Stadt und Land
Westeraus sichten für morgen:
Nach kalter Nacht mit Aufheiterung wieder Uebergang zu unbeständigerem und milderem Wetter.
* Fulda, den 5. Januar 1935.
Epiphanias.
AP. Gcsch. 4, 20: „Wir können's ja nicht lassen, daß wir nicht reden sollt von dem, was wir gesehen und gehört haben."
Das E p i p h a n i e n f e st, der 6. Januar, ist von alters her der besondere M i s s i o n s t a g der Kirche. Als die Erstlinge der Heidenwelt galten die drei Weisen aus dem Morgenlande, von denen uns das Evangelium des Epiphaniastages erzählt (Matth. 2). So wird heute wohl in allen Kirchen gepredigt von der hohen Aufgabe der Mission, und es wird für die Missionen gesammelt.
So manche, auch Christen, fragen: „W a r h m Mission? Was gehen uns die da draußen an? Wir haben hier genug zu tun mit uns. Das Henid ist uns näher als der Rock." Man könnte darauf antworten: „Ja, aber wir gehen nicht im Hemd allein herum, wir tragen immer delt Rock darüber." Doch wir wollen ernster antworten. Was ging den Samariter der Mann an, der unter die Räuber gefallen war? Das lehrt uns unser Meister Jesus Christus: zum Helfen sollen die Seinen stets die Nächsten sein, Und die da draußen brauchen Christenhilfe, die ihnen doch eben nur die Christen bringen können — wer denn sonst? In seinem Namen allein liegt das Heil für alle. Sollen wir, was wir empfangen, das Höchste, das wir haben, ihnen nicht weitergeben?
Wie nötig sie es brauchen, davon geben sie Zeugnis genug, die da draußen, gerade die kulturell Höchst- stehenden, bei denen man es eigentlich am wenigsten vermuten sollte. So hat 1918 die Regierung von Japan erklärt: „Wir wünschen die Mitarbeit des Christentums -ei der sittlichen Erneuerung unseres Volkes", und etwas früher ist im Ministerium von China festgelegt worden: „Was wir nicht entbehren können, ist die Kraft der Liebe, die in Christus liegt."
Und noch ein: Wir christlichen Völker Europas und Amerikas haben den Heiden draußen so mancherlei gebracht, das sie nicht wollten, so manches, das ihnen zum Verhängnis geworden ist. Sollen wir. ihnen nun gerade das nicht bringen, was ihnen Segen bringen kann? Sollen wir ihnen ben nicht verkünden, der auch für sie der ^H eilan d" sein will und allein sein kann? Albert Schweitzer, der große Arzt und Missionar, der seine ganze Laufbahn hier darangegeben hat, um mit aller seiner Kraft draußen zwischen Urwald und Wasser den armen Heiden au Seele und Leib zu dienen, hat sehr ernste Worte gesprochen von der Sühne, die in solchem- christlichen Tun liegt.
Wir Dürfen von dem nicht schweigen, von dem wir Erlösung erfahren haben, dürfen es schon darum nicht, weil fein Gebot besteht: „G ehet hin in alle
Welt . .
P. H. P.
Am Wochenende.
Das wäre ja in diesem Jahre an Sylvester ziemlich geräuschlos abgegangen! Schon am frühen Nachmittag des 31. Dezember hatten sich die Fuldaer Jungen mehr und mehr auf „Salonfeuerwerk" umgestellt — das Regenwetter halt — die Frösche explodieren nicht und manches andere hat unter dem warmen, regnerischen Wetter zu leiden. Eine Katastrophe bedeutet dieser Winter beispielsweise für Wintersportplätze in der Schweiz. — Kurz und gut, wie es auch sei, ein bißchen Schnee und Frost wäre allenthalben willkommen. Wenn in der lauen Mittagsluft die Mücken spielen und im Garten vorwitzige Veilchen mit ihren blauen Aeuglein hervorlugen und sogar die Rosen noch blühen, das will im Januar niemanden recht gefallen. Ein wetterkundiger Bauer aus der Nachbarschaft versichert jedoch, daß von Mitte Januar an mit Schnee und Frost
wie es auch sei, ein bißch halben willkommen. We
zu rechnen wäre — also mal abwarten und vorläufig „Trockenübungen" mit Schi und Schlittschuh machen.
