deutschen Jugendherberge. Beim Aufstieg hat der Chronist die Stufen der. endlosen hohen Treppe gezählt, 335 waren es, denen dann noch 65 Stufen folgten, die in den alten Burgteil hinaufführten. Es wurde also nicht nur

gegen vom Morgen bis zum Abend hinterm Ladentisch, in der lärmenden verrußten Fabrikhalle oder im engen Büro und müssen arbeiten. Aber das ist gleich! Jeder muß eben seine Pflicht tun! Nur manchmal denken sie anders. Wenn beim HJ.-Dienst Reihenuntersuchung durch den Bannarzt durchgeführt wird und der Doktor bei den Jungarbeitern immer wieder den Kopf schüttelt und von Ueberanstrengung, Unterernährung und dringender Erholungsbedürftigkeit spricht, dann merken sie, daß es doch etwas ernster ist, als sie anfangs gedacht haben. Und wenn ihnen dann der Arzt am Schluß der Untersuchung etwas von seinen Stati­stiken erzählt und erklärt, daß die Jungarbeiter körperlich fast alle weit hinter den Schülern der gleichen Jahrgänge zurück sind und daß sich eine Ausnutzung der jungen Arbeits­kräfte ohne ausreichende Freizeit sehr schwer rächen wird, dann sehen sie ein, daß es hier nicht um ihr eigenes Ich, sondern um die Gesundheit einer ganzen Generation geht.

Erholung und Freizeit! Ja, alle deutschen Jungarbeiter brauchen sie und alle wollen in diesen Sommermonaten hin­ausziehen und endlich einmal richtig ausspannen, die Frei­zeit genießen, in den Sommerlagern der HJ. Erholung fin­den und Kräfte sammeln. Ist es da nicht für uns alle Pflicht mitzuhelfen, daß sie nun mit ihrer Freizeitforderung über­all offene Ohren und was noch viel wichtiger ist auch verständnisvolle, offene Herzen finden?

tung Kaiserplatz. Hinter ihr fuhr in gleicher Richtung ein auswärtiger Radfahrer. Vor dem Hause Nr. 7 drehte die Radfahrerin um, ohne jedoch die Veränderung ihrer bis­herigen Fahrtrichtung anzuzeigen. Bei dem Umwenden fuhr der nachfolgende Radfahrer gegen die Radfahrerin, wodurch beide zu Fall kamen. Es entstand nur leichter Materialschaden. Die Schuld trägt die Radfahrerin, da sie die beabsichtigte Veränderung ihrer Fahrtrichtung nicht angezeigt hat.

Um die gleiche Zeit ereignete sich ein Zusammenstoß zwi­schen einem auswärtigen Personenkraftwagen und einem hiesigen Radfahrer in der Karlstraße. Der Radfahrer be­fuhr die Karlstraße in Richtung Frankfurter Straße. Hinter ihm fuhr in gleicher Richtung der Personenkraftwagen. Kurz vor der Einmündung der Kanalstraße wurde er von dem nachfolgenden Wagen von hinten angefahren. Es ent­stand nur geringer Materialschaden. Die Schuld an dem Unfall trifft den Führer des Personenkraftwagens, da er die nötige Vorsicht außer acht gelassen hat.

Europa-Lichtspiele:

L eise flehen meine Liede r".

Franz Schubert, erst 3l jährig, im Jahre 1828 gestorben, der unsterbliche deutsche Romantiker, steht im Mittelpunkt der Handlung dieses Filmes. Symbolisch gewissermaßen zeigt der Textverfasser, warum die von allen Sinfonien Schuberts wohl am meisten gespielteUnvollendete" nicht zum Abschluß kam. Durch die ganze Handlung hindurch zieht sich in der musikalischen Umrahmung des Filmes die vom Wiener Philharmonischen Orchester gespielt wird das Hauptmotiv der Sinfonie mit seiner entzückenden, vom Cello getragenen Melodie. Und wenn dieser Bild­streifen weiter gar nichts beabsichtigen würde, als in den Hörern die Liebe zu Schuberts herrlicher Musik zu wecken, wäre zum größten Teil schon sein Zweck erfüllt. Denn neben den Melodien derUnvollendeten" sind weitere bekannte Werke Schuberts in die Handlung hineingebracht, die dem Musikfreund in feiner Orchesterbesetzung geboten werden. Das Beiprogramm ist ebenso interessant, wie die Wochen­schau mit ihrem aktuellen Spiegel der Tagesereignisse.

r.

gefahren, es wurden auch Wanderleistungen vollbracht! Aber die Ausblicke über das Maintat mit seinem belebten Strom, die _ weiten herrlichen Wälder mit ihren Burg­ruinen, die stillen Dörfchen und verträumten Städtchen mit den kunstvollen Batiken entschädigten reichlich für diese kleine Mühe. Wir wünschten nur allen Eltern, daß sie einmal die große Burg besichtigen könnten mit ihren ein­wandfreien Einrichtungen für die Buben und die Mädeln, mit den großen hellen Unterkunftsräumeu, den Wasch­anlagen, der in ihrer Einfachheit zur Ehrfurcht zwingenden Kapelle!

Nun folgt Maria Buchen, der alte Wallfahrtsort. Nach längerer Mittagswause in dem wundervollen Tale steigen wir wieder hinaus zu unseren einsam auf der Höhe wartenden Wagen zur Weiterfahrt über Lohr, Gemünden nach Schönau, wo noch ein Bad in der fränkischen Saale ge­nommen wird. Dann folgen, nachdem das Tal der Sinn im goldenen Abendsonnenschein durchfahren ist, hoch oben Schwarzenfels und nach neuer Berg- und Talfahrt Schlüch­tern, wo nochmals eine kleine gesellige Sitzung vor der Heimfahrt nach Fulda die beiden herrlichen Ausflugtage be­schloß.

Waren die Vorbereitungen einwandfrei, die Ausfüh­rung war noch besser; alles klappte, und kleine Patrouillen­fahrten der beiden kleinen Wagen in Nebentäler und andere Abzweige führten zu wertvollen Erkundungen, die für spätere Kraftwanderungen ausgewertet werden sollen. Jeder Teilnehmer war vollbefriedigt. Eine solche Fahrt, die nur durch den motorkraftlichen Uebersprung der einzel­nen weiten Entfernungen zusammengestellt werden kann, schafft vollste Befriedigung, ist aber auch andererseits nur möglich, wenn gute Wege vorhanden sind, und die haben wir allüberall gefunden, trotz der angeblich undurchdring­lichen Dickichte, in denen Räuber hausen sollen . . .

Mitteilungen der NS.-Dienststellen.

BDM. Mädelgruppe 1/167.

Am Donnerstag, den 4. Juli, abends 8 Uhr, ist Grup­pendienst. Wir treffen uns alle pünktlich am Jungmädel­heim in der Eoethestraße. Der Beitrag für den Monat Juni ist unter allen Umstünden mitzubringen.

Die Gruppenführerin.