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Stadt und Land

Wetterausstchten für morgen:

Wechselnd bewölkt mit vorübergehendem Aufklaren, etwas kälter, noch einzelne Schauern.

* Fulda, den 6. Februar 1935.

Wirtschaftsankurbelung!

Der Karneval hat nun begonnen was wir von ihm sehen ist meist nur die äußere Seite: Musik, Gesang, Tanz, Maskerade. Damit erschöpft er sich für viele Menschen. Daß er aber eine sehr große Bedeutung als Wirtschafts- saktor besitzt, darf auf keinen Fall übersehen werden. Januar und Februar sind bekannt als ruhige Zeiten für Industrie und Handel, und in diese bringt nun der Karne- pdl wieder Leben hinein. Seinen weitreichenden Einfluß verspürte gerade das Fuldaer Wirtschaftsleben diesmal in sehr starkem Maße.

Schon allein für die Kostüme ist ein ganzes Stück Arbeit M leisten. Was wird da nicht alles an Seide, Samt und sonstigen Stoffen verbraucht und alles muß zum größten Teil 'vollständig neu angeschafft werden. Erfolg: die Läden bekommen zu tun, in Fulda hatten diesmal die Tertilgeschäfte gut verkauft, und das war den Geschäfts­inhabern nach der so flauen Wintersaison wirklich zu gön­nen. Ta ferner nicht jede Frau ihr Kostüm selbst schneidert, gab es für die Schneider Arbeit in Hülle und Fülle. Wie- vièlen hat schon die Dekoration des Stadtsaales Arbeit ge­bracht! 20 Dekorateure hatten zu tun, um ihr Können auf eine Probe zu stellen wie gut diese gelungen ist, schrieben wir bereits. Die Industrie für Fastnachtsartikel darf nicht vergessen werden, ist sie doch auf einen zünftigen Karneval geradezu angewiesen. Und schließlich der Wein. Dem deutschen Winzer geht es schlecht, wir wissen es schon seit langem; um so mehr ist es zu begrüßen, daß er wieder für einen Teil seiner Produkte Absatz findet. Meist sind es billige Weine gewesen, aber das ist doch immerhin etwas. Und wer nun glaubt, billig sei nicht gut, der irrt sich. Die Fuldaer haben einen guten Geschmack, wenn's drauf an­kommt, und das bestimmt am Karneval. Was hat es also schon auf sich, wenn man das Geld rollen läßt es kommt doch nur andern Volksgenossen zugute, die es bitter nötig haben, und die es ohne den Fasching wohl nicht so reichlich bekommen würden. Also feiert den Karneval, er hat seine guten Seiten auf dem soeben behandelten Gebiet lassen sie sich sogar mit Zahlen greifen.

Zu unserem Bericht über das wohlgelungene Kostüm- fest im Stad tsaa l möchten wir berichtigend feststellen, daß die Dekoration des Festes, ein in rot und gold abge- stimmter Festraum, von Herrn Chefdekorateur A. König und dessen Mitarbeiter, Herrn Kretschy, stammte. Aus­geführt wurde die Dekoration von der Bereinigung der Schaufensterdekorateure Fuldas.

Nun geht's wieder aufwärts!

Bereits von Mitte Januar ab hat sich sehr deutlich das Längerwerden der Tage bemerkbar gemacht. Jedem fällt es jetzt schon auf, daß er von Tag zu Tag das Licht etwas später einzuschalten braucht. Wie kurz waren doch die Tage im Dezember! Erst gegen 9 Uhr wurde es richtig hell und schon um 3 Uhr nachmittags begann die Dämmerung. Und jetzt! Nach 4 Uhr nachmittags sitzen wir noch bei natürlichem Licht am Arbeitstisch und bald kommen die Be­rufstätigen noch bei Tageslicht von der Arbeit. Das ist immer ein kleines, ganz besonderes Fest, wenn man zum ersten Mal bei Tag heimgehen kann. Auch der Geldbeutel empfindet das Längerwerden der Tage sehr angenehm, denn jeden Tag kann man etwas mehr an Strom sparen und jeden Monat merken wir die Ersparnis deutlicher. Wir wisten: Nun geht es aufwärts, langsam, aber sicher!