Die Schwungräder des Alltags fangen um diese Zeit wieder an, sich gleichmäßig und gewissenhaft zu drehen. — Die Gratulationskarten liegen zusammengeknüllt im Papierkorb — ist es doch merkwürdig mit diesen Karten — bekommt man keine von der erhofften Seite, dann ärgert man sich, und bekommt man die Karte mit ihrem stereotypen Glückwunsch — dann ärgert man sich manchmal auch. Wenn man nur auch die anderen Briefchen so schnell abtun könnte, die Geschäftsbriefe mit den nüchternen Zahlen. Da sitzt manche Hausfrau vor einem recht ansehnlichen Häuflein solcher Neujahrsbriefe, die nicht beliebt sind. ....... „, .... v_______, ...
Man nennt sie gewöhnlich Rechnungen! Die Schneiderin Ä Marktstraße, und die Hirschapotheke, Leipziger Straße, meldet sich, das Putzgeschäft schickt eine verblümte Mah- M nung, der Schuhmacher wartet auf sein Geld. Da ist der Polsterer, der im Herbste die Matrazen aufgearbeitet hat 5 der Schreiner, der dies und jenes ausgebessert hat. Sachen, die man schon ganz vergessen hatte, wollen plötzlich bezahlt sein — und gar bei einigen Rechnungen kommt es den Schuldner so vor, als sei der damals vereinbarte Preis inzwischen höher geworden. Wie fatal — jetzt auf einmal solche Summen zahlen zu müssen — und dabei ist der Jn- venturverkauf in Sicht! Da steigt dem säumigen Zahler wohl der Gedanke auf: wie viel besser es doch wäre, jede Anschaffung sofort zu bezahlen — und ob man da nicht auf so manche kostspielige Erwerbung verzichtet hätte? Der Mann mit den Raten kommt ohnedies jede Woche, dies und jenes kauft man ja heute immer noch auf Ab- • Zahlung oder „Stottern". Es ist so üblich, tröstet eine beschwichtigende Stimme aus dem Unterbewußtsein — sogar der Staat zahlt heute manches in Raten. Aber die Rechnungen— von denen der Handwerker, oder der Kaufmann noch keine Rate bekommen hat — sie steigen anfangs Januar aus der Versenkung hervor! — Was leben wir in einer merkwürdigen Zeit"— wie gerne möchte man bar bezahlen — aber kann man denn das überhaupt? Gewiß, m an kann e s, das beweisen die vielen Warenhäuser re. bei denen es „nur gegen Kasse" geht und gehen muß. Und das ist die Stärke des Warenhauses dem kleinen Geschäftsmann gegenüber, das Geld rollt — und wenn es nur Pfen-
nige sind — es gibt keine Stockung im Kreislauf. Die Gesundung unserer Wirtschaft ist enge damit verknüpft — was dem Warenhaus recht ist, muß auch dem kleinen Geschäftsmann zugestanden werden. Der sogenannte gewerbliche Mittelstand — wenigstens bis vor kurzem nannte >nan das Handwerk und den Kleinhandel so — verliert 'n seiner Gesamtheit durch das immer noch nicht ganz verschwundene Pumpsystem alljährlich Millionen an Zinsen, und bei manch einem geht es um die Existenz — seine Leistungsfähigkeit leidet darunter.
Mit dem Erscheinungsfeste sind wir am Ende des Weihnachtsfestkreises angelangt, die „zwölf heiligen Nächte" sind vorüber, und der Werktag stellt wieder seine Ansprüche an jeden Einzelnen. Die Gedanken aller deutscher Menschen sind in diesen Tagen bei den Brüdern an der Saar.
