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Zul-aer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage-Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 NM. Bei Lieferungsbehinderung durchHöhere Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Vertag Fried­rich E h r e n k l a u , Fulda, Königstratze 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren- kl a u, Fulda, Königstratze 42, Telefon 2989.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

ZuSüa- und Haunetal Zulüaer Kreisblatt

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Nr. 6 12. Jahrgang

Fulda, Dienstag, 8. Januar 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Ier erste MstimiWstsg im Ssargetiet.

Die Bevölkerung ist mißtrauisch. Bei deutschem Cruh ist die Stimme ungültig!

In der Nauwèeser Schule in Saarbrücken fand die Abstimmung des Personals der öffentlichen Berkehrs- anstalten, des Personals der Krankenhäuser, der Gefäng­nisse und der Gerichte statt. Gleichzeitig begann die Wahl in den übrigen Kreisen, des Saargebietes an je einer Stelle für die gleichen Personen.

Die Beamten haben nur zum Teil von dieser Mög- iichkeii der Abstimmung Gebrauch gemacht: sie sind nicht verpflichtet, in diesen Tagen zur Abstimmung zu er­scheinen und können ihrer Abstimmungspflicht auch am nächsten Sonntag genügen. Ein erheblicher Teil der Be­amten hat insofern Bedenken, als der abgegebene Stimm­zettel in dem Umschlag nochmals in einen Umschlag ge­steckt wird. Dieser zweite Umschlag enthält

Namen und Nummèr des abstimmungsberechtigten Beamten.

wird bis zum Sonntag aufbewahrt mib dann dem zu­ständigen AbstimmungSlokal übergeben. Über die Ge­heimhaltung dieser durch Namen und Nummer, wenn auch in einem zweiten Umschlag, gekennzeichneten Ab- stimmungsscheine besteht noch feine völlige Sicher­heit.

Am ersten A b st i mmungstage für die Be- amten des Saargebietes und ihre Angehörigen sowie ferner für die Insassen der Gefangenenanstalten und der Krankenhäuser war die Beteiligung an der Wahl außerordentlich s ch w a ch. So haben in Saarbrücken z. B. nur 200 Personen abgestimmt. Zur Teilnahme an dieser Vorabstimmung sind, nur die Angehörigen des Landjägerkorps und der blauen Polizei gezwungen, wäh­rend sie für die übrigen Beamten freigestellt ist. ES hat sich gezeigt, daß die Bevölkerung in die technischen Maß­nahmen der AbstimmungSkommissiou doch ein erheb­liches Mißtrauen seht und lieber erst am Haupt- abpimmungstage, am 13 Januar, abstimmt.

Es kommt hinzu, daß z. B. von 32 Stimmen in Beckingen und Mettlach fünf für ungültig erklärt worden sind, weil die Abstimmenden entgegen den Be­stimmungen der Abstimmungskommission im Wahllokal selbst ihrer politischen Meinung Ausdruck gegeben haben. Als Ausdruck der politischen Meinung wird es schon be­trachtet, wenn die Hand zum Deutschen Giltst gehoben wirb. Besonders tragisch liegt der Fall einer kranken alten Frau, die bettlägerig ist und nur mit Hilfe anderer Personen an der Abstimmung tcilnehmen tonnte. Sie erklärte, sie sei deutsch geboren und wolle auch

Strenge Kälte in Sicht?

21 Grad Frost in Ostpreußen.

Während im größten Teile Deutschlands die Tempe­raturen sich um den Nullpunkt bewegen oder wenige Grade darunter liegen, herrscht in Ostpreußen seit einigen Tagen strenge Kälte. Tiefsttemperaturen wurden in Lötzen und Goldap gemessen, wo das Queck­silber nachts aus 21,5 bzw. 20 Grad Kälte sank

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Durch den Vorstoß arktischer Kaltluftmassen sind die Temperaturen in Schlesien erheblich zurückgegangen Aus einer Reihe von Gebirgsorlen werden bereits Temperaturen bis zu 13 Grad Kälte ge­meldet. Da fast überall weiterer Neuschnee gefallen ist, sind die Sportmöglichkeiten für Ski und Rodel gut. Die Wetter­warte BreslauKrieteru teilt mit, daß in den nächsten Tagen strenge Kälte zu erwarten ist, wobei eS allerdings nur noch vereinzelt zu Schneefällen kommen wird Für Oberschlesien sowohl wie für die mittel- und nieder- schlesischen Gebiete werden Temperaturen von etwa

20 Grad Kälte vorausgesagt.

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Der weiße Tod.

Sechs Menschen im Schnee begraben.

Vier Italiener aus Mailand, zwei Damen und zwei Herren, die im Silvaplanagebiet im Engadin eine Skiwanderung unternommen hatten, verfehlten bei der Abfahrt ins Nosegtal den Weg. Sie fuhren auf ein <5 d) neebrett, das niederbrach und die vier Skiläufer unter s i ch begrub. Zwei von ihnen konnten kurze Zeit darauf von anderen Skiläufern aus den Schncemassen geborgen werden. Jedoch blieben sofort unternommene Wiederbelebungsversuche erfolglos. Die beiden anderen Opfer konnten noch nicht geborgen werden.