Der Beamte und der Nationalsozialismus war das Thema, über das Pg. Wittmann auf der ersten Gründungsfeier des Reichsbundes deutscher Beamten (Stadtkreis Fulda) im Stadtsaal sprach. Man hatte die Ansprache in einem Unterhaltungsabend untergebracht, um dessen reiches Programm sich die PO.-Kapelle mit flotten Märschen und die Jahnriege des Turn- und Fechtklubs Fulda mit Geräte- und Freiübungen verdient machten. Außerdem hörten wir noch ein schlichtes Musikmelodrama, vorgetragen durch Kamerad Eudenberg, und sahen Tanz- vorführungen, unter anderem eine lustige Groteske, getanzt durch Mieze und Mimi Damm. Hervorzuheben ist noch ein Sprech- und Eesangchor des Jungvolkes, der wohl zu dem besten gehörte, was dieser Abend in unterhaltender Hinsicht brachte.

Die Feier wurde eröffnet durch eine Begrüßungsan­sprache des Leiters Pg. K r a m e r , in der er von der wich­tigen Rolle des Beamten im Staate sprach. Gegen die Mitte der Veranstaltung ergriff dann $g. Wittmann das Wort. Er führte aus, daß der Nationalsozialismus als eine Weltanschauung alles erfassen müsse. Es drehe sich um die Frage, in welcher Weise er nun den Beamten umformen müsse. Der Nationalsozialismus sei der Ansicht, daß nicht der Staat Selbstzweck, sondern daß er nur Mittel sei. Er würde jetzt noch ständig umgeformt, aber man könne darauf bauen, daß die vom Führer zu schaffende Reform voll und ganz das gesteckte Ziel erreichen würde. Und das Ziel sei nur der Dienst am deutschen Volke. Es sei daher auch der Beamte in erster Linie Diener des Volkes. Er müsse sich nach den Grundbegriffen richten, die unser Dasein bestimm­ten: Es seien die ewigen unwandelbaren Naturgesetze, und solange ein Volk diese achte, solange würde es leben und stark bleiben. Man müsse glauben an die Zukunft unseres Volkes, um an seinem Aufbau mitarbeiten zu können. Und um diesem Volke zu dienen, dazu dürfe sich die Beamtenschaft nicht, wie es früher wohl geschehen sei, als ein besonderer Stand fühlen. Der Redner schloß mit den einfachen Wor­ten: Was ist alle Arbeit des Führers, wenn sie nicht getra­gen wird von der Treue seiner Mitarbeiter!

Das Schlußwort sprach Pg. Kramer, in dem er dem Red­ner und den übrigen um die Ausgestaltung des Abends Bemühten seinen herzliclM Dank aussprach. Mit dem Gesang des Deutschland- und Horst-Wessel-Liedes schloß die Feier.

Der Lautsprecherwagen des WHW. kommt!

Heute am 6. Februar nach Fulda um 19 Uhr; nm 7. Februar nach Fulda um 17. 30 Uhr; am 14. Februar nach Wüstenfüchsen um 11 Uhr, nach Hilders um 12.40 Uhr, nach Simmershausen um I LM Uhr, nach Lehrbach um 17 Uhr, nach Tann um 18 Uhr; am 15. Februar nach Fulda um 13 und 19 W-

Rücksichtsloser Autofahrer fährt drei Radler an.

In der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch ereignete sich ein Unglllcksfall auf der Petersberger Straße außerhalb der Stadt. Ein Arbeiter und zwei Arbeiterinnen fuhren auf ihren Fahrrädern, von der Arbeitsstätte kommend, der Petersberger Straße aufwärts. Hinter ihnen her kam ein Personenkraftwagen in übermäßig schneller Fahrt. Wäh­rend dem Ueberholen wurden alle drei Radler von dem Auto angefahren und in den Straßengraben geschleudert. Der Arbeiter und eine Arbeiterin wurden dabei erheblich verletzt und mußten sofort ärztliche Hilfe in Anspruch neh­men. Der rücksichtslose Autofahrer fuhr mit verlöschten Lichtern in Richtung nach Fulda weiter, ohne sich um die Verletzten zu kümmern.