Und nicht nur Deutschland die ganze Welt blickt gespannt nach der Saar. Für uns besteht nicht der geringste Zweifel über den Ausgang der Abstimmung. Es wird den geheimen Mächten nicht gelingen, das Abstimmungsergebnis oder die Abstimmung selbst zu sabotieren.
In der Stadt macht sich die übliche Ruhe nach dem Feste überall bemerkbar. In den Geschäften ist die Stille nach dem Sturm ebenso zu spüren wie in den Gaststätten. Dagegen haben die Aerzte alle Hände voll zu tun — das ungesunde Wetter läßt die Grippe wieder mehr aufflackern. In den regengepeitschten Straßen stehen die „Grauen Männer", die Bekannten vom vorigen Jahre, immerhin quetscht man dem geschundenen Geldbeutel noch einen Fünfziger heraus — es könnte doch einmal klappen — und wenn nicht, dann bleibt immer noch die Hoffnung und der Gedanke, mitgeholfen zu haben an dem großen WHW. Wichtig für Freimarkensammler: die neue Wohlfahrtsmarke!
Wie im Rheinlande so bereitet man sich in Fulda auch auf den Karneval vor. Hinter den Kulisien stark gearbeitet. Der Türkenbund hat seine
allmählich
wird schon , „ . _____________„
Musterung abgehalten, es soll allerlei Üeberraschungen geben. Es fehlt auch nicht an guten Ideen, wenn es gelingt, diese Ideen zu „realisieren", d. h. den nötigen Zaster dafür aufzubringen, dann sind alle Miesmacher erschlagen — denn auch die Narrenfröhlichkeit wird nicht überall und an allen Stellen unbedingt bejaht. Es gibt gewichtige Argumente dafür und dagegen. Wir wollen es mit dem mittleren Weg halten: nicht zu großartig, damit nicht alle Reserven mit einem Male erschöpft werden. Und im übrigen kann auch in Fulda ein bißchen Aufmunterung nichts schaden — als Arzenei gegen Verkalkung und Verdickung des an und für sich nicht dünnflüssigen Fuldaer Blutes.
A. M.
Feierlicher Empfang der auswärtigen Futzballgäste im Rathaus.
Wie bekannt, wird am Sonntag, den 6. b. Ast, nachmittags, auf dem Sportplatz Johannisau ein Bundesspiel zwischen den G a u m a n n s ch af t en „Br a n d e n b u r g" gegen „Nordhessen" am Borussenplatz um den Hitler-Pokal ausgetragen.
Die Stadtverwaltung Fulda hat es als ihre Pflicht erachtet, die auswärtigen Gäste am Sonntag, vormittags 11 Uhr, im Sitzungssaal des Rathauses feierlichst zu empfangen.
Außer den Spitzen des deutschen Fußballbundes werden die stöbt. Behörden vollzählig vertreten sein. Den beiden Kampfmannschaften wird von Seiten der Stadtverwaltung ein Andenken zur Erinnerung an Fulda überreicht. Weiter ist von Seiten des Deutschen Fußballbundes eine Ehrung alter Borussenspieler vorgesehen.
Nach der Empfangsfeierlichkeit findet eine kurze B e - sichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt Fulda statt.
In liebenswürdiger Weise haben sich für diesen Vormittag die beiden Musikkapellen des Standorts (Infanterie und Artillerie) unter Leitung des Herrn Musikmeisters Rohde zur Verfügung gestellt und werden während der Empfangsfeierlichkeiten von 11.15 Uhr bis 12 Uhr vor dem Stadtschloß ein Standkonzert veranstalten. Dieses Stand- konzert soll auch zu gleicher Zeit noch einmal auf das am Sonntag, abends 8.15 Uhr inden Stadtsälen stattfindende Konzert zu Gunsten des Winterhilfswerks aufmerksam machen.
