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Opfer als Gabe und Aufgabe.

»Daß ich die Hand noch rühren kann.

Das dank ich dir, du stiller Mann."

Der Seithiant d. R. Walter Flrx schrieb diese Zeilen in seinem GedichtDie Dankesschuld". Daß wir leben, verdanken wir jenen zwei Millionen Toten unseres Volkes. Niemals können nur unsere Dankesschuld ihnen gegenüber abtragen, durch keine Denkmäler, durch keine Gedenkreden. Nur wenn wir ihr Vermächtnis in uns ausgenommen haben und ihren Geist in tätigem Leben unserer Ration lebendig werden lassen, haben wir das Recht, ihrer zu gedenken und ihres selbstlosen Opfers uns zu rühmen. Wenn ihre Einsatzbereitschaft nicht unser Wille' zur Arbeit geworden wäre, ihre Pflichterfüllung nickt unser Pflichtbewußtsein, ihr Opfer nickt unser Berzickt. dann wäre ihr Tod vergebens gewesen und wir unwürdig, ihre Söhne und Brüder zu beißen. Weil aber ibrc Kameraden, die Überlebenden der Frontnation, heute unser Volk führen, ist das graue Heer zur Rube gekommen, bat Heimstatt gefunden in unseren Herzen.

Fünfzehn furchtbare Jahre in Schande und Verrat schien das gewaltigste Opfer eines Volkes, zwei Millionen seiner Besten, vergeblich gebracht zu sein. Als die grauen Soldaten dcimkcdrten von den Fronten, wo sie ihre toten Kameraden zurückgelaffcn darren, «niuc man ihnen die Achselstücke und Kokarden abgerissen, die Fahnen in den Schmutz gezogen, unter denen sie gestürmt und ge­stürzt waren. Vier Jahre hatten die siahlbclmvewcdrlen. todesmutigen Männer in Blut und Dreck gestan­den, über sie waren die Feuerwalzen und Gasschwadeu hinweggegangen. Sie hatten alles überwunden, was einen Menschen an dieses irdische Leben binden kann. Neben ihnen hatte eine Mine die Kameraden zugedeckt, oder den Betonklotz, der sie schützte, umgestüipr. Neben ihnen hatten die Tankgeschwader oder die Maschinen­gewehre der Flieger ihre Kameraden zcrrinen Ost bar en sie nicht ein Grab schaufeln können, mit einem Hoiztreu; darauf, weil nichts mehr von dem eben nock bin theilen Dasein neben ibnen zeugte. Sie waren stumm und schweig­sam geworden. Herr über die Materie, mit der Kran ihrer Seele, die die Heimat in Irrwahn und Verführung ver­riet. Der Pest hauch der Revolte schlug ihnen ent­gegen, der ihnen ihre Ehre, das Letzte, was sie besaßen, nehmen wollte. Viele waren angeekelt, schwiegen, viele kämpften weiter in den Stoßtrupps Oberschlcsiens und den Sprengkommandos an der Ruhr, viele gingen in die nationalen Webrverbände und Parteien. Ihre Wege trennten sich scheinbar, in mehreren Säulen zogen sie, in mehreren Kolonnen marschierten sie. Manchmal schien es so, als verstünden sie einander nickn. Manchmal drohten sie schwach zu werden, aber ihre Seele wanderte dann zurück an die Somme und vor Verdun, nach Polen und in den Karst, wo die Gräber der Kameraden mahnten. Sie bissen die Zähne aufeinander und kämpften weiter.

Bis einer von ihnen sie wachtrommelte, sie zusammen­riß, zusammenschmolz zu der ehernen Mauer, die vier Jahre hindurch schon einmal die Heimat rettete und stützte: der Gefreite des großen Krieges mit dem schwarzen Kreuz auf der Brust: Adolf Hitler. Das graue Heer mar­schierte, erst kleine Trupps, dann stießen neue Kolonnen zu ihnen, rissen andere, die in der Sattheit des Daseins zu versinken drohten, heraus, holten die Jugend, die Söhne und Brüder ihrer gefallenen Kameraden, in ihre Reihen, bis ein Tritt, e i n Wille, e i n Glaube in einer Marschkolonne war und einer der Jhrerr sie alle führte.

