Wieviel Tiere 611)1 es auf der Well?
Bon Kuno.
Wenn man erfährt, daß allein die Zahl der auf der Welt lebenden Ratten auf zehn Milliarden Exemplare geschätzt wird, kann man sich leicht ausmalen, daß es geradezu ein Ding der Unmöglichkeit ist, die Ge- samtzahl aller Tiere anzugeben, die un» seren Planeten beleben. Wir müssen uns schon damit begnügen, die Zahl der Tier- arten zu berechnen, wenn wir überhaupt so etwas wie eine Bevölkerungsstatistik für das Tierreich aufstellen wollen, und auch auf diese Weise kommen wir — das sei vorweg bemerkt — nur zu lückenhaften und keineswegs völlig einwandfreien Er- gekniffen. Das liegt nicht zuletzt daran, daß die Forschung unermüdlich immer wieder neue Tierarten entdeckt und klassifiziert, so daß man die nicht selten von Laien gestellte Frage, ob es noch „unentdeckte" Tiere gibt, durchaus in bejahendem Sinne beantworten kann. Selbst in bezug auf die Säugetiere, die zahlenmäßig fast an letzter Stelle stehen und die verhältnismäßig weitaus am besten erforscht sind, können Ueberraschungen immer noch eintreten. So ist erst vor wenigen Jahren in den Sümpfen des inneren Kongostaates das Okapi entdeckt worden, ein Vierfüßler, der zwar Aehnlichkeit mit Giraffe und Zebra hat, diesen Säugern aber nicht organisch verwandt ist und also eine gänzlich neue Gattung repräsentiert. Ein weiteres Beispiel ist das sogenannte Erevy-Zebra, das in den Berglandschaften Süd-Abesfiniens entdeckt wurde, unb das sich sehr wesentlich von allen bis dahin bekannten Zebraarten unterscheidet. Auch der durch Bengt Berg populär gewordene „Abu Markub" der in den Sümpfen des Weißen Nil leot, muß zu den jüngsten Errungenschaften der zoologischen Forschung gerechnet werden.
Ist also schon anzunehmen, daß das Festland noch nicht alle seine tierischen Geheimnisse entschleiert hat, so bietet die Tiefsee noch weit mehr Rätsel. Zahlreiche Quallen und Polypen find noch so gut wie unerforscht und können das Stammbuch der tierischen Erdbewohner noch sehr er» Heblich bereichern. Noch mehr trifft das auf jene winzigen Muscheltiere zu, die die Nachkommen jener merkwürdigen Tierformen find, die früher in Myriaden die prähistorischen Meere bevölkerten.
In welchem Maße die Zahl der betonn» ten Tierarten durch die moderne Forschung gestiegen ist, beweisen folgende Daten: Linnë, der große Systematiker des 18. Jahrhunderts, kannte nur 1100 lebende Tierarten auf der Erde; heute dagegen sind der Wissenschaft nicht weniger als etwa 400 000 verschiedene Arten bekannt.
Innerhalb dieser Klasfifizerung stehen die Insekten weitaus an erster Stelle, von denen es rund 280 000 Arten gibt. 120 000 davon entfallen auf die Käfer, 50 000 auf die Schmetterlinge und 40 000 auf die Hautflügler.
Es folgen dann die Fische mit rund 12 000 Arten. Daß auch der begeisterte Fischeffer nicht einen kleinen Bruchteil dieser reichen Familie kennt, liegt nickt zuletzt daran, daß die weitaus größte Zahl der Fische im Meere lebt und noch dazu teils in der Tiefsee, teils nur in tropischen Gewässern. Nur etwa 300 Fischarten leben in Süßwaffer.
Nicht minder groß als die Familie der Fische ist die der Vögel. Auch von ihnen ist nur ein verschwindend kleiner Teil in Deutschland beheimatet, nämlich rund 400, während beispielsweise der amerikanische Konttnent an 6000 Vogelarten kennt.