Zu der Empfangsfeierlichkeit sind Einladungen ergangen. Von der Bevölkerung wird erwartet, daß sie an beiden Veranstaltungen des Sonntags regen Anteil nimmt.
Er.
In den Ruhestand versetzt wurde Lehrerin L a m b e r t in Michelsrombach ab 1. 1. 35.
Zu Landräten ernannt.
Wie der Amtliche Preußische Pressedienst meldet, wurden die Kreisleitèr Wisch in Ziegenhain und Dr. Tonnevert in Frankenberg zu Landräten ernannt. Der Regierungsrat
Bötticher in Wiesbaden wurde in den Ruhestand versetzt.
Einkommensteuermarken
kommen in Zukunft für die Entrichtung der Lohnsteuer nicht mehr in Frage. Einkommensteuerinarken dürfen zur Entrichtung der Lohnsteuer für Lohnzahlungszeiträume, die nach dem 31. Dezember 1934 enden, nicht mehr verwendet werden.
Den Apothekendienst
versieht am Sonntag, den 6. Januar, die Hofapotheke,
Fahrplan-Aenderung.
Ab Montag, den 7. Januar 1935, verkehrt Kp 2426 Fulda — Gersfeld (Rhön) (Fulda ab 21.50) 33 Minuten später:
Fulda ab 22,23, Bronnzell an 22.28, ab 22.29, Eichenzell an 22.35, ab 22.36, Welkers an 22.41, ab 22.41,5, Lütter an 22.46, ab 22.47, Ried an 22.52, ab 22,53, Schmalnau an 22.56, ab 22.56,8, Hettenhausen an 23.00, ab 23.01, Alten-
selb an 23.06, ab 23.07, Gersfeld an 2316 Uhr.
Achtung! Morgen Verkehrsumleitung!
Wegen des zu erwartenden starken Verkehrs zu dem Sportplatz „Johannisau" anläßlich des am Sonntag, den 6 Januar 1935, dort stattfindenden Bu ndespokalspiels zwischen dem „Gau Brandenburg" und dem „Gau Nordhessen" wird aus Gründen der Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs die Sickelser Straße und die Iohannisstraße
von der Straße „Ain Pröbel" ab nach der Stadt zu von 12.30 Uhr ab bis gegen 16.30 Uhr für den Verkehr mit Fahrzeugen aller Art gesperrt.
Die Rückfahrt der Fahrzeuge vom nisau nach der Stadt erfolgt während
Sportplatz Johan- dieser Zeit über
Neuenberg.
Fuldaer Märkte.
Auf dem heutigen Schweinemarkt und 11 Läufer aufgetrieben Verkauft
waren 266 Ferkel wurden die Ferkel
für 12, 16 und 20 Mark. Größere Tiere erzielten höhere Preise. — Auf dem Buttermarkt kostete das Pfund Butter 1.20—1.30 Mark, Eier das Stück 11—12 Pfennig.
Dorfborn b. Neuhof, 4. Ian. (Feuer!) In der Nacht Donnerstag-Freitag brach in Dorsborn im Anwesen des Schreiners Hillenbrand Feuer aus. Durch Stroh und viele Holzvorräte entfaltete sich das Feuer derartig schnell, daß die Frau des Hillenbrand mit ihrem 6wöchigen Kinde nur das nackte Leben retten konnte, alles andere mußte sie dem Feuer überlassen. Das Haus brannte zum größten Teil nieder. Motoren und Maschinen der Schreinerei wurden ebenfalls vernichtet. Eine Ziege lag erstickt in ihrem Stall. Die Entstehungsursache ist nicht bekannt.
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Neues Theater, Hindenburgstraße:
„Grüß mir die Lore noch einmal."