Sonntagsrückfahrkarten aus besonderem Anlaß.

Zu dem am 9. und 10. Februar d. I. in Frankfurt a. M. stattfindenden 2. Großen Nationalen Reit- Turnier werden auf den Bahnhöfen an der Strecke Frankfurt a. M.Fulda Sonntagsrückfahrkarten ausgegeben. Geltungsdauer: Hin­fahrt 9. Februar 0 Uhr bis 10. Februar. Rückfahrt 9. Fe­bruar 12 Uhr bis 11. Februar 12 Uhr (spätester Antritt der Rückfahrt).

Angehörige der deutschen Reichsmarine in Fulda.

Heute, den 6. und morgen, Donnerstag, den 7. d. M., sind wie wir nochmals bekanntgeben Angehörige der deutschen Reichsmarine, bestehend aus Mannschaften, Unter­offiziere und Offiziere, des 3. Torpedoboots-Halbflottille Gast beim Marineverein Fulda. Durch die Opferfreudigkeit einiger Fuldaer Familien konnten deselben kostenlos unter­gebracht werden. Es wird alles vrsucht, den Gästen den Aufenthalt in Fulda so angenehm wie möglich zu machen. Unter sachgemäßer Führung werden sie eingehend mit den Sehenswürdigkeiten der Stadt Fulda bekannt gemacht. Am Donnerstag sind sie Gäste der Stadt Fulda. Aus diesem Anlaß findet am Donnerstag, den 7. d. M., abends 8 Uhr im Saal des evgl. Vereinshauses ein Empfangs-Kamerad- fchaftsabend der Stadtverwaltung statt. Dort werden die Gäste von ihren Erlebnissen erzählen und so für den Ge­danken der Reichsmarine werben. Zu dieser Veranstaltung wird in erster Linie die schulentlassene Jugend, sowie auch die übrige gsamte Bürgerschaft Fuldas herzlichst eingeläden. Für eine gute Ausgestaltung des Abends ist Sorge getragen. Der Eintritt ist frei!

Empfang des Reichsarbeitsführers Hierl in Kassel.

Eine besondere Bedeutung erhielt die Eauschulungs- tagung des Arbeitsgaues XXII Hessen-Nord durch die An­wesenheit des Reichsarbeitsführers Staatssekretär Hierl. Der Reichsarbeitsfllhrer traf mittags mit einigen Herrn feines Stabes auf dem Hauptbahnhof in Kassel ein. Vor dem Bahnhofsgebäude hatten die Lehrabteilung des Ar­beitsgaues mit der Eaukapelle, der Eauftab und die Ar­beitsführer Aufstellung genommen. Nach der Meldung durch Arbeitsführer Zimpel schritt der Reichsarbeitsführer die Front der Führer und der Lehrabteilung unter den Klängen des Päsentiermarfches ab. Anschließend begab er sich in die Bllrgersäle, wo er an der Schulungstagung teil­nahm.

Die Wildspende im Gau Kurhesien.

Die aus staatlichen und privaten Jagden dem Winter­hilfswerk 1934135 zur Verfügung gestellte Wildspende be­lief sich auf 3054 Hasen, zwei Stück Damwild, 100 Stück Rotwild, 100 Stück Schwarzwild, 674 Rehe und 34 wilde Kaninchen.

Preisgekrönte Kaninchenzüchter.

Auf der Deutschlandschau des Reichsbundes der Kanin­chenzüchter, die fast mit 2000 Tieren beschickt war und vom 2. bis 4. Februar in Leipzig stattfand, erhielt der Züchter Jos. Götz hier auf Blaue Wiener einen 3. Preis und Jos. Seng in Johannesberg auf Schwarzloh einen 3. Preis.

