All-aer Anzeiger
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Nr. 145 — 12. Jahrgang
Fulda, Dienstag, 25. Jnni 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Anfang einer praktischen Friedenspolitik
Botschafter von Ribbentrop zu dem Abschluß der Londoner Besprechungen.
Botschafter v. Ribbentrop hat über die avge- ichlossenen deutsch-englischen Flottcnbesprechungcn in London den Vertretern der englischen und französischen Nachrichtenbüros Reuter und Havas eine Unterredung gewährt, in der er folgendes ausgeführt hat:
Ich freue mich, daß die Flottenverhandlungen zu einem guten Ende geführt werden konnten. Nach Jahren der schönen Reden, der ruhelosen Ministerrciscn von einer Hauptstadt zur andern, der Konferenzen, ist hier zum ersten Male auch wirklich etwas getan worden, nämlich:
der erste praktische Schritt zur Rüstungsbeschränkung.
Ich glaube, Europa hat in der Vergangenheit den Fehler gemacht, immer zuviel auf einmal anzupacken. Zwei Fehler vor allem: E r st e n s wollte man immer alles auf einmal in Ordnung bringen, statt ein Problem nach dem andern in Angriff zu nehmen, und zweitens hat man, was noch schlimmer, versucht, alle Probleme aller Länder mit allen Mächten gleichzeitig an einem Tisch zu lösen. Das wird dann kollektives Friedenssystem genannt. Ich glaube, man hat bisher das Pferd am Schwanz aufgezäumt.
Auch Deutschland wünscht ein Friedenssystem, das Freundschaften entspringt,
die auf Tatsachen, unb nicht auf Theorien aufgebaut sind. So müßte die Grundlage jedes Völkerbundes aus- sehcn! Aber Deutschland ist davon überzeugt, daß man dahin nur Schritt für Schritt gelangen kann, und glaubt, daß die vitalen Probleme Europas nur durch Friedenstaten zu lösen sind — auch wenn zwei Völker zunächst allein handeln — unb nicht durch allgemeine Friedens- Gespräche, die Europa bislang nicht weitergebracht haben.
Ich glaube, dieses Flottenabkommen ist der A n f a n g einer praktischen Friedenspolitik. Es regelt ein für allemal die Flottenfrage, das vitalste Problem zwischen Deutschland und Englano.
Eine Flottcnrivalität wird für alle Zukunft aus- geschaltet.
Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn man sich klarmacht, Ivas das für diese beiden großen Länder bedeutet.
Aber ich bin davon überzeugt, daß dies nur die eine Seite der Frage ist. Das andere Hauptergebnis dieser Flottenabmachung besteht darin, daß wir das Eis gebrochen haben, das die politische Situation Eurovas in Erstarrung hielt.
Komplott im Kreml aufgedeckt.
Verhaftung des Kommandeurs der Schutzwache wegen gegenrevolutionärer Umtriebe.
Die Auseinandersetzungen innerhalb der Kommunistischen Partei der Sowjet- Union nehmen ihren Fortgang. In großer Aufmachung verbreitet die Telegraphenagentur der Sowjetunion eine Verordnung des Hauptausschusses der Partei, in der d e r Gau Saratow an der Wolga wegen „groven Bruchs des Vertrauens der Partei und Schädigung des Parteiansehcns" scharf gerügt und seine Verwaltimg gemaßregelt wird. Das Verhalten der Saratower Partei- teitung habe so wird u. a. in der Verordnung festgestellt, zur Folge gehabt, daß die Flucht der Bauern aus den Kollektivwirtschaften im ganzen Gan unvermindert anhalte.
In der Verordnung heißt es u. a., die Saratower Gauleitung habe eine ebenso ungerechte wie Nachlaß arbeitende Verwaltung geführt. Im Jahre 1934seien 38 Parteisekretäre abgesetzt worden, darunter solche, die als Mitglieder des Hauptausschnsses unabsetzbar seien Es abe eine Vetternwirtschaft geherrscht die u a dazu geführt habe, daß man guten Bekannten Grund und Boden als persönlichen Besitz gegeben habe.. Auch ' reiche Vorsitzende der Kollektivwirtschaften seien unrecht- "aßig abgesetzt und gemaßregelt worden. Aber Rauber «n d Hochstapler habe man in der Partei belasstn.