Nun ist das Opfer der endlosen Straße, die die Toten mit ihren überlebenden Kameraden ruhelos marschierten, nicht vergeblich. Tas Heer der Gefallenen hat Ruhe ge­funden in der Seele ihres Volkes, und ihre Kameraden, die mit ihnen im Trommelfeuer gelegen hatten, führen heute ihr Volk. Der Ring ist wieder geschlossen. Aufrecht können wir wieder zu unseren Toren in der Ewigkeit emporschauen. Die Verbindung ist wieder da, weil ihr Vermächtnis unter uns hat Gestalt zu werden begonnen.

E i n Marschrrilt Dröhnt; hart und tapfer, selbstlos und schweigsam, opferbereit und tarstumm wollen wir sein wie sie, unsere Toten, vor deren Opfertod wir uns dankbar und demütig neigen und der uns Her; und Willen stärkt, ihr Vermächtnis heilig zu wahren und zu erfüllen., ,

Eberhard toannab.

Kamerab Harder

Eine Erinnerung an einen von den Zungen, die den Opfertod starben.

Don Bruno

Giersche.

Reminiszere!

Da geben unsere Gedanken weit

gegen Abend und Morgen; gegen Süden und Mitier- nackt hinaus. Sie stellen in ernstem Schweigen an oen endlos langen Gräberreiben, die Deutschlands edelstes Kleinod bergen: das feldgraue Heer unserer Tötens Sie alle, die Dort draußen mit ihrem Opferblut die fremde Scholle geweiht haben, sind vier Jahre hindurch unsere Kameraden, unsere Weggefährten gewesen! Wir waren mit ihnen ein Geist, ein Wille, ein Ziel! Und als sie starben, gaben sie uns in ihrem Blntsopser das neue Leben. Aus ihrem Blut ward Deutschlands Auferstehung geboren!

Diese Gedanken werden immer am Sonntag Remi- niszere lebendig werden! An diesem Vorfrüblungstag feiert all das Vergessene und Totgeglaubte ein stilles Auf-

mir ihr Inhalt so winzig, - so menschlich klein bofi * es nickst verstehen konnte, mie an solch geringem , ein großes Menschenleben hatte zerbrechen können Denn was mar es schon besonderes, wenn ein an einer unglücklichen Liebe leihet?

So war's nämlich Dem Harder ergangen! ; ein Mädchen liebgehabt.. Das aber hatte sich von? gewandt, als einer von besserem Stand und mit Geldbeutel gekommen war. An Dieser Liebe war?? zerbrochen uud hatte als Kriegsfreiwilliger W gesucht.

Damals habe ich über diese Briefe Den Soni schüttelt. Dock als mir dann heimfehrten, da wurde I

erstehen!

Am Sonntag Rcminiszcrc sind mir alle

wieder das eine unbeugsame feldgraue Heer!

Vor mir liegen dann wieder ein paar vergilbte Blätter: kleine Feldpostbriefe sind cs, an Denen die Grabcncrde von Flandern hebt. Sie sind das letzte Ver­mächtnis eines toten Kameraden, der draußen den Tod suchte und ibn auch fand.

1916 war er mit dem letzten Ersatz in unsere Kom­panie gekommen. Er dieß Herbert Harder und war Ober­lehrer gewesen, ehe er als Kriegsfreiwilliger eingetreten. Irgendwo in seinem Leben mußte eine dunkle Lücke ge­wesen sein: denn niemals sprach er von der großen Sehn­sucht jedes Feldgrauen: von der fernen Heimat! Er schrieb niemals Briefe und empfing auch keine. Aber wo cs am heißesten zuging, da stand Herbert Harder.

Harder!" sagte manchmal der Komvanieführer,Sie sollten auch etwas auf Ihre Person Rücksicht nehmen. Es siebt beinahe so ans, als ob Sie Den Tod suchen!"

Ich tue nur meine Pslicht, seine kurze Antwort.

Und so blieb er sich immer sch!offenen Art: und war doch ter

Herr

gleich beste

Leutnant!" war

in seiner ver- Kamerad in der

Kompanie, auf den man bauen und vertrauen konnte.

Dann kam eine böse Nacht. Der Franzmann icr= trommelte unsere Stellung und drängte uns unter großen Verlusten in die dritte Linie zurück. Harder wurde schwer

verletzt.

Und nun lag er neben mir, in dem ver

wüsteten Unterstand, und wartete gefaßt auf das Ende.

Schwer ging sein Atem. Mühsam hob sich seine auf» gerissene Brust.Trinken! Kamerad!" bettelte er.

Ich setzte ihm den Becher an die Lippen; er trank mit gieriger Hast.