An vierter Stelle stehen die Weichtiere mit rund 10 000 Familien — also die Schnecken, Muscheln usw., — ihnen folgen etwa 8000 Krebsarten und 4000 Stachelhäuter (Seeigel, Seesterne u. a.). Dann kommen die Reptilien mit rund 2500 verschiedenen Arten, und nun erst die Säugetiere, von denen wir 2300 Arten kennen.
Zum Schluß kommen die Familien der Spinnen mit 2000 Arten und die der Amphibien und Lurche mit etwa 1200 Arten.
Daß die Verteilung der Tiere über die Erde keineswegs gleichmäßig ist — und zwar sowohl hinsichtlich der Zahl der Individuen — darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. Die Tropen gelten auch dem Laien als besonders tierreiche Gegend, und das mit gutem Grund, denn nicht allein die Zahl der einzelnen Tiere ist in den Tropen außerordentlich groß, sondern auch die der vertretenen Arten. Besonders artenreich ist Südamerika, während Australien, das ja überhaupt, was seine Fauna betrifft, ein Kuriosum darstellt, der artenärmfte Kontinent ist. Gegen die Pole hin nimmt die tierische Bevölkerung der Erde immer mehr ab, obwohl man durchaus nicht behaupten kann, daß die Polarregionen nun gerade tierarm waren. Es sei in diesem Zusammenhang nur an die geradezu unermeßlichen Vogelheere der Arktis und Antarktis erinnert, die wir im Laufe der letzten Iah« im Film bewundern konnten.
Kinder als Helden
»Wenn Sie nicht auf der Stelle Weggehen, stoße ich den Tisch um!«
Es ist nicht selten vorgekommen, daß gerade kleine Kinder durch ihre Geistes- 'gegenwart und ihren naiven Wagemut großes Unglück verhinderten. Von einigen dieser Kinder soll hier die Rede fein:
Der westindische Zuckerfabrikant Joseph Martin bewohnte eine Villa in Kingston auf Jamaika. Eines Nachts stattete dieser ein berüchtigter Einbrecher einen Besuch ab. Schon hatte er den Geldschrank aus« geräumt und war mit seinem reichen Fang zufrieden, als sich auf einmal leise die Tür zu einem anstoßenden Zimmer auftat und ein fünfjähriges. Mädchen auf der Schwelle erschien. Es hatte wach in seinem Bett- chen gelegen, als ihm ein leichtes Geräusch im Nebenzimmer auffiel. Ohne Zögern stand das kleine Ding auf und sah nach, was da vorging.
Der unangenehm überraschte Räuber wollte sich aus die Kleine stürzen. Diese aber trat an einen Tisch mit feinen Porzellanfiguren, der neben der Tür stand, und sagte laut: „Wenn Sie nicht auf der Stelle weggehen, stoße ich den Tisch um!"
Der Verbrecher stand einen Augenblick unschlüssig da. Daß sie ihre Drohung aus« führen mürbe, sah er ihr an, und daß bas Klirren der herabstürzenden Figürchen in der Stille der Nacht das ganze Haus auf« geschreckt hätte, konnte er sich auch sagen. Er hatte einen geladenen Revolver bei sich, und es durchzuckte ihn: „Schieß sie nieder!" Das aber widerstrebte ihm, gerade weil sie so mutig dastand.
Dieser Augenblick seiner Unentschlossenheit war sein Verderben. Der Hausherr war noch auf und hatte in einem angrenzenden Zimmer mit seinem Verwalter ge« rechnet. In dem großen Schweigen ringsum war die Stimme des Kindes vernehmlich zu ihm gedrungen. Im nächsten Augenblick später war der Einbrecher Lberwäl- tigt Das Gericht sprach später öffentlich dem mutigen Kind seine Anerkennung aus.
