Zul-aer Anzeiger
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Nr. 146 — 12. Jahrgang
Fulda, Mittwoch, 26. Juni 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Was ist in Sowjetrußland los?
Maxim Gorki gegen Stalin? — Die Palastverschwörung der Kremlwache.
Die S o w j e t m a ch t h a b c r scheinen sich nicht mehr recht sicher zu fühlen. In Sowjetrusiland scheint etwas vor sich zu gehen, daß sich bisher den Augen ausländischer Beobachter verborgen hat. Verhaftungen von sogenannten Oppositionellen sind an der Tagesordnung, und die Verhaftungen in der Kremlwache wie auch die Meldung aus Moskau, daß auch der russische D i cht e r Maxim G o r k i zu den Gegnern Stalins zu zählen sei, werfen ein bezeichnendes Licht auf die sowjetrussifchen Zustande.
Wie aus Moskau berichtet wird, ziehen die ernsten Auseinandersetzungen innerhalb der kommunistischen Partei in Sowjetrnßland immer weitere Kreise und zeigen, wie stark die Gegnerschaft Stalins ist. Nach den aufsehenerregenden Gerüchten über die Verhaftung der Kremlwache, die darauf schließen läßt, daß
Stalin und Molotow sich in ihrem Palast nicht mehr sicher fühlen,
wird jetzt die Öffentlichkeit durch eine Meldung der Telegraphenagentur der Sowjetunion überrascht, nach der Maxim Gorki dem in Paris tagenden Kongreß der revolutionären Schriftsteller ein Begrüßungstelegramm gesandt hat. Gorki, so heißt es in der Meldung der sowjetamtlichen Agentnr, sei aus gesundheitlichen Gründen ander Teilnahme am Kongreß verhindert worden.
In Moskauer eingeweihten Kreisen verlautet, daß der Stern Gorkis schon seit einiger Zeit im Sinken begriffen [ei. Dem „Dichterfürsten" der Sowjets wird von Stalin und den Männern um ihn vorgeworfen, daß er allzu eng mit den» gestürzten Ienukidse befreundet
Heimat ist Boden.
Wie das Neichsheimstättenamt siedelt. — Eine Besichtigungsfahrt durch Kurmark-Grenzmark, Hessen-Nassau und die Pfalz.
Einer größeren Gruppe deutscher Pressevertreter war durch das Presseamt der DAF. Gelegenheit gegeben, aus einer mehrtägigen Besichtigungsfahrt durch zahlreiche Dom Neichsheimstättenamt betreute Arbelterhelmstatten- fiedlungen in den Gauen Kurmark-Grenzmark, Hessen- Nassau und Pfalz einen eindrucksvollen Gesamtüberblick zu gewinnen, nicht nur über die bisher geleistete und die »och zu leistende Arbeit, sondern auch über die Grundsätze nationalsozialistischer Siedlungspolitik und die völlig mißverstandenen, geradezu asozialen Sieolungsmethmea der vergangenen marxistischen Zeitepoche.
Die Fahrt begann mit der Besichtigung einiger typischer Mietskasernen und .Häuserblocks der Berliner Innenstadt, wo trotz des erfolgreich in Angriff genommenen umfangreichen Kleinwohnung-Bauprogramms noch heute die überwiegende Menge der Berliner Arbeite schaft in lichtlosen, ungesunden Wohnungen zusammengepfercht leben muß. Sinnfällig kam hier zum Ansmuc.
Heimatgcsühl kann nicht im Hinterhaus einer Mietskaserne oder im Elendsquartier eines Altstadt- viertels wachsen.