Ist bald vorbei!" flüsterte er dann mit einem dank­baren Blick.

Red' keinen Unsinn!" versuchte ich ihn zu trösten. Überne Weile kommt die Ablösung, dann bringen wir dich ins Lazarett!"

Er schüttelte abwehrend den Kopf.Könnt's euch sparen! Ich weiß, wie's um mich steht!" Sein Antlitz veränderte sich seltsam.Kamerad! Du-! Die Briefe in meinem Rock! Die nimm an dich! Ich hab' sonst niemanden!"

Er schwieg eine lange Weile. Das Reden wurde ihm schwer. Dann begann er noch einmal:Mein Leben siebt in den Briefen! Da in der Heimat, da bin ich. zerbrochen! Die da sind anders wie wir! Die da

verehren die falschen Götzen!

Das Geld! Den

Adel und edel.

Skizze von Erich Hoinkis.

Der NameKarger" war der gefürchtetste in allen zwölf Kompanien des Lehr-Regiments, unter den 1500 berufenen, aber noch nicht auserwählten Offiziersanwärtern.

Hauptmann Karger meldete schon am zweiten Tage ein volles Dutzend Leute seiner Kompanie dem Regiment zur Aus­schließung aus dem Kunus.

Die zwölf Sünder hatten, nach Dienstschluß, in der nahen Stadt einen lustigen Abend gefeiert und eine Stunde nach Zapfenstreich statt durch das bewachte Lagertor über den un­bewachten Stacheldrahtzaun das Lager aufgesucht.

Auf der einsamen Lagerstraße waren sie in der Dunkel­heit unvermutet dem Hauptmann Karger begegnet.

Der Hauptmann hatte den ganzen Schwarm sofort zur Lagerwache mitgenommen. Dort stellte sich heraus, daß die Sünder sämtlich zur Kompanie Karger gehörten.

Karger hatte daraufhin jeden einzelnen Mann sich sehr genau angesehen und dann ruhig gesagt:Ich werde Sie dem Regiment zum Abschub melden!"

Der Regimentskommandeur legte angesichts der ver­hältnismäßigen Geringfügigkeit des Vergehens milde Beurtei­lung nahe. Aber Hauptmann Karger blieb steinhart.

Am übernächsten Morgen begrüßte der .Hauptmann seine stillstehende Kompanie mit einem neuen Denkspruch:Augen ,.. geradeaus!...

Kompanie!

Ich bedauere, daß Sie trotz meiner ersten Ansprache draußen in der Heide offenbar zu einem großen Teile noch nicht genügend auf den Willen eingeschworen sind, mit dem ich Sie zu unterweisen entschlossen bin, daß Sie .Führer' werden.

... Wer den Mut hat, Befehle zu übertreten, der soll auch den Stolz haben, die Folgen auf sich zu nehmen. Wer diesen stolz nicht kennt, sondern der Verantwortung für verbotenes <.uu auswerchen will, der hat das Zeug zum Betrüger!...

Stand! Den Lug! Da kam ich zu euch! Hier war, was ich suchte! Die Treue! Die Ehre! Das Licht und die Wahrheit! Aus dem Opferblut wird hier ein neues Geschlecht geboren! Und wenn ihr einst heimzieht, dann werdet ihr die falschen Götter stürzen!"

Das waren seine letzten Worte. Er konnte sie nicht zu Ende reden. Noch ehe die Ablösung kam, war Herbert Harder tot.

Damals, im Unterstand, hatte ich den Sinn seiner Worte nicht ganz begriffen. Ich ahnte bloß, daß zwischen ihnen und seinem Leben ein enger Zusammenhang sein müsse. Viele Wochen später nahm ich wohl gelegentlich die Briefe zur Hand, die mir Harder als Vermächtnis hinterlassen hatte. Aber draußen an der Front erschien

oer Sinn seiner letzten Worte lichthelle Klarheit! Nm verstand ich es, warum er zu uns an die Front men war. Er war ein Lichtsucher gewesen; er tonnst nur ein Leben in Wahrheit und Treue leben. Sahcini aber war ihm nur der herzlose Eigennutz begegnet. Uni das hatte ihn zu uns getrieben; zu uns Millionen draußen, die nur ein Herz, ein Wille und ein Ziel waren!

Nun erst verstand ich den toten Kameraden, der s« anklagend und mahnend aus diesen vergilbten brieten sprach. Da empfand ich es als eine gütige Fügung w Schicksals, daß er draußen geblieben war. !