Wie aus Moskau verlautet, soll aus Veranl^
} überstZgen.1 Dem KEmand^ ^^^ ^ We weiter verlautet, gegen r e v o ^ -^feindlichen innung vorgeworsen. Er habe mit $
Men Verbindung unterhalten
Truppe eingestellt, die dem feindlichen in chic aehvrten. Die alte Wache ^llabPs Wachtruppe Neue von der OGPN. besonders ausgesuM Kreml "setzt worden sein. Bekanntlich w o h n e ^ ^^e Zia litt, Molotow und die ganze »o^^Ber- ^rde. — Eine amtliche MoskauerMitglieder der Wung des Kommandeurs und weiterer ^ug Tchutzwache des Kreml liegt bisher nicht
Die Atmosphäre der Beruhigung, die jetzt logischerweise nicht ausbleiben kann, wird sicherlich den Weg zur Lösung anderer Fragen ebnen, und so könnte dieses Abkommen sehr wohl ein Eckstein einer wirklichen Konsolidierung Europas werden.
Wir Deutsche glauben an die Mission, die Europa für die ganze zivilisierte Welt zu erfüllen hat, und ich würde nur zu glücklich sein, wenn alle Länder Europas die außerordentliche Bedeutung dieser Tatsache erkennen würden. Vor die Alternative gestellt zwischen Konsolidierung der europäischen Staaten auf der einen Seite mit dem daraus folgenden Wohlstand, der allein den Menschenmassen unseres Kontinents die Existenz sichern kann, und nur Chaos auf der anderen Seite, sollte die Wahl nicht schwersallen, und ich bin sicher, daß wir nunmehr einen Weg finden werden.
Ich glaube, in dem Ringen um die Erhaltung der Kultur müssen England, Frankreich und Deutschland und die anderen europäischen Länder zusammen- stehen.
Wir glauben an ein starkes Europa und an ein st a r k e s b r i t i s ch e s Weltreich.
Da muß ich aber nun noch etwas bemerken: Heute las ich in einer der Morgenzeitungen, daß Deutschland versuche, einen Keil zwischen Frankreich und England zu treiben. Dazu kann ich nur sagen, daß uns in Deutschland völlig das Verständnis für solche seltsamen Unterstellungen fehlt, die ihren Ursprung nur in dem Geschwätz von Leuten haben können, die sich einfach von einer gewissen Vorkriegsmentalität nicht frei machen können. Ich meine
wir sollten klug sein und unsere internen Zwistigkeiten innerhalb der aä^Weft vergessen.
Wenn wir alle die Auferstehung des Abendlandes wünschen, wie der Reichskanzler Hitler in seiner Rede sagte, müssen wir lernen, weit vorauszublicken, und auch an diese Auferstehung glauben.
Nun möchten Sie noch wissen, wie ich mir die weitere Entwicklung der Dinge vorstelle. Da will ich Ihnen etwas Persönliches sagen: Man sagt, ich hätte es mir zur Lebensaufgabe gemacht, mitzuhelfèn, daß eine enge Zusammenarbeit zwischen England, Frankreich und Deutschland zustande kommt, der sich die anderen europäischen Staaten gerne eingliedern könnten. Ich glaube, daß diese Leute recht haben, und ich bin überzeugt, daß wir auf dem b e st e n Wege hierzu sind.
Todesurteile gegen spanische Ausstandlsche
Madrid, 25. Juni. Das Kriegsgericht in Oviedo hat nach mehrtägigen Verhandlungen in Abschluß des Prozesses gegen eine Reihe von Aufständischen der Oktoberrevolution vier Aufrührer zum Tode, 36 zu lebenslänglichem Zuchthaus und sieben zu je zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Der Innenminister hat 74 Polizisten aus Barcelona wegen Dienstvergehens aus dem Amt entlassen.
Reichsparteitag 1935
Berlin, 25. Juni. In diesem Jahre wird die Partei, wie die Nationalsozialistische Parteikorrespondeuz meldet, in den Tagen vom 10. bis 16. September ihr gewaltiges Iahrestreffen in der Stadt der Reichsparteitage abhalten.
Die umfassenden Vorbereitungen für die organisatorische Durchführung sind bereits in Angriff genommen. Im Rahmen des Reichsparteitages, dessen Programm sich noch im Stadium der Vorbereitung befindet, wird der Führer den Grundstein zum Neubau der gigantischen neuen Kongreßhalle und damit für die gesamten großen Neugestal- tungsarbeiten des Reichsparteitaggeländes in Nürnberg legen. Der traditionelle Aufmarschplatz des SA, die Luit- pöld-Arena, wird bis zum Reichsporteitag in ihrer neuen Gestaltung voraussichtlich bereits fertiggestellt sein. Das gewaltige Ereignis des Reichsparteitages, das alljährlich dem deutschen Volk und der Welt Zeugnis ablegt von der Kraft und Stärke der in der NSDAP verankerten politischen Führung in Deutschland, wird auch diesmal Hundert- tausende von Parteigenossen zu gewaltigen Feierstunden nach Nürnberg führen, und wieder zum nationalen Erlebnishöhepunkt des Jahres werden.