* Mosbach, 5. Febr. (Stiftungsfest des Wan­der-Clubs Concordia.) Der Vorstand des Wan­der-ClubsConcordia" Mosbach hatte zu einem gemüt­lichen Abend am Sonntag, 3. Februar, im GasthausZur hohen Rhön" eingeladen. Es hatten sich viele Freunde und Gönner des Vereins eingefunden. Mit einem schneeigen Marsch wurde die Feier eröffnet. Es folgte ein sinnvoller Prolog, vorgetragen durch Frl. Elli Stumpf. Der Ver­eins-Vorstand begrüßte dann in einer Ansprache die Mit­glieder und Gäste, worauf das Deutschlandlied gesungen wurde. Ein lustiges Theaterstück sorgte dann für frohe Stimmung. Auch sonstige humoristische Vorträge fanden wie die Spieler reichen Beifall und hielten die Gäste einige Stunden zusammen.

* Gersfeld. (Gegen eine M a u e r g e r a n n t.) In Bischofsheim (Rhön) ereignete sich in der Nacht ein schwe­res Kraftwagenunglück. Ein Fahrer verlor, als er den Lvagen über einen Bahnübergang lenkte, die Gewalt über das Steuer und fuhr im 60-km-Tempo gegen eine Mauer. Dabei erlitt er durch das Steuer schwere Brustguetschungen sowie Schnittwunden durch die Windschutzscheibe. Auch die übrigen fünf Jasagen wurden zum Teil schwer verletzt. Der Führer wure in das Krankenhaus gebracht, wo er in ernstem Zu st and daniederliget.

Hersfeld, 5. Febr. (Fulda und Haune über die Ufer getreten.) Infolge der letzten starken Nieder­schläge ist ein starkes Anschwellen von Fulda und Haune zu beobachten. In Niederaula sind die Wiesen zum größten Teil überschwemmt. In Rhina ist die Haune über die Ufer getreten, wodurch große Teile der Straßen unter Wasser gesetzt wurden. Zwei kleine Holzbrücken sind von den Fluten fortgerisien worden. Da auch die übrigen Drücken vom Wasser überspült sind, ist der Verkehr im Ort lahm­gelegt.

Eschwege. (D e r Ve r a n t w 0 r t u n g entzöge n.) Vor dem hiesigen Amtsgericht hatte sich Dienstag vormittag der Viehhändler und Fleischer August Wendemuth aus Kassel wegen rückfälligen Betruges zu verantworten. Wen­demuth hatte im Kreise Eschwege in letzter Zeit Betrüge­reien begangen. Da er erheblich vorbestraft ist, wurde'er zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Das Gericht sprach außerdem Haftbefehl aus. Als der Angeklagte abgeführt wurde, bat er darum, austreten zu dürfen. Diese Gelegen­heit benutzte W., um sich zu erschießen. Die Leiche wurde nach Kassel übergeführt.

Biedenkopf, 5. Febr. (I m A I t e r v 0 n 1 0 3 I a h r e n gestorben.) Die älteste Mitbürgerin, Frau" Sophie Plitt geb. Husmann, die erst kürzlich zur Ehrenbürgerin der Stabt Biedenkopf ernannt wurde, ist im Alter von 103 Jahren infolge Herzschlags gestorben. An den Geschehnissen unserer Tage nahm sie noch regen Anteil. Man erinnert sich noch lebhaft an den 19. August des vergangenen Jahres, als sie als eine der ersten ihre Stimme für den Führer ab- gab. Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger bcglückwünschie damals die Frau zu ihrem noth UN besten Bevbalten in her Zett und trotz holten Alters.

Karger, 5. Febr. (Ei n ganzes Dorf sucht 5 0 M ark!) In große Aufregung geriet eine arme Witwe in der Ortschaft Eisern. Sogar das grxnM Dark y^hs durch

die Ortsschelle rebellisch gemacht. Dieser Frau waren 50 Mark verloren gegangen. Die Frau sucht, das Dorf suchte, und schließlich fand sich das Geld in der Manteltasche der Frau . . .