Denn der Weg aus den Trichtern zur Heimai M wie ein Wandern aus dem Licht in die Nacht.

wir vier Jahre gestritten, lag zerbrochen und ge|iw- ! am Boden. Aus Wahrheit war Lüge, aus Treue n Verrat geworden. Und grau und hoffnungslos unser Neminiszere all die bösen Jahre hindurch! -

Nun ist es endlich anders gekommen! Das B ' Opfer unserer Kameraden, das als hoffnungsvolle s i dem Schoße einer fremden Scholle anuertraut 1 reiche gesegnete Frucht getragen I Und wenn nt m in den vergilbten Briefen meines toten Kameraden lern werde, dann kann ich ihm jetzt die tröstliche An auf seine letzten Worte geben: ,,,

Kamerad Harder, nun ist dein Opfer boHbra®

Licht strahlt über einem neuen Geschlecht, das aus u Opferblut geboren wurde! Die Throne der fanchen liegen im Staub. Deine einsame große Sehnsucy ; ist zur Seele deines ewigen Volkes geworden.

Wie er jetzt seine Vorgesetzten betrügt,'so wird er'spâter, wenn er die Macht dazu hat, seine Untergebenen betrügen.

Von mir soll er die Macht dazu nicht bekommen! Ich würde mich gegebenenfalls nicht einen Augenblick bedenken, die Ianze Kompanie aus dem Kursus auszurotten. Zum minde­sten würde ich mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln ver­hindern, daß auch nur ein einziger von Ihnen Offizier wird.

Ich hoffe, daß nun unbedingte Klarheit herrscht zwischen uns!"

Wenige Sekunden später geschah etwas ganz Außerordent­liches: Aus der starren Linie der sestgebannten Konipanie trat plötzlich ein strammer Mann drei weite Schritte vor die Front und stand hoch aufgerichtet in Meldehaltung still.

Der Hauptmann wendete sich langsam dem unverhofften Schall der drei Schritte zu. Er blickte sehr ernst auf den kühnen Mann:Oberjäger van Lieuwen!... Was wollen Sie?"

Laut und hell schlug Dessen Antwort ein:Herr Haupt­mann! Ich melde mich zur Bestrafung!--Ich bin a u ch mit über den Drahtzaun gestiegen. Ich bin aber nicht ge­faßt worden Die inzwischen abgereiften Kameraden haben das verschwiegen."

Unheimlich lange herrschte ringsum atemlose Stille. Wacholder und Heidekraut dufteten frisch und Hero von der märzlich rauhen Heide herein auf den staubigen, grämlichen Kasernenhof.

Hauptmann Karger drehte sich mit einem leichten Schwung auf dem linken Absätze seines spiegelblanken Stiefels weg, kehrte der Kompanie den Rücken und ging ein Stück spazieren.

Kurz darauf wendete er sich wieder um. Wie ein auf­blitzender Funke zuckte sein Blick an der Kompanie entlang. Dann schnellte feine Stimme scharf hin:Öheriaaer Lieuwen!

... t-llas Erlerne Kreuz Erster Klasse sitzt bei Ihnen anM auf dem richtigen Fleck! Ich will Ihnen Gelegenhei 8 sich das kameradschaftliche Schweigen Ihrer E?,"?,»? Jtamcraben durch Ihre persönliche zwölffachc Tuärtio^ Zu­träglich zu verdienen!--Sie bleiben bei un^ treten!... Kompanie! Mit Gruppen rechts Marsch!... Gerade ... aus ... Marschordnung!

Noch nicht zehn Schritte später stieg aus Hund n ohne Befehl und Verabredung, schlagartig Emanu festliches Morgenlied als Marschgesang: .

Wer recht in Freuden wandern^wim Der geh' der Sonn' entgegen... ,ctl ob Hauptmann Karger ritt auf feinem, ^

gemagerten Gaul hart hinter der letzten Gruppe, ^it schweigsam den singenden Dank seiner angefeuerten

Kameraden, die lyr gefallen reib. Auch sind wir verbunden in Awigkeit, Wir decken euch nicht mit Kränzen zu, Wir wiffen, ihr wollt nicht die ewige > Kanleraden, ihr sollt uns zur Seite Sollt mahnend und fordernd auf uns I Kameraden, ihr seid bei der harten Zhr seid in der Fahnen aufsiammenden Zhr seid, wo der Alarschtritt erklingt 3br seid bei der Zugend, die vorwär>e