„Schön sind die Mädels von 17, 18 Jahr . . ." und ganz besonders das blonde Försterkind — die Lore — (Maria Belling), der Mittelpunkt dieser lustigen Geschichte, ist ein Stern ohne Starmanieren. Alles ist in diesem Film so frisch, bewegt und unterhaltend, daß von einer lustigen Episode zur anderen die Sympathie für das Försterkind wächst. Der prächtige Forstmeister Wendt (Shröder- Shran) und sein Forsteleve (W. Harro) treten der Gutsherrin gegenüber energisch für ihren Wald ein. Das Geld ist knapp, der junge Baron Wolfgang will im Ausland studieren, die prächtigen Eichen und Buchen sollen verkauft werden, um die Mittel zu beschaffen. Aber es kommt alles anders. Ein musikalischer Troddel taucht als Wolfgangs verkannter Nebenbuhler auf, die unausbleiblichen, komischen Situationen und Verwechslungen ergeben sich. Das urwüchsige Faktotum Jochem (eine Meisterleistung Paul Beckers) klärt die Lage. Schließlich kommt alles, wie es kommen muß: der umkämpfte Wald wird nicht abgeholzt, Baron Wolfgang bekommt seine Lore und auch Thea, der Musikstudent, geht nicht leer aus — er gewinnt Ullas Herz. Wie das alles durcheinander wirbelt, wie alles schief gehen will und sich zum Schlüsse entwirrt, kann nicht mit drei Worten erzählt werden. Das ist eine abendfüllende, höchst vergnügliche Sache. Der Gutshof, das Forsthaus, der Dorfkrug, die Ernteszene, das Erntefest und die lieblichen Landschaftsbilder — alles ist so typisch deutsch und so frei von läppischen Albernheiten, die gerne in das ländliche Milieu eingeschoben werden, daß man diesen Film rückhaltlos als Qualitätsfilm bezeichnen kann. — In dem unterhaltenden Beiprogramm wird Filmkunst einer vergangenen Epoche — aus der „stummen Zeit" gezeigt — was an Klang fehlte, mußte damals durch „sprechende Mimik" und stärkere Gesten ersetzt werden — diese Filme zeigen so recht die Schnellebigkeit der Zeit — was gestern erschütterte, hat heute schon einen leicht, mitunter sogar stark komischen Beigeschmack. Die Tonbildschau tut noch ein Uebriges, das Programm abwechslungsreich und unterhaltend zu gestalten. —ck.
Frankfurt a. M., 4. Ian. (DasVerkehrsunglück in Frankfurt a. M.-Bockenheim.) Die Untersuchung über die Ursache des schweren Verkehrsunglücks in der Schloßstraße in Bockenheim, bei dem ein Fernlastzug aus Osnabrück gegen eine Straßenbahn raste und den Motorwagen zertrümmerte, wobei eine Frau getötet und eine weitere schwer verletzt wurde, hat ergeben, daß der Kraftwagenführer Ochsenreiter das Unglück verschuldet hat. Er wurde in Haft genommen. Die schwerverletzte Frau wird wohl mit dem Leben davonkommen.
Frankfurt a. M., 4. Jan.
(Wegen Minderge-
wicht von Brot verurteilt.)
Ein Bäckermeister
hatte sich im Schnellverfahren vor dem Einzelrichter wegen Vergehens gegen das Lebensmittelgesetz zu verantworten. Bei einer Kontrolle wurden bei ihm mehrere Brote gefunden mit Mindergewichten von durchschnittlich hundert Gramm. Der Angeklagte wurde zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt.