Mit festem Griff warf der Führer das Steuer der Wirtschaft herum. Arbeit und Brot für Alle! Aufstieg heißt der Kurs. Dankt dem Führer durch Eintritt in die NSV.
Der Urlaub ein Prüfstein.
Auch ein Thema zum Beginn der Schulferien und der Reisezeit.
Von W i l l i B ö r g e r ,
Treuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Rheinland.
Nationalsozialismus ist kein bloßes äußerliches Bekenntnis, sondern die praktische Bewährung sozialistischer Gcmeinschaftsgcsinnung im harten Alltag. Er stellt den deutschen Menschen Tag für Tag vor Aufgaben, an denen der einzelne sich innerhalb der Gemeinschaft, in der er steht, zu erproben hat. Entscheidend ist
Der Führer bei den Verletzten in Reinsdorf.
Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler besuchte überraschend die Verletzten der Reinsdorfer Erplosionskata- strophe und erkundigte sich nach dem Befinden jedes Kranken. Neben dem Führer der Chefarzt des Paul- Gerhardts-Stifts in Wittenberg, Dr. Bosse. (Heinrich Hoffmann — M.)
immer die wesentliche Frage, wie bin ich persönlich und damit die Gemeinschaft, in der ich verantwortlich tätig bin, in meiner inneren Bereitschaft, d. h in meiner Gesinnung, dem nationalsozialistischen Ziel näher gekommen?
In den regelmäßigen Arbeitssitzungen, bei denen ich Woche für Woche die für die Gemeinschaftsarbeit in den Betrieben Verantwortlichen aus Führung und Gefolgschaft zusammenbringe, konnte ich mit Genugtuung feststellen, daß im Rheinland dieser Wille, diese Entschlossenheit zu tätiger Mitarbeit beim Aufbau betrieblicher Gemeinschaft in ständigem Wachsen ist. Den schlagendsten Beweis hierfür erhielt ich u. a. bei der Frage des Urlaubs für die schaffenden Menschen und insbesondere für die Jungarbeiter. Ja, ich darf wohl sagen, diese Frage des Urlaubs ist für mich zum Prüfstein geworden für die nationalsozialistische Gesinnung, die in den Betriebsgemeinschaften besteht.
Wie war es denn? Der Liberalismus sah in der Arbeit des „Arbeitnehmers" einschließlich der Jugendlichen die Ware, für deren Benutzung je Stunde ein gewisser Betrag zu zahlen war. Für 'ihn war deshalb der Urlaub des Arbeiters und Lehrlings ein unbilliger Anspruch, für den eigentlich keine „Gegenleistung" bestand, und den man nur aus „besonderem sozialem Verständnis" oder gezwungenermaßen gewährte. Auch die Auffassung der Arbeiterschaft vom Urlaub war ganz beherrscht vom Denken aus der Gegensätzlichkeit. Urlaub war ein Anspruch, den man von dem widerstrebenden Klassengegner, dem „Arbeitgeber", mit allen Mitteln erkämpfen mußte. Das geschah manchmal durch wochenlange Streiks mit Not und Elend, um schließlich dafür einen Tag Urlaub zu „erreichen". Oder: auf der anderen Seite gab es auch Arbeiter, für die der Urlaub eine bloße ' Geldfrage war. Wenn die anderen den Urlaub erkämpft hatten, verzichteten sie im Interesse des „Arbeitgebers" auf den Urlaub und strichen dafür den Mehrlohn ein. In jedem Falle war die Frage des Urlaubs ein Zankapfel, um den sich die beiden Klassengegner im sozialen Leben Jahr für Jahr aufs bitterste bekämpften.
Der Nationalsozialismus sieht im Urlaub eine sittliche Verpflichtung gegenüber der Volksgemeinschaft. Für ihn ist die Arbeit Inhalt und Sinn des Lebens überhaupt.
Wenn die Arbeitskraft des einzelnen in den Vetricbs- ftätten verbraucht wird, so muß sie natürlich wieder ersetzt werden, und das geschieht durch die Erholung in einem ausreichenden Urlaub. Somit wird aus dem falsch auf- gefaßten U r l a u b s a n s p r u ch eine sittliche P f l i ch t zum Urlaub, denn er dient zur Wahrung und Mehrung der Gesundheit unseres Volkes Daß diese Forderung für die noch in der Entwicklung stehenden Jugendlichen, Lehrlinge und Jungarbeiter in erhöhtem Maße zutrifft, braucht nicht besonders begründet zu werden.
In meinen Richtlinieri zum Urlaub und den Erläutc- rungen habe ich die einzelnen Betriebsgemeinschaften vor