Hachenburg, 5. Febr. (Rücksichtsloser Auto­fahrer verletzt drei Personen.) Der Autofahrer Knautz aus Weitefeld, der sich auf einer Fahrt nach Alten­kirchen befand, durchfuhr mit seinem Kraftwagen in rascher Fahrt die Hauptstraße der Stadt. Hierbei fuhr er einen dicht am rechten Straßenrand stehenden Arbeitsdienstmann an, der schwer verletzt liegen blieb. Einige Meter weiter, ebenfalls an der rchten Straßenseite, streifte das Auto zwei 14jährige Mädchen. Das eine Mädchen wurde schwer verletzt, während ihre Freundin mit leichteren Verletzun­gen davonkam. Der schwer verletzte Mann und das eben­falls schwer verletzte Mädchen, die u. a. Gehirnerschütte­rungen erlitten, mußten ins Krankenhaus verbracht wer­den. Der Autofahrer fuhr zunächst weiter und konnte erst etwa 150 Meter von der Unfallstelle entfernt von Pasian­ten zum Halten gezwungen werden. Der Autofahrer wurde vergiftet.

Frankfurt a. M., 5. Febr. (D i e amerikanische Erbschaft für Frankfurt a. M.) Aus Newyork wird dem Landespressedienst des DNB. gemeldet: Zu der Erbschaft, die der im GefLiygniskrankenhaus zu Albany verstorbene Alphons Stephani hinterlasien hat, wird noch bekannt, daß der Verstorbene ursprünglich 100 000 Dollar von seinem Vater geerbt hatte. Diese Summe hat sich wäh­rend seiner 45jährigen Gefängnishaft fast verdreifacht. Das Geld liegt bei der Chase National Bank in Newyork. Es wurde von Stephani einer Bank in Frankfurt a. M. Hinter­lasien, die es zugunsten der Frankfurter Bevölkerung ver­wenden soll. Ferner sind in dem Testament Stephanis noch weitere Guthaben bei der Equitable Trust Company, Guaranty Trust Company uni> bei dem Credit Lyonnais in Paris und London erwähnt. Alphons Stephani ist spanischer Abkunft und der Sohn eines reichen Weinhänd­lers in Philadelphia. Stephani hatte im Jahre 1890 nach seiner Rückkehr von einer Deutschlandreise im Verlauf eines Streites den mit der Regelung seines väterlichen Erblasses beschäftigten Rechtsanwalt erschosien und war deshalb zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden. 1902 wurde er für geisteskrank erklärt. Das Testament, durch das er seine sämtlichen amerikanischen Verwandten enterbt, hat er im Jahre 1917 verfaßt. Wie zu dem Testament des im Gefängnis von Albany o erstorbenen Alfons Stephani noch bekannt wird, sollen die darin erwähnten Beträge nicht nur für Frankfurt a. M., sondern auch für Homburg vor der Höhe bestimmt sein.

Brandstiftung die Ursache des Riesenfeuers in Frankfurt a. M.?

Frankfurt a. M., 6. Febr. Wie die Justizpressestelle mitteilt, sind im Zusammenhang mit dem Riesenbrand in Frankfurt a. M., der vor einigen Tagen auf der Zeil wütete, am Sonnabend die beiden Inhaber der Firma Veit u. Wohlfahrt, die Kaufleute Iulius Kahn und Fr. Wohl­fahrt, unter dem dringenden Verdacht der vorsätzlichen Brandstiftung in Haftgeuom- m e n worden.