Heimat ist Boden, ist deutsche Muttererde^cm der der schassende Mensch lebendigen Anteil und Bes tz )
Dann ging es hinaus m die grüne Mark zur O s r a m - S i e d l u n g in Hohenneuendorf »nmiltelbar vor den Toren Berlins und zur Di strich-Eck ar Siedlung der Hirsch Kupfer- und Mesmgw re r Finow. In Hohenneuendorf wohnen mschmmken Doppel- oder Einzelhäuschen Werkangt^O Breits Schichten für monatlich 32,50 Mark, i „^ch Zins und Tilgung einbegriffen Ztnd. Gleichfalls günstiger liegen die Verhältnisse m de 200 Stellen umfassenden Dretrich^Ec ^ $et jedem Siedler für monatlich 15 bis 20
Hans- und Gartenparzelle von 1000 Q en eiu 1500 Quadratmeter Zulageland, also zi.sammen Morgen zur Verfügung steht. * wohltuende
Noch klarer kommt das Streben ur r Einfluß des Neichsheimstättenamtes^ @au deutschen Westmarke n zum Aus ^ 0 Heßen-Nassan bis zum 1. Mai 1936 allein Siedlerstellen errichtet. ... Unsinnigkeit, Ein kennzeichnendes Beispiel fr ^ Exmittierte Zahllos ohne jede Prüfung Arbertv f Gültigkeit i« Siedlern machen zu wollen, und m die nationalsozialistischer Auffassung. nur al§ dauerbeschäftigten S t st angelegte Siedler anzusetzen, ist die von den - . Riesen Sied- Erwerbslosensiedlung Isenburg. Um v ^^ lern, die fast ausschliehkich der^ovs . ^ivad); egen, befinden sich zwei SterMsteUe ficht innige. Die im Bau begriffene s^ vor, die selbstverstüudlich den Einsatz von Sa".^ ll)td damit 'n der Lage sind, ihre Schuld' r«ruZ -«Y w'^n das Vertrauen des Geldgebers zu . Früchte Die Arbeit des Reichsheimstattenamts vegn zu tragen.
gewesen sei und auch seine politischen Auffassungen geteilt habe.
Wie Jennkidse habe sich auch Gorki des öfteren zum Fürsprecher all der „ehemaligen Elemente" gemacht, die jetzt von der GPU. zu Tausenden nach Sibirien verbannt werden.
Es ist jedenfalls bezeichnend, daß Gorki, dessen Gesundheitszustand in der Tat zerrüttet ist, beharrlich verboten wird, sich zur Kur nach dem Ausland zu begeben. Auch seinen Landsitz bei Sorrent in Italien hat Gorki seit seiner endgültigen Übersiedlung nach Sowjetrußland nicht wieder besuchen dürfen. Es wird berichtet, daß
Gorki unter schärfster Kontrolle besonders zuverlässiger Organe der GPU. steht.
über die zuerst von Havas aus London verbreitere Nachricht von den Maßnahmen gegen die Kremlwache verlautet in M o s k a u jetzt folgendes: Auf Veranlassung des Bundeskommissariats des Innern soll der Kommandeur der Kremlschutzwache seines Postens enthoben und verhaftet worden sein. Außerdem sei gegen ihn und weitere Mitglieder der Schntzwache ein Parteiverfahren eingeleitet worden. Die Zahl der Verhaftungen soll insgesamt 20 übersteigen.
Dem Kommandeur der Schutzwache wird gegenrevolutionäre Gesinnung vorgeworfen.
Er habe mit sowjetfeindlichen Kreisen Verbindung unterhalten und Leute in seine Truppe eingestellt, die dem feindlichen Lager angehörten. Die alte Wache soll abgelöst und durch eine neue von der OGPU. besonders ausgesuchte Wachtruppe ersetzt worden sein.
In allen deutschen Landen wachsen neue Siedlungen mit neuen, freieren Menschen und mit ihnen Bausteine zur Vollendung des Drittèn Reiches.
Noch aber hat Deutschland einen rückständigen Beda r f v o n e t w a 1,5 M i l l i o n e n Wohnungen. Noch wohnen Hunderttausende deutscher Arbeiter in deklassierten ehemaligen Bürgerhäusern oder ausgesprochenen Massenwohnblocks. Notwendig ist demnach ein durchschnittlicher jährlicher Zuwachs von 300 000 bis 400 000 billigen Kleinbauwohnungen, unter denen sich — und das ist das große angestrebte Ziel — etwa 100 000 bis 200 000 Siedterstellen befinden sollen.