Zwei Londoner Skiläufer namens John Howard und Franklin Armstrong wurden bei einer Be­steigung der Hochjochspitze in den Q y i a l e r Alpen von einer Lawine verschüttet. Die Leiche Howards wurde mit Hilfe der Lawinenschnur, die aus dem Schnee hcraus- ragte, gefunden. Die Leiche seines Gefährten konnte bisher noch nicht geborgen werden Die beiden Engländer halten die Fahrt gegen den Rat erfahrener Bergführer unternommen.

Gewaltiger Lawinensturz in der Schweiz.

Im Berner Oberland ist aus der Strecke ^nier.lakenGrindelwald die aekürcktete Winlereaa-

deutsch st erben. Daraufhin wurde ihre Stimme für ungültig erklärt.

Gegen die Ungültigkeitserklärungen sind natürlich von den entsprechenden Dienststellen der Deutschen Front Proteste eingelegt worden. Insbesondere besteht ein starkes Mißtrauen dagegen, daß die Abstimmungskommis- sion ungeordnet hat, daß nur schwarze Bleistifte zur An­kreuzung in bestimmte Felder auf dem Stimmzettel be­nutzt werden dürfen. Schon eine andere Tönung eines Bleistiftes kann also zur Ungültigkeitserklärung einer Stimme führen, ebenso die Benutzung eines Kopierstiftes. Da ferner die Möglichkeit besteht, daß böswillige Elemente in den Abstimmungszellen die vorhandenen schwarzen Bleistifte gegen andersfarbige Stifte austauschen, ist die Gefahr geschaffen, daß die ganze Wahl zu einer F arce wird.

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Das Saargrenzgebiet arbeiislosenfrei!

Glänzender Erfolg der Aktion des Gau­leiters Bürckel.

Die Gemeinden Brücken, Schönenberg, Kübelberg, Dittweiler, Altenkirchen, Frohnhofen, Breitenbach, Bruch­hof, Bruchmühlbach, Miesau, Sand, Gries, somit das ganze pfälzische Saargrenzgebiet sind nun­mehr frei von Arbeitslosen.

Gauamtsleiter K n i s s e l teilt dazu mit:Durch die Initiative des Saarbevollmächtigten, Gauleiter Bürckel, wurde innerhalb weniger Wochen das gesamte Saargrenz- gebiet mit großen Arbeitsbeschafsungsmaßnahmen be­dacht. Etwa 1600 Arbeiter erhalten über ein Jahr Arbeitsmöglichkeit. Durch die Unterstützung Dr. Leys, die Bereitstellung der Mittel aus der Arbeitsfront, können Millionen von Mark neben den Geldern aus der Reichs­anstalt für Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermitt­lung eingesetzt werden. Eine Tat, die die gesamte Arbeiter­schaft des Grenzgebiets dankbar anerkannt und die für unsere Brüder an der Saar den Beweis liefert, in welchem Maße künftig nach der Rückgliederung durch den Gauleiter alle zur Verfügung stehenden Mittel für Arbeits­beschaffung eingesetzt werden. In diesem Geiste des deut­schen Sozialismus wollen wir, so wie heute in der Pfalz, nach dem t 3. I a n u a r auch an der Saar alle unsere Kräfte einsetzen, um dem deutschen schaffenden Menschen anständige Lebens- und Erizenstmöglichkeiten zu schaffen.

lawlne niedergegangen. Nach dem VolkSmund fährt sie alle bnnben Jahre einmal zu Tal. Die Lawine hat eigentlich diesen Termin nicht ganz eingehalten, indem sie das letztemal vor elf Jahren erschien. Durch die außergewöhnlich reichen Schneefälle der letzten Tage hatten sich ungeheure Schneemassen ausge­schichtet, die von der Lawine zu Tal gerissen wurden. Die Grundlawine selber drang nicht bis zur Bahnstrecke und zur Staatsstraße vor.

aber her Luftstrom, den sie erzeugte, war so gewaltig, daß alles zerstört wurde, was in seinen Bereich kam.

Bäume wurden umgefnidt und milgerissen, Scheunen­dächer und ein Schuppen mitgenommen und aus die Hoch­spannungsleitung der Bahn, die Bahngleise und die Telephonleilungen geschleudert und die Staatsstraße da­mit zugedeckt.

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Wilna verzeichnet 33 Grad Frost.

Aus Warschau wird gemeldet: Der Frost im Gebiet von Wilna hat 3 3 Grad erreicht. Die Züge haben vielfach Verspätungen, da Heizungsröhren usw. platzten.

M!Hi1IIHII!Wli!WIIW!|MWHN!l»il||ffll|IHItlimiN

Was man vom Saargebiet witzen muß.