Frankfurt a. M., 5. Febr. (Tob einesbedeuten- den Lebensmittelchemikers.) Im 59. Lebens­jahr verstarb plötzlich der langjährige Direktor des Städti- schen Nahrungsmittel-Untersuchungsamtes und des Univer- fitätsrnstituts für Nahrungsmittelchemie Professor Dr. I. Tillmans. Der Verstorbene ist weit über die Grenzen Deutschlands als hervorragender Wissenschaftler und Prak­tiker bekannt geworden. Die Lebensmittelchemie, besonders die Wasierchemie, verdanken ihm zahlreich Arbeiten und bedeutende Bücher. In den letzten Jahren galt seine For­schung in erster Linie dem Vitamin C, dem unentbehrlichen Schutzstoff gegen Skorbut. Er war der erste, der den Zu­sammenhang des in der Nebenniere enthaltenen reduzieren­den Stoffes mit dem Vitamin C erkannte. 180 Veröffent­lichungen über die verschiedensten Gebiete zeugen von der Fruchtbarkeit seiner Gedanken. Lebensmittelchemie und Wasierchemie verlieren in ihm einen ihrer bedeutendsten Vertreter.

Lampertheim, 5. Febr. (Jugendliche Zigaret- te n d i e b e.) Durch ein fein ausgeflügeltes und gut orga­nisiertes System verschafften sich im Laufe der letzten Wochen, wie dieLampertheimer Zeitung" berichtet, eine Anzahl Jugendlicher größere Mengen von Rauchwaren, insbesondere Zigaretten. Sie hatten herausgefunden, daß ein hiesiger Geschäftsmann die in den meisten Wirtschaften aufgestellten Zigarettenautomaten jeweils auffüllt und die hierzu benötigte Ware in seinem Personenkraftwagen mit­führt. Während nun der Geschäftsmann in der Wirtschaft seine Geschäfte abwickelte, machten sich die rauchlustigen Jungen an den unverschlopenen Kraftwagen heran und ent­wendeten hieraus ganze Pakete Zigaretten. Die Diebstähle wurden _meift am bellen Tage ausgeführt. Nach den bis­herigen Feststellungen handelt es sich um elf Beteiligte, von denen vier unter 14 Jahren und noch schulpflichtig sind.

Erbach (Odenwald), 5. Febr. (E i n Eisenbahn- damm eingestürzt.) Auf der Bahnlinie Eberbach Darmstadt, in der Nähe der Station Kailbach, stürzte gestern vormittag eine etwa acht Meter hohe Mauer, die die Eisen­bahnlinie nach der Talseite zu abstützt, ein und überschüttete hie Straße EberbachErbach, die mit der Bahnlinie paral­lel läuft, mit einem Berg von Steinen und Felsgeröll. Die Felsstücke wurden weit ins Wiesental geschleudert. Men- schen sind glücklicherweise nicht zu «chaden gekommen. Da die Gleise vollständig in der Luft hängen, ist der Bahnver- kehr, ebenso der Straßenverkehr. vollständig unterbunden. Der Bahnverkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Anscheinend ist der Einsturz auf die Unterspülung durch die großen ZUasiermengen zurückzuführen, die in den letzten Tagen infolge Regen und Schneeschmelze zu Tal gegangen sirrd.

Zweibrücken, 5. Febr. (Eine Wildkatze als R e h - würg er .) In der Gemarkung von Vorderweidenthal wurde wiederholt verendetes Rehwild aufgefunden, dessen Verletzungen immer dieselben waren. Der Kopf war dicht hinter den Lauschern wie von einer Säge abgetrennt und nirgends auffindbar. Wie waren Spuren eines Kampfes zu sehen. Angestellte Untersuchungen ergaben, daß es sich um ein Raubtier handeln mußte. Dem Wild fehlte stets das Blut, das von dem betreffenden Raubtier ausgewogen worden war. Reste von Hasen- und Kaninchenknochen in einem verlassenen Steinbruch führten nunmehr zur Ent­deckung des Verstecks des Räubers. Einem Jäger gelang es auch, das Raubtier zu erlegen. Es ist ein starkes aus gewachsenes Wildkätzenweibchcn. dessen Körperlänge 78 cm und dessen Schwanzlänge 29 cm beträgt. Das Tier das eine Höhe von 37 cm hat, wiegt rund 8# kg Wn«m Dehsteck fnd men wH ^^^^ rum Achen." "