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Nr. 136 12. Jahrgang

Fuldaer Anzeiger

Freitag, 14. Juni 1935

Stadt und Land

Weticrausfiditen /ür morgen t

Wetterbericht des Reichswetterdienstes, Ausgabeort: Frankfurt. Im wesentlichen freundlich und warm, doch Neigung zu gewittrigen Störungen.

250 radelnde Holzhandwerker

machten Rast in Fulda.

Auf der Schloßterrasse und im Roten Saal herrschte heute morgen Hochbetrieb'! Die Stadt Fulda hatte Gäste bewirtet, Gäste aus Thüringen, Sachsen, Berlin und ande­ren Himmelsgegenden, die auf bem Wege zum Reichshand­werkertag nach Frankfurt kurze Frühstücksrast in unserer Stadt machten.

Gegen 8.30 Uhr wurden die radelnden günstigen Hand­werker an der Grillenburg in Empfang genommen und an­schließend unter der Führung von Fuldaer Handwerksge­sellen in zünftiger Tracht nach bem Stadtsaal geleitet. Dort ließen sie es sich gut schmecken und verlebten bei Brötchen und kalten Getränken zwei schöne Stunden. Man konnte es ihnen an den Augen ablesen und aus ihrem Appetit ent­nehmen, daß sie mit der Bewirtung, um die sich die NS.- Frauenschaft redlichst bemühte, und ihren Gastgebern bestens zufrieden waren. Die Artilleriekapelle gab dem gan­zen durch ein Platzkonzert einen besonders schönen Rahmen. Im Verlaufe des Frühstücks wurden die Gäste durch Bür­germeister E h s e r, Kreisamtsleiter der DAF. Will- Hardt und dem Kreishandwerksmeister Richter auf das herzlichste begrüßt. Bei dieser Gelegenheit wurde vom Handwerksmeister an einige Herren der Stadt, Behörden und Partei die Plakette zum Reichshandwerkstag über­geben.

Gegen 10.30 Uhr fetzten die Holzhandwerker, die von Erfurt heute schon eine lange Reise hinter haben, ihre Sternfahrt in Richtring Schlüchtern und Gelnhausen fort, wo sie in der Nacht Quartier nehmen werden. Die Gäste werden von der Schönheit unserer Stadt im strahlenden Sonnenschein und von der Gastfreundschaft in unseren Mauern einen sehr guten Eindruck in der Erinnerung be­halten.

Das evangelische Pfarramt Fulda weist darauf hin, daß am Sonntag Trinitatis, den 16. Juni 1935, vormittags 9.30 Uhr, im Hauptgottesdienst die Aufnahme der Konfir­manden des Jahrganges 1936 erfolgt. Die Eltern und die Konfirmanden werden gebeten, an diesem Gottesdienst vollzählig teilzunehmen.' Der Konfirmandenunlerricht be­ginnt am Dienstag, den 18. Juni, in der Volksschule, und zwar um 3 Uhr für die Mädchen und um 4 Uhr nachmittags für die Knaben.

Ein Wandelkonzert

bes Musikzuges der SA.-Standarte 418 findet am nächsten Tonntag von 11 bis 12 Uhr bei günstiger Witterung auf ln Schlohgartenterrasse statt.

Hohes Alter.

Dem Obergütervorsteher i. R. Albert Wittig, hier, Petersberger Straße 18a, ist es am Sonntag vergönnt, bei bester Gesundheit seinen 70. Geburtstag zu feiern. Herr W. ist eine in unserer Stadt sehr bekannte Person. War er doch viele Jahre Dirigent der Kapelle der freiwilligen Sanitätskolonne, auch gehört er der Kriegerkameradschaft Fulda, gegr. 1873 (früherer Kriegerverein Fulda) über 34 Jahre an und ist auch Ehrenmitglied des Evangelischen Bolksvereins.

Rückkehr der Ferienkinder aus Baden!

I Die Kinder treffen in der Nacht von Freitag auf Sonn­abend (15. 8. 35) um 1.40 Uhr in Fulda ein. Die Eltern aus Fulda-Stadt werden gebeten, die Kinder am Bahnhof in Empfang zu nehmen.

Kreisamtsleitung der NSV.

Wichtig für Sozialrentner!

Am Montag, den 17. d. M., wird die Sozialrentner- llnterstützung für den Monat Juni 1935 gezahlt.

Ausgabezeit: 8.3012 Uhr im städt. Wohlfahrtsamt, Zimmer 13.

Sonntagsrückfahrkarten.