Die viereinhalbjährige Tochter des Ka- pitäns vom Amerikadampfer „Wildgans" rettete nicht nur ihr und ihrer Familie Leben, Hab und Gut, sondern die ganze Bemannung und alle Passagiere ihre» Schiffes dazu. Das kam so:
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Besadi bei Professor jäiowcr*
Ein kurioser Wunderdoktor.
Von H. K.
Sicher ist es kein Zufall, daß der Mann, der sich in eingeweihten Kreisen des Spitznamens „Professor Tätowex" erfreut, in der Nähe des Lehrter Bahnhofs in Berlin wohnt, denn die meisten Patienten die diesen kuriosesten aller Wunderdoktoren konsultieren, kommen aus Hamburg und Bremen, aus den deutschen Hafenstädten und haben nicht viel Zeit zu verlieren. Es sind nämlich Seeleute, Matrosen aller Nationen, die den Hauptbestandteil der Patienten ausmachen. Die meisten von ihnen haben der Seefahrt zugunsten einem „bodenständigen" Beruf und nicht selten auch den Lockungen der Ehe entsagt.
Und das ist das Seltsame, daß zahlreiche Pattenten von ihren Bräuten buchstäblich zu „Prosesior Tätowex" geschleppt werden, nicht selten unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, denn die meisten Seeleute trennen sich nur schwer und ungern von den Hafenerinnerungen, die sie immer mit sich herumtragen, von ihren Tätowierungen nämlich. Tatsächlich werden oft noch im
Die „Wildaans" wurde auf offener See von einem Blitzstrahl getrof- fen und begann zu brennen. Eine ungeheure Panik ergriff die Reisenden. Alles stürzte an Deck, jeder wollte der erste sein um in eines der Rettungsboote zu gelangen. Als das kleine Töchterchen des Kapitäns aus seiner Kajüte trat, sah es sich einem drängenden, stoßenden, heulenden Haufen anscheinend Jrrsinger gegenüber. Die Kleine begriff gar nicht, warum die Menge so außer sich war. Sie stell, te sich ihr dreist entgegen und rief in beruhi-
gendem Ton: „Aber so seid doch ruhig! Papa ist ja schon gegangen und löscht das Feuer!"
Das Feuer löschen, an diese Möglichkeit hatte noch niemand gedacht. Alle hatten ohne weiteres das Schiff aufgegeben und nur an ihre eigene Rettung gedacht. Erst die Mahnung des kleinen Kindes brachte sie auf den Gedanken, selbst löschen zu helfen, eine Aufgabe, welcher der Kapitän mit der Schiffsbesatzung allein nicht gewachsen war. Jetzt aber, da hundert willige Helfer sich ihnen zugesellten, war sie zu lösen. Die beruhigende Versicherung des Kindes, daß ja „Papa das Feuer lösche", hatte Wunder gewirkt.
Ein vierjähriger Junge, der Sohn eines bretonischen Zollsoldaten, hatte die üble Angewohnheit, des Abends nicht gern schla-
»Aber so seid doch ruhig! Papa löscht ja das Feuer!«
Wartezimmer des „Professors" erbitterte Dispute hörbar. Die Angehörigen des schönen Geschlechts wollen keine „verunstalteten Männer".