«Scherl-Bilderdienst — M.)
Ein Andenken von der Weltreise des Kreuzers „Emden". a>er Kreuzer „Emden", der vor einiger Zeit von seiner Weltreise heimgekehrt ist, schenkte dem Berliner Zoologischen Garten eine junge Gazelle sowie zwei allerliebste L e o p a r d o n k i n d e r.
Der Führer besuchte Rudolf Heh.
Der Führer besuchte auf der Rückfahrt von Hamburg seinen Stellvertreter Reichsminister R n d o l f H e ß, der sich zur Erholung i n H o h e n l y ch e n anshält.
Bei dieser Gelegenheit besichtigte der Führer auch die Klinische Abteilung für Sport- und Ar. beitsschäden, die auf Veranlassung des Neichssport- wbrers in den dortigen Heilanstalten eingerichtet wurde, sowie die vom Gau Groß-Berlin der NSDAP, erstellten Käufer „Mutter und Kind" der Nationalsozialistischen Voltswohlfahrt.
Das Ende von Versailles.
Von Rechtsanwalt Professor Grimm, Essen.
PPD. Am 2 8. Juni dieses Jahres jährt sich zum sechzehnten Male der Tag, an dem in Versailles die Unterschrift unter ein Instrument gesetzt werden mußte, für das verblendete Haßpolitiker bis heute die „Achtung vor der Heiligkeit der Verträge" gefordert haben, von dem aber die Gutgesinnten und Vernünftigen in der ganzen Welt urteilen, daß es noch nie in der Weltgeschichte einen „Vertrag" gegeben habe, der so unheilig war wie der von Versailles. Nichts ist bezeichnender für die Unvernunft, die in Versailles geherrscht hat, als die einfache Feststellung, daß allein zur Berichtigung der Fehllösung der Reparationsfrage in diesem Zwangsvertrag 35 — sage fünfund* dreißig — internationale Konferenzen stattfinden mußten, bis man an einem anderen Gedenktage dieses Diktates, im Juni 1932, in Lausanne unter dieses betrübliche Kapitel den endgültigen Schlußstrich setzte, der aber das Chaos nicht mehr beseitigen konnte, das der Reparationswahu- sinn der „Sieger" in der Weltwirtschaft angerichtet hatte.
Es liegt ein tiefer Sinn darin, daß Clemenceau, der alte Tiger, der Manu, dessen Geist die Verhandlungen in Versailles beherrschte, die deutschen Delegierten in jenen Junitagèn des Jahres 1919 zwang, die Unterschrift an genau derselben Stelle zu seiften, an der es Bismarcks genialer Staatskunst gelungen war, das Deutsche Reich zu schmieden: im Spiegelsaal des Königsschlosses von Versailles. Clemenceau wollte dadurch den Abgeordneten einer ganzen Welt, die da versammelt waren, sinnfällig vor Altgen führen, was dieser Vorgang nach seinem Willen sein sollte: die Rückgängigmachung des 18. Januar 1871, die Wiederzerstörnng von Bismarcks Werk.
Auf drei Säulen war die Gewaltpolitik von Versailles gegründet: erstens die langdauernde Rhein- und Saarbesetzung, die nach fünfzehn Jahren die Ziele der französischen klassischen Politik des „großen" und „kleinen Rhein" verwirklichen sollte, zweitens die unerfüllbare Reparation, die man mit der Rheinlandbesetznng durch die Sanktionsklausel verknüpfte, um die dauernde Abtrennung der Rheinlande zu sichern, und drittens die vorzeitige, einseitige Wchrlosmachuug des deutschen Volkes.