. 1) Zum Reichshandwerker tag in! Frankfurt a. M. wer­den von allen Bahnhöfen im Umkreis von 250 km um Frankfurt a. M. Sonntagsrückfahrkarten nach Frankfurt am Main ausgegeben. Geltungsdauer: Hinfahrt vom 1o. Km 0 Uhr bis 17. Juni 12 Uhr; Rückfahrt vom 15, Ium 12 Uhr bis 23. Juni 24 Uhr (spätester Antritt der Rück­fahrt).

2.) Zur Reichsfachausstellung des deutschen Mischer- gewerbes in Frankfurt a. M. Geltungsdauer: Hinfahrt

18. Juni 0 Uhr bis 23. Junü 12 Uhr; Rückfahrt vom A Juni 12 Uhr bis 23. Juni 24 Uhr (spatester Antritt der Rückfahrt)

Zu 1.) 'und 2.) Die Karten sind zur Rückfahrt vom 19. duni ab nur gültig, wenn sie gegen Vorweisung des Mrt- Äiedsausweises oder Festbuches von der Ausstellungs- Geltung abgestempelt sind.

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Freitag, 14. Juni:

"'non-Theater: Das Mädchen Johanna. Europa-Lichtspiele: Kreuzweg einer Liebe. eues-Theater: Ich sehne mich nach Dir.

Sonnabend, 15. Juni: ""ion-Theater: Das Mätzen Johanna. Europa-Lichtspiele: Kreuzweg einer Liebe. eues-Theater: Ich sehne mich nach Drr.

Jugend auf Fahrt

Wem

Wir traben in die Weite ...

Jawohl, wir wollen auf Fahrt gehen und wollen euch unter uns sehen, ihr Kameraden und Kameradinnen, die ihr Tag für Tag im harten Zwang steht von Arbeit und Verdienenmüsse'n, eure freie Zeit ist zu knapp, als daß ihr sie nutzlos vergeuden könntet. Und auch Euch wollen wir unter uns sehen, ihr Millionen von deutschen Jungen und Mädel, denen die mangelhaften Wohnverhältnisse, die Mietskasernen, die dunklen Höfe, die engen und hohen Häuser der Städte Luft unb Sonne aussperren, die der Mangel von Luft und Sonne empfänglicher macht für Krankheitskeime jeder Art, für Tuberkulose, für Rachitis usw.

Und auch euch, ihr Tausende und Abertausende von Schülern und Schülerinnen unserer Volksschulen und auch der höheren Schulen, die von den Wohlfahrtseinrichtungen der Behörden und Kassen nicht erfaßt werden könnt, weil dazu die Mittel fehlen.

Und dann vor allem ist euer Platz unter uns, ihr jun­gen Menschen, die ihr übersättigt und abwidert den zahl­losen Halbheiten des heutigen Vergnügungslebens gegen­übersteht, den Scheinwerten, der aufbauschenden Mache, und die ihr nach menschenwürdiger Gestaltung und Aus­füllung eurer freien Tage, eurer Ferien- und Urlaubszeit sucht: Ihr alle sollt unser schönes Vaterland durch das Wandern achten und lieben lernen!

Ihr zaudert? Ihr besinnt Euch? Ihr fragt: Das Wan­dern ist teuer? Das Uebernachten? Die Beköstigung? Woher sollen wir die Mittel dazu nehmen?

Aber da haben wir einen Ruf für euch, der alle eure Fragen beantwortet, der eure Zweifel und Sorgen behebt, der euch einlädt zu Geborgenheit und Behaglichkeit, der euch eine Heimat schafft, wohin ihr auch kommt:

Ja, euch allen will das Deutsche Jugendherbergs verk nach Möglichkeit helfen. Für euch alle hat es seinm Reichs­verband geschaffen und sein Werk aufgebaut: Die deut­schen Jugendherbergen.

Herzlich willkommen in den deutschen Jugendherbergen!

Der Oberpräsident hat das Wort.

Der Reichsjugendführer hat in seiner diesjährigen Neu­jahrsbotschaft das Jahr 1935 zumJahr der Ertüchtigung der deutschen Jugend" erklärt. Kein Tag soll vorüber gehen, ohne das nicht etwas für die geistige und sportliche Ertüchtigung des jungen Deutschlands getan ist.

Das in jahrzehntelanger Arbeit geschaffene segensreiche Jugendherbergswerk gibt mit an erster Stelle die Möglich­keit, diese von der Hitler-Jugend mit Begeisterung ausge­nommene Losung in die Tat umzusetzen. Frohes ändern durch die Naturschönheit unseres Landes stählt und kräftigt unfern jungen Nachwuchs, erschließt mit Hilfe des Her­bergswerkes neue Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung der

Opfertag für Jugendherbergen.