Der alte Herr, dessen Bersiner Aufenthaltsort bald ausgekundschaftet wurde, war früher ein prominenter „Tätowie- rer"! Wenn er erzählt, dann ist beinahe etwas Feierlichkeit in dem Sprechzimmer. Erinnerungen werden lebendig. Romantik der Seefahrt und Zunftsinn der Handwerker leuchten auf! Unzählige Dankschreiben liegen aus. Der kurioseste Fall aber ist dieser: Der „Professor" wurde von einer sogenannten „tätowierten Dame" mit Bitten überlaufen, er möge sie von den teilweise recht obszösen Darstellungen die ihren ganzen Körper bedeck, ten, befreien! Die sehr schöne Dame hatte nämlich einen splenigen Heiratskandidaten aus Uebersee gefunden, der sie vom Wohnwagen der Schauleute weg zur Herrin seiner Büchsensleischfabriken und Hotels in Kalifornien machen wollte wenn sie rein, das heißt in diesem Falle: ohne Tätowierungen in die Ehe treten würde. Immer dringlicher wurden daher die Bit- ten der Dame, bis „Tätowex" endlich zur Operation schritt, hie durchweg glückte. Nun aber begann der Tragödie zweiter Teil. Denn der Heiratskandidat entpuppte
fen zu gehen. So trieb er sich auch eu Abends spät noch am Meeresuser Lu während sein Vater schon schlief, t^ 1 ter aber noch ihres Mannes Anzug Da bemerkte er zwei ihm unbekannte ner, die emsig an der Landseite des Dammes Erde wegschaufelten. Das ihm auf. Er rannte zu seiner Mutter W erzählte es ihr. Diese fragte, ob denn L Schleusenwächter dabei gewe,en sei verneinte der Knabe. Der Wächter Hai- auf der Bank vor seinem Häuschen «el L und fest geschlafen. Darauf weckte Frau ihren Mann, und der kleine Inna schilderte ihm ganz erregt, wie frJ Männer an dem Damm ein Loch ten, und der Wächter daneben schlief fort schlüpfte der Zollsoldat in fein! Um’ form und stürzte an den bedrohten Damm Wäre dieser durchbrochen, so war ja Haus zuerst bedroht, nächstdem aber daganze wohlbevölkerte Tal im Gebiete drei Quadratmeilen Landes.
Der Mann kam gerade noch zurecht um die Untat zu verhindern. Bei seiner b Näherung sprangen die Schurken davon Sie hatten in den Damm ein Loch graben, das groß genug war, um einmal, ttges Stück Dynamit aufnehmen zu tön. nen. das sie in der Eile vor dem M, laufen hineingepreßt hatten. An di« Dynamit war eine Zündschnur beseftm Hätte sich einer der schlimmen (gesellen nachher noch hinschleichen und die S^nur anzünden können, so wäre eine Explch, erfolgt, die das Wasser in ungeheuren Strom auf das ahnungslose Tal losgeW fen hätte.
der ungludsft stellte Wächter
Der mutige Mann holte das gefähilit Zeug aus der Oeffnung heraus, macht!- unschädlich und stellte sich als Wache.- der Unglücksstelle auf. Der amtlich; stellte Wächter war nicht zu ermuntern,; kam erst am nächsten Tage wieder zu k Die Anstifter des Verbrechens hatten h durch präparierten Schnupftabak betäubt
Auf Grund der Beschreibung, die er M der kleine Junge von den beiden Verbn, chern gaben, tonnten diese Mi Tage daraus w haftet werden,
sich als Schwindler. Und die emeriti^ „tätowierte Dame" war ihrer beraubt. ,. .
„Es wird in der chemischen j wieder heftig an der Vervollkommn« von Rohstoffen zur Entfernung von x mierungen gearbeitet," sagt der PE «es gibt auch bereits Spezialfabruate, jedoch meist keinen durchschlagenden « folg haben. Es bedarf eben einer । . viduellen Behandlung, um die in dt" . geritzten Zinnober-" und Metz« stoffe auszutilgen. Während früher Kunst des Tätowierens bet werkern und Seeleuten selbst star ^ breitet war, während früher der j herrschte, den Handwerkern schon ® der Lehrzeit vom Meister oder e älteren Gesellen das Wahrzeichen ^ Zunft eintätowieren zu lassen,, >o n ^j, ^eute fast lediglich Sache der beruf« gen Tätowierer geworden, die " gewissen Kneipen der großen e|eü treffen sind. Die neue Zeit, di« Traditionen und Symbolik zum Eisen geworfen hat, hat auch w ‘ । es Brauch aufgeräumt. Und so w â denn vor, daß mich Fabrikbesitzer ^ die wahrhaftig nicht mehr die i ^ sind, um sich die (Erinnerungen froh« 3ugetw entfernen zu lasse»