Offenbach a. M., 4. Ian. (E i n vierfacher Soldatenvater. — Vier Söhne bei der gleichen S ch w a d r o n.) Daß ein Vater stolz ist, wenn er einen Sohn bei der Reichswehr hat, ist begreiflich. Daß zwei Söhne des gleichen Vaters Reichswehrangehörige sind, dürfte bei der geringen Stärke unserer Reichswehr schon selten sein. Mit drei Söhnen als Reichswehrsoldaten genoß bisher der Reichsbahnsekretär i. R. Ludwig Lang, Offenbach a. M., ein geborener Oberhesie (Gießen), eine gewisse Berühmtheit. Seit kurzem ist nun auch der vierte Sohn Langs Reichswehrsoldat geworden. Alle vier dienen bei der gleichen Schwadron. Tie „Schwadron Lang", wie die Formation bei dem Reiterregiment in Ludwigsburg schon hieß, als nur drei Söhne Langs bei ihr dienten, ist nunmehr also komplett. Daß die ganze Schwadron aus lauter Langs bestehen dürfte, wie der Rittmeister sich äußerte, ist ein großes Kompliment für die Söhne, auf das auch der Vater stolz fein darf. Die vier Söhne stehen im Alter von 23, 22, 21 und 18 Jahren. Der 22jährige, der beim Deutschen Turnfest in Stuttgart im 100-Meter-Schwimmen ganz knapp Zweiter geworden ist, nahm am Olympischen Schulungskurs für 1936 teil.
Offenbach, 4. Januar. (Personenkraftwagen vonei ne m Eilzugzertrümmert.) Freitag abend gegen 8 Uhr blieb auf einem Uebergang auf der Eisenbahnstrecke zwischen Mühlheim und Offenbach ein Personenkraftwagen stehen. Die beiden Insassen bemühten sich vergeblich, den Wagen weiterzubringen. Zu dieser Zeit befuhr ein Eilzug in Richtung Hanau die Stelle und zertrümmerte den Kraftwagen. Die Insassen hatten rechtzeitig den Bahnkörper verlassen.
Darmstadt, 4. Ian. (E i n bekannter hessischer Kavallerist gestorben.) In Baek bei Ratzeburg ist im Alter von 80 Jahren der Generalleutnant a. D. Viktor von Oertzen gestorben. Mit ihm ist ein alter hessischer Dragoner dahingegangen. Er begann seine militärische Laufbahn nach Verlassen der Kadettenanstalt im Großh. Hess. Leib-Dragoner-Regiment Nr. 24. Als Rittmeister wurde er später zum 1. Großh. Hess. Garde-Dragoner-Regi- ment Nr. 23 versetzt und erhielt die 2. Eskadron, die damals noch in Babenhausen lag. 1909 wurde er als Oberst mit der Führung der Großh. Hess. 25. Kavallerie-Brigade beauftragt. 1911 nahm er als Generalmajor den Abschied. Beim Ausbruch des Weltkrieges stellte er sich sofort zur Verfügung und erhielt die Führung der 33. Landwehr- Brigade, mit der er in der Schlacht bei Tannenberg zum Siege der deutschen Waffen beitrug. Der Verstorbene war nicht nur ein tüchtiger Soldat, sondern auch ein ausgezeichneter Sportsmann, und manches in Frankfurt und Darmstadt gewonnene Rennen legt dafür Zeugnis ab.
Darmstadt, 4. Jan. (Ein Kindesmörder in Butzbach hingerichtet.) Wie die Iustizpresiestelle mitteilt, wurde am Freitag in der Zellenstrafanstalt Butzbach der Kindesmörder Karl Dehmer aus Pfungstadt, zuletzt wohnhaft in Darmstadt, hingerichtet, nachdem der Herr Reichsstatthalter in Hessen von seinem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht hat. — Dehmer war durch Urteil des Schwurgerichts der Provinz Starkenburg vom 30. Juni 1934 wegen begangener Sittlichkeitsverbrechen und wegen Mottxes zum Tode verurteilt worden. Er hatte seine beiden Stieftöchter in fast noch kindlichem Alter geschwängert und das von der einen Tochter neugeborene Kind in einem Bett erstickt. An der Tötung des Kindes waren die Stieftochter und die Ehefrau Dehmers mitbeteiligt. Die Ehefrau wurde zu Zuchthaus, die Stieftochter zu Gefängnis verurteilt.