Am Samstag, den 15. und Sonntag, den 16. d. M. findet im ganzen Reich eine Sammlung für den Ausbau der Jugendherbergen statt. Die gesamte Hitlerjugend wird in diesen Tagen eine Straßensammlung durchführen und dabei Blumen verkaufen.

Auf Anordnung- der Reichsleitung der NSDAP, führen die politischen Leiter der Partei eine Haussammluntzi aus Listen durch und werden dabei eine Türplakette anbreten.

Aus die Wichtigkeit dieser Sammlung braucht wohl nicht besonders hingewiesen zu werden. Denn, wenn unsere Jugend wandern soll, müssen ihr anständige Unterkunsts­möglichkeiten geschaffen werden.

Auch hier in Fulda ist die Schaffung einer ordentlichen Jugendherberge das Gebot der Stunde. Wenn es uns ge­ling, einen ansehnlichen Betrag zusammen zu bekommen, be­steht die Möglichkeit, daß dieser langersehnter Wunsch für Fulda bald verwirklicht werden kann.

Ich darf deshalb an die gesamte Oeffentlichkeit, beson­ders aber an die Eltern, die immer wieder ihre Kinder auf Wanderfahrten schicken, den dringenden Wunsch richten, am Samstag und Sonntag reichlich zu spenden.

E h s e r, Kreisleiter und Bürgermeister.

3mal Berufung verworfen!

Kleine Strafkammer in Fulda.

Unbefugte Jagdausübung.

In der Berufungsinstanz wurde vor der kleinen Straf­kammer gegen den Angeklagten. wegen Wilddieberei verhandelt.. war dabei überrascht worden, als er einen Hafen angeschossen hatte. Obgleich versuchte, durch zwei Zeugen einen Alibibeweis anzutreten, konnte er bas Ge­richt nicht von seiner Schuldlosigkeit überzeugen. Durch die belastenden Zeugenaussagen des Revierförsters und eines Augenzeugen stand sein Vergehen gegen das Jagd­gesetz einwandfrei fest. Die Berufung des Angeklagten wurde daher verworfen und das Urteil von zwei Wochen aus der Vorinstanz bestätigt.

1 Woche Gefängnis wegen übler Nachrede.

Ein unerfreuliches Bild über die Verhältniße in Jaffa gab den äußeren Rahmen für diese Berufungsverhand­lung. Der Angeklagte Bauer Schm, war wegen vorsätz­licher, übler Nachrede zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil hatte er Berufung eingelegt. Die Ver­handlung konnte keine wesentlichen Entlastungsmomente für Schm. erbringen. Sein Verhalten in Jossa und die von ihm gemachten üblen Bemerkungen über den Bürger­meister und einen Lehrer seiner Gemeinde waren Tat­sachen, über die das Gericht nicht hinweg gehen konnte. Der Versuch des Angeklagten, seine Handlungsweise als dem Staate dienlich darzustellen, konnte bei dem Gericht keinen Eindruck machen. Das Urteil aus der ersten Instanz, welches auf eine Woche Gefängnis lautete, trat somit rechts­kräftig in Kraft.

Teuere llebereifrigkert.

In Hofaschenbach gibt es scheinbar noch immer soge­nannte Volksgenossen, die ab und zu Fragen zu erörtern versuchen, von denen sie selbst nichts verstehen. Einen solchen Fall hatten die Angeklagten Fl. und H. versucht, auf eine Art aus der Welt zu schaffen, die nicht statthaft

Jungarbeiter und ermöglicht überhaupt erst eine groß­zügige bodenverbundene Schulungsarbeit der Hitler-Ju­gend. Dazu fehlt es aber immer noch an einem lückenlos geschlossenen Netz der deutschen Jugendherbergen. Ihre Zahl ist noch nicht genug, um den von Jahr zu Jahr an­wachsenden Wanderverkehr in sich aufzunehmen. Ganz be­sonders macht sich dieser Mangel in unserm vom Wander­verkehr vornehmlich bevorzugten Kurhessen bemerkbar. Deshalb ergeht heute der Ruf an alle Volksgenossen Kur- hessens, sich einmütig am kommenden Sammeltage für die Arbeit der deutschen Jugend einzusetzen und durch frei­mütige Spende beizutragen zum Wohl eines unter der starken Obhut unseres Führers Heranwachsenden jungen Geschlechts. Heil Hitler!

gez. PhilippPrinzv. Hessen.

Für die besten Sammler!