Tie G l a s i n d u ft r t e des Saargebietes vrovu zierte vor der Weltwirtichasrskrise läbrlich vier Millionen Duabratmeter Tafelglas: das ist io viel wie ein meterbreites Band von einem Zehntel des ganzen Erdnnifanaes Ter Absatz mna zu vier Fünfteln nach Teutschland

An der Saarindnsirie m pemerkenSwcri vatz sie außer einigen Gruppen der Schwerindustrie keine Truste kennt. Tie Regel ist der Einzelbetrieb in dem üch der Ebes gegen­über dem Betrieb und der Allaemeinben verantwortlich fühlt

Im Handwerk sind 14 000 Betriebe beschäftigt

Erst 1920 wurde der Warenaustausch mit dem Saargebiet obn den schwersten Zollasten befreit Daraufhin stieg die Aussubr aus dem Reich nach dem Saargebiet von 54 ans 109 Millionen und die Einfuhr aus dem Saargebiet ins Reich von 139 auf 221 Millionen Mark

Für den Verkehr Dort in dem äußersten Südwesten des Reiches ist Saarbrücken einer der wichtigsten Kuoteu- punkie Richt weniger als sechs große Hauptbahnlinien laufen Don durch- Köln- Trier Berlin Frankfurt, Mann­heim- Kaiserslautern München -Stuttgart, BaselStraß­burg und Paris--Mctz Der ^aiwibobnbof festigt täglich 500 Znac ab

Es geht um das Land und die Menschen."

Als die Riesenscharen der Saardeutschen auf dem Bahnhof in Saarbrücken eintrafen, um an der Kund­gebung derDeutschen Front" teilzunehmen, sahen sie zwar nicht überrascht, aber doch einigermaßen erstaunt am Bahnhof eine schwer bewaffnete italienische Kom­pagnie in Reih nnd Glied. Um für dieAufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung" zu sorgen. Die Kompagnie ist dann später abgerückt, weil die befeblsführenden Stellen offenbar zu der Überzeugung gekommen waren, daß

Die Stadt Homburg mit dem Schloßberg,

eine der schönsten Landschaften aus unserem Saargebiet.

ihreSorge" völlig überflüssig gewesen ist. So etwas soll ja Vorkommen! Und zwar nicht bloß im Saargebiet. Fast historisch ist hierfür ein Wort geworden, daS vor langer Zeit, als in den neunziger Jahren einmal im westfälischen Kohlenrevier ein Bergarbeiterstreik_ aus­brach und aus Drängen der Behörden auch Militär zur Aufrechterhaltung der angeblich bedrohten Ordnung herangezogen wurde, der betreffende Regimentskomman­deur nach Berlin telegraphierte:Hier ist alles ruhig, nur nicht die Behörde!"

Auch im Saargebiet ist alles ruhig, nur nicht die RegierungSkommissiou und die Abstimmungsbehörde. Die internationalen Streitfräfre freilich, die am Bahnhof von Saarbrücken und an andern Stellen eingesetzt" sind, werden wohl schon selbst gemerkt haben, wie überflüssig sie sind. Und doch bat das alles auch sein Gutes! In zahlreichen ausländischen Zeitungen sind nämlich Bilder erschienen, die das Einrücken und den Dienst" dieser fremden Truppen im Saargebiet zeigen. Fast siebzehn Jahre ist es her, feit der Weltkrieg offiziell zu Ende ist, und nun siebt dieselbe Welt die Bajonette fremder Truppen über einem Gebiet, von dem sie ja selbst ganz genau weiß, daß die Bevölkerung in ihrer erdrücken­den Mehrheit nichts anderes will als zurückzukommen zum Reich! Jeue italienische Kompagnie am Bahnbof von Saarbrücken nicht bloß, sondern alle ihre Kameraden, die im Saargebiet die gar nicht bedrohte Abstimmung schützen", erhalten sozusagen einen drastischen A n - schanungsunierricht darüber, wie es im Saar­gebiet in Wirklichkeit aussieht. Und vielleicht gibt eS doch im Ausland außerdem hier und da jemanden, der bei der Betrachtung der Bilder vom Dienst der fremden Truppen im Saargebiet nachdenklich den Kopf schüttelt und fast erstaunt fragt:DaS alles auf deutschem Gebiet, frcinde Soldaten in schwerer Bewaffnung, jetzt, sieb­zehn Jahre nach dem Weltkrieg! Wenn der zur Abstiinmuna berangereifte Saarländer das sieht, dann m u ß er ja durch feine Haltung und seine Abstimmung dafür sorgen, das; mit diesem heute geradezu unglaub­liche» Zustand schleunigst ein Ende gemacht wird!" Die Saarländer selbst haben ja diesen Zustand mehr als anderthalb Jahrzehnt hindurch durchleben müssen. Aber der Welt selbst kommt das alles heute doch wohl retchlich sonderbar vor, und sie ist ausgiebig darüber unterrichtet worden, daß Deutschland alles mögliche getan bat, um dem Saargebiet und - der Welt selbst dieses Schauspiel zu ersparen. Es bat nicht sollen sein!

Die Welt weiß es, Deutschland weiß es: Deutsch ist die Saar!" so schloß die Rede, die der Stellvertreter des Führers. Rudolf Heß, im BerNner Sportpalast an die dort versammelten vielen, vielen Tau­sende und an die Millionen der Rundfunkhörer richtete.