Bei keiner Gelegenheit ist das brutale Ziel dieser Politik von Versailles so klar jum Ausdruck gekommen, wie bei der denkwürdige« Kabinettssitzung vom 25. April 1919, deren Protokoll der Geschichtsschreiber Mermeix der Nachwelt übergeben hat. In dieser Sitzung erhob sich Clemenceau und sprach, zu Poincarè gewandt, die historischen Worte: „Herr Präsident, Sie sind viel jünger als ich. In 15 Jahren werde ich nicht mehr sein. In 15 Jahren werden die Teutschen nicht alle Bedingungen des Vertrages erfüllt haben. Wenn Sie mir dann die Ehre erweisen wollen, mein Grab zu besuchen, so bin ich überzeugt, Sie werden mir sagen können: ,Wir stehen am Rhein, und da bleiben wir!'"
Der Mann, der dieses sprach, ist längst ins Grab gesunken. Die Vorsehung hat es gewollt, daß Poincarä ihm gerade im fünfzehnten Jahre danach gefolgt ist. Er kann nicht mehr zum Grabe Clemenceaus walle» und sprechen: „Wir stehen am Rhein, und da bleiben wir!" Aber genau fünfzehn Jahre nach Inkrafttreten dieses Clemenceau-Diktates, am t 3. I a n u a r 1 9 3 5, sind die Saarländer an die Urne getreten und haben sich in überwältigender Treue zu Deutschland bekannt und damit die letzte Schlacht am Rhein geschlagen.
Das Jahr 1935 ist ein Gedenkjahr besonderer Art: 15 Jahre nach Inkrafttreten des Gewaltdiktatcs! Das bedeutet die Vollendung eines Zeitabschnittes. Denn 15 Jahre sollte die Rheinlandbesetzung, 15 Jahre auch das Völkerbuudsregime an der Saar daitern. Die Rheinländer haben den Tag der Freiheit schon 1930 erlebt, die Saarländer haben die"Fremdherrschaft bis zur Neige auskosten müssen.
Fünfzehn Jahre nach der Weissagung Clemenceaus aber ist N h e i n u n d S a a r b e f r e i t. Die erste Säule der Gewaltpolitik von Versailles ist zerbrochen, so wie die zweite Säule, die unerfüllbare Reparation, schon vor drei Jahren in Lausanne zerbrach. Dafür muß aber ein Vertreter jener unvernünftigen Politik, der größte französische Saarpropagandist, Jean Revire, in seinem Buch Perdrons-nous la Sarre? betroffen zugeben: „Das vor zehn Jahren besiegte Deutschland steht heute da als ein junges Volk, ein mächtiger Block."
Der entscheidende Kampf um Deutschlands W c h r f r e i h e i t und Gleichberechtigung war dem neu erwachten Deutschland unter Hitlers Führung vorbehalten. Die Ereignisse haben sich überstürzt in diesem historischen Jahr 1935, dem fünfzehnten Jahr nach Inkrafttreten des Unrechtvertrages. Kaum war am 1, März 1935 das Saargebiet dem Reich wieder übergeben worden, da erfolgte am 16. März 1 935 der letzte entscheidende Schritt. Adolf Hitler verkündete das neue deutsche W e h r g e s e tz und stellte damit die deutsche Wehrhoheit und die volle deutsche Souveränität wieder her, Die letzte Säule von Versailles ist damit zerbrocheu.
Ein Schlußstrich unter Versailles", so ist die Nachricht vom 16. März in der öffentlichen Meinung der ganzen Welt ausgenommen worden.
In keiner der großen Fragen, die Versailles aufgeworfen hat, ist die Rechtslage so klar auf deutscher Seite wie bei der Wehrfrage. Wilsons Programm ging von dem Grilndsatz der Gleichheit aller Nationen in der Nüstuttgsfrage aus. Es bedeutete schou eine Verletzuug des Wilson-Programms und des Vorfriedensvertrages vom 5. November 1918. daß man Deutschland zur Vor-