Zur Sammlung für das deutsche Jugendherbergswerk, die am kommenden Sonnabend und Sonntag durchgeführt wird, hat der Gau Kurhessen dem Reichsverband für Deut­schen Jugendherbergen eine Reihe wertvoller Preise für die Einheiten ausgesetzt, die sich bei dieser Sammlung beson­ders bewähren. Die beste Gefolgschaft der HI. im Gebiet Kurhessen, also die Gefolgschaft, die den höchsten Betrag sammelt, erhält einen Stägigen freien Aufenthalt in einer Jugendherberge. Dasgleiche gilt für die Gruppen des BdM. und die Fähnlein des Jungvolks, die ebenfalls für das beste Sammelergebnis einen Stägigen freien Aufent­halt in einer Jugendherberge erhalten. Außerdem erhält die Schulklasse mit dem besten Sammelergebnis ebenfalls den gleichen Preis eines freien Stägigen Aufenthaltes in einer Jugendherberge.

ist. Wenn sie auch nicht aus eigennützigen Motiven ge­handelt hatten, so war ihre Handlungsweise vor dem Gesetz doch eine strafbare. Die kleine Strafkammer in Fulda be­stätigte deshalb das vorinstanzliche Urteil, welches für die Angeklagten auf je 90 Mark lautete.

Reichsbahn-Personen-Nachrichten.

Ernannt: zum Reichsbahn-Oberinspektor der Reichs­bahn-Inspektor Lehr in Fulda, zum Reichsbahn-Assistent die außerplanmäßigen Reichsbahnassistenten Dietzel und Witzel in Fulda. Versetzt: der technische Reichsbahn- Inspektor Diehl von Limburg nach Fulda, die außer­planmäßigen Reichsbahn-Inspektoren Wiegand und Maier von Fulda nach Schlüchtern.

Kassel, 13. Juni. (Kein Wasser auf Gurken­salat trinken!) Ein 35jähriger Mann brach in der Nürnbergerstraße bewußtlos zusammen. Im Krankenhaus stellte sich heraus, daß er nach dem Genuß von Gurkensalat Selterswasser getrunken hatte.

Gießen, 18. Juni. (Nach schweren Verfehlun­gen im Amt Selb st mord auf den Schienen.) Am Donnerstag früh sah der Lokomotivführer eines Zuges auf dem Bahnkörper unmittelbar neben den Schienen in der Nähe der Blockstelle Rodberg zwischen Gießen und Lollar die stark verstümmelte Leiche eines Mannes liegen. Es handelt sich um einen früheren Beamten einer Gießener Behörde, der seit einiger Zeit fortgesetzt schwere Verfehlun­gen im Dienst begangen hat.

Schotten, 13. Jbni. (Einschwerer" Diebstahl.) Vor einem halben Jahr wurden aus einem Schuppen in einem Steinbruch bei Schotten eine Feldschmiede und ein über drei Zentner schwerer Amboß gestohlen und fortge­schleppt. Als Täter wurden nun zwei Einwohner eines be­nachbarten Dorfes ermittelt, die den Diebstahl eingestan­den. Die Feldschmiede hatten sie umgearbeitet, während sie den drei Zentner schweren Amboß im Garten vergraben und Salat darüber gepflanzt hatten.

Frankfurt a. M., 13. Juni. (Verlängerung der Frankfurter Bibel-Ausstellung.) Die große Bibel-Ausstellung im Kunstgewerbe-Müseum ist bis ein­schließlich Dienstag, den 25. Juni, verlängert worden.

Worms, 13. Juni. (Ein drittes Todesopfer des Motorrad Unglücks im Lor scher Wald.) Der Zusammenstoß zweier Motorräder, der sich jüngst im Lorscher Wald ereignete, hat nun noch ein drittes Todes­opfer gefordert, den Beamten der Landespolizei Werner (Zwingenberg).

Reichshandwerkertag Frankfurt a. M. 1935.

Beginn der Arbeitstagungen.

Frankfurt a. M., 13. Juni. Nachdem am Mittwoch .n Berlin, München, am Tannenbergdenkmal, in Nürnbera Darmstadt, Frankfurt a. M. und in Düsseldorf Kranz­niederlegungen erfolgt waren, haben heute im Rahmen des Reichshandwerkertages die Arbeitstagungen der einzel­nen Reichsinnungsverbände ihren Anfang genommen In Wiesbaden eröffnete und leitete der Reichshandwerksmei­ster Schmidt die Arbeitstagung des Reichsinnunqsverban- des des Installateur- unb Klempnerhandwerks Von Wies­baden begab sich der Reichshandwerksmeister nach Koblenr zur Gesamtbeiratssitzung des Reichsinnungsverbstndes des